k – cadmia kaf – kalc calcaire – 2kalle 3kalle – kaltlîchen kaltnisse – kamerærse kamerbëlle – kamerselde kamersidel – kampfer kampfgenôʒ – kampfwât kampfwërc – kanonîen kanonike – kanzelschrîbære kanzwagen – Cappadociære kappân – kappûnen capût (?) – kardenâldiaconus karele – karra(t)sche karre – karthiusære kartur – kæselîn kæse|lüppe – kasten kastenære – kathecuminus kathezizieren – kauerære (?) kauergerihte – kefse 1kegel – keisertuom keitivic (?) – kelken këllære – këlre këlstëchære – 2kemelîn kemelînvleisch – kendelîn kenecte – keppechîn keppeler – kerkerhaft kerl – kerrîne kerschlich – kerzîn kerzlach – ketenwambîs kettelinc – keʒʒelære keʒʒelærinne – kîche kîchen – kiesærinne kiesen – kindebet kindechîn – kindestac kindestohter – kintbettegemach kintbetten – Kiperære Kiper(e) – kirchenbrëchære kirchenerbe – kirchhërre kirchhof – kirchtac kirchtor – kirnen kirnîn – kitzelen kitzelîn – kiuwe kiuwen – klâfterlanc klâftermâʒe – klagenôt klagerede – klamben klamen – klæret klârheit – klëber klëbereht – klegerse klêgrüene – kleinlîche kleinlîcheit – kleinvüegunge kleinzëhende – klepfze kleppisch – klinge klingelære – klobeholz klobelouch – klôsterknëht klôsterlëben – klôsterweide klôsterwërre – klûde klüege – klupfen kluppe – klutterât klûwen – knëhtelîn knëhten – kniel (?) knieleip – knodebôʒe knödel – knubelen knugelîn – kobel kobel – kochman kochsudel – kôle kôlegruobe – kolner kölnisch – komelinc komen – condewier condewierde – konkavelite, konkavelit conplêt – convëntkopf convëntswester – koraze (?) körbelîn, körbel, körblî – körnære kornban – kornmesse kornmetze – corporâl corporâlgewæte – kostebæric kostebærlich – kötze kotzeht – koufgenôʒ koufgiric – koufschalc koufschanze – krachen kradem – krâme kræmel – kranc- krancmüetic – 1krapfe 2krapfe – krëb(e)ʒ krëbeʒen – krefticheit krefticlich – kreiʒgengel kreiʒlingen – kreter kretscheme – kriechelîn kriechen – krîgen krîieren – krippen- krîsch – kristâbent kristalle – kristenin kristenisch – kristiâne kristier – kriutener kriuzaltære – kriuzloht kriuzphenninc – 1krœnen 2krœnen – krotenstein krotenstutz – krülle krüllel – krupfei krüpfen – krûtmezzer Krûtnowe? – kûchen kuchenære – küechelmël küefelære – kugelhuot kügellîn – kumberlich kumberlîn – kûmen kumer – kunde künde – künftigære kunftlich – künigeslêhen künigessilber – künstelîn künstelôs – kuntmeister kuntsame – kuosërtærinnesun kuo|smër – kuppe 1kuppel – kurdewân kurdewænære – kurpen kürre – kurtois kurtoisîe – kurzwîle kurzwîlen – kuster kusterîe – kutzelvleisch kützen – kûze
|
künstewîs
Adj.
‘gelehrt, klug’
ein prophête künste wîs KvWTroj
4537.
– subst.:
nu dar, ir kuͤnst wisen, / helfet mir ze ruͦm
prisen / die getat da vor der stat WhvÖst
7259
MWB 3,2 741,23; Bearbeiterin: Herbers
künstic
Adj.
1 bezogen auf Wissen ‘gelehrt, klug’ (zu
kunst
stF. 1 und 2 ) 2 bezogen auf verschiedene Fähigkeiten ‘geschickt, gekonnt, kunstfertig’ (zu
kunst
stF. 3 ) 3
tac
‘Lichttag’ , im Gegensatz zur Nacht
1
bezogen auf Wissen ‘gelehrt, klug’ (zu
kunst
stF. 1 und 2):
die meistere, di er dô gwan, / di wâren cunstige man. / si
begunden in wîsheit lêren SAlex
192;
ir namen ich iu nemmen sol: / Abîathar der eine hiez
[...] der dritte Gôdolîas; / der vierte was ein künstic
man / und was geheizen Annan KvWSilv
2753;
er hât der zweier sprâche hort / gelernet als ein wîser man. / franzeis ich
niht vernemen kan, / daz tiutschet mir sîn künstic munt KvWPart
213;
Pass III
674,21;
zwêne phaffen lîse, / die wârn kunstic und wîse
Ottok
13054.
23113;
[
Jason was
] manicfaltic an der lere, / kvnstic
an dem sinne Herb
155;
der fürste der schrift sô wîse was, / daz man vor noch sît / biz her unz an
dise zît / nie sô künstic herze vant UvEtzAlex
8363;
so suͦln si auch iren chinden einen schulmaister schaffen, des si nvtz
vnd ere haben an chuͦnst vnd an eren, so si in aller besten immer vinden
[...], als si vmbe irre vrevnde chuͦnstig
lernuͦnge got antwurten svͦln UrkCorp (WMU)
2345,20;
RvEAlex
3739.
3817;
PrHess
69,1;
Tit
70,2.
– subst.:
die jungen machest du [die
Welt] wilde / und gibest den bosen bilde / den kunstigen unde
den wisen Erz III
41,229
2
bezogen auf verschiedene Fähigkeiten ‘geschickt, gekonnt, kunstfertig’ (zu
kunst
stF. 3):
si truog ouch an ir lîbe / pfellel den ein künstec hant /
worhte Parz
808,5;
Garel der ellens rîche / het ouch rîchiu kleider an / von phelle, den ein
künstic man / worht in der stat ze Tasmê PleierGar
17022;
Bit
7466;
nie mâler sô künstic wart Mai
84,36;
Kâedîn sîn wachs truoc / zu einem smide künstic gnuoc
HvFreibTr
5974;
PleierGar
10293;
mîn zunge ist niht sô künstic, / daz si betiuten künne / die
manicvalten wünne, / die si dâ funden beide KvWTroj
22948;
dise âventiure nem sich an / ein sô künstiger man / der
wildiu wort künne zamen Wig
11654;
vîrtûsint man er an sich nam, / dî er weste helde / an
manheit ûzirwelde, / kunstig unde starc in strît NvJer
23506;
wurtzpette [Kräuterbeete] die
[...] gesetzet sint uone deme chunstigen
pimentâre [Gewürzkrämer]
TrudHL
80,27
3
~
tac
‘Lichttag’, im Gegensatz zur Nacht:
die kuͤnstigen tag beginnent sich an der sunnen
aufgank [...] und enden sich an der sunnen underval
KvMSph
41,4;
so sint in ietleichem kuͤnstigen tag zwelf naturleich
stund ebd.
43,23.
50,27
u.ö.
MWB 3,2 741,27; Bearbeiterin: Herbers
kunstic-, künsticlich
Adj. , -lîche(n)
Adv.
1 bezogen auf Wissen ‘klug, verständig’ (zu
kunst
stF. 1 ), Adv. 2 bezogen auf verschiedene Fähigkeiten ‘gekonnt, kunstfertig,
kunstvoll’ (zu
kunst
stF. 3 )
1
bezogen auf Wissen ‘klug, verständig’ (zu
kunst
stF. 1), Adv.:
dise lêre sult ir nâhe tragn: /
[...] / des nemet künsteclîche war Parz
173,6
2
bezogen auf verschiedene Fähigkeiten ‘gekonnt, kunstfertig,
kunstvoll’ (zu
kunst
stF. 3):
– Adj.:
dô begunden si [die
videlære
] ez rîben
[geigen] / mit künsticlîchen griffen
Wig
8480;
daz was ein michel wunder und künsteclîch genuoc, / daz er
[Siegfried] mit dem sprunge den künic Gunther
doch truoc NibC
475,3;
aloe daz ist ein boum [...]; /
di salbe dar ûz getempert wart / von der wurzel und dem saffe, / der mit
vlîzundem laffe [Saft] / ûz dem holze dringet, / sô
man in des twinget / mit kunsticlicher meisterschaft JvFrst
11159;
ich diene der künsteclîchen
hant [Gott] / vür der heiden got Tervagant
Wh
310,1.
– Adv.:
dâ wart von tûsent helden vil kunsteclîch geriten
NibB
1891,3;
Ywâneten niht bevilte, / ern lêrte in
[Parzival] underm schilte / künsteclîch gebâren /
und der vînde schaden vâren Parz
158,3;
[von Gott:] die helfeclîche hant / diu bêde wazzer und
lant / vil künsteclîch alrêst entwarf Wh
309,17;
diu sælde künsteclîchen tuot ebd.
283,2
MWB 3,2 742,10; Bearbeiterin: Herbers
kunstigære
stM.
1
‘Kenner, Gelehrter’
2
‘Künstler’
1
‘Kenner, Gelehrter’
meistir Jacobus / von Tessolis ein kunstiger, / [...]
ein meistir in der heilgin schrift PfzdHech
161,11.
185,34.
289,16;
von wanne kumt sy [Weisheit] her? /
und wer ist ouch der kunstyger / der sy kan und mac verlyen? Hiob
10912.
10640
2
‘Künstler’
wer hat geworcht di
vorspan [Gewandspange] ? / daz hat des kunstigeres hant
getan Brun
4487.
4374;
das lant [...], das hot vil kunstiger uf sydin und
mit golde MarcoPolo
28,17
MWB 3,2 742,34; Bearbeiterin: Herbers
künstlich
Adj. , künstlîche
Adv.
kunsten-
GTroj , Minneb , konste-
MinneR 481 .
1 bezogen auf Wissen oder Wissenschaft ‘gelehrt, klug’ (zu
kunst
stF. 1 und 2 ) 2 bezogen auf verschiedene Fähigkeiten ‘gekonnt, geschickt,
kunstfertig, kunstvoll’ (zu
kunst
stF. 3 ) 3
‘künstlich’ im Gegensatz zu ‘natürlich’
1
bezogen auf Wissen oder Wissenschaft ‘gelehrt, klug’ (zu
kunst
stF. 1 und 2):
sô günnest mir daz ich gelige / volleclichen in dem lobe / und ich dir müeze
sweben obe / an künstlicher meisterschaft KvWSilv
4793;
mit kunstlîchem orden / hâte in
[Alexander] Aristôtiles / liberâles septem artes /
gelêret RvEAlex
2156;
mit kúnstlichir liste kraft / wͦhs ouh ir liste
meisterschaft / an manegir kunst mit wisheit RvEWchr
679;
inder zyt das dat geschach, / mine schole sus voirsich brach, /
met konstelicher lere / suchte man sy harde sere MinneR 481
63;
nu enbyn ich leider so kuͦnstlich neit / dat ich dat boich moge
volmaichen / van alle den dingen ind den saichen / die Coelne schade haint gedain
HagenChr (G)
9;
alle di schule [...] di suͦln dem selben
maister vndertænich sein mit zinse vnd mit zvht chvͦnstlicher bewarunge
[Sorgfalt]
UrkCorp (WMU)
2345,27.
–
an ~ em prîse
‘von gelehrtem Ruhm’
nû wâren von dem lande dar / vünf und vünfzic meister
komen, / die alle wâren ûz genomen / an kunstlîchem prîse RvEBarl
809;
an kunstlichem prise / was ein pfaffe unwise Pass
I/II (HSW)
13669
2
bezogen auf verschiedene Fähigkeiten ‘gekonnt, geschickt,
kunstfertig, kunstvoll’ (zu
kunst
stF. 3):
gein dem [Ernalt] tet er
[Willehalm] widerkêr / mit kunstlîchem kalopeiz
Wh
118,5;
uns zeiget sîn getihte / vil künstliche geschihte. / ez ist eben unde ganz
UvTürhTr
10;
mitt vil kunstenlichen liden / ward daz werk gefügett
GTroj
3832;
funff schone fenster: / die gaben hellen glenster / gar uz der
moßen riche / und auch gar kunstenliche Minneb
216;
im quam ein tuvels bote, / den beswur er in der rote / mit
kunstlichem gewalde Pass I/II (HSW)
38943;
do wolde er [Simon] vor aller diet
/ mit kunstlichen sachen / der rede ein ende machen ebd.
20949.
24549;
sus gienc got sime rechte / nach mit kunstlicher
spe [Aufmerksamkeit] , / daz iz der tuvel nicht ense
HeslApk
969;
daz di dri [Vater, Sohn,
Geist] genant sin ein / sam di sonne di hute schein, / daz brenge ich
uf kunstliche sla [Weg, Fährte] , / seht wie ich di rede
anva Brun
4425.
– Adv.:
wer kunstlich volget der sla Brun
1046;
tumpheit strâfen und spot, /
[...] / in dirre welte kurzen tagn / lêrte
kunstlîche bejagn / der sinnerîche Vrîdanc RvEAlex
3234;
von Zazichovn her Uolrich /
[...], / der uns daz mære und die getât /
künstlîche getihtet hât ebd.
3202;
dô zôch er ûz dem buosem sîn / ein wol gemachet tevellîn /
[...], / dar an er kunstlîche las ebd.
586
3
‘künstlich’ im Gegensatz zu ‘natürlich’
gunderfai [...] ist zwairlai:
nâtürleich und künstleich. daz künstleich wirt von golt und von silber, wenn man daz
zesamen mischt, [...] daz nâtürleich geleicht im an der
varb BdN
478,7
MWB 3,2 742,44; Bearbeiterin: Herbers
kunstmeister
stM.
‘Meister einer Kunst, einer Fertigkeit, Künstler’
musicus: gesanges kunstmeister VocOpt
38.017;
die gnade get vz gode recht alsz der schin von der sunnen vnd alz der zwig von
der wortzelen [...] vnd alz daz bilde von dem kunstmeister
Gnadenl
3:O1,182;
wan daz worte des
künstmeisters [
artificis
] ,
[...] daz ist ein biltlich glichnüsse der ding, dü da
von dem künstmeister geschehent ThvASu
40,11;
nu ist daz wissen oder die künste dez kunstmeisters ein sache
der künstlichen dingen ebd.
248,21.
260,25
u.ö.
MWB 3,2 743,36; Bearbeiterin: Herbers
kunstvluʒ
stM.
‘strömende Inspiration’, bezogen auf Dichtung:
ahy, kunst fluͤz la mir ain don / fliezzen in die
zirke [Umkreis] / der sinne WhvÖst
13216
MWB 3,2 743,47; Bearbeiterin: Herbers
kunt
Adj.
im Reim auch kuont [: (be-, ge-)stuont
u.a.]
Parz
218,18.
288,26.
446,1
u.ö.
– ahd. kund, urspr. Verbaladj. zur idg. Wurzel
*g̑neh-
‘erkennen’, woraus ahd. kunnan, mhd. kunnen (EWA 5,879);
vgl. →
künde
Adj.
1 attr., ‘bekannt’
2 präd. 2.1
~ sîn
2.1.1
‘etw. ist bekannt’
2.1.2
‘jmdm. ist etw./jmd./ein Tier bekannt, jmd. kennt, weiß etw.’
2.1.3
‘jmdm. ist etw. zuteil geworden, jmd. hat etw.’
2.2
~ werden
2.2.1
‘bekannt, gesagt, erklärt werden’
2.2.2
‘jmdn. (Gen.) kennen lernen’
2.2.3
‘jmd. (Dat.) lernt etw. kennen, erfährt etw.’
2.2.4
‘jmdm. wird etw. zuteil, widerfährt etw.’
2.3
~ tuon
2.3.1
‘(jmdm.) etw. bekannt machen, sagen, zeigen; (jmdm.) jmdn. bekannt
machen, verkünden’
2.3.2
‘(jmdm.) etw. erweisen, zuteil werden lassen’
2.4
~ machen , ‘(jmdm.) etw. bekannt machen, sagen,
zeigen’
3 subst., ‘jmd., der bekannt ist, den man kennt; der Einheimische’ , 3.1 allg. 3.2 in formelhaften Verbindungen 3.2.1
die kunden unde die geste/ vremden u.ä., eine Gesamtheit bezeichnend 3.2.2 mit vriunde
1
attr., ‘bekannt’
di sine chunden stimme / uernamen si Rol
6066;
si sagt’ im kundiu mære NibB
898,4;
durch diu kunden mære vrâgen er began, / wie sich Etzel
gehabte ebd.
1437,1;
von decheineme kvndin clostre [
de alio noto
monasterio
]
BrHoh
61;
kundes weges frâgten sie LvRegSyon
540.
–
~ und/ oder vremde, eine Gesamtheit bezeichnend (vgl.
3.2.1):
die vremden / namen und die chunden Aneg
349;
daz schœniste wîp [...] / die mîn ouge ie
gesach, / vremde oder kunde Er
4092
(oder zu 3.2.1, d.h. subst., in elliptischer
Ausdrucksweise: die mîn ouge ie gesach, vremde oder kunde [ie
gesâhen], d.h. ‘ich oder irgendwer’)
2
präd.
2.1
~ sîn
2.1.1
‘etw. ist bekannt’
diu dinch diu chunt sint und offen sint
PrOberalt
127,35;
diu ir unmâzen scœne was vil wîten kunt
NibB
45,1;
iz sei merkleich oder chunt, daz [...]
StRBrünn
373;
daz [
ist
] kunt und gewizzen
NüAchtb
71
(a. 1349);
Seuse
453,17
2.1.2
‘jmdm. ist etw./jmd./ein Tier bekannt, jmd. kennt, weiß etw.’
dem sint kunt diu rîche und ouch diu vremden lant
NibB
82,1;
im wârn die wege wol kunt Iw
5145;
jâ ist mir kunt / sîn name ebd.
2109;
got, dir sint alliu herzen kunt Winsb
71,1;
LobGesMar
56,9;
daz vil manigen herzen wol ist kunt MF:
Mor
12: 4,3;
mir ist sîn manheit wol kunt Iw
3414;
daz ir ietweders maht / wol dem andern was kunt
ebd.
7351;
des mêres grunt / dem möhte kunt / sîn mîn langez
wüefen SM:St
9: 3,8;
mir ist ein dinc wol kunt Iw
193;
mit den gezivgen, den ez chvnt vnt gewizzen ist UrkCorp
(WMU)
1136,37;
daz ist uns von den buochen kunt Eracl
5260;
daz ist mir von den goten kunt Wh
219,15;
iu ist wole chunt daz mir mîn wîb gwan zwei chint
Gen
2395;
iu ist niht rehte kunt NibB
1031,2;
baz / [...] danne ir wære
kunt Iw
1545.
– vereinzelt von Lebewesen:
durch daz nenne ich iuch vriunt min, wande ich iu
chunt sol sin AvaLJ
124,3;
dem daz ros was chunt VAlex
268.
– mit Gen.d.S.:
ein kunst heizet ‘hab hindan’, / derselben tugent ist
im [dem Maulhelden] kunt, / sie læt in
selten werden wunt Helbl
1,858.
– mit Präp. umbe, ûf, ze:
sî dir nû [...] / kunt
umb selhe wâge iht Iw
539;
als ir wære [...] niht
umb sîn geverte kunt ebd.
3613;
ob in iht kunt wære / umb in ebd.
5938;
so scholden sy [...] sagen, was in vm
diselb sach kunt vnd gewissen wer SchöffIglau
64;
mirst umbe daz bilde kunt: / ez ist mîn frowe
SM:KvL
1: 3,11;
als mir dar vmbe ist kvnt [ich mich
darauf verstehe]
ReinFu
K,1624;
dem was wol kvnt [der kannte sich
aus] vf dem mer Herb
3631;
ald im ûf minne ist kunt [er sich
darauf versteht]
SM:Had
12: 3,4;
dem ze ritterschaft ist kunt [wer sich darauf
versteht]
Greg
1376
2.1.3
‘jmdm. ist etw. zuteil geworden, jmd. hat etw.’
dô was den Nibelungen vil michel arbeite kunt
NibB
1058,4
(vgl.
ebd.
1393,4
unter 2.2.4).
– hierher oder zu 2.1.2:
[
den tôren
] ist niht mêre witze
kunt Iw
3269;
alrêst was im grôz angest kuont
Parz
417,10
2.2
~ werden
(2.2.1-2 ohne, 2.2.3-4 mit
Dat.d.P.)
2.2.1
‘bekannt, gesagt, erklärt werden’
diu mære wurden wîten kunt Wig
8691;
daz wirt her nâch [im folgenden
Text] kunt BdN
190,16;
als her nâch kunt wirt ebd.
194,15
2.2.2
‘jmdn. (Gen.) kennen lernen’
(so EnikWchr , Glossar, mit
~
in der
aktivischen Bed. ‘kennend, wissend’, vgl. DWB 5,2617 unter
kund
II,1,a):
dû muost ir wærlîch werden kunt / und ir minne
EnikWchr
14008
2.2.3
‘jmd. (Dat.) lernt etw. kennen, erfährt etw.’
dâ von wart im kunt / der wille sînes kindes
NibB
50,2;
dô wart sîn jaget daz rîche wol den Burgonden kunt
ebd.
939,4;
mir is schiere worden kunt / der starken minne ungemach
En
10160;
daz mir dristunt / diz selbe dinc werde kunt Pass III
44,18;
wier [...] wellen, daz offenbar und chunt
werde allen [...], daz
[...]
StRBrünn
380;
sô wart Dario chunt / von einem, der vone Tyren
entran, / daz Alexander [...] / sîne liute habete
gevangen VAlex
1020;
uns ist wol von mæren worden kunt, / wie Alexander
fuor [...] an des mêres grunt SM:
UvS
28: 2,1;
vereinzelt von einer Person:
do wart er [Christus] chunt
der menige PrOberalt
66,38
2.2.4
‘jmdm. wird etw. zuteil, widerfährt etw.’
sît wart in arbeiten kunt NibB
1393,4;
ez wirt grôz schade in beiden kuont
Parz
242,18;
ir wart ein sterben kunt Rennew
25392.
36234;
fröide grôz / wirt dâ beidenthalben kunt
[wo zwei sich lieben]
KLD: UvL
29: 5,11;
swie mir nie kein trôst wart von ir kunt SM:
Had
12: 5,4;
der muote [Kampfbegegnung] was erlâzen /
der ritter Îdêrs unz an die stunt: / diu wart im sît garwe kunt
Er
779;
dô wurden mir dîn minne kunt, / do gewan ich dizze kindelîn
SchneekindA
26;
und wart ir kurzlichen kunt / ir vil sæliger vunt
Iw
7947;
ich wânde, iz wær iu anders chunt KvFuss
841;
waz mir [...] / von minnen
ist worden kvnt Herb
11187;
baz danne im dâ vor ie wart kunt Wh
274,30;
si begunde al rôt värwen sich: / als ê was gevar ir
munt, / wart al dem antlütze kunt Parz
633,26.
– mit Gen.d.S., ‘jmd. erlebt, erfährt etw.’ (vgl. DWB
5,2617 unter kund
II,2,e):
mirn wart nie svlcher not kvnt
ReinFu
K,447;
e mir [...] / sulcher
richeit me werde kunt Brun
161
2.3
~ tuon
2.3.1
‘(jmdm.) etw. bekannt machen, sagen, zeigen; (jmdm.) jmdn. bekannt
machen, verkünden’
(häufig in Publikationsformeln von Urkk.;
vgl. gleichbed.
~ machen unter
2.4):
ich [...] tvͦn chvnt mit disem brief
vnder minem insigil, daz [...]
UrkCorp (WMU)
39,2
mit kvrtzer rede tvn ich kvnt, / waz da gescriben
stunt Herb
10819;
si tet wîplîche fuore kunt Parz
110,28;
ein stein, des namn tuon ich iu kuont ebd.
741,12;
aldâ teter ime kunt / unde liez in gesehen / allez daz im solde
geschehen En
3618;
die [...] vrouwen tâten im
kunt / ir gruoz Wig
8660;
der wirt
tete [
im
] kunt / alle sîne swære
Iw
4454;
dem du [...] / tæte
[...] fîanze kunt [den du mit dem
sicherheit geben bekannt machtest]
Parz
86,2;
wier [...] tuen kunt [
notum
volumus esse
970A,31
] allen den,
die dizen brief lesint oder hoͮrent lesin, daz
[...]
UrkCorp (WMU)
970B,31;
er seite in unde tet in kunt, /
[...], / wie er si vunden hæte
Tr
17663;
dâ mite teterz im kunt Iw
3893;
die jâmerlîchen blicke / tet er in mit den ougen
kunt Parz
789,15;
daz wart ime dâ gitân rihte chunt VAlex
536;
daz tuon ich iu entiuschen kunt Wig
3756.
– mit Sachsubj.:
der munt / [...] tet
rœte kunt Parz
758,20;
ir rôsevarwer munt / gein mir tet sîn lachen kunt
KLD: GvN
31: 2,5;
der visch [auf dem
Wappen] tet daz kvnt, / daz sin [des
Thelogonus] lant in dem mere stunt Herb
18304;
daz buch mir kvnt tut, / die kerzen
[...] / waren von grozzer ziere ebd.
10680;
dirre brief tuͦt kunt allen [...],
daz [...]
UrkCorp (WMU)
206,25;
uns tuot diu âventiure kuont / waz
diu [Säule] wunders mohte hân
Parz
589,30.
565,6.
734,10;
der vrouwen tet ir herze kunt / daz si niht
ervuor wan lange sider Wh
291,2;
En
9293;
Herb
9698;
SM:Te
7: 3,4.
– auf Personen bezogen:
do wart er [Christus]
chunt getan von Moyse und von den wizzagen PrOberalt
13,22;
[die Apostel] taten in chunt ebd.
62,27;
tuon den
herbst [personif.] mit vollen kunt
SM:Had
18: 1,13;
e denne unser herre der heydenscheft chunt getan
wuͤrde PrOberalt
81,3;
neve, tuo den gesellen dîn / mir kunt
[mache mich mit ihm bekannt]
Parz
758,8.
– mit Präp. umbe:
Nemrot det im kunt / umb das land
HvNstAp
8834;
Wh
464,1;
ich hân in mînes willen / ein teil dar umbe kunt
getân Iw
2367.
–
sich ~ tuon:
[senkrecht in einen Brunnenschacht einfallender
Sonnenstrahl:] rihtecliche unz an den grunt /
tuͦt sih der schin mit rehte kunt RvEWchr
3039;
mit turnæien unde mit weiben / teter sich chunt dem lande
Serv
3333
2.3.2
‘(jmdm.) etw. erweisen, zuteil werden lassen’
vnde tet daz [seine
Barmherzigkeit] an einem suntigim wibe kunt
Spec
57,17;
sô minneclîch enpfâhen gehôrte man noch nie, / sô die
vrouwen beide der briute tâten kunt NibB
589,3;
daz mir nicht tuot / genâde kunt mîn frowe guot
SM:Had
36: 1,11;
dîn kraft tet uns helfe kuont Parz
752,21;
in wart strîten kunt getân NibB
1611,4;
daz wart im anders kunt getân [davon
widerfuhr ihm das Gegenteil]
Iw
3868
2.4
~ machen, ‘(jmdm.) etw. bekannt machen, sagen,
zeigen’
(vgl. gleichbed.
~ tuon unter
2.3.1):
ich mache dîn afterchunft dâ vil wîtene chunt
Gen
2522;
hie sullen wir merken, wie ein lerer welle kunt machen hab der minne
[vgl. magister [...] notificare
nitatur habitum charitatis
]
RvBib
96,18;
habt ir des ê niht vernomn, / sô lât michz iu machen
kunt Parz
682,7.
769,23;
ein rîcher munt / solt iu diz mære machen kunt
Wh
376,14;
solt ich se iu alle machen kunt, / wer dâ tôt wart gevalt
ebd.
410,6;
[Publicatio:] wir [...]
machent kunt vn̄ gewissen allen den, die dis briefe sehent, lesent ald
horent lesen, daz [...]
UrkCorp (WMU)
1624,4;
mit brieven und mit sag / machten si dem kunic kunt, / wie
er [...]
Ottok
1909;
Parz
43,20;
SM:KvL
2: 5,6.
– vereinzelt mit Dat.d.S.:
ich sol [...] iwern ougen
machen rœte kunt Parz
136,6
3
subst., ‘jmd., der bekannt ist, den man kennt; der Einheimische’,
sw(st)M.
(st. flekt. nur
PsM
54,14;
TürlArabel
*A 212,18;
Brun
5824;
Pl. außer
Exod
290;
UvZLanz
2843
)
3.1
allg.:
ouch die kunden / sach man ir zere
giezen [vgl. Dn 13,33 flebant ... et omnes qui noverant
eam
]
Daniel
7614;
daz [die zuvor Aufgezählten]
warn allez kvnde TürlArabel
*A 212,18;
mit Poss.-Pron.:
ir hêrren, dise hunde, / disen hirz und dise liute, / die
verlôs ich hiute; / nu hân ichs aber vunden: / diz sint mîne kunden
Tr
2780;
(bildl.:)
mínne ùnde ir kunden / die sint mir wol erkant
KLD: GvN
20: 3,8;
Diebalt für kêrte / zeime sînem kunden. / er gewan
[...] / ein herberge inme palas
UvZLanz
2843;
wie ez dort was ergangen, / daz sagt er sînen kunden
[Vertrauten]
Ottok
7662;
(viell. F.?)
ir megde unde ir kunden [vertrauten Personen]
Elis
6895;
Exod
290
3.2
in formelhaften Verbindungen
3.2.1
die kunden unde die geste/ vremden u.ä., eine Gesamtheit
bezeichnend:
man enpfienc [...] / die
kunden und die geste Tr
12537;
kunden, gesten disiu mære diu sag ich KLD: Dürner
3,2;
die besten / under kúnden und gesten
RvEWchr
33530;
die chunden zu den gesten StrKD
61,104;
die geste zuo den kunden Kudr
709,1;
Tr
6293;
EnikWchr
22534;
s.a. Friedrich, PhrasWB S. 156. 257f.
–
den vremden und den kunden gab er ross und guot
gewant NibB
27,4.
37,4.
1390,1;
Parz
592,11;
Helmbr
1202.
1543;
vor den kunden hal erz sêre / und vor den fremden michels mêre
LvRegFr
3460;
daz wir des vorgenanten aîgens sein gewêr sullen sein
[...] gegen vromden oder gegen chvnden
UrkCorp (WMU)
1357AB,40,39;
die vremden mit den kvnden Freudenl
86;
JMeissn
A1:9,18;
s.a. Friedrich, PhrasWB S. 434.
–
si hazten ir mage ir vrunde, / si hazten ir kunde
und unkunde Brun
5824
3.2.2
mit vriunde:
[Maria und Joseph] suchten in
[Jesus] ze ir chunden und ze ir
freunden [Lc 2,44 inter cognatos et
notos
]
PrOberalt
27,31;
beide bî den friunden und bî den kunden Renner
18428;
Tr
2599;
WvRh
1703
MWB 3,2 743,51; Bearbeiter: Bohnert
künten
swV.
bair. (s. Spec , Einl. S. CXXf.). – vgl. →
kuntesal
,
underkündel
; an. kynda, engl. kindle (s.
DWB 5,555).
1 tr., ‘anzünden’
2 intr., ‘jmdm. einheizen’ , übertr.
1
tr., ‘anzünden’
– ein Feuer:
[Abraham] worhte [...] einen
alter unde chonte dar ûf sin uiwer Spec
102,22;
[der vivrær in der chvchen
] sol den wit
haken vnd daz vivr chvͦntten UrkGeisf
436
(13. Jh.);
si wolt mit dem holz fiwer chönden PrStPaul
84,21.
– etw. Brennbares:
ob in einem marchte oder in einem dorfe ein haus oder mer schedelich
gechundet wird MGHConst
2:598,14
=
UrkWittelsb
1,144
(a. 1256 kopial 13. Jh.)
2
intr., ‘jmdm. einheizen’, übertr.:
die mynne hett ir gar gekundet HvNstAp
1869
MWB 3,2 747,18; Bearbeiter: Bohnert
1kunter
stN.
→
kunder
MWB 3,2 747,31;
2 kunter
stN.
wohl losgelöst von dem Kompos. →
kunterfeit
= afrz. contrefait oder von der halb
verdeutschten Verbindung kunters machen
Reinfr
12217
(Suolahti 1,138).
‘das Unreine, Falsche’
swaz ieman seit daz minne sî, / dâst underwîlen kunter [Hs.
conterfeyt
] bî KLD: Namenlos
n I 12,2;
[Noah verflucht Sems Nachkommen:] din kunne kunter hat
JMeissn
B1:3,13;
diu hertze mainden / ein ander ane chunder
WhvÖst
1391;
den jungen ane kunder ebd.
3587;
da wirt ûz kunter [falsche, imitierte
Würde] glentzet SM:Tu
1: 2,7;
bezogen auf Mittel zur Schönheitspflege, die die natürliche Erscheinung von
Haar oder Haut verfälschen:
gel reit grôz und langez hâr / sunder kunters machen [subst.
Inf.] schein Reinfr
12217;
wie mac diu varwe frischen / die man mit kunter birget? ebd.
12237;
ein Edelmetall verunreinigender, verfälschender Bestandteil:
swâ golt geliutert wirt alsô daz es niht mêre gunters hât
KLD: Kzl
16: 4,2
MWB 3,2 747,32; Bearbeiter: Bohnert
kunterfeit
stNF. , -fei,
-fê, -fîe
stN.
auch kunterpheit
Hiob
3070;
TvKulm
1481;
conterfeit
Parz
3,12;
Tr
12305;
MinneR 444
335;
kont-
MinneR 332
98;
gunt- z.B.
RvZw
83,11;
Jüngl
184;
Reinfr
6363.
6472;
SM:KvL
18: 3,9;
SM:WvK
1: 4,5;
gunterpheit HistAE
5053;
gunderphait WhvÖst
4092.
– stF.
Georg
3550;
Frl
4:14,10;
Ottok
215.
902.
5896;
TvKulm
1481;
Hiob
5818.
– flekt. nur Dat. Sg.
gunterfeite KvWLd
32,73
und, entstellt,
kuntirfelle EvBeh
Einl. 18
(Glossar S. 274: „Bildung wie goltvel,
silbervel”).
–
aus afrz. contrefait M. ‘Nachahmung, Abbild’ (Tobler/
Lommatzsch 2,795),
dem subst. Part. Perf.
(adj. ‘nachgemacht, gefälscht; missgestaltet’,
ebd. 2,794, Godefroy 9,183a)
zu contrefaire;
die mhd. Formen
kunterfei [: schrei
]
Renner
16599.
3988;
SummHeinr
1:245,194(App.);
-fai
BdN
474,5.
478,5
u.ö.;
cunterfe [: we
]
TvKulm
870
gehen auf eine afrz. Form mit verstummtem -t zurück;
cunterfie [: (frou) Simonie
]
Frl
9:14,2
ist im Anschluss an die Bildungen auf -îe des Reimes wegen umgemodelt
(Suolahti 1,139).
– bei artikellosem präd. Gebrauch liegt teilw. adj. Auffassung
nahe.
1
‘das Unechte, Falsche, Trügerische’
1.1 allg. 1.2 spez., ‘unreines, vermischtes, gefälschtes Gold, Metall’ , eigentl. und bildl. 2
‘das Entgegengesetzte, der Gegensatz’
1
‘das Unechte, Falsche, Trügerische’
1.1
allg.:
sô wirt ir silber zin / und wirt ir kunst ein kunterfei
Renner
16599;
di werlt ist nicht wen ein blende / und ein kunterfeit
Brun
10233;
dâ ist gelîhsenheite niht / noch gunterfeit RvZw
83,11;
freut iuch, frou Simonie, / zu Rome ist cunterfie Frl
9:14,2;
diu heilige ê ist der siben heilikeit einiu der hœhsten, die got ûf
ertrîche hât. unde dâ von sol dekein kunterfeit dar bî sîn
PrBerth
1:279,22;
daz gelîchet einem bœsen man. swer nû des lachen / strîchet an der
triuwen stein, der vindet kunterfeit Walth
29,8;
daz wir ir [früherer Meister der
Dichtkunst] steinen / den edeln und den reinen / gelîchen unser
kunterfeit RvEAlex
3181;
swer mischet und ze minne tuot / keiner slahte gunterfeit
Reinfr
6363;
der lüge gunterfeit ebd.
6472;
aller gebresten gunterfeit / dunken dich
volkumenheit [an dem Geliebten]
Minneb
849;
(konkret:)
wir haben ein bœse conterfeit [einen
wertlosen falschen (d.h. unedlen) Stein] / in daz vingerlîn
geleit / und triegen uns dâ selbe mite Tr
12305
(oder zu 1.2?);
daz ist wol halbez kunterfeit KvWTroj
2443;
(persönl.:)
din hertze daz ist unreine, / und bist ein shoͤne
kunterfeit Rennew
25157;
der ritterschaft ein swachez kunterfeit Frl
8:5,10;
trügelichez gunterfeit KvWTroj
2489.
– mit Präp.;
mit âne:
geringelt zwêne löcke reit, / die glizzen âne
kunterfeit / reht alse goldes dræte KvWTroj
19914;
mit triwen walten / der hantvest âne gunterfeit
Ottok
44023;
[Briefanrede:] geheret man ane kunterfait!
WhvÖst
18693;
ân kunterfei und âne var Renner
3988;
vergich âne allez kunterfeit / mir der rechten
wârheit HvFreibTr
2305;
er wær ân alle gunterveit, / ân valsch, ân untriw
und ân zadel Ottok
902;
âne wandels gunterfeit KvWLd
18,19.
28,23;
ân argen kunterfeit KLD: Kzl
16: 12,8;
KvWPart
10392;
FvSonnenburg
51,15;
mit in:
als dik [wie es oft vorkommt,
dass] ain man ingunterfeit / unwissenklich die warhait
seit, / der doch die warhait mainet nút / und trúget sich
und ander lút WernhMl
7945;
mit mit:
iu, herren, sî gekleit / daz mit solcher kunterfeit / der markîs mit
mir umbe gât, / und hie vor dem rîche stât / und giht er sî ein kristen
Georg
3550;
ja triuge ich nicht sam du mit diner gunterfeit Frl
4:14,10;
mit listen und mit gunterveit Ottok
42540;
der arzt [...] het mit grôzer
gunterveit / ein glisteri bereit, / dâ was der tôt inne ebd.
215.
48695.
85446;
KvWLd
32,73;
mit sunder:
daz er sunder gunterpheit / also groze erberkeit / irbot dem vremdem
gote HistAE
5053;
daz ist war / al sunder valschez kunterfeit
Brun
12222;
Hiob
3070;
mit von:
schœne varwe, niht von gunterfeit, / hât ir
lieblich angesiht SM:KvL
18: 3,9.
– Adj., ‘nachgemacht, unecht, falsch’?
manec wîbes schœne an lobe ist breit: / ist dâ
daz herze conterfeit, / die lob ich als ich solde / daz safer ime golde
Parz
3,12
(allg. adj. aufgefasst; nach S. Singer, Zs. f. d. österr.
Gymnasien 46 [1895], S. 528, bildl. zu 1.2,
‘ist das Herz von falschem Metall’);
sie blickete [...] an / den
künic Marken iren man / und was daz blicken kunterfeit
HvFreibTr
2619;
hât wol mîn herze wîsheit, / die dunket iuch doch
kunterfeit ebd.
2862;
daz dise rede icht kunterfeit / wêre ebd.
3530
(Bechstein, HvF. nimmt nur zu
2862
das Adj. an);
al mîn fröide ist gunterfeit SM:WvK
1: 4,5
1.2
spez., ‘unreines, vermischtes, gefälschtes Gold, Metall’,
eigentl. und bildl.:
electrum haizt gunderfai BdN
478,6;
daz [
gesmeid
] ist
sibenlai: golt silber gunderfai kupfer zin plei und eisen ebd.
474,5;
swes hertz ist vermachet / sam ein ertz vnd ein gunterfeit
Krone
2255;
ein kunderfeit wart mir durch schouwen vür getragen. /
[...] mich trouc sin übergulde Frl
5:121G,1;
dirr mægde rainikait / golt schinet und ist kunterfait
SHort
806;
(persönl.:)
[die Schmeichler] werden erkant als gunterfeit: / da
treuget man die kint mit. / so haben die wisen einen sit, / die kennen bi golde
valsch wol Jüngl
184;
di uz vremden sachen / daz kunterfeit kunnen machen
Brun
979;
für golt gibe ich im gunterfeit Frl
7:25,8;
er kêrt [...] von der minne
süezikeit; / er sluoc valsch und gunterfeit / ûf ir munz und ir gebræge
Ottok
21477;
überguldet kunterfeit LvRegFr
368;
di daz fyne golt mit glysendem kuntirfelle ubirzciren wollen
EvBeh
Einl. 18;
als daz golt vor dem gunterfeit / ist sînes glanzes stête
Kreuzf
7568;
[das natürlich vorkommende
gunderfai
] erkennt man [...]
gar kaum von dem gevelschten gunderfai BdN
478,12;
ain geväz, daz gemacht ist auz rehtem nâtürleichem
gunderfai ebd.
478,14.
– Adj.?
die florîn / wâren gunterfeit Ottok
34726
(vgl.
die valschen florîn ebd.
34880
)
2
‘das Entgegengesetzte, der Gegensatz’
(die Bed. scheint afrz. contrefait zu fehlen, auch mlat.
contrafactus [vgl. MlatWB 2,1765f.] bietet dafür keinen Anhalt:
„wohl ein von Gottfried eigens gebildeter Terminus”, H. Haferland,
PBB 122 [2000], S. 237):
sus wâren diu zwei conterfeit, / stætiu linge und wernde
leit, / gesellet an dem einen man Tr
5081;
die widerwarten conterfeit / zorn unde wîpheit ebd.
10259
MWB 3,2 747,51; Bearbeiter: Bohnert
kunterfeiter
stM.
jmd., der
kunterfeit
bearbeitet:
kunterfeiter bringe din zimirde, / missinc unde kopfer dringe her mit valscher
wirde, / daz din herze wolde [echten Goldschmuck] , dar
hastu nicht an Rumelant (K)
1:8,11
MWB 3,2 749,46; Bearbeiter: Bohnert
kuntesal
stN.
vgl. →
künten
.
‘Feuer, Brand’
incendium: cuntesal SummHeinr
2:342,01.16
MWB 3,2 749,51; Bearbeiter: Bohnert
kuntlich
Adj. , kuntlîche,
-en
Adv.
auch künt- (Adj.: s. WMU 1,1059;
UrkStraßb
2:189,22.
2:194,33;
UrkIndersd
65;
Adv.:
NibB
1541,4
[Kompar.];
Reinfr
23814
).
–
zu kunt Adj. (nach Ganslmayer, Adjektivderivation S. 714 wäre das Adv.
kuntlîche zu →
künde
stF. gebildet; fraglich, weil dieses meist Umlaut zeigt,
jenes nur selten);
vgl. ahd. kundlîhho Adv. (AWB 5,489).
1
‘(aufgrund eigener Erfahrung, sicherer Nachricht, verlässlichen
Zeugnisses oder allgemein) bekannt, offenkundig, notorisch’ , Adj.; auf die
Weise eines, der sichere Kenntnis hat, gibt oder nimmt (aufgrund eigener Erfahrung
usw.), ‘deutlich, genau, nachweislich’ , Adv. 1.1 attr. Adj. 1.2 präd. Adj. 1.2.1
~ sîn 1.2.2
~ werden 1.2.3
~ belîben 1.2.4
~ tuon , mit Dat.d.P. 1.2.5
~ machen 1.3 Adv. 1.3.1 bei Verben des Sagens, Nennens 1.3.2 bei Verben der Wahrnehmung, des Erkennens 1.3.3 bei verschiedenen anderen Verben 1.3.4 bei nominalen Prädikatsausdrücken 2
‘kenntlich, deutlich wahrnehmbar’ , Adj. 3
‘einem Bekannten zukommend’ (vgl.
kunt
3 ), Adj. 4
‘klug, geschickt’
1
‘(aufgrund eigener Erfahrung, sicherer Nachricht, verlässlichen
Zeugnisses oder allgemein) bekannt, offenkundig, notorisch’, Adj.; auf die
Weise eines, der sichere Kenntnis hat, gibt oder nimmt (aufgrund eigener Erfahrung
usw.), ‘deutlich, genau, nachweislich’, Adv.
1.1
attr. Adj.:
brech er daz mit einer offenlichen oder kuntlicher getat UrkCorp
(WMU)
931,10;
mit chuntlichem gewalt UrkStraßb
5:93,32
(a. 1338);
einen chüntlichen offen rawber UrkIndersd
65
(a. 1332);
vnd sv́ln nach kuntlichen dingen vnd nach warheit ein reht dar
v́ber sprechen UrkCorp (WMU)
3473,18;
daz [...] ainer da bei niht moht gesein vor
kuntlicher not [entspr. êhafter nôt
]
UrkLudw
211
(a. 1344);
und solnt leisten [Einlager halten]
[...] als guͦde burgen in kuͦntlichen
herbergen UrkWorms
2:82,8
(a. 1317);
mit [...] kuͥntlichen ingesigeln
UrkStraßb
2:194,33
(a. 1303);
kuͥntliche kornguͥlte ebd.
2:189,22
(a. 1301);
und [
man
] mahte ime einen kuntlichen
dag an gerihte, daz er queme und daz verantworte UrkFrankf
2,112
(a. 1320).
–
im seit der videlaere / diu kuntlîchen maere [die
Geschichte, die ihm (als Augenzeugen) bekannt war] , / wie
ez ergie und geschach, / wand erz hôrte und sach KlageB
4310;
noch nenne ich gotes vînde mê / mit kuntlîchen worten
hie RvEBarl
2385
1.2
präd. Adj.
1.2.1
~ sîn:
disú warheit ist als kuntlich in
erlúhten vernúnften, daz si kein anders mugen gedenken
Seuse
177,28.
179,18;
swer vmb eine vngeclagete wunde, die kv́ntlich ist, ergriffen
wirt UrkCorp (WMU)
N238A,3;
kvntlich oder verholn ebd.
207,23;
kv́ntlich vnd offen ebd.
N49,16;
kv́ntlich vnd werlich ebd.
1953,10.
1174,4;
mit Dat.d.P.:
daz is genûgen kuntlîch En
13505;
mir ist wol kvntlich: / zv Troyge was ein kvnic rich,
/ min alder fater Laomedon Herb
5941;
dat uns dise vorgeschreven rede kuntlich is UrkSiegen
85
(a. 1314);
UrkCorp (WMU)
1788AB,17,16.
– auch mit dem Adv. (vgl. DWB 5,2632 unter
kundlich
2,a,#G+g#G-):
es wer dan, das es schynber und kuntlichen wer, das er vor
vindschaft gegen im getragen het StRSchlettst
40;
viell. auch
jch [...] tuͦn kuͦnt
offenlichen [...], daz mir kuͤntliche
vnd wizzentliche ist, vnd ez auch gesehen vnd gehort han
UrkWürzb
41,111
(a. 1345)
(oder unflekt. Adj. mit epithetischem
-e)
1.2.2
~ werden:
daz muͤst da allez werden offenbære, / kuntlich der werld ze
sehene JTit
Marlb. 11,4;
das das kuntlich wurde vor dem obman vnd vor dien schitlúten
UrkCorp (WMU)
N243,6.
1780,19
1.2.3
~ belîben:
dur daz disú gifte vnd disú gedinge kúntlich
vnde stæte beliben UrkCorp (WMU)
541AB,42;
kuntlich vnde wissentlich ebd.
2032,32
1.2.4
~ tuon, mit Dat.d.P.:
ouch tut vns Seneca kuntlich, / wi der stete man si
vnuerwuntlich Elmend
A 813
1.2.5
~ machen:
daz einem chlager [...] daz reht in der
selben stat [...] verzogen wurde und daz der
chlager kuntlich macht StRMergenth
129;
wo man das kuntlich mag gemachen mit erbarn luten
UrkStraßb
4,2:20,9
(vor 1311);
kuntlich vnd werlich UrkCorp (WMU)
1290,5;
UrkSpeyer
329,4
(a. 1330)
1.3
Adv.
(s.a. 1.2.1)
1.3.1
bei Verben des Sagens, Nennens:
si begonden im diu mære sagen küntlîcher baz
NibB
1541,4;
von den verwern kan ich niht gesagen / kuntlich, wan ich hâns niht
gesehen Ammenh
11553;
RvEWchr
4206;
RvEBarl
3327;
Flore (P)
6920;
Ottok
40131
u.ö.;
~ verjehen
UrkCorp (WMU)
3212,41;
KvWTroj
47695;
wer dirre unt jener wære, / daz wurden wîtiu
mære, / solt der kristen und der Sarrazîn / kuntlîche dâ genennet sîn
Parz
699,30.
700,7;
Flore (P)
3123;
MinneR 481
462;
~ antwürten
Ottok
32556
1.3.2
bei Verben der Wahrnehmung, des Erkennens:
Anêpolis, ein vürste hêr, / begunde sûmen sich niht
mêr / er sæhe ie kuntlîche dar. / Alexanders nam er war, / sîn antlütze im
was erkant RvEAlex
6543.
6564;
mit mînen beiden ougen ich kuntlîchen sach, / daz sie
[die ihm erschienenen hll. Peter und Paul] ze
mîner angesiht verswunden Loheng
6362.
6945;
RvEBarl
7691;
RvEGer
2624;
WhvÖst
7165;
MvHeilGr
132;
~ ersehen
Parz
746,23;
~ hœren
Loheng
4187;
~ entvinden
KvHelmsd
4401;
~ ervarn
Ottok
28597;
~ ervinden
ebd.
57697;
~ vernemen
ebd.
17081;
~ inne(n) werden
ebd.
61106;
Seuse
119,11.
142,29;
ein ieglich kristenmensche solte sie [die Zehn
Gebote] gar wol wizzen unde gar küntlîchen erkennen
PrBerth
1:274,39;
Flore (P)
3711
1.3.3
bei verschiedenen anderen Verben:
man list dâ kuntlîche / ir namen und ir rîche
Wh
464,27;
JTit
448,4;
Ottok
80330;
daz mere, daz an dem seil geschriben stuͦnt kuntliche
JTit
1474,4.
6068,1;
Ottok
33973.
–
swaz dâ was ergangen, / kuntlich er in daz
wizzen liez Ottok
20646;
etw.
~ wizzen
Reinfr
19860.
23814.
–
dô er von der reinen sprach / die er unwizzende vor im sach
[...], / ir herze sich gein im entslôz, /
darîn sie in kuntlich nam UvEtzWh
6991.
–
kuntlich ersichert und erfunden BairFreibr
9;
in yrre danne ehafte not, di her kuntlich muge bewisen
UrkLandfr
24
(a. 1338);
und habend uns des chuntleichen mit iren briefen
und urchünden underweiset StRMünch
553,22;
~ vürbringen
UrkCorp (WMU)
N150,28;
StRAugsb
263,18.
–
vnd su̍llen dann ich oder min erben die vorgenanten haller
alle kuntlich anlegen, wenden vnd keren an gewizze gu̍lt
UrkWürzb
45,135
(a.
1338)
1.3.4
bei nominalen Prädikatsausdrücken:
daz ist kuntlich war Seuse
158,10;
do in wart kuntliche schin / sin muͦt
RvEWh
5235;
RvEGer
2338;
~ gewar werden:
ebd.
3048;
UvEtzWh
7410;
Ammenh
19178;
UrkFriedb
126
(a.
1334)
2
‘kenntlich, deutlich wahrnehmbar’, Adj.:
wâpenroc und kovertiure al ein, / beide genuoc kuntlîch Er
2340
(vgl. Bech, Er. z.St.);
si truͦg dú kuntlichen wortzeichen
[Striemen wie von Geißelschlägen] mit grossem smerzen
vil zites Seuse
44,22;
gib ein kuntlichs urlob aller der
gespilschaft [die dich vom geistlichen Leben wegführt]
ebd.
372,7.
–
nû was der heidenschefte bane / von huofslegen sô wît
erkant, / daz man si kuntlîche vant Wh
440,14;
dc si den selben schait bestatent, wan siv die markstaine kuntliche
vúndent UrkCorp (WMU)
1308,14
3
‘einem Bekannten zukommend’ (vgl. →
kunt
3), Adj.:
Kingrûn sach dicke / an in kuntlîche
blicke [Blicke wie die eines Bekannten]
Parz
219,6;
[weil er einen fremden Harnisch trug] bekant in niht sîn
selbes wîp [...], / swie kuntlîche rede er ir bôt
Wh
82,2
4
‘klug, geschickt’
(vgl. →
kündelich
, kündic
3, kündiclich
2).
– Adj.:
als er sî [die trügerische
êre
] danne ergriffen hât, / sô muoz er haben wîsen rât /
mit kuntlîchem sinne / dazs im iht entrinne RvEAlex
14977;
die tiefe der abgrúnde / hat [Gottes
hêrschaft
] in kuntlichir kúnde / beslozin
und gemezzen RvEWchr
38;
di aber geúbet an dirr andaht sint und chundlich im gaist
MvHeilFr
18.
– Adv.:
er kunde küntlîche / verdecken sînes herzen zorn / mit schœnen
worten ûz erkorn MargAntioch IV
432;
wie chuntlichen er daz verhelen chan mit listichlicher glichsenheit
Baumgart
142,16
MWB 3,2 749,53; Bearbeiter: Bohnert
küntlîche
stF.
‘Kenntnis’
[das Wort unserer Vernunft ist] ein
tüwelichü [= tuolîchiu
] entphahung unser
küntlichi [
quaedam acceptio actualis nostrae
notitiae
]
ThvASu
318,13
MWB 3,2 752,8; Bearbeiter: Bohnert
küntlicheit
stF.
1
‘Kenntnis’ , als Übers. von lat. notitia 2
‘Kennzeichen, Merkmal (einer göttl. Person)’ , als Übers. von lat.
notio (vgl. Schütz, Thomas-Lexikon S. 530)
1
‘Kenntnis’, als Übers. von lat. notitia:
von der küntlicheit, die wir haben, inrelichen gedenkende so
formen wir daz worte [
ex notitia quam habemus, cogitando interius
verbum formamus
]
ThvASu
262,7.
298,35
2
‘Kennzeichen, Merkmal (einer göttl. Person)’, als Übers. von lat.
notio (vgl. Schütz, Thomas-Lexikon S. 530):
ez ist zemerken, daz die küntlicheit daz heizet, daz da eigen
der rede des erkennens der gotlichen personen [
quod notio dicitur
id quod est propria ratio cognoscendi divinam personam
]
ThvASu
316,12;
in dem der sun von im [Gott-Sohn von
Gott-Vater] ist, so wirt erkant von der küntlicheit der
‘veterlicheit.’ [
inquantum Filius est ab eo
[Patre], innotescit notione paternitatis
]
ebd.
316,21;
so sint nihtwan fünf küntlicheit in got, daz ist die
‘ungeberlicheit,’ die ‘veterlicheit,’ die
‘sünlicheit,’ die ‘gemein geistung’ unde die
‘uzgaunge.’ ebd.
318,1.
316,19.
316,22.
318,9;
die kuntlicheide [...] heißen alleine darum
kuntlicheide, wan si die personen kuntlich machen [quia notificant
personas] Hugo Ripelin von Straßburg, Compendium theol. veritatis 1,22
(Hs. Oxford, Laud. Misc. 521, fol. 24#’v;
vgl. Ruh, Trinitarische Spekulation S. 44f.)
MWB 3,2 752,12; Bearbeiter: Bohnert
kuntliute
st.Pl.
‘(sachverständige) Zeugen’, die im gütlichen Verfahren auch urteilen können
(DRW 8,109):
disuͤ kuntschafft wart erfare von vns beyden
[...], die daruͤber zu kuntluͤten geben
wurden ze bayden sitten DRW
8,109
(Reyscher,Stat.; a. 1313 kopial);
kuntliute UrkEssl
314,7
(a. 1332)
MWB 3,2 752,36; Bearbeiter: Bohnert
kuntman
stM.
Sg. zu
kuntliute
:
als sie do veriahen [...] vor vns zwain kuntmanen die
hie vorgeschr. stoͤnd DRW
8,110
(Reyscher,Stat.; a. 1313 kopial)
MWB 3,2 752,42; Bearbeiter: Bohnert
kuntmeister
stM.
eine Art Kurator und Richter über die Leibeigenen des Klosters
Niederaltaich:
si quis genuerit filium ex muliere, que est ecclesie et non est uxor sua, iste
puer dicitur chebschint. qui in pueritia, postquam videre potuerit cacumen domus,
quod dicitur virst, tunc ille, qui dicitur chvntmeister, quod officium habet
Alhardus Gevmannus in feodo ab ecclesia, debet indicere parentibus pueri, ut
redimant eum a servitute, ut possit legitimari et hereditatem habere
UrbNAlteich
649
(13. Jh.);
ex officio etiam illius chvntmaister est illud, quod, si siquis homo
hereditarius furtum fecerit [...]
ebd.
650
(=
UrkNAltaich
1,48.49
)
MWB 3,2 752,45; Bearbeiter: Bohnert
kuntsame
stF.
1
‘Kenntnis, Wissen’
2
‘das Bekanntsein, Bekanntschaft’
3
‘das Erkennen’
4 rechtsspr. 4.1 auf Sachkenntnis (vgl. 1 ) beruhende, durch beeidete Leute
erteilte ‘Rechtsauskunft’ , auch die zugrundeliegende ‘Beweiserhebung,
Inaugenscheinnahme, Begutachtung’ , teilw. schwer von
4.2.1 zu trennen 4.2 übertr. 4.2.1 der Personenkreis, der die kuntsame
4.1 erteilt 4.2.2
‘Bezeugung’
4.2.3
‘Bekanntgabe’
1
‘Kenntnis, Wissen’
und gab im got [in Visionen] neiswi
ein enpfintlich kuntsami [...], wie es in himelrich
[...] stuͤnde Seuse
22,22;
~ gewinnen/ haben
ebd.
171,10.
171,17;
wan kom etwen [mittels logischer
Untersuchung] in ein kuntsami eins dinges von sines namen wegen
ebd.
176,8
2
‘das Bekanntsein, Bekanntschaft’
er gewan kuntsami eins heiligen erlúhten menschen
Seuse
7,5.
97,6;
von frúntschaft oder von sipschaft oder von etzlicher hande kuntsami
der persone BdT
117,8.
117,11;
es kam einest zuͦ des dieners kundsami ein mensch
Seuse
373,8
3
‘das Erkennen’
wie dú kuntsami beschach [
qualiter
noverunt Jesum
] , / do er das brot vor inen
brach [vgl. Lc 24,30f.]
WernhMl
12081
4
rechtsspr.
4.1
auf Sachkenntnis (vgl. 1) beruhende, durch beeidete Leute
erteilte ‘Rechtsauskunft’, auch die zugrundeliegende ‘Beweiserhebung,
Inaugenscheinnahme, Begutachtung’, teilw. schwer von
4.2.1 zu trennen
(vgl. →
kuntschaft
4.1):
do wart ertailt mit urtail, daz ich dar solte senden kunte lúte
[...]. do sante ich dar [zwei
Männer]
[...], daz siu die kuntsami baidunthalp soͤlten
innemen mit geswornen aiden. darnach [kamen sie]
[...] fúr gerihte und saiton bi ir aide, daz
siu daz hetten ervarn in der kuntsami, daz minre herre kuntsami von
Crúcelingen diu besser waͤre und diu mere
UrkThurgau
4,456
(a. 1323);
wan wir baidenthalp in der kuntsami, so in dierre sache gehoͤret
wart, vernamen, daz [...]
ebd.
4,153
(a. 1306);
ervarn [...] mit gewerer kuntsami
UrkAargau
1,7:24,16
(a. 1310);
nach der kuntsami und bewisung der geburan des dorfs
UrkThurgau
5,267
(a. 1349);
es ensol oͮch vnder vͥns enkeiner
[...] vff ein kuntsami me fuͤren denn x
[Männer]
StRBern
1:407,14;
UrkThurgau
4,635
(a. 1333);
UrbHabsb
1:96,16
4.2
übertr.
4.2.1
der Personenkreis, der die kuntsame
4.1 erteilt:
das sol gebessert werden, als dv́ kunzami erteilt
UrkCorp (WMU)
842,27;
als duͥ kuͥntsami gesprochen hat uf den eit
UrbHabsb
1:25,15;
ein kuntsami darumb ze uerhoͤrenne StRBern
1:197,10;
die bisanton alle die, die in der kvntsamj waren ze Bvͦch vnd
ze Grezzelinkon. die selben lv́te sworen vf den heiligon, eine
warheit ze sagenne UrkCorp (WMU)
262,16;
man sol den val nen [= nemen
] ,
so man die lich erst begrebt, mit dem vogt vnd mit der kvntsami
WeistGr
1,330
(a. 1344);
das [...] der burgermeister und der rat nah
aller der kuntsami, so si von beiden teilen verhorten, sich einhelleclich uf
den eit erkennet hant, das [...]
StBZürich
141
(a. 1344)
4.2.2
‘Bezeugung’
darnach gaben wir do alle fv́nfe ainen gemainen tag, daz bede
taile ir kvntsami vnd ir geloͮbsami fv́r braͤhten. des
selben tages brahten sie erebaͤre lv́te fv́r
v́nz, die [...] saiton vf den
[...] ait swaz si sahen vnd horten do
dv́ mv́li Cvͦnrates vatter verlihen wart UrkCorp
(WMU)
2285,32
4.2.3
‘Bekanntgabe’
allen den, die disen brief sehent [...],
geben wir zewissenne [...] kuntsami dirre gescrift
UrkCorp (WMU)
2655,11;
~ und wizzenhafte der dinge diu hie nâch geschriben
sint (entspr. lat. notitiam subscriptorum)
ebd.
2314,40.
2789,23.
3092,23;
allen den, die disen brief sehint oder hoͤrent lesin, den
kv́nd ich [...] minen gruͤz mit
kvntsami dirre gegenwertigen schrifte ebd.
185,9
MWB 3,2 752,59; Bearbeiter: Bohnert
kuntschaft
stF.
allgemeinspr. (1–3) und rechtsspr. (4)
Gebrauch treten etwa gleichzeitig auf, früheste Belege:
Lanc
281,12;
StatDtOrd
107,9;
Mühlh
141,1.
156,10;
UrkCorp
89,26
(a. 1265).
– vgl. mnd. kuntschop MNDWB 2,710f.
1
‘Kenntnis, Wissen; Auskunft, Mitteilung’
2
‘ das Kennenlernen, Bekanntsein, Bekanntschaft’
3
‘Gegend, wo man bekannt ist, sich auskennt’ ( KvWPart ; vgl.
künde
stF. 3 ), daher allg. ‘nähere
Umgebung, Nähe’
4 rechtsspr. 4.1 auf überlieferter oder durch Anwesenheit erworbener Kenntnis (vgl.
1 ) beruhende, durch beeidete sachverständige Leute erteilte
‘Rechtsauskunft’ sowie das (mündliche oder schriftliche) Zeugnis
darüber, auch die zugrundeliegende ‘Beweiserhebung, Inaugenscheinnahme,
Begutachtung’ , teilw. schwer von 4.2.1–2 zu
trennen 4.2 übertr. 4.2.1 der Personenkreis, der die kuntschaft
4.1 erteilt 4.2.2
‘Beweis, Beweismittel’
4.2.3
‘Bestätigung’
1
‘Kenntnis, Wissen; Auskunft, Mitteilung’
ich han dir kuntschaft gnüg gesait MinneR 439
416;
alleine wir di kuntschaft tragen / gên im
[obgleich wir in Bezug auf ihn wissen] daz er sundic
ist JvFrst
2220;
daz er durch vremde kuntschaft / bedorfte sneller botschaft
Pass I/II (HSW)
38935;
mit ganzer chuntschaft begrifen MvHeilFr
43;
jch [...] begih an disem brief allen den, zv der
chvntschaft er bechvmt, daz ich [...]
UrkCorp (WMU)
748,36.
–
kunftigir dinge kuntschaft NvJer
729;
gotes kundeschaft
[
cognitionem
]
Hiob
10787;
daz er [Stellvertreter des
Hochmeisters] der gescheffede mê kuntschaft
[
noticiam
] habe, denne ein ander
StatDtOrd
107,9;
[
sie
] gâben im des die kuntschaft, / wâ er
dâ funde ir ritterschaft Kreuzf
5285;
des blibe ich ane kuntschaft Elis
7418;
Eckh (Pf)
648,35;
HvFritzlHl
16,27.
253,10.
–
[der Engel (Lc 1,13)] nante si Marîâ
[sprach sie mit ihrem Namen an] durch di
kuntschaft, daz si sich deste minner vorchte HvFritzlHl
111,10;
[den Propheten] gap der heilge geist / kuntschaft
unde volleist, / wie er [Christus] kumen sulde
Erlös
2286;
NvJer
2783
2
‘ das Kennenlernen, Bekanntsein, Bekanntschaft’
diser junger unbenant / was dem bischof sô bekant.
[...] / di kuntschaft sî alsô geschên:
[...]
JvFrst
4462;
daz heimliche kuntschaft / und dicke sehen hab die kraft, /
daz sie der mynne anvank ist Minneb
3135;
daz er [ein arm man, der in eine Machtstellung gelangt
ist] verre nêher schirt / sînen nâchgebûren [seine
Nachbarn viel empfindlicher schindet] denne ein man, / der
kuntschaft nie bî in gewan Renner
1722;
recht wichlich [= vihelîch
] si lebtin. /
elich sy dar nach strebtin, / wy sy des nachtes tochtin / vnd nwe kuntschaf machtin
[d.h. sie suchten jede Nacht eine neue Partnerin
kennenzulernen]
Dalimil (B)
2,84
(l. konschaft? vgl.
Wig
11375(La.)
);
der kuͤnc von Spangen [...] /
kunt in [den anwesenden Fürsten] die kuntschaft
[wie er mit Wilhelm bekannt wurde]
WhvÖst
14369
(der König erkennt
ebd.
14109–11
Wilhelm als Verwandten,
vgl. →
künde
1.3 stF.;
oder l. kuͤnschaft zu →
künneschaft
1?);
in heinlichi und in kuntschaft [nach näherer
Bekanntschaft]
Seuse
228,14.
– mit Gen.d.P.:
ir sint ein man des kuntschafft ich me begeret han dann
aller der die nu lebent Lanc
281,12;
die ir heten kuntschaft, / die gehullen in der mære, /
daz ir ietweder wære / herre eines landes Ottok
45482;
e daz ich ir kein kuntschaft het Minneb
4684.
– übertr., ‘bekannte Personen, Bekanntenkreis’?
ich wolt [...] / daz meister
Arnolt der moler / von Wirtzburg in irre kuntschaft were Minneb
4468
(oder zu 3?)
3
‘Gegend, wo man bekannt ist, sich auskennt’ (KvWPart ; vgl. →
künde
stF. 3), daher allg. ‘nähere
Umgebung, Nähe’
daz ich enbir / ir angesiht und ir kuntschaft
[vertrauten Umgang]
WhvÖst
7221.
– mit Präp. in:
ouch kunnents [können unsere Gegner] ûf ir
marke / und in ir lande vehten baz / dann unser volc; geloubet daz, / swer in
die kuntschefte vert / ze sturme, daz er sich ernert / vor schaden lîhter danne
ein gast KvWPart
4173;
ir herre solte nemen [...] / eine juncfrouwen in
der kuntschaft [im Ggs. zu der Ungarin Elisabeth; vgl. lat.
filiam cuiuspiam vicinioris
]
Elis
1149.
1249;
dô diz al umbe und uberal / in der kuntschaft ûz geschal, / ir vrûnde iz
ouch vernâmen Erlös
2998;
dô er in den dritten himel gezucket wart in die kuntschaft gotes
Eckh
4:362,170
(ähnl.
ZweiWege
250
).
– übertr.:
in tugentlicher kuntschaft [dem durch die Tugenden
umschriebenen Lebensbereich] / hielden wir uns vurbaz
Pass III
44,92
4
rechtsspr.
(Rechtsquellen außer
Ottok
38080
unter 4.1)
4.1
auf überlieferter oder durch Anwesenheit erworbener Kenntnis (vgl.
1) beruhende, durch beeidete sachverständige Leute erteilte
‘Rechtsauskunft’ sowie das (mündliche oder schriftliche) Zeugnis
darüber, auch die zugrundeliegende ‘Beweiserhebung, Inaugenscheinnahme,
Begutachtung’, teilw. schwer von 4.2.1–2 zu
trennen
(in lat. Urkk. durch experientia
UrkWürzb
38,453;
inquisitio
UrkHohenl
2:55,23;
notitia
UrkWürzb
38,540
[a. 1310 bzw. 1313] wiedergegeben):
do brahte in die kuntschaft, daz Willehelm drv jar gesessen were in
nutzlicher gewer dez dinghoues UrkCorp (WMU)
2257,37;
es stat ovch an [
Wolfran
] Hochsliz
kuntschaft, weder ir [der Gislingerin
] man
burger waͤre ze Kirchain [...] oder nit ebd.
1728,46;
daz wir die eltesten unde die die kuntschaft aller beste wihsten
[wüssten] besanten unde ain kuntschaft an in
erfuͦrn umbe diu reht UrkEssl
225,24
(a. 1318);
dise kunshaft sageten diͤ zwene vor gescriben man vffe irn eit
UrkCorp
1149,7
=
WeistGr
4,523;
[
sid daz
] gemein lúte usgescheiden
[wurden] , die die kuntschaft erhortin, und die
wider brechtin vúr den rat, und dú kuntschaft vor dem rat
gelesen wart: do erteilt [...] der rat, daz Uolrichez
kuntschaft die besser were UrkBern
5,335
(a. 1323);
vnd hort ich vnd die vorgenanten schidlut ein kuntschafft vnd erfuoren vns
als verre in der kuntschafft, das min frowe die eptischin von Schennis vnd der
conuent guot recht hetten ze der vorgenanten wisen UrkGlar
173
(a. 1330);
~ ervarn u.ä. s. bes. unten;
so ist diz mugelich vnd gewonlich, swaz man creftiger dinge tvͦ div
ewic sin svn, daz man daruber gezivge neme vnd kvntschaft vnd vrkvnde der
gescrift UrkCorp
514,24
(
~ nemen auch
ebd.
1131,16
);
ein chvntschaft gevahen ebd.
1274A,42;
wa man von der stat oder von des rates wegen ein kuntschaft hinleitet
NüP
105;
dâ hin deu chuntschaft geweist wiert RbRupr
168;
vnd gelobetin [...], diͤ selben kuntshaft
ewiclichen stete ze haltenne UrkCorp (WMU)
1149,8
=
WeistGr
4,523;
wolte aber er der kuͦntschaft niht gelouben
UrkWittelsb
2,177
(a. 1311).
– mit Präp.:
vnd suln ouch an dem gewerift in noh di schidleutt an der chunschaft
niht hindern noh irren UrkCorp (WMU)
1119,42;
sprechent zwêne man ein guot an enwiderstrît
[...], unde wellen daz mit gelîchen geziugen
behaben [...]: sô ziehe manz an die kuntschaft.
unde leitent si gelîch geziuge, man teile daz guot under si. unde hât aber
einer mêr geziuge unde êrbærrer geziuge, der behabet daz guot gar
SchwSp (W)
232,3;
nach ir beider rede und widerrede
[
wurde
] beiden teilen tag mit
urteil in die kuntschaft gegeben UrkBern
5,335
(a. 1323);
daz si dar umbe in ein kuntschaft komen und rechtes gegen ein anderen
phlegen UrkBernLd
6:50,28
(a. 1345);
mit kvͤntschâft oder mit giezîvgen biwisen
UrkCorp
1262,25;
mit guͦter kuntschaft beweisen UrkHohenz
3,139
(a. 1346);
mit guter lebendiger [im Ggs. zu
urkundlicher] kuntschaft UrkErbach
45
(a. 1344 kopial 14. Jh.);
mac he iz abir ubircumi [...]
mit einir rechtin cuntscaph Mühlh
156,10
(ähnl.
UrkCorp
604,9;
Ottok
38080
);
vnd di selben fuͤmfe sulnt [...] vnser
redde vnd furlegung einnemen, nach brifen vnd nach kuntschaft, vnd solnt vns
nach der einnemung mit ein ander rihten UrkHohenz
3,53
(a. 1339);
welher under den zwain bezzer reht hab nach kuntschaft
UrkLudw
210
(a. 1344);
wer ziuges oder gewern oder laẃt ze einer kuntschaft bedarf
OberBairLdr
312;
di zu derselben kuntschaft [...] genomen
werdent NüP
105.
– bes. mit (sich) ervarn
(s.a. oben
UrkEssl
225,24;
UrkGlar
173
):
daz ich [...] eîne kvntschat ervuͦr vf
den eît, waz guͦtes in disen vuͦr genanten hof von alter
hoͤr̂ete UrkCorp (WMU)
1419,38;
UrkLudw
210
(a. 1344);
UrkHohenz
3,31
(a. 1336);
eine erbere kuntschaft erfaren ebd.
3,153
(a. 1347).
3,198
(a. 1349);
mit Präp.: an/ in/ mit/ von (der) ~
ervarn s. WMU 2,1061;
die vorgenanten biderben livte die erfuren sich an ainer alter
kundscaft, die darumb fiur war wizzen vnd ouch si selbe alle ir tage hetun
gehoret, vnd schieden disen criech UrkCorp
565,13;
sich ervarn mit alter chuntschaft
StRMünch
353,24
(nach dem Glossar meint alte ~
ein Weistum, nach DWB
5,2642 bezieht sich alt auf „das kundige alter der
zeugen”; vgl.
kuntschaft [...] der eltisten und der besten
OberBairLdr
137
unter 4.2.1)
4.2
übertr.
4.2.1
der Personenkreis, der die kuntschaft
4.1 erteilt
(in lat. Urkk. durch vicinia wiedergegeben
UrkAugsbBt
1,163
[a. 1282];
UrkWürtt
11,262
[a. 1299], vgl. 3):
do diselbe chuntschaft doruber geswure yeder man einen gestalten eyt,
do sagt si gemeinlihen, daz si daz von ir altvodern gemeinlichen heten
gehoͤrt und ez auch selber heten gesehen
[...]
UrkEichst
2,111
(a. 1315 kopial);
daz diu kuntsaft zu den heiligen swuͤre UrkCorp
(WMU)
1490,6;
ein erber kuntschaft saget UrkHohenz
3,197
(a. 1349)
(=
UrkWürzb
41,392;
ähnl.
NüP
167
);
die [Kundschafter] sùllèn ez
[das streitige Gut oder Lehen] beschawen und
dar nach sol si [die Streitparteien] diu
chuntschaft beidenthalben lazzen wizzen, wie verre si auz zeigen oder gèn
wellen OberBairLdr
137;
der merer und der bezzer tail der kuntschaft UrkKgHofg
5,279
(a. 1342);
swer den andern an sprichet, er hab in uberpawen
[...], dâ sol man zuo gebieten der chuntschaft.
sagt der ainer oder mêr, daz jener ubervangen ist, der dâ chlait, sô sol man
im seinen schaden ablegen RbRupr
166;
so sol man einer kuntschaft dar auf gepieten, der eltisten und der
besten OberBairLdr
137.
– verallgemeinert:
[einem volljährigen Kind, das sein Erbeil
fordert,] deme sal he
[Vater] gebi sin erbiteil mit
cuntscaph [im Beisein von Zeugen] , daz umi
giburit Mühlh
141,1
4.2.2
‘Beweis, Beweismittel’
wirt aber ein man der nahtetze ane chunschaft betzigen
[d.h. wenn es vom Geschädigten nicht bervffet oder
bewæret wirt
UrkCorp
1100AB,10,9
] , der
intziht sol er sich mit sinem aide benemen UrkCorp (WMU)
1100AB,16.
– hierher?
unde mac si [Ehefrau, die ihren Mann
verklagt] behalten mit der kuntschaft daz er ungerâten
ist [...] (daz sol si erziugen mit zwein mannen
zuo ir selber) SchwSp (W)
60,5
(entspr.
SpdtL
138,11,
La. der Tambacher Hs.:
mit der gewizzen SchwSp (R)
79,115;
anders DRW 8,99: ‘zur Bekanntschaft, Freundschaft [=
Blutsverwandtschaft] gehörende Personen’,
vgl. die oben unter 2 erwogene Bed. ‘bekannte
Personen’)
4.2.3
‘Bestätigung’
jch [...] tvͦn kunt
[...] eine gewisse vnd ein vnzwiuelliche
kuntschaft dirre nach gescriben dinge UrkCorp (WMU)
N427,9;
daz ich von den selben gvͤtern dem vorgenantem huse ze einem
rechten cinse dvr kvntschaft dirre getât vnd stetvnge [d.h. als
Rekognitionszins] jerlich ze sant Andrez mez einen mvtte
kernen geben sol ebd.
2841,14;
des henkke ich [...] vnser jnsigel
[...] an disen brief zou ainer
kuͦntschaft vnd ze ainer geziugnuste der warhaiet ebd.
3357,37
MWB 3,2 753,60; Bearbeiter: Bohnert
kuntschaftbrief
stM.
‘Urkunde über eine kuntschaft
4.1’
und dar umb waz vor uns vormauls ain kuntschaft ertailt und die
kuntschaftbrief und ander brief vor uns in geriht gelesen und verhoͤrt wrden
UrkHohenl
2:497,13
(a. 1340);
[
wir
] sprechent zu rechte nach
kuntschaftbriefen vnd lüten, die wir gesehan vnd verhoͤrent hant
[...], das daz vorgen. dorf
[...] ist vnd eweklich sin sol des gotzhuses von
Muͦrebach UrkHohenb
423
(a. 1350)
MWB 3,2 757,21; Bearbeiter: Bohnert
Kunze
swM.
Koseform des männnliches Vornamens Kuonrât, hier Appellativname, häufig
stellvertretend für eine Gruppe von Personen (s.a. Wackernagel, Appellativnamen,
3,330f., 335f.), zumeist Diener oder Knechte, auch formelhaft in Verbindung mit
Heinze:
der [Waldbote]
[...] sall vffwerfen der hentschue eynen und sall sprechen: ich
steen hudt zu tage hie und beneime Heintze oder Kuntzen (nominetur wie er heysset) in
landrechte WeistGr
4,575
(o. Dat.);
doch nút also daz sú [die
Frommen] bittent fúr ver Metzen und Cuͦntzen
Tauler
102,14
MWB 3,2 757,30; Bearbeiterin: Herbers
Künze
swF.
Koseform des weiblichen Vornamens Künigunt, hier Appellativname für
eine Kupplerin:
wildû, liebez tohterlîn, deich dir die rede zerlœse, / sô vliuch die
alten Künzen mit ir üppiclîchem kœse! Neidh
SL 15:9,2
(Wiessner, Komm., S. 37)
MWB 3,2 757,42; Bearbeiterin: Herbers |