k – cadmia kaf – kalc calcaire – 2kalle 3kalle – kaltlîchen kaltnisse – kamerærse kamerbëlle – kamerselde kamersidel – kampfer kampfgenôʒ – kampfwât kampfwërc – kanonîen kanonike – kanzelschrîbære kanzwagen – Cappadociære kappân – kappûnen capût (?) – kardenâldiaconus karele – karra(t)sche karre – karthiusære kartur – kæselîn kæse|lüppe – kasten kastenære – kathecuminus kathezizieren – kauerære (?) kauergerihte – kefse 1kegel – keisertuom keitivic (?) – kelken këllære – këlre këlstëchære – 2kemelîn kemelînvleisch – kendelîn kenecte – keppechîn keppeler – kerkerhaft kerl – kerrîne kerschlich – kerzîn kerzlach – ketenwambîs kettelinc – keʒʒelære keʒʒelærinne – kîche kîchen – kiesærinne kiesen – kindebet kindechîn – kindestac kindestohter – kintbettegemach kintbetten – Kiperære Kiper(e) – kirchenbrëchære kirchenerbe – kirchhërre kirchhof – kirchtac kirchtor – kirnen kirnîn – kitzelen kitzelîn – kiuwe kiuwen – klâfterlanc klâftermâʒe – klagenôt klagerede – klamben klamen – klæret klârheit – klëber klëbereht – klegerse klêgrüene – kleinlîche kleinlîcheit – kleinvüegunge kleinzëhende – klepfze kleppisch – klinge klingelære – klobeholz klobelouch – klôsterknëht klôsterlëben – klôsterweide klôsterwërre – klûde klüege – klupfen kluppe – klutterât klûwen – knëhtelîn knëhten – kniel (?) knieleip – knodebôʒe knödel – knubelen knugelîn – kobel kobel – kochman kochsudel – kôle kôlegruobe – kolner kölnisch – komelinc komen – condewier condewierde – konkavelite, konkavelit conplêt – convëntkopf convëntswester – koraze (?) körbelîn, körbel, körblî – körnære kornban – kornmesse kornmetze – corporâl corporâlgewæte – kostebæric kostebærlich – kötze kotzeht – koufgenôʒ koufgiric – koufschalc koufschanze – krachen kradem – krâme kræmel – kranc- krancmüetic – 1krapfe 2krapfe – krëb(e)ʒ krëbeʒen – krefticheit krefticlich – kreiʒgengel kreiʒlingen – kreter kretscheme – kriechelîn kriechen – krîgen krîieren – krippen- krîsch – kristâbent kristalle – kristenin kristenisch – kristiâne kristier – kriutener kriuzaltære – kriuzloht kriuzphenninc – 1krœnen 2krœnen – krotenstein krotenstutz – krülle krüllel – krupfei krüpfen – krûtmezzer Krûtnowe? – kûchen kuchenære – küechelmël küefelære – kugelhuot kügellîn – kumberlich kumberlîn – kûmen kumer – kunde künde – künftigære kunftlich – künigeslêhen künigessilber – künstelîn künstelôs – kuntmeister kuntsame – kuosërtærinnesun kuo|smër – kuppe 1kuppel – kurdewân kurdewænære – kurpen kürre – kurtois kurtoisîe – kurzwîle kurzwîlen – kuster kusterîe – kutzelvleisch kützen – kûze
|
kleidertuoch
stN.
auch klader- mit bair. a für ei (vgl.
2
5Mhd. Gr. § L 45 Anm.1).
Stoff für Kleidung:
flavi panni [(rötlich-)gelbes Tuch] , qui pannus
claidertvch dicitur BehBrf
214,14
(a. 1256);
lib. 2 minus 60 hall. in 6 ulnis cladertuch Holzschuher
151;
item dimidiam ulnam cladertuch ad capucium ebd.
1317
u.ö.
MWB 3,1 331,45; Bearbeiter: Richter
kleidunge
stF.
1
‘Kleidung’
2
‘Einkleidung’
1
‘Kleidung’
ir kleydunge ist von der tier vel MarcoPolo
31,19.
11,25.
22,22.
– hier ‘Ordenstracht’ oder ‘Investitur’ (?):
dirre brûdir Herman, / dô der itzunt was intpfân / zu dem
dûtschin ordin / und îdoch nicht wordin / dennoch des ordins brûdir was, / dô
sold er rîtin, als ich las, / inpfâhin der cleidunge segn NvJer
10377
2
‘Einkleidung’
in eynem iclichin fest kleydit her mit ym czwelf bayorn
[Adlige] , den gipt her kleydir
[...]. abir in dem fest der geburt des grozen chaam do
geschit czu vordirst di vor gesprochin cleydunge unde kukil vur [
goukelvuore, Ausgelassenheit] und vil andirs dingis
irbotin chaam czu eren MarcoPolo
22,27
MWB 3,1 331,52; Bearbeiter: Richter
kleinbereit
Adj.
‘schlecht vorbereitet’, hier subst.:
dú Ewig Wisheit: ich bin dien [l. den
] wolbereiten daz lebende brot, dien kleinbereiten daz trucken brot,
aber dien unbereiten ein zitlicher schlag, ein toͤtlicher val und ein ewiger vluͦch
Seuse
300,13;
die wolbereiten sind die geluterten, die kleinbereiten die
vermittelten [die am Irdischen haften] , aber die
unbereiten die súndigen, die mit willen oder mit werken in toͮtsúnden stant ebd.
300,19
MWB 3,1 332,1; Bearbeiter: Richter
kleindienest
stM.
geringfügige Abgabe (von Eiern, Käse, Kleinvieh u.ä.), vgl. kleiner/-eʒ
→
1dienest
(unter 1.1) und DRW 7,1079:
dar tzu schol ich den noch geschriben chlain dienst von den guetern innemen
[...], des sint von dem lehen sehtzich ayr, zwen chaes,
der isleicher vier pfenning wert schol sein UrkSeitenst
225
(a. 1348);
dar zue den chlein dienst, daz ist sechs ches und vierzig eir
DRW
7,1079
(Rockinger; a. 1349).
– als Bestandteil von Personennamen:
her Herman Chlæîndienst UrkCorp (WMU)
2040,31
MWB 3,1 332,10; Bearbeiter: Richter
kleine, klein
Adj., Adv.
adv. auch kleinen.
Formvarianten (auch klen-, klin-, klæ(i)n-) s. WMU 2,1011 und Lexer
1,1613.
‘klein, fein, wenig’ (vgl. auch
lützel
,
wênic
)
1 von geringer Größe/ Ausdehnung, ‘klein, schmal’
1.1 allg. 1.2 von Tieren 1.3 vom menschlichen Körper 1.4 zur Benennung bestimmter Teile des Körpers 1.5 von der geringen Größe des Kindes übergehend auf das Alter ‘klein,
jung’ , subst. ‘Kind’
2 von geringer Zeitdauer, ‘kurz’
3 von geringer Intensität, von geringem Ausmaß, von geringer Zahl ‘leicht,
schwach, wenig’
3.1 allg. 3.2 von geringer Bedeutung, niedrigem Rang, ‘gering, untergeordnet’
3.3 von Anzahl/ Menge ‘wenig, gering’ , übergehend zu ‘kein’
3.4 litotisch für ‘kein, gar nicht’
4
‘fein, kunstvoll’
4.1 allg. 4.2 von Textilien ‘fein, edel’
4.3
‘feinkörnig’
4.4
‘fein, verflüssigt’ (vgl. Hamm, Lucid., S. 225) 4.5 von Wein ‘rein, edel’ (vgl. aber
kleinewîn
) 4.6
‘rein, unschuldig’
5 von der Stimme ‘hell, fein, dünn, leise’
5.1 von Tieren 5.2 von Menschen 6
‘scharfsinnig, klug’
7 im Doppelausdruck mit einem Gegenbegriff summarisch i.S.v. ‘jeglicher Art,
alle(s)’ bzw. negierend ‘niemand, nichts, (gar) kein’ (vgl.
Friedrich, PhrasWB S. 182f. u. 246f.) 7.1 mit grôʒe 7.2 mit michel 7.3 mit vil 8
vasnaht Donnerstag vor Estomihi 9 als Bestandteil von Personennamen 10 als Bestandteil von Toponymen oder Astronymen
1
von geringer Größe/ Ausdehnung, ‘klein, schmal’
1.1
allg.:
so hett sie lieber ein clein lant mit uch dann alle dieß
welt mit eim andern Lanc
515,17
u.ö.;
wie mach aber daz gesin, daz sich der grozze got verbirget
in einer chlæinen oblaten? PrBerthKl
6,9;
diu porta ist uile enge. unt daz phad ist uile chleine.
daz zuͦ dem êwigen libe leitet JPhys
11,22;
sus wirt der michele Rîn / vil kûme ein cleinez rinnelîn
Tr
19442;
dar umb, daz der paum hôch ist und klain [
alta est et gracilis
] , dar auf der fenix nistet BdN
362,31;
schuͦpe die vische vnd [...] hau
sie zvͦ cleinen stuͤcken BvgSp
15;
Herb
3745;
Macer
84,3;
RvBib
27,17.
– adv.:
da nam sie das heiß brot und legt es in milch klein
gebrocket Lanc
567,28;
den getiurten layen / sluͦg er daz die stain / von
der hayen [Keule] clain / zersprungen in diu
stucke WhvÖst
12096;
er [Moses] hiz
ez [das goldene Kalb]
malen [zermahlen, zerstampfen] cleine
VMos
54,10.
– Superl. oder Gen. in adv. Verwendung:
snit dar nach [von dem Brot] schiben, so du
duͤnnest muͤgest. [...] vuͤge der schiben viere zvͦ
sammene vnd snit sie smal als einen riemen vnd snit sie den[ne] twerhes
vͤber, so du kleinest [Hs. kleines
] maht BvgSp
24
1.2
von Tieren:
dar zuo wil der winter twingen / kleiner vogel süezez
singen, / daz si swîgent über al KLD:GvN
22: 1,5;
ez sint auch diu selben tier klainer dann andriu tier
BdN
30,8;
Lucid
30,18.
–
~
viech/ wilt
‘Kleinvieh, Kleinwild’
dâ was diu heide und diu ouwe / veister rinder vol /
und swaz darzuo gehôren sol / von swînen und von kleinem vich
Ottok
7758;
von dem grozzen viech zwen pfenning ie von dem haupt vnd von dem
chlainen viech von iegleihem ainen UrkCorp (WMU)
67,44;
sunst mag er vnd sein erben clains wild vnd gegait fogeln
[jagdbare Vögel] oder andern damwild jagen
ebd.
2299,20
1.3
vom menschlichen Körper:
[Menelaos] was ein ebenwassen man, / zv groz noch zv
kleine Herb
2973;
ein kleiner, / herr Hadmâr von Liehtenwert, /
[...] / swie er twergen wær gelîch, / sô was er
doch sinne rîch Ottok
1312;
ein klein bauch und dunne gar, / der ist auch guter krefte
bar Physiogn
347;
der hals under dem haupt schol ain klain grœzen haben
BdN
50,28;
[als er sich mit der Salbe einrieb] wart im der
lip [der angeschwollen war] wiedder cleyn
Lanc
568,7.
–
‘mager, schwach’
etwenne wirt ouch daz selbe fiuer uon trurikeit. vnde
uon angest. so werdent di ougen tief. vnde der lip cleine
SalArz
67,15
1.4
zur Benennung bestimmter Teile des Körpers:
dur selche nôt verlüre ich niht den cleinen vinger
SM:UvS
5: 2,6;
den kleinsten vinger RvEBarl
3419;
da er sy [seine Hand] in den
prunnen stieß, / do ward im der klaine nagel / schwartz als aines peren zagel
HvNstAp
11766;
de maghe eder de cleyne darm vorsniten is dotlich
OvBaierl
68,28.
162,2;
daz clain augäpfelein [die
Pupille] nimpt ain pild aines ganzen menschen oder ains grœzern
dinges BdN
10,14
1.5
von der geringen Größe des Kindes übergehend auf das Alter ‘klein,
jung’, subst. ‘Kind’
lasent die kleinen zuͦ mir komen Tauler
200,28;
den kleinen Jhesum MarlbRh
42,36;
duͦ ich kleine was an ’n jaren ebd.
97,3
in kleiner iare ivgent TürlArabel
*A 242,24;
(vgl.
swie klein
[wenig] er [Fivianz]
doch der iare hat ebd.
F 360
);
liep kond es sich machen / insiner klaine jugende / mit
mæniger grossen tugende WernhMl
581;
der ezzenten was mit der zal fünftusent der manne.
vzgenvmen wiben vnd chinden oder chleinen [
exceptis mulieribus et parvulis Mt 14,21]
EvAug
33,26
2
von geringer Zeitdauer, ‘kurz’
–
~
stunde:
da von wissest daz wir der zit niht me hant denne ein vil
cleines stundel MNat
4,7;
in einer cleinen stunde Tr
1313;
MarlbRh
22,1;
BdN
481,14;
RvBib
127,14.
–
~
wîle:
nuͦ bite / noch eine cleine wile Athis
C 133;
ein kleyn wil Lanc
12,11
u.ö.;
Mechth
7: 59,5;
BdN
220,15.
–
~
zît:
ain klain zeit BdN
33,34.
–
naht:
der tag, der wil so schiere ûf gân. /
[...] / der nacht ist noch so kleinen SM:Had
14: 2,5.
– von einer Wegstrecke bzw. Reisedauer:
es was ein cleyne tagefart dannen da man da stryten solt
Lanc
197,24;
sie rittend cleyne tagreiße und lagen nehelich all tag
in pavilunen ebd.
203,13.
– ausdrückend, dass eine Strecke verhältnismäßig kurz ist, oder Gegenbegriff
zur grôʒen mîle ( →
grôʒ
1.5.3)?:
vil cleiner mile viere / sint dar, herre, da ich in liez
Rennew
34656;
das selb waßer leuffet vier cleine mile nah zum ende
Lanc
486,12
3
von geringer Intensität, von geringem Ausmaß, von geringer Zahl ‘leicht,
schwach, wenig’
3.1
allg.:
sô sich geruorte ein cleiner wint KvWTurn
498;
Eckh
5: 412,3;
donen was sin klage kleine / nicht ReinFu
K,479;
mîn sin ist kleiner dan der dîn. / nû gip uns, frou, dînen rât!
Pyramus
124;
Frauentrost
166;
Physiogn
160.
328;
Tr
4924;
BdN
394,8;
ez enist iuwer keinez sô grop noch sô kleine von verstantnisse noch sô
verre, er enmüge dise vröude in im vinden in der wârheit Eckh
3:113,9;
subst:
waz sit ir vorhtik ir chleinen des gelavben [
modicae fidei Mt 8,26]
EvAug
16,21.
– von Lebenszeichen:
einen kleinen âten siu bevant, / der im von dem munde gie
UvZLanz (K)
2134;
sîn leben daz was kleine; / iedoch was im der lîp
warm Wig
5365;
vnde wirt der slac
[Pulsschlag] an dem arme kleine
SalArz
67,16;
dy pulz ys eme cleyne vnde sleyt drade
OvBaierl
4,8.
– vom Summen von Insekten:
sô ez an den âbent gêt, sô prumment
si [Bienen] in dem vaz und daz prummen wirt ie
klainer und klainer BdN
290,14.
– Adv.:
daz ich ûf diz brœde leben / ahte harte kleine AHeinr
697;
Eckh
2:445,8;
swenne [...] sî mîn nimt so
kleinen war SM:Had
23: 3,4;
Tr
1291;
hút minnent wir Got vil, morn minnent wir in klein
PrGeorg
55,5;
Silvester der gute man / entsaz die vorchte kleine [mit
Leichtigkeit]
Pass III
63,65;
ich fürhte iuch alsô cleine / als der habich tuot daz
huon KvWHvK
126;
nû wârn alsô gar vorsmacht / dî brûdir und ir
gevertin, / daz sî sich cleine wertin NvJer
12286;
der biderb und der guote / mit grôzer kestigunge twanc / den lîp, wan
er az unde tranc / vil wênic und vil kleine KvWAlex
669;
StrAmis
89;
sie bekennent der wârheit kleine oder niht Eckh
1:8,7;
Parz
598,27;
Tauler
30,35
3.2
von geringer Bedeutung, niedrigem Rang, ‘gering, untergeordnet’
du ne woldest behuten / ein uil cleinez gebot
VMos
8,19;
ez ensîn niht kleiniu mære, dar umb’ er her geriten ist
NibB
103,4;
ich han noch schoner swester dri. / der en ist deheine /
so snode noch so kleine, / sie si ein kvneginne Herb
2712.
9685;
SM:Had
53: 6,7;
dem sal man ouch umme cleine schult cleine bûze setzen
StatDtOrd
55,15;
vmb die chlæinesten tægliche svnde
PrBerthKl
3,44;
PsM
75,11;
UvZLanz
6444;
nu hât ir unser herre Krist / nâch ir ahte ein kleinez
[bescheidenes, armseliges (?)] leben / in ir
kintheit gegeben Wig
3643;
subst.:
dâ des kleinen im gewalt / gegeben ist, dâ ist gezalt /
diu grœzer gâbe sîner hant RvEBarl
5845.
–
‘demütig’
du bist mir, herre, kleine mit diner undertenekeit
und ich bin dir gros in dem jamer miner bosheit Mechth
5: 20,5;
er sol oͮch kleine sin in verworfener demuͤtikeit
Tauler
15,22;
subst.:
der kleine, der demuͤtige Tauler
90,13;
ich begich dir vater herre himels vnd ertriches, daz dv̍ dis hast
verborgen vor wisen vnd vor witzzigen vnd hast es geoffnot kleinen [
revelasti ea parvulis Mt 11,25] , daz ist,
diemuͤtigen RvBib
141,15.
–
~
dienest (vgl.
kleindienest
):
swaz aver chlaines dinstes avf der mul ist, daz sol der nemen
[...], der [
der
] selben mvl phleger ist UrkCorp (WMU)
1606,18.
– von Ämtern o.ä.:
von deme ambehte des cleinen commendûres
StatDtOrd
108,37.
108,38;
kleine meister [wohl baccalaurii theologiae,
vgl. Anm.z.St.] lesent in der schuole, daz alliu wesen sîn
geteilet in zehen wîse Eckh
1:147,3.
– jmdm.
~ sîn (umbe etw.) ‘jmdm. gleichgültig sein’
des enahte ich nihtes niht, daz ist mir allez kleine
Eckh
2:245,4;
krankiu bant diu bindent kranke sinne, diu in doch kleine wæren, ob
man liehte sinne hæte GvSlath
212;
umb dat goit were mir’t clein, / beheilde ich wijff ind kint allein
HagenChr (G)
3481
3.3
von Anzahl/ Menge ‘wenig, gering’, übergehend zu ‘kein’
dâ ûzgânt die krefte von der sêle in diu werk, dâ enwizzen wir niht von;
wir wizzen wol ein wênic dâ von, ez ist aber kleine Eckh
1:124,4;
pruͤve, wie ich dis meine: der luteren megde zal ist
cleine Mechth
4: 1,8;
daz er und die sînen / mit sô cleiner ritterschaft / an
gesigten sô starc der heidenschaft Kreuzf
133;
Wh
265,22;
SAlex
4772;
mîn habe ist worden kleine SM:Pf
1: 1,13;
schluge ich uch alhie zu tode, des hette ich kleyn ere
Lanc
100,9.
280,31;
ebd.
430,29;
wenn er [Zwiebel] niht gesoten
ist oder gerœstet, sô hât er klain narung [Nährwert] ,
aber sô er gekocht ist pei dem feur, sô pringet er ain grôz dick fäuht, diu
etwaz nert BdN
388,29.
385,24;
die wurzel schol man [...]
aufhâhen an ain vinster stat oder dâ der sunnen schein klain sei ebd.
391,23;
ze vil, ze kleine schadet an allen dingen JTit
1918,3;
Flore (P)
707.
6711;
Ottok
51430;
Boner
74,48.
– von einem städtischen Gremium:
vnd sin uͤberein chomen mit dem grozzem rate, mit dem chlainem rate
vnd mit der gemaine der stat [Augsburg] uͦberal
UrkCorp (WMU)
1331,7;
der merer tail des cleinen rates
StRAugsb
252,37.
– Adv.:
dy speyse und das getranck / was in klain gnug
gegeben, / das sy kawm mochten leben HvNstAp
6921;
des koniges lut ritten uß vergatern mit hunderten
und mit zweinhunderten cleyn und clein [in kleinen
Gruppen] , und wart manig herlich jost da gethan von beiden
siten Lanc
261,11.
– subst. (?):
wen [wenn nicht gewesen
wäre] die inre craft, / geschutze vnd steine, / ir were
genesen kleine Herb
14488;
nuͦ lobe wir unsern herren Krist, / daz der geladeten so vil ist / unt
der erwelten chleine StrKarl (S)
8919;
vil cleine cristen LivlChr
354;
die kouflûte im santen brôt, / des im doch zû cleine was ebd.
465;
uns allen gemeine / ist hie des öls ze
kleine [oder stN.?]
RvEBarl
3572;
doch ist ir leider kleine / die got sô êren
SpdtL
75,4.
78,9;
ich wil von fürsten singen, – / der vinde ich leider
kleine gar – / die nu nach lobe ringen Tannh
6,100;
Eracl
3378;
SM:Gl
1: 4,1;
Kreuzf
6611
3.4
litotisch für ‘kein, gar nicht’
mîn ruowe wirt noch kleine [wird zunichte]
HartmKlage (G)
1754;
ir lip der was in cleiner
maht [ohnmächtig] / von den noͤten die sie leit
Rennew
32592;
ich wêne, cleiner gemach, / grôze mûe in geschach
Kreuzf
7437.
– Adv.:
harte kleine half ir wer Wh
415,20;
Isôt die küneginne clâr / des hundels kleine verdrôz
HvFreibTr
4581;
jâ volge ich iuwer ræte harte kleine Neidh
SL 18:3,7;
golt und edel gestein: / des mügt ir ezzen klein
EnikWchr
28786;
den recken wac daz kleine [es kümmerte die Recken
nicht]
UvZLanz (K)
7784;
gib in des landis swa du wilt, / vil kleinin mih des
iht bevilt [verdrießt]
RvEWchr
8097;
wer nu haimleich früht suoch, der schrei klain dâ
von, ê die rauber im den schatz versteln BdN
193,23;
Kreuzf
2749;
Tr
7691;
Wernh
D 1947
4
‘fein, kunstvoll’
4.1
allg.:
pellin vnde cleine
gewire [Geschmeide] / die sconen gezire
Roth
3572;
dâ lâgen gimmen inne, / erwünschete steine, / vil lieht
und iedoch cleine Tr
10968.
2538;
daz werc was guot und kleine, / ûz eim karfunkelsteine /
ergraben harte schône Wig
838.
– adv.:
deme [Helm] was die liste /
gewracht mit allen vlize / gewierit vile cleine Roth
1114;
Exod
2892;
der wibe name grozer ist dan vrouwen lob. / kleine oder grob, / kurz
oder lanc genennet Frl
5:107G,2.
–
‘zart’
min edel cleine hut Eilh
St,7172.
– von Haaren ‘dünn, weich’
ir hâr daz was kleine, / goltvar unde reit
Wig
868;
das hare was im kleyn und liecht bluͦt, dwil das er
kint was Lanc
35,17
4.2
von Textilien ‘fein, edel’
dô gap si im ein tuoch dar / daz was kleine unde blanc /
und wol hundert ellen lanc StrAmis
1037;
sie tet an ein hemde kleine, / daz was wol gezieret, /
gelesen vnde geriddiret [gefältelt]
Herb
616;
mit spæhen borten kleine, / die verwieret wâren mit
gesteine Wh
154,15;
al kleine wîz sîdîn / ein hemde der künegîn
Parz
101,9;
niwe und cleine / was daz
lîlachen [Bettlaken]
UvZLanz
4160;
Wig
766;
Iw
3455;
ein kunkel diu wart im gemaht, / ab der span er dâ
cleinez garn KvWTroj
15873;
Wernh
2505.
–
‘feinmaschig, dünn’
ein kleit [...] was sô kleine, als ich
vernam, / daz man dar durch ir wîze hût / [...] /
sach liuhten KvWEngelh
3038;
nim die toter unde trîp die durch ein chleinez lînîn
tuoch: daz danne dar ûz rinne, daz trouphe in daz inôre [in den
Gehörgang]
Barth
147,10;
winter wendet uns süezzer ougenblike. / man sach dur
klein ermel blanker arme schîn SM:Had
28: 2,6.
44: 4,4.
– adv.:
wîze lînwât reine, /
geridiert [gefältelt] harte cleine
Iw
6484.
– phras. (vgl. TPMA 11,73f.) →
spinnen
:
nû wirt niht sô klein gespunnen, / ez kome doch an
die sunnen Ottok
76890;
Boner
49,55
4.3
‘feinkörnig’
so leget man pulver dar in / in honic gesoten und in win,
/ daz tribet von dem sune / die vinster nebelbrune, / der blintheite gestob, /
her sie cleine oder grob; / diz ist kollirium genant HeslApk
7090.
– adv.:
so ribin si di wurcz und czuslissin si gar cleyne und machin dor us
brotelin MarcoPolo
65,30;
dar nach pulverez. vnde rit ez vil cleine Ipocr
199
4.4
‘fein, verflüssigt’ (vgl. Hamm, Lucid., S. 225):
die spise [des Embryos] ist so
cleine, daz si zergat alse der toͮ uon der sunnen Lucid
63,3
4.5
von Wein ‘rein, edel’ (vgl. aber
kleinewîn
):
wizer win vnde grozer vuchtet luzel. wizer win vnde
cleiner ist vil vruchtic. vnde kumit zu mazin den di heizer naturn sin
SalArz
21,7;
so sal man deme ummechtigen gebin wazzir. mit iuiubis
[vermutlich Brustbeeren, chinesische Datteln] vnde
cleinen win mit wazzer ebd.
47,17;
ander tage sal er ezzen uogel di sich lichte deuwen. vnde
sal kleinen win trinken ebd.
72,1;
den kleinen wîn virne / trank er dâ sô vaste, / des latte er ze eime gaste
/ den slâf in daz houbet, / daz er wart betoubet RvMunre
240
4.6
‘rein, unschuldig’
ir gewizzen kleine / bliebe unbewollen reine Elis
1767
5
von der Stimme ‘hell, fein, dünn, leise’
5.1
von Tieren:
der walt / aber mit maneger kleinen, süezen stimme erhillet / : diu
vogelîn sint ir sanges ungestillet Neidh
SL 24:1,2;
in allen tiern sint diu weip behender und ainr hellern
stimm wan die man, ân an den rindern: dâ hât der ohs ain klainer stimme wan daz
rint BdN
159,24;
sin [des Tiers] stim sol syn
cleyn und schamlich als eyner jungfrauwen stymm Lanc
504,24.
505,3.
– adv.:
dorch die ruͦren get der wint / oben in die linde, do die fogel
[hohle, aus Gold gewirkte Vögel] sint. / so
singent sie gein ein ander, einer kleine, der ander groz RosengC
(LKN)
52,3
5.2
von Menschen:
zwuo stimme in irm munde sint: / diu eine ist kleine, als ein kint / diu
wort niht vol drücket / und si halbiu underzücket Renner
12290;
tuot aber ir [seiner Ehefrau] der wirt iht
zorn, / sô ist diu kleine stimme verlorn / und schillet ein grôziu stimme als
ein horn ebd.
12294;
Johannes naigte sich ze
im [Jesus] / und sprach mit ainer klainer stim: /
‘wer ist der dich hin wil geben / und verraten dir din leben?’
WernhMl
8276;
RvMunre
1296.
– adv.:
man hôrte manege stimme hel / erlûten ûz maneger kurzen kel, / einiu
kleine, diu ander grôz LaurinD
1847
6
‘scharfsinnig, klug’
mit alsô cleinen sinnen Tr
11436;
deyn rade is cleyne KarlGalie
943.
– subst.:
argutus: cleiner quia argumentum cito in loquendo invenit
SummHeinr
1:292,305.
2:179,01.53;
subtilis: cleiner ebd.
2:490,01.87.
– adv. ‘genau, sorgfältig’
dô die helde mit witzen solten rûmen daz lant, / dô hiez man allenthalben
vil kleine nemen war, / swaz si füeren solten, daz siz hêten gar
Kudr
275,1;
si nút erlie / her Moyses gebotte, / da mit man claine
gotte / selber eren solte WernhMl
120;
[diejenigen,] die kusche leben, / in den ist der
gotes geist, / wand si als du kleine weist, / sin heilic tempel sin genant
Pass III
28,70
7
im Doppelausdruck mit einem Gegenbegriff summarisch i.S.v. ‘jeglicher Art,
alle(s)’ bzw. negierend ‘niemand, nichts, (gar) kein’ (vgl.
Friedrich, PhrasWB S. 182f. u. 246f.)
7.1
mit grôʒe:
nehein sunde, chleiniv noch grozziv Spec
110,3;
er sach dâ volkes ungezalt, / kleine, grôz, junc und alt
Wh
126,28;
Herb
8502.
1625;
alle die brûdere, die dâ ambeht hânt, sie sîn cleine oder
grôz StatDtOrd
66,8;
swer auch die trinkvaz bricht in den winhoͤfen, ez sin
glas, becher oder krusen, clein oder groͤz WüP
55,3.
98,4;
alleu tier auf erden, si sein grôz oder klain, habent ir
lebern in der rehten seiten BdN
238,11;
UrkCorp (WMU)
1653,10;
LobSal
204;
Eracl
904;
KLD:Kzl
2: 13,16.
– subst.:
do îlte er [Noah] uzlazen /
cleinez unde grozez / svaz so da gehalten was VMos
13,12;
[sie] wusten von im wedder cleyn noch
groß [gar nichts]
Lanc
260,18;
wir finden aber nymand der uns von im groß oder
cleyn [irgendetwas] sage ebd.
449,19;
ir must von swertis orte sterbin gar, der groze und der kleine
Köditz
39,11.
–
bî kleinem unde bî grôʒem
‘im Kleinen und Großen, in allen Einzelheiten’ (?):
was der Schranchbovmer in hab genomen bei chleinem vnd bei grozzem von
den pflegnvssen di er hat inne gehabt UrkCorp (WMU)
1475,44
7.2
mit michel:
nu bitte ich iuch gemeine, michel unde chleine, / swer
dize buoch lese, daz er siner sele gnaden wunskende wese AvaJG
35,4
7.3
mit vil:
sô hât sî mich in ir huote, / daz ich weder vil noch kleine
/ mîner selbes eigen bin SM:Wi
5: 2,2
8
~
vasnaht Donnerstag vor Estomihi:
dis geschach [...]an der cleinen vahsnaht
UrkCorp (WMU)
1544,30
9
als Bestandteil von Personennamen:
jch Cuͦnrat von Talhein, ein riter, genant der Clein UrkCorp
(WMU)
1697,35;
der cleiner Baldemar hat anderhalben morgen ebd.
13,1
10
als Bestandteil von Toponymen oder Astronymen:
dar mögen ritter von Gallen komen und dem cleynen Britanien
und von Schottenlant und von Irlant und von Cornvail und von manigen andern landen
Lanc
544,14;
von der cleinen India / warn zwene kuͤnige da
Rennew
18677;
die ain himlspitz ist pei dem grozzen wagen gegen dem klainen
himelwagen KvMSph
21,13
MWB 3,1 332,21; Bearbeiter: Richter
kleine
stF.
auch sw. (
BdN
31,9
) und N. (
KLD:UvW
2:5,3;
Helbl
1,667;
BdN
53,5
), M. oder N. (
BiblMK
282
).
1
‘Kleinheit, geringes Maß’
2
‘Kleinigkeit, Weniges, Bisschen’
2.1 allg. 2.2 oft als adv. Akk. ‘ein bisschen, geringfügig’
3 schmale Stelle 4
‘Feinheit, Subtilität’ (bezogen auf die erkenntnistheoretische Vorstellung,
Dinge in der Welt gelangten in feiner, sublimierter Form durch Licht und Luft ins
Auge, vgl. Parad
63,22ff. ) 5 unklar, i.S.v. ‘Detail, Feinheit’ unter 2 oder als
‘Größe, Ausmaß’ anzusetzen?
1
‘Kleinheit, geringes Maß’
ir grozú demuͤtikeit siht nit an die kleini der gabe, si
siht an richheit des willen Seuse
265,16.
285,10;
welchir di mittel maze hat an der groze vnde an der kleine
SalArz
20,45;
dú mugge ist also klein irchant / das si vil kume oder niht
/ ieman von ir kleine siht RvEWchr
10077;
Vät
781;
PrWack
56,99;
KvMSel
300
2
‘Kleinigkeit, Weniges, Bisschen’
2.1
allg.:
diu vil reine [...] ist gar ân allen wandel
ganzer tugende vol. / wan ein kleine daz beswæret leider dicke mir den sin: /
sîst gen mîner bet ze strenge KLD:UvW
2:5,3;
des wirtes bettziehen / ziuht er ab durch den sin, / daz kleine vazzt er
allez drîn: / gürtel, hosen unde schuoch, / sleier, binden, ermel, tuoch
Helbl
1,667;
nun schüll wir durch ain kluoghait sagen ain clain, waz
etleich träum bedäutent an dem menschen BdN
53,5;
kain wurm hât pluot denn gar ain klain nâch seiner grœz
ebd.
287,4.
– häufig mit part. Gen.:
dar zu ein cleine winez gesprenget
Macer
75,9;
dar zuo wart ein cleine / kæses dar gehouwen HBirne
80;
ein kleine honicseimes RvEBarl
4697;
ain klain wazzers BdN
70,20.
71,2;
Seuse
46,24;
KvWLd
18,23;
frouwe, habt genâde mîn, / gebt mir iuwer fröide ein
kleine KLD:BvH
6: 3,7;
unse herre straphite sine jungerin und sprach: ‘in uch ist eine cleine
lichtis [
modicum lumen in vobis est Io 12,35] ’. si
inwarin nicht ane licht, ez was aber cleine Parad
64,10.
– zeitl.:
nach eime cleine [
post pusillum Mt 26,73]
BiblMK
282
2.2
oft als adv. Akk. ‘ein bisschen, geringfügig’
er schilwete [schielte] ein
cleine Herb
3160;
mîn herze ein kleine erliuhtet ist RvEBarl
13876;
ich wil iu ein vil claine / verwizen [tadeln]
UvLFrb
112;
iedoch ist des cypressen holz ain klain herter wan der
viechten holz BdN
319,8
u.ö.;
ich muͦs dir eins sagen, daz du enklein dester bas dines
lidens vergessest Seuse
443,4;
Mechth
4: 2,42;
JTit
1184,1.
– in der Form ein kleinen:
trût muoter mîn, noch troeste dich / dur disen trôst ein kleinen /
unde lâ dîn weinen! WvRh
10688.
–
niht ein ~
‘nicht wenig, in nicht geringem Maße’
dâ nâch [nachdem der Pelikan seinen
Nachwuchs getötet hat] zeuht er sein federn ab und traurt
niht ain clain umb seineu kindel BdN
210,10.
168,5.
– zeitl.:
ein kleine und ein wênic und ein lützel, und ir ensehet mich niht;
aber ein kleine, und ir sult mich sehen [vgl. Io 16,16
modicum et iam non videbitis me, et iterum modicum et videbitis
me
]
Eckh
3:187,2.
3:199,4;
als diz was ergangen / mit iamere ein vil kleine, / so tet die edele
reine / ir ougen uf und wart vro Pass III
627,13;
gip mir die súle indie hant / beide und tuͦ mir si
bechant, / das ih mih dran geleine / unz ich geruͦwe ein kleine
RvEWchr
21157
3
schmale Stelle:
ein siechtum starc und swære / kom in daz rehte bein / niden
an der klein Ottok
38169.
–
‘schmale Ausläufer, Spitze, Ende’
ûzen an dem steine [dem Fels der
Minnegrotte] / und an des steines cleine / dâ nam
er [Marke] manege kêre Tr
17494
4
‘Feinheit, Subtilität’ (bezogen auf die erkenntnistheoretische Vorstellung,
Dinge in der Welt gelangten in feiner, sublimierter Form durch Licht und Luft ins
Auge, vgl. Parad
63,22ff.):
sich selbir irkennit he [der Engel]
sunder cleine und sundir bilde. also bekennit sich auch di sele sunder cleine und
sundir bilde und glichnisse Parad
63,32;
sal ich got bekennen ane cleine und ane allis mittil, so muz
got vil noch ich werdin und ich vil noch he ebd.
63,36
5
unklar, i.S.v. ‘Detail, Feinheit’ unter 2 oder als
‘Größe, Ausmaß’ anzusetzen?:
der menschen antlitze / die sint algemeine / wol gelich ander
cleine / und an der forme missewant [
‘gleichermaßen in Detail und Form verschieden’ oder: ‘gleich an Größe,
und in der Form verschieden’?] . / swaz ie lute wart irkant
/ unde noch kunftec nach uns sin, / der vint man an ir forme schin / nindert zwei
gelich gar Vät
16106
MWB 3,1 338,1; Bearbeiter: Richter
kleine
swM. (subst. Adj.?)
Bedeutung unklar, in einer Auflistung von Merkmalen des Auges (verschiedene
Augenfarben):
die besten man, die wene, / und alle zit den kleinen sehen /
sol man dez besten gesichtes iehen Physiogn
169;
von kleinen sehen merket grozzen daz, / ir gesichte daz mak
weren baz ebd.
171
MWB 3,1 339,16; Bearbeiter: Richter
kleinen
swV.
1
‘klein werden’
2
‘klein machen, verringern’ , auch subst. 3
‘fein, zierlich, handwerklich geschickt herstellen’
1
‘klein werden’
iuwer leit beginnet grôzen, / und iuwer fröude kleinen Georg
851;
dîn schulde ist, daz ir hulde gegen mir kleinet SM:Had
15: 1,11;
Helbl
8,136;
KLD:WvBreis
1:1,12;
Pass III
551,2.
–
‘abmagern’
alsus [indem er ihr nicht genug Nahrung gab]
wolde er [der Ehemann] verswachen / Anastasien die
reinen. / si begonde ouch vaste kleinen / an ir und werden krank Pass
III
32,28
2
‘klein machen, verringern’, auch subst.:
daz kraut ist haiz und trucken und entlœst und klainet grôz
materi BdN
399,27;
er remte [Alkimus trachtete] mit dem kleinen sus /
zustoren, daz die ersten man / wol haten zu bereitet dran [am Tempel,
vgl. I Mcc 9,54]
Macc
4388;
daz wir der drier personen / suln eweclichen schonen, / daz
wir der namen nicheinen / weder grozeren noch cleynen, / noch minneren noch meren
HeslApk
674;
KvMSph
39,16.
39,22.
– mit Refl.-Pron. ‘sich verkleinern’
wenn si [die Lunge] den luft in
sich zeucht, sô grœzt si sich, wenn aber si den luft von ir sleht, sô klaint si
sich BdN
29,28;
zeitl. ‘sich verkürzen, kürzer werden’
merent sich oder klainent sich die tag oder die neht
KvMSph
43,28
3
‘fein, zierlich, handwerklich geschickt herstellen’
daz sint halsberge sunder wan / von ringen wol gecleinet
Blanschandin
70,15
MWB 3,1 339,23; Bearbeiter: Richter
kleineren, kleinern
swV.
‘etw./sich kleiner machen’
wenn man ez [Blei] zerlæzt in
ainem fewer, sô klainert ez sich mêr dann ander gesmeid BdN
481,18.
– hier ‘dünn machen’ oder ‘schwächen’ (?):
daz ist daz gemaln eisen, daz von der feiln kümt. ez hât die
kraft, daz ez klainert und trückent [
vim attenuandi et desiccandi
] den menschen BdN
479,24
MWB 3,1 339,49; Bearbeiter: Richter
kleinewîn
stM.
unklar, ob Syntagma (s.a. kleine Adj., Adv. unter
4.5).
‘Ehrenwein’, in Glossen ab dem 12. Jh., vgl. AWB 5,241
MWB 3,1 339,56; Bearbeiter: Richter
kleinheit
stF.
‘Kleinheit’
1 körperlich, stofflich 2 übertr. ‘Unbedeutsamkeit, Geringfügigkeit, Nichtigkeit’
1
körperlich, stofflich:
–
‘geringer Umfang, Dünne’
man spricht auch, daz etleich scorpen zwuo spitz haben an
dem zagel. ez sint die ern [Männchen] under in
gräuleicher wan die sien [Weibchen] und die erkent man
an der leng und an der klainheit umb sich [
intelliguntur autem gracilitate et longitudine
]
BdN
282,21.
–
‘Feinheit, Dünnflüssigkeit’
und sint die este der âdern klain dar umb, daz daz pluot
von seiner klainhait dester sneller werde verkêrt in der glider nâtûr
BdN
36,32
2
übertr. ‘Unbedeutsamkeit, Geringfügigkeit, Nichtigkeit’
ich bekenne ouch mîner buoze kleinheit gegen mîner sünden grôzheit
PrNvStr
284,19;
die kleinheit miner werke Seuse
266,12.
304,29.
– vom Menschen bzw. der Seele:
ein kint ist uns geborn, ein sun ist uns geben, ein kint nâch kleinheit
menschlîcher natûre, ein sun nâch der êwigen gotheit Eckh
1:379,6;
so im ie klerlicher und bloslicher in lúcht gottes
grosheit, so im ie bekentlicher wirt sin kleinheit und sin nichtkeit
Tauler
250,1
u.ö.;
nement her fúr úwer kleinheit und huͤtend úch vor
hofart! gedenkent, wer ir sient, Seuse
383,6;
PrEngelb
190,314;
Parad
13,9.
– zur Übers. von lat. extremitas
‘das Geringste, Letzte’ (s.a.
kleinlîche
stF.):
der sehste der demvͦti grede ist ib aller svacchait oder
clainhait ginvͦgende si der munich [
si omni vilitate vel extremitate contentus sit monachus
]
BrZw
7
MWB 3,1 339,59; Bearbeiter: Richter
kleinicheit
stF.
‘Kleinheit’, hier übertr. von geist/ sin i.S.v. ‘geringes
Vermögen, Eingeschränktheit’
die nahent pei gesehen, die habent ainenn sichtigen geist
unnd verwundenlichen und klaren, der von sein selbs klainigkait [
ex sua parvitate
] nichtt wenüeget sich aus zegiessenn zue den ferren dingenn
HvHürnh
46,8;
wer klaineu ripp hât, daz bedäut ain klainichait des sinnes.
wer aber weiteu oder braiteu ripp hât, daz bedäut guoten sin BdN
48,8
MWB 3,1 340,24; Bearbeiter: Richter
kleiniclîche
Adv.
‘wenig’ (vgl. Anm.z.St. S. 371):
dâ bî siht man sie [die mit dem ererbten Besitz nicht angemessen
umgehen] schatz vil snudelîchen zern [La. vnde
siht man si doch kleinekliche zern
]
WernhSpr (Z)
40,6
MWB 3,1 340,34; Bearbeiter: Richter
kleinlich
Adj. , -lîche
Adv.
adv. auch -lîchen (
Parad
82,22
).
1
‘klein, gering, wenig’
2
‘fein, zart, zierlich’
3
‘fein, geistig, subtil’
4
‘fein-, scharfsinnig, klug’
1
‘klein, gering, wenig’
dis ist die himmelsche gottes minne, die hie vil kleinliche
beginnet und doͤrt niemer ende gewinnet Mechth
7: 45,19;
so geschiht dicke, daz si do von werdent gehúndert und nit
kleinliche gesumet Seuse
474,16
2
‘fein, zart, zierlich’
da sach ich boͮme, loͮp und cleinlich gras und niht uncrutes
Mechth
7: 57,5.
– von Personen:
dy stat hot ouch schone und alczu schone wip, der lebin gar kleynlich unde
czart ist MarcoPolo
45,3;
do gab got Ade von herzeklicher liebi ein gezogne, edel,
kleinliche jungfroͮwen, das was Eva Mechth
3: 9,40.
5: 23,59;
nu has du lon, den virveldichen, des lichamen; dat he sal sin starc, snel,
cleinlich, inde schone Lilie
7,3
3
‘fein, geistig, subtil’
de dritte sterre mag heizen durchverdicheit; dat din lichame so cleinlich sal
sin, dat in geinre hande lichame dir widerstain in mach, du in muges dar durch varen
Lilie
6,30;
so ist die spise [...] so kleinlich
das keine vernunft enkan vinden wie und wo die subtilkeit lige und wurke
Tauler
121,22;
diu sêle muoz geliutert werden und kleinlich gemachet in dem liehte und in der
gnâde und alles abegescheiden werden Eckh
2:549,3;
sol ich sehen die varwe an der want, sô muoz si werden kleinlich gemachet in
dem liehte und in dem lufte und ir glîchnisse getragen werden in mîn ouge ebd.
3:193,1;
etlîche krefte der sêle nement von ûzen, als daz ouge: swie kleinlîche daz in
sich ziehe und abespalte daz gröbeste, nochdenne nimet ez etwaz von ûzen, daz
zuoversiht hât ze hie und nû ebd.
1:364,8
u.ö.
4
‘fein-, scharfsinnig, klug’
willen wir noch diͤfer gan / ind diͤ zwelf stern kleinelicher
verstan, / diͤ in din krone sint gesat MarlbRh
120,18;
also ist ez umme di di da sprechin, minne si bezzir wan
bekentnisse, wan minne grop ist, so ist si intsebilicher [leichter
sinnlich wahrnehmbar] , und bekentnisse ist so cleinlich daz man ez
hi nicht gehabin inmac Parad
90,10.
– hierher oder zu 1:
si sullent hi um nit verzan / obe ich sy cleinlich leren
an, / ich meynen das snoede abc. / ich sal si wol geleren me / konste grois na
cleiner ler MinneR 481
828
MWB 3,1 340,39; Bearbeiter: Richter
kleinlîche
stF.
zur Übers. von lat. extremitas
‘das Geringste, Letzte’ (s.a.
kleinheit
unter 2):
djr sehste grad dir diemvͦti ist daz. daz dir mvnch si
bignvͦgit allir wenichlichi. vnde allir chleinlichi [
si omni vilitate vel extremitate contentus sit monachus
]
BrEng
7
MWB 3,1 341,18; Bearbeiter: Richter
kleinlîcheit
stF.
‘Feinheit, Zartheit’ (lat. subtilitas):
daz diu sêle in allen dingen ist, daz ist an irre kleinlicheit, daz si an
allen dingen gesîn mac, unde si berüeret sie niht noch enwirt von in berüeret
Eckh (Pf)
511,39;
also ist och in der sele ein kleinlicheit, dv̍ ist so lvter vnd so zart
Eckh
2:460,1.
2:459,8.
2:460,4
MWB 3,1 341,24; Bearbeiter: Richter
kleinlistic
Adj.
‘scharfsinnig, listig’, Glossenbeleg des 12./13. Jh.s s. AWB 5,242
MWB 3,1 341,31; Bearbeiter: Richter
kleinlistigære
stM.
‘(arg-)listiger Mensch’, Glossenbeleg des 13. Jh.s s. AWB 5,242
MWB 3,1 341,33; Bearbeiter: Richter
kleinlistige
stF.
‘Scharfsinn, List’, Glossenbeleg des 12. Jh.s s. AWB 5,242f.
MWB 3,1 341,35; Bearbeiter: Richter
kleinlût (?)
Adj.
‘zierlich’
diu kleinen voglîn / singent in dem paradîs, / der stimm ist
klein, lût und lîs [l. kleinlût unde lîs? vgl.
Anm.z.St.]
EnikWchr
1248
MWB 3,1 341,37; Bearbeiter: Richter
kleinmuot
Adj.
‘kleinmütig, verzagt’, hier subst.:
uon diu sône uvrthen [l. vurhten
] in nieht die clainmuͦten TrudHL
41,30
MWB 3,1 341,41; Bearbeiter: Richter
kleinmuotic
Adj.
‘kleinmütig, verzagt, von geringer Entschlusskraft’ (auch subst.):
jeidoch mit maze tuͦn man alle dinc. durch di clemuntigin [l.
clenmutigin, übers. pusillanimes
]
BrHoh
48;
wer sein augöpfel her für pauzend hât mit der ganzen grœzen
der augen, der ist klainmüetig BdN
45,2
MWB 3,1 341,44; Bearbeiter: Richter
kleinmuoticheit
stF.
1
‘Kleinmut, Verzagtheit, geringe Entschlusskraft’
2
‘Demut’ (vgl.
kleine
Adj. unter 3.2 ) 3
‘Starrsinn, Unbelehrbarkeit’
1
‘Kleinmut, Verzagtheit, geringe Entschlusskraft’
dô von sterkit iz daz gemute und machit iz grôz und trîbit von ime alle
kleinemutikeit HvFritzlHl
159,29;
wenn diu melancoli ain oberhant nimpt
[...], sô kümpt dem menschen sweigen und betrahten, und
swærikait, wainen und trâkheit, vorht und sorg und klainmüetichait
BdN
31,3;
PsM
54,9;
SiebenTodsünden III
329
2
‘Demut’ (vgl.
kleine
Adj. unter 3.2):
alle die gewore selikeit die gelit an rechter gelossenheit,
willeloskeit; dis wirt alles geborn us dem grunde der kleinmuͤtikeit: do wirt der
eigen wille verlorn [...]. ie
kleiner [demütiger] , ie minre willen
Tauler
348,31
3
‘Starrsinn, Unbelehrbarkeit’
vil hârs auf den schultern und auf dem hals bedäut
klainmüetichait und widerstreben oder widerspenichait, alsô daz den menschen niemd
leiht bekêrt von seinem fürsatz BdN
43,2
MWB 3,1 341,50; Bearbeiter: Richter
kleinmütte
stN. (?)
Getreidemaß:
fronmutt pringt 12 mutt der chlainmutt u. 8 mutt habern DRW
7,1080
(MittSalzbLk.; 14. Jh.)
MWB 3,1 342,4; Bearbeiter: Richter
kleinnæsic
Adj.
‘eine kleine Nase habend’
dy sint alle anbeter der apgote [...] und sint vet
und kleynesik sam dy affin MarcoPolo
19,14
MWB 3,1 342,7; Bearbeiter: Richter |