grœʒiclîche
Adv.
‘sehr, in hohem Maße’
[der Mensch] ie so grosklich gesúndet PrGeorg
63,32;
ir frúnd [...] sich groͤssklich namend
wunder / wie es hie zuͦ waͤre komen KvHelmsd
1384
MWB 2 956,48; Bearbeiterin: Herbers
grœʒigen
swV.
‘loben, preisen’
magnifico: groͤssigen EvAlem
52(Mt 15,31).
52(Lc 1,58)
MWB 2 956,52; Bearbeiterin: Herbers
grôʒkeller
stM.
‘Großcellerar’ (Wirtschaftsverwalter eines Klosters):
das die von Roggwil kein recht nit haben in únsern wälden holtz ze höwen
denn mit gunst vnd wússen eins apts vnd grosskellers WeistGr
1,178;
her Heinrich Beiginc, der groskeller was UrkCorp (WMU)
3076,39
MWB 2 956,54; Bearbeiterin: Herbers
grôʒkelner
stM.
‘Großcellerar’ (Wirtschaftsverwalter eines Klosters):
do begeinte im ein pristir [...], der was grozkelner unde
was genant er Heinrich von Emeleiben Köditz
76,32
MWB 2 956,60; Bearbeiterin: Herbers
grôʒkommentiur
stM.
‘Großkomtur’
unz daz der hômeistir / zu wesene quam in Prûzinlant; / dô wart
er grôzcomtûr [La. grozcomentuir
] genant
NvJer
23083
MWB 2 957,1; Bearbeiterin: Herbers
grôʒlich
Adj., Adv. , grôʒlîche(n)
Adv.
auch grœz-.
1 meist wohl nur (wie
grôʒ
, grôʒe
8 ) überdurchschnittliches Maß in Bezug auf Nicht-Räumliches
bezeichnend. 1.1 allg. 1.1.1 Adj., ‘groß, stark’ u.ä. 1.1.2 Adv., ‘sehr’
1.2 in Bezug auf Menge, Zahl 1.2.1 Adj., ‘groß’
1.2.2 Adv., ‘reichlich’
2 selten auch prägnanter, z.B. 3 intensivierend bei Adj. oder Adv.: ‘sehr, überaus’
1
meist wohl nur (wie
grôʒ
, grôʒe
8) überdurchschnittliches Maß in Bezug auf Nicht-Räumliches
bezeichnend.
1.1
allg.
1.1.1
Adj., ‘groß, stark’ u.ä.:
sîn ellen was vil grœzlîch Bit
9227;
der hat vil grozlich mut, gewalt
Physiogn
192.
280;
grœzlîch wunder ich dâ sach
Parz
251,26;
daz ist ein grœzlîchiu nôt
Priesterl
291;
NibB
1595,4;
grôzlîche riuwe MF:Mor
13: 1,1;
vreude unde wunne, vil grœzlîchen scal / sah
man aller tägelîch vor Guntheres sal NibB
306,1;
die recken von dem Rîne im sageten grœzlîchen
danc ebd.
1976,4
1.1.2
Adv., ‘sehr’
sumeliche, die alle tage grozlichen sundent
Spec
90,8;
so swert er grozliche [mit
Nachdruck]
StrKD
64,93;
daz er ir die wât zerfuorte, diu vrouwe iz
grœzlîchen rach NibB
671,4;
[sie] batin Dietheriche / beide
grozliche [inständig] , / daz her in hulfe vz
der heidinschefte Roth
2874;
bi im begonde sich mêren / die cristenheit, die
heidenschaft / nam abe grôzlich an ir craft Kreuzf
296;
daz innewendige warnemen gottes daz nimmet in ime
groͤslichen zuͦ Tauler
24,34;
Seuse
115,22;
Eckh
5: 59,22.
– häufig bei loben, êren (vgl. lat.
magnificare):
des lovete man Dietheriche / dar zo hove grozliche
Roth
1354;
En
11652;
StrAmis
460;
BuchdKg
60,4;
StrKD
6,112;
do sprach Maria: grozlichin lobit
[
magnificat Lc 1,46] myne
sele den herren EvBerl
3,19.
122,5;
Tauler
99,24;
Litan
705;
nu suͤln wir sin hochzit vil
groͤzlich eren Konr
2 O,193;
15,10
u.ö.;
PrOberalt
20,23.
157,19
u.ö.;
StrKD
41,212.
– bei Verben des Affekts:
daz lût weinte ubir al / und clagete grôzlîchen
SAlex
3392;
NibB
1110,4;
[den König] beweinde grôzlich die cristenheit
Kreuzf
56;
jâ tet ir diu sorge von Hildebrande wê. / waz
mohte si gehelfen, daz si sô grœzlîchen schrê?
NibB
2376,4;
di hiligen engel die fræuent sich
groͤzlich von eines suͤnders becherung
PrOberalt
83,12.
– vereinzelt bei einem Verb, das sich auf ein körperlich
Ausgedehntes bezieht:
und geswullen im die hende groslichen
Seuse
47,7
1.2
in Bezug auf Menge, Zahl
1.2.1
Adj., ‘groß’
diu menige was grôzlich Gen
3009;
AvaLJ
108,3;
grozlich was ir geuerte Wernh
D 1689;
den grozlichen schaz her besaz Ägidius
855;
grœzlîch gewin Wh
283,6
1.2.2
Adv., ‘reichlich’
dô dise wîslîche wort / der kuninc hete gehôrt, / dô
teter hêrlîchen / und gab grôzlîchen / dem alden SAlex
7250;
En
13197;
din koste und din arbeit / gilt ich dir grozliche / und mache dich so
riche StrKD
6,159;
gip dîn almuosen grœzlîche
BuchdKg
70,8;
Seuse
148,11
2
selten auch prägnanter, z.B.:
[Gottes Stimme:] ich wil [...]
den koufman rehte nennen dir / der die grôzen guottât / sô grôzlîch [in
so großartiger, vortrefflicher Weise] verdienet [als
Dienst (an Gott) geleistet] hât / daz sîn lob des lônes gert / der
immer stæte ân ende wert RvEGer
594
(vgl.
grôʒ
, grôʒe
6);
–
[ein Ritter] nicht gerne abe lat / er enwolle
grozlîchen leben [auf großem Fuß leben] / und stete
in dem vollen sweben Pass I/II (HSW)
14381
(vgl.
grôʒ
, grôʒe
4)
3
intensivierend bei Adj. oder Adv.: ‘sehr, überaus’
Sîfrides kurzewîle diu wart vil grœzlîche guot
NibB
628,4;
wir sîn iu grœzlîchen holt Kudr
63,4;
grozlich riche StrKD
64,94;
des bin ich grozlichen fro ebd.
164,20.
57,16;
der tuvel Jhesum vorbaz zoch / uf einen berk grozlichen hoch
HeslApk
6038;
StrAmis
2217;
HvFreibTr
2934;
der herzoge uon Pîse / was [...]
gewapint grozlichin wol Athis
E 99;
PrGeorg
18,1;
nu tut mir grozlichen wê, / daz man uns niht grozen danch seit
/ umbe unser grozzen arbeit / und umb den michelen frumen StrKD
3,I 1642;
der chunigk Alexannder [...] het in
gröslichen lieb HvHürnh
1,3
MWB 2 957,5; Bearbeiterin: Herbers
grôʒlîchen
swV.
‘loben, preisen’
magnificate dominum mecum: michillichit, grozlichit den herren mit mir
PsWindb
33,4.
40,10.
103,1
MWB 2 958,15; Bearbeiterin: Herbers
grôʒmachen
swV.
als Übersetzung für lat. magnificare.
1
‘etw. vergrößern’
2
‘jmdn. rühmen, preisen’
1
‘etw. vergrößern’
wan si [Pharisäer] zeweitent ir
philacteria [Gebetsriemen] , vnd groz machent ir
saüm [Mt 23,5]
EvAug
56,7
2
‘jmdn. rühmen, preisen’
si groz machten den got Ysrahel [Mt
15,30]
EvAug
36,22.
125,8
MWB 2 958,18; Bearbeiterin: Herbers
grôʒmeister
stM.
‘großer Gelehrter’
bi des ziten lebete der grosmeister meister Albrecht [Albertus
Magnus]
[...]: der waz ein bredier zuͦm
ersten, dernoch wart er bischof zuͦ Regensburg ClosChr
149,18
MWB 2 958,24; Bearbeiterin: Herbers
grôʒmüetic
Adj.
1
‘mutig, zuversichtlich’
2
‘auf Großes, Bedeutendes ausgerichtet’
1
‘mutig, zuversichtlich’
weiß farbe [der Haut] , die rotende
ist, zaichent ainen starcken und grosmüetigenn [Menschen]
HvHürnh
76,28;
in diser goben [göttliche
Stärke] wurt der mensche so grosmuͤtig daz er gerne aller
menschen werg wúrkete und alle ding litte Tauler
107,14;
da von muos der mensche grossmuotig sin, kuone, stark, vnd veste Eckh
(B)
118,14.
117,42.
2
‘auf Großes, Bedeutendes ausgerichtet’
[Marias] sêle was grôsmüetig. ir was nihtes niht under got
grôs PrJvSterng
257
MWB 2 958,29; Bearbeiterin: Herbers
grôʒmuoticheit
stF.
1
‘Mut, Tapferkeit’
2
‘Hochherzigkeit’
1
‘Mut, Tapferkeit’
[der Papst] stercte ouch mit innekeit / dî brûdre zu
grôzmûtekeit NvJer
2053
2
‘Hochherzigkeit’
der hoͤhi volgent dise menschen in der wise das ir
gemuͤte also úber schúmmet in die hoͤhi úber
al und al, mit als grosser danknemkeit und grosmuͤtikeit
Tauler
368,23
MWB 2 958,40; Bearbeiterin: Herbers
grôʒneʒʒel
swF.
‘Engelwurz’
archangelica: groznezele Gl
3:536,9
MWB 2 958,47; Bearbeiterin: Herbers
grôʒschrîber
stM.
‘Urkundenschreiber, -ausfertiger, Ingrossist’ (vgl. Bresslau, Urk.
1,5):
grossarius: grosschriber VocOpt
37.010
MWB 2 958,49; Bearbeiter: Bohnert
grôʒtætic
Adj.
‘großartig, machtvoll handelnd’
die herren wert von hôher art, / uf alle dinc gerêtic, / grôz
gemût und grôz têtic Kreuzf
4252
MWB 2 958,52; Bearbeiterin: Herbers
grôʒtürstic
Adj.
‘sehr kühn, waghalsig’
dâ liget der man, / von dem wir al unsern schaden hân. / er ist
von grôz turstiger tât Kreuzf
6621
MWB 2 958,55; Bearbeiterin: Herbers
grœʒunge
stF.
‘Größe, Ausmaß’
die habunge [
habitus
] mag
zwiveltige grözunge [
magnitudo
] haben
ThvASu
224,33
MWB 2 958,58; Bearbeiterin: Herbers
groʒʒe
swM.
zu lat. grossus.
‘Spätfeige, unreife Feige’
eines viecboumes grozzen risn [fallen
herab] / von eime starken winde [Apc 6,13]
HeslApk
12062
(vgl. die Auslegung v.
12161-65 )
MWB 2 958,61; Bearbeiterin: Herbers
grübel
stM.
‘einer, der gräbt’,
umschreibend für den Teufel:
der helle grubil Martina
4,50.
10,13.
– für die Finger:
miner hende grübil Martina
73,22
MWB 2 959,1; Bearbeiterin: Herbers
grübelen
swV.
grobiln ( Cranc ).
zu graben (1 und 2) und krabbeln
(3 und 4), vgl. DWB 4,1,612ff.
1
‘in etw. graben, bohren’
2
‘(geistig) bohrend nach / in etw. suchen, etw. intensiv untersuchen,
erforschen’
3
‘krabbelnd, tastend nach etw. suchen, greifen’
4 (jmdm.) diu ôren
‘kitzeln’ , hier übertr. ‘sagen, was jmd. gerne hört’
1
‘in etw. graben, bohren’
der minneste finger der nehât ambeht ander / newane sôs wirt
nôt daz er in daz ôre grubilet, / daz iz ferneme gereche swaz iemen spreche
Gen
147
2
‘(geistig) bohrend nach / in etw. suchen, etw. intensiv untersuchen,
erforschen’
man [soll] nicht alleine ein
cinvaldegen lut der wort vornemen, sundir man sal ouch grobiln nach deme vorborgenen
sinnen, der undir den worten bedackit ist Cranc
Vorr. Joel 316,3;
under drîzigen ich niht vinde / drî, die gerne lernen / und nâch der künste
kernen / grübeln wöllen in der jugent Renner
17425;
KvWPart
7352;
wan wir müezen manic kristenlîchiu dinc glouben, daz man weder gesehen, noch
gehœren mac. man sol ouch niht ze vil grübelen in dem hôhen kristengelouben
PrBerth
2:77,7.
2:235,9
3
‘krabbelnd, tastend nach etw. suchen, greifen’
swer bûwet gein himel hôhe gibel / und ûf der erden als ein wibel / tac und
naht nâch guote grübelt / und ein pfunt ûf daz ander schübelt, / der ist ein irdisch
nagemûs Renner
21907
4
(jmdm.) diu ôren
~
‘kitzeln’, hier übertr. ‘sagen, was jmd. gerne hört’
meister, die diu ôren grübeln / und von der wârheit wenden ir
[der Welt] ôren Renner
22472
(vgl. 2 Tim 4,3 prurientes auribus, eigentl. ‘je nachdem, wie
ihnen die Ohren jucken’).
– diese Bedeutung sonst nur in jüngerem unpers. Gebrauch ‘jucken,
kitzeln, kribbeln (in der Nase, in den Händen, im Magen usw.)’ (vgl. DWB
4,1,6,613 unter 2), mhd. aber für
ReinFu
S4,1884
(vgl. den App. in ReinFu (S) ) wahrscheinlich.
MWB 2 959,5; Bearbeiter: Plate
grübelîsen
stN.
‘Grabwerkzeug, Meißel’
scalprum: grubelisen VocOpt
14.023
MWB 2 959,38; Bearbeiterin: Herbers
grübelnuʒ
stF.
Walnussart, bei der sich die Schale schlecht von der Frucht lösen lässt, hier
übertr. ‘Gegenstand des Grübelns, schwer zu lösendes Problem’ (vgl. auch DWB
4,1,6,618):
swaz unser herre uns hât enboten / bî sînen wîssagen und sînen zwelfboten, / daz
sül wir êren und wol behalten / und lâzen die grüebelnüzze
[Gen.] walten, / den sanfte mit grüebelnüzzen sî: /
Kristen geloube ist wandels frî Renner
13448
MWB 2 959,40; Bearbeiterin: Herbers
grübeʒ
stM.
‘Kerngehäuse (des Obstes)’
wer die öpfel inwendig auzsneid und den grütz
[Hss. den grubz, die
grëutz
] dâ von werf BdN
374,7
MWB 2 959,49; Bearbeiter: Bohnert
grüebeleht
Adj.
‘mit Grübchen versehen’
[Magdalena] waren [...] / die vinger
[...] lang und ussen gruͤbeleht SHort
7046;
sin kinne sinwel und recht / nach prise, enmitten
gruͤblecht WernhMl
5948
MWB 2 959,52; Bearbeiterin: Herbers
grüebelîn, grüebel
stN.
Dimin. zu gruobe;
auch grüebli ( Seuse ,
WernhMl ).
‘kleine Grube, Grübchen’
1 allg. 2 am menschlichen Körper 2.1 in Wange oder Kinn 2.2
‘Bauchnabel’
1
allg.:
diu kint, / diu grüebelîn grabent an der strâzen Renner
11427;
ze der erde es [das Jesuskind] sich
huͦb, / mit sinen vingerlin es gruͦb / ain gruͤbli vil klaine.
/ do entsprang ain brunn raine WernhMl
3729;
höler die kern auz in [den Quitten]
und leg lauter honig in diu grüebel BdN
320,5
2
am menschlichen Körper
2.1
in Wange oder Kinn:
ir kyne hette ain grubelein HvNstAp
13213;
ir kinne och sunder loblich, / sinwel, und enmitten / ain
gruͤbli nach kluͦgem sitten WernhMl
990;
Philipp
864;
KLD:Hetzb
2:2,2;
Physiogn
268
2.2
‘Bauchnabel’
er machete daz kleid [Bußkleid für den
Unterkörper]
[...] in der hoͤhi, daz es im unz an daz
gruͤbli her uf gie Seuse
39,15;
des magen munt, daz ist [...]
daz grüebel BdN
340,24;
[ihm ist] in deme grubelyn we OvBaierl
116,4
MWB 2 959,56; Bearbeiterin: Herbers
grüejen
swV.
Prät. gruote.
‘wachsen, grünen, gedeihen’
1 eigentl., von Pflanzen 2 übertr.
1
eigentl., von Pflanzen:
jan ruochte ich ob der boume gruot / niemer mêre grüete HartmKlage
1792;
wan diu heide gruote / und sungen in dem walde / diu vogellîn
vil balde UvZLanz
6688
2
übertr.:
sie sprachen: unser
knorren [Gebeine] / abe gesniten dorren.
[...] diz sprichet unser herre got: / uwer grab werde
ich uf tuende, / daz ir werdet wider gruende [vgl. Ez
37,11f.]
HeslApk
18284
MWB 2 960,11; Bearbeiterin: Herbers |