Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   gruntlich - gruntvorschende    


gruntlich Adj., Adv. , -lîchen Adv. 1 ‘im Grunde des Herzens, der Seele, im Innern, innerlich’
2 ‘bis in den Grund des Herzens, der Seele hinein, bis in die Tiefe reichend, ins Innerste gehend’
3 ‘aus dem Grunde des Herzens, der Seele kommend’
4 ‘gründlich, vollständig, gänzlich’
5 ‘bis auf den Grund, bis ins Letzte, genau’
6 ‘grundlegend, wesentlich’
7 ‘ergründbar’
8 ‘bodenlos, tief’ , übertr.
   1 ‘im Grunde des Herzens, der Seele, im Innern, innerlich’ der sich echt gruntlichen zuͦ ime [Gott] innerlichen kerte Tauler 210,7; ich [...] bitte úch das ir lerent gotte innerlichen und luterlichen bichten alle úwer gebresten, und lerent ime úch gruntlichen schuldig geben ebd. 274,23; got versteet hertzen sprach und seelen meinung, eyn gruntlich, innerlich und wesenlich ansprechen Seuse 520,33    2 ‘bis in den Grund des Herzens, der Seele hinein, bis in die Tiefe reichend, ins Innerste gehend’ das die klaren goͤtlichen oͮgen uns als gruntlichen an sehent und durch sehent in unsern grunt Tauler 215,20. 347,31; daz ist so tief und so gruntlichen gevestent in die nature [des Menschen] ebd. 48,13; und dis was ain als gar gemerliche gesicht das es ir als gruntlich ze hertzen gieng das sy fúr die stund nie wolt geslafen Stagel 26,22; wie múgen wir des so gruntlichen uns schamen Tauler 215,23; sin [Christi] heilige menschheit die enwart im nie so gruntlichen lieb ebd. 251,34. – in Verbindung mit (sich) lâzen, übergehend zu 4: wie gruntlichen man sich ze grunde lossen muͦs Tauler 356,31; eime einvaltigen gruntlich uf got sich lossen [subst. Inf.] ebd. 87,9; hie myt synt alle menschen also gefangen und gebunden, das sich nyemant lassen enwil; ime were lichter zehen wercke dann eyn gruntlich lassen Seuse 511,5; Jesu Cristi, des laszen mer und gruntlicher was dan alles das laszen zu samen were, das alle menschen in der zyt sich ye gelieszen ebd. 517,15    3 ‘aus dem Grunde des Herzens, der Seele kommend’ das ist ein war verloucken der mensche sin selbes und ein luter gruntlich blos meinen und minnen got Tauler 48,32; also das er in ime vinde ein gruntlich getrúwelich mitliden mit sinem nechsten ebd. 148,4; luͦg, mit welen gruntlichen súfzen und bitterlichen trehen sú sprechent Seuse 287,18; also süllent wir auch tün, [...] das wir habent grüntliche diemut, götliche mynne, gedult und ander tugent pis in den tod Stagel 121,17    4 ‘gründlich, vollständig, gänzlich’ und sloͤiffest du dich in der worheit nút [wie die sich häutende Schlange] alzuͦmole grúntlich durch disen stein Tauler 95,33; [die Speise] muͦs so gruntlich verderben und verwerden an ime selber e denne es in den magen kumme ebd. 121,16; er sol zuͦ dem ersten abehoͮwen und uzrúten die súben hoͮbtsúnde gruntlichen und weckerlichen ebd. 97,27; tuͦnt oder hant geton einen waren gruntlichen abker von allem dem das got nút luter und blos enist ebd. 138,29; gentzlichen und grúntlichen ebd. 38,13; RvBib 69,23. 87,27    5 ‘bis auf den Grund, bis ins Letzte, genau’ nün west er ir meinung nit grüntlichen Stagel 4,31    6 ‘grundlegend, wesentlich’ und merke, daz alle kreaturen ewklich in gotte sint got und hein da enkeinen gruntlichen underscheit gehebt, denn als gesprochen ist Seuse 331,23    7 ‘ergründbar’ in disem wilden gebirge des úbergoͤtlichen wa ist ein enpfintlichú vorspilendú allen reinen geisten abgrúntlichkeit [...]. und daz ist daz grundlos tiefes abgrúnd allen creaturen und im [sich] selber grúntlich Seuse 189,3    8 ‘bodenlos, tief’, übertr.: gruntlichen [schwer (profunde)] haben sie gesundegit Cranc Os 9,9

MWB 2 978,4; Bearbeiter: Tao

gruntlieplîche Adv. ‘auf sehr liebevolle Weise’ wie gruntlieplich ich [Maria] in mit minen armen [...] umbvieng Seuse 275,13

MWB 2 979,5; Bearbeiter: Bohnert

gruntneigen stN. ‘das Neigen zum grunt 9 ’ (vgl. Wyser, Seelengrund S. 235f.): das gemuͤte [d.h. der menschliche Geist] , der grunt, der hat ein ewig neigen, ein gruntneigen wider in den ursprung Tauler 350,28

MWB 2 979,8; Bearbeiter: Bohnert

gruntnîdic Adj. ‘sehr feindselig, sehr missgünstig’, wortspielend mit grunt ‘Meeresboden’ mine valschen vründe [...] hoffen, daz ich sinken zuo dem grunt beginne: / min heilschif gestozen hat uf ir gruntnidik stein Rumelant 3,61b

MWB 2 979,13; Bearbeiter: Bohnert

gruntrëht stN. 1 ‘Grundzins, Abgabe an den Grundherrn’
2 ‘grundherrliches Recht’ (?)
3 ‘ursprüngliches Recht’
   1 ‘Grundzins, Abgabe an den Grundherrn’ daz man daz vorgenant grvntreht dem chloster hintze den Schotten immer ze seiner zeit vor dienen sol UrkCorp (WMU) 1618,45; daz ich vnd mein erben ze rechtem gruntrechte haben [...] ein satelgadem, [...] da wir [...] von dienen suln zwelif schilling Wienner phenning ze rechtem gruntrechte alle jar [...], als man ander gruntrechte ze Wienne dienet UrkKlostern 1,148 (a. 1315); als gruntrechtes recht ist vnd der stat recht ze Wienn UrkWSchott 240 (a. 1342); weitere Belege s. DRW 4,1207. – auf den abgabepflichtigen Hof übertr.: vnd derselbe hof ist auch gruntrecht von den gaestleichen pruͤdern datz dem Teutschen haus datz der Newenstat UrkHeil 2,204 (a. 1348)    2 ‘grundherrliches Recht’ (?): daz si ir gruntrecht ovf ir vischwaidt mit ganczem gewalt also haben daz niemant vischen oder aericht [Fischfang mittels Reuse (vgl. → arke stswF. 2.4)] haben sol UrkHerzogenb 67 (a. 1318) (anders DRW 4,1209: ‘fundamentales Recht, Privileg’)    3 ‘ursprüngliches Recht’ din wille, herre, himelischer vater, ist daz ewige grvnt reht, von dem allev rehticheit flivzzet [...]. swaz nach disem willen gerihtet ist, daz ist gereht; swaz aber da von gechert ist, daz ist chrvmp vnd schedelich DvAPatern 117

MWB 2 979,18; Bearbeiter: Bohnert

gruntrüerunge stF. 1 ‘Recht auf Strandgut bzw. Loskaufsumme dafür’
2 ‘Berührung des Grundes’ , übertr.
   1 ‘Recht auf Strandgut bzw. Loskaufsumme dafür’ et quia naufragia, que vulgariter gruntroringe dicuntur, a nostris predecessoribus [...] sunt dampnata, per nostram maiestatem regalem ab ipsis ciuibus [...] naufragia de personis seu rebus suis [...] recipi vel exigi [...] inhibemus UrkNiederrh 3,106 (a. 1314)    2 ‘Berührung des Grundes’, übertr.: swelch mensche alsust gebunden wirt mit der gruntruͤrunge [durch die innerste Berührung (Vollmann-Profe)] der kreftigen minne, dem kan ich enkeinen val zuͦ den hoͮbtsúnden vinden, wan dú sele ist gebunden, si muͦs ie minnen Mechth 2: 24,85

MWB 2 979,45; Bearbeiter: Bohnert

gruntruore stF. auch -rüere ( Seuse ). 1 ‘Recht auf Strandgut bzw. Loskaufsumme dafür’
2 ‘Stelle, wo man den Boden berührt’ , übertr.
   1 ‘Recht auf Strandgut bzw. Loskaufsumme dafür’ also swenn ein schef den grunt ruͤret, daz man dann von iedem fuͦder weins dem herren, des diu gruntruͦr ist, nicht mer geben sol, dann zwelf haller UrkFrankf 2,428 (a. 1336); wir wollen, daz nieman von der gruntruͤre, die in unserm lande auf der Isere geschiet, dhain schaden oder beswerde nemen von uns [...], und [ daz ] dazselbe reht, daz billicher unreht haizzet, iemer mere abe si und von dhaim man genomen werde auf der Isere StRMünch 86,26; sub pretextu iuris, quod gruntrure dicitur UrkStVerf 196 (a. 1207); daz wir von keime burgere von Strazburg [...] niemer zol noch gruntruͦre suͤlent genemen uf dem Rine UrkStraßb 2:256,24 (a. 1313); vnd der gruntruͦre sollent si lidig sin gentzliche, wande si vnreht ist UrkCorp (WMU) 2785AB,24,23; UrkNiederrh 2,351 (a. 1270); StRSchlettst 27 (a. 1330); UrkMosel 2:293,1 (a. 1342)    2 ‘Stelle, wo man den Boden berührt’, übertr.: ich merk wol, daz ich bin komen uf die gruntruͤri [den tiefsten Grund] der nehsten einveltikeit, fúr die nieman inbaz mag kommen, der warheit wil fuͤren Seuse 331,11

MWB 2 979,58; Bearbeiter: Bohnert

gruntsant stM. ‘Sandboden’, im Flurnamen hortus qui dicitur Gruntsant: UrkHess 2,168 (a. 1239) (= WeistGr 3,344 )

MWB 2 980,18; Bearbeiter: Bohnert

gruntsê stM. ‘tiefer See’ [Maria ist] der gnâde ein grundelôser sê [La. grunt se ] LobGesMar 21,12

MWB 2 980,21; Bearbeiter: Bohnert

gruntsippic Adj. ‘durch und durch verwandt’ (FrlWB): spiegel sehender kunft / gruntsippic blic [gemeint wohl die Menschwerdung Christi, s.a. Anm. z.St.] Frl 2:1,6

MWB 2 980,23; Bearbeiter: Bohnert

grunt|sopfe swF. vgl. suppe und ûzsupfen; zum o-Vokalismus s. DWB 10,4,1215 unter Supfe. ‘Bodensatz’, hier im Pl. für die Reste im Weinfass: [Servatius] gemerte die lützeln trophen. / do wuochsen die gruntsophen; / ie baz unde baz si erspruzzen Serv 3072

MWB 2 980,27; Bearbeiter: Bohnert

gruntstein stM. Stein im Fundament, ‘Grundstein’, auch für das Fundament selbst, eigentl. und übertr.: ich [...] wil nicht nemin von dir [der zerstörten Stadt Babylon] noch gruntsteine noch ecsteyne [ lapidem in angulum et lapidem in fundamenta ] , spricht der herre Cranc Jer 51,26; so ist dw chausch ein grunt stain / aller guten werch Teichn 218,13

MWB 2 980,33; Bearbeiter: Bohnert

grunttœrin stF. ‘Erztörin’ di anderen vrowen hetten si wuͦr eine gruntdorin HlReg 60,28

MWB 2 980,41; Bearbeiter: Bohnert

grunttôt Adj. in geistl. Sinne, ‘bis auf den Grund tot’ (vgl. grunt stM. 9): man sol grunttôt sîn, daz uns berüere weder liep noch leit Eckh 1:135,4; sant Gregorius sprichet, daz gotes nieman enmüge vil hân, wan der grunttôt ist dirre werlt ebd. 1:128,11

MWB 2 980,43; Bearbeiter: Bohnert

gruntübele Adv. 1 ‘sehr bösartig’ oder ‘sehr schlimm’
2 ‘sehr, in hohem Maße’
   1 ‘sehr bösartig’ oder ‘sehr schlimm’ sô sleht sî mir slege vil / ûf hende und ûf die knübele / sô reht gruntübele BFrau 150    2 ‘sehr, in hohem Maße’ ach herceliep mins, wie erbarmet mich dis so gruͦnt uebele! MerswNF 67,9. 95,14. 100,28. – hierher? das ich [...] minen lichomen [...] also gar zuͦ grunt uebele hassende wart MerswVierJ 8,7 (oder ze grunt ‘ganz und gar’, vgl. grunt 9.1)

MWB 2 980,48; Bearbeiter: Bohnert

gruntvestære stM. ‘Gründer, Erbauer’ fundator: gruntuestare PsWindb 83,Oratio

MWB 2 980,57; Bearbeiter: Bohnert

gruntveste Adj. ‘fest im Grund, Boden; fest hinsichtlich des Fundaments’; bildl.: der kiuschekeite same / gewurzelt het in diner jugent / mit also gruntvester tugent KvWGS 1220; viell. hierher, präd.: mitten in sîme herzen lac / gruntveste der sorgen fundamint Wh 162,27 (oder zu gruntveste stF.). – übertr.: âne gruntvesten sin vil manger sprichet schône KLD:Namenlos h 18,9

MWB 2 980,59; Bearbeiter: Bohnert

gruntveste stF. auch swF. ( PrBerth 1:44,29. 2:63,12; Renner 13369; MarcoPolo 13,3.13; Cranc Jes 24,18 u.ö.). 1 ‘Fundament (eines Bauwerks), tragender Untergrund’
1.1 allg.
1.2 besondere Verbverbindungen
1.3 Basis einer Säule
1.4 tragender Untergrund der Erde
1.5 Erdboden, Festland
1.6 bildl. und übertr., ‘Fundament, Grundlage, Basis’
1.6.1 allg.
1.6.2 von Personen
1.6.3 Einzelnes.
2 ‘Ursprung, Ursache’
3 ‘Inbegriff’
4 wohl ‘Besitzwechselurkunde’ (vgl. gruntvestene 3 )
   1 ‘Fundament (eines Bauwerks), tragender Untergrund’    1.1 allg.: swer ein hûs ûf eine guote gruntveste bûwet PrBerth 2:19,24; disev gruͦft vellet schir. / darumbe erz niht lazen sol, / ern mache die gruntveste vester wol Albert 539; die Romær [...] zefuͤrten diu stat, daz der gruntvest ein stein ob dem andern nicht beleib PrOberalt 144,36; Spec 124,18; Serv 1804; EvBeh Lc 6,49. – sprichw.: ist diu gruntveste guot, / so ist daz oberwerc wol behuot / daz ez niht mac gevallen StrKarl 1651; seltten ain schbere [schwere] maur / wyrt auf posser [schwacher] grundtfest alt Teichn 728,43; WälGa 3201. 3742. 12024    1.2 besondere Verbverbindungen: die gruntveste er [...] ûz der erde brach Kchr 7269; daz dâ würde erhaben / ein tiefiu gruntveste wît KvWSilv 1983; er [...] gebôt / diu betehûs [...] / niderbrechen unde graben / die gruntveste ûz der erde RvEBarl 13513; Kchr 1091; dô wart diu gruntfest gegraben [die Grube für das Fundament ausgehoben] EnikFb 107; swer ainen turn wurchęt der sol eine gruntuestę legen fierekke, dar ûf wurchet er TrudHL 49,10; do wart dú grunt veste geleit / uf den allir besten grunt RvEWchr 32630; EvAug 143,14. sô mag daz schef weder für sich noch hinder sich, reht als ob ez dâ gruntvest hab und dâ gewurzelt sei BdN 251,11    1.3 Basis einer Säule: undir der sul lak eyn grozer mermel steyn czu eyner grunt vestin des pfilers MarcoPolo 13,3.13    1.4 tragender Untergrund der Erde: sage mir [...]: / der erden gruntveste, / warûf er [ got ] die habe geleit LBarl 3115; dirre werlde gruntveste Aneg 97; PsWindb 81,5; Hiob 14103    1.5 Erdboden, Festland: [Gott] sprach: nû werde sunder / wazzer von der erde, daz si trukchen werde. / diu gruntfeste sî gescaffet Gen 58; wohl hierher: die grunt feste der erden / mag niemer reine werden / biz daz dez sunders [d.h. des Teufels] gestank / kumpt in der helle betwang HvNstGZ 7308    1.6 bildl. und übertr., ‘Fundament, Grundlage, Basis’    1.6.1 allg.: [der Apostel] bredege leite alrerst gruntueste an der heiligen christenheit Spec 124,19; ufe dir [Petrus] di gruntfeste / der cristenheit wart geleget Litan 573; swaz dû gehœret hâst von mir / und ouch gelernet, daz sî dir / [...] dîn gruntveste; / dâ soltu zimbern ûfe mê LBarl 7538. 2885. 7448; elliu dinc er [Gott] ervüllet [...]: / er ist ir gruntveste und ir dach Aneg 2212; sîn [des von übelm wîbe geplagten Ehemannes] riuwe ist aller riuwen dach, / sîn riuwe ist aller riuwen / gruntveste BFrau 130; dú wurtze aller guͦter werche hat in dem hertzen ain gruntvesti PrGeorg 261,21; AvaLJ 77,4; Albert 371; WälGa 12023; HeslApk 8457    1.6.2 von Personen: die diemuͦtigen [...] sint gruntueste allir slahte tugende TrudHL 92,20; [Christus] ist ain gruntveste / aller guoten dinge Kchr 8187; sant Peter was [...] ain gruntvest des hailigen rœmischen stuols BdN 217,4 (vgl. Mt 16,18); [Friedrich II. ist] rœmischer êren gruntveste unde grunt RvZw 136,3; gruntveste [Garant, Bewahrer] kristenlicher e, / [...] daz ist der herzoge Otte in Peierlande FvSonnenburg 51,3; gruntveste der christenheit [Petrus] / antwurte im Kchr 2465; Rol 1254; StrKarl 1849    1.6.3 Einzelnes. – stützendes Gerüst eines Körperteils: under allen tiern habent pfärt und rinder und hirz kruspelleicheu pain [Knorpel] in irn herzen, [...] daz sich ir herz dester paz enthalten müg, reht als die kruspeln in andern glidern ain gruntvest sint BdN 137,4. 130,25. – scherzhaft für den Hosenboden? da er tantzet aller best, / do zerprast im die grundtvest, / das im hieng die menschaitt / für den rock wol also braytt Teichn 717,30. – Hauptteil eines Buches: nu lasse wir die rede stan / und heben die abentewr an: / es ist auch noch das peste / und deß puches grund feste; / was untzher ist gelesen, / das ist ain vor red gewesen HvNstAp 2302    2 ‘Ursprung, Ursache’ unmæzzige erge / ist gruntveste aller ubele VRechte 320; der siben liste meisterschaft, / an den aller witze kraft [...] / gruntveste und urhap hât RvEAlex 2164; Krone 16489; RvEBarl 10625; Freid 91,3    3 ‘Inbegriff’ ich muoz jehen daz dîn list / ein gruntveste aller wîsheit ist RvEAlex 1998; (wohl hierher:) des lag er dar jnne [im Hundezwinger zur Bestrafung] / vnerloset so lang [...], / bisz jne Gawein zuͦ lest / usz der schanden gruntfeste / loszte Krone 19473; den [König Salomon] got [...] hat irchorn / ze grunt veste allir wisheit RvEWchr 28999; dû Cristes muoter [...], / dû gruntvest stæter triuwen RvZw 21,6; Roth 4206    4 wohl ‘Besitzwechselurkunde’ (vgl. gruntvestene 3): item das die offen schreiber von einer gewer oder gruntfest, wie gros sy sindt, sol ainer vber xii den. nicht nemen StatTrient 134 (viell. Übers. von lat. terminus, vgl. DRW 4,1184f.); übertr.: [Christus] chaufte vns also tevre / von dem hellefevre / [...] / mit sin selbes leibe. / [...] sin aygen pluͦt schraib den brief, / vnser gruntfeste Wernh A 4579

MWB 2 981,3; Bearbeiter: Bohnert

gruntvesten, -vestenen swV. Part. Prät. auch gruntvestet. 1 ‘etw. auf etw. als sein Fundament setzen’
1.1 eigentl.
1.2 übertr.;
2 ‘etw. fundamentieren, mit einem festen Untergrund versehen’
3 ‘ein Fundament für ein Gebäude (Akk.) legen’
   1 ‘etw. auf etw. als sein Fundament setzen’    1.1 eigentl.: [die Winde] sturminetin an daz hus, vnd iz en viel nit, wande iz was gegruntfestenit vfe den stein [Mt 7,25] BrHoh Prolog; BrMün Prolog; EvBeh Mt 7,25. Lc 6,48; wande er selbe [Gott] uber dei mere gegruntfeste [ fundavit ] inen [den Erdkreis] PsWindb 23,2    1.2 übertr.; in etw.: in got gewurtzelt und gruntfestet werden in der minen unsers heren HvNördlBrf 36,3; wore goͤtteliche minne [...] het got gepflantzet und gewurtzelt in die nature [des Menschen] . [...] die minne die ist gegruntfestent in den menschen Tauler 323,3. mit etw.: [Maria] ist ain mûre [...] diu dâ gegruntuestit ist mit der hailigen diemuͦte TrudHL 140,1. – auf (ûf/  ze) etw.: driu dinc dar ûf allez geistlichez leben gruntvestet ist, daz ist kiusche und armuot und gehôrsam PrBerth 2:260,22; alliu dinc ûf dich [Christus] gegruntvestet sint DvASchr 366,15; uf den [Gott] enhant sú nit gebuwen, gegruntvestent noch nút geahtet Tauler 392,6; PrOberalt 136,26; PrBerthKl 3,102; BdN 458,30; lûter vor allem meine / was ze gote sîn gedanc / gegruntvestet âne wanc LvRegFr 3671    2 ‘etw. fundamentieren, mit einem festen Untergrund versehen’ den vmbekreiz dez ertriches [...] hest du gegruntuestet PsAlem 88,12; PsWindb 88,12; PsTr 77,75. 88,12. – übertr.: rechte also kummet der vigent [...] úber den kleinen krancken menschen der nút wol gegruntvestent ist; so vellet er zuͦhant darnider Tauler 324,5; Cranc Aba 1,12    3 ‘ein Fundament für ein Gebäude (Akk.) legen’ Zorobabels hende haben gegruntvestent diz hus und sine hende werden iz ouch vollenbrengen Cranc Zach 4,9. Jer 30,18

MWB 2 982,40; Bearbeiter: Bohnert

gruntvestene stF. 1 ‘Fundament’ eines Bauwerks
2 übertr.;
3 rechtsspr., ‘Beweis(mittel, -grund)’ (vgl. gruntvestigunge ; s.a. gruntveste stF. 4 )
   1 ‘Fundament’ eines Bauwerks: her ist glîch einem menschin der ein hûs buͦwit [...] und sîne gruntvestene gelegit hât ûf einen stein EvBeh Lc 6,48. Lc 14,29    2 übertr.; ‘Grundlage, Basis’ di minne ist ein gruntvestene aller geistlicher lebene HlReg 59,21; StatDtOrd 75,25. 29,7. – ‘Ursache’ diz ist noch ein wurzele und ein gruntfestene alles kriges zwischen den bêbisten und den keisern HvFritzlHl 44,1    3 rechtsspr., ‘Beweis(mittel, -grund)’ (vgl. gruntvestigunge; s.a. gruntveste stF. 4): argumentum: vorczeychunge, beweysunge, gruntvestene, vrkunde VocBirl 53,13

MWB 2 983,11; Bearbeiter: Bohnert

gruntvestigen swV. ‘festen Halt im Grund / am Boden geben’, übertr.: das du [...] in deins liebs [...] minen gewurtzelt und gegrundfestiget werdist HvNördlBrf 29,8

MWB 2 983,23; Bearbeiter: Bohnert

gruntvestigunge stF. 1 ‘Fundament, feste Grundlage (für etw.)’ , übertr.
2 rechtsspr., ‘Beweis(mittel, -grund)’ (vgl. gruntvestene 3 )
   1 ‘Fundament, feste Grundlage (für etw.)’, übertr.: [Gott zur Seele:] du bist ein gruntvestigung meins gotlichen fluszes HvNördlBrf 48,20    2 rechtsspr., ‘Beweis(mittel, -grund)’ (vgl. gruntvestene 3): argumentum: [...] bewysunge, gruntvestegunge [Hs. verschrieben gruntvesteugunge ] , orkunde DWB 4,1,6,809 (Prager dtsche stud. 8,447b)

MWB 2 983,27; Bearbeiter: Bohnert

gruntvestunge stF. ‘Fundament, feste Grundlage (für etw.)’, übertr.: [Gott zur Seele:] du bist ein gruntvestunge mines goͤtlichen flusses Mechth 5: 7,2

MWB 2 983,35; Bearbeiter: Bohnert

gruntvîant stM. ‘Erzfeind’ do Lucifer disú mere [von Jesu Geburt] vernam, do sas der gruntvient und gram mit sinen zenen Mechth 5: 23,94

MWB 2 983,39; Bearbeiter: Bohnert

gruntvorschende Part.-Adj. ‘gründlich forschend, untersuchend’ scrupulosus: gruntforsgenter SummHeinr 2:489,01.55

MWB 2 983,42; Bearbeiter: Bohnert