kastenmütte, -mutte
stMN.
‘Maßeinheit für die Ablieferung von Getreide an den kasten’ (vgl.
kaste
2; s.a.
kastenmâʒ
,
kastmetze
,
kastmüttel
):
ein muel leit daselben ze Widersperch, div gilt vier mezzen waizzen, ein
kastenmut rocken, funf mut habern, ein swin oder sehs schilling der langen ze
fronkost UrbBayJ
292;
item ad sanctum Petrum in der owe ad xxiiii. modios auene chastmut
UrkEnns
3,103
(a. 1241).
1,506
(a. 1264);
UrkCorp (WMU)
2984,9
MWB 3,1 171,16; Bearbeiterin: Baumgarte
kastigunge
stF.
→
kestigunge
MWB 3,1 171,26;
kastîunge
stF.
vgl.
kestigunge
.
sich selbst/ dem eigenen Körper aus religiösen Gründen zugefügte Härte,
‘Kasteiung’
an al der heiligen âbint, / dî dâ vigilien habint, / nam er
vor dî hungirnôt, / nicht wen wazzir unde brôt / unde prempzte
[bremste] alle zil / daz vleisch mit abstinenzien vil
/ und mit kastîunge hart NvJer
25644;
und mit Abbreviatur:
na der maszen der schulde sal die masze gedanen werden der uszscheidunge unde
der kestiūgen [
excommunicationis vel disciplinae
]
BrEb
24
MWB 3,1 171,27; Bearbeiterin: Baumgarte
kastmetze
swM.
‘Maßeinheit für die Ablieferung von Getreide an den kasten’ (vgl.
kaste
2; s.a.
kastenmâʒ
,
kastenmütte
,
kastmüttel
):
Eschelkoven ain hof der giltet ain mvtte waitzen, vier mvtte
rocken, vier mvtte habern, ain mvtte gersten vnde zehn kastmetzen
arwaiz [Erbsen] , fvnf metzen bonen,
[...]
UrbBayÄ
1567,a.
1566,a
MWB 3,1 171,37; Bearbeiterin: Baumgarte
kastmiete
stF.
‘Abgabe für die Benutzung eines Speichers’ (vgl. DRW 7,544):
wa er oͮch, das ûnvrît an vîeli, so sol ich in ir korn mit dem minen gein
Rôtenburc in min hûs fuͤrin vnd sol dar umme wêder fuͦrlôn nôch kastmiͤte nêmen
UrkBebenh
17,220
(a. 1312)
MWB 3,1 171,44; Bearbeiterin: Baumgarte
kastmüttel
stN.
‘Maßeinheit für die Ablieferung von Getreide an den kasten’ (vgl.
kaste
2; s.a.
kastenmâʒ
,
kastenmütte
,
kastmetze
):
die vorgenanten lavͤt vns von dem vorgenanten hoff schvͤllen dienen alle jar
zehen chast mvͤttel chorens vnd ayndlef chast mvͤttel habern vnd zwai swein an sand
Andres tag UrkEnns
5,21
(a. 1309)
MWB 3,1 171,50; Bearbeiterin: Baumgarte
kastrûn
stswM.
obd. castroun; Pl. kastrûn und
kastrûnen.
‘Hammel, kastrierter Schafbock’
daz ist daz gesetzede über daz fleisch. [...] si
sullent ouch keine hoden ab den remlern noch ab den kastroun niht ab snîden, und
sullent si an den stücken verkoufen dar an si sint StRMeran
417;
an unser frawentach der ersten geit es 8 castraun [interl. zu
castrati
] , 2 smaltz, 12 chaes UrbSonnenb
21;
es [der Minotaurus] müste alle
tage hon / zwen kastrunnen oder ain rind GTroj
21637
MWB 3,1 171,57; Bearbeiterin: Baumgarte
kastrûnîn
Adj.
hier obd. kastrouwîn; unklar ob Adj. oder Erstglied eines
Gen.-Kompositums (vgl. gerstin bri (
SalArz
1,42
).
‘vom Hammel’
castrouwin vleisch [La. (Hs. C) castrovn
fleisch
] deuwet sich schire SalArz
17,13
MWB 3,1 172,3; Bearbeiterin: Baumgarte
kastvoget
stM.
1
‘oberster, mit der Hochgerichtsbarkeit betrauter Schirm- und Schutzherr eines
Stifts oder Klosters, Kastenvogt’ (vgl. DRW 7,539-41; vgl.
kaste
2 ) 2 der für die kirchlichen Kornspeicher und das dazugehörige Abgabenwesen zuständige Verwalter
1
‘oberster, mit der Hochgerichtsbarkeit betrauter Schirm- und Schutzherr eines
Stifts oder Klosters, Kastenvogt’ (vgl. DRW 7,539-41; vgl.
kaste
2):
ego Berthold de Zaringen dux et rector Burgundie et kastfoget Turegensis
prepositure UrkWürtt
4,377
(a. 1185).
2,221
(a. 1182);
UrkEls
1,285
(a. 1187);
UrkCorp (WMU)
244A,37;
UrkSalzb
1,824
(a. 1190)
2
der für die kirchlichen Kornspeicher und das dazugehörige Abgabenwesen zuständige
Verwalter:
advocatus granariorum [(Korn)speicher] eiusdem
Salzburgensis ecclesie, qui castenvôgt vulgariter nuncupatur UrkSalzb
3,404
(a. 1231)
MWB 3,1 172,8; Bearbeiterin: Baumgarte
kastvogetîe
stF.
‘Verwaltungsbereich des kastvogets’
praeter solam advocatiam ecclesiae in Brichsina, que in vulgari chastenvoitay
dicitur UrkTirol (H)
2,230
(a. 1254);
in dess gottshuss Schänniss kastvogteye UrkGlar
105
(a. 1302)
MWB 3,1 172,21; Bearbeiterin: Baumgarte
kasugele
stswF.
auch casukel.
‘Messgewand’ (vgl. MlatWb 2,352 s.v. casucula; s.a.
kâsel
):
so der priester die kasukel angeleit, so stúrzet men daz
umeral obin dar úber Lucid
89,13
u.ö.;
so tvt er danne eine kasvgelin ane, die ist allvmbe ganz vnde ist geshaffin
alse ein glocke. vnde hat sie der prister vf die arme gelegit, so ist sie geshaffin
als ein shilt PrBerth (Kr)
62,30;
Tauler
383,25
MWB 3,1 172,26; Bearbeiterin: Baumgarte
kât-
s.a.
quât
-
MWB 3,1 172,34;
kâteblatîn
stN.
eine purpurfarbene Stoffart (vgl. EnWB. 234; W. Besch u.a., Sprachgesch., 2.
Aufl., 4,3186; Palander 114):
ûf den tepechen lâgen / die kolter von samîte / von phelle und von dimîte [
timît (griech. Seidenstoff )] / lieht unde maneger
vare. / man nam dâ vil lutzel ware / ûf ein verblichen baldekîn / und ûf kâteblatîn
/ und ûf ein aldez gewant En
12942
MWB 3,1 172,35; Bearbeiterin: Baumgarte
katel
Subst.
‘Dattel’, vgl.
datel
(evtl. c- aus t- verlesen, dann auch mit k-
geschrieben?):
lenige [reife] cateln sint warm
vnde vuchte SalArz
15,40;
so sal er ezzen vigen oder cateln ebd.
107,55;
di vncitigin kateln twingen vnde sterken den magin ebd.
15,43
u.ö.
MWB 3,1 172,43; Bearbeiter: Richter
katere
stswM.
‘Kater’
ein katze lac und het gemach; / ûf einem oven daz geschach. / ir man, ein
kater, stuont dâ bî Wildon
4,3;
daz geschiht allermaist, wenne diu katz den katern suocht in
der prunst BdN
152,9;
ein kater dûhte sich sô zart, / daz er die sunnen wolte vrîen, sô sie vrüeje
ûf gienc, / unde nam doch sint nâch sîner rehten art / ein tier, daz miuse vienc
Wartb
Fl 12,5;
StrKD
32,4;
als einem kater Renner
6586
MWB 3,1 172,49; Bearbeiterin: Baumgarte
kathaplasma
N.
‘Salbenumschlag, Wickel mit heilenden, wärmenden oder kühlenden
Bestandteilen’ (vgl. MlatWB 2,361f. s.v. cataplasma):
von dem senfe machet man ein guͦt kathaplasma
Macer
26,13
MWB 3,1 172,58; Bearbeiterin: Baumgarte
cathaplebe
swM.
ein Fabeltier (vgl. MlatWB 2,382 s.v. catoblepas, cathapleba
‘Gnu’):
von dem cathapleben. cathapleba ist ain tier, daz wont pei
dem wazzer, daz Nilus haizt, in Egiptenlant. alsô sprechent die maister Plinius und
Solînus. daz ist sô vergiftig mit seim angesiht, ob ainer im in daz aug siht, sô
stirbt er zehant BdN
131,22
MWB 3,1 172,63; Bearbeiterin: Baumgarte
catharticum, catharcium
N.
‘ein Abführmittel’ (vgl. MlatWB 2,373 s.v. catharticus):
gip im catarticum SalArz
71,29;
catarcium imperiale furdert des ersten di roten coleram
ebd.
94,55;
catarcicum ebd.
95,6
MWB 3,1 173,6; Bearbeiterin: Baumgarte
cathe
swM.
ein Fabeltier (vgl. MlatWB 2,14 s.v. cacus):
von dem cathen [de caco] . cathus
ist ain tier in dem land Archadia, daz ist zemâl stinkend als ain verunraint swein.
der maister Adelînus schreibt von dem tier, daz ez flammen auz seim hals lâz
BdN
129,2
MWB 3,1 173,11; Bearbeiterin: Baumgarte
kathecuminus
M.
jmd., der die Taufe erlangen möchte, Taufbewerber ‘Katechumene’ (vgl.
MlatWB 2,368 s.v. catechumenus):
dise lêre lêrte sus / der gotes kathecuminus / und vestent ez
vil sêre / nâch kristenlîcher lêre RvEBarl
14128
MWB 3,1 173,17; Bearbeiterin: Baumgarte
kathezizieren
swV.
‘jmdn. auf die Taufe vorbereiten, den Katechismus lehren’ (mit Akk.d.P.; vgl.
MlatWB 2,367 s.v. catechizo):
er katheziziert in sô: / ‘sun’ sprach er, ‘geloubestû / mit
vesteclîchen sinnen nû, / daz got ie was und iemer ist’ RvEBarl
6732;
er kathezizierte in sâ / mit gotlîchem segene aldâ ebd.
14155
MWB 3,1 173,22; Bearbeiterin: Baumgarte
katholicô
M.
zum mlat. Adj. catholicus (vgl. MlatWB 2,379ff.).
Bez. für den Patriarchen von Hromgla [= Ranculat], einer byzantinischen
Festung am Euphrat (vgl. Suolahti 1,121):
waz dar inne veiles læge? / derz mit gelte widerwæge, / der
bâruc von Baldac / vergulte niht daz drinne lac: / als tæte der katolicô / von
Ranculat: dô Kriechen sô / stuont daz man hort dar inne vant Parz
563,7
MWB 3,1 173,29; Bearbeiterin: Baumgarte
katîve
Adj.
‘fremd, elend, unglücklich’ (vgl. Suolahti 1,121):
ouch soullens wyr anderen haven schande / ind kative blyven in desem lande
KarlGalie
4195;
o wi mir armen wive, / wie bin ich dus keitive / hie in deseme lande / inde
ich dese schande / en weiz weme clagen, / de mich moge verdragen / na urdeile inde
rechte MorantGalie
1664.
– subst.:
wir sullen arme kative bliven HagenChr (G)
3174;
‘in truwen’ sprach der keitif MorantGalie
4857
MWB 3,1 173,37; Bearbeiterin: Baumgarte
katze
swF.
‘Katze’
1 das Tier (zur Bed. der Katze in Volks- und Aberglauben vgl. Hwb. dt. Abergl.
4,1107-1124) 1.1 allg. 1.2 in Vergleichen 1.3 in Sprichwörtern, Wendungen u. ä. (vgl. Friedrich, PhrasWB 241 sowie TPMA 6,441-465) 2 eine Belagerungsvorrichtung, die vor allem dem Schutz der Belagerer diente (vgl. Schultz, Höf. Leben 2,406f.)
1
das Tier (zur Bed. der Katze in Volks- und Aberglauben vgl. Hwb. dt. Abergl.
4,1107-1124)
1.1
allg.:
cattus: katze VocOpt
45.068;
musio oder murilegus oder cattus haizt ain katz. daz ist
gar ain listik tier BdN
151,24;
diu katze mint unreine, entreint daz reine RvZw
165,7
u. ö.;
er muoste loufen unde gân / ûf manigen hôhen rûhen berc,
/ dâ weder katze, noch getwerc / möht über sîn geklummen KvWTroj
6190;
ein alsô armez hûs, / dâ diu katze noch diu mûs / sich niender inne moht
ernern Georg
1896;
Barth
139,29;
ReinFu
K,313;
RvEBarl
10551.
– eine →
merkatze
(?):
dâ [auf dem Schild] lûhte
in swarzem schîne von / ein wildiu katze von dem mer KvWTroj
33071.
– das Niesen einer Katze in Verbindung mit magischen Fähigkeiten
(?):
dir het diu katze niht genorn [geniest] , /
frumer kneht; und wær ez wâr! [vgl. Anm.z.St.]
Helbl
1,1393
1.2
in Vergleichen:
– Aussehen betreffend:
ir [Flatas] antlitz ist
fraßlich. / geleich ainer wilden katzen HvNstAp
4380;
verwâze von mir den Satân, / der [...] als
ein eber ist gezan / und hât alsam ein katze gran
[Schnurrhaare]
MarGr 18
61;
Herb
7691.
– Verhalten betreffend:
si [die merker
] sehent umb sam diu katze nâch der mûs SM:Had
3: 5,5;
als die katze mit der mûs / spilten die Oselêre LivlChr
1230;
er [der Löwe] îlte ûz sîme neste / zuo dem
pherde wünneclich / und hete sam ein katze sich / gestrûbet und gesmücket, /
diu sich zesamne drücket, / sô si der miuse lâgen muoz
KvWPart
10526;
HvNstAp
4618;
Bez. ketzer abgeleitet von katze bei
PrBerth (vgl. auch die weiteren Ausführungen von
1:402,21 bis 1:403,21):
er hiez in einen ketzer. daz tet er dar umbe, daz er sich gar wol
heimelîchen gemachen kan, swâ man in niht wol erkennet, als ouch diu katze
PrBerth
1:402,23
u. ö.
1.3
in Sprichwörtern, Wendungen u. ä. (vgl. Friedrich, PhrasWB 241 sowie TPMA
6,441-465):
als diu katze ûz kumet, sô rîchsent die miuse: als ir [der
Dienerschaft] hêrschaft ûz kumet, sô hebet sich grôz unzuht
PrBerth
1:85,6;
sô diu katze gevrizzet vil, / zehant sô hebet sî ir
spil [als Anspielung auf Iweins Übermütigkeit während eines
Gelages]
Iw
823;
diu mûs ungerne ziuhet kint, / swâ si weiz, dâ katzen sint
Freid
141,14
u. ö.;
man streichet eine katzen schon, / um daz sie miuse jaget
Frl
9:10,13;
duͤ kaz den vischen ist gefaͤr / vnd wa si by dem wazzer waͤr / si woͤlt
dar in komen nicht MinneR 53
77;
dû [
werlt
] ziuhest mir den halm alsô einer jungen katzen vor
WernhSpr (Z)
64,3;
RvMunre
1257.
–
diu ~ belîbet jmdm. ûf dem rücken etwa i.S.v.
‘etwas Unangenehmes/ eine Last (er-)tragen müssen’ (?)
(vgl. DWB 5,285):
daz mir belibe hie / ûf dem ruck diu katze, / daz
Niuhûs [eine Burg] , ze tratze
Ottok
54835.
– in der Fabel ‘Rat der Mäuse gegen die Katze’ (vgl. Dicke/
Grubmüller Nr. 483; zur aus dieser Fabel erst später erwachsenen Wendung
einer katze die schellen anehengen/-binden u.ä. vgl. DWB
5,283, FWB 1,1238 sowie TPMA 6,461):
da sollen wir [die Mäuse] henken an / der
katzen eine schellen [s. Anm.z.St.]
KgvOdenw
8,27;
Boner
70,27
2
eine Belagerungsvorrichtung, die vor allem dem Schutz der Belagerer diente (vgl.
Schultz, Höf. Leben 2,406f.):
testudo: katze VocOpt
29.051;
der kunic het mit im genomen / antwerc und einez, heizet
katze Ottok
9106
u. ö.;
czu hulfe desir eynunge so sullen wir furin eyne blidin, eyne kaczin und
czwenczig schiczin mit rucarmbrustin UrkErf
2,191
(a. 1343);
Kreuzf
6452;
KLD:BvH
16: 2,8.
– im bildhaften Vergleich:
hie wurt rehte die katze an die mure getrungen; schiere
so der mensche in kummet in daz riche daz in uns ist, die muren súllent schiere
gevellet werden Tauler
419,37
MWB 3,1 173,47; Bearbeiter: Luxner
katzenber
stNF.
Bez. für unterschiedliche Pflanzen, s. AWB 5,59
MWB 3,1 174,58; Bearbeiter: Luxner |