Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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k – cadmia
kaf – kalc
calcaire – 2kalle
3kalle – kaltlîchen
kaltnisse – kamerærse
kamerbëlle – kamerselde
kamersidel – kampfer
kampfgenôʒ – kampfwât
kampfwërc – kanonîen
kanonike – kanzelschrîbære
kanzwagen – Cappadociære
kappân – kappûnen
capût (?) – kardenâldiaconus
karele – karra(t)sche
karre – karthiusære
kartur – kæselîn
kæse|lüppe – kasten
kastenære – kathecuminus
kathezizieren – kauerære (?)
kauergerihte – kefse
1kegel – keisertuom
keitivic (?) – kelken
këllære – këlre
këlstëchære – 2kemelîn
kemelînvleisch – kendelîn
kenecte – keppechîn
keppeler – kerkerhaft
kerl – kerrîne
kerschlich – kerzîn
kerzlach – ketenwambîs
kettelinc – keʒʒelære
keʒʒelærinne – kîche
kîchen – kiesærinne
kiesen – kindebet
kindechîn – kindestac
kindestohter – kintbettegemach
kintbetten – Kiperære
Kiper(e) – kirchenbrëchære
kirchenerbe – kirchhërre
kirchhof – kirchtac
kirchtor – kirnen
kirnîn – kitzelen
kitzelîn – kiuwe
kiuwen – klâfterlanc
klâftermâʒe – klagenôt
klagerede – klamben
klamen – klæret
klârheit – klëber
klëbereht – klegerse
klêgrüene – kleinlîche
kleinlîcheit – kleinvüegunge
kleinzëhende – klepfze
kleppisch – klinge
klingelære – klobeholz
klobelouch – klôsterknëht
klôsterlëben – klôsterweide
klôsterwërre – klûde
klüege – klupfen
kluppe – klutterât
klûwen – knëhtelîn
knëhten – kniel (?)
knieleip – knodebôʒe
knödel – knubelen
knugelîn – kobel
kobel – kochman
kochsudel – kôle
kôlegruobe – kolner
kölnisch – komelinc
komen – condewier
condewierde – konkavelite, konkavelit
conplêt – convëntkopf
convëntswester – koraze (?)
körbelîn, körbel, körblî – körnære
kornban – kornmesse
kornmetze – corporâl
corporâlgewæte – kostebæric
kostebærlich – kötze
kotzeht – koufgenôʒ
koufgiric – koufschalc
koufschanze – krachen
kradem – krâme
kræmel – kranc-
krancmüetic – 1krapfe
2krapfe – krëb(e)ʒ
krëbeʒen – krefticheit
krefticlich – kreiʒgengel
kreiʒlingen – kreter
kretscheme – kriechelîn
kriechen – krîgen
krîieren – krippen-
krîsch – kristâbent
kristalle – kristenin
kristenisch – kristiâne
kristier – kriutener
kriuzaltære – kriuzloht
kriuzphenninc – 1krœnen
2krœnen – krotenstein
krotenstutz – krülle
krüllel – krupfei
krüpfen – krûtmezzer
Krûtnowe? – kûchen
kuchenære – küechelmël
küefelære – kugelhuot
kügellîn – kumberlich
kumberlîn – kûmen
kumer – kunde
künde – künftigære
kunftlich – künigeslêhen
künigessilber – künstelîn
künstelôs – kuntmeister
kuntsame – kuosërtærinnesun
kuo|smër – kuppe
1kuppel – kurdewân
kurdewænære – kurpen
kürre – kurtois
kurtoisîe – kurzwîle
kurzwîlen – kuster
kusterîe – kutzelvleisch
kützen – kûze

   krâmgaden - kranech    


krâmgaden stN. ‘Verkaufsraum’ instita: krangaden VocOpt 22.002

MWB 3,2 533,9; Bearbeiterin: Herbers

krâmgelœte stN. ‘Gewichtsatz der Krämer, Handelsgewicht’ die chramer [...] suͤlen ie zwai silbergloͤt fuͤr ein chramgloͤt geben StRMünch 188,8

MWB 3,2 533,11; Bearbeiterin: Herbers

krâmgewant stN. crom- UrkBresl . ‘Kaufmannsware; gewebte Schnittware’ dar in trovh man golt rot / [...] nuschen un̄ boge unde harbant / selzene cram gewant Roth 3095. 3078; daz krâmgewant was tiure Parz 563,12. 616,16. 360,15; ein chramer fur durch gewin / in eine stat; da braht er hin / von golde solich chramgwant, / daz man niht bezzers envant StrKD 54,3. 54,85; ein wagen mit kramgewande, der vf einen jarmarkt vert UrkCorp (WMU) 548A,29; welch gast her in fürit sidin gewant, czindal, syde, baldekin, guldine bortin, adir das dem glich ist, das do heisit cromgewant, der shal gebin von dem czenthener czwei scoth, von dem pferde ein lot UrkBresl 112 (a. 1327); StRAugsb 41,30; StRPrag 9; UrbBayJ 457. – ~ veile vüeren/  haben: sînen schilt er [Gawan] ûfez pfärt pant. / si [Orgeluse] sprach "füert ir krâmgewant / in mîme lande veile? [...]." Parz 531,12; man sol chein chramgewant [...] vail haben hie ze Munchen vor cheinem goteshause StRMünch 222,14. 458,2; daz nimant kein cramgewant noch kramerie veile sal haben in Vriberg, he gewinne alrest ir innunge mit drizik schillingen StRFreiberg 250,18

MWB 3,2 533,14; Bearbeiterin: Herbers

krâmic Adj. ‘mit Handelsware, Dingen beschäftigt’(?) (s. Anm.z.St.): er ist vil selten cramig / gewesen har by sinen tagen VirgH 348,10

MWB 3,2 533,37; Bearbeiterin: Herbers

krâmkorp stM. ‘Warenkorb’ (eines Krämers): den krame korp warff er in das graß SalMor 711,3. 710,1. – personif.: da sprach der ritter lobesam: / ‘nu wolte got, her krame korpp, / das dich funde ein armer man.’ SalMor 712,4

MWB 3,2 533,40; Bearbeiterin: Herbers

kræmlach stN. ‘Ware’ merx: kremlach VocOpt 22.003

MWB 3,2 533,45; Bearbeiterin: Herbers

kramme swM. s.a. → krampf stM. ‘Krampf’ ir orsen niht der kramme / het JTit 4548,2; so du dich rensest [dehnst] vnde den krammen hast. vnde di uinger geswellent [...] vnde dir di speichel vz dem munde rinnet [...] so wizze daz tu eiter in dir hast SalArz 73,24. 104,17; uon der reusen [eine Krankheit] vn̄ dem chramen Barth (H) 462

MWB 3,2 533,47; Bearbeiterin: Herbers

krampf stM. kranpf Martina 18,93; kramp OvBaierl . ‘Krampf’ tenasmus: chramph, krampf VocOpt 43.080; tetanus: cramph, krampf ebd. 43.081; von grôzem zorn, von grôzem leide / kumt leme, krampf und gegihte beide Renner 9930; ich vluche der hant, / die dan der kramph ziut [zusammenzieht] Frl 6:8,16; des grimmen tôdes krampf KvWEngelh 4054; Martina 18,93; [ nieswurz ] pringt dick tœtleich krämpf BdN 400,20. 127,13 u.ö.; de spasmo. de krampe dy kommet itswanne von deme dranke vnde is gar totlych OvBaierl 27,1. 68,15; Ipocr 261; BenRez 41.

MWB 3,2 533,54; Bearbeiterin: Herbers

krâmschaft stF. ‘Handelsware, Besitz’ uss rubin rottes mundes pflicht / sprach daz geertte fröwelin: / ‘kume ich ze Korntin, / da han ich des wol die craft / das man da haisset kranschaft.’ GTroj 12820

MWB 3,2 534,1; Bearbeiterin: Herbers

krâmschaz stM. ‘Handelsware’ ze glîcher wîse sô stêt ez umbe die gedenke der unkiusche, als der durch kræme gêt, dâ vil kræme bî einander stênt und einer schœner ist danne der ander unde ie in einem schœner krâmschatz ist danne in dem andern PrBerth 1:482,6

MWB 3,2 534,6; Bearbeiterin: Herbers

krâmschilt stM. ‘Schild’ (für den Verkauf, s. Anm.z.St.): er het einen kramschilt grüenen / durch di unkünde genomen UvZLanz (K) 2872

MWB 3,2 534,12; Bearbeiterin: Herbers

krâmwât stF. ‘Tuchware (für den Verkauf)’ [der krâmer ] kost und arbeit / ûf rîlich krâmwât hête geleit Renner 16718

MWB 3,2 534,15; Bearbeiterin: Herbers

krâmwërc stN. ‘Handelsware’ doch men es [Schwert] nüt für kromwerg siht, / es ist guot unde rilich ParzRapp 766,15

MWB 3,2 534,18; Bearbeiterin: Herbers

krâmzol stM. ‘Zoll für Handelsware’, hier bildl. für ‘Vergeltung’ uff dem stade by dem mer / behieltt daz wenig her / priss und volle wirde. / [...] die da den faigen kröm zol / enpfiengen mitt schande, / daz warend Siriande GTroj 15192

MWB 3,2 534,21; Bearbeiterin: Herbers

kranc Adj. ahd. nicht belegt; früheste Belege: GenM 16,13; infirmati: chranch PsM 26,2. 67,10. 1 ‘schwach’
1.1 körperlich-physisch: ‘schwach, nicht kräftig, kraftlos, gebrechlich’
1.1.1 von Menschen, ihren Körperteilen und -organen
1.1.1.1 allg.
1.1.1.2 von Körperteilen, -organen
1.1.1.3 subst.
1.1.2 von Tieren
1.2 geistig, seelisch
1.2.1 bezogen auf die geistige Fähigkeit/  Tätigkeit
1.2.2 bezogen auf Gemütszustand, Willen, Glauben usw.
1.3 ‘schwach’ in allgemeinerem Sinn
1.4 litotisch bzw. als starker Negationsausdruck
1.4.1 ohne weitere Bestimmung;
1.4.2 mit Gen.
1.4.3 an etw.
2 ‘schmal, schlank, zierlich’ (vgl. krenke stF.)
3 ‘nicht fest, zerbrechlich’ , von Gegenständen und Materialien
4 ‘schlecht’
4.1 ‘mit Mängeln behaftet, schadhaft’ , von Schiff, Haus, Geschirr (eines Zugtieres)
4.2 moralisch, religiös
4.2.1 ‘mangelhaft, ungenügend’ (?)
4.2.2 ‘schlecht, böse, niedrig gesinnt’
4.2.3 ‘sündhaft, vergänglich’
5 ‘gering im Wert, armselig, dürftig’ ;
6 ‘gering(fügig), klein, unbedeutend’ , bezogen auf den Grad, das Maß von etwas (Lohn, Einkünfte, Schuld usw.)
7 ‘dem sozialen Stand nach niedrig’
8 ‘krank’
   1 ‘schwach’    1.1 körperlich-physisch: ‘schwach, nicht kräftig, kraftlos, gebrechlich’    1.1.1 von Menschen, ihren Körperteilen und -organen    1.1.1.1 allg.: infirmati: chranch PsM 26,2. 67,10; debilis: cranker Gl 3:384,64; ahne [sic!] ganzlic di kranchin siechen [ praeter omnino debiles aegrotos ] BrZw 39; er was starc und si ze kranc Greg 393; von klage wart si sô kranc, / daz si unmehtic viel dâ nider Mai 106,30; daz dâ von müede was mîn lîp, / kranc [...] alsô ein wîp UvLFrd 269,20; is abir daz also, daz die [der] man also cranc is, daz min [man] in biheldit [...] undi inleizit un nicht clagi Mühlh 101,9. 101,20; mit Gen.: ich bin [...] selher burde ein teil ze krank SM:KvL 6: 2,3; mit Dat., übertr.: bluomen unde vogelsanc, der beider trôst ist leider mînen fröiden alze kranc. / jâ verkêret mir ein wîp die besten fröide mîn KLD: GvN 12: 1,4; mit Präp.: an dem libe was er chranc Rol 8877; Loheng 4427; das her was an creften cranc RvEWchr 23487; bistû ze cranc derzuo Tr 2836. – infolge jungen oder hohen Alters: ‘schwach, jung, klein; altersschwach’ hie ist och Gâwân [als Kind] [...] sô kranc daz er niht mac getuon / rîterschaft enkeine Parz 66,16; dîn kranker lîp ebd. 47,7; den kranken fürsten GTroj 1347; in sinen kranken jaren ebd. 2525; so is di frucht [Leibesfrucht] krank OvBaierl 67,50; ir vatir wart / gar ummehtic, von altir chranch RvEWchr 3312. 16980. 31574; dô Davit wart ein alter man, / [...] daz er sô alt, sô kranc was, / [...] daz sîn lîp was sô kranc getân, / daz er zwô juncfroun muost hân / aller nehticlîchen, / die den künic rîchen / wermeten EnikWchr 13141; LBarl 1509    1.1.1.2 von Körperteilen, -organen: der zeswe arm ist im ze kranc Parz 307,30; sîn vestez herze liez er dâ / bî der mägde wol getân; / ir krankez herze vuorte er dan Wig 4441. – hierher oder zu 6: daz sein [der Ratte] vaizten gekocht nütz sei den kranken glidern, diu daz paralis gekrenkt hât BdN 140,13; der krankeu gelider hât von dem paralis ebd. 397,29    1.1.1.3 subst.: mit ûf geworfen swerten / die kranken strîtes gerten Parz 181,16; die starken, niht die kranken, / sich uͦbten als zwai wisentier WhvÖst 8272; wenn der krank geselle wirt / des starken, [...] er betrüebe des kranken muot Boner 77,31; arme lute unde cranke [ debiles ‘Gebrechliche, Krüppel’ Lc 14,21] unde blynde unde lame EvBerl 105,26. 128,22 (Lc 14,13); blinde und lame, sieche und kranke Eckh 1:339,2. 1:352,4    1.1.2 von Tieren: daz [Schaf] kranc was BrZw 27; vor zorn er [Löwe] vf die bvrc spranc, / mit kranken tieren [Ameisen] er do ranc ReinFu K,1258; ir pfärit wâren [...] / tôtmager und vil kranc Iw 4935; Parz 144,24. 540,5; Wig 9115; wenne ireu gensel noch krank sint, sô hüet ain gans allzeit BdN 168,32; daz kranke rêch wart dâ sigehaft / wider des starken lewen kraft LBarl 10633. – mit Präp.: daz [Pferd] was ze kranc ûf einen strît Parz 529,26; wenn ain mensch nâhent zuo des rephuons nest, sô läuft diu si [das Weibchen] willicleich gegen dem selben menschen und tuot als ob si krank [gelähmt] sei an ainem fuoz oder an ainem flügel, alsô daz man si zehant gevâhen müg BdN 215,22 (möglich auch zu 6)    1.2 geistig, seelisch    1.2.1 bezogen auf die geistige Fähigkeit/  Tätigkeit: wan menslich sin bloͤde vnde kranc ist UrkCorp (WMU) 715,2; ich bin sô kranker sinne ZwBüchl 212; ich hân dar ûf ze kranken sin, / daz ich verrihte ein michel her / und ez ûf ellentrîche wer / mit mîme râte kêre KvWTroj 18670; durch die kranchin gîehvͤgide der lîvte UrkCorp (WMU) 1262,11. 2104,20; wenne menschlich nature krang ist ze allen zeiten vnd schiere vergizzet ebd. 1400,10; swenne uns kumet der gedanc, / sô ist ez von êrste kranc, / doch wirt ez ie belangen [allmählich] starc LBarl 7596; menschlich lob ist dir [Maria] ze krank SM:EvS 1: 2,12. – mit Präp. bzw. Präp.-Adv.: mîn sinne sint dâzuo ze kranc / [...] daz ich sîn leben allez seite LvRegFr 2821; wan ich ze kranc dar zuo bin EnikWchr 8    1.2.2 bezogen auf Gemütszustand, Willen, Glauben usw.: sîn krankez leit wirt grœzlich / und wahset drûz ein grôzer schade KvWTroj 17752; sîn veterlicher vlîz unde mitelîdunge, dâmite er [...] sal [...] gesterken, die dâ crankes mûtes [kleinmütig, vgl. animis impotentibus ] sîn unde mit trûrekeit zerbrochen StatDtOrd 54,23; da sie [die Minne] Malfern sine sinne / mohte so gar betwingen / und von siner manheit bringen, / so wizzet daz ein kranker man / der minne sich niht erwern kan Rennew 29721; tuot dir den tôt / sô süeziu nôt [d.h. die Minne] [...]: / wê! zwîvelære, / sô bistu vil kranc UvLFrd 134,28; der grôzen swære [Dat.?] [...] ze kranc [dem großen Leid nicht gewachsen] ebd. 399,10; der geist ist bereit, sundir daz fleisch ist crank [ infirma Mt 26,41] EvBerl 47,27. 56,16; EvAug 68,3; WernhMl 8553. 8691; daz icht crank werde [ non deficiat Lc 22,32] dyn geloube EvBerl 61,14; WernhMl 12060    1.3 ‘schwach’ in allgemeinerem Sinn: du [Maria] salt ouch sin der cranken stab [ baculum imbecillium ] , / die in ir noten schrien / an dich reinen Marien Pass I/II (HSW) 11320; du [Gott] machest kranke liute starc LBarl 10084; wente de pulz is itwanne dez ersten krang vnde wert dar na stark OvBaierl 58,4; diu lant sint kreftec, ninder kranc. / sîme rîchtuom glîchet niht / ân den bâruc, swâ mans giht Parz 328,10; daz hâr grâwet von der kelten des hirns, wenne diu nâtürleich hitz sô krank wirt, daz si des hirns kelten nicht mag gesenftigen BdN 7,24; [das Tier] hât auch ain haupt als ain krot und ain kranch stimm ebd. 283,15. – von Frauen, dem schwachen Geschlecht: swie manhaft er doch wære / und swie unwandelbære / an lîbe unde an sinne, / doch meistert vrou Minne / daz im ein krankez wîp / verkêrte sinne unde lîp Iw 3255; er gedâht an sîn manheit. / [...] solt mîn bœser lîp / hie ligen als ein kranc wîp? EnikWchr 15520; in der selben zeit werdent die frawen swanger kränkern geslähtes [mit einem Mädchen] , daz sint dirnkindel BdN 183,10; dich sol nichtt reuen verfarn guete und verfarn sach, wann das ist aigenlich der krancken weib [ proprium debilium mulierum ] HvHürnh 23,3; [vom Zusammenleben von Mann und Frau: ] daz sterker schol dem kränkern vertragen [nachsehen] , sô schol daz kränker dem sterkern entweichen [nachgeben] BdN 126,12. – von der Wehrhaftigkeit einer Festung: vnder des / fragete im Vlixes / maniger hande mere, / wa ir burc were / kranc oder stete Herb 8085. 1853; ouch sî mit kraft gewinninde / vortilgtin al dî vestin, / dî crankin zu den bestin, / dî in der cristnen handen / dâ wârn NvJer 6260. 8784. – von Naturerscheinungen: daz vierd ist, daz der dunst oft sô kranch ist, daz er daz ertreich niht geschüten [erschüttern] mag BdN 113,15. 77,28; daz alsô swindet unser ê / und als ein kranker rouch vergât LBarl 14278; also, wenne die sunne ze niderst in daz zaichen tritte, so ist ir kraft und ir schein pei uns krank KvMSph 23,8. 51,4    1.4 litotisch bzw. als starker Negationsausdruck    1.4.1 ohne weitere Bestimmung; attr.: grôz liep und krankez leit Parz 270,26; benimtz [ z = daz guot ] dir tugent und vrîen muot, / sô stêt dîn herze in krankem lobe Winsb 29,4; wie kranken prîs ich des hân Parz 304,2; dô zêch mich vrou Minne, / ich wære kranker sinne [nicht recht bei Sinnen] Iw 3012; ich hete kranke sinne, / daz ich im niht minne gap Parz 141,20. 109,8; si heten beidiu kranken sin [...] an bî ligender minne [dachten nicht daran ] ebd. 193,2; kranker sin ebd. 338,28. 348,6; Israhelis kint [...] tatin ir kranche trúwe schin / und ahten kleine gotis kraft RvEWchr 18983; dô tet er kranker vorhte schîn [zeigte gar keine Furcht] Parz 759,13. – präd. mit sîn, wërden, machen: ze Rôme ist’s bâbstes êre kranc, / über fremediu lant gât sîn getwanc Freid 151,25; sô wær mîn trûren kranc und wolde in fröiden sîn KLD: GvN 4: 5,6; mîn vorhte was ze wâre kranc UvLFrd 26,5; kranc was sîn vreise Parz 202,20; des ist mir mîn fröide kranc, sol ich niht zer linden / reigen KLD: GvN 50: 1,4; dâ von [durch deine Umarmung] mîn trûren wirdet kranc Parz 801,12; mit dem trôste ich dicke trûren mir vertrîbe, / unde wirt mîn ungemüete kranc Walth 110,8; von des swertes klanc / wâren sîne witze worden harte kranc [hatte er das Bewusstsein verloren] , / daz sich der degen küene des lebens niht versan NibB 2047,2; din kuͤschez hertz, din stæter muͦt / hat miniu lait gemachet krank WhvÖst 2099; daz machet unser truren cranc [vernichtete unser Trauern] KvWGS 968; sy nahent manigem [l. machent manigen ] leib krangk [bringen viele zu Tode] HvNstAp 3003    1.4.2 mit Gen.: ich tumber, ich sinnes kranc UvLFrd 383,9; ich fröuden kranke [ganz ohne Freude] Tit 115,3; JTit 1112,1; der ie was zageheite kranc / unt gein dem wâren ellen starc Parz 584,10; du bist starker helfe kranc Rennew 1595; der walt und ouch diu linde / diu sint nu beide ir grüenen loubes aber worden kranc KLD: GvN 15: 1,6    1.4.3 an etw.: cranc [...] an dem gelouben [ungläubig] KvWGS 1084; ieman, der also krank an gvͦte [mittellos] were UrkCorp (WMU) N613,8; an allen tugenden sind sy kranck HvNstAp 2983; ich [...] an fröuden diu kranke Tit 67,2; JTit 1162,1; KvWEngelh 2173; SM:KvL 9: 4,6; dâ von wart ich beide / vröiden rîch und an trûren kranc MF:Mor 23: 1,4; an den witzen kranc [unverständig] Parz 463,3    2 ‘schmal, schlank, zierlich’ (vgl. → krenke stF.): juncfrowen dâ mitten kranc Parz 423,18; mir getrounde ein troun [...] / wie ein rôseboun hôch unde swanc [Hs. kranc ] / mit zwein esten blüenden umbevienge mich KLD: Dürner 3,3; vil wol gestalt und harte kranc / was er mit schœnem lîbe klâr RvEAlex 1308; ze rehte grôz, ze rehte smal / was er gewahsen unde lanc, / minneclich, ze rehte kranc RvEGer 3742; RvEWh 12584; sîn houpt ze grôz noch ze kranc LvRegFr 3175; sîn [des Pferdes] houbet was rehte kranc Flore (P) 2758    3 ‘nicht fest, zerbrechlich’, von Gegenständen und Materialien: ein kranker zügel unlange wert / ern breste von zügen lîhte enzwei Wig 8444; [die Eiche zum Schilfrohr:] mich wundert, [...] / daz du sô stolz und alse vîn, / noch stâst, und doch vil krenker bist / denn ich Boner 83,23; das herze ist kranc alse das gelasevas: der dar in gúzzet fv́rin trank, so mvͦz es krachen oder zerspringen DvAStaff 272; hüet sîn [des Harnglases] [...] vor val, / daz ez iht zerbreste, / wan ez ist kranc und niht veste EnikWchr 14918; der irdîn [Topf] sprach: / ich bin ze krank Boner 77,21    4 ‘schlecht’    4.1 ‘mit Mängeln behaftet, schadhaft’, von Schiff, Haus, Geschirr (eines Zugtieres): ein schifman mac ein krankez schif schiere überladen MF: Sperv 2:4,2; daz [Haus] vorne wol gezieret ist / gegen der lute zuganc / und doch hinden ist so cranc, / daz diebe druz mugen tragen, / swaz in drinne wil behagen Vät 2338; ob ain burger hat ain altes haus, daz cranc were, daz niht mohte ziegeldach getragen NüP 174; ob seyn geschirre ze krank ist, daz er [Fuhrmann] den weyn verschutet ebd. 63    4.2 moralisch, religiös    4.2.1 ‘mangelhaft, ungenügend’ (?): nu wizze [...], / daz ieglich gerichte ist kranc, / swaz der mensche richten pflit, / der sich selben ubergit [ sich als Schuldigen kund gibt] / und nicht gerichtes im wil geben Pass III 673,44; wenne daz gebet vil cranc ist âne des hercen mitedenken StatDtOrd 35,31    4.2.2 ‘schlecht, böse, niedrig gesinnt’ an alle chranche liste [ohne Arglist] UrkCorp (WMU) N439,40; do si [die habgierigen Richter] so kranchis muͦtis / das lút irsah RvEWchr 22594 (vgl. I Sm 8,3); Erz III 36,133; EnikWchr A II,829; nideriu minne heizet, diu sô swachet, / daz der lîp nâch kranker liebe ringet Walth 47,6; diu ist so düchtig und so fîn, / daz ich durch sî wil lân / die kranken minne [Liebe zu einer Unwürdigen] sîn SM:Wi 9: 18,5; unser zweier [Mariens und Josephs] ê was reine. / ouch gewunne, du herr, nie muot / gegen mir: ich wol behuot / was von dir daz dîn gedanc / ûf mich, hêrre, wart nie kranc Philipp 5635. – von Personen: mangem man / der des muotes ist ze kranc [zu niedrige Gesinnung hat] KLD: WvMezze 10:1,8; do was daz kint also kranc, / daz ez der vazze einez stal Pass III 227,18; ob iuch daz kranc mache [eure Ehre beflecke] Ottok 626. – subst.: sô sint die muotes kranken [die niedrig Gesinnten] / gîtes unde hazzes vol Parz 675,24    4.2.3 ‘sündhaft, vergänglich’ swenne sich der mensche irkennet, daz sin nature so rehte kranch ist PrGeorg (Sch) 25,51; PrGeorg 63,12; der uns hât geben diz kranke leben, / der mac uns êwige fröude geben Renner Beyer 75(Bd. 3,317). 23208. Beyer 61(Bd. 3,317); in der wüesten diser kranken werlt BdN 162,2. 240,3; pei dem weien verstên ich den sünder, der ist küen zuo allen kranken werken, daz sint die wolglüst diser werlt ebd. 204,28    5 ‘gering im Wert, armselig, dürftig’; von Kleidung, Stoffen: daz man kranker armer wât / des tages dâ hete lîhten rât Parz 394,25; die cranchú cleider RvEWchr 23561; in kranker wæte KvWTroj 1672; daz gewant [...] wær kranc oder guot genuoc EnikWchr A II,606; wie wol man sich gekleidet hât / mit golde, mit sîden [...], / und wonet dâ niht triuwen bî, so ist ez doch ze hove ein krank geræte / gegen einem werden, biderben man SM: JvR 1: 1,6; mit kranken tuͦchen Rumelant (K) 2:8,8. – von Metall, Seil, Hütte: swer in den kranken messinc / verwurket edeln rubîn Parz 3,16; er hiez umb ietwedern schrîn / ein krankez seil hærîn / binden RvEBarl 1850; die macheten in selbin sa / von gerten kranchú hútelin / mit rore bedaht RvEWchr 20012. – von Speisen: dô in der vischære / die kranken spîse ezzen sach Greg 2899. 2904; siechtuom, armuot, spîse kranc / diu machent kurze wîle lanc Freid 124,21; bî den [Mönchen] was er manigen tac / daz er vil kranker spîse phlac LvRegFr 920; Rennew 15630; Boner 90,8; swen brôt von weize dunket kranc, / der mache bezzerz und hab danc Freid 132,10; krankiu wirtschaft Parz 200,2. – übertr.: diu driu jâr wurden dô kranc [schlecht an Ertrag] EnikWchr 5769. 6085; swaz ich vröiden ie gewan, / daz ist wider dise liebe ein kranke stunde MF:Eist 6:3,4; sanc ist âne vreude kranc MF:Mor 2: 3,4    6 ‘gering(fügig), klein, unbedeutend’, bezogen auf den Grad, das Maß von etwas (Lohn, Einkünfte, Schuld usw.): dar ich hân gedienet, dâ ist mîn lôn vil kranc MF:Joh 4:1,4; RvEWchr 6515; Minneb 4653. 5299; ir werden man, ir reiniu wîp, / niht ensît durch kranke miete veile Walth 81,17; [Kain] sluoc Abeln umb krankez guot Parz 464,17; were aber, das das gelt von deme brvͤiele [= brüel ] crenker wurde, den brest sol man gliche abeslahen UrkCorp (WMU) N103,29; manger hât sîn wîp geslagen / umb ir krenker [Komp.] schulde Parz 135,27; dâ hân ich mînes herren gruoz / umb eine kranke schulde / verlorn und sîne hulde RvEBarl 647; wande er [Adam] mit chranchen sachen daz wip wolde schuldich machen GenM 16,13; ich enhân von kranken sachen / dise rede niht gemachet LBarl 1722    7 ‘dem sozialen Stand nach niedrig’ do funden sie niht wen wibes namen / vnde arme gesindelehe, / vnfletic vnde vnwehe, / von krankem geslechte / vnde bosen kvchenknechte Herb 1579; din kranker knecht [ servus tuus David zu Saul, I Sam 17,34] RvEWchr 24161; ir hapt Jorobaalis kint / irslagin und iuh ze kúnege irchorn / Abimalech, der geborn / von sinir chranchin dirnin [ filium ancillae eius Idc 9,18] ist ebd. 19102    8 ‘krank’ do daz kint vil kranchez lac Albert 90; sie tuont gesunt der dâ was kranc LBarl 13569; wert auer eyn mensche van vallende eder slegen in deme houede crank OvBaierl 81,16; si ist leider worden kranc / und lit vor ungemache siech SchülerA A332; wenn daz tier krank ist, sô gêt ez in ain süez wazzer und trinkt etswie lang dar auz, und sô ez gesunt wirt, sô gêt ez wider in daz gesalzen wazzer BdN 242,2; ez sint etleich warm prunnen, die hailent die kranken augen ebd. 483,4; herre derbarme dich meinem svn, wan er ist chrank zv niven monen [vgl. lunaticus Mt 17,14] von dem bösen geist EvAug 40,17. – ‘liebeskrank’ diu kan so suͤze blicken, / und der blik kan bestricken / ein vestes hertze daz ez wirt krang Rennew 24779; ach reine süeze Minne, / du gibest verborgene sinne / mangem kranken herzen, / daz von der liebe smerzen / im erdenket solichen funt, / der im sus selden würde kunt SchülerA B469; wer nuͤ ist von mynne krank / [...], / kunde der einen syropel vinden, / [...] er trunk sin ein trunk durch not, / daz im dez suͤchen wurde rot [= rât ] Minneb 5463. – nicht eindeutig, ob hierher oder zu 1.1.1: vnde daz vch daz eitter [Gift] niht kranc / mache mit deme fuere. / nv ist die arzedige tuere, / die dar zv wesen sol Herb 1008 (vgl. Benoit, Troie 1676: feu … qui a ton cors face noisance); daz [Öl aus Lorbeeren] ist guot den kranken glidern, diu dâ âdersuht habent, die dâ haizent ze latein artetica BdN 327,28; Platearius spricht, daz cinamomum [...] von seiner hitz den magen kreftigt, der krank ist von kelten ebd. 362,2; sô kreftigt er [der Edelstein] diu kranken augen ebd. 201,3; krankiu liute: ebd. 363,28. 320,26

MWB 3,2 534,26; Bearbeiter: Tao

1kranc stM. ‘Kreis, Umkreis’ in dem ~ : daz ime in dem krange / ein pharre wart bescheiden EbvErf 1028; zu dirre seleclichen not [diesem Zweck] / uz die reine frouwe enbot [ließ verkünden] / [...] al umme in deme crange, / daz [...] Elis 7596; alle die darumme do / waren in deme crange so / Judee uz den castellin [vgl. exierunt de omnibus castellis Iudae in circuitu I Mcc 7,46] Macc 3754; vogil, tier, visch mit der diet / sint in dime crange gar Daniel 3675; wonthaftic in dem crange ebd. 7209. in/  under des himels ~ : so kumt er in des himels cranc Macc 352; nie wart so groze schande / under des himels crange / geliden [...] / sam Jerusalem hie leit Daniel 6327; Brun 11825. bin der burge ~ : gene, dî dâ lâgin / bin der burge krange NvJer 16051

MWB 3,2 539,50; Bearbeiter: Tao

2kranc stM. 1 ‘Schwäche, Makel, Falschheit, Unvollkommenheit’
2 ‘Schwächung, Beeinträchtigung, Schaden’ , meist in Sätzen mit Negation
3 ‘(wertmindernder) Mangel, Fehler’
   1 ‘Schwäche, Makel, Falschheit, Unvollkommenheit’ mîn herze enpfienc noch nie den kranc / daz ich von wer getæte wanc Parz 458,3; der ku̍nig das gebot, / das sie dis cleynot [den Handschuh] / den frauwen hin truͤgen, / vnd liesz es da ruͤgen / zwijfels hertzen allen krang, / stille werck vnd gedang Krone 23524; merkt, ob daz niht sî ein kranc / der den andern wil betriegen mit dem gruoze / und im hin nâch ein kerder gît als einer slangen zagel KLD: DdS 2,4; hât aber mich mîn tumber gedanc / an steln [zu Diebstahl] oder an deheinen kranc / verleitet gegen der vrowen mîn UvLFrd 51,8. – mit Adj.-Attr. bœse, valsch, valschlich: wan sol mîden boesen kranc / und minnen reiniu wîp MF:Joh 3b:2,5; wir loben des got [...], / daz iuch nû ân valschen kranc / erbarmet unser vliesen Wh 168,24; wirt sie [...] an dir gewar / daz dich niht krenket ein valschlîcher kranc, / vil wol bedenket dich ir habedanc KLD: UvL 10: 4,6; daz mail vnd valscher chranch / jn ir hertzen bowet Krone 1310. – mit Negation: die engel vragten wer div wær, / [...] div nie menschen kranc erleit TürlArabel *R 111,13; alsus enliez sîn gedanc / brüeten deheinen kranc / in sînem reinen herzen LvRegFr 2250; daz er an in vünde keiner slahte kranc, / sie taeten, swaz sîn heiz in kunde gebieten Loheng 3772; âne, sunder ~ : ân valschen kranc Wh 168,24; ir liebe ist âne kranc KLD: UvL 28: 3,4; triuwe ân allen kranc, / rehtiu stæte ân allen wanc ebd. 8: 3,6; nu wis mir [...] / holt aͤn alles wandels crac [La. chranch ] RvEWh 8079; dîn [Gottes] gewaltigiu drîvalt / sint in einer majestât, / diu anegenges niht enhât / und iemer stêt ân ende, / ân underlâz, ân allen kranc LvRegSyon 18; daz ist mîn muot und mîn gedanc / mit triuwen immer sunder kranc UvLFrd 151,26    2 ‘Schwächung, Beeinträchtigung, Schaden’, meist in Sätzen mit Negation: daz schadet ir allez niht dar zuo / daz ir dehein kranc an mir geschehe, / swie vil ich guoter wîbe sehe ZwBüchl 719; [Arabels Schönheit:] nv merkent, wie sich sihet / der svnnen glast dvrch edeln stein, / so daz ir volget kranc dehein – / ir [Arabels] antlvͥt svs [wie der Sonnenstrahl] ist in ganzer spehe TürlArabel *A 200,18 (vgl. Wh 354,27ff.) – mit tuon, bringen: daz ich doch der wârheit / ungerne tæt deheinen chranc KvFuss 617; wer ouch, daz yn dheyn vnsir voruar [...] dheynirley krank oder bruch getan hetten an iren rechten UrkHohenz 3,159 (a. 1347); kein kranck, noch schaden bringen ebd. 3,138 (a. 1346). âne (allen) ~ : ir minne gebôt und riet / daz sîn gelübde ân allen kranc / gein ir stuont und âne wanc Wh 176,29; ze Genewîs, dâ im wol gelanc / und er ân ungelückes kranc / mit sælden was beschœnet UvZLanz 8760; dc disiv sazzvnge vnd sclihtvnge [...] ane kranc iemer stete belibe UrkCorp (WMU) 1293,45. 2975,26    3 ‘(wertmindernder) Mangel, Fehler’ so man di pfenning in di mvͤnz [Münzstätte] hat getragen vnd versuchet werdent nach reht vnd avz choment, ob man vuͤrbaz deheinen chranch dar an vindet UrkCorp (WMU) 2237B,16. – Sprichw. (vgl. TPMA 11,217 und Felder, Krone, S. 95): kleinr chranch birget [verdeckt] grozen wert Krone 2016

MWB 3,2 540,1; Bearbeiter: Tao

krancgemuot Adj. wie → krancmüetic ‘schwach-, kleinmütig’ der bœsen haz / die biderben selten ie vermeit. / lebe dû in tugentlîcher aht / und lâ die krancgemuoten leben, / als in von arte sî geslaht Winsb 31,9

MWB 3,2 541,1; Bearbeiter: Tao

krancheit, krankeit stF. ahd. nicht belegt. 1 ‘Schwäche’
1.1 körperlich-physisch, ‘Schwäche, Mangel an körperlicher Kraft, Gebrechlichkeit’
1.1.1 allg.
1.1.2 infolge des jungen oder hohen Alters
1.1.3 infolge von Krankheiten
1.1.4 infolge des durch die Minne verursachten Kummers (auch geistlich)
1.2 geistig, seelisch
1.3 moralisch, ‘charakterliche Schwäche, nachteilige Eigenschaft’ (von 2 nicht scharf zu trennen)
1.4 ‘Schwäche der Frauen und des weiblichen Geschlechts’
2 ‘Schwäche der menschlichen Natur, Unzulänglichkeit, Sündhaftigkeit’
3 ‘Beeinträchtigung, Schädigung’
4 ‘ Niedrigkeit (dem sozialen Rang nach)’
5 ‘Krankheit’ (von 1.1 nicht immer klar zu trennen)
6 Vereinzeltes
   1 ‘Schwäche’    1.1 körperlich-physisch, ‘Schwäche, Mangel an körperlicher Kraft, Gebrechlichkeit’    1.1.1 allg.: an dem [Gawan] er vant krancheite flust [d.h. große Stärke (Zimmermann, Komm. z.St.)] , / lieht antlütze und hôhe brust, / und einen ritter wol gevar Parz 361,21; diu krancheit in [Golias] dô niht bevilt. / er was sô starc EnikWchr 9872; mit ezzinne si gewunnen wider / ir craft von crancheit RvEWchr 23491; da von [durch die Einhaltung der diät. Vorschriften] laid [erlitt] der krankhait des leibes HvHürnh 27,15; biz er von krancheit erlac Herb 4472; sprach Galia mit krancheyde [erschöpft, mit schwacher Stimme] KarlGalie 9824; durch die vndersten kranchein [l. -heit; gemeint: Pferde, die im Kampf durch Schläge an die Beine verletzt und gelähmt wurden] , / die sie hine solde tragen, / wart daz oberste [d.h. die Reiter] zvslagen Herb 9068; weder wir in schinden, / brinnen oder blinden / [...], / oder wie wir in gekrenken / mit svlcher krancheit [körperlicher Verstümmelung] , / als ez den Crichen si leit, / daz sies zv Crichlande / imme haben schande ebd. 7251; wande ich lange stunde / mit krancheit [Gebrechen, hier bildl. in geistl. Sinne] bin bevangen, / daz mich des muoze erlangen: / ich bin ein blinder stumbe, ein touber und ein krumbe, / sint sie daz alles buozen kan, / sô bitet fur mich armen man! EbvErf 4375. – bezogen auf die Kampfkraft: daz ir mir iuwer krankheit saget Iw 6640; [Schilderung eines Kampfgetümmels:] here, dare, vort, wider, / nach sterke vnde nach kranheit. / dirre baz, iener wirs streit Herb 13911; nun müss ich hie / versüchen mine krankhaitt GTroj 21451. – bezogen auf Körperorgane, übergehend zu 6: daz sandelholz ist kalt an deme dritten gradu, vnde kulet das hirn vnde kreftegit des hercin crancheit, di iz hat von der hitze SalArz 22,19; daz slahen der adern bezaichent uns des herzen krankhait und sein sterken, auch des leibes hitz und sein kelten BdN 36,26; eder ez [eine große Harnmenge] kommet von krancheyt der blasen vnde der lenden, daz se dez harns nych behalden moghen OvBaierl 35,8; ez ist auch nütz den die hend pidment von der krankhait der âdern BdN 127,14    1.1.2 infolge des jungen oder hohen Alters: div kranchait [ inbecillitas (der Alten und Kinder)] BrZw 37; der kind unschult und ir kranchait BdN 151,6; untz in daz alder getreib / in naturliche crancheit Pass I/II (HSW) 27795; der was sô alt, / daz er von crancheit gewalt / nu mohte gerîten niht Kreuzf 6514; dô sich der kunic dô versach / des lîbes krankeit Ottok 38726. 38770. 38777; durch die schwär des allters und die kranckhait [ debilitas ] des leibes HvHürnh 3,5    1.1.3 infolge von Krankheiten: wêre ir [der Brüder, die Quartanfieber haben] crankeit [ debilitas ] sô grôz, sô mohte man ez in in dem advente erlouben [nämlich in der Krankenstube Fleisch zu essen] StatDtOrd 70,24; jst auer eyn mensche bekart [genesen] von der sucht vnde en hat nicht wol geswetet, alzo dat he noch in groter kranheyt ys OvBaierl 30,2    1.1.4 infolge des durch die Minne verursachten Kummers (auch geistlich): al die wîle was ir kraft / mit solher krancheit behaft, / daz sie sich lützel versan LvRegSyon 1575; do funden sy [die Ärzte] allaine / amächt und kranckhait / bechumert mit bedanckait [Trübsinn] HvNstAp 1948; froͮwe minne, ir hant mich [die personifiz. Seele] also sere betwungen, das min licham ist komen in sunderlich krankheit Mechth 1: 1,18 (auch möglich zu 6)    1.2 geistig, seelisch: – ‘Mangel an Fähigkeit’ alle geistliche [geistigen] dinc sint bekentlich, wan ir wesin lutir und unbetwungin ist. aber daz wir si nicht bekennin, daz ist fon krancheit unsis bekentnisses Parad 96,25; das durch menschlichir crancheit wille [vgl. propter humane racionis fragilitatem ] nicht mogen gemeynlich totliche lute [...] iczlichē czukumftigen schaden begejnen UrkSchles (B) 131:12,3 (a. 1346 kopial). – ‘Mangel an Willenskraft, Unentschlossenheit’ do zv ginc im der manheit. / er bleip in einer cranheit / durch Polixenen minne Herb 11172; [ich] han doch kvnst noch list, / die mich wider leite / von sulcher kracheite / an mine alden stete ebd. 12852; wolt ich tuon iht guotes, / diu krankheit mînes muotes / nam mir den guoten willen [Absicht] abe RvEGer 942; den liuten mac vorhte und krankheit dâ von komen, daz unsers herren Jêsû kristî leben und der heiligen alsô strenge und arbeitsam was und der mensche des niht vil vermac noch dar ûf ist getriben Eckh 5: 249,5; wêrt ir [so] , als ir solt erwegen / sîn, einen tac nie gelegen / sie enhêten vor û hie, / sô vil ist ûwer wider sie. / daz wîze ich û zu crancheit Kreuzf 6555    1.3 moralisch, ‘charakterliche Schwäche, nachteilige Eigenschaft’ (von 2 nicht scharf zu trennen): di kranchait sin so der libe so der sithi [ infirmitates suas sive corporum sive morum ] alrdulclichist dulten BrZw 72; der sittin krancheit NvJer 2863; swenne dir din swestir sprichit alde tuͦt, daz dich betruͤbit, so solt du ir kranchait mit ir tragin, [...] vnde solt gedenchin: "si het ez von kranchait getan. so si sich nu iezo bedenchit, daz si ubile het getan, so wirt ez ir vil lait." PrGeorg (Sch) 19,294f.; menschliche chrankheit / er gedultechlichen lait / in einer senften weise Wernh A 269; eine, zwo oder dri [Frauen] / machent mit ir krancheit [Untreue] , / daz man der zehenden sprichet leit Herb 8529. ~ begân ‘Unzucht treiben’ näwn tochter het sy dar zü, / dye paide spat und frue / begingen chrankchait in der stat, / wer sy dar umbe patt Märt 2297    1.4 ‘Schwäche der Frauen und des weiblichen Geschlechts’ an maht, an kraft sî dir [Eva] der lîp / krenker dann er im [Adam] sî: / elliu krancheit sî dir bî EnikWchr 1000; daz wort ‘homo’ nemen wir von vrouwen und von mannen, aber die Walhe wellent ez niht den vrouwen lâzen durch ir krankheit Eckh 2:345,6; er wolde [...] bi frouwelicher crancheit / bedenken wol ir edelkeit, / daz si icht queme in ungemach Elis 6509; so lasse soͤlich úbrig [übermäßige] strenkheit underwegen, wan es diner froͤwlichen krankheit und wol geordneten nature nit zuͦ gehoͤret Seuse 107,10    2 ‘Schwäche der menschlichen Natur, Unzulänglichkeit, Sündhaftigkeit’ wir sulne ouch an úns selben driu dinc irkennin: daz erste ist crankhait, daz wir so gar crank sien an allen guͦten werkin ane sin gotlichun crafth, unde sulne in denne bittin durh sine crafth, daz er únsir crankhait sterke PrGeorg (Sch) 12,134; div kranchait, die der lip het von der nature ebd. 22,148; muter der barmherzekeit. / ey, [...] gute vrouwe, / an unser crancheit schouwe Pass I/II (HSW) 18874; [der Mensch] sal merken sine krancheit vnde vnvollekvminheit SalHaus 50,11; der welte krancheit Mechth 4: 2,7; ich suͦche an in zweigerleie krankheit, die si allerschierest von gotte scheident: das ist helliche oder heimlichú unkúscheit. [...]. das ander ist verborgen has in der offenbaren zwidrachtikeit ebd. 4: 2,87; volkomenheit der tugent kumet von dem strîte, als sant Paulus sprichet: ‘diu tugent wirt volbrâht in der krankheit’ [ virtus in infirmitate perficitur II Cor 12,9] Eckh 5: 213,11. 5: 26,3. menschlîche ~ : vnd du [Jesus Christus] wol bekennest menschliche krangheit, die den menschen zu den sünden bringet PrEls 70,204. 70,209; daz din menschlich krankheit in der gnaͮd, die got ist, gesterket vnd alle din werk in luter gnaͮd gottes volbraͮcht werden Gnadenl 1:9; als es denn menschlich krankheit erzúgen [vollbringen] mag Seuse 54,6. 162,2; div menschivlichiv krancheit, div so snel ist ze krieg, da von manig ivbel mag vf stan UrkCorp (WMU) 1645,17. 2077,41; Tauler 224,15. 251,11 u.ö.; Seuse 134,25. 116,23. 126,22. des lîbes, vleisches ~ : daz abir der gaiste alse stark sie, daz er niht ahte uf des libis kranchait PrGeorg (Sch) 18,166. 26,60; das der wirt zu der hawsfrawn nicht sol komen, / welle er sein ee nicht swachen, / ane durich drey sachen: / durich krankchait seines leibs / oder von plodikait seins beibs [...] HvBurg 625; umb krankeit des lîbes, / daz er sich des wîbes / niht geânen kunde Ottok 91879; alle die martir, dú dich anegat von der kestegunge des túvils, von der kranchait des vlaischis PrGeorg (Sch) 10,58; wie wechset ein lilie durch den dorn, / sus wuchs uz vleisches krankeit / an im [dem hl. Bernhard] die edele kuscheit Pass III 396,83    3 ‘Beeinträchtigung, Schädigung’ vnd daz fvrbaz vber vnser geluͤbde vnd disem chouf dahain chrieg oder dehain chrancheit dem chor her nah oufstê UrkCorp (WMU) 1171,1; daz auch disiv red stæt beleib an chranchait, gib ich [...] disen brief ebd. 1518,14. 2403,22    4 ‘ Niedrigkeit (dem sozialen Rang nach)’ ir dienest mac si [die von den Heiden als Gott verehrte Erde] niht entsagen / der ärmisten krankeit [gemeint: Lebewesen] , / der ie name wart geseit RvEBarl 9477; so wirt si [die Seele] widir nider geslan in sich selbir uf ir naturliche krancheit, daz si anesihit sine [Gottes] grozheit und ire cleinheit Parad 13,8. mîne ~ als demütige, unterwürfige Umschreibung für die eigene Person: mich wundert ser, als ich nider siͤn, / dat miner krankheit ’t mocht geschiͤn, / dat ich durch diͤ engel quem als verre, / allerluterst leidesterre! MarlbRh 89,20; [David zum König Saul:] diz sprich ich gein der grozen craft / dinir richin herschaft / und gein minir crangheit RvEWchr 25137    5 ‘Krankheit’ (von 1.1 nicht immer klar zu trennen): er wart siech wan [bis] an den tôt, / [...] in der krancheit geschiht / lag er nûn tage alsô EbvErf 4124; da [im Himmelreich] ist leben ane dot, jugent ane alder, gesuntheit ane krancheit HlReg 21,10; nu hatte er [...] / ein al zu siechez houbet. / niht ist mir erloubet / zu sagene von der krancheit, / di an den armen was geleit, / wenne [...] daz ime houbet unde har / was zu schouwene eissam. / den kranken man di frouwe nam / gutliche bi der hende Elis 2303; under wilen si gedreib / krancheit an ir bette ebd. 7109; von überezzen kumt vergiht / und überic krankheit, hoere ich jehen TannhHofz 170; ain vierdaiͤl der selben guͦlt sol man iemer me ze Wilar den suestern geben, die von tranͤch [mediz. Trank] ald von laiͤssin [Aderlass] ald von ander licher [ähnlicher] cranhaith ir reuendar nith gehalten [ihre Mahlzeit im Refektorium nicht einnehmen] múgen UrkCorp (WMU) 1624,21; [Jesus] machte gesunt alle suche unde alle crankheit [ omnem languorem et omnem infirmitatem Mt 9,35] EvBerl 121,15; EvAug 19,17. 19,24 (Mt 10,1); her hat unse suche genumen unde unse crancheit getragen [ infirmitates nostras accepit et aegrotationes portavit Mt 8,17] EvBerl 127,28; EvAug 16,8; der da ist in der kranckhait vnd dann dem artzt widersagt Gnadenl 3:M1,176; disú siechú geischlichú tohter bat einest den diener, do er dar waz komen und si gesehen wolte in ire krankheit, daz [...] Seuse 109,32. – in med. bzw. naturkundl. Texten: si [ kebuli ] sint ouch gut vur di krankheit der ougen [...]. si sint ouch gut vur ander sichtum SalArz 83,8; dyamargariton ist ein electuarium di ist gut fur des herzen krancheit di da ist uon kelde ebd. 105,44 u.ö.; jtzwanne wert de harne blyuar von cranchet dez gedermis: dat saltu alzo erkennen: eme is vnder deme nabel we OvBaierl 43,15; golt ist guot für des herzen krankhait und für die âmaht und wider des magen kelten BdN 475,2 u.ö.    6 Vereinzeltes: – ‘Wertlosigkeit’ daz kumt von der krankeit, / daz man sîn [des Götzenbildes] niht geniezen mac RvEBarl 12808. – ‘schlechte Qualität’ (?): ab in der czit des wyn lesins si reyn wetir vnde vil wassirs kvme czu dem moste, vnde wollis das wassir scheydin von dem moste durch der krankheit des wynis, so los den most ruwen vnd sten bis czu dem erstin valle [?] . so saltu yn vassin in eyn andir vas Pelzb 137,10

MWB 3,2 541,6; Bearbeiter: Tao

kranc-, krenclich Adj. , kranclîche, krenclîche(n) Adv. 1 Adj.
1.1 ‘schwach’ , von der Kampfkraft
1.2 ‘schlecht, armselig, elend’
2 Adv.
2.1 ‘schwach’
2.1.1 körperlich: ‘kraftlos, geschwächt’
2.1.2 geistig, ‘klein-, wankelmütig’
2.1.3 ‘in geringem Maße’
2.2 ‘wenig, schlecht, armselig, mangelhaft’ , in unterschiedlichen Kontexten
   1 Adj.    1.1 ‘schwach’, von der Kampfkraft: des wart von Assyrî geleit / daz volc in kranclîche wer, / wan in was hie grôzez her / mit helfe ab gegangen Reinfr 20269    1.2 ‘schlecht, armselig, elend’ daz sin gefoure [Essen, Bewirtung] iz crenclich vnd nicht gut Elmend A 1032; daz er besach die arme welt / und ir krenclichez gelt, / des si mit deme tode pflit Pass III 7,34; diz ist ein crenclicher rat, / daz [...] Pass I/II (HSW) 26988; uf daz ir durch unrat / ewiclichen beteln gat / in crenclicher armut ebd. 27115    2 Adv.    2.1 ‘schwach’    2.1.1 körperlich: ‘kraftlos, geschwächt’ vil crenclich [mit schwacher Stimme] er do sprach / durch sin hertez ungemach Pass I/II (HSW) 6773; Vät 975; HvNstAp 2735; da det er uf die augen / krenklich und daugen HvNstGZ 2920; do quam crenclich her vur [aus dem Kerker] / der vil heilige Thomas Pass I/II (HSW) 28730    2.1.2 geistig, ‘klein-, wankelmütig’ wie dv der bechorunge widerstvonde? vaste oder kranchlich? Bihteb 46    2.1.3 ‘in geringem Maße’ [er] dâcht alsô / [...] gar leschin [...] / des geloubin vunkin, / der dâ krenclîch dennoch glam NvJer 7409    2.2 ‘wenig, schlecht, armselig, mangelhaft’, in unterschiedlichen Kontexten: der sperlichen seiet [sät] , der meiet och krenklich Tauler 356,33; do her [...] / an dem cruze leit sulche pin, / di her mit sinem blute schonde / und si im so kranclich londe Brun 7413; nu muͦz ich leider hiͤ nider bliven / ind muͦz dich [Maria] krenklich van verns beschowen MarlbRh 128,33; diu augen sint alsô zart, daz man si leiht betrüeben mag, daz si niht mêr oder kränkleich gesehent BdN 10,17; es kumet der tag das got sol vorderung tuͦn von den minneklichen gaben die er nu so milteklichen umbe stroͤwet und der man so krenklichen nu gebruchet sunder alle frucht Tauler 200,22; daz daz rœmische rîch / nu stêt sô kränklîch Antichr 402; sie muzen crenclich verlan / der werlde vreude und ir habe, / wand in nicht volget zu dem grabe / dan ot jamerlich geschrei Pass I/II (HSW) 27134; mit armer habe crenclich / was er [Rock des hl. Paulus] geworhte von balmblaten Vät 2096; wie er [der Teufel] im swerte daz leben [das Einsiedlerleben] , / dem er so crenkeliche was ergeben ebd. 594; wie cranchlichen du sigest geborn PrSchw 1,58; wî sî dî lant behîldin, / der sî sô krenclîch wîldin / in arbeitlîchir pîne NvJer 7528; unde dâ von ist mir vil bezzer geswigen danne krenclîche von im geredet oder gelobet PrBerth 1:170,11

MWB 3,2 544,52; Bearbeiter: Tao

krancmüetic Adj. s. a. → krancgemuot Adj. ‘schwach-, kleinmütig’ daz der han des nahtes die unrehten und die grausamen fürsätz oder daz grausam bedünken an krankmüetigen läuten vertreib mit seim gesang BdN 192,20. 226,19. – subst.: alliv dinc doh mazziclich werden durh di krancmvͦtigen [ omnia tamen mensurate fiant propter pusillanimes ] BrZw 48; BrEb 48; der meister [...] sal entphân die siechen unde sol die crancmûtigen trôsten StatDtOrd 54,11; er was ein spigel rechter tugent [...], / den crancmutigen ein stab, / den er reinen trost gab Vät 33951; si [die Gegenwart der Engel] bestêtiget di krangmutigen HvFritzlHl 138,29

MWB 3,2 545,39; Bearbeiter: Tao

krancmüeticheit stF. ‘Kleinmut’ welhes augen rindesaugen geleichent, die bezaichent krankmüetichait BdN 44,22

MWB 3,2 545,52; Bearbeiter: Tao

krancvar Adj. ‘schwach aussehend, blass’ ich hâte ein schœne bilde erkorn, / [...] ez hât schœne und rede verlorn. / [...] / sîn lilienrôsevarwe wart sô karkervar [La. kranc var ] , / daz es verlôs smac unde schîn Walth 68,2

MWB 3,2 545,55; Bearbeiter: Tao

krane swM. vgl. frnhd. kran(e) (FWB 8,1543f.; s.a. DWB 5,2018 s.v. kran 3), mnd. krāne (MNDWB 2,661) sowie ablautendes mhd. → kruon . ‘Kranich’ grus: krane Gl 3:721,7. 3:364,49; durch sîn gebot nâch sînen seden / wârn ûf sîn klêder cranen gesneden, / want her Crane was genant Crane 1128; [er aß] eyne pae off eyne crane [wohl einen cranen zu lesen, s. Bartsch, Karlmeinet S. 300 und ebd. S. 215 die lat. Parallele aut pavonem aut gruem ] Karlmeinet 539,59; einen weiteren möglichen Beleg s.u. → krâ swstF. ( HDecke II (H) 44 )

MWB 3,2 545,60; Bearbeiter: Bohnert

kranech stM. , kraneche swM. auch kranich, kranch, kranc, mit Umlaut kre- (Sg. und Pl.); vgl. Suolahti, Vogelnamen, S. 290-294. 1 ‘Kranich’
1.1 allg.
1.2 als Beute bei der Beizjagd
1.3 in Bildern und Vergleichen.
1.4 ‘Fleisch vom Kranich’
2 ‘Storch’
   1 ‘Kranich’    1.1 allg.: grus: kranich SummHeinr 1:161,678. 2:65,228. 2:318,131; VocOpt 44.126; krench GlZfdW 5,20; die [Zwerge] uethent wider die creneche Lucid 21,15; RvEWchr 1508; BdN 491,1; von dem kranichen ebd. 190,20; ein pfâwe gienc als noch pfâwen tuont / in ein garten dâ ein kranich stuont Bîspel (Pf) 24,2. 24,14; des phawen ofte hat überstigen / des kraneches vluc Frl 5:23,18; FabelCorp 11,13. 11,53; PrBerth 2:120,7. – als Schimpfwort: ez muz den lerer betragen, / wenne der junge [...] hat so gewischen mut. / er kranch, er storch, er elbiz, / er eul, er gouch, er gibiz, / [...]! / sol ich in zihen bi sinem schopf? Jüngl 257    1.2 als Beute bei der Beizjagd: ir vederspil dâ jagete / den kranch Parz 400,3; der selbe mûzære / ervlüge den kranech wol, würf ich in dar Wh 273,13; Loheng 362; Bit 6983; swer einen habec stilt oder in slehet der den kranc væhet SchwSp (W) 279,1 (vgl. den krenech SchwSp 147a ); Er 2046; Bîspel (Pf) 14,54    1.3 in Bildern und Vergleichen. – bezogen auf den Kopf und Hals des Kranichs: die wâren an ir lîben, / [...] schœne unde wol gestalt / an füezen und an henden / [...] wan hals und houbet was gelîch / als den kranichen getân ErnstB 2859. 3017. 3056; er [der ideale Mann] müeste strûzes ougen haben / unt eines cranches hals RvZw 99,5. 100,3. 137,7; vor war ir [der idealen Frau] weren struzes ougen gut; / eines sitiches munde ir munt glich, [...] und eines kranches halz, czwei hazen oren, turteltuben mut ebd. 302a,6. 302b,3; Brun A 6,8; mit cranches hals kan er wol swîgen / unt mit strûzes ougen sehen RvZw 185,9. – bezogen auf den Fuß des Kranichs: diss bild [Frau Welt] [...] stat uff ains kranches fuͦss / und waisszt nit wenn es vallen muͦss, / so der tod kunt und es erwischt / und der welte hoffart lischt KvHelmsd 4643. – bezogen auf die Gangart des Kranichs: dikke trat er ouch wider, / [...] alles nâch mit kranches schriten, / swen er iht dâ vernam RvMunre 336; dô [...] im der lîp erstarp, / dô fuort er mînen krenechen trit in die erde. / dô gienc ich slîchent als ein pfâwe, swar ich gie, / daz houbet hanht ich nider unz ûf mîniu knie Walth 19,31; hôchvart diu hât kraneches schrite / und vil wandelbære site Freid 30,13. – bezogen auf den Flug des Kranichs: Boppe gâhet enent her / sam er habe ein wilt ersehen. / sô kumt einer, heizet Ber, / schehende umbe und wil ouch spehen / ob der bal im werden müge. / unzîtiger kranches flüge / mac man wunder schouwen dâ Neidh (HW) 42,2; die vogel fliegent scharot sam die kränch BdN 185,9. swer reht wil leben, der sol niht kriegen, / der merke wie die krenche fliegen / und wie rehte geselliclîche / si nahtes ir warte besetzen gelîche Renner 19602. – bezogen auf das Geschrei der Kraniche: ein wunderlîche stimme, / starc unde grimme, / vor der bürge an dem gevilde, / ob ez kraniche wilde / bevangen hæten über al, / alsô ungefüegen schal / alse ie man vernam ErnstB 2822; sie hôrte wîp unde man / schrîen nâch der kraniche site ebd. 3155. 3372; die alten zuo den jungen, / die wuoften alsô sêre, / [...] als ob kraneche waeren komen / schrîende in daz rîche KlageB 2170    1.4 ‘Fleisch vom Kranich’ crenche vnde pawen sin herte vnde deuwent sich nicht SalArz 17,46; uf ir tishe nieman sach / den kranich noch den trappen Rennew 16251; man siht ouch nu di kuchen din / vil gar wiltbretes eine [ohne] sin, / beide des kranches vnd des swan / siht man sie vurder ane stan VisioPhil 80    2 ‘Storch’ czu irem konig / machtin si [Frösche] einen krenich Dalimil (B) 56,73

MWB 3,2 546,7; Bearbeiter: Tao