gegenblic
stM.
‘Licht, das jmdm. entgegenstrahlt; Widerschein’
ie si schoͤner lúhtet von dem gegenblik der gotheit, ie
si im naher kumt Mechth
1: 22,21
(vgl.
HvNördlBrf
46,48
);
von dem gegenblike gottes in den menschen und in die engele
Mechth
6: 41,1;
da von schinet der here gegenblik von einer ieglichen persone
wider in die hohen majestat, da si usgevlossen hat ebd.
6: 41,9;
der gegenblik gottes und der minnenden sele, der us von in
beiden so wunnenklich blikket ebd.
5: 1,21.
– Pl.:
dise gegenblike schinent und lúhtent von der ewigen gotheit
Mechth
7: 32,17
MWB 2 235,41; Bearbeiter: Tao
gegenbrief
stM.
1
‘Gegenurkunde, Doppel einer Urkunde’
2
‘Revers, Bescheinigung, Quittung’
1
‘Gegenurkunde, Doppel einer Urkunde’
als die gagenbrief sagent, die si darumb inne hand UrkAugsb
1,294
(a. 1332);
darvmb hat [...] vnser [...]
herre byschof Otte [...] vns [...]
zwey hundert malter korns vnd funftzig pfunt haller jerlicher guͤlte
[...] geben vnd bescheiden nach sage der brief, die der
selbe vnser herre [...] mit sim vnd sins capitels jnsigeln
vns dar vber geben haͦt, vnd auch der selbe herre vnd sin stift der selben
brief gegenbrief von vns dar vber inne habent UrkWürzb
41,192
(a. 1345)
2
‘Revers, Bescheinigung, Quittung’
darumb si [...] vmb ieglich schulde sunderlich von
vns gagenbrif nemen sullen, wa vnd wenne sie vns die selben schulde
auzgewunnen [für uns die Schuldentilgung
vorfinanziert] haben. [...] swaz si dar
zuͦ von vns vnd vnserm gotshaus innehaben [...], des
si vns vnd vnser gotshaus mit gagenbrifen, die wir in danne daruͤber geben
haben, oder sust kuͤntlichen beweisen muͤgen UrkHohenz
3,126
(a. 1344);
chlagt ainer hintz dem andern umb gelt, daz im geschaft [mit
Testament vermacht] waer, und ist im ener ân laugen und gicht, er
well im daz guͦt gern geben, daz man im ainen gagenprief geb umb als vil, daz
er und sein erben fuͤrbaz ledich sein StRMünch
324,9
MWB 2 235,53; Bearbeiter: Tao
gegenburgære
stM.
‘Mitbürger’
ein ieclich burgere en sal dicheinen slegeschatz gebin von deme dinge, daz he
koufit wider sinen geginburgere UrkCorp (WMU)
1161AB,26,23
MWB 2 236,15; Bearbeiter: Tao
gegendienest
stM.
‘Dienst, mit dem man einen anderen Dienst erwidert’
dîn dienst ich doch enpfâhen sol / niwan ûf gegendienstes
gelt Parz
304,7
MWB 2 236,19; Bearbeiter: Tao
gegendôn
stM.
‘Widerhall’
busînen braht was dô grôz, / berc und tal dâ gegen dôz / mit gemeinem schalle,
/ heide und velt alle / mit gegendône erclungen UvEtzAlex
6057
MWB 2 236,23; Bearbeiter: Tao
gegene
stF.
auch geine, kagen, keine (
HistAE
3003
).
1
‘Land(strich), Gegend, Gebiet, Region’
2
‘Heimat, Heimatland’ , mit Poss.-Pron. 3
‘Ortschaft’
4
‘Himmelssphäre, -region’
5
‘Gegenwart, Anwesenheit’ , meist mit Präp. ze/vor und Gen.d.P. oder Poss.-Pron.
1
‘Land(strich), Gegend, Gebiet, Region’
ir [der Frösche] wart ein michel
menige / uber alle di gegine VMos
38,14;
nith eine genote [nicht allein]
[...] sint gesezzet uon gote in allen landen uursten der
engele iegelicher gegene. ir scult oͮch uil uerre daz geloͮben, daz
ein iegelich mennesse hât einen goͮten engel ze hoͮte uon gote
Spec
109,27;
Jndia daz lant ist geteilet in vier vnde uerzic gegene
Lucid
21,10.
29,8;
die gegine, da der pfefer inne wesset ebd.
21,17;
Pirrus hat mich gefangen / vnde bracht in dise geine
Herb
18038;
ein [...] man
[...], der waz von einer froͤmder gegin
Seuse
131,31.
– in Verbindung mit lant:
lant vnd geine Herb
6170;
daz lant sich im entseite / daz im ninder wart erkant / wâ diu gegen und
daz lant / an wîte, an lenge ein ende nam RvEGer
1268.
1310;
das obir Lamparten und das nider / und swas ich nu hie
nande / gegine unde lande, / da sint mit einim namin dú lant / vil gar Italia
genant RvEWchr
2627.
– mit Namensnennung:
jn deme lande ist ein gegene, die heizet Dalmatia
Lucid
32,14;
da was ein riche geine: / Ierboin hiez daz lant
Herb
17029;
die edeln Troyre / die quamen vil schire / zv Crichen in
die geine ebd.
2387;
Paris [...] fragtte sinen brüder
mer / was gegny das da wer. / Hector antwurtt züchtenklich: / ‘es ist
ünsers vatters rich, / genemet ist es Troye.’ GTroj
11156;
und gottes rach mitt zorne kam / uff Gamorram und Sodomam. / das waz ain
gegin so genant KvHelmsd
2773.
–
‘Umgebung, Umland’
do si div kint [...] / inrehalb
der purge / gequelten mit arge, / do roumten si die zarge. / si tailten sich in
die gegene Wernh
A 4305;
diz geschach zu Bethlêêm und in alle der gegene di dâ umme was
HvFritzlHl
40,13;
ich reit mit vreuden für die stat / in die gegen RvEGer
3408;
der vorgenanten herren, die in der gegene vnsers closters voͤgete
sint UrkCorp (WMU)
679,22;
StRAugsb
224,31;
Seuse
67,6.
– übertr. für ‘Welt’
do er [
Crist
] trat geswinde / uon dem
himmilschin gesinde / vnde sich geruohte legen / in dis iamerlichen gegen / ze
burgen vnd ze gisil Martina
97,96
2
‘Heimat, Heimatland’, mit Poss.-Pron.:
in aller sîner [Josephs] gegene /
was sîn galter [Altersgenosse] nehein Wernh
3284;
si fuͦren in ir gegene: / got mit sinem segene / braht
sey alle sant / haim wider in ir lant ebd.
A 4071;
daz wir behalden vnse leben, / vnser lant vnde vnser geine
Herb
13495.
15413;
dar nâch eins tags kam er geriten / in sîn gegen mit guoten
siten / und wolt dar inn geruot hân EnikWchr
A II,394
3
‘Ortschaft’
gê wir in di nêhsten gegine [
vicos
] und
stete, ûf daz ich ouch dâ predige EvBeh
Mc 1,38;
reit ich durch spatzieren uß / und kam so fer von minem huß /
und von der gegne do ich sas, / das ich nit wúst wa ich was MinneR66
11
4
‘Himmelssphäre, -region’
darnach ob disen elementen gat ein gar luter gegni an, der
sibin sternen, die da heizint planeten MNat
2,11;
och sprechint etlich meistere daz dise zwelf zeichen also
genant sint darumbe, wan die sternen die in der selbin gegni sint, die sint gestalt
nach den tieren nach den si genant sint ebd.
15,4
5
‘Gegenwart, Anwesenheit’, meist mit Präp. ze/vor und
Gen.d.P. oder Poss.-Pron.:
wir gloͥben daz inallenthalbon si dv gotlichv
geginwurtigi. [...] ze der gegini dir einglon so sing ich
dir. da von svn wir gedenchin wiem [
wie man
]
sol sin ze der gegini dir gotheit vnde der heiligon einglon BrEng
19;
von div alle die sich in elîcheme hirate uon uberhoͮre
behaltent oder [...], die choment alle ze der gagene unser
trûturowen Spec
98,25;
[die Tiere] gebârten dem gelîch, / sam si sînr
[Jesu] gägene fröuten sich WvRh
7465;
sus wurden si [...] von
ir [Mariä] gägen wol / getroestet unde gnâden vol
ebd.
13974.
– in Urkunden:
ze der kagen mins herren abt Wernher vnd der gezivge, di hîe gescriben
stent UrkCorp (WMU)
1406,18;
vor vns vnd vnser edeler lewt kagen ebd.
1474,11
u.ö.
MWB 2 236,27; Bearbeiter: Tao
gegeneinander
Adv.
→
gegen
Präp. und
einander
Pron.
MWB 2 237,42;
gegenen, gagenen
swV.
1
‘jmdm. entgegengehen, -kommen’
2
‘jmdm. begegnen’
1
‘jmdm. entgegengehen, -kommen’
ire vater [Laban] si iz sagete, vil
sciere er ime [Jakob] gagente Gen
1277
2
‘jmdm. begegnen’
ub in sîn bruoder gagente unde si vrâgete / wer si waren
Gen
1518
MWB 2 237,44; Bearbeiter: Tao
gegen gân
V.
‘jmdm. entgegengehen, -kommen’
der hêrre ire gegen gie, vil wole er si enphie
Gen
1030;
gast du mir aber gegen mit bluͤender gerunge der
vliessender minne, so muͦs ich dir gemuͦssen [d.i.
gemuoten
] und mit miner gotlicher nature
beruͤren als min einige kúnginne Mechth
3: 15,12;
man sach im die heren alle gegen gan SalMor
64,3;
Loheng
6393
MWB 2 237,49; Bearbeiter: Tao
gegenge
stN.
‘das Gehen’
sa nu bi dirre zide / di herren lobesamen / in gegenge
quamen [gegangen kamen] , / Elizabeth di here /
[...] stunt uf otmudecliche, / si enphienc si lobeliche
Elis
5854
MWB 2 237,57; Bearbeiter: Tao
gegen gëllen, gegengëllen
stV.
‘entgegenschallen’, mit Dat.-Obj.:
diu vil lieben vogellin / uͦbeten also gelpfen braht, /
[...] daz holz, berck unde tal / in geliche gegen gal
Ainune
87
MWB 2 237,61; Bearbeiter: Tao
gegengëlt
stN.
‘Gegenleistung für einen Dienst, Revanche’
und dô er hin quam rîtin / vor Kungisberg ûf daz velt, / dî brûdir im ein
kegingelt / begondin aldâ wegin NvJer
11788
MWB 2 238,1; Bearbeiter: Tao
gegengestüele
stN.
1
‘Sitzplätze gegenüber dem Hausherrn, Ehrenplätze’
2
‘Sitzplaz auf der gegenüberliegenden Seite’
1
‘Sitzplätze gegenüber dem Hausherrn, Ehrenplätze’
dô teilte ich [...] / daz gestüele als ez gezam.
[...] / daz gegengestüele gab ich sâ / vrîen unde
grâven dâ. / dannoch was ieglîchem bereit / ein sitz nâch sîner werdekeit
RvEGer
3677;
dô reit mit grôzer werdekeit / der künic mit der künigîn / gên dem vil lieben
sweher sîn / für daz gestüele ûf daz velt. / sîn sunderrinc und sîn gezelt / was daz
gegengestüele hie ebd.
5881
2
‘Sitzplaz auf der gegenüberliegenden Seite’
der nam das gegen gestuͤle sa / und saz mit den
Brabanden da RvEWh
14755
MWB 2 238,5; Bearbeiter: Tao
gegenhart
stM. (?)
wohl Komposition mit aus Personennamen herausgelöstem Suffixoid
-hart.
1
‘starker Gegner’
2
‘Gegnerschaft’
1
‘starker Gegner’
ê daz er umbe tuo mich hie, / nôt müezen lîden ritters knie / von maniger
hurteclîchen vart. / er vindet an uns gegenhart UvLFrd
496,24;
ouch wizzent, daz ir gegenhart / ûf der plânîe vindent, /
ist, daz ir niht erwindent / an ritterlicher joste KvWTroj
26900
2
‘Gegnerschaft’
hy ist nu beschriben eben / Job und ouch alle sin leben / daz
[...] er vridelich geruwet saz / und e den er versuchet
wart / von des tuvels kegenhart Hiob
596
MWB 2 238,17; Bearbeiter: Tao
gegen hëllen, gegenhëllen
stV.
‘widerhallen’
ouch wâren in der wîse lût / die vogele, daz berc unt tal / in gelîchem galme
gegen hal KvFuss
1826
MWB 2 238,28; Bearbeiter: Tao
gegenherte
stF.
‘heftige Gegenwehr’
nv ruoch an mir gestillen / dez libis vnd der sele strit, / der
[wohl auf libis bezogen] groz geginherti
git, / wan der lip der zivhit nider / alliz zvo der erde nider Martina
3,22
MWB 2 238,31; Bearbeiter: Tao
gegenhurte
stF.
‘Gegenstoß’
fursten drie [...], / ir gegen hurt gestellet wart in
gelich wegnder tjoste reise JTit
2217,2;
Duringen und die Sahsen buten in da gegen hurt zelone ebd.
2223,4;
in welcher zit si solden schar gen schar mit gegen hurte reichen ebd.
3904,4.
– der bei der hurte durch den Aufprall des Speeres hervorgerufene
Rückstoß:
als eins tjostiures hant, dem der schaft von der gegenhurte slîfet Tit
162,2
MWB 2 238,36; Bearbeiter: Tao
gegenkeit
stF.
(von innertrinitarischer Beziehung) ‘Relation’
ez ist ein daz heizit in deme latine ‘relacio’ und zu dude ein
‘ingeginkeit’ oder ein ‘inlugin’,
[...] di geginkeit [Pl.]
underscheit machin under den personen, ein sint mit gotlicher nature und sin ein mit
sime wesine, hifon ist daz di personen ein sin in deme gotlichin wesine Parad
102,7
MWB 2 238,45; Bearbeiter: Tao
gegenknabe
swM.
‘Mitknecht’
daz der guͦt knab der sinen
genknaben [
conservis
] waitze gab ze
siner zit BrAsb
64
MWB 2 238,53; Bearbeiter: Tao
gegenkouf
stM.
‘Lohn für den geleisteten Dienst’
swer dinet nach ir [Mariä] minnen, / der mac an ir
gewinnen / hoher minnen gegen covf MarHimmelf
1651
MWB 2 238,56; Bearbeiter: Tao
gegenlëder
stN.
Teil des Sattelzeugs, genauere Bed. unklar; ‘Satteltasche’
(vgl. AWB 4,11 und DWB 4,1,2: 2245) oder ‘Steigriemen’?:
so sage ich, daz das panel / von einer matten was gesnitten. / auch was daran
nit vermitten: / die geinledder waren / von wijden vil swaren / vsz eychinen
ruͦten Krone
19924;
das fürgebüege was hubscheit, / [...]. / die
stegereiffe guldin / woren zwei wurmelin; / [...] die
gegenleder woren feste / von syden [...]. / die darmgürtel
[...]
TristMönch
403;
dô satelte er sie [seine Braut (wie ein Pferd)] an
der stunt / und leite irn [= ir den
] zoum in
den munt / und hiez sie diu gegenleder / ze beiden sîten ietweder / vaste haben in
der hant. / ûf saz der wîgant Sibote
435;
ich sage mere von der hut [der Kuh] :
[...] / geiseln, halftern, zaum, / stigleder,
bintriemen, afterreif, / fuͤrbuͤge, taschen man begreif, / gegenleder,
gurt: / ein man deste baz gehurt KgvOdenw
1,151
MWB 2 238,60; Bearbeiter: Tao
gegenleidâte
stF.
wohl Abstraktbildung zu leiden
‘klagen’, zum Suffix -ât(e) vgl. Mhd. Gr. Wortb. § S
56f.
‘Entschuldigung, Vorwand’
so sol inen dir apt gen [geben]
alle di nótdurfte: daz ist dv chappa, dir roch, die soccha
[...], dvr daz, daz ellv geginleidata
[
excusatio
] vmb die notdvrfte werde
hingnomin [beseitigt]
BrEng
55
MWB 2 239,15; Bearbeiter: Tao
gegenlich
Adj.
‘gegenseitig’?:
du [Minnekind] wirdest sicherlich
geborn / von gegenlicher kuͤnste [l. kuͤnfte (:
vernuͤnfte)?] / in dem willen von
vernuͤnste, / also daz der vernunfte list / sicherlich din vater ist. / also
ist auch wille din muͤter Minneb
611
MWB 2 239,22; Bearbeiter: Tao
gegen ligen, gegenligen
stV.
‘belagern’, subst.:
seint dw werlt [Akk.] nicht chan
gepiegen / chuͤnig noch chaiser mit iͤr chriegen / noch aller
fuͤrsten gegen ligen, / wer iͤr dann mag an gesigen, / zwor der hat di
grozzist chraft. / daz ist ein mensch tugenthaft Teichn
201,51
MWB 2 239,27; Bearbeiter: Tao
gegenlîn
stN.
‘Landschaft’
ez lît ouch dâ ein gegenlîn / vil nâhen, mitten an dem Rîn,
/ daz ist diu Wetrey genant EnikWchr
27425
MWB 2 239,33; Bearbeiter: Tao |