Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   gebruoderkint - gebûrenhaʒ    


gebruoderkint stN., Plurale tantum. ‘Kinder von Brüdern’ mit hern Ruͦdolfe vnd hern Anselme, den ritterin von Drachinvels, die gebruder kint sint UrkCorp (WMU) 882,22 u.ö.; ich wene wol das sie geswister kint synt und gebruder kint Lanc 95,33. 362,32

MWB 2 186,8; Bearbeiterin: Herbers

gebruoderlîche Adv. ‘brüderlich’ er [Gott] hât sân bewêrt mê, / daz wir gebruͦder alle sint; / [...] des sule wir triuwen walten / unde vns alle halten / gâr gebruͦderlîche Kröllwitz 185

MWB 2 186,14; Bearbeiterin: Herbers

gebruote stN. ‘bebrütetes Gelege’ [der Vogel] lat ez [sein Jungtier] danne hin widere / undir sin gevidere / in sin heiz gebruote Hochz 839. – ‘Geschwür’ daz swert von dem blüte / und von des eyters gebruͦte / sich glich flucks entzunde Krone 15200

MWB 2 186,18; Bearbeiterin: Herbers

gebrûse stN. ‘das Brausen, Getöse’ brûdir Heinrich, der [...] zwênzig brûdre an sich nam / [...] heimelich und ân gepruis NvJer 19682; und dô sî quâmen bî daz huis / do erhûb sich ein gepruis ebd. 22959

MWB 2 186,24; Bearbeiterin: Herbers

gebrüstet, gebrust Adj. zu brüsten swV. oder brust stF. – ‘mit starker Brust, stark, kräftig gebaut’ sîn ros vil wol gebrüstet KvWEngelh 2856; alsam ein löuwe ist er [Achilles] gebrust / und als ein Hiune wol gelidet KvWTroj 29562; er ist an massen groß und lank, / geprüstet in die weiten, / er hat eins wilden leben gank, / [...] sein herz ist ganzer manheit vol; / auf erd so lebt kein frecher helt Virg(St) 105,8

MWB 2 186,29; Bearbeiterin: Herbers

gëbsen stV. statt gëben ‘geben’ aus Reimgründen (Röll, Studien zum Titurel, S. 41f.)? ez ist hie niht gescheiden di koneminne noch kebse, / wan huͦte wol in beiden stet uf ir verte, und ie dem man hie gebse / der tugend lere JTit 1907

MWB 2 186,38; Bearbeiterin: Herbers

gebû stNM. , gebiuwe stN. mhd. sind die beiden ahd. Bildungen gibû (wa-Stamm) und gibûwi (ja-Stamm; vgl. Etymol.Wb.d.Ahd. 4,220) weitgehend zusammengefallen, sie lassen sich in den flektierten Formen nur in obd. Quellen scheiden, die den Umlaut hinreichend konsequent bezeichnen. – Vgl. → bû stMN. und → bûwen V. 1 zu bûwen ‘siedeln, wohnen’ : ‘Siedlung, Wohnstätte, Wohnung’
2 zu bûwen ‘Landwirtschaft betreiben’ : ‘Bewirtschaftung eines Grundstücks’
3 zu bûwen ‘ein Bauwerk errichten’
3.1 ‘Bau, Errichtung (einer Burg, eines Hauses usw.)’
3.2 ‘Bauwerk, Gebäude, Gebäudeteil’
3.3 ‘Bebauung, Ausstattung mit Gebäuden’
3.4 ‘bauliche Beschaffenheit’
3.5 in verschiedener Weise übertr.
   1 zu bûwen ‘siedeln, wohnen’: ‘Siedlung, Wohnstätte, Wohnung’ nû sage mir [einem schiffbrüchig Gestrandetem] , ob iender hie nâhe gebûwe sîn. / zwâre ih dirz sage: / ez ist an dem vierden tage / daz ih az noh entranc niet Kchr 1727; ez ist hiute der dritte tac / daz ich der werlde verphlac / und allez nâch der wilde gie. / ich enversach mich niht hie / gebiuwes noch liute Greg 2967; nu wisete got den selben man / [...], wer im geherberget was / mit gebuwe [Wohnung] also na. / dit was do Magdalena PassI/II 385,88    2 zu bûwen ‘Landwirtschaft betreiben’: ‘Bewirtschaftung eines Grundstücks’ vn̄ si schvͤlen ez [ daz guͦt ] auch in rechtē gepawe behalten ze veld vn̄ ze akker UrkCorp (WMU) 2110,45; Bedeutung unklar, hierher?: vnd [man soll] auch von dem weingarten an meinem iartag geben ein dienst [...] darnah vnd der weingart vber daz gepauw getragen mach UrkHeil 2,62 (a. 1319)    3 zu bûwen ‘ein Bauwerk errichten’    3.1 ‘Bau, Errichtung (einer Burg, eines Hauses usw.)’ holtz zvͦ howenne [...] jn minen welden zv irme gebuͦwe vffe demme berge zvͦ der burge UrkCorp (WMU) 3200; dô alliz daz was vorbereit, / daz man darf zu gebûwe / einre vestin nûwe NvJer 8829. 4896; daz man dise burc aldar / den hômeistir bûwin sach, / darumme [...], / daz der ungetrûwe / den berc nicht mit gebûwe / begriffe ebd. 7804. – ‘Bautätigkeit’ von ir gebûwe [Klosterstiftungen der Kaiserin] ir hât gehôrt, / wie sie hier unde dort / gotes dienst êrte EbvErf 3205    3.2 ‘Bauwerk, Gebäude, Gebäudeteil’ wirt ein wîb mit rechte von irme manne gescheiden, sie behelt doch ire lîbzucht [...] und ir gebûwe daz dar uffe stêt SSp(W) 3:74. 1:20,2. 2:21,1; ir armut was an in so starc, / daz ir gebû [Klostergebäude] stunt vil kranc PassIII 403,9; nu wil ich disen [Gefangenen] undene in den turm legen und wil den turm lâzen vorbûwen innewendig, und ir sult obene ligen ûf deme gebûwe unde sullet sîn huten HvFritzlHl 237,12.14; ia, sihes du diz gebuwe [ has aedificationes, vom Tempel] nu / so groz, schone vnd wit mit ein, / so wisze, daz vf steine stein / enblibet vnzustoret niht [ Mc 13,2 ] EvStPaul 4656; als ein alt gebûwe nidervellet, als man ez reget Eckh 4:228,44; daz ander pidem ist, daz diu erd schotelt snell [...] dâ von vellt daz gepäw nider BdN 108,15.    3.3 ‘Bebauung, Ausstattung mit Gebäuden’ Merseburc er bûwen hiez; / daz lac gar gevallen nider, / er brâhte ez an sîn êre wider / an gebûwe und an gerête EbvErf 673; an gebûwe und ouch an zierheit ebd. 2225; von der gotes stat / und von irm richen gebuwe HeslApk 22793    3.4 ‘bauliche Beschaffenheit’ vnde hiz legen den fullemvnt [das Fundament] / zv einer mvren nvwe / von starckeme gebuwe Herb 1772    3.5 in verschiedener Weise übertr.: daz gepeu aller diser werlde KvMSph 9,13; sú [die falschen Gottesfreunde] hant iren gebuw uf den stein, der Cristus ist, nút gezimbert, des muͤssent sú von not nieder in den grunt vallen Tauler 49,18; und [Maria] praitt ir genâd herab und helt daz gepäw auf der hailigen christenhait BdN 319,20; [die Eucharistie] sal itenuwe [wiederherstellen] / mit geistlicheme gebuwe / alle tage di cristenheit. [...] daz chumet uns zo rechte, / gefundet in den uesten grunt. / Crist er ist der vullemunt Glaub 1050

MWB 2 186,43; Bearbeiter: Plate

gebucke stN. ‘Hecke, (Dorn)Gestrüpp’ ich sluͦf duͦrg buͦsch. duͦrg hecken ruch / duͦrg hagen inde gebucke / zuͦ lest ich mit gelucke / zuͦ hoiste up dat gebirge quam MinneR477 337; daz wir Runkel suͦlen behalden bit deme gebucke fon deme hayne [...] biz offe die Loene UrkCorp (WMU) N364,33. – Name eines Waldes: so hat min herre funf holzer [...]. der holzer ist eines das gebucke WeistGr 1,670 (a. 1320)

MWB 2 187,52; Bearbeiterin: Herbers

gebüebe stN. Kollektivum zu buobe 3 . ‘Pöbel, Gesindel’ ez ist sin [des Ritters] orden und sin recht, / daz er sich alsus ube, / der poͤvel unt daz gebube / liez anders allez uf in gan HeinzelRitt 202

MWB 2 187,61; Bearbeiterin: Herbers

gebünde stN. ‘Knoten, Fessel’ sliuz uf min eins gebünde Frl 5:116G,19

MWB 2 188,1; Bearbeiterin: Herbers

gebünde F. gebiunde

MWB 2 188,3;

gebündelîn stN. ‘Bündel, Zusammengebundenes’, meist von Pflanzen: nim ein gebundelin der huswrze Ipocr 51; der [Mensch] nem ein gebundelîn des phersichpoumes pleter Barth 158,16. 133,23; mîn uuíne ist mír also êin gebúntelin mýrron. in zuíschon mînen brústen uuónet ér Will 20,1; übertr.: alsô mache dir ein gebündelîn von aller hande bitterkeit dînes herren unde gotes und lâz ez alle zît zwischen dînen brüsten wonen Eckh(Pf) 183,38; TrudHL 24,17; PrGeorg 287,17; EvBerl 126,4

MWB 2 188,4; Bearbeiterin: Herbers

gebunden Part.-Adj. binden stV.

MWB 2 188,15;

gëbunge stF. ‘Geben, Gabe, Schenkung’ daz ist an dem, der sine hant zuͦ der gebunge nit strecken wil Gnadenl 3:O1,140; ûf daz dî gebunge [Schenkung von Land] / in ganzir vestenunge / mochte êweclîch bestân NvJer 1962; [ wir ] geloben [...] wider diz gift und gebunga der vorgenanten schuͦppossen [kleinere Grundstücke] [...] niemer ze tuͦnne UrkBern 5,416 (a. 1324). 5,231 (a. 1321); UrkHohenl 2:476,16 (a. 1339); gâbe des heiligen geistes ist ein wirdelîch gebunge gotis HvFritzlHl 181,35; Parad 70,18; ThvASu 276,5. 274,32

MWB 2 188,16; Bearbeiterin: Herbers

gebunt stN. Pl. auch gebünde ( RvEWchr ). ‘Bündel, Zusammengebundenes’ snellichen in der stunt / bant he czuͦsammen in ein gebunt / satel vnd kopertyre KarlElegast 790; ein ander [Knappe] furt ein gebunt mit starcken spern Lanc 321,26. 312,18; do sach si einen jungeling komen, der brahte ein gebunt wisser bluͦmen, die stroͤwete er niden in dem turne Mechth 2: 4,13 u.ö.; man sol auch zu iedem tuch niht minner nemen dann 8 gepunt garns NüP 95; ein gebunt mirren MarlbRh 44,25; ein gebunt holtzes Pilgerf 11761; ein gebunt stricke ebd. 11701; hundert gebúnde wineber RvEWchr 25304

MWB 2 188,27; Bearbeiterin: Herbers

gebunt F. gebiunde

MWB 2 188,40;

gebünt-, gebündenisse stFN. in schweiz. Quellen in der älteren Sprache nur F. (vgl. SchweizId 4,1368). ‘Vertrag, Abmachung, Bündnis’ och sail eyn deyl sinre geborinre mage sin in dem selven gebuͦntenysse, as de vuͦrgenante man und buͦrchmanne sint UrkSiegen 191 (a. 1348); wir [...] sullen mit briefen vnd mit andern dingen ane vffzug volzien vnd volfüren die eidgenössi vnd die gebündenische AbschEidgen 13 (a. 1323); die wile si mit dien [Herzoge von Österreich] in eiden und in gebuͥntnisse nu sint StRBern 3:127,14

MWB 2 188,41; Bearbeiterin: Herbers

gebuoseme Subst. (Pl.) ‘Verwandte, Zugehörige einer Sippe’ consanguineos, qui gebuseme vulgariter appellantur GrimmRA 1,647 (a. 1282); homines [...] cum eorum progenie quod vulgariter gebusine dicitur UrkMoselQ 96,10 (a. 1288); UrkFrankf 1,350 (a. 1297); brenget schenke Cuͦnrat zu mit me gebosome, daz der gebor [Bauer] hore in den hof zu Fronehouen UrkErbach 24 (a. 1324)

MWB 2 188,52; Bearbeiterin: Herbers

gebur stF. wie bur stF. (nur Pass ). ‘(günstiger) Fahrtwind’ si waren alle wol behut, / die in ir schiffen waren [...]. / sie truc ein wol gliche gebur, / die in ein gute helfe was PassIII 469,60

MWB 2 188,61; Bearbeiterin: Herbers

gebûr stM. , gebûre swM. 1 ‘Nachbar’ (vgl. nâchgebûre )
2 ‘Siedlungs-, Gemeinde-, Dorfgenosse, (Mit-)  Einwohner’
3 ‘Bauer’ mit Bezug auf bäuerliche Arbeit, Bewirtschaftung von Hofstellen, Wohnsitz auf dem Land
4 ‘Bauer’ als Stand
5 ‘Bauer’ (meist abfällig) mit Bezug auf Grobheit (selten positiv: Einfachheit) in Aussehen, Benehmen, Verstand usw.
6 die Figur im Schachspiel
   1 ‘Nachbar’ (vgl. → nâchgebûre ): swâ brinnet mîns gebûres want, / dâ fürhte ich mîner sâ zehant Freid 122,5; SM:Gl 3:10,9; ir bulute, [...] den ewarten scult ir gehorsame sîn unde scult iuch hoͮten, daz ir iweren geburen iht uberert [den Pflug über die Grenze zu eurem Nachbarn führt] Spec 142,5; der man en missetût nicht, ab her sînes gebûres vihe mit sîme în trîbet und des morgens ûz trîbet SSp(W) 3:37,3    2 ‘Siedlungs-, Gemeinde-, Dorfgenosse, (Mit-)  Einwohner’ daz wir bescirmet sin unter dinere [Gottes] herscefte / noch von ime [dem Teufel] abegeleitet werden ire [der 24 Alten] gnozscefte, / die si gerne here nach [im Himmel] ze geburen haben wellent Himmelr 12,19; zv der kirchen lief er vnd [...] lvte die glokgen, [...] daz der schal / qvam in daz dorf vber al, / daz die gebvre alle / qvamen zv dem schalle ReinFu K,1575; swer sîner gebûre gemeine ab eret oder grebet oder zûnet, wirt her vor deme gebûrmeistere dar umbe gerûget oder beclaget, her muͦz dar umbe gewetten drî schillinge SSp(W) 3:86,1; der bûrmeister ist wol gezûg uber den gebûr binnen sîme gerichte ebd. 1:13,2; her Cedar [...] / der was sinen geburen also lip / als undir guten luten ein dip. / her entorste nindert nirgen bliben Brun 9890; zwuschen den juden und den von Babilon / begonnen wart des strites don, [...]. / von deses strites obirleste / so sint getotet gebur [Einheimische] und geste ebd. 10811; die [eine Jungfrau] wart von im [einem zugezogenen Einsiedel] swanger eines kindes vnd sagetez alle irn geburen VitasPatr(P) 49,2. – im Pl. für die Dorfgemeinde, Bauernschaft: daz [...] daz ober teil des selben wazzers des uorgenanten closters und der gebure [sc. ist ] eine gemene almende UrkCorp (WMU) 439,29; ein ager stôzet vf der gebv́re mathe ebd. N141,37; daz er [der Schultheiß] sniden vn̄ lesen erloben sol mit der geboren wille ebd. 679,8    3 ‘Bauer’ mit Bezug auf bäuerliche Arbeit, Bewirtschaftung von Hofstellen, Wohnsitz auf dem Land: dâ wære zwein gebûren / gedroschen mêr denne genuoc Parz 385,16; ze jungest kam er über lanc, / da er einen gebûren vant, / der het einen volen an der hant Eracl 1417. swâ gebûre ein [nûwe] dorf besezzcen von wilder wurzceln, den mac des dorfes herre wol gebn erbezinsrecht SSp(W) 3:79,1; swer guot hât daz er umbe gelt hin lât daz man ez bûwe, wil der den verkêren [verweisen] der ez bûwet [...], sô sol er mit im bûweteidingen [...]. / ist auch daz der gebûre daz guot wil ûfgeben unde von dem herren wil [...] SSpAug 217,1; daz vnser vrowe dv ebtischinne die gibvren, die vfen dien drin hvͦbin sizzent, ir lv́te, daz si die in allem dem rehte [...] lat an dem vorste UrkCorp (WMU) 65,17. ein gebvre vil rechte riche / der saz gemeliche / bi einem dorfe vber ein velt ReinFu K,13; daz lant allez erschrac, / dorf, burg vnde stat / siner sele gutes bat. / [...] beide burgere, / gebure vnde koufman / lizzen sich daz claugen an / vnde daz volc alle Herb 10461; knecht, gebur, koufman ebd. 9859; ist aber, daz di pfant sint eines uzmannes, eines bercmannes oder eines geburis oder wes si sint vonme lande StRFreiberg 37,24    4 ‘Bauer’ als Stand: wirt daz swert dâ zim vunden [Verbot des Waffentragens:] , / man sol in vuoren gebunden / zuo dem kirhzûne: / dâ habe man den gebûren / unt slahe im hût unt hâr abe Kchr 14810; were ich danne ouch immer kneht, / so gebe man mir gebouren reht / und tete minem sun alsam: / daz wurde ein houbthafte scham / beide mir und minen kinden StrKD 4,66; niemal alsô nâhe schirt / so der gebûr, der hêrre wirt Freid 122,12; der herre und der gebûr KvWLd 2,22; ez sol auch kain burger dez andern gebaur nindert anders beclagen denne vor seinem herren also, ob derselbe gebaur auf dez burger guͦt gesezzen ist NüP 134; ainen gebur [...], den hat gephandet [als Pfand übernommen] der von Strubenhat, den selben gebur zvͤ nizene in alleme rehte, als der vorgenante Herter UrkCorp (WMU) 3460,42; wær von geburt der ain gebur, / der tugent und zuht hat, / der trait von reht des adels wat WhvÖst 5922. daz was ein vrîer bûman, / der vil selten ie gewan / dehein grôz ungemach, / daz andern gebûren doch geschach AHeinr 272; die dritten vrîen daz sint die lantsæzen und die gebûren SpdtL 82,9; der gebûre der vrî ist oder ander vrî liute die niht ritter sint, die mugen gegeben ze morgengâbe ir wîben ros unde rinder ebd. 96,12. 163,13; SchwSp 13a; her Vͦlrich, der Gepvre von Rain UrkCorp (WMU) 3072,38    5 ‘Bauer’ (meist abfällig) mit Bezug auf Grobheit (selten positiv: Einfachheit) in Aussehen, Benehmen, Verstand usw.: swie rûch ich ein gebûre sî Iw 3557. 432. 3573; ein starker gebûr gienc dar für: / der was freislîch getân Parz 569,30; an kleidern und an hâre / schuof sich der trügenære / als er ein gebûr wære StrAmis 1330; du bist ein viereggot gebûr, des muost du holz an eime reine houwen SM:UvS 22: 7,6; die ungefüegen gebûre UvEtzAlex 3680; ein ungehúre gebur Seuse 77,12; ein großer gebure ungestalt Pilgerf 5008. dar umb spricht man: knoblauch ist [in seiner Eigenschaft als Gegengift] der gepaurn triakers [Theriak] BdN 384,5. dem gebure ist wol mit missetat - / daz ist in angeborn FvSonnenburg 31,3; daz mich dez úmmer wunder nimt, / swaz den geburen misse zimt, / daz sich dez nit die guͦten schament SHort 4956; recht sol im geschehen als eim groben geburen, der nút geschicket enist zuͦ des kúnges heimlicheit Tauler 157,29; aber gebûr di tun gebûrlîchen HvFritzlHl 31,4. ein sange [Gesang] ane wort, so ir ofte uernomen habet uon den geburen iouh uone den chindelinen, die dennoh dere worte gebiliden neweder nemagen nohne chunnen PsWindb 94,2 (Randgl.); swer des wânde, daz tûsent werlte mit gote genomen iht mê genomen wære dan got aleine, der enbekante got niht noch enweste ein hâr niht, waz got wære, und wære ein gebûre Eckh 2:292,5; die groben ungelerten [...] lúte, die geburen Tauler 215,8; [die Geißler] sint die wâren geleichsnær, die von andern läuten wellent geêrt werden, als ob si kunst und gewalt und hailichait haben, und sint doch rôch, ungelêrt, ungeweiht [...] gepaurn, wan si tuont wider die offenne lêr unsers herren Jesu BdN 218,31. 219,3. niht ein ~ ‘nicht unwissend, ungebildet in Bezug auf etw. (Gen.)’ wær ich der kunst niht ein gebur WhvÖst 5377; der ist der buoche niht ein gebûre Renner 18690. – positiv: die selben [Apostel] alle wâren / gebûre und niht von hôher art RvEBarl 12977; nâch gebûres orden / [...] zwêne gebunden schuohe, ein dicker roc / âne tiurre kost gezoc, / sunder nâch rehter dêmuot siten / wît, lanc genæjet und gesniten [als Pilgerkleidung] UvEtzWh 621. 607; er was ein guot einvaltic man, / von art ein rechter gebûre. / swie ofte im hart und sûre / wart sîn lîpnar mit nôt, / er gap doch guotlîch sîn brôt / ietslîchem, der sîn geruochte / und in mit zühten suochte Schrätel 55; also kam er zuͦ eime einualtigen geburen ElsLA 786,15; HlReg 28,29    6 die Figur im Schachspiel: Xerxes der diz spil ervant, / den ich iu vor oft hân genant, / der hiez den venden snîden[...] nâch eins gebûren forme gar HvBer 3924

MWB 2 189,1; Bearbeiter: Plate

gebürde stF. ‘Last’ diu edel tôt gebürde / in einen sarc geladen wart HvBer 1385. – bezogen auf Amtspflichten: [als] techan süllen sölich erwelt werden den der apt sicherlich müg mit getäilen vn̄ enphelhen sein gebürd [ onera ] BrAlt 21

MWB 2 191,19; Bearbeiterin: Herbers

gebûrdinc stN. ‘Bauerngericht’ hec sunt pene in geburdinc facte UrkSchles 3,151 (a. 1290); non veniens ad geburdinc communis homo dabit sex denarios UrkBresl 254 (a. 1315)

MWB 2 191,24; Bearbeiterin: Herbers

gebûrekîn stN. flämelnder Diminutiv zu gebûr. ‘Bäuerlein’ waz snacket ir gebûrekîn Helmbr 764. 1696

MWB 2 191,28; Bearbeiterin: Herbers

gebûrendiet st. Subst. ‘Stand der Bauern’ dem der fluech ward getan [Noahs Sohn Ham, Gn 9,25 ] , / der den vater versmaecht hiet, / da von sind gepawern diet Teichn 296,66

MWB 2 191,31; Bearbeiterin: Herbers

gebûrenhaʒ stM. ‘Bauernfeind’ (als Spottname für einen Ritter): Brichenfrid, Gebûrenhaz Helbl 13,145

MWB 2 191,35; Bearbeiterin: Herbers