gruntlich
Adj., Adv. , -lîchen
Adv.
1
‘im Grunde des Herzens, der Seele, im Innern, innerlich’
2
‘bis in den Grund des Herzens, der Seele hinein, bis in die Tiefe
reichend, ins Innerste gehend’
3
‘aus dem Grunde des Herzens, der Seele kommend’
4
‘gründlich, vollständig, gänzlich’
5
‘bis auf den Grund, bis ins Letzte, genau’
6
‘grundlegend, wesentlich’
7
‘ergründbar’
8
‘bodenlos, tief’ , übertr.
1
‘im Grunde des Herzens, der Seele, im Innern, innerlich’
der sich echt gruntlichen zuͦ ime
[Gott] innerlichen kerte Tauler
210,7;
ich [...] bitte úch das ir
lerent gotte innerlichen und luterlichen bichten alle úwer gebresten, und
lerent ime úch gruntlichen schuldig geben ebd.
274,23;
got versteet hertzen sprach und seelen meinung, eyn
gruntlich, innerlich und wesenlich ansprechen Seuse
520,33
2
‘bis in den Grund des Herzens, der Seele hinein, bis in die Tiefe
reichend, ins Innerste gehend’
das die klaren goͤtlichen oͮgen uns als
gruntlichen an sehent und durch sehent in unsern grunt Tauler
215,20.
347,31;
daz ist so tief und so gruntlichen gevestent in die
nature [des Menschen]
ebd.
48,13;
und dis was ain als gar gemerliche gesicht das es ir als gruntlich ze hertzen
gieng das sy fúr die stund nie wolt geslafen Stagel
26,22;
wie múgen wir des so gruntlichen uns schamen
Tauler
215,23;
sin [Christi] heilige menschheit
die enwart im nie so gruntlichen lieb ebd.
251,34.
– in Verbindung mit (sich) lâzen, übergehend zu
4:
wie gruntlichen man sich ze grunde lossen muͦs
Tauler
356,31;
eime einvaltigen gruntlich uf got sich
lossen [subst. Inf.]
ebd.
87,9;
hie myt synt alle menschen also gefangen und gebunden,
das sich nyemant lassen enwil; ime were lichter zehen wercke dann eyn gruntlich
lassen Seuse
511,5;
Jesu Cristi, des laszen mer und gruntlicher was dan
alles das laszen zu samen were, das alle menschen in der zyt sich ye gelieszen
ebd.
517,15
3
‘aus dem Grunde des Herzens, der Seele kommend’
das ist ein war verloucken der mensche sin selbes und ein
luter gruntlich blos meinen und minnen got Tauler
48,32;
also das er in ime vinde ein gruntlich getrúwelich
mitliden mit sinem nechsten ebd.
148,4;
luͦg, mit welen gruntlichen súfzen und
bitterlichen trehen sú sprechent Seuse
287,18;
also süllent wir auch tün, [...] das wir habent
grüntliche diemut, götliche mynne, gedult und ander tugent pis in den tod
Stagel
121,17
4
‘gründlich, vollständig, gänzlich’
und sloͤiffest du dich in der worheit nút
[wie die sich häutende Schlange] alzuͦmole
grúntlich durch disen stein Tauler
95,33;
[die Speise] muͦs so gruntlich verderben und
verwerden an ime selber e denne es in den magen kumme ebd.
121,16;
er sol zuͦ dem ersten abehoͮwen und
uzrúten die súben hoͮbtsúnde gruntlichen und
weckerlichen ebd.
97,27;
tuͦnt oder hant geton einen waren gruntlichen abker
von allem dem das got nút luter und blos enist ebd.
138,29;
gentzlichen und grúntlichen ebd.
38,13;
RvBib
69,23.
87,27
5
‘bis auf den Grund, bis ins Letzte, genau’
nün west er ir meinung nit grüntlichen Stagel
4,31
6
‘grundlegend, wesentlich’
und merke, daz alle kreaturen ewklich in gotte sint got und
hein da enkeinen gruntlichen underscheit gehebt, denn als gesprochen ist
Seuse
331,23
7
‘ergründbar’
in disem wilden gebirge des úbergoͤtlichen wa
ist ein enpfintlichú vorspilendú allen reinen geisten
abgrúntlichkeit [...]. und daz ist daz grundlos
tiefes abgrúnd allen creaturen und im [sich]
selber grúntlich Seuse
189,3
8
‘bodenlos, tief’, übertr.:
gruntlichen [schwer
(profunde)] haben sie gesundegit Cranc
Os 9,9
MWB 2 978,4; Bearbeiter: Tao
gruntlieplîche
Adv.
‘auf sehr liebevolle Weise’
wie gruntlieplich ich [Maria] in
mit minen armen [...] umbvieng Seuse
275,13
MWB 2 979,5; Bearbeiter: Bohnert
gruntneigen
stN.
‘das Neigen zum grunt
9
’ (vgl. Wyser, Seelengrund S. 235f.):
das gemuͤte [d.h. der menschliche
Geist] , der grunt, der hat ein ewig neigen, ein gruntneigen wider
in den ursprung Tauler
350,28
MWB 2 979,8; Bearbeiter: Bohnert
gruntnîdic
Adj.
‘sehr feindselig, sehr missgünstig’, wortspielend mit grunt
‘Meeresboden’
mine valschen vründe [...] hoffen, daz ich sinken zuo
dem grunt beginne: / min heilschif gestozen hat uf ir gruntnidik stein
Rumelant
3,61b
MWB 2 979,13; Bearbeiter: Bohnert
gruntrëht
stN.
1
‘Grundzins, Abgabe an den Grundherrn’
2
‘grundherrliches Recht’ (?) 3
‘ursprüngliches Recht’
1
‘Grundzins, Abgabe an den Grundherrn’
daz man daz vorgenant grvntreht dem chloster hintze den Schotten immer ze
seiner zeit vor dienen sol UrkCorp (WMU)
1618,45;
daz ich vnd mein erben ze rechtem gruntrechte haben
[...] ein satelgadem, [...] da
wir [...] von dienen suln zwelif schilling Wienner phenning
ze rechtem gruntrechte alle jar [...], als man ander
gruntrechte ze Wienne dienet UrkKlostern
1,148
(a. 1315);
als gruntrechtes recht ist vnd der stat recht ze Wienn UrkWSchott
240
(a. 1342);
weitere Belege s. DRW 4,1207.
– auf den abgabepflichtigen Hof übertr.:
vnd derselbe hof ist auch gruntrecht von den gaestleichen pruͤdern
datz dem Teutschen haus datz der Newenstat UrkHeil
2,204
(a. 1348)
2
‘grundherrliches Recht’ (?):
daz si ir gruntrecht ovf ir vischwaidt mit ganczem gewalt also haben daz
niemant vischen oder aericht [Fischfang mittels Reuse (vgl. →
arke stswF. 2.4)] haben sol
UrkHerzogenb
67
(a. 1318)
(anders DRW 4,1209: ‘fundamentales Recht, Privileg’)
3
‘ursprüngliches Recht’
din wille, herre, himelischer vater, ist daz ewige grvnt reht,
von dem allev rehticheit flivzzet [...]. swaz nach disem
willen gerihtet ist, daz ist gereht; swaz aber da von gechert ist, daz ist chrvmp
vnd schedelich DvAPatern
117
MWB 2 979,18; Bearbeiter: Bohnert
gruntrüerunge
stF.
1
‘Recht auf Strandgut bzw. Loskaufsumme dafür’
2
‘Berührung des Grundes’ , übertr.
1
‘Recht auf Strandgut bzw. Loskaufsumme dafür’
et quia naufragia, que vulgariter gruntroringe dicuntur, a nostris
predecessoribus [...] sunt dampnata, per nostram maiestatem
regalem ab ipsis ciuibus [...] naufragia de personis seu
rebus suis [...] recipi vel exigi
[...] inhibemus UrkNiederrh
3,106
(a. 1314)
2
‘Berührung des Grundes’, übertr.:
swelch mensche alsust gebunden wirt mit der
gruntruͤrunge [durch die innerste Berührung
(Vollmann-Profe)] der kreftigen minne, dem kan ich enkeinen val
zuͦ den hoͮbtsúnden vinden, wan dú sele ist gebunden,
si muͦs ie minnen Mechth
2: 24,85
MWB 2 979,45; Bearbeiter: Bohnert
gruntruore
stF.
auch -rüere ( Seuse ).
1
‘Recht auf Strandgut bzw. Loskaufsumme dafür’
2
‘Stelle, wo man den Boden berührt’ , übertr.
1
‘Recht auf Strandgut bzw. Loskaufsumme dafür’
also swenn ein schef den grunt ruͤret, daz man dann von iedem
fuͦder weins dem herren, des diu gruntruͦr ist, nicht mer geben sol,
dann zwelf haller UrkFrankf
2,428
(a. 1336);
wir wollen, daz nieman von der gruntruͤre, die in
unserm lande auf der Isere geschiet, dhain schaden oder beswerde nemen von uns
[...], und [
daz
]
dazselbe reht, daz billicher unreht haizzet, iemer mere abe si und von dhaim man
genomen werde auf der Isere StRMünch
86,26;
sub pretextu iuris, quod gruntrure dicitur UrkStVerf
196
(a. 1207);
daz wir von keime burgere von Strazburg [...] niemer
zol noch gruntruͦre suͤlent genemen uf dem Rine UrkStraßb
2:256,24
(a. 1313);
vnd der gruntruͦre sollent si lidig sin gentzliche, wande si vnreht ist
UrkCorp (WMU)
2785AB,24,23;
UrkNiederrh
2,351
(a. 1270);
StRSchlettst
27
(a. 1330);
UrkMosel
2:293,1
(a. 1342)
2
‘Stelle, wo man den Boden berührt’, übertr.:
ich merk wol, daz ich bin komen uf die
gruntruͤri [den tiefsten Grund] der nehsten
einveltikeit, fúr die nieman inbaz mag kommen, der warheit wil fuͤren
Seuse
331,11
MWB 2 979,58; Bearbeiter: Bohnert
gruntsant
stM.
‘Sandboden’, im Flurnamen hortus qui dicitur Gruntsant:
UrkHess
2,168
(a. 1239)
(=
WeistGr
3,344
)
MWB 2 980,18; Bearbeiter: Bohnert
gruntsê
stM.
‘tiefer See’
[Maria ist] der gnâde ein grundelôser sê
[La. grunt se
]
LobGesMar
21,12
MWB 2 980,21; Bearbeiter: Bohnert
gruntsippic
Adj.
‘durch und durch verwandt’ (FrlWB):
spiegel sehender kunft / gruntsippic blic [gemeint wohl die
Menschwerdung Christi, s.a. Anm. z.St.]
Frl
2:1,6
MWB 2 980,23; Bearbeiter: Bohnert
grunt|sopfe
swF.
vgl. suppe und ûzsupfen; zum o-Vokalismus s. DWB
10,4,1215 unter Supfe.
‘Bodensatz’, hier im Pl. für die Reste im Weinfass:
[Servatius] gemerte die lützeln trophen. / do wuochsen
die gruntsophen; / ie baz unde baz si erspruzzen Serv
3072
MWB 2 980,27; Bearbeiter: Bohnert
gruntstein
stM.
Stein im Fundament, ‘Grundstein’, auch für das Fundament selbst, eigentl. und
übertr.:
ich [...] wil nicht nemin von
dir [der zerstörten Stadt Babylon] noch gruntsteine
noch ecsteyne [
lapidem in angulum et lapidem in
fundamenta
] , spricht der herre Cranc
Jer 51,26;
so ist dw chausch ein grunt stain / aller guten werch
Teichn
218,13
MWB 2 980,33; Bearbeiter: Bohnert
grunttœrin
stF.
‘Erztörin’
di anderen vrowen hetten si wuͦr eine gruntdorin HlReg
60,28
MWB 2 980,41; Bearbeiter: Bohnert
grunttôt
Adj.
in geistl. Sinne, ‘bis auf den Grund tot’ (vgl. grunt stM.
9):
man sol grunttôt sîn, daz uns berüere weder liep noch leit Eckh
1:135,4;
sant Gregorius sprichet, daz gotes nieman enmüge vil hân, wan der grunttôt ist
dirre werlt ebd.
1:128,11
MWB 2 980,43; Bearbeiter: Bohnert
gruntübele
Adv.
1
‘sehr bösartig’ oder ‘sehr schlimm’
2
‘sehr, in hohem Maße’
1
‘sehr bösartig’ oder ‘sehr schlimm’
sô sleht sî mir slege vil / ûf hende und ûf die knübele / sô reht gruntübele
BFrau
150
2
‘sehr, in hohem Maße’
ach herceliep mins, wie erbarmet mich dis so gruͦnt uebele!
MerswNF
67,9.
95,14.
100,28.
– hierher?
das ich [...] minen lichomen
[...] also gar zuͦ grunt uebele hassende
wart MerswVierJ
8,7
(oder ze grunt
‘ganz und gar’, vgl. grunt
9.1)
MWB 2 980,48; Bearbeiter: Bohnert
gruntvestære
stM.
‘Gründer, Erbauer’
fundator: gruntuestare PsWindb
83,Oratio
MWB 2 980,57; Bearbeiter: Bohnert
gruntveste
Adj.
‘fest im Grund, Boden; fest hinsichtlich des Fundaments’;
bildl.:
der kiuschekeite same / gewurzelt het in diner jugent / mit also gruntvester
tugent KvWGS
1220;
viell. hierher, präd.:
mitten in sîme herzen lac / gruntveste der sorgen fundamint
Wh
162,27
(oder zu gruntveste stF.).
– übertr.:
âne gruntvesten sin vil manger sprichet schône KLD:Namenlos
h 18,9
MWB 2 980,59; Bearbeiter: Bohnert
gruntveste
stF.
auch swF. (
PrBerth
1:44,29.
2:63,12;
Renner
13369;
MarcoPolo
13,3.13;
Cranc
Jes 24,18
u.ö.).
1
‘Fundament (eines Bauwerks), tragender Untergrund’
1.1 allg. 1.2 besondere Verbverbindungen 1.3 Basis einer Säule 1.4 tragender Untergrund der Erde 1.5 Erdboden, Festland 1.6 bildl. und übertr., ‘Fundament, Grundlage, Basis’
1.6.1 allg. 1.6.2 von Personen 1.6.3 Einzelnes. 2
‘Ursprung, Ursache’
3
‘Inbegriff’
4 wohl ‘Besitzwechselurkunde’ (vgl. gruntvestene
3 )
1
‘Fundament (eines Bauwerks), tragender Untergrund’
1.1
allg.:
swer ein hûs ûf eine guote gruntveste bûwet PrBerth
2:19,24;
disev gruͦft vellet schir. / darumbe erz niht lazen
sol, / ern mache die gruntveste vester wol Albert
539;
die Romær [...] zefuͤrten
diu stat, daz der gruntvest ein stein ob dem andern nicht beleib
PrOberalt
144,36;
Spec
124,18;
Serv
1804;
EvBeh
Lc 6,49.
– sprichw.:
ist diu gruntveste guot, / so ist daz oberwerc wol behuot / daz ez
niht mac gevallen StrKarl
1651;
seltten ain schbere
[schwere] maur / wyrt auf posser
[schwacher] grundtfest alt
Teichn
728,43;
WälGa
3201.
3742.
12024
1.2
besondere Verbverbindungen:
die gruntveste er [...] ûz der
erde brach Kchr
7269;
daz dâ würde erhaben / ein tiefiu gruntveste wît KvWSilv
1983;
er [...] gebôt / diu betehûs
[...] / niderbrechen unde graben / die gruntveste
ûz der erde RvEBarl
13513;
Kchr
1091;
dô wart diu gruntfest gegraben [die Grube für
das Fundament ausgehoben]
EnikFb
107;
swer ainen turn wurchęt der sol eine
gruntuestę legen fierekke, dar ûf wurchet er TrudHL
49,10;
do wart dú grunt veste geleit / uf den allir
besten grunt RvEWchr
32630;
EvAug
143,14.
–
sô mag daz schef weder für sich noch hinder sich,
reht als ob ez dâ gruntvest hab und dâ gewurzelt sei BdN
251,11
1.3
Basis einer Säule:
undir der sul lak eyn grozer mermel steyn czu eyner grunt vestin des
pfilers MarcoPolo
13,3.13
1.4
tragender Untergrund der Erde:
sage mir [...]: / der erden gruntveste, / warûf
er [
got
] die habe geleit LBarl
3115;
dirre werlde gruntveste Aneg
97;
PsWindb
81,5;
Hiob
14103
1.5
Erdboden, Festland:
[Gott] sprach: nû werde sunder / wazzer von der erde,
daz si trukchen werde. / diu gruntfeste sî gescaffet Gen
58;
wohl hierher:
die grunt feste der erden / mag niemer reine werden / biz
daz dez sunders [d.h. des Teufels] gestank / kumpt in
der helle betwang HvNstGZ
7308
1.6
bildl. und übertr., ‘Fundament, Grundlage, Basis’
1.6.1
allg.:
[der Apostel] bredege leite alrerst gruntueste an
der heiligen christenheit Spec
124,19;
ufe dir [Petrus] di
gruntfeste / der cristenheit wart geleget Litan
573;
swaz dû gehœret hâst von mir / und ouch gelernet, daz sî dir /
[...] dîn gruntveste; / dâ soltu zimbern ûfe mê
LBarl
7538.
2885.
7448;
elliu dinc er [Gott] ervüllet
[...]: / er ist ir gruntveste und ir dach
Aneg
2212;
sîn [des von übelm wîbe geplagten
Ehemannes] riuwe ist aller riuwen dach, / sîn riuwe ist
aller riuwen / gruntveste BFrau
130;
dú wurtze aller guͦter werche hat in dem hertzen ain
gruntvesti PrGeorg
261,21;
AvaLJ
77,4;
Albert
371;
WälGa
12023;
HeslApk
8457
1.6.2
von Personen:
die diemuͦtigen [...]
sint gruntueste allir slahte tugende TrudHL
92,20;
[Christus] ist ain gruntveste / aller guoten
dinge Kchr
8187;
sant Peter was [...] ain
gruntvest des hailigen rœmischen stuols BdN
217,4
(vgl. Mt 16,18);
[Friedrich II. ist] rœmischer êren
gruntveste unde grunt RvZw
136,3;
gruntveste [Garant, Bewahrer] kristenlicher
e, / [...] daz ist der herzoge Otte in Peierlande
FvSonnenburg
51,3;
gruntveste der
christenheit [Petrus] / antwurte im
Kchr
2465;
Rol
1254;
StrKarl
1849
1.6.3
Einzelnes.
– stützendes Gerüst eines Körperteils:
under allen tiern habent pfärt und rinder und
hirz kruspelleicheu pain [Knorpel] in irn
herzen, [...] daz sich ir herz dester paz
enthalten müg, reht als die kruspeln in andern glidern ain gruntvest
sint BdN
137,4.
130,25.
– scherzhaft für den Hosenboden?
da er tantzet aller best, / do zerprast im die
grundtvest, / das im hieng die menschaitt / für den rock wol also braytt
Teichn
717,30.
– Hauptteil eines Buches:
nu lasse wir die rede stan / und heben die
abentewr an: / es ist auch noch das peste / und deß puches grund feste;
/ was untzher ist gelesen, / das ist ain vor red gewesen
HvNstAp
2302
2
‘Ursprung, Ursache’
unmæzzige erge / ist gruntveste aller ubele
VRechte
320;
der siben liste meisterschaft, / an den aller witze kraft
[...] / gruntveste und urhap hât RvEAlex
2164;
Krone
16489;
RvEBarl
10625;
Freid
91,3
3
‘Inbegriff’
ich muoz jehen daz dîn list / ein gruntveste aller wîsheit ist RvEAlex
1998;
(wohl hierher:)
des lag er dar jnne [im Hundezwinger zur
Bestrafung] / vnerloset so lang [...], /
bisz jne Gawein zuͦ lest / usz der schanden gruntfeste / loszte Krone
19473;
den [König Salomon] got
[...] hat irchorn / ze grunt veste allir wisheit
RvEWchr
28999;
dû Cristes muoter [...], / dû gruntvest stæter
triuwen RvZw
21,6;
Roth
4206
4
wohl ‘Besitzwechselurkunde’ (vgl. gruntvestene
3):
item das die offen schreiber von einer gewer oder gruntfest, wie gros sy
sindt, sol ainer vber xii den. nicht nemen StatTrient
134
(viell. Übers. von lat. terminus, vgl. DRW 4,1184f.);
übertr.:
[Christus] chaufte vns also tevre / von dem hellefevre /
[...] / mit sin selbes leibe. /
[...] sin aygen pluͦt schraib den brief, / vnser
gruntfeste Wernh
A 4579
MWB 2 981,3; Bearbeiter: Bohnert
gruntvesten, -vestenen
swV.
Part. Prät. auch gruntvestet.
1
‘etw. auf etw. als sein Fundament setzen’
1.1 eigentl. 1.2 übertr.; 2
‘etw. fundamentieren, mit einem festen Untergrund
versehen’
3
‘ein Fundament für ein Gebäude (Akk.) legen’
1
‘etw. auf etw. als sein Fundament setzen’
1.1
eigentl.:
[die Winde] sturminetin an daz hus, vnd iz en viel
nit, wande iz was gegruntfestenit vfe den stein [Mt
7,25]
BrHoh
Prolog;
BrMün
Prolog;
EvBeh
Mt 7,25.
Lc 6,48;
wande er selbe [Gott] uber dei mere
gegruntfeste [
fundavit
] inen
[den Erdkreis]
PsWindb
23,2
1.2
übertr.;
in etw.:
in got gewurtzelt und gruntfestet werden in der minen unsers heren
HvNördlBrf
36,3;
wore goͤtteliche minne
[...] het got gepflantzet und gewurtzelt in die
nature [des Menschen] .
[...] die minne die ist gegruntfestent in den
menschen Tauler
323,3.
–
mit etw.:
[Maria] ist ain mûre
[...] diu dâ gegruntuestit ist mit der hailigen
diemuͦte TrudHL
140,1.
– auf (ûf/ ze) etw.:
driu dinc dar ûf allez geistlichez leben gruntvestet ist, daz ist
kiusche und armuot und gehôrsam PrBerth
2:260,22;
alliu dinc ûf dich [Christus] gegruntvestet
sint DvASchr
366,15;
uf den [Gott] enhant
sú nit gebuwen, gegruntvestent noch nút geahtet
Tauler
392,6;
PrOberalt
136,26;
PrBerthKl
3,102;
BdN
458,30;
lûter vor allem meine / was ze gote sîn gedanc / gegruntvestet âne
wanc LvRegFr
3671
2
‘etw. fundamentieren, mit einem festen Untergrund
versehen’
den vmbekreiz dez ertriches [...] hest du
gegruntuestet PsAlem
88,12;
PsWindb
88,12;
PsTr
77,75.
88,12.
– übertr.:
rechte also kummet der vigent
[...] úber den kleinen krancken menschen
der nút wol gegruntvestent ist; so vellet er zuͦhant darnider
Tauler
324,5;
Cranc
Aba 1,12
3
‘ein Fundament für ein Gebäude (Akk.) legen’
Zorobabels hende haben gegruntvestent diz hus und sine hende
werden iz ouch vollenbrengen Cranc
Zach 4,9.
Jer 30,18
MWB 2 982,40; Bearbeiter: Bohnert
gruntvestene
stF.
1
‘Fundament’ eines Bauwerks 2 übertr.; 3 rechtsspr., ‘Beweis(mittel, -grund)’ (vgl. gruntvestigunge ; s.a.
gruntveste stF. 4 )
1
‘Fundament’ eines Bauwerks:
her ist glîch einem menschin der ein hûs buͦwit
[...] und sîne gruntvestene gelegit hât ûf einen stein
EvBeh
Lc 6,48.
Lc 14,29
2
übertr.;
‘Grundlage, Basis’
di minne ist ein gruntvestene aller geistlicher lebene HlReg
59,21;
StatDtOrd
75,25.
29,7.
–
‘Ursache’
diz ist noch ein wurzele und ein gruntfestene alles kriges zwischen den
bêbisten und den keisern HvFritzlHl
44,1
3
rechtsspr., ‘Beweis(mittel, -grund)’ (vgl. gruntvestigunge; s.a.
gruntveste stF. 4):
argumentum: vorczeychunge, beweysunge, gruntvestene, vrkunde VocBirl
53,13
MWB 2 983,11; Bearbeiter: Bohnert
gruntvestigen
swV.
‘festen Halt im Grund / am Boden geben’, übertr.:
das du [...] in deins liebs
[...] minen gewurtzelt und gegrundfestiget werdist
HvNördlBrf
29,8
MWB 2 983,23; Bearbeiter: Bohnert
gruntvestigunge
stF.
1
‘Fundament, feste Grundlage (für etw.)’ , übertr. 2 rechtsspr., ‘Beweis(mittel, -grund)’ (vgl. gruntvestene
3 )
1
‘Fundament, feste Grundlage (für etw.)’, übertr.:
[Gott zur Seele:] du bist ein gruntvestigung meins
gotlichen fluszes HvNördlBrf
48,20
2
rechtsspr., ‘Beweis(mittel, -grund)’ (vgl. gruntvestene
3):
argumentum: [...] bewysunge, gruntvestegunge
[Hs. verschrieben gruntvesteugunge
] ,
orkunde DWB
4,1,6,809
(Prager dtsche stud. 8,447b)
MWB 2 983,27; Bearbeiter: Bohnert
gruntvestunge
stF.
‘Fundament, feste Grundlage (für etw.)’, übertr.:
[Gott zur Seele:] du bist ein gruntvestunge mines
goͤtlichen flusses Mechth
5: 7,2
MWB 2 983,35; Bearbeiter: Bohnert
gruntvîant
stM.
‘Erzfeind’
do Lucifer disú mere [von Jesu
Geburt] vernam, do sas der gruntvient und gram mit sinen zenen
Mechth
5: 23,94
MWB 2 983,39; Bearbeiter: Bohnert
gruntvorschende
Part.-Adj.
‘gründlich forschend, untersuchend’
scrupulosus: gruntforsgenter SummHeinr
2:489,01.55
MWB 2 983,42; Bearbeiter: Bohnert |