g – gâchlîchen gâchmuot – gagen gagen – galander galanderisch – 1galle 2galle – galter galtnüsse – gamerot gamîe – gancheil ganclîche – ganteren ganz – gärmic garn – gartenhuon gartenhûs – 3garwe garwwurz – gastmeisterin gastnusse – gaʒʒenspringer ge- – gebæric gëbærin – gëbendic gebenedîunge – gebietære gebietærin – gebiurischlich gebiurlich – geböume gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten gebrëstelîn – gebrûchic gebrûchlich – gebunt gebunt – geburst geburt – gedâht gedâht – gedense gederbe – gedinge gedinge – gedrange gedrâte – gedünste gedurchtriben – gegate gegatrom – gegenkouf gegenlëder – gegensetzunge gegensidele – gegenwertes gegenwertic – gegihte gegiric – gehaʒʒic gêhe – gehëlfe gehëlfelîche – gehilfe gehilfic – gehœric gehœrlich – gehügenisse gehugesam – geifer geifervrâʒ – geiselrieme geiselruote – geisticlich geistîn – geiʒhorn geiʒhût – gejeitschuoch gejeitvogele – gekünne gël – gelegede gelegelich – gelende 1gelende – gêlîche gelîcheit – gelîchmëʒʒunge gelîchnisgëbende – gelide gelidemâʒe – gêlingen gelîp – gëlm gëlmen – geloup geloup – gëlte gëltel – gelückede gelückederat – gelüstelîn gelustic – gemahel gemahelbettelîn – gemæʒicheit gemæʒiclich – 2gemeine 1gemeinen – gemeinsin gemeinunge – gemerrede gemêrsal – 2gemüete, gemuote gemüetic – gemutzet gemʒe – genâdenschüʒʒel genâdensol – genæmicheit genamʒôn – genemede genende – genëserinne genetzen – genieʒen genieʒlich (?) – genôʒen genôʒgeselle – gensîn gensischen – genuhtlîchen genuhtrîch – genuʒ genuʒt – gephrange gephünde – 1gerat 2gerat – gerëhen gerëht – gereisic gereitære – gerieme geriemen – gerihticlîche gerihtinsigel – geriune 1geriusche – gerouche geröufe – gerte gerte – gerûmiclich gerummel, gerumpel – gêrvalke gerwære – gesaten gesatznissede – gescheftbrief geschefte – geschepfnisse geschepfunge – geschiuwede geschoc – geschrihte geschrîp – gesëhen gesëhenheit – geselliclîcheit geselligen – gesihtic gesihticlich – gesite gesiten – geslihte geslinge – gesnæren gesnarren – gespenstnisse gesper (?) – gespræchelich gespræchetac – gespunst gespür – gestelle gestellet – gestifte gestille – gestrenglîche gestrenze – ge|stunge gestungede – gesuoch gesuochære – geswerme geswërte – gesworn gesworne – getelle getelôs – getougen getougen – getreigeret getrenke – getrüese (?) getrügede – getwædicheit getwædigen – gëtzen getzsal – gevalte gevanclich – gevëderen, gevëdern gevêhe – geverte|lehe gevertinne (?) – gevlester gevlitter – gevrier gevrist – gevülle gevuoc – gewahsenheit gewahst – gewaltroubunge gewaltsame – gewar gewar – gewe gewëbe – gewellen geweltigen – gewërben gewërbic – gewern gewërn – gewiere gewieret – gewinnen gewinnic – gewist gewiste – gewonunge geworden – gewzen (?) gezagel – gezëmelich gezemen – gezît gezîte – gezoc gezogen – gezwîen gezwîge – giefen giege – gifticheit gifticlich – giht gihtboum – gimbîʒen gimme – gippengappen gippentuoch – giric giricheit – gischen gîse – gîtigære gîtige – 1glan 2glan – glas(e)väʒʒelîn glas(e)vënster – gleimel gleimelîn – gleten glêtphenninc – glipfen glise – glocke glockehûs – glôriôs glôriôslich – gluothaven gluothert – goder goedertieren – golf gollen – goltgesmîde goltgesteine – goltreit goltrîch – golttropfe goltvar – gos (?) got – gotesarm gotesbeckære – gotesmordærinne gotesphenninc – gotgeformet gotgelâʒen – gotmeinunge gotmensche – gouch gouch – goukelære goukelbilde – goukelspil goukelsprütze – göumütte, -mutte göu|phâwe – grabe grabe – grâf- graft – gramerʒîe gramerʒîen – gransprunge gransprunge – gras(e)phenninc gras(e)spier – grâvenrëht grâveschaft – grebinc grebnisse – gremiclich grempære – griekech grien – griffel griffelære – grimmetât grimmic – grisegrammen grîseleht – griuslich griuwe – groppe gros – grôʒmüetic grôʒmuoticheit – grüenheit grüenlich – grunderëbe gründic – gruntübele gruntvestære – gruon- gruon- – grütschîn grutte – 1gücken 2gücken – güfticheit güfticlich – gûlen gülle – gumpenîe gunderam – guotdunken guotdunkende – guotswender guottât – gürtelgewant gürtellîn – gymnosophiste
|
grisgramen, grisgrammen
swV.
grisegrammen
HeslApk
10642.
1 von Menschen: ‘(mit den Zähnen) klappern, knirschen’
1.1 als Symptom einer Krankheit, bes. der Besessenheit 1.2 vor Kälte 1.3 vor Angst, Verzweiflung, Schmerz 1.4 vor Zorn, Wut, Feindseligkeit u.ä. 1.5 als Ausdruck der Ergriffenheit 2 von verschiedenen Tieren: ‘(gegen jmdn.) mit den Zähnen
knirschen’ , wohl auch ‘(drohende, wütende) Laute von sich geben’ (knurren, brüllen usw.), oft in Vergleichen von Menschen, Teufeln
1
von Menschen: ‘(mit den Zähnen) klappern, knirschen’
1.1
als Symptom einer Krankheit, bes. der Besessenheit:
ligget eyn mensche in eyner sucht, vnde daz her myt den
czenen grisgramet, dat bedudet antwer den dot ader daz er vnsynnich wyl werden
OvBaierl
70,2;
also groz was sein toben. / [...] er grisgramete
unde phnach [schnaubte] . / die liute er sluoc unde
raufte Serv
3086;
[der vom bösen Geist Besessene] schuͦmet und
grizgrammit mit den zcenen EvBeh
Mc 9,17;
EvAug
99,3
1.2
vor Kälte:
uon rehte grisgramen si in dem froste
Lucid
129,3;
si tuͦn von kelti grisgramen SHort
870;
(subst.:)
da [in der Hölle] ist iemer
weinen der ougen von deme rouche vnde grisgramen der cene uon dem froste
Lucid
8,14
1.3
vor Angst, Verzweiflung, Schmerz:
ich hœre dâ grisgrammen, / wäinen unt wûffen, / vil
chläglîch rûffen Erinn
730;
um die roten vures flammen, / dar die sele grisegrammen /
inne von ewen zu ewen / mit marterlichen wewen HeslApk
10642;
da sihe ich die grisgrament mit iren zenen VitasPatr
266,6;
von himilrich dv [Teufel] verstozin, /
[...] grizgrame vnde zanne / vnd var vz dinem huse
/ der verfluchten cluse Martina
157,66.
– subst.,
~ der zene u.ä.:
RvEBarl
3493;
HlReg
26,31;
EvBeh
Mt 8,12;
HvNstGZ
7253
1.4
vor Zorn, Wut, Feindseligkeit u.ä.:
daz sîn gemüete in zorne bran / und er grisgramen began
RvEBarl
8420;
(subst.:)
michel grisgrammen unt zorn / was unter in erpluͦt
Rol
5280;
alle mine vint shrieren ob mir vnt grisgramten mit ir zenden vnt
íahen si wolten mich vrezzen PrLeys
18,27;
(adj. Part.:)
mit grisgramenden zenden [...] huob ér
sich dar Kudr
1508,2.
– mit Präp. gegen, ûf:
mit schilhen ougen ane sach / Jêsum al diu menigîn /
[...] und begunden allesamen / gägen im von
zorne grisgramen WvRh
9181;
da Sancta Maria Magdalena unserm herren sin heubt begoz und sin
fuͤße mit der edeln salben, daz verkert man ir, und grisgrameten uf
sie und muͤrmelten gein ir PrBerth (K)
110;
KvWPant
1129
1.5
als Ausdruck der Ergriffenheit:
sus kam Jesus hin da daz grab / waz gemachet, laides vol
/ und grisgramet SHort
9070;
aber Ihesus do er si sach weinent vnd di ivden weinten
[...] do grisgrammet er in dem geist [
Io 11,33] , vnd betrübet sich selber EvAug
245,11.
245,16
2
von verschiedenen Tieren: ‘(gegen jmdn.) mit den Zähnen
knirschen’, wohl auch ‘(drohende, wütende) Laute von sich geben’
(knurren, brüllen usw.), oft in Vergleichen von Menschen, Teufeln:
– Hund, Wolf:
dô grisgrimmete [La.
grisgrammete
] der
hunt [Teufel] , / vil lût er ingegen dem hêrren
scrai Kchr
13304;
grisgramende er do grein, / als ein hovewart ein bein / alles grinende
naget. / svz grein er gein der maget Martina
165,43;
(mit Präp. ûf:)
si begonden grisgramen / wol gelich den hunden / uf Stephanum
[...], / der als ein lemmel vor in stunt
Pass III
39,84.
77,34;
als under zamen schâfen / ein wilder wolf grisgrammet /
und ûf si wirt entpflammet, / alsô wart Hercules enzunt / ûf die von Troye
[...] / und reit grisgrammend under in
KvWTroj
12619.
– Löwe:
do begonde der loͤwe grisgramen, vnd vngeberdig sin
VitasPatr
223,9;
als ain leowe an ainer lanen / sach man
sie [Kämpfer] grisgramen WhvÖst
8323;
sie [Teufel] grînent sam die hunde
[...] unde grisgramment sam die lewen,
[...] dar umbe, daz der mensche verzwîvel
PrBerth
1:46,9.
1:46,17
(subst.);
der túfel der get úch noch
[nach] alse ein grisgrammeder lowe
MerswBgr
168
(vgl. I Pt 5,8).
– Stier, Schwein:
der pfarre dô begunde / grisgrammen unde lüejen KvWSilv
4829;
der freche / wart grisgramen als ain eber
WhvÖst
8187;
KvHeimUrst
735.
– Drache:
vil starc ist sîn grisgrammen / und sîn toben, daz er
tuot KvWTroj
8202.
– Vögel:
[die Krähe] sa in [den
Habicht] zornchlichen an / vnt grischramt als ein han
FabelCorp
22,46
MWB 2 937,52; Bearbeiter: Tao
grisgramunge
stF
‘Knirschen, Klappern (der Zähne)’
stridor: grisgramunge EvAlem
68
(Mt 8,12)
MWB 2 939,3; Bearbeiter: Tao
grisgrimmen
swV.
wie →
grisgramen
.
‘mit den Zähnen knirschen’
1 von Menschen 2 von Hund, Löwe
1
von Menschen:
– vor Angst, Verzweiflung:
werfit in in die vzirste vinsternisse, da sol wesin ein weinen vnd
grisgrimmen der zende PrLpz (L)
73,22.
– als Ausdruck des Zorns; Part.Präs.:
vil griscrimmente er sprach Kchr
6252;
subst.:
da wart michel grisgrimmin Rol
5914
2
von Hund, Löwe:
dô grisgrimmete der hunt [Teufel] ,
/ vil lût er ingegen dem hêrren scrai Kchr
13304.
– Part.Präs.:
der richter sal sin ein grisgrimmender lewe, und ein man der nit wandels
an ime habe KlKsr
1,6
MWB 2 939,5; Bearbeiter: Tao
grisgrînen
stV.
vom Hund, ‘Zähne blecken, knurren’, im Vergleich:
do wurden sy grisgrainen / sam dy hunt an einer lainen, / das in der jest
[Schaum] dy meuler streit [=
ströuwete bespritzte] , / und ÿgleicher im
pesunder dreit [= dröuwete
]
Hawich
2651
MWB 2 939,17; Bearbeiter: Tao
grîsinc
stM.
‘der graue Haare hat’
swenne ein alter eine junge frouwen genimet, sô wære eht er sô gerne junc
[...]; sô ist er doch ein alter grîsinc PrBerth
1:320,39.
1:321,1.
1:321,3
MWB 2 939,23; Bearbeiter: Tao
grissame
Subst.
‘Knirschen (der Zähne)’
die erste wizene ist daz fúr.
[...] die ander wize ist so groz frost
[...]. jn den zweigen [=
zweien
] ist ‘weinen vnde grissame der cene
Lucid
128,2
MWB 2 939,27; Bearbeiter: Tao
grîsvar
Adj.
‘grau’
ein reichen mantel greisvar, / bedacht mit einem mordel [=
mardel
‘Marderfell’
]
Krone
6910
MWB 2 939,31; Bearbeiter: Bohnert
grît
stM.
elsäss. (vgl. Anm. zu
MerswDial
66,36
).
‘Gier, Begehrlichkeit, Habsucht’
du solst wisen das dirre grit [...] usser eime
hoffertigen gruͦnde kuͦmet, [...] das ie
einer ueber den andern mit sime guͦthe stigen wil MerswNF
44,5.
24,10.
69,16
u.ö.;
[der Teufel] jaget dich mit maniger hande bekorunge:
[...] mit hochvart, mit grite, mit allerleige untugende
Tauler
312,20;
HlReg
39,11;
ElsLA
37,20
MWB 2 939,34; Bearbeiter: Bohnert
gritelinc, -lingen
Adv.
zu griten.
‘mit gespreizten Beinen, rittlings’
[Lancelot auf der Schwertbrücke] saczt sich gritteling
uff das schwert [...]. er begunde riten mit den henden und
mit den fußen uff jhem [dem] schwert Lanc
629,10;
und woltent baide
fuͤsse [Jesu] han / hinder das crúce
also gezogen [...] / das er grittelingen wære / gestanden
in der swære WernhMl
9995
MWB 2 939,43; Bearbeiter: Bohnert
griten
swV.
Ansatz unsicher; vgl. Etymol.Wb.d.Ahd. 4,643ff. s.v.
bigrîtan.
‘gabelförmig auseinander gehen’, von Ästen:
ficus haizt ain veigenpaum. der paum ist gesträut mit weit
gritenden esten und pletern [
vastis diffunditur ramis et
foliis
]
BdN
322,4
MWB 2 939,51; Bearbeiter: Bohnert
grîtic
Adj.
elsäss. (E. Martin in: Straßburger Studien 1 [1882], S. 381).
‘gierig, habsüchtig (nâch etw.)’
ein gritic herze niemen mac / erfüllen; deist ein übel sac Freid
112,9;
daz wir durch keines guotes kraft / ûf erden gritic solten sîn KvWSilv
3879;
Flore (S)
4822(La.);
FünferlLiebe
174,3;
ElsLA
179,33.
768,29;
MerswSend
191;
ein richter [...] was so gritig noch guͦte das
er dicke vrteil sprach vmb goben ElsLA
517,18;
ClosChr
64,5.
– subst.:
hochvartige und zornige und hessige und gritige
Tauler
35,18
MWB 2 939,57; Bearbeiter: Bohnert
grîticheit
stF.
‘Gier, Habsucht’
ouch wart er mit der gritekeit / [...] versuochet
[...], / ob er ein gewaltic man / wolt aller rîche
werden KvWSilv
3864;
versuochent, / ob ir sîne gîtekeit [La.
gritikeit
] / [...] mugent
schatzes gesaten Flore (S)
4781;
die leide gritikeit, die der siben hoͮbtsúnde
eine ist Tauler
359,22
u.ö.;
HlReg
40,4;
GeistlStreit
A,515;
ElsLA
622,31.
–
dine gritikeit, die du noch dem guͦte hest ElsLA
357,2.
– personif.:
do daz froͮ Gritekeit vernam, / balde sú gerennet kam
GeistlStreit
A,517
MWB 2 940,4; Bearbeiter: Bohnert
griul
stM.
→
griuwel
MWB 2 940,15;
griulich
Adj.
→
griuwelich
MWB 2 940,16;
griuse
stF.
→
grûse
MWB 2 940,17;
griuselen
swV.
‘Grausen empfinden, schaudern’
ach, ach, vnd wüstend ir, wes ir ivch selber hinderent
[...], ivch griuselete ab ivch selber PrWack
62,42
MWB 2 940,18; Bearbeiter: Bohnert
griusen
swV.
→
grûsen
MWB 2 940,22;
griusenlich
Adj., Adv. , -lîche
Adv.
→
grûsenlich
MWB 2 940,23;
griusinc
stM.
‘Grausen oder Ekel erregender Mensch’
waz wirret daz, / lît ein alter griusinc an der strâze?
MF:Reinm
64: 2,7
MWB 2 940,24; Bearbeiter: Bohnert
griuslich
Adj., Adv. , -lîche(n)
Adv.
auch grûs-.
‘grausig, entsetzlich, schrecklich’
1 Adj. 1.1 attr. 1.2 präd. 2 Adv.
1
Adj.
1.1
attr.:
so grúselich wágen / die vergen und die
marner / nie gehortent uf dem mer SHort
10804;
er ist zuo den schultern dick / und hât die griuselîchsten plick
Orend
1182;
swer sich des underwinden wil, / daz er bestê griuslîchiu
dinc KvWTroj
18303;
daz diu [...] vrouwe
[...] sach [...]
unmenschlîche und griuslîche pîn, die man irn siben sünen anelegete und anetete
Eckh
5: 59,16;
RvEWchr
27860;
ElsLA
526,14;
Cranc
Joel 2,31
1.2
präd.:
wie bist du [ein Riese] sô reht griuselîch /
und hâst doch menschenbilde! JSigen
62,2;
wer lêrte dich die sprünge, die sint sô griuselîch WolfdD (J)
6:150,1;
[die Marter] was getân unbarmeclîch, / ze sehenne was
ez grûslîch MargAntioch II
364;
Krone
13418
2
Adv.:
owê wie griuslich er [Christus] uns kumt
[zum Jüngsten Gericht] ! LBarl
2753;
dô sprach vil grûslîche der rise RosengA
214,1;
er verslant sî grûslîchen / und tet ir mortlîchen MargAntioch II
433;
JTit
6212,2
MWB 2 940,27; Bearbeiter: Bohnert
griuwe
swstM.
→
grûwe
MWB 2 940,48;
griuwel
stM.
auch grûwel, griul, griule (
Neidh
WL 9:7,5;
JTit
864,2
).
1
‘Gräuel, etw., das Grauen, Schrecken hervorruft’
2
‘Furcht, Angst’
3 als Bestandteil von Pers.-Namen
1
‘Gräuel, etw., das Grauen, Schrecken hervorruft’
alse die guͦten mit micheler gezierde werdent
erlúhtet, alse werdent die v́belen mit michelme gruwele
gewuͦstet Lucid
159,13.
128,10;
hilf uns [...] / vor des leiden tiuvels griule
MarGr 18
726;
auch Pl.:
daz diu helle [...] / wer uf getan mit aller tiuvel
gruͤlen JTit
6213,3.
– präd.:
div iuwel [Eule] / ist der vogel gruwel
Martina
116,64;
[die Askese der Altväter ist] ze disen núwen
ziten etlichen weichen menschen ein grúwel Seuse
107,23.
– übertreibend:
maneger sagt den wîben von dem guote [seinem
Besitz] grôzen griule
[Imponierendes]
Neidh
WL 9:7,5
2
‘Furcht, Angst’
dem [Mutlosen] machent lîhte butzen griul
KLD:LvS
8:2,2;
wære ich in einer wüestenunge aleine, dâ mich grûwelte, hæte ich dâ bî mir ein
kint, sô vergienge mir der grûwel Eckh
3:356,3;
in dem grúwele der
neiglicher [nächtlicher] gesichte do
heilt [packte] mich angst und bibunge [Iob
4,13f.]
Tauler
222,8.
222,12;
JTit
5538,2.
– jmdn. nimt ~
+ Gen.d.S. ‘jmdn. ergreift Schrecken vor
etw.’
iz nem den baruk grule [La. ez næm ein armer
grewle mit persönl. Konstr.] , solt er solche richeit
han verkustet [aufgewendet]
JTit
864,2
(vgl. Grimm, Dt. Gr. 4,288)
3
als Bestandteil von Pers.-Namen:
Cvͦnrad Gruwel UrkCorp (WMU)
2273,29;
UrkWürtt
7,322
(a. 1274);
[
teste
] Ludewico dicto Griͮwel ebd.
7,259
(a. 1273)
MWB 2 940,49; Bearbeiter: Bohnert
griuwelen
swV.
auch grûwelen, griulen ( Walth ,
JTit ).
1
‘Grausen, Schrecken, Angst empfinden’ . 2
‘starke Abneigung, Abscheu empfinden (vor etw.)’ , 3 refl., ‘jmdm. gegenüber Abscheu, Abneigung zeigen’
1
‘Grausen, Schrecken, Angst empfinden’.
– jmdn./jmdm. griuwelt:
wære ich in einer wüestenunge aleine, dâ mich grûwelte Eckh
3:356,2;
dô grûwelte im ebd.
1:331,3.
– mit Präp. ab/von/vor:
kinder, wistint ir wie schedelichen das ist
[...] das man gotte ungehorsam ist, úch
grúwelte dar ab Tauler
342,12.
343,3;
von disen worten grúwelot mir ie und ie
Mechth
5: 5,5;
er stêt dem tiuvel wol gelîch [...], / mir
grûwelt vor im iemer mê Virg
248,12;
Eckh
1:344,1;
Tauler
38,8.
– jmdn. nimt ~
+ Gen.d.S.:
ein ziborje [...] mit zwein und drizic
suͤlen / [...]: mangen nimt der richeit
gruͤlen [mancher erschrickt über die Pracht; La.
maniger nimt im ab der reichait greulen
]
JTit
6243,2
(vgl.
griuwel
2
)
2
‘starke Abneigung, Abscheu empfinden (vor etw.)’,
jmdn./jmdm. griuwelt:
mich griulet, sô mich lachent an die lechelære, / den diu zunge honeget
und daz herze gallen hât Walth
30,12;
du bist bose und arc [...]. /
mir grouset, swanne [La. mir grvlet, daz
]
ich dich sehen sol StrKD
163,43.
– mit Präp. vor, ‘jmd. empfindet Abscheu vor einer
Sache’
si [die Verdammten in der
Hölle] sint stetelich in so grimmeklichem muͦte, das
inen grúwelt vor allem guͦte Mechth
3: 21,80
3
refl., ‘jmdm. gegenüber Abscheu, Abneigung zeigen’
er muez sich gein ainem graulen / und den andern lachen an
Teichn
404,26
MWB 2 941,15; Bearbeiter: Bohnert
griuwelich
Adj., Adv. , -lîche(n)
Adv.
auch grûwelich, griulich.
1 Adj. 1.1
‘schrecklich, furchtbar’
1.2
‘grausam’
1.3 als Pers.-Name 2 Adv., ‘schrecklich, furchtbar’
2.1 ein Verb näher bestimmend 2.2
~ getân 2.3 übergehend zum Steigerungsadv. 2.4 präd. (vgl. Behaghel, Dt. Syntax 2,13)
1
Adj.
1.1
‘schrecklich, furchtbar’
er [...] vant den griulîchen man
/ ûf einem gevilde / stân [...] / und vor sînem
aneblicke / segent er sich vil dicke Iw
980;
dô er [der verwilderte
Iwein]
[...] sich selben ane blihte /
und sich sô griulîchen sach ebd.
3507;
[des Fallsüchtigen] anblic der was griulich
LvRegFr
2716;
Seuse
89,11;
(subst.:)
schaf ir [Seele] , herre, solhe
phlege / daz ir iht griulîches an dem wege / erschîne den si varn sol
KvHeimHinv
514;
ich was [...] gebunden
[...] uf einen grúlichen rost
Mechth
2: 24,39;
grûwelîch was ir [
Sibille
] lîb
En
2727;
swie rîche er was, / sô wirt sîn fleisch ein griulich âs Renner
24380;
dar zuo gevie der selbe slac [die geschlagene
Wunde] / einen [...] griulîchen smac
Tr
7276;
dâ vâhten mit grimme / mit griulîcher stimme / wisente und
ûrrinder Iw
410;
SAlex
5021;
Konr
5,36;
KvWTurn
817;
Pass III
238,53;
Seuse
204,14.
–
daz griulich urteile / gots soltû vergezzen niht LBarl
7922;
so erschrikt aller meniglich / von der dat
gruͤwelich HvNstGZ
5993;
dô was der tôt hezlich und grûwelich allen den menschen
HvFritzlHl
118,29;
er nerte [...] mich / von
einer griulîchen suht KvHeimUrst
571;
grúweliche vorchte Tauler
145,34;
Mechth
3: 14,12;
RvEBarl
4564;
PrSchw
1,20;
Rumelant
3,57a.
–
~
dinc/ sache:
wer hat sogetane grueliche ding
[
horribilia
] gehort?
Cranc
Jer 18,13.
Os 6,10;
daz [Rest der Haube] wart nû gar zefüeret.
/ daz was ein griuwelîch dinc: / sô breit als ein phenninc / beleip ir niht
bî einander Helmbr
1883;
Er
8445;
KvWTroj
6193
1.2
‘grausam’
ir ist genunch die barmhertzich sint wider ander læut und
sint wider sich selb gruͤlich PrOberalt
127,18;
Nerô der griulîch künic und æhter der kristenheit, der
kriuzet sant Peter EnikWchr
456 Prosa 2,1;
[Herodes] gebôt, [...], /
daz man si [Kinder] elliu samt ersluoc. / daz was
griuwelîch genuoc KvFuss
1308;
daz si [Viper] gräuleicher sei
denn all ander slangen, iedoch ist si gar sänftig gegen irm weib
BdN
286,9.
254,12.
282,20;
KvHeimUrst
682;
HvHürnh
13,4
1.3
als Pers.-Name:
Grivlich vnd sin brvͦder Lvtfrit UrkCorp (WMU)
1963,9;
[
teste
] Conrado dicto Griulich
UrkWürtt
9,266
(a. 1289)
2
Adv., ‘schrecklich, furchtbar’
2.1
ein Verb näher bestimmend:
griulîchen er in ane sach LBarl
8957;
sú schrúwen uf mich vil grúwlich
Seuse
204,21;
es ist dw genad vor im verdekcht / als vor ainem der
grauͤleich smecht / und ist harbig [= horwic
‘schmutzig’
] uͤber all Teichn
284,32.
–
daz [
bilde
] er gruwelichen sluc
/ mit scharfen geiselen genuc Pass III
21,38;
er [...] kússet si
vil grúwelich Mechth
3: 21,40.
3: 21,31;
wie griulîch er über si rihtete
BuchdKg
71,9;
SalArz
75,27;
Ottok
51310
2.2
~ getân:
der [Riese] was griueliche
getan Roth
5022;
ich fvrchte din ovgenblicke, / die sint grevlich getan
ReinFu
K,193;
dú lugin [Lüge] ist
ussen schoͤne und innan grúwelich getan Mechth
4: 4,35;
Teichn
411,50
2.3
übergehend zum Steigerungsadv.:
[Christi Dornenkrone] was ein grulich scharfer dorn
Pass III
84,70;
dem hie sô griulîchen wê / [...]
sol geschehen KvHeimUrst
1734;
êweclîche verdamnet sîn ist griuwelîche müelich ze leisten DvAOff
12;
StrKD
58,II 185;
Ottok
94249
2.4
präd. (vgl. Behaghel, Dt. Syntax 2,13):
an sînem schilte was der Tôt / gemâlet vil griulîche
Wig
2999;
sin angesichte was grulichen Cranc
Dan 2,31
MWB 2 941,43; Bearbeiter: Bohnert
griuwelîcheit, -lîchkeit
stF.
‘Schrecklichkeit’
dô vluhen di brudere alle von der grûwelichkeit des tirs [eines
Löwen]
HvFritzlHl
211,15;
wer [= wære
] das
in [den Teufel] ein ieklich mensche solte sehen in
sinem rechten bilde, si zerstúben alle von der grúwelicheit
Tauler
146,32;
die gruͤwlicheit des hellschen fuͤres EvAlem
46(Mt 18,9).
–
[der Bauer] slüg mit solcher grùwlicheit / an die mure
einen so mehtigen slag, / das sie gantz vnd gar gelag Krone
14304
MWB 2 942,48; Bearbeiter: Bohnert |