k – cadmia kaf – kalc calcaire – 2kalle 3kalle – kaltlîchen kaltnisse – kamerærse kamerbëlle – kamerselde kamersidel – kampfer kampfgenôʒ – kampfwât kampfwërc – kanonîen kanonike – kanzelschrîbære kanzwagen – Cappadociære kappân – kappûnen capût (?) – kardenâldiaconus karele – karra(t)sche karre – karthiusære kartur – kæselîn kæse|lüppe – kasten kastenære – kathecuminus kathezizieren – kauerære (?) kauergerihte – kefse 1kegel – keisertuom keitivic (?) – kelken këllære – këlre këlstëchære – 2kemelîn kemelînvleisch – kendelîn kenecte – keppechîn keppeler – kerkerhaft kerl – kerrîne kerschlich – kerzîn kerzlach – ketenwambîs kettelinc – keʒʒelære keʒʒelærinne – kîche kîchen – kiesærinne kiesen – kindebet kindechîn – kindestac kindestohter – kintbettegemach kintbetten – Kiperære Kiper(e) – kirchenbrëchære kirchenerbe – kirchhërre kirchhof – kirchtac kirchtor – kirnen kirnîn – kitzelen kitzelîn – kiuwe kiuwen – klâfterlanc klâftermâʒe – klagenôt klagerede – klamben klamen – klæret klârheit – klëber klëbereht – klegerse klêgrüene – kleinlîche kleinlîcheit – kleinvüegunge kleinzëhende – klepfze kleppisch – klinge klingelære – klobeholz klobelouch – klôsterknëht klôsterlëben – klôsterweide klôsterwërre – klûde klüege – klupfen kluppe – klutterât klûwen – knëhtelîn knëhten – kniel (?) knieleip – knodebôʒe knödel – knubelen knugelîn – kobel kobel – kochman kochsudel – kôle kôlegruobe – kolner kölnisch – komelinc komen – condewier condewierde – konkavelite, konkavelit conplêt – convëntkopf convëntswester – koraze (?) körbelîn, körbel, körblî – körnære kornban – kornmesse kornmetze – corporâl corporâlgewæte – kostebæric kostebærlich – kötze kotzeht – koufgenôʒ koufgiric – koufschalc koufschanze – krachen kradem – krâme kræmel – kranc- krancmüetic – 1krapfe 2krapfe – krëb(e)ʒ krëbeʒen – krefticheit krefticlich – kreiʒgengel kreiʒlingen – kreter kretscheme – kriechelîn kriechen – krîgen krîieren – krippen- krîsch – kristâbent kristalle – kristenin kristenisch – kristiâne kristier – kriutener kriuzaltære – kriuzloht kriuzphenninc – 1krœnen 2krœnen – krotenstein krotenstutz – krülle krüllel – krupfei krüpfen – krûtmezzer Krûtnowe? – kûchen kuchenære – küechelmël küefelære – kugelhuot kügellîn – kumberlich kumberlîn – kûmen kumer – kunde künde – künftigære kunftlich – künigeslêhen künigessilber – künstelîn künstelôs – kuntmeister kuntsame – kuosërtærinnesun kuo|smër – kuppe 1kuppel – kurdewân kurdewænære – kurpen kürre – kurtois kurtoisîe – kurzwîle kurzwîlen – kuster kusterîe – kutzelvleisch kützen – kûze
|
kiusche
stF.
selten
sw.
(
Lucid
87,18
)
auch chiuske, chuske, alem. auch kiunsche,
künsche.
‘Mäßigung, Selbstbeherrschung’, je nach Kontext unter stärkerer Fokussierung
auf den Aspekt der Kontrolliertheit, Besonnenheit oder der (sexuellen)
Enthaltsamkeit; auch allgemeiner ‘sittliche Reinheit, Sittsamkeit, Tugend’
1 allg. 2 spez. bezogen auf Sexualität, ‘sexuelle Enthaltsamkeit, Keuschheit’
2.1 allg. 2.2
‘Unberührtheit, Jungfräulichkeit’ (von Frauen) 3 spez. bezogen auf Nahrungsaufnahme, ‘Maßhalten, Askese’
1
allg.:
ia waren di herren edele / in cristenlichem lebene. /
[...] si heten zucht unt scam, / chuske unt gehorsam, /
gedult unt minne Rol
3422.
9061;
ir magetlîcher kiusche scham / grôz weinens klage in benam, / daz si hæten
getân / ob siez durh zuht niht hæten lân LvRegFr
4384;
[Parzival] riet sîn manlîchiu zuht / kiusch unt
erbarmunge Parz
451,5;
si kom dicke ûz frouwenlîchen siten: / sus flaht ir kiusche
sich in zorn ebd.
365,21.
472,16
u.ö.;
ei Heimrîch von Narbôn, / waz was erblüet ûz dîner vruht /
kiusche, milte, manheit, zuht! Wh
167,22.
190,11;
ir wîplîch kiusche und ir scham / machte si rôt und dar nâch
bleich Wig
8969;
scham treit ir den spiegel, dâ von kiusche sî mit ganzer /
tugende minnet KLD:BvH
5: 3,5;
wizz, daz reht käusch sich gar hôch swinget über leipleich
nâtûr BdN
363,4;
sprichtt sannd Augustin: ‘wo wol leben ist, da ist seltten
keusch’ SchlierbAT (LS)
1,197;
waz rehtev chevsch si, da sprechent die hiligen vil vrag dar
vber PrBerthKl
1,56;
Konr
23,71;
Erz III
36,370.
– bildl./ personif.:
der triuwen muome, der kiusche base /
[...], die blunde Isôt HvFreibTr
6452;
sô wol dir, hôchgeloptez adel [...],
/ mâz unde kiusche sint dîn ingesinde KLD:Kzl
16: 1,14;
si hæte kiusche an sich gedruht / mit herzeclichem flîze
KvWKlage
11,7;
Frl
5:102,3;
PrWack
31,59.
– im Vergleich:
an tat ein lewe, an kuͤsche ein meit
TürlArabel
*R 22,24;
hie wellnt ein ander vâren / die mit kiusche lember
wâren / und lewen an der vrecheit Parz
737,20
2
spez. bezogen auf Sexualität, ‘sexuelle Enthaltsamkeit, Keuschheit’
2.1
allg.:
div driv: kvsche, armvot, gehorsaim, die sint in allen
orden, vnd die foderet got an dem ivnxsten geriht vor allen dingen von
geislichen lvten SpitEich
2,10.
2,9;
si was schamender kiusche bar, / si nam sich solhes
lebenes an, / daz si lie deheinen man, / si gæb im ir minne solt, / was si sînem
lîbe holt RvEBarl
10332;
Spec
98,1;
PrBerthKl
4,19
2.2
‘Unberührtheit, Jungfräulichkeit’ (von Frauen):
so zucket er Dinam unde fuͤret si sinen weck. unde besclâfet si und nimet
ier. ier kuͥschi uͥber ier willen PrSchw
2,61;
si behuotent ir chiuske unde ir magetuom, des habent si
ewichlichen ruom AvaA
5,4;
so vienc si dar zo, / daz si di kusche verkof / vnde kint ir magetvm
verlos / mit bosen knechten Glaub
2269;
Mai
236,26;
HvNstAp
243.
15805.
– von Maria:
frouw aller fröude, ich lobe an dir daz dû den got
gebære, / des tohter und des muoter dû bî ganzer kiusche wære
KvWLd
32,47.
1,182;
daz was die wandels vrie, / die iuncvrowe Marie, / die im zu mutere
wart erkorn, / von der kusche er wart geborn / uns zu grozer selikeit
Pass III
79,26;
der prunn bedäutt unser frawen, diu ain prunn ist
der käusch und aller rainikait BdN
484,5.
460,2;
SM:EvS
1: 13,8;
im Vergleich:
Maria ein elefant was / an irre kusche als ich las
Brun
4124
3
spez. bezogen auf Nahrungsaufnahme, ‘Maßhalten, Askese’
er [Trevrizent] hete gar
versprochen / môraz, wîn, und ouch dez prôt. / sîn kiusche im dennoch mêr gebôt, /
der spîse het er keinen muot, / vische noch fleisch, swaz trüege bluot
Parz
452,20;
er az vnt tranc genote, / der gar verlorne tote: / wie moͤcht in gefristen
daz? / gefrumt het im chivsche baz Warnung
644
MWB 3,1 290,60; Bearbeiter: Hansen
kiuschede
stF.
‘Sittsamkeit, Tugend’ (vgl.
kiusche
stF.):
mit kiuschede gurten sie sich wol, / ir liehtvaz wâren oleis vol, / hei, wie
klâr sie brunnen! LBarl
5111
MWB 3,1 292,3; Bearbeiter: Hansen
kiuschegen
swV.
‘sexuell enthaltsam leben’
etlich sint chüsche di sich selber gechestigt habent oder
chüschigent dvrch daz riche der himel [übers. sunt eunuchi, qui se
ipsos castraverunt propter regnum caelorum Mt 19,12]
EvAug
45,7
MWB 3,1 292,7; Bearbeiter: Hansen
kiuscheheit, kiuscheit
stF.
auch kusheit, alem. kúnschait.
‘Mäßigung, Selbstbeherrschung’, je nach Kontext unter stärkerer Fokussierung
auf den Aspekt der Kontrolliertheit, Besonnenheit oder der (sexuellen)
Enthaltsamkeit; auch allgemeiner ‘sittliche Reinheit, Sittsamkeit, Tugend’
(vgl.
kiusche
stF.):
modestia: kusheit GlAnzfKdVz
3:49,223;
kuisheit, daz ist inthaldunge fon den dingin di forbodin sint
oder frieheit fon bekorungen [Versuchungen]
Parad
71,33;
HartmKlage (G)
1315.
– häufig spez. bezogen auf Sexualität, ‘sexuelle Enthaltsamkeit, Keuschheit;
Jungfräulichkeit’
von dez künigs keüschait [
de regis castitate (Überschrift)] o genädiger kaiser,
du sollt nit naigen zu dem gelust der weibe: unkeüsch ist ain semlich aigenschaft
der schwein HvHürnh
14(Überschr.);
der [Josef] sol dich
[Maria] ze ainer frowen han / mit dienste dinem libe,
/ nút unkúnschlich ze wibe. / [...] / er haͮt mit
kúnschait sin leben / als du mit trúwen got ergeben WernhMl
1965
u.ö.;
sô hât diu käuschait auch zwuo aigenchait, wan si ist
unfruhtpær und ist sauber oder rain BdN
61,13;
der rehten leben ist niht mê / wan driu: ich mein die rehten ê, / magetuom
unde kiuscheheit Freid
75,20;
dú angebornú kúscheit oder angenomen Mechth
5: 4,8
u.ö.;
StatDtOrd
52,17
u.ö.;
Eracl
2019;
~ des Körpers:
ich entheize unde gelobe kûscheit mînes lîbes
StatDtOrd
128,8;
ganzú kúschehait an libe und an herzin PrGeorg (Sch)
9,31;
die wege der tugende, als kúscheit des lichamen und armuͤt
und gehorsamkeit Tauler
242,19;
HvBurg
3076;
Daniel
1848.
– von Maria:
muͦter aller kúscheit, / ich klagen dir alles min herzeleit.
/ salve regina! Mechth
7: 26,17;
do du gebaͤrd aͮn allen smertz / in gantzer rainer kúschhait / gottes sun,
Jhesum gemait KvHelmsd
4447
u.ö.;
Daniel
1062;
bildl. vergleichend:
das helffen bain [bedeutet] ir kúschait, / mit der
sÿ schon was beklait KvHelmsd
583;
du der kuscheit ein einhorn, / du ein rose sundir dorn, / du
ein viol an der schouwe Brun
325;
ir kuscheit gelichet / der lylien an der wize Pilatus
1,96;
HeslApk
5456;
MarlbRh
38,4.
65,23;
HvBurg
536
MWB 3,1 292,12; Bearbeiter: Hansen
kiuscheloht
Adj.
‘sittsam, tugendhaft’ (hier subst.):
ach ymmer! was sol ich / tuͦn, du kuͤschelohter zart? /
[...] / schol ich lenger din enbern, / so muͦz sel,
lip, hertz swern / in wernder marter ymmer WhvÖst
6701
MWB 3,1 292,56; Bearbeiter: Hansen
kiuschicheit, kiuschekeit
stF.
alem. auch kúnsch-.
‘Mäßigung, Selbstbeherrschung’, je nach Kontext unter stärkerer Fokussierung
auf den Aspekt der Kontrolliertheit, Besonnenheit oder der (sexuellen)
Enthaltsamkeit; auch allgemeiner ‘sittliche Reinheit, Sittsamkeit, Tugend’
(vgl.
kiusche
stF.):
van genaden has du die duͦgede der selen, alse verduldicheit, otmuͦdicheit,
cuschicheit, wischeit, inde der geliche Lilie
2,2;
so schein des herren [Landgraf Ludwigs] kuschekeit.
/ [...] / menlich, stede was sin muͦt Elis
3191;
daz sich die volhertung halte zuo den betrüebden, alse sich
die chuschkeit heltet zuo der begerung der böser lüste ThvASu
208,12;
kewschkait HvBurg
4357;
RvEWchr
14816.
27981;
PsM
H 5,3.
– spez. bezogen auf Sexualität, ‘sexuelle Enthaltsamkeit, Keuschheit;
Jungfräulichkeit’
do wurden si der vergift so vol gemessen, das si verluren der
engele reinekeit und vergassen ir megtliche kúschekeit Mechth
3: 9,61.
1: 44,49;
daz bezaichet die kúnschikait die únser herre an sinem leben und an siner
lieben muͦter hatte PrGeorg
9,1
u.ö.;
Seuse
105,2;
Elis
5431.
5544;
~ des Körpers:
sinnes und herzen reinecheit / und des lîbes kiuschecheit / wonten ir ze
staete mite / mit scham und êrebaerem site WvRh
1540;
zu rechter notdurft dez libez mit reiner kushekeite HlReg
20,23;
bildl./ personif.:
eya liebú vrowe Kúschekeit, ich bevilh úch min magetlich
kleit Mechth
7: 48,60;
ein wisses kleit der luteren kúschekeit ebd.
1: 44,20.
1: 46,9.
– von Maria:
also sprichit ain hailich man von vnsirre liebun vroͮwn: ‘ir kivschichait
ubirtriffet allir menschen kivschichait’ PrGeorg (Sch)
29,14;
Tauler
7,19;
SM:EvS
1: 4,1;
Philipp
1276.
1436.
– im Vergleich:
auch muͦz er ane schant / gelich dem dyamant / sin an rehter
kuͤschekait WhvÖst
4091
MWB 3,1 292,61; Bearbeiter: Hansen
kiuschiclich
Adj. , -lîche
Adv.
adv. auch -lîchen; alem. auch kunsch-.
‘maßvoll, selbstbeherrscht’, je nach Kontext unter stärkerer Fokussierung auf
den Aspekt der (zurückhaltenden) Kontrolliertheit, Besonnenheit oder der
Enthaltsamkeit; auch allgemeiner i.S.v. ‘sittlich rein, sittsam, tugendhaft’
der grâl ist mit hôher kür. / sô suln sîn rîter hüeten / mit
kiuscheclîchen güeten Parz
493,24;
si erwirbt im kiuscheclîche / einen sun vil ellens rîche
ebd.
367,27;
niht zückent mir von mîner schame / dekeinen lasterbæren
roup, / durch daz mîn lop niht werde toup / an kiuscheclicher stætekeit
KvWTroj
21831;
Konr
6,54.
– spez. bezogen auf Sexualität, ‘sexuell enthaltsam, keusch;
jungfräulich’
mvget ir gar sein ane wip / vnt wol betwingen ivren lip / ze chivschechlicher
ræinichæit Warnung
1418;
der sich kunschklich haltet, der wird hie geeret und von got
gekroͤnet Seuse
106,11;
DvAOff
34;
Parz
526,5;
von Maria:
die hete diu reine muoter, mîn frouwe sant Marîâ, gar volleclîchen unde
kiuscheclîchen unde reineclîchen PrBerth
1:256,4.
–
~ lëben
‘geistliches Leben’
der mantel wart [...] einer megede nu gegeben, / di
sich in kuschecliches leben / in godelicher gnade / iezu bestricket hade
Elis
8362
MWB 3,1 293,33; Bearbeiter: Hansen
kiuschlich
Adj. , -lîche
Adv.
adv. auch -lîchen; alem. auch kúnsche-,
chiunsch-.
‘maßvoll, selbstbeherrscht’, je nach Kontext unter stärkerer Fokussierung auf
den Aspekt der (zurückhaltenden) Kontrolliertheit, Besonnenheit oder der
Enthaltsamkeit; auch allgemeiner i.S.v. ‘sittlich rein, sittsam, tugendhaft’
er hât ouch kiuschlîche zuht. / man mac in ziehen als ein
maget: / er leistet gerne swaz man im saget Wh
272,18.
157,7;
von geburte ein frouwe / ist si, und von tugenden wîp. /
kiuschlîch smielen lachen / kan ir kleinvelrôter munt KLD:UvL
47: 7,1;
sît muoz sîn [des Grales] pflegn
getouftiu fruht / mit alsô kiuschlîcher zuht Parz
454,28;
alle die. die reht vnd chiunschlich lebent. vnd den hailigen geloben behaltent
wider ir eben christen PrWack
30,46;
Elis
832.
– spez. bezogen auf Sexualität, ‘sexuell enthaltsam, keusch;
jungfräulich’
âne wîp er wolde sîn / und leben kûschlîche
Kreuzf
355;
die gode iren magethum gevent, / inde imer kuͦsliche hie levent
Lilie
64,11;
kúschlich lebin in deme libe, daz enist niht menschlich lebin, ez ist himils
lebin PrGeorg (Sch)
4,56;
PrGeorg
32,15;
in eim rôtguldîn vingerlîn / sol man in [den
Saphir] kiuschlichen tragen Volmar
139;
swelich vrowe ane man kuselike leuet na ires mannes dothe UrkCorp
(WMU)
2,31;
Spec
97,36
u.ö.;
PrOberalt
15,39;
SpitEich
5,32;
Dietr
178.
– bildl.:
dine kuschlichen cleit / soldestu mit werdekeit / behalden
gar in aller macht Pass I/II (HSW)
13639
MWB 3,1 293,58; Bearbeiter: Hansen
kiuschmæʒicheit
stF.
‘Mäßigung, Selbstbeherrschung (in sexueller Hinsicht)’
mit sulchir kuschmezikeit / der meide vridil was beweit [d.i.
beweget; dadurch, dass der Feldherr Scipio Africanus ihm seine
Verlobte unberührt zurückgegeben hat] / daz he di herrin der
heidinschaft / sinis gezcungis und ire kraft / vugete zcu den Romern
PfzdHech
189,31
MWB 3,1 294,24; Bearbeiter: Hansen
kiuschrîche
Adj.
‘keusch, sittsam, rein’
[Maria,] frewe dich der reinen tât, / daz dir, der
geschaffen hât / al die welt, ist worden holt / dur dînen kiuscherîchen solt [
per castitatem tuam V. 1452
]
WvRh
2676
MWB 3,1 294,32; Bearbeiter: Hansen
kiuschvarwe
stF.
ein Gras oder Kraut (genauere Bed. unklar; vgl.
buschvarwe
, Verschreibung aus diesem?):
ascania: kúschvarwe, buschvarwe [im Kapitel de graminibus
et herbis
]
VocOpt
50.041
MWB 3,1 294,37; Bearbeiter: Hansen
kiutel
stN.
wohl ‘Tausch, Kauf’ (vgl.
kûten
swV.):
man vindet in den kremen [Krämerbuden] / hantschu,
rymen, buͤtel / daruz so werden kuͤtel KgvOdenw
6,100
MWB 3,1 294,41; Bearbeiter: Hansen
1kiuten
swV.
‘sprechen, plaudern’ (hier subst.; vgl.
quëden
stV.):
si lânt gedœnes wunder / dâ schellen unde erliuten. / ir
kôsen unde ir kiuten / wirt mit ir vil manicvalt KvWTroj
15360
MWB 3,1 294,45; Bearbeiter: Hansen
2kiuten
swV.
‘tauschen’
→
kûten
MWB 3,1 294,49;
kiuwe
swstMF.
auch kew(e)
(:lëwe
PleierMel (St)
10062,
Krone (Sch)
12760
u.ö.;
:êwe
Marner (W)
1:4,11;
:sêwe
WhvÖst
1198
),
koͤwe, koͮwe.
1
‘Kiefer’
2
‘Schlund’ (meist von Tieren)
1
‘Kiefer’
in schedel unde in kiuwen / enpfiengens tiefe scharten Neidh
WL 14:6h,13;
des berges was dennoch me / oberhalb dem sewe; / eines visches
chewe / was des sewes bruggen tor WhvÖst
1198;
an der stunde do gesigt er an dem helle hunde. / sine chiwen
er im brach AvaLJ
161,2;
mandibula: baccho, ein kew SummHeinr
1:126,152.
– im Pl. auch i.S.v. ‘Rachen, Schlund’ (vgl.
2):
den grôzen leun / mit sînen wîten keun Iw
6688
2
‘Schlund’ (meist von Tieren):
in dem wysen stugk ain zöbelin lew, / der gint wyt mit siner chew
PleierMel (St)
10062;
wilde esel und löuwen / mit ir wîten köuwen [Hs. C loͤwen:
koͤwen
]
WvRh
72,50;
und vuor ime diu zunge / enwâge in der chewen Krone (Sch)
10557.
12760;
faux: choͮwe chiwe Gl
4:213,17;
UvZLanz
1954.
–
do nam sant Johannes das wisse lamp mit sinen roten
wunden und leit es in den koͮwen irs mundes [in den Mund des
Marienbildes]
Mechth
2: 4,100.
–
des tiuvels
~ bildl. für die Hölle:
die muͦssen in des tievels kewen, / da sint si lebent in jamer tot von
ewen und ze ewen Marner (W)
1:4,11;
den hat des tivels chiwe / verslunden vntz andie fvzze
Warnung
540;
o wi sin gite gecuwe [l. gitege
cuwe
] , / wi manigen si uerslunde / vnde wi manigen si uerwunde
Litan
418.
1285
MWB 3,1 294,50; Bearbeiter: Hansen
kiuwen
stV. (IIa)
md. auch kiugen, kûgen
(
NvJer
11342;
PrLeys
3,21
).
‘(etw.) kauen’
sô nam er brôt an sîne hant / und smucte sich zuo einer want.
/ dâ saz er unde kou genuoc UvZLanz
3691;
als wir lipliche spise essent, so kúwen wir zem ersten, und
denne sinket si nider in den lichamen senfteklich Tauler
294,22.
294,4;
nim venkel [Fenchel] und kiwe den
BenRez
15;
ain iegleich tier, daz sein ezzen slindet und niht kewt, daz
ist mager, sam der wolf BdN
118,12;
sô nement si [die Wiederkäuer] ez
[das Essen] dann her wider und kewent ez dann
anderwaid ebd.
13,30;
wenn man ez keut ebd.
355,33
u.ö.;
toste [Oregano] gekuͦwen unde in
dem munde lange gehalden, vertribet den zanswer Macer
48,14;
der col vrischz gechiwen [...],
hilfet der heisen stimme ebd.
50,14.
97,2
u.ö.;
Neidh
WL 5:5,8;
MorantGalie
5184.
–
vinger ~
(nâch etw.) ‘ungeduldig (auf etw.) warten’
wir suln ein niuwez briuwen, / dar nâch sî die vinger kiuwen Neidh
(HW)
13,36.
– bildl.:
hie zwischent sol si dv́ gottis wort kv́wen vnde in trvken mit
deme gebette DvAStaff
135;
sam daz hâr diu milwe / kan tougenlichen wol zerkiun, / sus
kiuwet er sîn selbes nest, der üppeclîche trûret KvWLd
32,80;
Mechth
4: 3,41;
Tauler
294,31
u.ö.;
Seuse
302,14;
subst.:
Tauler
294,23
u.ö.;
Martina
60,71;
MvHeilFr
42
MWB 3,1 295,15; Bearbeiter: Hansen
kiv-, kîv-
→
kib–
MWB 3,1 295,42;
kivelen
swV.
→
kibelen
MWB 3,1 295,43;
kivelwort
stN.
→
kibelwort
MWB 3,1 295,44;
kiver
stM.
wohl ‘gebisstragender Kopfknochen, Kiefer’ (nur als Bestandteil von
Personennamen; vgl. WMU 3,2584):
Cvͦnrat der Kiver UrkCorp (WMU)
1964,28;
Hainrich der Kiver ebd.
3534,29
MWB 3,1 295,45; Bearbeiter: Hansen
kiverære
stM.
→
kiberære
MWB 3,1 295,49;
kiveren
swV.
→
kibelen
MWB 3,1 295,50;
kizze
stN.
→
kitze
MWB 3,1 295,51;
klâ, klâwe
stswF.
auch klô
(ahd. klâuua, klôa stswF. vgl. AWB 5,225f.).
‘Klaue, Kralle’
ungula, daz spricht clâ BdN
372,17.
157,9;
ungula: cla Gl
3:354,4.
3:439,12
1 (Vorder-)Tatze, Pfote, Pranke bzw. Krallen der (Raub-)Tiere 1.1 allg. 1.2 von Fabelwesen (vgl. auch 2 und 4 ) 1.3 bildl. und im Vergleich 2 Krallen(-Fuß) der (Raub-)Vögel und vogelartiger Fabelwesen 2.1 allg. 2.2 bildl. und im Vergleich 3 verhornte Zehe, Huf der Paarhufer 4 Pranke, Krallen des Teufels und seiner Schergen 5 übertr. 5.1 vom Tag 5.2 vom Verstand
1
(Vorder-)Tatze, Pfote, Pranke bzw. Krallen der (Raub-)Tiere
1.1
allg.:
der leu in mit der klô gevie, / und zart im allez sîn
gewant EnikWchr
12404;
Iw
6690;
nim einen hasen alsô ganzen, daz dar abe niht verschertet
sî, weder hâr noch chlô Barth
149,2;
jn ist daz houbet gescaffen nach den hunden, den die
clawen sint groz vnde crunb Lucid
23,5;
lupus haizt ain wolf [...]. wenn
er auf laub gêt, sô macht er sein klâen naz mit der zungen, daz er iht rausch
BdN
147,13;
cocodrillus haizt ain kutschdrill.
[...] ez hât auch gar scharpf klâen ebd.
233,13;
[die ungeborenen Panther] zerrent die muoter inwendig
mit iren scharpfen klâen ebd.
157,7;
diu salamander ist vierfüezig
[...]. ir
kräwel [Krallen] an den klâwen sint hakot und gar
behend ebd.
277,8;
sô diu fruht [das Bärenjunge]
geporn ist, sô scheint niendert ain glid dar an ân die klâen ebd.
162,25;
Anno
13,5
1.2
von Fabelwesen (vgl. auch 2 und 4):
der wurm sich san vf hup, / durch den schilt er in sluc /
mit siner starken clan Herb
1113;
der dracke zoch den werden / mit den cloen zu der erden
HvNstAp
8426;
BdN
237,28;
GTroj
11752;
Lanc
572,1
u.ö.;
vgl. menschenähnlich gedacht:
scharf alse dorne / wâren sîn [des Fährmanns
Charon] oucbrâwen / unde scharf sîn clâwen / an fûzen unde an
handen En
3064
1.3
bildl. und im Vergleich:
die nagele [der Gralsbotin
Cundrîe]
[...] stüenden als eins lewen klân Parz
314,9;
er [Alexander] hete grimmigen
mût, / alse der zornige bere tût, / sô in di hunde bestân: / swâz er ir mit den
clâwen mach gevân, / dar ane richet er sînen zorn SAlex
2797;
SM:Go
1a: 4,3;
Seuse
40,23
2
Krallen(-Fuß) der (Raub-)Vögel und vogelartiger Fabelwesen
2.1
allg.:
vier adelar [...], / der
ieglicher was des geil, / daz er des lîchnams einen teil / in sîn klô vazte
Ottok
21500;
grifis haizt ain greife. [...]
er hât grôz scharpf klâen oder kræuel BdN
190,6;
arpia ist ain vogel [...]. er
hât gar scharpf klâen ebd.
167,33;
strucio haizt ain strauz [...].
si habent auch gezwiselt klâen an irn füezen ebd.
223,17
u.ö.;
der habch nam in in die claw GTroj
2801.
– als etw. Kleines, Geringes (vgl. auch 3):
der ar der ob dem helm swebt, / der da was geworht
als ob er lebt, / der was zerslagen zehant, / daz man nindert dhein klô vant
EnikWchr
16390.
– unklar (bezogen auf den Hornstachel, Sporn am Lauf bestimmter
Vögel?):
ain iegleich vogel, der an dem pain ain klâen hât [
omne uolatile habens in crure ungulam
] , sam der hân, der ist pœses fluges und krankes
BdN
164,22
2.2
bildl. und im Vergleich:
mich hat in starkem grymme / in sinen clowen ein mechtig
ar Minneb
5073
u.ö.;
wir sîn daz blœde rephuon, / daz ein sperwer mit sîner
craft / in sîne clâwen hât behaft KvWTroj
22760;
LvRegFr
2404;
KvWLd
32,328;
sie het ein nase vil lange. /
[...]; / ir nagel als grifen clan
Rennew
30863;
Daniel
3760;
Wig
6317
3
verhornte Zehe, Huf der Paarhufer:
swas [...] it
truckit [wiederkäut] mit
geklobenir [gespaltener] kla, / das wart in
[zur Nahrung] irloubit da RvEWchr
12866;
nim geizine clan. ich meine daz hurnine daz an geiz vuzen ist
SalArz
28,15;
swinin clawen BvgSp
89.
8;
Solînus spricht, daz die hinden
[Hirschkühe] gepern kälbel, der hüetent si gar
vleizicleichen und verpergent si in die stauden und maisternt si mit den klâen
BdN
130,2;
deu [...] clo des gekruͤmten ohsen
KvMSph
47,14.
– von Christus als Lamm Gottes:
den man noch mâlet für daz lamp, / und ouchz kriuze in
sîne klân, / den erbarme daz tâ wart getân Parz
105,23;
daz agnus dei, / ein kriuz in sîner zeswen klâ Helbl
7,399;
Kröllwitz
1709;
JTit
420,3.
– als etw. Kleines, Geringes (vgl. auch 2.1):
dô sach ich, daz di siben [mageren
Ochsen] zwâr / die veisten [fetten
Ochsen] vrâzen alsô gar, / daz dâ niht beleip ein klô
EnikWchr
5675;
behaldinde ir vie vil gar, / daz nî abquam ein clawe
NvJer
13589;
Exod
2334;
RvEWchr
10397
4
Pranke, Krallen des Teufels und seiner Schergen:
ach herr, wie oft er [der Teufel]
mich gevangen hât, daz mich diu aller
tugentleichst [Maria]
[...] all zeit hât erlœst auz seinen scharpfen klâen
BdN
182,8;
si vischeten mit iren fúrigen klawen, wan si oͮch geiste und
túfel waren Mechth
5: 14,8.
7: 39,23;
Erinn
948
5
übertr.
5.1
vom Tag:
da in die wahter taten kunt /
[...] daz der tag sine cla / hete geslagen durch
die naht Rennew
25280;
sîne klâwen / durch die wolken sint geslagen, / er stîget
ûf mit grôzer kraft; / ich sich in grâwen / tegelîch, als er wil tagen: / den
tac MF:Wolfr
2: 1,1
5.2
vom Verstand:
waz zwei herze wisheit / begrifen mügen mit sinnes klan Frl
7:41G,10
MWB 3,1 295,52; Bearbeiter: Hansen
klâbirboum
stM.
‘Birnbaum’ (hier als Ortsname):
aber II ager zuͦ deme clobirboͮme UrkCorp (WMU)
N150,35
MWB 3,1 297,19; Bearbeiter: Hansen |