g – gâchlîchen gâchmuot – gagen gagen – galander galanderisch – 1galle 2galle – galter galtnüsse – gamerot gamîe – gancheil ganclîche – ganteren ganz – gärmic garn – gartenhuon gartenhûs – 3garwe garwwurz – gastmeisterin gastnusse – gaʒʒenspringer ge- – gebæric gëbærin – gëbendic gebenedîunge – gebietære gebietærin – gebiurischlich gebiurlich – geböume gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten gebrëstelîn – gebrûchic gebrûchlich – gebunt gebunt – geburst geburt – gedâht gedâht – gedense gederbe – gedinge gedinge – gedrange gedrâte – gedünste gedurchtriben – gegate gegatrom – gegenkouf gegenlëder – gegensetzunge gegensidele – gegenwertes gegenwertic – gegihte gegiric – gehaʒʒic gêhe – gehëlfe gehëlfelîche – gehilfe gehilfic – gehœric gehœrlich – gehügenisse gehugesam – geifer geifervrâʒ – geiselrieme geiselruote – geisticlich geistîn – geiʒhorn geiʒhût – gejeitschuoch gejeitvogele – gekünne gël – gelegede gelegelich – gelende 1gelende – gêlîche gelîcheit – gelîchmëʒʒunge gelîchnisgëbende – gelide gelidemâʒe – gêlingen gelîp – gëlm gëlmen – geloup geloup – gëlte gëltel – gelückede gelückederat – gelüstelîn gelustic – gemahel gemahelbettelîn – gemæʒicheit gemæʒiclich – 2gemeine 1gemeinen – gemeinsin gemeinunge – gemerrede gemêrsal – 2gemüete, gemuote gemüetic – gemutzet gemʒe – genâdenschüʒʒel genâdensol – genæmicheit genamʒôn – genemede genende – genëserinne genetzen – genieʒen genieʒlich (?) – genôʒen genôʒgeselle – gensîn gensischen – genuhtlîchen genuhtrîch – genuʒ genuʒt – gephrange gephünde – 1gerat 2gerat – gerëhen gerëht – gereisic gereitære – gerieme geriemen – gerihticlîche gerihtinsigel – geriune 1geriusche – gerouche geröufe – gerte gerte – gerûmiclich gerummel, gerumpel – gêrvalke gerwære – gesaten gesatznissede – gescheftbrief geschefte – geschepfnisse geschepfunge – geschiuwede geschoc – geschrihte geschrîp – gesëhen gesëhenheit – geselliclîcheit geselligen – gesihtic gesihticlich – gesite gesiten – geslihte geslinge – gesnæren gesnarren – gespenstnisse gesper (?) – gespræchelich gespræchetac – gespunst gespür – gestelle gestellet – gestifte gestille – gestrenglîche gestrenze – ge|stunge gestungede – gesuoch gesuochære – geswerme geswërte – gesworn gesworne – getelle getelôs – getougen getougen – getreigeret getrenke – getrüese (?) getrügede – getwædicheit getwædigen – gëtzen getzsal – gevalte gevanclich – gevëderen, gevëdern gevêhe – geverte|lehe gevertinne (?) – gevlester gevlitter – gevrier gevrist – gevülle gevuoc – gewahsenheit gewahst – gewaltroubunge gewaltsame – gewar gewar – gewe gewëbe – gewellen geweltigen – gewërben gewërbic – gewern gewërn – gewiere gewieret – gewinnen gewinnic – gewist gewiste – gewonunge geworden – gewzen (?) gezagel – gezëmelich gezemen – gezît gezîte – gezoc gezogen – gezwîen gezwîge – giefen giege – gifticheit gifticlich – giht gihtboum – gimbîʒen gimme – gippengappen gippentuoch – giric giricheit – gischen gîse – gîtigære gîtige – 1glan 2glan – glas(e)väʒʒelîn glas(e)vënster – gleimel gleimelîn – gleten glêtphenninc – glipfen glise – glocke glockehûs – glôriôs glôriôslich – gluothaven gluothert – goder goedertieren – golf gollen – goltgesmîde goltgesteine – goltreit goltrîch – golttropfe goltvar – gos (?) got – gotesarm gotesbeckære – gotesmordærinne gotesphenninc – gotgeformet gotgelâʒen – gotmeinunge gotmensche – gouch gouch – goukelære goukelbilde – goukelspil goukelsprütze – göumütte, -mutte göu|phâwe – grabe grabe – grâf- graft – gramerʒîe gramerʒîen – gransprunge gransprunge – gras(e)phenninc gras(e)spier – grâvenrëht grâveschaft – grebinc grebnisse – gremiclich grempære – griekech grien – griffel griffelære – grimmetât grimmic – grisegrammen grîseleht – griuslich griuwe – groppe gros – grôʒmüetic grôʒmuoticheit – grüenheit grüenlich – grunderëbe gründic – gruntübele gruntvestære – gruon- gruon- – grütschîn grutte – 1gücken 2gücken – güfticheit güfticlich – gûlen gülle – gumpenîe gunderam – guotdunken guotdunkende – guotswender guottât – gürtelgewant gürtellîn – gymnosophiste
|
grübelnuʒ
stF.
Walnussart, bei der sich die Schale schlecht von der Frucht lösen lässt, hier
übertr. ‘Gegenstand des Grübelns, schwer zu lösendes Problem’ (vgl. auch DWB
4,1,6,618):
swaz unser herre uns hât enboten / bî sînen wîssagen und sînen zwelfboten, / daz
sül wir êren und wol behalten / und lâzen die grüebelnüzze
[Gen.] walten, / den sanfte mit grüebelnüzzen sî: /
Kristen geloube ist wandels frî Renner
13448
MWB 2 959,40; Bearbeiterin: Herbers
grübeʒ
stM.
‘Kerngehäuse (des Obstes)’
wer die öpfel inwendig auzsneid und den grütz
[Hss. den grubz, die
grëutz
] dâ von werf BdN
374,7
MWB 2 959,49; Bearbeiter: Bohnert
grüebeleht
Adj.
‘mit Grübchen versehen’
[Magdalena] waren [...] / die vinger
[...] lang und ussen gruͤbeleht SHort
7046;
sin kinne sinwel und recht / nach prise, enmitten
gruͤblecht WernhMl
5948
MWB 2 959,52; Bearbeiterin: Herbers
grüebelîn, grüebel
stN.
Dimin. zu gruobe;
auch grüebli ( Seuse ,
WernhMl ).
‘kleine Grube, Grübchen’
1 allg. 2 am menschlichen Körper 2.1 in Wange oder Kinn 2.2
‘Bauchnabel’
1
allg.:
diu kint, / diu grüebelîn grabent an der strâzen Renner
11427;
ze der erde es [das Jesuskind] sich
huͦb, / mit sinen vingerlin es gruͦb / ain gruͤbli vil klaine.
/ do entsprang ain brunn raine WernhMl
3729;
höler die kern auz in [den Quitten]
und leg lauter honig in diu grüebel BdN
320,5
2
am menschlichen Körper
2.1
in Wange oder Kinn:
ir kyne hette ain grubelein HvNstAp
13213;
ir kinne och sunder loblich, / sinwel, und enmitten / ain
gruͤbli nach kluͦgem sitten WernhMl
990;
Philipp
864;
KLD:Hetzb
2:2,2;
Physiogn
268
2.2
‘Bauchnabel’
er machete daz kleid [Bußkleid für den
Unterkörper]
[...] in der hoͤhi, daz es im unz an daz
gruͤbli her uf gie Seuse
39,15;
des magen munt, daz ist [...]
daz grüebel BdN
340,24;
[ihm ist] in deme grubelyn we OvBaierl
116,4
MWB 2 959,56; Bearbeiterin: Herbers
grüejen
swV.
Prät. gruote.
‘wachsen, grünen, gedeihen’
1 eigentl., von Pflanzen 2 übertr.
1
eigentl., von Pflanzen:
jan ruochte ich ob der boume gruot / niemer mêre grüete HartmKlage
1792;
wan diu heide gruote / und sungen in dem walde / diu vogellîn
vil balde UvZLanz
6688
2
übertr.:
sie sprachen: unser
knorren [Gebeine] / abe gesniten dorren.
[...] diz sprichet unser herre got: / uwer grab werde
ich uf tuende, / daz ir werdet wider gruende [vgl. Ez
37,11f.]
HeslApk
18284
MWB 2 960,11; Bearbeiterin: Herbers
grüendonerstac
stM.
s.a. grüene Adj., 6.
‘Gründonnerstag’
so ist er in der aht vnd in des pabstes banne, den er jarlich kundet an deme
grundonrstage UrkCorp (WMU)
879L,10;
an dem grundonrstage schribit sente Johannes daz nue gebot der
martere EvBerl
66,11;
MWB 2 960,20; Bearbeiterin: Herbers
grüene
Adj.
auch gruone, grûne;
Komp. grüener, Sup. grüenest
UvZLanz , allergrüenest
Albrant , AHeinr .
1 von pflanzlichem Grün, bes. jungem, sprossendem Pflanzenwuchs, wobei Frische,
Lebenskraft einerseits und Farbe andererseits mehr oder weniger stark akzentuiert
sein können 1.1
‘treibend, im Saft stehend, frisch, jung’ , häufig im Ggs. zu
dürre 1.2 mit Betonung der Farbe; 2 von jungen Früchten: zum Verzehr ungeeignet, ‘unreif’
3 von nicht-pflanzlichen Nahrungsmitteln ‘frisch, roh, unverarbeitet’
4 übertr. 5 als reine Farbbezeichnung für Nichtpflanzliches 5.1 allg. 5.2 von natürlich Grünem 5.3 von der Haut-, Gesichtsfarbe als Ausdruck von körperlicher Schwäche, Krankheit, Gefühlen 5.4 von grün Gefärbtem, Bemaltem; 6
der grüene donerstac
‘Gründonnerstag’ (s.a.
grüendonerstac
; Motivierung unklar, s. LexMA 4,1752f. u. Jeske, 82-88, Wanzeck, Farbwortverbindungen, 104-110)
1
von pflanzlichem Grün, bes. jungem, sprossendem Pflanzenwuchs, wobei Frische,
Lebenskraft einerseits und Farbe andererseits mehr oder weniger stark akzentuiert
sein können
1.1
‘treibend, im Saft stehend, frisch, jung’, häufig im Ggs. zu
dürre:
[Gott] heizzet die durren boͮme bloͮn,
die goͮten unde die groͮnen dorren Spec
144,8;
[der Baum] dunchet uzzen gruͦne, / so ist er
innen duͦrre Rol
1964;
so ist lîhte allez dürre, daz nu grüene lît SM:
UvS
3: 3,4;
[Getreide] si getroͮzschin oder
vngetroͮzschin, es si grvͤne oder dúrre UrkCorp
(WMU)
1653,47;
diu heide und ouwe wirt grüene SM:St
6: 1,1;
zerstôz die grüenen rôsen BdN
345,20;
dîn heilec tou wart uns gesant, / daz grüene machet unser
höu KvWLd
1,168.
– vom Wagen, der mit frisch geschlagenem Holz beladen ist:
[jede Hufe soll] zu ieder wochin hauwin und holen
[...] einen grünen wagen vol holzis und einen
dorren WeistGr
6,398
(a. 1338).
– mit Bezug auf das Anfangsstadium des Wachstums:
wann kain frucht volkomen kan, / si heb denn mit gruͤn an
MinneR 433
120
1.2
mit Betonung der Farbe;
von Pflanzen(teilen):
manic scône blûme / gele unde grûne
SAlex
6772;
hie sprich van den gruͦnen bladeren der lilien Lilie
7,27;
dô ich daz grüene loup ersach, / dô liez ich vil der
swaere mîn MF:Reinm
34a: 2,1;
er uant einen povm uil gruͦnen
VMos
30,28;
sô mac der wirt wol singen von dem grüenen klê Walth
28,9;
Tr
4674.
– subst.:
man sol paizzelbaum
[Sauerdorn] nemen vnd die obern rinde
abschaben; dar nach sol man abschaben daz grün vnd sol daz sieden in
alunwazzer [zur Herstellung gelber Farbe]
BairFärb
10,2.
– von bewachsenen Flächen:
si giengen an daz gras gruone Gen
2027;
Herb
5347;
er gâhte [...] über den
grüenen anger breit Parz
536,16;
du zierest rehte wol die grüenen owe SM:
Go
2a: 2,4.
1a: 1,5;
ih und mîne helede balt / wâren in dem grûnen walt
SAlex
5334;
KLD:GvN
45: 1,1;
Walth
122,33;
NibB
928,1
2
von jungen Früchten: zum Verzehr ungeeignet, ‘unreif’
suͤde gruͤne bonen, biz daz sie weich werden
BvgSp
31;
das [Getreide] verwsten si do sa /
und sluͦgens dicke gruͤne abe RvEWchr
18170;
[die Kirschen] wâren halp harte. /
[...] sie wâren nie sô grüene, / sie bræche ir vol
einen huot. / doch wâren sie niht ze guot, / ze mâze [gar
nicht] rôt unde weich Eracl
3472
3
von nicht-pflanzlichen Nahrungsmitteln ‘frisch, roh, unverarbeitet’
ein guͦt warmuͦz [warme
Speise] mit gruͦnem unde veistem swinen wleischz gesoten
Macer
49,9;
grüenez fleisch ist iu verboten Eracl
3587;
gruͤnen speckes gesniten genuͦc
BvgSp
90.
91;
WüP
24,2;
dreu stuch gueter gesaltzener vissch, oder ain gueten schuzzel mit gruenen
visschen StiftZwettl
663;
jtem nim grunen kese vnde lege in win vber nacht
SalArz
29,56;
di sure milch ist kelder di grun ist trucken ebd.
18,41.
36,45
4
übertr.
–
‘(jugendlich) kräftig, frisch, blühend’
horet von eime rittere, / [...] an sime namen was
er groz / und an der iugende grune MarLegPass
20,15;
doch enwirde ich nimmer grune Herb
8234
(vgl. Anm.z.St.);
PfJud
29;
mein hertz das wirt gruene, / ob ir mir zu hilffe kompt
HvNstAp
3031;
dâ von mîn grüeniu freude ist val Parz
330,20;
mîn fröude grüene wirt gederret KvWLd
15,51;
KvWHerzm
251;
[der Glaube,] de der luͥde sel macht
gruͤn ind schone MarlbRh
126,4.
–
‘freundlich’
[Heuchler,] die under den grunen worden die suarcen
hercen dragen. die denkent bosheit, inde sprechent wale, dat si ire bosheit
bedecken, inde dat si di einveldige hercen bedrigen mugen Lilie
8,4;
die gote grune sint, / der werlde tummer dan ein kint
HeslApk
21983
(zur Wendung jmdm. nicht grün
‘wohlgesonnen’
sein, die unverneint aber kaum bezeugt ist [vgl. DWB
4,1,6,649]?)
–
als das wisse gruͤne
[anbrechende] morgenrot vúr sich tribet
die spilende sunne Mechth
4: 3,48
(zu farbsymbolischer Deutungsmöglichkeit s. Vollmann-Profe, Mechth. z.St.
[242,12f.]).
5
als reine Farbbezeichnung für Nichtpflanzliches
5.1
allg.:
diu welt ist ûzen schœne, wîz, grüen und rôt, / und innan swarzer
varwe, vinster sam der tôt Walth
124,37;
[die Farbe] grüen anevanges meine [hat
die Bedeutung des Anfangs]
Hadam
243,1
5.2
von natürlich Grünem:
die gruͤne varue het er
[Regenbogen] uon dem wassere, die blawe uon dem
lufte Lucid
58,13.
–
grune eudechsen SalArz
27,4;
der kroten der dâ ir vel / ist beide grüene unde gel
Volmar
458;
der heuschrecke grüene ist PrBerth
1:560,10.
–
smaragde die gruͦnen Rol
1554;
MarlbRh
118,1;
[die Farbe des Steins geracîte
] ist
manecvalt: / gel grüene rôt wîz / blâ swarz in alle wîs
Volmar
483;
PrüllS
3,1;
Parz
306,30;
[Jaspis] ist grune sam ain gras
HimmlJer
137;
unden was der esterîch [...]
von grüenem marmel alse gras Tr
16715;
NibB
404,3.
– mediz., von Körpersäften und -ausscheidungen, übertr. auch in
Krankheitsnamen:
der swarze harn der e grune ist gewesen
SalArz
111,44;
sô daz harn grüene ist in dem vieber, sô gewinnet er
lîhte daz vergiht Barth
131,1;
[die gelbe Farbe des Harns,] so si hat grunen
iest [Schaum] , so bezeichent si di grunen
gelsucht SalArz
114,58
u.ö.;
di dritte [
colera,
Gallensaft] is grune ebd.
4,8
u.ö.
5.3
von der Haut-, Gesichtsfarbe als Ausdruck von körperlicher Schwäche,
Krankheit, Gefühlen:
dô diu frouwe daz vernam, / ein schreck ir an daz herze kam, /
[...] si wart noch grüener dan ein gras / und dar
nâch als ein kirse HBirne
453;
dez libes craft ir gar entweich: / sie wart gruͤn
und bleich HvNstGZ
3396;
[Menelaus] wart dâ grüene sam ein louch
KvWTroj
34316;
welhes menschen varb grüen ist oder swarz, der ist
pœser site BdN
43,15;
[wer Schmerzen in der Brust hat,] ist lîht grüene
under den ougen Barth
157,11;
dc du [...] gruͤn werdest vor hunger
PrSchw (St)
2,227
5.4
von grün Gefärbtem, Bemaltem;
von Kleidung, Stoffen, Waffenteilen u.a.:
ein huot ûf sîme houbte was. / von samît grüene als
ein gras Parz
605,10;
KvWSchwanr
424;
rôt unde gel, grüen unde blâ / ir wâpencleider glizzen
KvWTurn
806;
Roth
4590;
Parz
36,27
u.ö.;
mange decke
[Pferdedecke] snêwîze, / gel, brûn, rôt, grüen
unde blâ Tr
667;
nim ein grunen uilz vnde netze in in ezzige
SalArz
56,43;
man sach da die schilde rot, / grune vnde wizze
Herb
6271
u.ö.;
Rol
8179;
UvZLanz
3026.
– Salbe:
diz ungentum [Salbe] heizit
latineschvn grvͦne [
vnguentum uiride, mit
Grünspan gefärbt]
Ipocr
303;
grone salbe OvBaierl
95,8;
– subst., bezogen auf Kleidung ‘Grünes’
swer brûn, gel treit, grüen oder rôt / mit sünden biz an sînen tôt, /
der möhte vil lieber einen groben sac / an im tragen naht und tac
Renner
2491;
dar na [...] / heis der busschoff dat men sy
cleide / mit scharlaichen ind gronen beide HagenChr (G)
4322.
4329.
– vom Ritter, nach der Farbe seines Wappenrocks, Wappens usw.:
dô liez aber schînen / der grüene ritter, wer er was
UvZLanz
2961.
2978
u.ö.;
subst.:
der wîze [Diepalt] dô niht
enbeit, / er nam dem grüenen gar daz wort UvZLanz
3109.
– vom grünen Farbstoff selbst:
swer grün varb welle machen, der nem grünspat vnd siede
daz in harn BairFärb
8,1.
13,2
6
der grüene donerstac
‘Gründonnerstag’ (s.a.
grüendonerstac
; Motivierung unklar, s. LexMA 4,1752f. u.
Jeske, 82-88, Wanzeck, Farbwortverbindungen, 104-110):
an deme gruͦnen doners tage Albert
534;
von dem gruͦnen dunresdage [Überschrift]
Lucid (H)
51,6;
ElsLA
308,25;
so ist er [der Landfriedensbrecher] in der ahte vnd
in des pabstes banne, den er iarlich kundet an dem grunen donrstage UrkCorp
(WMU)
879L,10.
1565,39;
StatDtOrd
123,33;
EvBerl
46,22.
MWB 2 960,26; Bearbeiterin: Herbers
grüene
stF.
HvHürnh Nom.Pl. -en (s.a. Weinhold, Mhd. Gr. §461).
‘das Grün’
1 bezogen auf pflanzliches Grün 1.1 allg. 1.2
‘Wiese, Gras, Platz im Grünen’
1.3 bezogen auf Pflanzensaft 2 übertr. 3
‘grüne Farbe, grünes Aussehen’
1
bezogen auf pflanzliches Grün
1.1
allg.:
sumer, sumer, sumerzît, / waz uns dîn kunft fröide gît / als diu heide in
grüene lît KLD:WvM
5:1,3;
wâ ist der anger grüene und manger boume dach? KLD:Dürinc
7:1,5;
des meien kunft mit grüene Loheng
3810;
er tet alsam daz vogellîn, / daz wider in die grüene senet KvWPart
2743;
des palmen loup in grüene stât KLD:Kzl
16: 4,6;
KLD:GvN
17: 1,3
1.2
‘Wiese, Gras, Platz im Grünen’
dô saz er ûf die grüene, er tranc unde az OrtnAW
564,1;
Frl
7:15,1;
do derbeyzte Laurin der kune / nyder uf dy grune LaurinA (L)
352.
307;
[Hiob] loufet uf der grune Hiob
14435.
14567;
ach, solte ich gân / mit mînem liebe wolgetân / an ein
heinliche grüene SM:Had
41: 1,12;
HvHürnh
39,4;
EnikWchr
380.
– häufig als Ort des ritterlichen Kampfes:
die liehten brunne lait er an, / [...]
duͥ was im da ain tail ze lanch, / sie gieng im uf die gruͤne
EckenlE2
147,8.
218,12;
der wurm was grôz und engestlich, / doch sluoc ern ûf die grüene
Virg
411,3;
an der gruͤn / da disiu schar sol vehten
WhvÖst
8058;
der werde, junge viel tot zuͦ der gruͤne JTit
1352,1.
948,4;
Alph
984;
WolfdD
1295,1
1.3
bezogen auf Pflanzensaft:
die bluͦmin die zem erste in dem sumir wahsint, die hant me saffis
vnd gruͤni in sich gesogin uon der crafte des sumirs denne die
bluͦmin, die darnahe komint PrGeorg (Sch)
15,8.
15,14;
recht als ein gras, / daz touwig naz / von des meien tüfte
wirt, / davon ez saf und grüene birt SM:Tu
6: 4,11
2
übertr.:
– jmds. ~
wirt val
‘jmds. Freude wird getrübt’ (vgl. grüene Adj.
4):
iwer vræude wart gestalt / in einen engen notstal: / iwer
gruͤne diu wart val / von der kuͤngin Arabeln
Rennew
12356.
27090.
–
alle crêatûren, die dâ sint in der ‘grüene’ und in der
‘hœhe’ [Gottes] , als sie in den
engeln [d.h. als Idee] sint, die werdent der sêle
lustlîcher dan allez, daz in dirre werlt ist Eckh
3:249,5
(Deutungen bei Quint und Largier z. St.)
3
‘grüne Farbe, grünes Aussehen’
elliu grüene in [Parzival] dûhte
val, / sîn rôt harnasch in dûhte blanc Parz
179,20;
sein [
mirtelboum
] holz
naigt sich ain klain von der grüen zuo ainer swerz BdN
332,4;
KvHeimHinv
393;
der marmelîne esterîch / der ist der stæte gelîch / an der
grüene und an der veste Tr
16971;
smareit und achmardî, / der beider grüene was ein niht / gein
der grüene als man dem schilde giht Wh
426,9;
HeslApk
21392.
21413
MWB 2 962,53; Bearbeiterin: Herbers
grüene-, grüenspëht
stM.
→
gruonspëht
MWB 2 963,38;
grüenede
stF.
1
‘Belaubung, Blattwerk’ , bildl. 2
‘das Grüne, grüne Farbe’
1
‘Belaubung, Blattwerk’, bildl.:
[Gregorius] sprichet, daz allir guter werche este / njemer
neheine grunede gwinnen, / si ne wonen in der wurzelin der minnen
Litan
1317
2
‘das Grüne, grüne Farbe’
der edele stein smaracte [...]
vorgrunet [übertrifft mit seiner grünen Farbe] alle
gruende HeslApk
21629.
21633
u.ö.
MWB 2 963,39; Bearbeiterin: Herbers
grüenen, gruonen
swV.
intr.; unpers. nur 1, refl. nur 2.3.
‘
grüene werden, sein, bleiben’
1 bezogen auf Vegetation 1.1
‘grün werden, sich begrünen’ , bes. im Frühling ‘das erste
junge Grün bekommen, sich mit pflanzlichem Grün bedecken’
1.2
‘treiben, sprießen, ausschlagen’
1.3
‘wachsen, gedeihen’
1.4 Part.Präs., subst. ‘das Grün, Gewächs’
1.5 Zustand des Grünseins, Grünbleibens 1.5.1
‘grün sein’
1.5.2
‘grün, frisch bleiben’ , im Ggs. zu
dorren 2 übertr. 2.1
‘wachsen, gedeihen’
2.2
‘frisch, lebendig bleiben’
2.3
‘frisch, lebendig werden; sich erneuern’
1
bezogen auf Vegetation
1.1
‘grün werden, sich begrünen’, bes. im Frühling ‘das erste
junge Grün bekommen, sich mit pflanzlichem Grün bedecken’
in dem aberellen / sô die bluomen springen, / sô loubent die linden / und
gruonent die buochen MF:Veld
14:1,4;
nu kumt uns diu zît, der kleinen vogellîne sanc. / ez grüenet wol diu
linde breit MF:Eist
3:1,2;
BdN
312,5;
PrStPaul
16,24;
walt und ouwe gruonent beide: / meie, dû bist fröiden rîch
SM:Tr
4: 2,3;
Walth
42,22.
–
[Gott] hiz di erde grunen / mit wunneclichen
blumen VMos
5,15;
PrMill
528;
bî dem Rîne gruonent werde
[Inseln] und ouwen SM:Go
1: 1,10;
HvHürnh
37,6;
ez gruonet wol diu heide Neidh
SL11:1,1;
KvWPart
3759.
– unpers.:
der sumer ane ginc, / und iz begunde grûnen, / und di
edelen blûmen / [...] begunden ûf gân
SAlex
5249;
fröit iuch gegen des meien zît, / wan ez gruonet in
dem walde SM:KvL
10: 1,3
1.2
‘treiben, sprießen, ausschlagen’
die scephte begunden gruonen, / louben unde bluogien
Kchr
15001;
[solcher Art] was daz paradise
[...], daz nie dehein holz so dvrre wart noch so
vul, mohtez darin gebotin werdin [wenn es dort in Gebrauch
kommt] , ez grvoneti, ez lovbeti PrWack
4,28;
[die Gerte Aarons] begunde in drîn tagen zu gruonen
und ze louben PrStPaul
44,15;
drú holcz [...] begunden
/ gruͦnen und gabent este, / stark, schoͤne und veste
WernhMl
3027;
[die Ameisen] peizent daz korn enzwai
[...], daz ez icht anderwaid keimel und grüen
BdN
302,7;
Freid
38,2;
Tr
18081;
SM:St
13: 1,1
1.3
‘wachsen, gedeihen’
in démo gárten áller
sláhto krût grûonent Will
67,4;
jârlang gruonet loup über
egge [überall] / vil schône ze walde SM:
Go
2a: 3,1;
wand im der bernden boume zwî / gruonet nâch gewinne
KvWLd
7,42;
so was die erde entaht [entblößt von
Leichen] / vnd grunte als e, / vz der burc biz an den se
Herb
8127;
Frl
7:9,17.
– bildl.:
in rechter senftmutikeit, / da ist genade an tugenden breit / und grunet
wol der edele stam [Leben(sweise)]
Pass III
402,51
1.4
Part.Präs., subst. ‘das Grün, Gewächs’
nu was der hagil alse groz / das er holz, korn unde gras
/ und swas da gruͦnendis was, / zersluͦg, virdarpte und zerbrah
RvEWchr
10275
1.5
Zustand des Grünseins, Grünbleibens
1.5.1
‘grün sein’
din lof der is eweclih, / gelich dem brunnen, der
iemer fluzet, / gelich deme krude, daz iemer gruonet MarldA
325;
das lant in gruͤner varwe lit /
gruͦnende alse der gruͤne chle RvEWchr
1444;
was gruenet das erstirbet das merer
taile [im Winter]
HvHürnh
40,4
1.5.2
‘grün, frisch bleiben’, im Ggs. zu
dorren:
der [Ulmbaum] hât die art,
[...] daz er gar gern grüenet, wan ist daz er
dürr worden ist BdN
353,27;
sô grüenet ez [der
Mauerpfeffer] durch daz jâr nâhent, iedoch ân aller erd
hilf und ân wazzers hilf, und wenn ez dorret an ainer seiten, sô wirt ez
wider grüen an der andern seiten ebd.
412,7
2
übertr.
2.1
‘wachsen, gedeihen’
wan in einem einigen vünkelîne des engels grüenet, loubet und liuhtet
allez, daz in der werlt ist Eckh
2:240,4;
Parad
16,36;
daz vierde zeichen ist, daz allez, daz verdorret was von sünden und von
gebrechen, daz wirt viuhte und grüenende und wahsende von der gnâde Eckh
4:228,53
u.ö.;
Eckh (J)
54,27;
Tauler
98,10.
160,10;
hêr Anger, bitet daz mir swære büeze / ein wîp nâch der mîn herze stê: /
[...] wirdet mir von ir ein lieplîch grüeze, / sô
gruont mîn herze als iuwer klê KLD:KvH
2:3,7;
daz ez [mein Herz] mir grüenet
zaller zît / recht als ein gras SM:Tu
6: 4,7;
WhvÖst
9148;
swer hiure schallet und ist hin ze jâre bœse als ê, / des lop
gruonet unde valwet sô der klê Walth
35,14;
Seneca sprichet daz der git / gruͤnet, wahset alle
zit SHort
4854;
sô der zorn an ir
[Liebe] zegât, / zehant engruonet si niht
Tr
13067
2.2
‘frisch, lebendig bleiben’
dines mageduomes
bluome [Jungfräulichkeit] grunet ie nog, / du
[...] bis muoder ie dog MarldA
60;
ei wiͤ gruͤnt din gruͤne gras, / dat
al zit gruͤne in dir was! MarlbRh
6,7;
süeziu künigîn, / diu zunge diu gruone iemer, / daz herze
ersterbe niemer, / diu wîsheit diu müeze iemer leben Tr
7793
2.3
‘frisch, lebendig werden; sich erneuern’
an deme ahtodin tage des ewigin libis rvowet vnde grvnet beidiv sele vnde
lib PrWack
4,11;
der cristenheit / zu den guten so gemischet / daz her
sie gruenet und vrischet / mit sines heren geistes towe / glich der grunekeit
HeslApk
21516.
8218.
– refl.:
gîtekeit diu grüenet sich / an allen liuten stæteklîch Boner
89,51;
swa din gruͤne [bezogen auf
vreude
] ist worden val, / die sol sich
wider gruͤnen Rennew
27091;
so stritet aller meist / mit dem libe hie der geist / daz
[dieser Kampf] sich hie stete gruonet / vnd
niemer wirt versunet / wan mit dez todis swert / dez doch luzil liute gert
Martina
271,81
MWB 2 963,46; Bearbeiterin: Herbers
grüen|erweiʒ
F.
‘grüne Erbse’
pisa : grüenerws VocOpt
13.135
MWB 2 965,15; Bearbeiterin: Herbers
grüenespân, -spât
stM.
Lehnübers. zu mlat. viride hispanicum ( ‘spanisches Grün’) mit
Anlehnung an spân, spât (vgl. DWB 4,1,6,960; Kluge, S. 376f.); auch
umgestellt
→
spângrüen
stN.
–
‘Grünspan’
zo borne do selbist dem rosse dy huyt inczwey adir wenink, do
der worm leyt. und rip dor inn grunespon unde gepuluert rosbeyn: der worm styrbit
Albrant
3,6;
grunspan ebd.
3,18;
velch ros wilt fleys hot in der wunden, zo sal man nemen
grunespat ebd.
3,21
u.ö.;
wil er rot varb tunchel machen, so mische si mit swarczer varb
oder mit grünspat BairFärb
5,4.
7,5.
8,1;
Mügeln
288,8;
MügelnKranz
605
MWB 2 965,17; Bearbeiter: Tao
grüengevar
Adj.
‘grünfarbig, grün’
mîn wâppenroc, mîn decke was / von samît grüen als ein gras, / mîn schilt, mîn
helm was grüen gar / und mîniu zwelf sper grüen gevar UvLFrd
73,4
MWB 2 965,30; Bearbeiterin: Herbers
grüenheit, grüenicheit
stF.
1
‘Frische des wachsenden Baumes’
2
‘grüne Pflanzen, Begrünung’
3
‘das Grüne, grüne Farbe’ ,
1
‘Frische des wachsenden Baumes’
das fúr [...] benimmet ime
[Holz] die fúchtekeit, die gruͤnekeit
und die grobekeit Tauler
120,31
2
‘grüne Pflanzen, Begrünung’
die [...] suln daz how nicht irslan
/ [...] die boume noch die grunikeit [
omne
viride Apc 9,4] / und swaz vrucht in der werlde treit
HeslApk
13961;
der anger [
was
] wunneclich / und von
schoner grunheit rich Brandan
1212
3
‘das Grüne, grüne Farbe’,
vom Smaragd:
he is so gruͤn, dat he andre sachen / bit siner
gruͤnheit mach gruͤnvar machen MarlbRh
117,36.
117,38
u.ö.;
der rechte geardete smaract, / swen her in reinem golde
stract, / so vorgruen her [übertrifft er an
Grünheit]
[...] / als irdisch dinc daz
gruenis [= grüene ist
] , / wen her von
der grunheit brunet [funkelt, glänzt]
HeslApk
7933.
7947.
7960
MWB 2 965,34; Bearbeiterin: Herbers
grüenlich
Adj.
‘grünlich’
[des Smaragdes] gruenliche
brune [Glanz]
HeslApk
7935
MWB 2 965,51; Bearbeiterin: Herbers
grüenloht
Adj.
‘grünlich’
Medus ist ain stain, der [...] ist ain
tail grüenlot BdN
452,25
MWB 2 965,53; Bearbeiterin: Herbers
grüensol
Subst.
Herkunft von -sol unklar, vgl. SchweizId 7,768; DWB
4,1,6,960.
‘Gartenminze’
mentastratum: gruͤnsol, gruͦnsol VocOpt
50.208
MWB 2 965,55; Bearbeiterin: Herbers
grüenunge
stF.
‘das Grünwerden, Wachstum’
des menschen sel [...] hat auch die kraft der sel der
tyr mit werk der synn, der pawm sel mit gruenung, wachsunng, zünemung KvMSel
119;
also hat sy [Seele] dreyerlai kraft: vegetabilem,
sensibilem, racionabilem, [...] die kraft, die da geyt
wachsen vnd merung vnd gruenung dem leib, die haist vegetabilis ebd.
502.
520
MWB 2 965,58; Bearbeiter: Tao
grüenvar
Adj.
‘grünfarbig’
he [Smaragd] is so gruͤn,
dat he andre sachen / bit siner gruͤnheit mach gruͤnvar machen
MarlbRh
117,36;
daz fröschel ist grüenvar BdN
306,13;
iedoch ist ainer lai der paum, der
[...] ist grüenvar an dem holz und smeckt sam die
rauten ebd.
356,28
u.ö.
MWB 2 966,1; Bearbeiter: Tao
grüeten
swV.
‘grün sein’
jan ruochte ich ob der boume gruot / niemer mêre grüete, / dun gnâdest mir und
sîst mir guot / durch wîplîche güete HartmKlage
1792
MWB 2 966,7; Bearbeiter: Tao
grüeʒen
swV.
auch grützen
PrWack
46,157;
gir-/ger-
Gen
2753.
1447.
1742;
Himmelr
9,10.
1
‘jmdn. bedrängen, (mit einer Waffe) angreifen’
2 von Bedürfnissen, Krankheit, Alter, Sorgen: ‘jmdn. befallen, peinigen’
3
‘ein Tier antreiben, hetzen’
4
‘jmdn. ansprechen, anreden, anrufen’
4.1
‘jmdn. in Bezug auf etw. ansprechen, in bestimmter Weise anreden’
4.2
‘(Gott, Götzen) anrufen, anbeten, verehren’
4.3
‘jmdn. (zum Kampf) herausfordern’
4.4
‘jmdn. anklagen, zur Rede stellen’
4.5
‘jmdn. (mit Worten, Gebärden) grüßen, begrüßen’ , bei Begegnung und
Zusammentreffen als Ausdruck der Höflichkeit, Ehrerbietung oder des
Wohlwollens 4.5.1 allg. 4.5.2
‘jmdn. (bei seiner Ankunft) mit einem Gruß empfangen, willkommen
heißen’
4.5.3 in Grußformeln (vgl. Bolhöfer, Gruß) 4.5.3.1
gegrüezest sîst dû u.ä.:
4.5.3.2
got grüeze iuch u.ä. ‘Gott sei dir gnädig’
4.6
‘jmdm. (beim Abschied) Wohlergehen wünschen’
4.7
‘jmdm. jmds. Gruß übermitteln, jmdn. von jmdm. grüßen’
5
‘jmdm. freundlich begegnen, jmdn. wohlwollend behandeln’ , teilweise auch als
übertr. von 4.5 auffassbar
1
‘jmdn. bedrängen, (mit einer Waffe) angreifen’
alsô den lewen oder die lêwinnen iemen getar wekchen, / sôs
er ligit ruowen [...], / same giturrin vîante dîn iuweht
dich giruozen. / / sô dû bist fridelîchin in dînen rîchin, / sô dû lîst, slâffest
[...] : / si firbernt dich gare Gen
2753
(vgl. Gn 49,9);
disen hie, dort ienen / gruzter mit grozzen slegen
Herb
8813;
das [Ungeheuer] pegund er grussen /
mit herten slegen auff den kragen HvNstAp
5120;
ich vürhte niht dîn zürnen noch dîne drô. / ich wil dich hiute grüezen mit dem
swerte mîn RosengD
512,3;
ich wil dich grüezen baz, / sît du mir hie bist komen ûf des strîtes vart
ebd.
370,4;
er hête ir vil gegrüezet des lîbes [abh. von
zil
] an ein zil [bis zum den
Tod] , / die von sînen handen vor im zerhouwen lâgen Kudr
1429,2;
biz manic kuͤnc do sich / unminnenclichen
gruͦst, / der stich mit slage wuͦst [zunichte
machte]
WhvÖst
8123.
–
in gruͦzet hiute min swert, / ich pringe in in not
Rol
6179;
RosengD
513,3
2
von Bedürfnissen, Krankheit, Alter, Sorgen: ‘jmdn. befallen, peinigen’
ich wæne, ie dere durften [Gen. Pl.
Fem.] deheiniu geruozze [keines der (irdischen)
Bedürfnisse bedrängt (die Seligen im Himmel)]
Himmelr
9,10;
sô in diu suht grüeze Barth
151,9;
swer danne hat behalten / sine sunde ungebuzet, / unz in daz
alter so gruzet, / der stirbet danne vil lihte / ane riwe und ane bihte
StrKD
132,144;
mich grüezent iemer sorgen / zem êrsten an dem morgen Freid
58,23.
– von Gott, ‘mit Krankheit heimsuchen’
ein abt was dike gewonlich siech, vnd eines iares vermeid in der siechtag.
do weind er vnd sprach: herre got, hest dv mich verlassen, das dv mich in disem
iare nv́t woltest grvͤssen? VitasPatr
242,26
3
‘ein Tier antreiben, hetzen’
dô gruoztern [Iwein den Löwen)] als
einn suochhunt Iw
3894;
daz her [der Jäger] nicht en blâse noch die hunde
nicht en grûze SSp (W)
2:61,4;
SchwSp
108a;
WhvÖst
3448.
3421;
daz ich in [Jagdhund] mit jagen solde grüezen
Hadam
385,7;
daz ros begunde er grüezen / ze beiden sîten mit den sporn StrKarl
6112.
–
‘auf etw. (Wild) Jagd machen’
mit valkchen und mit plafuessen / sach mans auf raiger
paissen [La. grussen
]
Seifrit
7998
4
‘jmdn. ansprechen, anreden, anrufen’
4.1
‘jmdn. in Bezug auf etw. ansprechen, in bestimmter Weise anreden’
únser suéster íst nóh
wênag [...]. wáz tûo wírs nú:
só síu hîrates scál gegrûozet uuerdan?
Will
141,3
(Ct 8,8);
maniger grüezet mich alsô [...]: /
‘Hartman, gên wir schouwen / ritterlîche vrouwen’ MF:Hartm
15:1,2;
keyne suster in muz die andere mit namen gruzzen
[
appellare
] wan die obersten
sollen ir iungeren heiszen suster, vnd die iungen sollen ir obersten heizzen
nunnen BrEb
63;
si grûzten in alse einen kuninc. / er sprach, wes si
gedêhten, / daz si ime kuninges namen ane lehten, / sô er kunincrîches nit ne
hête SAlex
433
4.2
‘(Gott, Götzen) anrufen, anbeten, verehren’
so dich [Gott] dinere gnaden
bitent die zwir zwelf herren [24 Ältesten (Apc
4,4ff.)] , / [...] unde dir dar umbe
ire coronas ze eren versellent / unde bietent sich dir diemuoticliche ze
fuozzen, / daz si dich mit eren lobeliche gruozzen / umbe unser ewigiz heil
Himmelr
12,22;
do wolde er nicht bvzzen / vnt got mit nichte grvzzen Warnung
3082;
wiltu, daz wir gruzen / dine gote und opfern in, / so la sie brengen
aldort hin, / bi daz wazzer vollen na Pass III
172,76
4.3
‘jmdn. (zum Kampf) herausfordern’
dô hôrter daz geriten kam / des selben waldes herre. / der
gruozt in harte verre / als vîent sînen vîent sol Iw
1002;
swer iuch dar umbe grüeze, / dem ir vil lasters hât
getân, / der woltez doch durch vorhte lân Parz
89,24.
– gerichtl. zum Zweikampf:
grûzet man einen man zu kamphe SSp (W)
2:3,2;
SchwSp (W)
404,48;
ab her in zu rechte [dem Recht entsprechend]
gegrûzet hât SSp (W)
1:63,2;
swer kamphlîche grûzen wil einen genôz ebd.
1:63,1.
3:35,2;
StRGörlitz
458;
weitere Belege s. WMU 1,763
4.4
‘jmdn. anklagen, zur Rede stellen’
ne mach hers niht gebûzen, / daz ir in welt grûzen, /
[...] sô [...]
En
5452;
miner missetat, [...] der ich mus
vor dem gerichte mit angest zu antworte stan, da nimant mac vorsprechen han,
[...] da mancher unsanfte wirt gegruset
Macer
Reimvorr. 26
4.5
‘jmdn. (mit Worten, Gebärden) grüßen, begrüßen’, bei Begegnung und
Zusammentreffen als Ausdruck der Höflichkeit, Ehrerbietung oder des
Wohlwollens
4.5.1
allg.:
mit guotem willen gruozter sî Iw
7953;
kêrt mir ze grüezen iweren muot, / lât mich in iwern
hulden sîn Parz
89,18;
swenn er die state hæte, / sô gruozte ouch er mit
ougen dar Tr
1101;
sit ich des guotes niht enhan, so grüezent si mich
trage [überhaupt nicht]
Tannh
12,4;
swer wirde und fröide erwerben wil, / der gediene guotes wîbes gruoz.
/ swen sî mit willen grüezen muoz, / der hât mit fröiden wirde vil
Walth
96,17.
56,29.
49,15;
swen frouwen munt wol grüezet, /
[...] sîn fröide ist im gesüezet KLD:
UvL
38: 3,3;
schiere kam er da er sie vant: / er erbeizte und
gruozte sie zehant / und bôt in guoten morgen Eracl
1980;
sie gruzten sich mit worten, / die darzv gehorten
Herb
18030;
KvHeimHinv
414.
– in Grußworten, die an die Adressaten einer Schrift gerichtet
sind:
wir Heinrich [...] pischof
ze Eysten grvzen vnser liebiv kint SpitEich
1,2;
alle, die disen brief gesehent, gruͤzit graue Egene von
Vriburch vnd kvͥndet in die warheit, diu an disem brieve stat
UrkCorp (WMU)
159,12
u.ö.;
dem ersamen man [mit Dat. st. Akk.] ,
bruder Conrade von Hornecke, [...] gruzen ich,
bruder Ditmar von Gemunden, mit allin truwin in gote UrkDOHess
2:1,7
(um 1300);
an dem briefe stuont alsô: ‘dich grüezet der
künic als er sol [...] ’
BuchdKg
46,18
4.5.2
‘jmdn. (bei seiner Ankunft) mit einem Gruß empfangen, willkommen
heißen’
dô grûztin Pallas En
6109;
der gruozte si [die Boten]
vil scône, er sprach: ‘sît willekomen [...]
‘ NibB
142,1;
der [Hausherr] gruozt in
unde vuort in dan / ûf daz hûs an guot gemach Iw
4382;
her künec, [...] / sol ich
die geste enpfâhen oder sol ich grüezen si verdagen? NibB
510,4;
dô sach er engegen im gân / rîter unde knehte, / die
in nâch sînem rehte / enpfiengen unde gruozten Iw
5595;
UvZLanz
777.
9150;
Tr
9774.
11151;
salûieren unde grüezen ebd.
5206.
– übertr.:
[die Vögel] gruozten ie genôte / Tristanden
unde Îsôte: / diu wilden waltvogelîn / hiezen si willekomen sîn / vil
suoze in ir latîne Tr
17357;
ouch gruozte si her unde hin / der tou mit sîner
süeze ebd.
17390;
in dem tal / hebt sich aber der vogele schal: / wan si grüezent
alle nû den meien Neidh
6:1,3;
dâ sun wir den meien grüezzen SM:
KvA
2: 1,5;
KvWLd
16,10
4.5.3
in Grußformeln (vgl. Bolhöfer, Gruß)
4.5.3.1
gegrüezest sîst dû u.ä.:
ave gratia plena, gegruozzet wis du, Maria!
AvaJo
6,6;
dar umb sprach der engel: gegrüezt pist dû voller
genâden BdN
61,28;
gegruͤsset siest du, lebender got
Mechth
5: 17,2;
und sang [...] also:
gegruͤzet sist du, hymelscher meye der ewigen wisheit
Seuse
33,8.
–
junc man, sint gegrüezet Virg
330,3
4.5.3.2
got grüeze iuch u.ä. ‘Gott sei dir gnädig’
got grvͤz vch, gevater min
ReinFu
K,178;
sînen huot nam er ab, / guoten morgen ez
[
twerc
] im gap, / ez
sprach: ‘Wilhalm, got grüeze dich!’ Ottok
62562;
UvLFrd
293,16;
Martina
33,97;
HvNstAp
900.
16326;
ParzRapp
35,26.
95,25;
mit Umschreibungen von got:
nu gruͦze dich der himiliske herre / unt
gefriste alle din ere Rol
2859;
KvWEngelh
498;
ParzRapp
35,32.
– in Briefen:
sin briefflin [beginnt] : / got
gruͤz dich, liebe frowe min, / got gruͤz dich, aller
selden schrin JvKonstanz
1399f.;
der brief stuont geschriben sô: / mîn vriunt, got gruez’
dich tûsent stunt HeroLeander
119;
ErnstD
223;
EnikWchr
A II,951.
– als englischer Gruß:
nu horet wie er sie grûzte: / aue, got
gruzzet dih Marie [...]
Wernh
D 2417;
do der engel zuo ir kam und si gruoste und sprach: got gruetze
dich vol der gnaden PrWack
46,157;
Konr
8,9
4.6
‘jmdm. (beim Abschied) Wohlergehen wünschen’
daz er sîniu chint und ire barn ê
nemuose [nicht konnte] geruozzen / ê si von ime
skieden Gen
1447
(vgl. Gn 31,28);
do gruͦzte in dev guͦte / mit trurigeme
muͦte / si beualch in gote / mit deme inneren gebete / do shiden si sich
mit sêre VMos
24,15
4.7
‘jmdm. jmds. Gruß übermitteln, jmdn. von jmdm. grüßen’
und kêre balde wider heim; / grüeze mînen œheim /
und sage im daz, daz ich noch lebe Tr
7444.
– mit von:
durch ir zuht gebôt si mir daz ich iuch gruozte von ir Er
37;
künec Artûs, mich hât gesant / mîn vrouwe her in
iuwer lant: / unde daz gebôt sî mir / daz ich iuch gruozte von ir
Iw
3114;
Tr
14544;
herre, zuo dem rîtent ir / unde grüezent in von mir
Iw
5114.
– Eingang eines Liebesbriefs:
des wunsches trvt, got gruͤze dich / von mir, liep
JvKonstanz
1539
5
‘jmdm. freundlich begegnen, jmdn. wohlwollend behandeln’, teilweise auch als
übertr. von 4.5 auffassbar:
du [Gott] uehes [=
vêhest
] vnde gruzis, / du uerlogenis vnde iehes, /
du bist blint vnde gesehes Litan
80;
zehen versagen sint bezzer danne ein liegen. / geheize minre unde grüeze baz
Walth
80,15;
wie si ellende gruͤzen wolten milteclich,
[...] der witwen und der weisen / wolten si clagen
stillen, darzuͦ di armen beschirmen gar vor vreisen JTit
5074,2;
ich wolde in grüezen minneclîch / als ein guot wîp ir lieben man UvLFrd
360,18;
swer mit dem andren izzet vnd trinket vnde in gvͤtlich grvͤzet,
sleht er in ane schulde, daz ist ein mort SchwSp
83b;
swer den andern rovbet an widerbot, den er vor wol gegruͦzet hat
[...], dem sol man di hant ab slahen UrkCorp
(WMU)
475AB,32,10.
–
mit etw.:
der schulde macht er im [der habgierige
Priester seinem Beichtkind] harte vil, / untz in jener mit dem
guote grûzzet; / sô ist diu sunde gibûzzet Priesterl
677;
si mac den armen grüezen / mit guote und mit muote
[...]. / gebristet ir des guotes, / so enhât si
niht wans muotes Greg
606
MWB 2 966,11; Bearbeiter: Tao
grüeʒen
stN.
‘Grüßen, Begrüßung, Gruß’
von in beiden dâ geschach / ein grüezen harte minneclich
KvHeimHinv
377;
hütet ivch vor den schribern di da wellent in den scolen wandeln
vnd daz grüzzen [gegrüßt werden salutari Mc 12,38]
in dem marchte EvAug
110,5.
194,10
(Lc 20,36);
dîn wîplîch friundes grüezen, / dîn küssen und dîn umbevanc, / kan
sich sô lieplîch süezen KLD:UvL
36: 2,1;
hêrre, ir welt gewalt nu tuon, / sît ir mir grüezen widersagt
Parz
300,25.
– in Verbindung mit bieten, sprechen, tuon:
waz hilfet uns daz grüezen, daz uns der künec enbôt?
NibB
2113,2;
des tages wider morgen grüezen man in bôt / mit hertem
urliuge ebd.
2128,1;
swem ir munt ein grüezen bôt, / der brâhte sælde unz an den
tôt Wh
155,11;
Gâwân sîn grüezen sprach / zuo dem krâmer Parz
563,13.
649,4;
dâ wart ein schône grüezen ein teil mit werken
[mit Worten und Gesten] getân NibB
503,4;
dâ wart vil michel grüezen die lieben geste getân ebd.
786,4;
Parz
163,27.
– der englische Gruß:
er [Gabriel] sprach zuo ir
[Maria] : ‘âvê’, daz minneklîch grüezen
Walth
36,35;
ich mane dich, trut [Maria] , an Gabrieles grüzen
Frl
5:2,3.
– brieflich übermittelter Gruß:
einen brief gaber im in die hant, / dar an der hêrre grüezen
vant Parz
76,16
MWB 2 969,18; Bearbeiter: Tao
grüeʒenlîche
Adv.
‘in grüßender Weise’
dô sprach er grüezenlîche dar / ze Parzivâl
Parz
300,11
MWB 2 969,44; Bearbeiter: Tao
grüeʒer
stM.
‘einer, der grüßt’
vil menigen gruͦs si [Maria]
von in [Seraphim] nan, / dannan ir erster
gruͤsser [Gabriel] kan WernhMl
14526
MWB 2 969,46; Bearbeiter: Tao |