Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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k – cadmia
kaf – kalc
calcaire – 2kalle
3kalle – kaltlîchen
kaltnisse – kamerærse
kamerbëlle – kamerselde
kamersidel – kampfer
kampfgenôʒ – kampfwât
kampfwërc – kanonîen
kanonike – kanzelschrîbære
kanzwagen – Cappadociære
kappân – kappûnen
capût (?) – kardenâldiaconus
karele – karra(t)sche
karre – karthiusære
kartur – kæselîn
kæse|lüppe – kasten
kastenære – kathecuminus
kathezizieren – kauerære (?)
kauergerihte – kefse
1kegel – keisertuom
keitivic (?) – kelken
këllære – këlre
këlstëchære – 2kemelîn
kemelînvleisch – kendelîn
kenecte – keppechîn
keppeler – kerkerhaft
kerl – kerrîne
kerschlich – kerzîn
kerzlach – ketenwambîs
kettelinc – keʒʒelære
keʒʒelærinne – kîche
kîchen – kiesærinne
kiesen – kindebet
kindechîn – kindestac
kindestohter – kintbettegemach
kintbetten – Kiperære
Kiper(e) – kirchenbrëchære
kirchenerbe – kirchhërre
kirchhof – kirchtac
kirchtor – kirnen
kirnîn – kitzelen
kitzelîn – kiuwe
kiuwen – klâfterlanc
klâftermâʒe – klagenôt
klagerede – klamben
klamen – klæret
klârheit – klëber
klëbereht – klegerse
klêgrüene – kleinlîche
kleinlîcheit – kleinvüegunge
kleinzëhende – klepfze
kleppisch – klinge
klingelære – klobeholz
klobelouch – klôsterknëht
klôsterlëben – klôsterweide
klôsterwërre – klûde
klüege – klupfen
kluppe – klutterât
klûwen – knëhtelîn
knëhten – kniel (?)
knieleip – knodebôʒe
knödel – knubelen
knugelîn – kobel
kobel – kochman
kochsudel – kôle
kôlegruobe – kolner
kölnisch – komelinc
komen – condewier
condewierde – konkavelite, konkavelit
conplêt – convëntkopf
convëntswester – koraze (?)
körbelîn, körbel, körblî – körnære
kornban – kornmesse
kornmetze – corporâl
corporâlgewæte – kostebæric
kostebærlich – kötze
kotzeht – koufgenôʒ
koufgiric – koufschalc
koufschanze – krachen
kradem – krâme
kræmel – kranc-
krancmüetic – 1krapfe
2krapfe – krëb(e)ʒ
krëbeʒen – krefticheit
krefticlich – kreiʒgengel
kreiʒlingen – kreter
kretscheme – kriechelîn
kriechen – krîgen
krîieren – krippen-
krîsch – kristâbent
kristalle – kristenin
kristenisch – kristiâne
kristier – kriutener
kriuzaltære – kriuzloht
kriuzphenninc – 1krœnen
2krœnen – krotenstein
krotenstutz – krülle
krüllel – krupfei
krüpfen – krûtmezzer
Krûtnowe? – kûchen
kuchenære – küechelmël
küefelære – kugelhuot
kügellîn – kumberlich
kumberlîn – kûmen
kumer – kunde
künde – künftigære
kunftlich – künigeslêhen
künigessilber – künstelîn
künstelôs – kuntmeister
kuntsame – kuosërtærinnesun
kuo|smër – kuppe
1kuppel – kurdewân
kurdewænære – kurpen
kürre – kurtois
kurtoisîe – kurzwîle
kurzwîlen – kuster
kusterîe – kutzelvleisch
kützen – kûze

   kiselstein - kiusche    


kiselstein stM. ‘Stein, Fels’ er [Gott] hat geracket sine hant / an den vil herten kyselsteyn. / groze berge hat er alleyn / gekart alum un umme [Iob 9,5] Hiob 10747. – im Pl. eher kleine Steine, ‘Kiesel’, hier übertr.: si och das dir dise steine [wenn das Herz und der ‘Grund’ versteinern] an din kopf varen, búg dich und huͤt dich das du in nút wider steinest. es sint och kleine kiselsteine Tauler 281,33

MWB 3,1 285,11; Bearbeiterin: Baumgarte

kisgruobe swF. Ort, an dem Kies abgebaut wird, ‘Kiesgrube’ (vgl. kiselgruobe ): dafur hat her ir vorsaczt und vorschriben ein sechczenteil eigener teil czu phant und ein sechczenteil, das sein phant ist von geldes wegen, in dem rechten, als es im hat gestanden an einer kisgruben BgRIglau 472,9

MWB 3,1 285,20; Bearbeiterin: Baumgarte

kislincstein stM. ‘Kieselstein’ sus maich men sy [die unrechtmäßigen Schöffen] up dem sale vain / ind in irs selves vesseren slain. / wir sullen darzo unse helpe geven / ind vur unsen heren setzen unse leven. / zeindusent marck ind ein keselincstein, / die mogen in schaden al ein [in gleicher Weise(?)] HagenChr (G) 2170

MWB 3,1 285,26; Bearbeiterin: Baumgarte

kiste swF. auch kist stF. (z.B. TvKulm , Hiob ). 1 (verschließbares) Behältnis zur Aufbewahrung oder zum Transport von (Wert-)Gegenständen, Kleidung usw. ‘Kiste, Truhe, Kasten’ (vgl. arke 2 , kaste 1 )
1.1 allg.
1.2 als Ort zur Aufbewahrung des persönlichen Besitzes, auch metonymisch für die persönliche Habe bzw. bildl. für das eigene Vermögen (vgl. auch 2 )
1.3 als Kasse zur Aufbewahrung von (öffentlichen, institutionellen) Geldern, metonymisch für die jeweiligen (Geld-)Mittel (vgl. DRW 7,1021 mit Belegen ab dem 15. Jh.)
1.4 als Sarg
1.5 zum Transport gelähmter Menschen
2 bildl. ‘Behälter, Gefäß’
   1 (verschließbares) Behältnis zur Aufbewahrung oder zum Transport von (Wert-)Gegenständen, Kleidung usw. ‘Kiste, Truhe, Kasten’ (vgl. arke 2, kaste 1)    1.1 allg.: diu slôz man ab den kisten brach, / dâ daz guot inne lac Ottok 8575. 29354; dâ sach er kisten wol geladen / bî grôzen schrînen ligen vol RvEBarl 6036; treit aber ein wagen mer chisten danne eine, der git einen phenninch UrkCorp (WMU) 548A,20; si sluzzen ûf die kisten, die ê stuonden wol bespart NibB 1269,4; EnikWchr 3312; Herb 13577    1.2 als Ort zur Aufbewahrung des persönlichen Besitzes, auch metonymisch für die persönliche Habe bzw. bildl. für das eigene Vermögen (vgl. auch 2): getrûwet wir unserm herren wol, / sô würden uns kisten und kasten vol / alles des wir dörften ûf erden Renner 10738. 23392; ez vǘllèt dem rîchen man die schiure und ouch die kiste MF:Sperv 1:18,5; tûsentstunt sol er [Gott] mêr mîn eigen sîn, dan dehein mensche ie dehein dinc gewan, daz er in der kisten hât Eckh 5: 298,8; si [die personifizierte triuwe ] ziuhet ûz der kisten / dâ mite si kan vristen / die armen ebenkristen KvWEngelh 86; so er unlang in diser werlt lebt und die chisten des uͤbeln guͦtes gewinnet vol ze fuͤllen PrOberalt 172,7 u.ö.; UvLFrb 364; Neidh SL 21:6,4    1.3 als Kasse zur Aufbewahrung von (öffentlichen, institutionellen) Geldern, metonymisch für die jeweiligen (Geld-)Mittel (vgl. DRW 7,1021 mit Belegen ab dem 15. Jh.): so sol er einen chnecht an siner stat haben, vnd dem sol man daz brot gebn, daz man im von der chisten [ ex prebenda ] git, so vil vnd ers geezen mac UrkGeisf 434 (13. Jh.?)    1.4 als Sarg: da von gar die kristen / muͤzen in des todes kisten Rennew 17610    1.5 zum Transport gelähmter Menschen: dâ was ein wîp, diu was lam, / daz sie niht wan die zungen ruorte. / in einer kisten man die fuorte / ze dem grabe [von St. Franzikus] unde wart gereht / und an allen liden sleht LvRegFr 4486    2 bildl. ‘Behälter, Gefäß’ alles daz in dem menschen ist, / wi tyf iz in des herzen kist / des menschen lyet begraben Hiob 3858. 12437; diz dutet Jhesum Cristen, / der in der erden kisten [im Grab] / lac tot biz an den dritten tac HeslApk 8402. – i.S.v. ‘Inbegriff’ aller suze suzes kist / beslust der nam Jesu Crist TvKulm 2849; du [Maria] czu mole bist / schöne, reiner tugende kist, / aller libstes vrundel myn ebd. 1254; er [Gott] ist [...] der richen salden kyst Hiob 73. – nur umschreibend: gewalt und arge list, / begraben inder richter kyst, / ist di erste sache durch dy / dy unschuldegen werden hy / gemartert gar unseleclich Hiob 3708; vur mir me / sint kunge gewesen e, / und villichte erger vil, / und ich bin gar sunder spil / in dem nicht vorleschet ist / des kunglichen somen kist, / und vorleschet wirt er in mir HistAE 3652

MWB 3,1 285,33; Bearbeiter: Hansen

kistelîn, kistel stN. Dimin. zu kiste , ‘kleine Kiste, Truhe, Kistchen’ vater mîn, / sage mir, hâst du ein kistelîn? Schlegel 597; du hetest ungerne hinne / daz selbe kistel lâzen stân ebd. 799. 810; cistella: kistilin SummHeinr 1:345,454. cistella: kistilin 2:93,155

MWB 3,1 286,26; Bearbeiter: Hansen

kistenphant stN. als Pfand gegebene Gegenstände (z.B. Schmuck, Kleidung u.ä.), die in einer → kiste verwahrt werden können (vgl. zur Sache 2HRG 2,1842f. sowie DRW 7,1023f. mit vorwiegend mnd. Belegen): wirt einem manne gesatzit kistinpfant oder allirhande varnde habe, di man getriben unde getragen mac StRFreiberg 36,25; [bei unpünktlicher Zahlung] so mogent siͤ de zwo merc zuͦ schaden nemin uffe kistenpant, den schaden sulle wir en ufrichten unde abeduͦn alse wol alse den ziͤns UrkWetzl 1,407 (a. 1323)

MWB 3,1 286,32; Bearbeiter: Hansen

kistenstat stF. Ort, an dem Verkäufer Kisten aufstellen dürfen, um ihre Waren zu lagern (vgl. Anm.z.St.): ez sol auch kain rintschuhster ze strazze mit tischen stan wan an dem fritage; in sinem huse unde uf sime laden unde ze gesatzten kistensteten mag er alle tage stan StRAugsb 45,4

MWB 3,1 286,43; Bearbeiter: Hansen

kisterchen (?) stN. hier custercen, costercen. in einer Ortsbezeichnung; Bed. unklar, Dimin. zu kiste ? (vgl. Glr.z.St. 2,2:311 s.v. custercen): super vetus forum et inter custercen [Überschrift] UrkKölnSchr 2,1:276 (12. Jh.); quod Berwaldus et uxor eius Heilewigis emerunt domum sitam inter costercen ebd. 2,1:277 (13. Jh.) u.ö.

MWB 3,1 286,49; Bearbeiter: Hansen

kitel stM. auch kidel, kittel. ein langes Obergewand (mhd. sicher nur als Kleidungsstück für Frauen belegt, in frnhd. Zeit auch für Männer, vgl. FWB 8,981): doch was wunnenclich ir schin / ir cleit ein sidin kittel / ein gúrtel obe der mittel / bevangen hatte das zarte wip / ich engesach nie schoenre lip MinneR 333 41; an irn fuezen cleine / truog sú zwei schuehelin reine / gebristen an ir beinlin wol / die stundent ir uzer mazen wol / do der kittel hette den bast [Saum] ebd. 65; blôzer nac und gelwer kitel / lockent manigen valschen bitel [Freier, Bewerber] Renner 12577; gelwe kitel und muorsnitze [ein leichtes Kleid] / lâzent manige meide niht sitze, / die mit flîze arbeiten sölten, / ob si ir zuht behalten wölten ebd. 405 u.ö.; teristrum: kitel, kittel [vgl. lat. (Hs. 15. Jh.): est vestis muliebris linea subtilis, tenuis et attrita ] VocOpt 17.101; Elis 906. – repräsentativ verziert: ander edeln brút wart / weder klain noch gross gespart. / uf rokel, kitil, sidin clait / och wurdent raineclich gesprait / wis, rot, blaw berlin clain SHort 6977; versniten gewant, an kiteln bilde / machent manic einveltic herze wilde Renner 12735

MWB 3,1 286,56; Bearbeiter: Hansen

kitelîn stN. Dimin. zu kitel . ‘(kleines) Obergewand’ vil liebiu Katherin, / leg an din hübsches kittelin / und ganc mit mir an eine stat / dar man mich hiut am morgen bat! ArmKonr 260

MWB 3,1 287,15; Bearbeiter: Hansen

kitteren swV. ‘kichern, lachen’ ob sie vor freuden kittert, / wenn mir min hertze zittert, / und ob sie dar umb snewet [schnaubt] , / ob ich mich durch sie frewet? Minneb 2329

MWB 3,1 287,19; Bearbeiter: Hansen

kitzbûch (?) stM. Bed. unklar, wohl ‘Bauch-, Rumpfstück von der jungen Ziege’ (vgl. Beleg StRAugsb unter kitzîn ; Glr.z.St. erwägt dagegen ‘Keule einer jungen Ziege’, vgl. auch Schmeller, BWB 1,196): duͥ [ guͤter ] geltent mitenandren [...] 2 kitzbuͥch, der jetweder(s) 4 Haller wert sin sol, 21 kese [...] und 11 huͤnr UrbHabsb 1:467,7

MWB 3,1 287,23; Bearbeiter: Hansen

kitze stN. auch kizze, chitzi, chuze, kitz; frmhd. auch kitzîn, kizzin (vgl. AWB 5,210 s.v. kizzîn stN.); alem. auch gitzi, giczzi ( VocOpt , vgl. SchweizId 2,577f. s.v. Gitzi). ‘Kitz’ 1 Jungtier der Ziege, ‘Ziegenkitz’
2 Jungtier des Rehs, ‘Rehkitz’
3 im bildl. Vergleich springen als(am) ein ~ ‘(wie ein Tierjunges) umherspringen’ (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 246)
   1 Jungtier der Ziege, ‘Ziegenkitz’ si [Rebekka] hiez in [Jakob] louffen zwei chitzi bestrouffen, / mit michelem flîzze machen sînem vater einen imbîz [vgl. pergens ad gregem, affer mihi duos haedos optimos Gn 27,9] Gen 1126; ein chitze si sluogen [...]. / den Josebes roch dunkten si in daz bluot ebd. 1826. 1134; iz [das Einhorn] ist lutzil tîer. unte ist deme chitzîne gilich [ est hedo simile ] JPhys 3,3; daz der einhurne dem chizze gelich ist. daz bezeichinot unseren haltare ebd. 3,30; unte uuêidene dîne zíkkin [La. kitzin ] bî den héribergon déro hírto Will 14,3; edus [d.i. haedus ] : gitzi, giczzi VocOpt 45.053; hedi: kizzin SummHeinr 1:141,369. 2:57,8; bi den chuzen SalArz 17,1; EvAug 179,4; VMos 23,4. – als Abgabe: der hof der giltet [...] ze osteren ein chize vnd dreizech aier UrkCorp (WMU) N772,15; zwaintzich air und ein chitzz UrkBrixen (R) 259 (a. 1313)    2 Jungtier des Rehs, ‘Rehkitz’ nû sprichet unser gemahele: dîne bruste die sint same diu zwinelîn chitzę der rechgaize [vgl. duo ubera tua sicut duo hinnuli, capreae gemelli Ct 4,5] TrudHL 112,14; gelîch zuain chitzin der rêchgaize ebd. 50,25    3 im bildl. Vergleich springen als(am) ein ~ ‘(wie ein Tierjunges) umherspringen’ (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 246): da det Flordelise war: / si sprang umb in als ain kitz HvNstAp 20261; ein altiu diu begunde springen / hôhe alsam ein kitze enbor Neidh SL 1:1,2

MWB 3,1 287,30; Bearbeiter: Hansen

kitzele F. Jungtier der Ziege, ‘Ziegenkitz’ capella: gitzella [alle späteren Hss. gayslin, gaißlin u.ä.] VocOpt 45.052

MWB 3,1 287,62; Bearbeiter: Hansen

kitzelen, kützelen swV. ahd. kizzilôn, kuzzilôn vgl. AWB 5,209f. ‘kitzeln, reizen’ (hier bildl.): ich forcht mir sy vergiftet / min freudenricher wandel, / [...]. / ir mynnenclicher sußer glast / mich in dem hertzen kitzelt, / daz mir min freude verhutzelt / ist und auch gar verdorret Minneb 2315; daz kützelt den muot KLD:BvH 1: 3,4

MWB 3,1 288,1; Bearbeiter: Hansen

kitzelîn, kitzel stN. Dimin. zu kitze . ‘(Ziegen-)Kitz’ die gaiz [...] derwerfent auch ir kitzlein von schädleicher kelten BdN 127,29; bring von dem vihe ein kitzelin, / so kan ich dem vater din / ein ezzen wol gemachin mite [vgl. Gn 27,9] RvEWchr 5690; hoedus: kiczel GlAnzfKdVz 8:104,478; hedi: kizelin SummHeinr 1:141,369; EnikWchr 4418. – im Vergleich: er scheidet si voneinander. als der hirte svndert di schaf von den chitzlein [ sicut pastor segregat oves ab haedis Mt 25,32] EvAug 64,13. 64,14

MWB 3,1 288,8; Bearbeiter: Hansen

kitzevël stN. ‘Fell eines (Ziegen-)Kitzes’ Rebecca nam das kitzi vel: / swa Jacobe ir sune dú kel / oder die hende waren bar [haarlos] , / die bloͤze dahte si vil gar / und liez ez niender schinin bloz RvEWchr 5720

MWB 3,1 288,19; Bearbeiter: Hansen

kitzîn Adj. ‘vom (Ziegen-)Kitz’ hedinum: chizzin Gl 3:626,50; ez sol auch niemen cheinen chelberbuch noch cheinen lemberbuch noch chein chitzin erschieben [(mit etw.) voll stopfen] wande mit dem netze [Bauchfell, Fettnetz] daz davon chomen ist StRAugsb 200,16

MWB 3,1 288,24; Bearbeiter: Hansen

kitzîn stN. kitze

MWB 3,1 288,30;

kiuchel, küchel stN. ‘Vogeljunges, Küken’ (zu mnd. kü̂ken MNDWB 2,698; frnhd. keuchel neben küchel, vgl. DWB 5,647 und FWB 8,1745): wy dicke wolde ich samen dyne kindere czu glicher wiz alse dy henne sament ere kuͤchele undir ere vlugele EvBerl 6,19; glicherwis recht als der ar, / der di sinen kuchel tut / sen in der brenden sunnen glut TvKulm 3567. – astronom. vom Sternbild der Plejaden (vgl. die Bez. ‘Gluckhenne’ DWB 4,1,5,305; s.a. unter → hüenelîn ): sechs kuechel mit der hennen, / das ist das sibengestirne Hiob 14350

MWB 3,1 288,31; Bearbeiter: Hansen

kiule swF. auch külle. 1 eine einfache Schlag- und Wurfwaffe, ‘Keule, Knüppel’ (vgl. Schultz, Höf. Leben 2,213; s.a. kolbe )
2 Schlagkopf eines Streitkolbens
   1 eine einfache Schlag- und Wurfwaffe, ‘Keule, Knüppel’ (vgl. Schultz, Höf. Leben 2,213; s.a. kolbe ): mit sîner herten kiulen / mahte er starke biulen / den knehten, die dâ liefen HBirne (W) 199; mit swerten und mit kiulen / kam geriuschet manic helt, / der ûf den grâven ûz erwelt / sluoc des mâles unde stach KvWPart 14318; mitt küllen und bartten [Beilen] / begunden sy den zartten / mürden allenthalben GTroj 8001; mit swerten [...] unde mit kuͤlen [ cum gladiis et fustibus Lc 22,52] EvBerl 62,12; mit swerten unde mit kuͤlen [ cum gladiis et lignis Mc 14,43] ebd. 56,24; ein kiule wol beslagen Er 2350; vor die sprengel starke kûlen / sie fûrten Kreuzf 7233; dî [Heiden] ouch in swindin vreidin / wurfin kuilen unde sper / kegn den cristnen abe her NvJer 23692; Macer 17,20; Parz 75,7; Brun 9872. – als Ausrüstung des Hirten: die heirti sal och [dem Hilfeschrei der Vergewaltigten] volgi mit sinir cuilin undi mit siemi crummin stabi· undi sal diz vie lazi ste Mühlh 109,16    2 Schlagkopf eines Streitkolbens: einen kolbn er in der hende truoc, / des kiule grœzer denne ein kruoc Parz 570,6. – übertr. auf die Quaste (?) des Löwen: der lewe bram unde grein / an grozer ungeberde. / er sluc uf die erde / mit sines zagels kulen Vät 27415

MWB 3,1 288,42; Bearbeiter: Hansen

kiuleht (?) Adj. kugeleht

MWB 3,1 289,4;

kiulenslac stM. ‘Schlag mit einer Keule’ der alde munich warf in neder / vnd gap ime einen kulenslak, / daz hee an der erden gelak Zwickauer (DVN) B,309; du hast mich gejagt, gevangen, gebunden und so tief gewundet, das ich niemer wirde gesunt. du hast mir manigen kúlenschlag geben Mechth 1: 3,6. 1: 3,10

MWB 3,1 289,5; Bearbeiter: Hansen

kiuschære stM. jmd., der enthaltsam bzw. keusch lebt: Noe bezeichent di lerere, / bi Daniel sint bezeichent di kuschere Brun 5118

MWB 3,1 289,12; Bearbeiter: Hansen

kiusche, kiusch Adj., Adv. auch kuske, alem. auch künsche, künsch. ‘maßvoll, selbstbeherrscht’, je nach Kontext unter stärkerer Fokussierung auf den Aspekt der (zurückhaltenden) Kontrolliertheit, Besonnenheit oder der Enthaltsamkeit; auch allgemeiner i.S.v. ‘sittlich rein, sittsam, tugendhaft’ 1 allg.
2 spez. bezogen auf Sexualität, ‘sexuell enthaltsam, keusch’
2.1 allg.
2.2 ‘unberührt, jungfräulich’ (von Frauen)
2.3 ‘ohne sexuelles Verlangen bzw. Potenz’ (von Männern)
3 spez. bezogen auf Nahrungsaufnahme, ‘maßvoll, genügsam, asketisch’
   1 allg.: sîne meister lêrten in / zuht und hovelîchen sin, / wol gebâren, kiusche wesen, / mit witzen an den buochen lesen / und reine küneges milte hân RvEBarl 939. 5096; sî ist schœne, sî ist guot, / kiusche, blîde, stæte, / zühte rîch, wîplîch gemuot KLD:UvL 47: 5,6. 54: 7,6; si [die zwölf Fürsten] waren kuske unde reine. / den lip furten si ueile / durch willin der sele Rol 77; kiuschiu wîpheit diu ist wert / des besten lobes, des man gert RvEBarl 11821; daz starke trinken überstreit / sîne kiusche zuht und lêret in zorn Wh 276,13; vnd was diu froͮwe chusche vnd reine vnd marhte vil andæhticliche sant Johannes lere Konr 12,22; der vil künsche tegen GTroj 1512; diu guote, / diu kiusche gemuote ZwBüchl 778; wis stete, milde, kusch, gezogen HeslApk 5909; sagt mir mit kiuschen witzen [ruhig, besonnen] , / wie der zorn sich an gevienc, / dâ von got iwern haz enpfienc Parz 462,4; der werde clâre Anfortas / manlîch bî kiuschem herzen was ebd. 823,24. 26,15; diz treip der kiusche [wohlerzogene, anständige] jungelinc KvWSilv 514; mit kiuschem munde rôsenrôt ebd. 354; dô sprach aber sîn kiuscher wirt [der fromme, asketische Trevrizent] Parz 472,12. 452,15. 493,9; Iw 6466 u.ö.; StatDtOrd 29,16; ironisch: ein wolf mit alsô kiuschen siten / in die schâfes stîge siht / [...], / als dô der marcrâve sach Wh 129,14; subst.: der kúnsche und der plide [Freundliche] RvEWh 514 u.ö.; des kiuschen got [Nom.] geruochet Parz 466,28. 459,22; Frl 1:5,12; personif.: HvNstGZ 249. 1343. ~ mit worten unde mit wërken (u.ä.) ‘in Wort und Tat besonnen, tugendhaft, ohne Falsch’ bis diemüetic unde kiusch / mit werken und mit worten Ottok 700; wis worte und werke kiusche, / mit wârheit âne getiusche! RvEBarl 14839; diu schœne frowe mîn, / diu ist wandels erlân: / sî ist kiusch mit worten und mit werken SM:Had 30: 3,6; vgl. ähnl.: sun, dû solt kiuscher worte sîn / und stætes muotes Winsb 39,1; si sulen haben kiuschiu wort WälGa 389; is enwert nommer ritter guͦt / der nit kuͤsch met werken ist MinneR 481 615    2 spez. bezogen auf Sexualität, ‘sexuell enthaltsam, keusch’    2.1 allg.: er [Moses] hiez si [das Volk Israel] halten kúsche ir lip / und die wile miden ir wip / biz darnach uf den dritten tag RvEWchr 11544; Helyas der weisage, / [...] der lebt cheusche hie nidene: / des wart er ze himele / von den englen gefueret, / durch daz er vnberuͤret / was von allen weiben Wernh A 1429; sein genad und sein guͤt verwandelot also gaches an dem suͤntær allez unrecht, [...] den hurær macht er chæusch PrOberalt 113,25; o quam pulchra est casta generatio cum claritate. ‘owî’, sprach er, ‘wie scone ist div chûsce [unbefleckte] geburt mit der berhtele!’ Spec 96,3; MarlbRh 86,7; UrkCorp (WMU) 2345,35; BdN 491,20 u.ö.; Konr 22,45. – von Tieren: der vogel ist von nâtûr gar rain, käusch und gar mæzig, wan er unkäuscht neur ein stund und niht mêr in ainem ganzen jâr BdN 189,22 u.ö.; der elephant ist [...] kusch und reine Brun 3797    2.2 ‘unberührt, jungfräulich’ (von Frauen): swenne mir der sêlden tac betaget, / daz mir getrûwet würde ein maget, / die ich mînem lîbe / zu vrouwen und zu wîbe / in rechter ê solde hân, / daz ich sie maget wolde lân / und kiusche ein umbe gêndez jâr HvFreibTr 1079. 829; sam ein lieht juncfrouwe in kiuschem magetuome KvWLd 32,365. – häufig von Maria (auch bildl. von auf Maria bezogenen Dingen und Sachverhalten): unser fraw, diu rain käusch magt voller gnâd BdN 271,24. 246,3; ich pünd mich in der maid grüzz, / der rainen chäuschen himelporten KvMSph 4,14; si [Maria] beleip kiusch âne man KvWLd 1,225. wie manigen zaher si gaben ze dem selben male / diniu chiusken ougen, min vil liebiu frouwe AvaLJ 156,7; KvWLd 1,36; HvBurg 534. 552 (vgl.: und hât im [sich] got selber auz dem käuschen holz ain arch gemacht, dâ er sich inn beslôz BdN 338,25)    2.3 ‘ohne sexuelles Verlangen bzw. Potenz’ (von Männern): wer sein [Pfeffer] vil izt, dem entsleuzt er den leip und verzert des menschen sâmen und macht in keusch BdN 374,5; wan etlich sint chüsch di von der mveterleib also geborn sint [ sunt enim eunuchi, qui de matris utero sic nati sunt Mt 19,12] EvAug 45,4. 45,5. 45,6    3 spez. bezogen auf Nahrungsaufnahme, ‘maßvoll, genügsam, asketisch’ an ezzen und an tranke / lâ kiusche dich beschouwen! KvWTroj 15031; bî fremder koste ist si [die personifizierte Gier] gar frêzic, / ûz irem biutel kiusche und mêzic Renner 4586; swie vil er az untz an die zît, / er wart so rehte keusche sit, / daz er minner denne ein kint az StrKD 8,30; RvEBarl 6767; KvWAlex 411. – subst. (phras.?) in der Wendung der kiusche unde der vrâʒ ‘der Genügsame wie der Verfressene, jeder’ in kleiniu goltvaz man nam, / als ieslîcher spîse zam, / salssen, pfeffer, agraz. / dâ het der kiusche und der vrâz / alle gelîche genuoc Parz 238,28; an keinr stat man nie gaz / baz. der kuͤshe und der vraz / heten vil gnuͦg die beide Rennew 32454. – Lit.: W. Haubrichs, Zur Ausstattung des inneren Menschen, in: Innenräume in der Lit. des dt. Ma., Tübingen 2008 , S. 295-308

MWB 3,1 289,15; Bearbeiter: Hansen