gedanken
swV.
wie → danken.
subst. auch ‘Denken’
alsô des lîbes schône die gûte / was, schône ouch an dem mûte /
sie was, volkumenlîchen gar, / al ir gedanken liehtgevar, / lîht besinnet, reiner site
Kreuzf
4988;
Daniel
5629.
4167
MWB 2 203,17; Bearbeiter: Plate
gedecke
stFN.
‘Decke’
1
‘Überwurf für Pferde’
2
‘Bettdecke’
1
‘Überwurf für Pferde’
diu gedecke hiez si machen manegem snellen marc, / ze den sîten enge, ze den
brüsten starc RosengD
145,1;
we vil dha wart gemezzen / svertes ort an scildes ecke, / daz daz pert und daz
gedecke / und dhe varwe, dhe ê truch richen glast, / an dhes heldes arme brast
BraunschwRchr
7998.
8707
2
‘Bettdecke’
das bette da er uff lag und [...]
das gedecke das ob im lag Lanc
607,28
MWB 2 203,22; Bearbeiterin: Herbers
gedemer
stN.
‘Dämmerung, Dunkelheit’
vil gedemer were / in dem [...] kerkere Martina
142,41
MWB 2 203,31; Bearbeiterin: Herbers
gedemlîn
stN.
zu
gadem
.
‘kleiner Raum’
Marîa was [...] in einem gädemlîn alein WvRh
2817.
2831;
daz gedemelin unserre heimliche daz ist beslossen
Seuse
496,4.
–
‘kleiner Verkaufsraum’
ez sol auch nieman heringe verkaufen noch vaile haben vorn an dem marckte an
der straze noch in den gedemlein daselbest NüP
130
MWB 2 203,33; Bearbeiterin: Herbers
gedempfe
stN.
‘Dampf, Rauch’
verursacht von Feuer o.ä.:
do wart an dem selbin zil / hitze und getempfis alse vil
RvEWchr
19267.
4884.
4887.
– ausgehend vom Teufel:
wer her [Christus] nicht unser
kempfe / vor des tuveles gedempfe, / wir enkunden nicht genesen
HeslApk
9550
MWB 2 203,40; Bearbeiterin: Herbers
gedenclich
Adj.
‘nachdenklich, denkend’
umb mynen draum waz ich gedencklich Pilgerf
13852;
er [Elihu] beginnet / von dem ersten
spruche wandern / gedenclich hin uf den andern Hiob
13150;
dis alles ensol nút sin in biltlicher oder allein in
gedenklicher wise, sunder in weselicher, wúrklicher wise Tauler
277,29;
Macc
9018
MWB 2 203,46; Bearbeiterin: Herbers
gedenclîcheit
stF.
‘Denkfähigkeit’
die gescheftlicheit, die gedenklicheit, die groͤsse, die
varwe [Tätigkeit, Denkfähigkeit, Größe, Farbe]
Tauler
257,19
MWB 2 203,53; Bearbeiterin: Herbers
gedencnusse
stF.
‘Gedenken, Erinnerung’
so sol zv ainer gehugenvsse vnd zu ainer gedenchnvsse in dem spittale sein ain
sieche UrkAltenb
118
(a. 1308);
UrkRhStädteb
204
(a. 1349);
UrkCorp (WMU)
2394,30;
denne das sÿ was alain / inirem gebette rain / und inir gedencknussz
KvHelmsd
319;
mit seiner gothait volbringet er uns an allen tugenten, von der handelunge dirr
gâb geit er uns suzze und minnecleiche gedenchnuzze von im MvHeilFr
11;
PrEngelb
195,66
MWB 2 203,57; Bearbeiterin: Herbers
gedene
stN.
zu
denen
swV. ‘dehnen’.
hier für das Hin- und Herwogen des Kampfes:
dâ hîldin einin strît sô hart / kein einandir beide part: / itzunt dise, itzunt
gene / lidin nôt in dem gedene, / sô daz man sî zurucke dranc NvJer
6340.
23026
MWB 2 204,3; Bearbeiterin: Herbers
gedenkelîn
stN.
‘kleiner, kurzer Gedanke’
darumbe denke sêre / zallen zîten mêre, / daz übeliu gedänkelîn / von dîner sêle
fremde sîn LBarl
7583;
unglaub ist grozzer schad. / nuͤr umb ain
gedaͤnkchelein / »wie mag daz und daz gesein« Teichn
564,3339
MWB 2 204,8; Bearbeiterin: Herbers
gedenken
stN.
1
‘das Denken, Überlegen’
2
‘Gedenken, Erinnern, (geistige) Betrachtung’
1
‘das Denken, Überlegen’
vil grim ist sin [Löwe] gedenken
WernhMl
8708.
12868;
din gedencken ist zu male versert / und ist mit dorheit
uberlast Pilgerf
1207;
sô bin ich von gedenken wærlîche ungewert
[unbefriedigt] : / ich wolte genuoc gewinnen mit
schilte und mit swert RosengD
570,3;
in sîme gedenken nam er [Pilatus]
war / wî von den juden bôsen / er in [Christus] mechte
erlôsen JvFrst
6436;
KvHelmsd
3730
2
‘Gedenken, Erinnern, (geistige) Betrachtung’
von sînem süezen gedenken / beginnet sich daz herze lenken / in hôhe gernde
andâht LvRegSyon
1008.
2129;
wan alles ir [Marias] gedenken /
was sich ingot versenken WernhMl
12845.
1119;
ain andæhtig gedenken SHort
70;
und dar zuͦ ruͤft er
[Gott] uns, das wir sinen bilden nach volgen;
[...], nút alleine mit gedenkende und dankende, sunder
mit tugentlichem lebende und gedultigem lidende Tauler
241,2.
13,30
MWB 2 204,14; Bearbeiterin: Herbers
gedenkenheit
stF.
‘Überlegtheit’
[derjenige] ist gar von dorheiter frechikeit / und uber wenig
in gedenckenheit / der durch zorn sich wilt rechen Pilgerf
980
MWB 2 204,33; Bearbeiterin: Herbers
gedenkic
Adj.
‘gedankenvoll, besorgt’
~
sîn:
doch wil ich dir rat / geben daz du spat / und frü seist gedenckig
GrAlex
2605;
mit Gen.d.S.:
swaz mir uz wibez augen gruͦz / erschein ye durch sorgen buͦz, /
dez waz ich nit gedenkig MinneR503
11.
–
~
wërden:
da ich die worte also gehorte, / faste gedenckig und
erschrocken ich wart Pilgerf
4343.
4743
MWB 2 204,37; Bearbeiterin: Herbers
gedenkunge
stF.
1
‘Gedenken, Erinnerung’
2
‘Überlegung, Erwägung, Gedanke’
1
‘Gedenken, Erinnerung’
das vnsir vâtir der seligen gedenkungi, der alte marcgraue Ruͦdolf von
Baden, gap [...] an das clostir zuͦ Bûrj
[...] hundert marke silbers UrkCorp (WMU)
1060,3.
N371,20;
swenne nû diu sêle sich üebet an der enpfâhunge gotes, an der gedenkunge ir
innekeit und an der schouwunge ir vernünftekeit, sô bringet si die minne des willen
in die innekeit der gotheit Eckh(Pf)
214,19;
PrHermet
350
2
‘Überlegung, Erwägung, Gedanke’
Ihesus bekante di gedenckvnge irs [die
Pharisäer] herzen [...] vnd sprach zv in.
waz gedenket ir übel in ivr herzen [
Lc 5,22
]
EvAug
138,14;
aber ein gedenckvnge gink in in si [die
Jünger] . welicher ir der meist were. vnd do Ihesus sach di
gedenkvnge irs herzen. do begreif er ein chint daz sazte er zv sich [
Lc 9,46
]
ebd.
156,5
u.ö.;
gedenchunge [cogitatione] PsWindb
138,20
MWB 2 204,45; Bearbeiterin: Herbers
gedense
stN.
zu
dinsen
stV.
‘Gezerre, Hin- und Herziehen’
da wart groz gereizze, / gedense vnd gezerge Herb
6861;
ir sît ouch lîht ze sêre wunt / uf strîtes gedense
Parz
599,1;
da wart ein solhe gedense, / do im [dem
Wolf] so vil der gense / gehiengen in siner hiute StrKD
48,83;
Ottok
16237;
KgvOdenw
13,74
MWB 2 204,63; Bearbeiterin: Herbers
gederbe
Adj.
vgl.
bíderbe
Adj.
‘tüchtig, pflichtbewusst’
wand er was gederbe, / wart er sîs hêrren erbe Boner
62,85.
–
‘tapfer’
nider pey dem perg / hiez er [Alexander] sich gar
gederb / daz volk slachen nider GrAlex
4648
MWB 2 205,6; Bearbeiterin: Herbers
gederme
stN.
auch gedirm
BdN
32,14
u.ö.
‘Darm(-trakt), Eingeweide, innere Organe’ (meist
unspezifisch):
under der rippe scerme hanget daz gederme Gen
177;
intestinum: geterm VocOpt
1.122;
der lang [Pfeffer] mach daz ezzen
mêr hin ab steigend in den magen und in dem gedärm BdN
373,25.
365,11
u.ö.;
zo nym daz gederme us eyme hunde unde slach im
[dem Pferd] daz in den munt Albrant
3,37;
des andern nachtes traumpt im
[Galahot] das sin buch offgerißsen were und das er all
sin gederm in synem buch sehe ligen Lanc
483,9.
370,32;
von im [Antichrist] wirt begangen /
martel bitter ane zal, / brennen, schinden und qual, / gederme uz zihen
HvNstGZ
5702;
OvBaierl
43,16;
Hiob
6674;
HeslApk
6491.
–
‘Inneres’
wan dv [Johannes] vorgest vor dem
antlütz des herren zv bereiten sin wege. [...] dvrch daz
gederm [
viscera
Lc 1,78
] der barmherzikeit vnsers gotes
EvAug
126,25
MWB 2 205,11; Bearbeiterin: Herbers
gediemüetic
Adj.
‘demütig’
die läiter die auf gericht waz ist vnser lebn̄ in diser welt die
mit gediemütigē hertzen von got wirt auf gerichtet in den hymel BrAlt
7
MWB 2 205,30; Bearbeiterin: Herbers
gediet
stFN.
‘Volk’
dû [Gott] erzeige daz dem gedîte, / daz dû nîne lâzest
ûz dîner gûte / swer sô dir getrûwet JJud
733.
–
‘Schar, Gruppe’
arme gediet [Mäusekinder] , / erkennent ir die
katzen niet? Boner
43,75;
dô kam der affe ungetân / mit sînen kinden ûf den plân. / sîn kint rüemen er
geriet, / und sprach vor aller der gediet [vor allen anderen
Tieren]
ebd.
79,34
u.ö.
MWB 2 205,34; Bearbeiterin: Herbers
gedige
stF.
‘Bitten, Flehen’
erhore got daz gebet min un nieht uersmæhe die gedige min [interl. zu
deprecationem meam
]
PsM
54,2.
27,6
MWB 2 205,42; Bearbeiterin: Herbers
gedigen
Part.-Adj.
zu
dîhen
stV. und
gedîhen
stV.
bezogen auf Gegenstände und Sachen ‘fest, stark’
die schilde wâren sô gedigen Parz
541,15.
335,12;
grôz und gedigen was der schaft Er
794;
ein gedigene swêre lanzen hart / begreif der edele Burchart
Kreuzf
5605.
5630;
Ottok
77728.
– bezogen auf Menschen ‘tüchtig, klug’
guotiu unde gedigeniu mennisken TrudHL
72,2;
Galba, en gedegen man, wart de seste keiser SächsWchr
98,27.
–
‘ausgezehrt’ mit Gen.:
ich armez lant Ôsterrîch, / seht, man iuch [König
Rudolf] des, daz ir vier jâr / ab mir nâmt die iuwern nar. / sîn
bin ich jæmerlîch gedigen Helbl
5,9
MWB 2 205,45; Bearbeiterin: Herbers
1gedigene
stN.
F. nur
UrkCorp (WMU)
3272,44;
vereinzelt sw. flekt. (
ClosChr
122,1
). – Koll. zu
dëgen
.
‘Gefolgschaft’
1
‘(ritterliches) Gefolge, Dienstmannschaft, Ritterschaft’
2
daz himelische
‘die himmlischen Heerscharen, die Engel’
3
‘nichtadlige Einwohnerschaft, Volk’
1
‘(ritterliches) Gefolge, Dienstmannschaft, Ritterschaft’
daz er [Jakob] trût wâre des
chuniges, meister alles sînes gedigenes Gen
2501;
daz herste gedigene, / daz man ze Tungeren vant Serv
1442.
1932;
under al disem gedigene sô ist dehein bote niht sô guoter Kudr
1154,4;
so muͦsz u̍ch dienen dis gedigen, / was hie in dem land ist
Krone
20872.
13635;
die [
hantveste
] ir [der
Stadt] von vnsirm gidigine vnd von keisirn vnd kvnigin gigebin vnd
giuestint warin UrkCorp (WMU)
173,2;
Roth
774.
3772;
NibB
1442,3;
TrudHL
42,27;
JTit
5786,4;
Hawich
17;
Ottok
70743.
–
‘Söhne’
herzog Bernhartes gedigen Ottok
8368.
–
siv [die Tochter
Constantins] luchit vz deme gedigene / so daz gesterne tvͦt
uvndeme himele Roth
71
2
daz himelische
~
‘die himmlischen Heerscharen, die Engel’
daz himelische gedigene / dem chünic Charle hilfe bot Serv
2124;
lob dem himelschen gedigene Konr(Sch)
109,22;
wê dir, armchlîchiu gotes gischaft, / uber die dîn schephære
wirt chlaghaft / allem himelischem gedigene Priesterl
349
3
‘nichtadlige Einwohnerschaft, Volk’
nv was daz romsche gedigen / komen zvo dem tempel gar Martina
223,86;
daz menschelich gedigen [Menschheit]
ebd.
255,75.
–
‘Bürgerschaft’
der rat, die zunftmeister vnd gimeinlich daz gidigen von Basil tuͦn
kunt UrkCorp (WMU)
189,13
u.ö.;
daz gedigene [die Gläubigen, Gemeinde] gegen
dem stuole dranc / vrölich wart der antvanch / gegen dem bischofe milten
Serv
437;
do geschach ein gescholle zwischent den edeln und dem gediegenen
zuͦ Strosburg, und gesigetent die edeln, daz sü des gedigenen 16
erschlugent ClosChr
122,1;
UrkAltenb
135
(a. 1314).
–
‘Gotteshausleute’ (die in Abhängigkeit von einem Kloster oder
einer Kirche Stehenden):
darna sol man dien gestun zem erst rihtun, darna dien frowen, darna dem
gedigun WeistGr
1,311
(a. 1344)
MWB 2 205,58; Bearbeiterin: Herbers
2gedigene
stN.
wohl zu gedîhen stV.
‘Gewohnheit, Rechtstradition’
daz der chvntschaft wol gewizzen ist von altem gedigen her [von
alters her]
UrkCorp (WMU)
2120,24
MWB 2 206,34; Bearbeiterin: Herbers
gedigenheit
stF.
1
‘Vollkommenheit, Reife’
2
‘Tüchtigkeit’
1
‘Vollkommenheit, Reife’
got aine treit die segense, dâ die iungen mitte ze der
gedigenhait gemêt werdent TrudHL
123,8.
125,1.
146,30
2
‘Tüchtigkeit’
daz sol doh mit dimutikeit vn̄ gedigenheit vn̄ uorhten
tvͦn. dem ez der abte gebivtet BrAsb
47.
42
u.ö.;
MWB 2 206,38; Bearbeiterin: Herbers
gedigenicheit
stF.
zu
gedigen
Part.-Adj.
‘Tüchtigkeit’
vnt daz di gebezerit werden di iz da horint. daz tvͦ man mit demvte vnd mit
gedignicheite vnt mit forte BrHoh
47.
42
u.ö.
MWB 2 206,44; Bearbeiterin: Herbers |