Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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k – cadmia
kaf – kalc
calcaire – 2kalle
3kalle – kaltlîchen
kaltnisse – kamerærse
kamerbëlle – kamerselde
kamersidel – kampfer
kampfgenôʒ – kampfwât
kampfwërc – kanonîen
kanonike – kanzelschrîbære
kanzwagen – Cappadociære
kappân – kappûnen
capût (?) – kardenâldiaconus
karele – karra(t)sche
karre – karthiusære
kartur – kæselîn
kæse|lüppe – kasten
kastenære – kathecuminus
kathezizieren – kauerære (?)
kauergerihte – kefse
1kegel – keisertuom
keitivic (?) – kelken
këllære – këlre
këlstëchære – 2kemelîn
kemelînvleisch – kendelîn
kenecte – keppechîn
keppeler – kerkerhaft
kerl – kerrîne
kerschlich – kerzîn
kerzlach – ketenwambîs
kettelinc – keʒʒelære
keʒʒelærinne – kîche
kîchen – kiesærinne
kiesen – kindebet
kindechîn – kindestac
kindestohter – kintbettegemach
kintbetten – Kiperære
Kiper(e) – kirchenbrëchære
kirchenerbe – kirchhërre
kirchhof – kirchtac
kirchtor – kirnen
kirnîn – kitzelen
kitzelîn – kiuwe
kiuwen – klâfterlanc
klâftermâʒe – klagenôt
klagerede – klamben
klamen – klæret
klârheit – klëber
klëbereht – klegerse
klêgrüene – kleinlîche
kleinlîcheit – kleinvüegunge
kleinzëhende – klepfze
kleppisch – klinge
klingelære – klobeholz
klobelouch – klôsterknëht
klôsterlëben – klôsterweide
klôsterwërre – klûde
klüege – klupfen
kluppe – klutterât
klûwen – knëhtelîn
knëhten – kniel (?)
knieleip – knodebôʒe
knödel – knubelen
knugelîn – kobel
kobel – kochman
kochsudel – kôle
kôlegruobe – kolner
kölnisch – komelinc
komen – condewier
condewierde – konkavelite, konkavelit
conplêt – convëntkopf
convëntswester – koraze (?)
körbelîn, körbel, körblî – körnære
kornban – kornmesse
kornmetze – corporâl
corporâlgewæte – kostebæric
kostebærlich – kötze
kotzeht – koufgenôʒ
koufgiric – koufschalc
koufschanze – krachen
kradem – krâme
kræmel – kranc-
krancmüetic – 1krapfe
2krapfe – krëb(e)ʒ
krëbeʒen – krefticheit
krefticlich – kreiʒgengel
kreiʒlingen – kreter
kretscheme – kriechelîn
kriechen – krîgen
krîieren – krippen-
krîsch – kristâbent
kristalle – kristenin
kristenisch – kristiâne
kristier – kriutener
kriuzaltære – kriuzloht
kriuzphenninc – 1krœnen
2krœnen – krotenstein
krotenstutz – krülle
krüllel – krupfei
krüpfen – krûtmezzer
Krûtnowe? – kûchen
kuchenære – küechelmël
küefelære – kugelhuot
kügellîn – kumberlich
kumberlîn – kûmen
kumer – kunde
künde – künftigære
kunftlich – künigeslêhen
künigessilber – künstelîn
künstelôs – kuntmeister
kuntsame – kuosërtærinnesun
kuo|smër – kuppe
1kuppel – kurdewân
kurdewænære – kurpen
kürre – kurtois
kurtoisîe – kurzwîle
kurzwîlen – kuster
kusterîe – kutzelvleisch
kützen – kûze

   kunnen - künstlich    


kunnen Prät.-Präs. (III) mit Stammvokal a im Sg. Indik. Präs., u in den übrigen Formen (daneben vor allem Omd., Ofrk. und Alem. seit der 2. Hälfte des 13. Jh.s im Prät. zunehmend gesenkt zu o); vgl. Mhd. Gr. (KSW) 2,895-898 und 903 (§ V 187), dort auch zu selteneren Formen, sprachlandschaftlichen Besonderheiten und Vorkommen von Umlautmarkierungen. – Ind. und Konj. Prät. sind an der Form i.d.R. nicht zu unterscheiden, vgl. 2 5Mhd. Gr. § M 97; Mhd. Gr. (KSW) 2 § V 187. – ein Part.Prät. fehlt im Mhd., in Mhd. Gr. (KSW) und dort ausgewerteter Lit. ist es nur einmal und spät bezeugt (hette gekunt HvFritzlHl 15,8 unten unter 1.1.7); die Konstruktion mit dem sog. Ersatzinf. (vgl. 2 5Mhd. Gr. § S 34,3) ist für ~ im Mhd. noch nicht belegt. – die seit dem 12. Jh. auftretende Fügung Prät. + Inf. Perf. (kunde gelobet hân, geschehen sîn), bezeichnet den Irrealis der Vergangenheit (nhd. ‘hätte zu preisen verstanden, hätte geschehen können’); gleichbedeutend konnte zuvor (und weiterhin daneben) Prät. + Inf.Präs. (kunde loben, geschehen) gebraucht werden, vgl. 2 5Mhd. Gr. § S 11 mit Lit.; zur Variation der beiden Fügungen mit Modalverben in der Überlieferung des Nib vgl. Braune, PBB 25 (1900), S. 33-38, mit ~ besonders S. 37f. – als Beleg für (sonst nicht bezeugten) Imp. wird in der Lit. (Frnhd. Gr. § M 140 mit Weinhold, Mhd. Gr. § 413) irrtüml. Rennew 765 angeführt (zu → kunnen swV.!). – Gliederung: Unter 1. wird der Gebrauch als Vollverb beschrieben, unter 2.-5. die Gebrauchsweisen mit Infinitivrektion; in 2. und 3. macht ~ wie in 1. eine Aussage über das Subj., während es in 4. die Aussage des Infinitivverbs modalisiert; 2. hängt semantisch enger mit 1. zusammen (‘können’ aufgrund von Wissen, erlernter Fähigkeit); 3., ‘können’ aufgrund körperlicher oder seelischer Kraft, zeigt überwiegend negierten Gebrauch, ist aber nicht immer deutlich von 2. zu trennen; 4., der modalisierende Gebrauch i.S. objektiver Möglichkeit, kommt vor allem mit unpers., einen Zustand bezeichnenden oder passivischen Infinitivverben und mit nicht-agentiven Subjekten vor; 5. ist eine schwierig zu deutende Restgruppe. 1 ‘etw. kennen, wissen, verstehen, sich auf etw. verstehen, kundig sein in Bezug auf etw.’ ; bezeichnet i.d.R. ein auf Tätigkeit und Handeln (z.B. auch Lehre) bezogenes Wissen, eine erlernte Fähigkeit
1.1 mit Akk.d.S.; bei den Bezugsgrößen handelt es sich um
1.1.1 etw., was man aufzusagen weiß
1.1.2 den Verlauf von Straßen und Wegen, Reiseweg
1.1.3 die Heilkraft von Kräutern
1.1.4 eine Sprache
1.1.5 Bücher, Schriften (besonders die hl. Schrift)
1.1.6 das Recht
1.1.7 Liebe
1.1.8 verschiedene Handwerke, Fertigkeiten, Künste, Wissenschaften ( liste , wîsheit , künste )
1.1.8.1 allgem.
1.1.8.2 besonders
1.1.9 höfisches Benehmen
1.1.10 (un)moralisches Handeln
1.2 in engerer Verbindung mit dem Akk. eines Indefinitums ( iht, niht, vil, wunder ‘viel’ , usw.), das nicht weiter ergänzt ist
1.3 mit Präp.-Obj.
1.3.1 das Obj. ist ein Abstraktum (Handwerk, Fertigkeit, Kunst, Wissenschaft usw.)
1.3.1.1 an etw.
1.3.1.2 in etw.
1.3.1.3 mit etw.
1.3.1.4 von etw.
1.3.1.5 ze etw.
1.3.2 mit einer Person (auch mit Gott, mit einem Tier)
1.4 mit Obj.-Satz (bei koordiniertem wizzen )
1.5 phras., verneint mit verre, baz ‘nicht weiter wissen, es nicht besser verstehen’
2 mit Inf., ‘(aufgrund einer erlernten Fähigkeit, Einsicht oder Kenntnis) etw. zu tun wissen, verstehen, sich darauf verstehen, etw. zu tun’ ; der Inf. bezeichnet
2.1 Wissen, Verstehen, Erkennen, Erforschen, Ausdenken
2.2 Mitteilen, Darlegen, Lehren von Wissen, Erkenntnissen
2.3 die Ausübung verschiedener künste und liste (vgl. oben 1.1.8 )
2.4 Geschicklichkeit allgemein
2.5 (un)moralisches Handeln
2.6 höfisches Benehmen
2.7 Fähigkeiten von Tieren
3 mit Inf., ‘(aufgrund seelischer oder körperlicher Kraft, gestattet durch äußere Umstände) imstande, in der Lage sein, etw. zu tun’ ; meist negiert
3.1 negiert, ‘nicht imstande, in der Lage sein, etw. zu tun’ ; Hinderungsgründe sind
3.1.1 seelische Verfassung / Disposition
3.1.2 physische Schwäche
3.1.3 äußere Umstände
3.2 nicht negiert
4 mit Inf.; drückt Möglichkeit (negiert: Unmöglichkeit) dessen aus, was das Hauptverb aussagt
4.1 Präs.
4.1.1 Ind.
4.1.2 Konj.
4.2 Prät.
4.2.1 faktisch
4.2.2 Potentialis (auf Gegenwart oder Zukunft bez.)
4.2.3 unerfüllter Wunsch
4.2.4 Irrealis (auf Vergangenheit bez.)
4.2.4.1 mit Inf. Präs.
4.2.4.2 mit Inf. Perf.
5 mit Inf., ‘pflegen, zu’ ? eine Reihe von Belegen wird traditionell teils als rein umschreibend / pleonastisch (häufig vor allem bei Wolfram), teils als Bezeichnung eines Habitus gedeutet (vgl. BMZ 1,806,45: ‘meine Natur, meine Sitte bringt es mit sich’ , mit unklarer Belegzuordnung; DWB 5,1739-41 [Hildebrand]: können II,6; Kahl, können und mögen, S. 32f.; Fritz, Modalverben, S. 49); Beispiele, die am ehesten diese Lesart stützen könnten
   1 ‘etw. kennen, wissen, verstehen, sich auf etw. verstehen, kundig sein in Bezug auf etw.’; ~ bezeichnet i.d.R. ein auf Tätigkeit und Handeln (z.B. auch Lehre) bezogenes Wissen, eine erlernte Fähigkeit    1.1 mit Akk.d.S.; bei den Bezugsgrößen handelt es sich um    1.1.1 etw., was man aufzusagen weiß: der dorfman ist niht wol beriht, / kan der pfaffe des glouben [das Credo] niht Freid 70,21. 8,2; chan er des heiligen gloͮben niht vnde wil in [...] niht lernen Spec 1,22; welich mensche vierzehen jâr alt wirt unde kan ez des pater nosters niht, man sol ez an ein velt legen PrBerth 1:44,13; künnent sie daz avê Marîâ dar zuo, daz ist vil wunderguot ebd. 1:44,10; geschiht aber daz ez [das Neugeborene] ze priesters handen niht komen mac, sô sol ez ein kneht oder ein dierne, frouwe oder man [sc. taufen] , die diu wort kunnent als sie in dem sermône stênt von den siben sacramenten ebd. 1:31,37; ich wæne die phaffen unt die nunnen / ein gemäinez bîwort [Sprichwort] chunnen, / daz si sprechent ‘post pirum vinum [...] ’ [Birnen verlangen nach Wein, TPMA 1,487] Priesterl 66    1.1.2 den Verlauf von Straßen und Wegen, Reiseweg: die wîsten sie dare / die den wech kunden, / aldâ si wilt funden En 4559. 1803; die die strâzen kunden, / die wîsten sâ ze stunden / die ritterschaft ûf den wec / gegen der burc UvZLanz 7577; die strâze er vil wol kunde / wider in sîns herren lant Wig 1060; die die waltstîge kunden, / die gevuoren alle baz dan ich Tr 2702    1.1.3 die Heilkraft von Kräutern: ich han hi gesaget von den wurzen, di uch bekant [...] sin [...] so han ich gesait ein teil ir craft, di ich weiz unde ouch nutze ist. nu wil ich uch sagen von den wurzen, ane di nimant guͦte electuaria [ eingedickter Saft, Latwerge] gemachen kan. der craft sag ich io, so verre ich kan [sie kenne] [...] und ouch uch nutze ist zu kunnene. Macer Gewürzvorr. 2    1.1.4 eine Sprache: [der Hl. Geist] lerte si allin wistuͦm unde daz si alli sprache chundin Spec 79,18; dô frâgte ich es an der stunde / der die sprâche chunde, / waz si sungen KvHeimUrst 372; dô er ir sprâche reden began, / die lützel ieman kunde dâ Tr 2237. 2283. 8533; wan ich die lantsprâche kan ebd. 8701; die [...] niht wan einir zvngin chundin Spec 76,13; swer iht vremeder zungen / von den bîlanden kunde Tr 3697; swer hie wälhisch sprâche kan Parz 85,18. undi sich swer dir ebreschin icht kan, / daz iri nibilibi lebindic niman ÄJud 97; diu frouwe in ir biutel vant / einen brief, den schreib ir mannes hant. / en franzoys, daz si kunde Parz 55,19; si kunde franzois und latîn Tr 7986; die Kerndner auch diutsch kunnen. / der êrn muoz man in gunnen EnikWchr 27523; nîgen wart dô niht vermiten / gegen den [...] die latîn noch tiutsche kunden Ottok 43536; want ich [...] lutzil dûtschis kan, / ôt alse mich dî larte, / der spune mich ê narte NvJer 304    1.1.5 Bücher, Schriften (besonders die hl. Schrift): und erfuͤlt wart von dem hiligen geist der im so getan genad und chunst gab, daz er die hiligen schrift vollichlich chunde und si geistlich verstunde PrOberalt 19,33; do hiez er [Herodes] im gewinnen die diu buoch chunden AvaLJ 20,2; wan ir [Laien] der bvͦche niht kvnnet, an den vogelen svlt ir sehen, waz iv ze tvͦnne si. mines trehtines geschephede sint iv niht geben aingenote ze dem ezzenne svnder ze einem bilde Spec 35,22; swelher so welle, / der widirrede daz; / der chan diu buoch baz VRechte 368; wan er diu e chunde, do vragt in unser herre von der e, daz er in von sein selbs worten lert PrOberalt 153,28; dar ume sprach Kristus vile wê den juden pristeren [...] wan si di schrift kunden, und hilden sich vur gerecht, und si doch ungerecht wâren HvFritzlHl 36,7; man solte nieman ze priester wihen, er koͤnde denne beide, die alten e und die núwen e Mechth 5: 24,34. der aller wîseste man, / der diu buoch von erzenîe kan Eracl 3240    1.1.6 das Recht: [Kaiser Karl] was recht richtere. / er lerte uns die phachte: / der engel si imo uore tichte. / er chonde ellu recht Rol 705; er kvnde sin recht vnde sine e / vil wol vnde nimman baz Herb 3218; swer lêhenreht kunnen welle, der volge dises buoches lêre SpdtL 231,1    1.1.7 Liebe: wer hât mich diz [Minne] gelêret al, / daz ich ez nû sô wole kan / und ich es doch nie began? / ich kondes lutzel hûte frû: / ich kan ez sô wol iezû, / des is mîn herze vile swâr En 10229    1.1.8 verschiedene Handwerke, Fertigkeiten, Künste, Wissenschaften (liste, wîsheit, künste):    1.1.8.1 allgem.: die wîsen kunnen manegen list, / der fremede tumben liuten ist Freid 79,11; siê kunnen alle liste Himmel 30; der kvnde vnd wiste / die selben liste, / [...] der man do phlac vnde noch phlit [die Sieben freien Künste:] [...] an einer leret man buchstaben [...] Herb 7661; ein vierzehenjærec kint / kan al die liste, die nu sint Tr 3720; daz beste daz er kunde, / sô schuollist, sô hantspil ebd. 7966. die kvnden vnde westen / an buchen vn an phafheit / list vnd wisheit Herb 10686; want ich inhaldin nit vor einen wisen man, / di gude liste aleine kan, / wan virborgine wishet / der selen nit vurrsteit. di wisheit wil, dat man si teile, / want si geschaffen ist zu heile WildM 4,152; sô wil ich iuch lêren drîerleie wîsheit, die mag iu lieber sîn danne alle die wîsheit die alle meister kunnent PrBerth 1:5,25. ez dunket manegen tumben man / diu kunst diu beste, die er kan Freid 115,7. 78,20; got noch künste kan genuoc Parz 796,16; alle die kunst die sie künnent, diu ist nihtes wert, sie künnen danne die selben drîe künste PrBerth 1:5,32; der êrste mensche, Adâm, der hate alle kunste vor dem valle und hete alle hantwerg gekunt âne lernen HvFritzlHl 15,8    1.1.8.2 besonders: – Lesen: ine kan decheinen buochstap. / [...] disiu âventiure / vert âne der buoche stiure Parz 115,27. – Schäferei: sô sprechet [...], / ir sît von chintheite gwon mit deme fihe gên; / swer wole chunne den list daz der unter iu sî der tiurist Gen 2550. – Heilkunde: die êbrêisken froͮwen / die chunden selbe den list, / der zuͦ chintpette guͦt ist Exod 181; die erzenîe kunden, den bôt man rîchen solt NibB 255,1; wan sie vil kunde / und genuoc von erzenîen Eracl 3510. – Zauberei: in weiz, ob er zouber kunne Walth 51,18; si kunde eht zoubers die kraft Er 5189; daz er von lêre kan / dekeiner slahte zouberlist Tr 1002; an im geschach ein wunder, / ein list den kunder: / ein salbe er under ougen streich, / daz im sîn liehte varwe entweich; / er wart vil ungeschaffen UvTürhTr 2234; do sprach der keiser: ‘Vite, was du czoͮberes chanst, das du den tieren vnd dem viure gebiutest vnd dir div gehorsam seint?’ Konr 14,101; so nennet man in Anticrist / und tut in zouberliche list / unde goukelie leren. / da beginnet her keren / sinen vliz so vaste an / daz der nie niekein man / wider im nicht enkunde HeslApk 18553. – Geometrie: wander wole konde / die list von gêometrîen En 9408. – Astronomie: alle die wîsheit die alle sternenseher künnent PrBerth 1:5,27. – Ritterkunst: der helit vil wale kunde / aller slagte frumicheit / ind was ein rittêre gemeit ErnstA 341,9; den besten meister mîn, / den wil ich dich lêren heizen [...] daz du doch drî swanke künnest, swâ man strîte / in herten veltstürmen Kudr 359,3; da ich niht der wizze kan, / da vind ich maͤngen wisen man / der mich kan geleren wol / wie ich ritter wesen sol RvEWh 5411. – Schiffbau: da er sîne junger lêrte / zimbern groze chiele [...] den list er wol kunde Wernh 3138. – Sticken: genuoge worhten an der rame [Stickrahmen] : / der werc was aber âne schame. / und die des niene kunden [...] Iw 6201. – Musizieren: diu cleinen vogellîn wol singent / in ir besten wîse, die si kunnen Walth 46,3; ich hân gevlizzen / an iegelîchem seitspil / und enkan doch keines alsô vil, / ine kundes gerne mêre Tr 3668. 3684. 7966. – Beredsamkeit: einer rede sie begonde, / die si vil wole konde, / mit michelme sinne En 9746; seht (sô helfe iu got) / ze disem gebiurischen man, / wie wol er sîne rede kan Greg 1126; daz ich widir vweris herren man / negeine gote rede ne kan Roth 1029; konde wir unse rede baz, / gerne tete wir daz, / [...] daz wir si uore brechten Glaub 3743; und vil swinder und behender wort sprach si deme bischove zu, alsô daz den bischof wunderte daz si sô wîslîche rede kunde HvFritzlHl 10,7. – Schach: kunnet ir / schâchzabelspil? [...] ir ist / under uns genuoc, die disen list / wol kunnen Tr 2231    1.1.9 höfisches Benehmen: ir nîgens si begunden / mit zuht die si wol kunden Parz 641,28; in zôch nehein Curvenâl: / er kunde kurtôsîe niht, / als ungevarnem man geschiht ebd. 144,21; wan daz ich ein lützel fuoge kan, / sô ist mîn schœne ein wint Walth 116,11; ein guotes rîcher man / der deheiner slahte vuoge kan Wig 5770; si kunde ê schœne vuoge / und höfscheit genuoge Tr 7981    1.1.10 (un)moralisches Handeln: ez wænt ein ungetriuwer man, / ich künne untriuwe, als er kan Freid 44,6; diu wîb kunnen liste vil: / waz ob si mich betriegen wil En 11241; ich pin vor valsche vrî: / ich enkan decheinen widersaz [verstehe mich nicht auf Unredlichkeit] Parz 439,21; verrâtens ich doch wênic kan, / swie mich des zîhen sîne man ebd. 27,1; der reine valsches niht enchan KvHeimUrst 1515; wie sol ich dich trügenheit lêren? sô kanst dû ir selber ze vil der trügenheit PrBerth 1:16,21; unde dâ von kunnent sie vil liste unde schalkeit ebd. 1:34,9; moralisches Urteil: er enweiz noch enkan / noch daz vbel noch daz gut Herb 12194    1.2 in engerer Verbindung mit dem Akk. eines Indefinitums (iht, niht, vil, wunder ‘viel’, usw.), das nicht weiter ergänzt ist: swer niht enweiz und niht enfrâget, / und niht kan und in lernens betrâget, / [...] und hazzet den, der rehte tuot: / disiu driu sint tôren muot Freid 78,19; vil lieber man, / daz ich weiz und daz ich kan / daz kanst ouch dû unde weist En 6568; vil pfaffen ist der kuͤnste bloz, / die doch wænent kuͤnnen vil Rennew 31871; ich waene, si ist ein Vênus hêre, die ich dâ minne, / wan si kan sô vil [Zauberkünste] MF:Mor 22: 3,2; uil ist des wir kunnin, luzil des wir tvͦgen [viel ist, was wir wissen, wenig, was wir vollbringen (Ohly)] TrudHL 5,8; er fuort in în zem palas, / dâ diu werde massenîe was. / sus vil kund er in schalle [trotz des Getümmels um ihn (Bartsch/  Marti z.St.)] , / er sprach [...] Parz 147,29 (oder zu 1.3.1.2?); kumt sanges tac, man gehœret singen unde sagen: / man kan noch wunder Walth 58,26; Reinhart, der wunder konde ReinFu K,654; chunde ich iht, des wære ich vrô KvHeimHinv 36. 108; swaz die alten [Frauen im Tempeldienst] chunden, / daz enmahte ir [der kleinen Maria] niht engân Wernh 1366; der hiez mich lêren, daz ich kan Tr 3107; und kan der mensche mê underwîlen, dan in ieman gelêren mac Eckh 4:414,63; ob er fraget des er niht enkan, / des bescheit in schier ein wiser man BvgSp Vorrede,19    1.3 mit Präp.-Obj.    1.3.1 das Obj. ist ein Abstraktum (Handwerk, Fertigkeit, Kunst, Wissenschaft usw.)    1.3.1.1 an etw.: dô reit der hêre Chôres, / der Troiâre prêster / [...] und was doch ritter vile gût / und hete manlîchen mût / und kunde wole an ritterschaft En 9069    1.3.1.2 in etw.: dô sprach Dionysius: Timotheus ist ein gotlîdender man. der in dem wol künde, der vürliefe [überträfe] alle menschen Eckh 4:424,160; Parz 147,29 (s.o. unter 1.2., wohl nicht hierher).    1.3.1.3 mit etw.: ir offenlîchiu mære [ihr Umgang miteinander in der Öffentlichkeit] , / mit den si wunder kunden Tr 12991; iwer vater [...] kunde wol mit schallen [verstand sich darauf, Ruhm zu erwerben] Parz 317,25. – Kriegskunst, Ritterwesen: der wol mit rîterschefte kan Parz 66,10; Wh 225,5; Wig 8456; die wol mit strîte kunden Parz 210,22; Wh 78,5; mit der tjost si bêde kunden Parz 704,6. 738,23; Centaurî wâren si genant / und kunden mit geschütze wol KvWTroj 6277. – Heilkunde: lât mîne wunden schouwen / etswen der dâ künne mite Parz 577,9. – Jagdwesen: swer mit gejegede kunde Tr 14357; der chan vil wol mit vederspil / und ist ein wiser weide man StrKD 61,290; ez was ein ritter hoch gemut, / der gewan vil mangen habch gut. / er hete die gewonheit / daz er vil dicke beizzen reit, / und konde doch mit hebchen [ zebeizen StrKD 61,15, s.u.] niht Erz III 194,5; nu nemet iuwer hût hin dan, / wan ine kan hie mite [Zerwirken des Wildes] niht baz Tr 3045. – Liedkunst: ich bin Wolfram von Eschenbach, / unt kan ein teil mit sange Parz 114,13. – höfisches Benehmen, Auftreten: der niht mit ritters fuore kan Parz 152,12. – moralisches Handeln: er ist verlorn, swer nû niht wan mit triuwen kan MF:Mor 7: 5,4; ein tugentrîcher wîgant, / der niht mit valschen listen kan RvEGer 815; du hast einen vil guten site / unde kans da vil wole mite, / daz du der sundigen scones / unde mit deme guten des ubelen lones Glaub 1947; der vch disen rat git, / der kan harte wol da mit [Herrscher sein] Herb 10904    1.3.1.4 von etw.: alle die von wurzen oder von sternen künnent PrBerth 1:5,27    1.3.1.5 ze etw.: der werltliche man, / der wol zefrivden [l. ze vröuden ] chan Warnung 1568; wâ von sprichet dan dehein man, / der iht ze guoten dingen kan, / daz der bœs hab sælikeit? WälGa 4508; alda reit ein criche vnde, / der zv rosse wol kvnde Herb 11552; sun, nû vürhte ich dîn dar an: / du enkanst ze ritterschefte niht Greg 1537; wir [Stadtbürger] kunnen niht ze turney noch ze tjosten Loheng 1163; ez was ein riter hoch gemut; / der gwan vil manigen habch gut / und het die gwonheit, / daz er vil dicke beizen reit, / und chunde doch zebeizen [ mit hebchen Erz III 194,5, s.o.] niht StrKD 61,5; ir schif giengen ebene, dô si ûz dem lande kêrten. / die ze arbeite [des Seemanns] kunden, die tumben si dô lêrten Kudr 285,4; mich [Isôt] wundert sîn [...] daz der gevüege Tristan / nicht zu vrouwenliebe kan HvFreibTr 3720; dô tet der kunic als ein man, / der wol zurliuge kan Ottok 9539; und daz er dâ und zaller zît / ze ritterschaft wol kunde ebd. 16423; ich [...] chan zü ercznei wol, / dez wil ich helfen dïr Märt 2415. nu rât waz ich tuo: / ich kan hie harte wênic zuo Parz 156,16; dâ kan ich wol zuo, / swaz ir mir gebietet, daz ich daz allez tuo Kudr 997,1; nâch rât der allerbesten, / die darzuo kunden Ottok 13279    1.3.2 mit einer Person (auch mit Gott, mit einem Tier): er ist gar ein sælic man / der mit dien liuten kan KLD: UvW Leich 4,182; ich wæne, mîn vriunt Tristan / niht mit juncvrouwen kan UvTürhTr 280. dem reht wære und mit gote wol künde ["und sich auf Gott wohl verstünde" (Quint)] , dem würde alliu solchiu lîdunge und învelle ze grôzem vrumen Eckh 5: 231,7; der mit gote wol künde ["recht zu Gott stünde" (Quint)] , der sölte alwege anesehen, daz der getriuwe minnende got den menschen hât brâht ûz einem sündigen lebene in ein götlich leben ebd. 5: 232,6. iz [den Kriegselefanten] wîset mit grôzeme sinne / sîn meister [Führer] , der dâ mite kan SAlex 4376    1.4 mit Obj.-Satz (bei koordiniertem wizzen): alle die ie smiden begunden, / di ne wessen noch ne chunden / wi daz swert gehertet was Rol 3308    1.5 phras., verneint mit verre, baz ‘nicht weiter wissen, es nicht besser verstehen’ duo sprach Sŷmon: / ‘Pêter, war ist dîn wîstuom komen? / nu enkanst dû niht mêre. / ih wil dih wol lêren [...] Kchr 2359; wir wîp bedurfen alle tage / daz man uns tumbe rede vertrage [...] wan wirne kunnen leider baz Iw 7684    2 mit Inf., ‘(aufgrund einer erlernten Fähigkeit, Einsicht oder Kenntnis) etw. zu tun wissen, verstehen, sich darauf verstehen, etw. zu tun’; der Inf. bezeichnet    2.1 Wissen, Verstehen, Erkennen, Erforschen, Ausdenken: ih hân vil manigen man, / die mir wol kunnen revaren, / wâ si sint gelendet Kchr 1497; wert ist mir der man, / der guot und übel betrahten kan, / der mich und iegelîchen man / nâch sînem werde erkennen kan Tr 18; ’ine weiz’ sprach Tristan sâ zestunt / ’ine kan niht wizzen, waz ez ist, / wan mir enmac kein arzâtlist / gehelfen noch gevrumen hie zuo ebd. 7775; dise namen [ Tristan und Tantris ] die beswærent mich. / ine kan niht wizzen, wie in sî: / si lûtent nâhe ein ander bî ebd. 10105; der gewaltige herre / der teilet sînen knehten / ir lôn alsô rehte / nâch ieglîches werken: / daz kan er wol gemerken Wernh 5688; swer der wurze crapht wissen wil, der chan si irkennen nicht, her inwisse, was der wurze nature si Macer Prosavorr. 24; an alle die arge liste, die ieman irdenkin kan UrkCorp (WMU) 102,2    2.2 Mitteilen, Darlegen, Lehren von Wissen, Erkenntnissen: wie er die troume chunde skeiden Gen 1968; unt wie er lantreht bescheiden chunde / allen den ers gunde VAlex 219; der bedarf [...] guͦtir lute ratis, / die in geistliche kvnnen leren / wie her gote sule dienen Ägidius 944; nû sprechent bôse lugenâre, / daz er [Alexander] eines goukelâres sun wâre. [...] nimer geloube ez nehein frum man. / sînen vater ich wol genennen kan. / [...] Philippus hîz der vater sîn, / al Macedonenlant was sîn VAlex 78; den aller wîsten man [Josephus] , / der dem chunige wol gesagen chan / von anegenge der werlte, / wi si aller êrst got gescuofe, / dar nâh von allem mennisken kunne Kchr 1022; chanst dû mir rehte gesagen, / war umbe der houscriche / springe ûf unt nider diche / unt iewederhalp veteche hât, / unt iedoch an sehs painen stât ebd. 1889; dirre schvle ich hie pflegen sol, / ich kan die kint leren wol ReinFu K,894; vil wol ich vch dar [zum gefangenen Bären] gewisen kan ebd. K,1581    2.3 die Ausübung verschiedener künste und liste (vgl. oben 1.1.8): er frâgte waz si chunden wurchen oder wie si ime wolten dienen Gen 2573. 2547. – Sterndeutung: si kan an den sternen sehen, / swaz iemanne sal geschehen En 2279; die [Heiligen drei Könige] waren geleret daz si chunden an dem gestirn sehen PrOberalt 30,18. – Erd- und Himmelsvermessung: di wisen begunden sih ouh uermezzen, / si chunden wol mezzen / in lutzelir wile / di manic tusint mile / uon der erden zo dem himele Glaub 392; ja nekanstu der erde niht gemezzen Kchr 2431. – Lesen / Verstehen einer Fremdsprache: ein maget, / diu vil wol, ist mir gesaget, / wälhisch lesen kunde Iw 6457; nû lebet der liute niht ze vil, / die kriechisch kunnen verstân RvEBarl 16049. – Baukunst: dô sprâchen di knechte zu Thomas: kanst du soliche palaste machen? HvFritzlHl 24,16. – Seefahrt: nu bin ich âne liute hie / und enkan ouch selbe niht gevarn Tr 2363. 2357. – Backen: allere brôte [...], / dei dehein phister chunde machen, dei man ûz melewe scolte bachen Gen 1972. – Bestellen des Feldes: der junger brûder huote der lember, / er nechunde nieht bûwen Gen 600. 595. – Jagen: er chund ouch fâhen rêher dei vêhen Gen 1076. – Weinbau: von wynstockin czu legin, das doch alle wynczurlle kvnnen Pelzb 130,15. – Herstellen von Kleidung: des menschen vel ist dünn und mag leicht versêrt werden. daz ist dar umb, daz der mensch kan im selber ander decke machen, dâ mit er sich bewart, des andreu tier niht künnen BdN 23,33. – Färben von Tuchen: der wollen varb kunt noch nie kain maister an ander wollen pringen BdN 245,25. – Zerlegen von Wild: daz ist der rehte bastsite [Kunst des Zerlegens] : / diu [drei Rippen] lât er iemer dar an, / der die brust gelœsen kan Tr 2896. – Herstellen eines Kampfstoffs: daz was Alexanders site: / daz er chriechisc fûr chunde wurchen / unde liez iz niemen merchen, / von welher liste iz im chom VAlex 975. – Heilen: want he nicheinen arzet vant, / di sich des underwnde, / dat he in giheilin kunde WildM 2,20; die wisen arzate / chunden im niht geraten / mit wrzen noh mit salben Wernh D 4984. – ritterliches / kriegerisches Kämpfen: sehzek (28#’r) wîgande der aller iegelich hât sîn swert in handen, si chunnen alle mahtige uehtin TrudHL 41,3; der site was unter guten knechten: / si cunden wol uechten / mit spiezen unt mit geren Rol 4474; sturm, slac, stich, stoz, / schal, geschreige, ruf, doz [...] der harte kvne man, / der mit disen dingen kan / wol bewaren sine diet Herb 10150; wie wol sî strîten kunden / ze orse und ze vuoze Iw 6992; ir hêrre strîten kunde Parz 72,20; beidiu fliehen unde jagen, / swenn ietweders ist zît, / daz müezen si ân widerstrît / kunnen unde trîben Ottok 25192. – rhetorisch gewandtes, angemessenes Reden / Verfassen: got der guote geruochet senten ze muote / daz ich chunne reden alsô ich diu buoch hôre zelen, / sô wurde diu zala minnechlîch Gen 3; sînen mannen die wol redinen chunden ebd. 1517; daz ich dich bitten kunne, / daz gib du mir, heiliger Crist! SüklV 6; vnde war ih herir dan ein ein wissage / vnde sin geist in minem munde, / dannoh nemohtih noh ne konde / dih gelobin, so ih solde Litan 246; ôwê daz sô fruo erstarp / von Veldeke der wîse man! / der kunde se baz gelobet hân Parz 404,30    2.4 Geschicklichkeit allgemein: [Adam und Eva] ilten zeinem fichpoͮme nach des boͮmes loͮbe, / zesamene siz bedwngen [fügten es zusammen] so si beste chunden, / die scham si ue[r]burgen mit uil grozzen sorgen GenM 15,3; Parzivâl der tumbe [...] kunde im ab geziehen niht: [...] helmes snüer noch sîniu schinnelier, / mit sînen blanken handen fier / kund ers niht ûf gestricken / noch sus her ab gezwicken. / vil dickerz doch versuochte, / wîsheit der umberuochte Parz 155,21    2.5 (un)moralisches Handeln: daz si an ir erneste mâzze chunnen gehaben, daz si weder ze scerfe noch ze senfte sîn den undertanen Spec 122,14; also schiere do ich da chom, daz ich svnden chunde [verstand, was Sünde ist] , do wârf ich got minen sepphâre zervcge ebd. 3,10; der sich lasters kunde schamen, / der hæte benamen / die liute gevlohen iemer mê Iw 2631. 4965    2.6 höfisches Benehmen: dâ kunde wale de kûne man / gesprechen bit sulichen zuhten / dat it bit êren hôren mohte / de kuning ind allit dat rîche ErnstA 341,3; swenne der junge man / mit zuhten wol gesprechen kan / unde swîgen dâ er sol, / sô stât sîn dinc wol Kchr 1649; wan dez ich leit mit zühten kan getragen MF: Reinm 13: 5,4; herre, ir habet missetân, / welt ir den rîter alsus lân. / wem habt ir ouch iht verseit? / lât ez an sîne hövescheit. / er gelîchet sich wol einem man / der betelîchen biten kan Iw 4574; êren unde triuten / kunden sin mit werdekeit Parz 59,19    2.7 Fähigkeiten von Tieren: so daz selbe tier [...] sich hat gesattet von den tieren, / dei ez chan vahen wol, so leget ez sich in sin hol MillPhys 11,2; der herre san wole gesach / daz die hinde harte genotet was. / ouch clagete sie iz an der stunde / mit den dinge alse si kvnde, / mit lute ioch mit gebere, / daz sie in noten were Ägidius 394; dô saz er [...] ûf ein ors, daz beidiu kunde / hurtlîchen dringen / und snelleclîchen springen Parz 36,12; mit Hiudane ir hunde, / der dannoch niene kunde / unlûtes loufen sus noch sô Tr 17252; dest ein gebiurscher tuc, / swer hirzen unde geizen / gelîcher werde gan. / der snegge slîchet trâge, / sô [dagegen] kan diu spinne weben KLD: Kzl 1: 6,10    3 mit Inf., ‘(aufgrund seelischer oder körperlicher Kraft, gestattet durch äußere Umstände) imstande, in der Lage sein, etw. zu tun’; meist negiert    3.1 negiert, ‘nicht imstande, in der Lage sein, etw. zu tun’; Hinderungsgründe sind:    3.1.1 seelische Verfassung / Disposition: dô [...] er ze sînem bette quam / [...] neheines slâfes her ne phlach, / hern mohte noch enkonde En 11023; swie gerne sie abir wolde / zurnin, sie nekonde Athis A* 33; des wart ernvwet sin leit. / er konde es vergezzen niht Herb 1883; ein rede der liute tuot mir wê, / da enkan ich niht gedulteclîchen zuo gebâren MF:Reinm 15: 5,2; ich solte iu klagen die meisten nôt, / niuwen daz ich von wîben niht übel reden kan ebd. 20: 1,7. 25: 4,6; sine konden von ir triuwen niht ein ander verlân NibB 2110,4. – (formelhaft umschreibend in Wendungen i.S.v. ‘nicht unterlassen, vermeiden usw. können, etw. zu tun’ den troum newolte er verswîgen, wand er nechund iz vermîden, / er muose zellen daz ime got ruohte offenen Gen 1758; ich enkan des niht gelan, / ich ensage dir eine warheit Herb 11888; sin mohten noch enkunden nie / durch keine ir angest verlân, / sin bûweten den arcwân Tr 16484    3.1.2 physische Schwäche: vnde stach im daz ros vnde, / daz ez niht enkvnde / enthalden den, der druffe saz Herb 9088; swes man dâ began, / des enkund’ im gevolgen niemen, sô michel was sîn kraft, / sô si den stein wurfen oder schuzzen den scaft NibB 130,3; erblichen was sîn varwe: er’n kunde niht gestên. / sînes lîbes sterke muose gar zergên ebd. 987,1; dô truoc man si von dannen; sine kunde niht gegân ebd. 1070,2; dô er in brâhte zu der tür, / ine kunde der helt niht dervür / vor unkreften bringen KlageB 2100; er greif den hirz mit handen an / und wolte in ûf den rucke legen. / dôn kunde er in nie dar gewegen, / wan er was ime ze swære Tr 2866; ir aller keiner kunde / noch enmohte keine stunde / ûf sînen vüezen gestân [auf dem Schiff in schwerer See] ebd. 2433    3.1.3 äußere Umstände: daz eim riche sundere / daz himelriche si also unkunde / alse si eime olbendin / daz er sih konne gebovgen / durh der nalden ovgen [Mc 10,25] TundN 17; alse di dir [Tiere] dan uz gen begunden / vn̄ ire zegele bit in gezihen nit inkunden ebd. 464; man konde eine nalden / niergen an im gestecket han [hätte nirgendwo … können] , / so sere was er [...] mit philen bestacht Herb 6772; do was ez abuntstunde. / daz folc daz enkvnde, / swie gerne so ez tete, / gestriten also spete ebd. 6000; sæligiu künigîn, / ez sol mit iuwern hulden sîn, / daz ich wider ze lande var, / wan mîn dinc stât alsô dar, / daz ich langer niht belîben kan Tr 8179; frouwe wol getân, / der tac ist hôch ûf: ich kan niht komen hinnen KLD: UvL 40: 2,5    3.2 nicht negiert: la mich da liden daz ich kan TundN 393; ich kan jagen unde vâhen, / mich enmüedet niht mîn gâhen Weinschwelg 105; ir aller vorchte was nicht klein, / ze vluchte wârn bereit ir bein, / si konden al gevliehen wol Boner 32,7; var ûz jagen, daz ich mich chunne gelaben Gen 1120; der kvnic ist so riche, / daz er mirz wol vergelten kan ReinFu K,1561; swaz sin neve kvnde / ze tvn, daz im tete we, / daz tet er vaste ebd. K,294; wolde si wizzen mære / war er gekêret wære, / daz kund ir lîhte diu gesagen / durch die er sî het erslagen Iw 5881; wie kunde ein werbender man [Kaufmann] / sîn kint sô schône erzogen hân, / ezn müeze ûz edelem herzen [des Sohnes] gân? Tr 4092; vnd swa sv̂ werdint berovbet [...], kunnen sv́ den roͮber gezeigon, so sol der herre schaffon, daz es wider werde gegebin UrkCorp (WMU) 248A,7; kanst du sie [mit Teig bestrichene Fischstücke] gestemphen in ein forme [wenn du eine Form zur Verfügung hast] , daz tuͦ BvgSp 19    4 mit Inf.; ~ drückt Möglichkeit (negiert: Unmöglichkeit) dessen aus, was das Hauptverb aussagt    4.1 Präs.    4.1.1 Ind.: ez ist [...] vil dicke worden scîn, / wie liebe mit leide ze jungest lônen kan. / ich sol si mîden beide, sone kan mir nimmer missegân NibB 17,4; lieber bruoder mîn, / swaz der mînen helfe dar an kan gesîn, / des bring’ ich iuch wol innen ebd. 355,2; ezn kan ouch âne in [Gott] niht geschehen Iw 6345; daz kan mich niht vervân / an einer stat, / dar ich noch ie genâden bat MF:Hartm 2:1,6; sît ez niht bezzer werden kan Tr 4982; swaz mir leides kan [mag] geschehen, / dar ûf ahte ich harte kleine KLD: UvL 19: 4,5; waz bedarf ich sælden mêre? / wie kan mir gelingen baz? ebd. 24: 2,7; waz kan wîbe und wîbes êren / und ir güete sîn gelîch? SM:UvS 10: 3,1. 36: 2,7; fvͤr allen kriech, der vmb das sælb gvͦt immer kan werden UrkCorp (WMU) 2575,2; wenn ain vergiftiger sündær [...] volpringt die puoz, sô kan diu vergift der sünden sô grôz nümmer werden, si verswind von der rew und von der puoz BdN 241,29; Tristan, ich bin in sorgen, / suln wir lange hinne ligen, / sô enkan ez werden niht verswigen UvTürhTr 1134. – vor allem im Bedingungsgefüge und verwandten Satzarten: vnde swenne daz geschiet, / so kan vns geschaden niet Herb 3616; weizgot ich lâze mînen zorn, / ob ez sich gevüegen kan Iw 2063; swie sîn hâr ist getân, / ist et er ein getriuwer man, / diu varwe im niht geschaden kan Wig 2855; und wil got des rehten pflegen, / als er ie hât getân, / sô wæn uns niht geschaden kan ebd. 9914; mag iu diu ze wîbe / und uns ze vrouwen werden, / sôn kan uns ûf der erden / an wîbe niemer baz geschehen Tr 8476; wan einem man kan niht geschaden, swer für guot hât, swaz er tuot SM:UvS 30: 4,7; swer nâch guotes wîbes hulden ringet, / dem kan selten immer missegân KLD: UvL 22: 2,2; ez kan uns dort niht gevromen, / wan daz wir dur got geben SM:JvR 1: 9,4; kein werk kan gewürket werden dan in sînem eigenen bilde Eckh 5: 276,14    4.1.2 Konj.: swaz uns geschehen künne [mag] , daz lât kurzlîche ergân NibB 2097,1; heizet iuwer gesinde hie ûf nemen / al des si künne gezemen [was ihnen gefallen mag] / von trinken und von spîse Wh 277,16; kunne uns niht vervâhen [zum Erfolg führen] daz, / sô denken aber vürbaz, / ob uns danne iht bezzers sî RvEBarl 8585    4.2 Prät.    4.2.1 faktisch: wandez hete der schanden last / sînen rücke überladen. / ez enkund im niht geschaden / an sînen vreuden alsô / daz er iender unvrô / gegen einem hâre wurde dervon Iw 2638; er wând’, er sold’ in [den Hort] niezen: des enkunde niht gesîn NibB 1137,4; ez enkunde niht wern langer, si muosen dannen varn ebd. 1692,1; in selben und sîne gesellen / die sîne schilde truogen, / diene kunde niht genuogen, / swaz si der heiden valten Wh 406,4; daz kunde niht in allen / gefrumen umbe ein halbez ei KvWSchwanr 1552; daz mir nie enkunde werden heil mîs herzen wunde, / dâ von lîde ich sender sende nôt KLD: GvN 21: 3,4. 10: 1,9    4.2.2 Potentialis (auf Gegenwart oder Zukunft bez.): ô wol mich danne langer naht! / wie kunde mich der verdriezen? MF:Reinm 7: 18; wie kunde daz gesîn [wie wäre das möglich] ? / ob ander niemen lebte wan sîn unde dîn [Siegfried und Kriemhild] , / sô möhten im diu rîche wol wesen undertân. / die wîle lebt Gunther, sô kundez nimmer ergân [wäre das ganz unmöglich] NibB 816,4; âne dîne helfe kund ez niht gesîn ebd. 354,2; wie kunde daz ergân, / daz ich dich minnen solde? ebd. 285,1; mit wie getâner ahte / daz iemer kunde geschehen, / daz si sich möhten gesehen Tr 14383. 6230; Tristan [...] wiste wol: solt er genesen, / dazn künde niemer gewesen / wan eine [allein, nur] von ir liste ebd. 7296; sî hât mir sô hôhen roup genomen, / der mir unsanfte ganzer immer kunde wider komen KLD: UvL 20: 4,2; sîst so sælic, daz mir niemer kund an ir ze sælden misselingen SM:UvS 22: 5,6; der in [den Krötenstein] möht erwerben, / der enkünde niht verderben / keine wîs an dem guote Volmar 470; so verzihen wir vns alles rehtes vnd der liste vnd hilfe, von der disiv gegenwrtige hantvesti ir craft verliesin konde UrkCorp (WMU) 1802,19. – zur Umschreibung des Superl. durch verneinten Komp.: von herzeliebes schulden hât / mîn lîp vil kumberlîche nôt, / daz si niemer kunde groezer sîn MF: Reinm 38: 3,3; wie könde lieber mir geschehen, / danne ob ich wîlent möhte sehen / ein wîb schœne unde reine? SM: KvT 3: 3,1; obe ich daz dâ funde, / sône kunde mir ûf erde niemer werden baz KLD: GvN 4: 4,6    4.2.3 unerfüllter Wunsch: mir ist von den kinden dâ her mîne tage / entflogen mit den winden, daz ich vón herzen klage. / kunde ez gehelfen! nu hilfet ez nieht; / swaz ich dár umbe tæte, sô wær ez geschehen Kolmas 120,3    4.2.4 Irrealis (auf Vergangenheit bez.)    4.2.4.1 mit Inf. Präs.: bi vnsern iaren / en kvnde des geschehen niet [hätte nicht geschehen können] , / daz ein michel her entriet / also sere einen man Herb 10033; der ist schœner danne ein feine; / von vleische noch von beine / enkunde niht gewerden / sô schœnes ûf der erden Tr 17479; wie kunde in iemer grœzer heil / ze dirre werlt geschehen? UvTürhTr 98; dû bist genant der guote got, / ân des gewalt, ân des gebot / [...] nie niht enkunde werden LobGesMar 71,4; wol mich sô minneclîcher arebeit! / mir enkunde niemer baz geschehen. / dar nâch wart mir vil schiere leide MF: Reinm 13: 3,4; nune kundez sich gefüegen zwâre ninder baz NibB 1883,4. – zur Umschreibung des Superl. durch verneinten Komp.: ir enkunde in dirre werlde leider nimmer gescehen NibB 13,4; des küneges ingesinde konde ez niht lieber gesîn ebd. 1714,4; der erste gegenblik dines heren antlútes gegen mir, das konde mir in ertrich leider nach miner gerunge nie geschehen Mechth 7: 45,11; NibB 781,4; daz was sô rehte wîz hermîn, / daz ez niht wîzer kunde sîn Tr 2552; sô vremediu notelîn, / diu niemer vremeder kunden sîn ebd. 8060; drî [Striche] wâren [...] sô rehte lâsûrfîn / daz si niht blâwer kunden sîn KvWTurn 688    4.2.4.2 mit Inf. Perf.: hey waz man rîcher spîse den edeln jegeren dô truoc! / [...] ez enkunde baz gedienet nimmer helden sîn NibB 964,2; von helden kunde nimmer wirs gejaget sîn ebd. 1002,2. 232,1; wan dez ich leit mit zühten kan getragen, / ich enkonde niemer sîn genesen MF:Reinm 13: 5,4; wan daz im got half ûz der nôt, / sôn kunder niemer sîn genesen Tr 1329; nu sluzzet ir doch die porte zuo / hiute, dô ir ritent vruo: / wie kundez danne sîn geschehen? UvTürhTr 3195    5 mit Inf., ‘pflegen, zu’? eine Reihe von Belegen wird traditionell teils als rein umschreibend / pleonastisch (häufig vor allem bei Wolfram), teils als Bezeichnung eines Habitus gedeutet (vgl. BMZ 1,806,45: ‘meine Natur, meine Sitte bringt es mit sich’, mit unklarer Belegzuordnung; DWB 5,1739-41 [Hildebrand]: können II,6; Kahl, können und mögen, S. 32f.; Fritz, Modalverben, S. 49); Beispiele, die am ehesten diese Lesart stützen könnten: hôh alsam diu sunne stêt daz herze mîn. / daz kumt von einer vrowen, diu kan staete sîn MF:Reinm 32: 1,2; KLD:Kzl 4: 2,7; frouwe, ich tuon iu ungemach. / ich kan ze lange sitzen: / daz tuon ich niht mit witzen Parz 29,19; du kanst ze lange sîn [ausbleiben] KLD: OvB 9:4; wan dô sîn komen zeigte sus / der sterne Sâturnus: / der kan mit grôzem froste komn Parz 492,27; diu frouwe dô begunde, / daz si dâ vor niht kunde, / beidiu zabeln und wuofen, / in slâfe lûte ruofen ebd. 104,26; von dem ertrîche / dem menschen ist geboren an / daz er dem tôde wahsen kan / und er verliesen muoz sîn leben KvWSilv 3750. – Literatur: Kahl, können und mögen, S. 12-33 (diese und weitere materialhaltige ältere Arbeiten werden referiert bei Fritz, Modalverben, S. 117-128); Diewald, Modalverben, S. 344-350.

MWB 3,2 719,61; Bearbeiter: Plate

kunnen swV. Inf. kunnon PrSchw . – aus ahd. kunnên (AWB 5,508f.); vgl. mhd. → erkunnen , verkunnen . 1 ‘etw. (ein Getränk) kosten, probieren’
2 ‘etw. in Augenschein nehmen, besichtigen’
3 ‘etw. (betrachtend) in Erfahrung bringen, herausfinden’
4 ‘etw. kennen lernen’
   1 ‘etw. (ein Getränk) kosten, probieren’ (vgl. ahd. (gi)kunnên für lat. gustare im Abrogans, s. AWB 5,509f., und frnhd. kunner ‘amtlich bestellter Wein- und Bierkoster’, DWB 5,2665): wir sulen trinken manegez kunnen Wh 326,15    2 ‘etw. in Augenschein nehmen, besichtigen’ Moysez sante zwelf altherren, [...] dc si dc [ lant Kanaan] kunneten [vgl. qui considerent terram Chanaan Nm 13,1] , wie diu gelegenhait wêre baidiu an den luͥten und an den steten PrSchw 2,58; da soltu kunnon die schoͤni ebd. 2,58; du solt [...] kunnon die ere und den lôn [der Märtyrer] ebd. 2,58    3 ‘etw. (betrachtend) in Erfahrung bringen, herausfinden’ sint ez sarrazine? / ganc hin, kunne baz ir leben! Rennew 765; [Sitten ändern sich leicht:] die site nieman kunnen mac, / der man nû pfliget und ê pflac. / mich dûhte vert vil manegez guot, / daz hiure beswæret mînen muot Freid 109,2 (vgl. cognoscere der lat. Übers., zit. TPMA 10,433); da von sint sie wol affen / die dar in [in das Geheimnis der Menschwerdung Gottes] vorbaz caffen / unde dar abe mer wollen kunnen / dan in got hir wil gunnen HeslApk 9357. – mit indir. Fragesatz: siu wolte gerne kunnen, / waz sites die herren pflægen UvZLanz 854; er wolt nu aber kunnen, / ob er iht vriunde hæte ebd. 7760; Joraffin / [...] lie [...] Ryalen / vil wunderlicher dinge sehen: / er hiez in kunnen und spehen, / waz im geviel da aller baz WhvÖst 3896    4 ‘etw. kennen lernen’ ir die nicht enkunnet [vgl. qui non cognoverunt Apc 2,24] / [...] Sathanases hochvertikeit HeslApk 3974; ob niht min hertze kuͤnnet / die vræude WhvÖst 748; sie tet als sie wolt kunnen / da von ein gahes sterben Rennew 33276. – mit indir. Fragesatz: der lag gar unversunnen / und wolt vil nah kunnen / welch ein sterben wære Rennew 27606. – refl. mit Gen.d.S.: so lit des jamers angel / verborgen in den wunnen [Liebesfreuden] / der ich mich solt kunnen / mit im sunder sorgen WhvÖst 5454. – subst. Inf.: alrerst wart liebes kunnen / von in zwain do gespilt WhvÖst 15910

MWB 3,2 731,28; Bearbeiter: Bohnert

künneschaft stF. 1 ‘Geschlecht, Familie, Verwandtschaft’
2 ‘Generation’
3 aller menschen ~ , ‘Menschengeschlecht, Menschheit’
4 ‘Stamm, Volk’
   1 ‘Geschlecht, Familie, Verwandtschaft’ [Joseph] hiez sîne bruodere varn, haln ir vater jouch ire barn, / daz ouch im chôme swaz der chunniskefte wâre [vgl. cognationem Gn 45,18] Gen 2468; wis aller dîner chunnescefte [ fratrum Gn 27,29] hêrre ebd. 1167. 2742; swâ er sich des nutzes nicht versicht, / dehäiner dem anderm vergiht / dehäiner chunneschefte Erinn 285; er was von Athenis / geborn an siner kunneschaft Pass III 453,5; der was von Rome geborn / in erhafter kunneschaft ebd. 642,7; ich wil in zeinir grozin diet / mit grozis geslehtis kraft / machin insinir kúnneschaft RvEWchr 5091; dô rechent der herre Îwein / ze künneschaft under in zwein [er machte sich klar, dass sie verwandt waren] Iw 804 (vgl. → künde stF. 1.3); UvZLanz 37; Pass I/II (HSW) 37797. – Ahnenreihe: dannen du geborn bist: / daz was diu din chunnescaft MarldM 31. – auf Gotteskindschaft bezogen: also [durch die hl. Kommunion] samnot er [Christus] chunnescaft / zwiscen im und siner gescaft. / da von die rehten sint / sine bruoder unde siniu chint BenGeb 33; [im Himmelreich erfahren die Seligen] div wnne, div schonheit [...], div geselleschat, div gienoschpat, div chvnneschat, div trvtscaph, [...] PrWack 2,34. – bildl.: ich hân [...] von den tugenden geseit. / ich hân ouch ir künneschaft / gezalt und ir geselleschaft WälGa 9873; der unmâze künneschaft ebd. 11999    2 ‘Generation’ in omni generatione et generatione: in allere chunnescefte unde chunnescefte PsWindb 44,18    3 aller menschen ~ , ‘Menschengeschlecht, Menschheit’ an dem [Seth] nam / urhap [...] / allir menschen kúnneschaft [Seth ist direkter Vorfahre Noahs (Gn 5,6-29)] RvEWchr 578    4 ‘Stamm, Volk’ Japhetis kinde kúnneschaft RvEWchr 1266; von Canaan dú kúnneschaft / der vetter ich hie han genant [vgl. populi Chananeorum Gn 10,18] ebd. 1119; [Paulus] was von der juden kunschaft [ ex genere Israhel Phil 3,5] Pass I/II (HSW) 21348

MWB 3,2 732,7; Bearbeiter: Bohnert

künol, künolt stMN. nach EWA 5,895f. aus afrz. con(n)il (Tobler/  Lommatzsch 2,693), s. aber auch DWB 5,1706 und vgl. mlat. cuni(o)lus (MlatWB 2,2113); die Form mit -t wohl durch analogische Einwirkung der Bildungen auf -olt zu erklären (vgl. Hornbruch, Deonomastika S. 102); vgl. → 2künigelîn stN. ‘Kaninchen’ cuniculus: lepus subterraneus id est coͮnol [l. cvnol? das ganze Wort auf Rasur] SummHeinr 2:214,127.2 (= Gl 3:313,4 ); cuniculus: chuͥnol GlAnzfKdVz 8:398,37; cuniculus: cúnolt VocOpt 45.076

MWB 3,2 732,47; Bearbeiter: Bohnert

kunreie, konreide stF. aus afrz. conroi M. (Tobler/  Lommatzsch 2,716ff.), s. Suolahti 1,138, -d- kann Ergebnis einer md.-rip. Epenthese sein, vgl. Weinhold, Mhd. Gr. S. 184, oder ältere frz. Lautung/  Schreibung bewahren, vgl. cunroit, cunreid bei Godefroy 2,248b; -e und das Genus F. sind unerklärt. 1 ‘Schar’
2 ‘Bewirtung, Erholung, Pflege’
   1 ‘Schar’ rû- unt wildegrêven viel / in der konreide hie sîn lôz Göllh 68 (s.a. Anm. z.St.); ein grôz konreide, ein michel her ebd. 214    2 ‘Bewirtung, Erholung, Pflege’ nach strite ein vride wart gebannen [...] durch kunreie [: (drier) leie; Hss. konrei, konreide ] JTit 901,2; geboten wart kunreie [: mangerleie; Hss. kvnrie, kanraie ] unz an den fumften morgen ebd. 1868,1

MWB 3,2 732,58; Bearbeiter: Bohnert

kunreit stM. nach DWB 5,1742 aus mlat. corred(i)um, conr- (MlatWB 2,1920, s. dort Bed. 1,a und 2,b); wegen des Diphthongs ei aber eher aus afrz. conroi M. (Tobler/  Lommatzsch 2,716ff., auch cunroit, cunreid, Godefroy 2,248b), vgl. mnl. conreit, conroot (MNW 3,1803, mit anderer Bed.). 1 ‘ Pflege’ eines Pferdes
2 ‘(rechtlich geschuldete) Bewirtung’ der Amtleute
   1 ‘ Pflege’ eines Pferdes: van deme kunreide Wh 59,18(La.) (ausführlich zit. unter → kunreiʒ )    2 ‘(rechtlich geschuldete) Bewirtung’ der Amtleute: item als die voersteren van Monyauwen yeren conreit willen han, so hait myn here der abt virtste [l. vriste ] dry marttage, ind sy sullen den conreit gebeden mit zwene voersteren off mit zwen scheffenenn, ind wanneir dann der abt den conreit doin will [...], ind darna sall man die voerster ind scheffenen zosamen setzen an eyne taeffel [...] WeistGr 2,778 (14. Jh.); den conreyd zedoyn UrkKölnAmtl 67 (a. 1342; voraus geht: ind soelen des daigs die selve [meyster] unse heren ind yren schriver ind die boeden ze gast haven)

MWB 3,2 733,8; Bearbeiter: Bohnert

kunreiʒ stM. aus afrz. conroi M. (Tobler/  Lommatzsch 2,716ff., bes. Sp. 718 ‘(leibliche) Versorgung, Lebensunterhalt; Bewirtung’) mit der Endung -s/-z des Rectus Sg. (Vorderstemann, Fremdw. S. 166f.); vgl. mlat. corred(i)um (MlatWB 2,1920, s. dort Bed. 1,a) und bes. auch corredare ‘(ein Pferd) abreiben, striegeln’ (ebd.), das auf got. garedan zurückgeführt wird (Wartburg, FEW 16,700). ‘Pflege’ eines Pferdes: swaz er sweizes ûf dem orse vant, / den kund er drabe wol strîchen. / do begunde im müede entwîchen. / ez dreste und grâzte, / von dem kunreiz [La. Hs. Ka van deme kunreide, s.a. Vorderstemann a.a.O.] ez sich mâzte / vil unkrefte die ez truoc Wh 59,18

MWB 3,2 733,28; Bearbeiter: Bohnert

kunriere stF. zu → kunrieren (Suolahti 1,138); vgl. aber auch afrz. conrëure F. (Tobler/  Lommatzsch 2,716, mit anderer Bed.). ‘Bewirtung, Erholung, Pflege’ mit frid ein undervenge si liezen beidenthalp durch di kunriere [: viere ] JTit 888,2

MWB 3,2 733,42; Bearbeiter: Bohnert

kunrieren, korrieren swV. korr- Krone 24564; auch kondrieren JTit 887,1(La.). – aus afrz. conrëer (Tobler/  Lommatzsch 2,714ff., auch conreder, Godefroy 2,247b, vgl. mnl. conreiden, MNW 3,1802). 1 tr., ‘pflegen, sich kümmern um’
2 refl., ‘sich erholen, pflegen’
3 subst. Inf., ‘das Sich-Erholen, Pflegen’
   1 tr., ‘pflegen, sich kümmern um’ – jmdn.: si twuogn und strichen schiere / von im sîn amesiere / mit blanken linden henden [...]. / juncfrouwen kiusche unde balt / in alsus kunrierten Parz 167,13. sîne lide, den lîp: nâch grôzen arebeiten / kunrierten si ir müede lide KvWTroj 43281; sumer zieret heide und anger und den walt: / dâvon manig herze balt den lîb kunrieret SM:Ta 2: 1,2 (= KLD: UvW 32:1,2 ). – ein Pferd: daz [ ors ] was die naht sô wol bewart / daz ez nie [...] enwart / gekunrieret alsô schône Iw 6659; der frouwen runzît / [...] was dürre als ein zunder [...] : / wandez reit ein frouwe wert, / diu selten kunrierte pfert Parz 256,30; wann sie so corrieret / vwer rosz mit solchen truwen Krone 24564    2 refl., ‘sich erholen, pflegen’ sie kunrierten sich dâ / mit gemachlîcher eise / nâch der grôzen tagereise RvEAlex 5696; dô sich die sînen êsierten, / mit ruowe sich kunrierten KvWTroj 44888    3 subst. Inf., ‘das Sich-Erholen, Pflegen’ beidenthalp wart do ein vrid geworben. / ir striten wer ane ere, sint luͤte und ors an kreften wer verdorben. // sich huͦp ein kunrieren [La. kondrieren ] uber al da von den vrechen, / von ezzen, von bullieren JTit 887,1

MWB 3,2 733,47; Bearbeiter: Bohnert

cuns, cons, conte, kunt M. cons Parz 121,27. 682,29; conte Rennew 12374; kunt Parz 46,17; Rennew 16974; RvEWh 1085. – afrz. conte (Rectus Sg. cons, Tobler/  Lommatzsch 2,751), s. Vorderstemann, Fremdw. S. 168f. ‘Graf’ cuns Nârant Parz 210,13; leh kuns de Muntâne ebd. 382,1; kuns Gwillâms de Orangis Wh 3,11; fil li cunt Schîolarz Parz 87,24; fillehgunt Miliun RvEWh 526; der minneclîche bêâ kunt [: wunt ] Parz 46,17; du bist ein conte / vil gar von kuͤnges arte Rennew 12374; von hoher art ein kunt ebd. 16974; Er 1669; PleierTand 10180

MWB 3,2 734,11; Bearbeiter: Bohnert

kunst stF. Substantivbildung zu kunnen anV.; Gen. künste, kunste, Pl. künste, auch sw. künsten Loheng , DvASchr , RvEAlex ; kunsten HvFritzlHl 198,36; zum Verhältnis zu list stM. s. F. Scheidweiler, kunst und list, in: ZfdA 78 (1941), S. 62–87. 1 ‘Wissen, Kenntnis’
1.1 allg.
1.2 bezogen auf Gottes Schaffenskraft, Gesamtheit des Wissens, Allmacht Gottes
2 ‘Wissenschaft’
2.1 allg.
2.2 einzelne Wissenschaften
2.2.1 septem artes liberales
2.2.2 weitere Disziplinen
3 ‘Fähigkeit, Können, Vermögen’
3.1 allg.
3.2 bezogen auf höfische Fähigkeiten
3.3 bezogen auf Dichtkunst
3.4 bezogen auf handwerkliche Fertigkeiten
3.5 bezogen auf Handarbeit
3.6 bezogen auf Obst-/ Weinbau
3.7 bezogen auf Heilkunst
3.8 bezogen auf schöpferische Fähigkeiten, künstlerisches Können
3.9 von religiöser Ekstase
3.10 bezogen auf Fähigkeiten der Täuschung
3.10.1 Magie, Zauberei
3.10.2 List, Hinterlist, Bosheit
3.11 bezogen auf die Fähigkeit von Feuer ‘Kraft, Macht’ (s.a. DWB 5,2684 s.v. Kunst 6.a )
4 ‘Haltung, Gesinnung, Sittlichkeit, Tugend’
   1 ‘Wissen, Kenntnis’    1.1 allg.: Jeronimus sprichet: nieman enmac von gote genemen kunst, wîsheit und vröude, er ensî denne ein guot mensche Eckh 2:161,1; hoch ob aller kunste muze wir die wisen / mit gotlicher vernunste uber die liste und liste macher prisen JTit 2605,1; diu kint diu vor drin jâren / zuo gesetzet wâren, / mit kunst ez diu sô schiere ervuor / daz der meister selbe swuor, / er gesæhe von aller hande tugent / nie sô sinnerîche jugent Greg 1175; der eilfte der hiez Zêleon [der Priester mit hôher wîsheit, V. 2746 ] , / an dem man künste was gewon KvWSilv 2768; den beiden [Adam und Eva] gap sîn witze sâ / rehte wîsheit unde sin. / vernunstic leben gap er [Gott] in / und machte sie von künste wîs RvEBarl 2027; vil pfaffen ist der kuͤnste bloz, / die doch wænent kuͤnnen vil Rennew 31870; di einen di gehôren zu der vornunft, daz ist wîsheit, kunst und klugheit; und di in disen sint beslozzen diz heizen vornunftige tugende HvFritzlHl 181,21; kunst und rât gehôren zu der wârheit der werkunge: kunst zu urteilne und rât zu vindene ebd. 181,33; Reinfr 19800; BdN 3,10. – bezogen auf ein bestimmtes Wissen(sgebiet): dar an [an der Tafelrunde] ein kunst mich verbirt [fehlt mir] , / ine weiz niht welher hinne ist wirt Parz 148,7    1.2 bezogen auf Gottes Schaffenskraft, Gesamtheit des Wissens, Allmacht Gottes: in gote lît alle kunst Kröllwitz 3964; got der hât geleit / sîne kunst und sîne kraft, / sînen vlîz und sîne meisterschaft, / an disen lobelîchen lîp [der Laudine] : / ez ist ein engel und niht ein wîp Iw 1687; daz an dir diu gotes kunst / hât volbrâht der sælden gunst. / der got der an dich sîne kunst / leite und ouch der sælden gunst, / der behüete dir dîn leben RvEGer 6339; von den helden er [Parzival] geschouwet wart: / dô lac diu gotes kunst an im Parz 123,13. 130,22; got in sînes geistes brünste / an dir zeigte sîne künste, / dô er aller sünden tünste / gar von dir geveimet hât SM:EvS 1: 12,2; ChristhChr 2024; Pass I/II (HSW) 26610. – personifiziert auch von den göttlichen Personen selbst: der maide sün Jesus Christ, / der auch ist die ware chünst Märt 24905; [Jesus Christus] ist mein chünst und ist mein got ebd. 24927 auf die Trinität bezogen: si namten den vatter den ungeschaffen ewigen got, den sun die unbegunnen wisheit, ir beider geist nanten si die rehte kunst der warheit Mechth 4: 14,10    2 ‘Wissenschaft’    2.1 allg.: sciencia : kunst VocOpt 38.001; doctrina : kunst ebd. 38.002; disciplina: kunst ebd. 38.003; so ist diu vunfte gebe sa / geheizen sciencia. / daz chut chunst ze diute / unte manet uns tumpen liute, / daz wir leren wistoum ArnoltSieb 11,3    2.2 einzelne Wissenschaften    2.2.1 septem artes liberales: – allg.: daz sint die sieben hohe kuͦnst HvNstGZ 775; der vliz darnah ze Attene was, / da man sit lerte unde las / der sibin liste hohe kunst RvEWchr 15768; wir haben künste vil geschriben, / der sint ûz erwelt siben WälGa 8899; Kostus [...] satzte si zu schule, alsô daz si wol gelêret was der siben kunste HvFritzlHl 253,21; die siben frîen künste Renner 16075. 1249; wie die kvnste weren. / an einer leret man buchstaben. / die ander ist erhaben, / [...] zv den scharfen sinnen. / die dritte zv der werlde zirde, / zv dem sange die vierde. / die funfte leret mezzen wol; / die seste, wie man zelen sol. / die sibende leret die list, / waz wunders an dem gestirne ist Herb 7666; Minneb 448; KLD:Kzl 16: 10,16. – Trivium (Grammatik, Rhetorik, Dialektik): die brief mit grammaticâ het meisters kunst geblüemet Loheng 7577; ganzir sprache wort vnd sin / mit kvnste habent vnder in Martina 245,104; [Platons] kvnst vnde sine list, / [...] : / daz ist dialetica Herb 10671; Martina 245,106; loyca ist ein tief kunst Vät 22623; JTit 1870,4; nû was ein meister under in / der truoc von kunst vil hôhen sin, / Dêmostenes was er genant, / wîs an filosofîe erkant RvEAlex 3654; so vellet mir iez ein spruch in, den las ich in der schule der natúrlichen kunst [hier: Metaphysik von Aristoteles] Seuse 388,2; RvEAlex 1385. – Quadrivium (Geometrie, Arithmetik, Astronomie, Musik): ouch kunde er wol von listen daz / wie man der dinge lenge maz / von gêometrîe: / diu kunst was sîn âmîe RvEAlex 140; ez ist ain lere in der kunst, die man geometriam oder erdenmezzerinne haizzet KvMSph 19,13; von arismetica der kvnste Martina 245,79; chunst der astronomei HvHürnh 26,16; die [...] jehent das die chunst der planetenn schwär sei ebd. 26,5; der steren chunst ebd. 26,16. 26,1; ain lerespruch in der sternseher kunst KvMSph 43,15; BdN 106,14; Martina 14,98; Tannh 5,60    2.2.2 weitere Disziplinen: – Theologie: wir sprechen vmbe die kunst. die man hinze got wendet [...] div ist scientia scientiarum div ist ein chunst aller kunste PrKlostern 33; verworfen ist Divînitas / diu ie der künste vrouwe was WälGa 9150. 9123. 9136; dar nâch in den jâren drin / dô gebezzerte sich sîn sin / alsô daz im dîvînitas / gar durchliuhtet was: / diu kunst ist von der goteheit Greg 1189. – Medizin: al der arzte kunst Parz 643,21; von arzenîe erwelte kunst / sîn herze vinden kunde KvWPant 140; ez wære von in dô / gedisputieret wol alsô / ûz der kunste von Salerne Ottok 30018; Crane 492; dy konst van Ypocras OvBaierl 72,1. – Recht: der nâch las er von lêgibus / und daz kint wart alsus / in dem selben liste / ein edel lêgiste: / diu kunst sprichet von der ê Greg 1197; der was einer ein juriste, / an der kunst und an dem liste / het er meisterschaft genomen Ottok 21677    3 ‘Fähigkeit, Können, Vermögen’    3.1 allg.: so suͦln si auch iren chinden einen schulmaister schaffen, des si nvtz vnd ere haben an chuͦnst vnd an eren, so si in aller besten immer vinden UrkCorp (WMU) 2345,19; dâ [Burgtor] reit der wirt vor im [Iwein] in. / der hete die kunst und den sin / daz im dâ von niht arges enwar Iw 1096; dar umbe hât uns unsir herre gesant alsô wît sô die werlt ist, daz wir sie bikêrtin, unt gab uns die kunst, daz wir sprêchin zwô unt sibinzic zungin PrMd (J) 350,31    3.2 bezogen auf höfische Fähigkeiten: – allg.: si kam zuo disem man gevarn, / der künde hovelîche kunst, / dâ mite er hôher liute gunst / verdienet hete mangen tac KvWTroj 5839; nuͦ hat ez der Strickære / geniwet durch der werden gunst, / di noch minnent hoͤfesliche chunst StrKarl (S) 118. – ritterliche Fähigkeiten wie Reiten, Kämpfen o.ä., häufig kombiniert mit kraft, manheit o.ä.: [Gregorius besaß] ganze kunst ze ritterschaft Greg 1994; in strîte man ouch kunst bedarf Parz 756,6; mit kunst si de arme erswungen: / fiurs blicke ûz helmen sprungen ebd. 742,11; ir kunst unde ir manheit / wart dâ erzeiget schiere ebd. 739,14. 265,7; dô was hie kunst unde kraft: / sî mohten von rîterschaft / schuole gehabet hân Iw 7003; [ Volkêr, der videlære, ] begonde im sîner künste alsolhen teil dâ geben, / daz er von sînem swerte muose ligen tôt NibB 2285,2; er hêt mänlîche kraft / und ganze kunst ze strîte Wig 7538; Gâwein, / des kunst an rîterschefte schein ebd. 10428. 7652; manic puneiz muotesrîch / wart dâ mit ritters kunst geriten UvLFrd 456,7. 262,9; das da ein ritter were mit vollen waffenen und von edeler kunst unde mit warer mankraft Mechth 3: 18,5. – Jagd: phlac ich ie meisterschefte / an weidenlîcher kunste Hadam 334,2; dar gie diu cumpanîe / und nâmen sîner [Tristans] künste [des Wilderlegens] war Tr 2997; die kunst von der curîe ebd. 3474; nu kunde birsin, schiezin, jagen / Lamech durh chunst und durh bejac: / dirre selbin chunst er pflac / gewerlich al ungelogen RvEWchr 547. 21331. – Musizieren, Instrumentenspiel: [sie] kâmen des beid über ein, / daz er si lêrte künste vil. / [...] / hie mite er si dô seiten spil / begunde lêren alzehant KvWTroj 15811; RvEWchr 524; si hete eine pfifen, / darin si blies mit ir kunst Pass I/II (HSW) 28179; so leert zy menige guͦnst / van alre melodyen kuͦnst MinneR 496 110    3.3 bezogen auf Dichtkunst: Frouwenlop meister Heinrich, / der ûf die kunst ist kluoc Ottok 86557; uz kezzels grunde gat min kunst, so gicht min munt Frl 5:115,7; her Walther unde zwen Reimar, ein Wolferam, / der künste stam / mit sange noch uz in loubet ebd. 5:117G,8; gefiolierte blüte kunst ebd. 8:26,1; hete ich ûf tihten kunst, / sô sold ich von dem zagen / sîn missetât sagen / und von dem frumen frumikeit Ottok 57414; swer siner kvnst meister ist, / der hat gewalt an siner list. / [...] / des ist der tichtere / wise vnd gewere Herb 1; Wig 124; FvSonnenburg 19,9; Loheng 7637; StrAmis 13    3.4 bezogen auf handwerkliche Fertigkeiten: – Zimmererhandwerk: dirre Joseph burger was / ze Bethleem, als ich ez las [...] / der kunst was er ein zimberman WvRh 2195; ez warn zwene zimberman, / den an ir chunste niht zeran, / si wærn harte meisterlich StrKD 63,2; Parad 98,2. – Schmiedehandwerk: der smit was sîner künste kluoc, / er konde smidewerkes gnuoc HvFreibTr 6005; helm und schilt, die gâben glîz, / dar an was gelegt mit künsten manic vlîz / von meisters handen gar mit kluogen witzen Loheng 3975; [die Schmiede] Mime unde Hertrîch: / ir kunst was vil ungelîch Bit 172; EnikWchr 1552; HvFritzlHl 198,36; RvEWchr 538. – Goldschmiedehandwerk: wol dem edlen gold schmide! / der siner hochen künste lide [Glieder] / also zartlich gerüren kan GTroj 7618; daz selbe harnasch wehe des goldes was mit kunste / geworht JTit 1682,1; Loheng 5340; übertr.: der helig geist hat si [die Krone] geworcht und gesmidet [...] mit der edelen kunst der heligen drivaltekeit Mechth 7: 1,47    3.5 bezogen auf Handarbeit: kein snîder lebt sô rehte stolz, / der sîne kunst bewære, / gebristet im der schære, / dâ mite er schrôte ein edel tuoch KvWTroj 111; [von Figuren auf einem Wappenrock:] die wâren drîn geweben wol, / als ez gebôt der künste vlîz ebd. 9561; Maria machte dem kindelin / gar listeklichen ain roͤklin, / [...] / wan dú froͮwe mære / kunde alle froͮliche kunst WernhMl 5509; [Aquila und Priscilla] waren der kunst, daz sy gezelt kunden machen Apostelgesch 18,3. – auch als wîpliche ~ bezeichnet: [vom Spinnen:] wan in began wîplicher kunst / zehant verdriezen und beviln KvWTroj 15880; dú was von erst dú mit begunst / irdahte wipliche kunst / mit nadiln und mit drihin: / nejen, brettin, rihin RvEWchr 542    3.6 bezogen auf Obst-/ Weinbau: wer ich ein peltzgebure [einer, der Bäume pfropft] , so wer ich an der kunst hie niht geletzet, / wie mangerley er edeles obzes baere JTit 4879,2; kunde der wingarter nút die kunst, er snitte also balde abe daz edel holtz daz die trúbel schiere bringen sol, also daz boͤse und verderbete den wingarten Tauler 31,29    3.7 bezogen auf Heilkunst: den [beiden juncvrouwen ] bevalch er in dô, / daz sî im sîne wunden / salbeten und bunden. / ouch wonte in ir gemüete / schœner kunst diu güete / daz sî in schier ernerten Iw 5618; die besten arzâte, / als die heidenschaft sie hâte, / der natûrlîchen kunste / mit getrûwer gunste / er im gewinnen wolde Kreuzf 7701    3.8 bezogen auf schöpferische Fähigkeiten, künstlerisches Können: – Baukunst: Augustînus sprichet: ein meister, der ein hûs machet, der bewîset sîne kunst dar an Eckh (Pf) 164,22; den [ palas ] kund ein meister bowen, der winkel mez und wage / lert nach der snuͤre howen. er kan auch snelle wurken sunder vrage, / der himel und erde uf nichte hat gesetzet. / des ist er siner kunste von allen meistern immer ungeletzet JTit 6257,4; dâ mit sant Babel zehant / dâ man mûrmeister vant. / zwên und sibenzic was ir zal. / ir kunst si kunden über al EnikWchr 3282. – bildende Kunst: der künic sprach: ‘nu sagt mir, / meister, waz künste kunnet ir?’ ‘da kan ich malen alsô wol / daz ez alle diu werlt loben sol. / [...].’ StrAmis 504; als ein gemalet bilde, / daz nach eines meisters list / mit richer kunst gemachet ist Vät 32806; vil bild in richem werde ergozzen, ergraben, erhowen, / [...], / von hoher kunst JTit 345,3; ein mâler, der ein volkomen bilde hât gemachet, dâ prüevet man sîne kunst ane Eckh 1:330,2; BraunschwRchr 4535    3.9 von religiöser Ekstase: der prister Eli sprach, / do er si [ frauwe Anna ] in andaht peten sach: / ‘wie pist du von weine so naß; / ge hin, piz du in verdeuest paß.’ / wan si der hailigen kunst / waz worden so in brunst, / daz in dez muste dunken / sie wer von weine drunken MvHeilGr 787; diu sehste gâbe ist der kunst, von der die lêrer sprechent, dâ ein mensche sîniu werc bringen kan zuo einer solhen sache, dâ mit er sich mit got vereinet Eckh (Pf) 369,19; swie tump ich doch anders sî, / mir ist iedoch diu wîsheit bî, / daz ich wol weiz Jesum Christ / daz er diu obrist wîsheit ist, / diu daz herze durhgrebet / und den inren sin erhebet / in die kunst, die nieman / mit rede zende bringen kan LvRegSyon 2833. 2838    3.10 bezogen auf Fähigkeiten der Täuschung    3.10.1 Magie, Zauberei: swaz man von zouberlisten seit / dar an was sîn kunst sô grôz RvEAlex 113. 424; von starker zouberîe kunst / was diu geschrift getihtet KvWTroj 9652; ander kvnst ich wiste: / daz waren zouberliste. / die kvnst ich also lange treip, / vnz mir der name bekleip, / ich were ein zouberinne Herb 845; so lernt er zauberie, / die kuͦnst nigromancie HvNstGZ 5075; BdN 451,25. 434,7; WhvÖst 11384. 4908; Pass I/II (HSW) 20139; Ottok 32601; Brun 10311. swarze ~ : dô saiten di knechte dem herren, daz si [hl. Agnes] mit der swarzen kunst betrogen wêre HvFritzlHl 68,2; sundirlich was her wol erfarn in astronomien unde in der swarzin kunst Köditz 10,16. 10,24. – Wahrsagerei: Joseph sprach ‘war daht ir daz ir iht uerstalet mir? [...] an liezzen [Wahrsagen] ist nieman mir gelich; die chunst han gelernet ich.’ GenM 96,21; den [Leuten] saget er [Apollon] solhiu mære, / daz er ein wîssage wære. / alsolher kunst nam er sich an: / swaz gerne hôrte der man, / daz seit er im künftic gar RvEBarl 10167. 2495; sin [Judas, ein weiser Mann] kunst wiste also, / daz Antigonus solde do / sterben in Pirgostraton ie, / doch in welcheme oder wie, / des hat sin kunst im niht geseit Macc 11689. 11693    3.10.2 List, Hinterlist, Bosheit: ich chlage der loesære [Heuchler] chunst / und versage in dar zu mine gunst StrKD 158,213; nu vant ir arclistiger sin / die kunst, daz si wol quemen / von in und sich entnemen [sich drückten] / von der kirchen arbeit Pass III 150,43. 152,95; [Irekel zu Meliur, nachdem sie Partonopier unter die zum Ritterschlag bestimmten Knappen eingeschleust hat:] ich schuof alhie mit mîner kunst, / daz er von iu ze ritter wart KvWPart 14870. – von den Fähigkeiten des Teufels: sie wæren stæte an ir begunst [Vorhaben] / und lerneten des tiuvels kunst. / sie wâren gotes künste vrî RvEBarl 10584; [Teufel:] dis kint wart ane súnde gezilet und geborn, es were mir anders nie verholn. nu habe ich alle mine kunst verlorn Mechth 5: 23,90; WernhMl 4696; Brun 6289; personifiziert: du arge kunst, du bose list, / genuget dir niht daz du bist / mit dinen leiden huten / ein irrer der guten? Vät 5113    3.11 bezogen auf die Fähigkeit von Feuer ‘Kraft, Macht’ (s.a. DWB 5,2684 s.v. Kunst 6.a): [Lucia, die mit Feuer gemartert wird:] ich habe got, den herren min, / gebeten umme dise vrist, / daz noch min leben an mir ist. / sin vruntschaft und sin hohe gunst / bewart mich vor des vures kunst, / die mir nicht kan gesigen an Pass III 30,28    4 ‘Haltung, Gesinnung, Sittlichkeit, Tugend’ si kêrte ir herze an guote kunst: / des bejagte si der werlde gunst. / frou Herzeloyd diu künegin, / ir site an lobe vant gewin, / ir kiusche was für prîs erkant Parz 103,1; daz er muz beliben alda vor / mit den vumf juncvrouwen / die niht vor beschouwen / wolden ires herzen kunst [ ‘ihre Gesinnung prüfen’ ] Vät 19575; Jesus crist, / der dirre kunst ein meister ist, / der sprichet: ‘lernet von mir den sin, / wan ich demutiges herzen bin!’ ebd. 22670; von kunst gewinnt man tugent WälGa 9263. 9271. 9273; diu kunst, diu êwic ist [...] und dâ mite man daz himelrîche erwirbet [...], daz ist tugentlîchez leben DvASchr 309,7; Boner 4,44. – Lit.: J. Trier, Der deutsche Wortschatz im Sinnbezirk des Verstandes, 1931; Bruno Boesch, Die Kunstanschauung in der mittelhochdeutschen Dichtung, 1976.

MWB 3,2 734,23; Bearbeiterin: Herbers

kunstære stM. ‘Könner; einer, der Fähigkeiten hat; Künstler’ ein kunster solte den anderen loben [...], / und solt ouch bî sich geben den prîs, / so waer er wîs Boppe 1:22,15; ein itzlich kunster rate in disem liede: / wie hiez der man? Meissner 2:18,11; kunstere, wis bi grozer kunst demuͦtich unde geduldich, / so wirt gotes wille an dir mit kunsten vuͦllenbracht Rumelant (K) 6:6,5. 6:6,11; zwei vorspan [Gewandspange] [...] / di volbracht haben kunsters hant Brun 274; ein schrîber schrîbet allewege nicht, noch ein kunster wirket sîne kunst allewege nicht: noch danne sô hât her si hêlîchen [verborgen] in ime HvFritzlHl 97,25

MWB 3,2 739,33; Bearbeiterin: Herbers

kunstehalbe Adv. ‘das Können betreffend’ wan kvnstehalbe were ich tovbe [stumpfsinnig] / ich sage als ich wol gelovbe / wie si [Martina] enpfangen wurde Martina 232,39

MWB 3,2 739,46; Bearbeiterin: Herbers

kunstelære stM. ‘Künstler’, hier: ‘Dichter’ [eine Dame zu dem Dichter:] la dir nit grusen / gen mir, du kunstellere! / ich sage dir nuwe mere / von markgrofe Woldemaren Hornb 3:9

MWB 3,2 739,50; Bearbeiterin: Herbers

künstelîn stN. Dimin. zu kunst stF. ‘geringes Können, geringe Fähigkeit’ es enist niergen enkein werklin so klein noch kúnstelin noch so snoͤde, es kome al von gotte Tauler 177,33; ob einer kan ein künstelîn, / der wil zehant ein hoveman sîn KLD: Alex 2:15,4

MWB 3,2 739,54; Bearbeiterin: Herbers

künstelôs Adj. kunsten- Minneb , Hornb . 1 ‘unwissend’
2 ‘unfähig, ohne Können’
   1 ‘unwissend’ ich tummer künstelôser man HvFreibTr 46; ich witzen kunstenloser man Minneb 1608; ich künstelôser von Vrîberc / und sündehafter Heinrich / spriche, als du, hêrre, lêrest mich HvFreibKr 92; SHort 4461; Kudr 364,1; swaz an den buochen stêt geschriben, / des bin ich künstelôs beliben Wh 2,20    2 ‘unfähig, ohne Können’ – häufig bezogen auf Dichtung: diust [ mîne vrouwe ] sô künstelôs / beide an worten unde an rîme, / daz mans ninder singen tar ze terze noch ze prîme Neidh WL 28:6,9; wer möhte volleschrîben / wîbes lop unz an daz zil? / mîner meister ist sô vil, / die an ir süezen werdekeit / hânt süezes lobes vil geleit, / daz mîn künstelôser sin / niht niuwes sprechen mac von in RvEBarl 11839; die künstelôsen edelen geben den künstelôsen liuten, / daz tuon sie allez umbe daz diu gâbe kleine sî. / wâ sol man in des wizzen danc, wer sol ir lop bediuten? Unverzagt 3:7,1. 3:7,8; wol ich mich hazzen mochte, / daz ich so kunstenlos ie was Hornb 2:37. 2:29; swer kunstelôsem schalke / der meisterschefte giht KLD: Kzl 1: 6,15; KvWTroj 149; WhvÖst 154; RvEAlex 8061; KvWLd 32,174; KvWKlage 26,2. – subst.: ich kvnsteloser Martina 1,14; KvWKlage 16,8. – bezogen auf Fähigkeiten eines Knappen: ich woͤlt daz herren noch ir gunst / den kuͤnstrichen gæben: / kunstloser buͦben [Knappe] leben / werde herren swachet WhvÖst 14168. 14170

MWB 3,2 739,60; Bearbeiterin: Herbers

künstendingel stN. ‘(kleine) künstlische Vorrichtung’, hier ein Docht aus Asbest (s.a. Heyne, Hausaltertümer 1,285, Anm. 228 und Deschler, Astron. Term. 51): auz dem stain [Asbest] macht man ain künstendingel zuo ainer latern oder zuo ainer lucern, daz allzeit print BdN 434,20

MWB 3,2 740,26; Bearbeiterin: Herbers

künstensin stM. ‘kunstfertiger Verstand’ zehant der edel bracke / kom zu im geloffen: / uz dem gebirge offen / riten si die rihte hin / do daz rad von kuͤnsten sin / triben umme diu bilde WhvÖst 4304

MWB 3,2 740,32; Bearbeiterin: Herbers

künste-, künstenrîch Adj. auch umlautlos. ‘reich an Kunst/ Künsten’ 1 bezogen auf Wissen ‘gelehrt, klug’ (zu kunst stF. 1 und 2 ), häufig bezogen auf Personen
2 bezogen auf verschiedene Fähigkeiten ‘geschickt, gekonnt, kunstfertig’ (zu kunst stF. 3 )
   1 bezogen auf Wissen ‘gelehrt, klug’ (zu kunst stF. 1 und 2), häufig bezogen auf Personen: nu seit und scribit úns alsus / der kúnsteriche Josephus RvEWchr 25728; der knabe denken dô began / ob er den künsterîchen man / mit deheinen dingen / ze lügen möhte bringen RvEAlex 2010; Salomon, / von dem man geschriben vint, / die wil er dennocht was ain kint, / das er kúnstrich was und wÿsshait vol KvHelmsd 565; Rennew 21711; Hiob 13649; die künsterîchen meister hant geprîset / diu reinen werc und kiuschen wort KLD: Kzl 16: 15,14; Eckh (Pf) 427,24; er ist der buͦch gar kuͤnst rich / und aller guͦten sinn vol Märt 13126; dô sprach in einer under in, / der hâte künsterîchen sin RvEBarl 830; nû vindet ir manige künstenrîche letze [Lehre] an der erden PrBerth 1:507,11; diu künsterîchiu minne / sî lêrte an den stunden, / sô sî schier befunden / ein einhelligez meinen Reinfr 1994    2 bezogen auf verschiedene Fähigkeiten ‘geschickt, gekonnt, kunstfertig’ (zu kunst stF. 3): er hât sîner tage stunde / mit künste erzeiget wol dar an: / er was ein künstrîcher man. / uns zeiget sîn getihte / vil künstliche geschihte UvTürhTr 8; man horte manchen kunstenrichen man, / spilman unde gyger, / harpher unde phifer LaurinA (L) 973; iz lebt so kunsteriche nieman, der ir [der minne ] wunder kunne vol prisen JTit 743,2; ich tun iu kunt / mit worten und mit dönen / ane sunderhönen: / noch solte man mins sanges schrin gar rilichen krönen. / sie han gevarn den smalen stig bi künstenrichen strazen Frl 5:115,12. – subst.: sinnelôse giegen / hânt in ir herzen die vernunst, / daz si den künsterîchen stelnt ir rede und ir gedœne KvWLd 32,185. – von handwerklichen Fähigkeiten: swaz meister in den landen ist / bî Rîne und bî der Elbe, / die kunden ein gewelbe / von künsterîchen sachen / sô starkez niht gemachen, / als einez an dem turne lac KvWTroj 17485. 17565; ich kan wol machen / mit künste rîchen sachen / den list, dâ mite du gesihst / die frouwen dîn, [...] / ûz horne ein guot lucerne / ist dir bereit von mîner hant KvWPart 7760. 7749

MWB 3,2 740,37; Bearbeiterin: Herbers

kunsterinne stF. ‘Künstlerin’, hier: ‘Dichterin’ eya, wie wol ich nutzte [es brauchte] , / daz hie ein teil kunst schuͦtzte [schleuderte] / fur mich, die kunsterinne, / biz ich vz grobem sinne / swunge den kunstelosen steup, / der mir den sin ie machte teup Hornb 2:29

MWB 3,2 741,17; Bearbeiterin: Herbers

künstewîs Adj. ‘gelehrt, klug’ ein prophête künste wîs KvWTroj 4537. – subst.: nu dar, ir kuͤnst wisen, / helfet mir ze ruͦm prisen / die getat da vor der stat WhvÖst 7259

MWB 3,2 741,23; Bearbeiterin: Herbers

künstic Adj. 1 bezogen auf Wissen ‘gelehrt, klug’ (zu kunst stF. 1 und 2 )
2 bezogen auf verschiedene Fähigkeiten ‘geschickt, gekonnt, kunstfertig’ (zu kunst stF. 3 )
3 tac ‘Lichttag’ , im Gegensatz zur Nacht
   1 bezogen auf Wissen ‘gelehrt, klug’ (zu kunst stF. 1 und 2): die meistere, di er dô gwan, / di wâren cunstige man. / si begunden in wîsheit lêren SAlex 192; ir namen ich iu nemmen sol: / Abîathar der eine hiez [...] der dritte Gôdolîas; / der vierte was ein künstic man / und was geheizen Annan KvWSilv 2753; er hât der zweier sprâche hort / gelernet als ein wîser man. / franzeis ich niht vernemen kan, / daz tiutschet mir sîn künstic munt KvWPart 213; Pass III 674,21; zwêne phaffen lîse, / die wârn kunstic und wîse Ottok 13054. 23113; [ Jason was ] manicfaltic an der lere, / kvnstic an dem sinne Herb 155; der fürste der schrift sô wîse was, / daz man vor noch sît / biz her unz an dise zît / nie sô künstic herze vant UvEtzAlex 8363; so suͦln si auch iren chinden einen schulmaister schaffen, des si nvtz vnd ere haben an chuͦnst vnd an eren, so si in aller besten immer vinden [...], als si vmbe irre vrevnde chuͦnstig lernuͦnge got antwurten svͦln UrkCorp (WMU) 2345,20; RvEAlex 3739. 3817; PrHess 69,1; Tit 70,2. – subst.: die jungen machest du [die Welt] wilde / und gibest den bosen bilde / den kunstigen unde den wisen Erz III 41,229    2 bezogen auf verschiedene Fähigkeiten ‘geschickt, gekonnt, kunstfertig’ (zu kunst stF. 3): si truog ouch an ir lîbe / pfellel den ein künstec hant / worhte Parz 808,5; Garel der ellens rîche / het ouch rîchiu kleider an / von phelle, den ein künstic man / worht in der stat ze Tasmê PleierGar 17022; Bit 7466; nie mâler sô künstic wart Mai 84,36; Kâedîn sîn wachs truoc / zu einem smide künstic gnuoc HvFreibTr 5974; PleierGar 10293; mîn zunge ist niht sô künstic, / daz si betiuten künne / die manicvalten wünne, / die si dâ funden beide KvWTroj 22948; dise âventiure nem sich an / ein sô künstiger man / der wildiu wort künne zamen Wig 11654; vîrtûsint man er an sich nam, / dî er weste helde / an manheit ûzirwelde, / kunstig unde starc in strît NvJer 23506; wurtzpette [Kräuterbeete] die [...] gesetzet sint uone deme chunstigen pimentâre [Gewürzkrämer] TrudHL 80,27    3 ~ tac ‘Lichttag’, im Gegensatz zur Nacht: die kuͤnstigen tag beginnent sich an der sunnen aufgank [...] und enden sich an der sunnen underval KvMSph 41,4; so sint in ietleichem kuͤnstigen tag zwelf naturleich stund ebd. 43,23. 50,27 u.ö.

MWB 3,2 741,27; Bearbeiterin: Herbers

kunstic-, künsticlich Adj. , -lîche(n) Adv. 1 bezogen auf Wissen ‘klug, verständig’ (zu kunst stF. 1 ), Adv.
2 bezogen auf verschiedene Fähigkeiten ‘gekonnt, kunstfertig, kunstvoll’ (zu kunst stF. 3 )
   1 bezogen auf Wissen ‘klug, verständig’ (zu kunst stF. 1), Adv.: dise lêre sult ir nâhe tragn: / [...] / des nemet künsteclîche war Parz 173,6    2 bezogen auf verschiedene Fähigkeiten ‘gekonnt, kunstfertig, kunstvoll’ (zu kunst stF. 3): – Adj.: dô begunden si [die videlære ] ez rîben [geigen] / mit künsticlîchen griffen Wig 8480; daz was ein michel wunder und künsteclîch genuoc, / daz er [Siegfried] mit dem sprunge den künic Gunther doch truoc NibC 475,3; aloe daz ist ein boum [...]; / di salbe dar ûz getempert wart / von der wurzel und dem saffe, / der mit vlîzundem laffe [Saft] / ûz dem holze dringet, / sô man in des twinget / mit kunsticlicher meisterschaft JvFrst 11159; ich diene der künsteclîchen hant [Gott] / vür der heiden got Tervagant Wh 310,1. – Adv.: dâ wart von tûsent helden vil kunsteclîch geriten NibB 1891,3; Ywâneten niht bevilte, / ern lêrte in [Parzival] underm schilte / künsteclîch gebâren / und der vînde schaden vâren Parz 158,3; [von Gott:] die helfeclîche hant / diu bêde wazzer und lant / vil künsteclîch alrêst entwarf Wh 309,17; diu sælde künsteclîchen tuot ebd. 283,2

MWB 3,2 742,10; Bearbeiterin: Herbers

kunstigære stM. 1 ‘Kenner, Gelehrter’
2 ‘Künstler’
   1 ‘Kenner, Gelehrter’ meistir Jacobus / von Tessolis ein kunstiger, / [...] ein meistir in der heilgin schrift PfzdHech 161,11. 185,34. 289,16; von wanne kumt sy [Weisheit] her? / und wer ist ouch der kunstyger / der sy kan und mac verlyen? Hiob 10912. 10640    2 ‘Künstler’ wer hat geworcht di vorspan [Gewandspange] ? / daz hat des kunstigeres hant getan Brun 4487. 4374; das lant [...], das hot vil kunstiger uf sydin und mit golde MarcoPolo 28,17

MWB 3,2 742,34; Bearbeiterin: Herbers

künstlich Adj. , künstlîche Adv. kunsten- GTroj , Minneb , konste- MinneR 481 . 1 bezogen auf Wissen oder Wissenschaft ‘gelehrt, klug’ (zu kunst stF. 1 und 2 )
2 bezogen auf verschiedene Fähigkeiten ‘gekonnt, geschickt, kunstfertig, kunstvoll’ (zu kunst stF. 3 )
3 ‘künstlich’ im Gegensatz zu ‘natürlich’
   1 bezogen auf Wissen oder Wissenschaft ‘gelehrt, klug’ (zu kunst stF. 1 und 2): sô günnest mir daz ich gelige / volleclichen in dem lobe / und ich dir müeze sweben obe / an künstlicher meisterschaft KvWSilv 4793; mit kunstlîchem orden / hâte in [Alexander] Aristôtiles / liberâles septem artes / gelêret RvEAlex 2156; mit kúnstlichir liste kraft / wͦhs ouh ir liste meisterschaft / an manegir kunst mit wisheit RvEWchr 679; inder zyt das dat geschach, / mine schole sus voirsich brach, / met konstelicher lere / suchte man sy harde sere MinneR 481 63; nu enbyn ich leider so kuͦnstlich neit / dat ich dat boich moge volmaichen / van alle den dingen ind den saichen / die Coelne schade haint gedain HagenChr (G) 9; alle di schule [...] di suͦln dem selben maister vndertænich sein mit zinse vnd mit zvht chvͦnstlicher bewarunge [Sorgfalt] UrkCorp (WMU) 2345,27. an ~ em prîse ‘von gelehrtem Ruhm’ nû wâren von dem lande dar / vünf und vünfzic meister komen, / die alle wâren ûz genomen / an kunstlîchem prîse RvEBarl 809; an kunstlichem prise / was ein pfaffe unwise Pass I/II (HSW) 13669    2 bezogen auf verschiedene Fähigkeiten ‘gekonnt, geschickt, kunstfertig, kunstvoll’ (zu kunst stF. 3): gein dem [Ernalt] tet er [Willehalm] widerkêr / mit kunstlîchem kalopeiz Wh 118,5; uns zeiget sîn getihte / vil künstliche geschihte. / ez ist eben unde ganz UvTürhTr 10; mitt vil kunstenlichen liden / ward daz werk gefügett GTroj 3832; funff schone fenster: / die gaben hellen glenster / gar uz der moßen riche / und auch gar kunstenliche Minneb 216; im quam ein tuvels bote, / den beswur er in der rote / mit kunstlichem gewalde Pass I/II (HSW) 38943; do wolde er [Simon] vor aller diet / mit kunstlichen sachen / der rede ein ende machen ebd. 20949. 24549; sus gienc got sime rechte / nach mit kunstlicher spe [Aufmerksamkeit] , / daz iz der tuvel nicht ense HeslApk 969; daz di dri [Vater, Sohn, Geist] genant sin ein / sam di sonne di hute schein, / daz brenge ich uf kunstliche sla [Weg, Fährte] , / seht wie ich di rede anva Brun 4425. – Adv.: wer kunstlich volget der sla Brun 1046; tumpheit strâfen und spot, / [...] / in dirre welte kurzen tagn / lêrte kunstlîche bejagn / der sinnerîche Vrîdanc RvEAlex 3234; von Zazichovn her Uolrich / [...], / der uns daz mære und die getât / künstlîche getihtet hât ebd. 3202; dô zôch er ûz dem buosem sîn / ein wol gemachet tevellîn / [...], / dar an er kunstlîche las ebd. 586    3 ‘künstlich’ im Gegensatz zu ‘natürlich’ gunderfai [...] ist zwairlai: nâtürleich und künstleich. daz künstleich wirt von golt und von silber, wenn man daz zesamen mischt, [...] daz nâtürleich geleicht im an der varb BdN 478,7

MWB 3,2 742,44; Bearbeiterin: Herbers