gotechen
stN.
Dimin. zu got.
das Göttliche in seiner kleinsten Gestalt:
di sêle einen funken in ir hât, der ist in gote êwiclîchen gewest
[...] etelîche heizen in ein gotechen in der sêle
HvFritzlHl
32,22
MWB 2 863,24; Bearbeiter: Helmich
gotegëlt, gotesgëlt
stN.
1
‘(verpflichtende) gottesdienstliche Handlung’
2 Abgabe für die Kirche oder eine andere geistliche Einrichtung 3 Unterpfand zur Sicherung der Rechtsgültigkeit von Verträgen, als
Almosen weitergereicht (vgl.
gotesphenninc
, s.a. DRW 4,1031-1032, Hwb. dt. Abergl.
3,975; oder zu 2 ?)
1
‘(verpflichtende) gottesdienstliche Handlung’
cerimonia: gotesgelt vel ehalti Gl
1:651,66
(BStK637)
2
Abgabe für die Kirche oder eine andere geistliche Einrichtung:
ih sculdic bin [...] mines zehenten unde anderes
gotes geltes unde opferes WessobrGlB I
146,21
3
Unterpfand zur Sicherung der Rechtsgültigkeit von Verträgen, als
Almosen weitergereicht (vgl.
gotesphenninc
, s.a. DRW 4,1031-1032, Hwb. dt. Abergl.
3,975; oder zu 2?):
die kamerer sint fry, quit, loß, ledich von alle dem rechte, dat man nennet
bachhellinge [Abgabe für die Bachbenutzung] unde godegelt
UrkTrier
315,2
(a. 1350 kopial)
MWB 2 863,29; Bearbeiter: Helmich
gotegram, gotesgram
Adj.
‘Gott erzürnend, Gott feindlich gesonnen’
nu wart in den zeiten / darümb gepotenn weytenn, / das die
christen chämen zesam / und die checzer gotte gram [die Anhänger der
arianischen Lehre] , / welich die warhait alda funden
Märt
9534.
– überw. subst. ‘Gottesfeind’
jemerleich ander stünde / Tarquinius der gotte gram / alda
von dem leben cham Märt
28051;
ze jungst dem gotes gram / unsännft ain tiefel kam ebd.
11241;
Olibrius der gottes gram ebd.
12180;
Decius, der gotte gram ebd.
16259
u.ö.
MWB 2 863,42; Bearbeiter: Helmich
goteheit
stF.
→
gotheit
MWB 2 863,53;
got|ehtic
Adj.
‘gottesfürchtig’ (evtl. zu
gotdæhtic
?):
dise juncvrowe was schône von lîchamen und zuchtig von siten und was wîse von
sinnen und was gotechtic von gemute HvFritzlHl
155,16
MWB 2 863,54; Bearbeiter: Helmich
gotehûs
stN.
→
goteshûs
MWB 2 863,59;
götele
stN.
Dimin. zu
gote
, göte swMF.
‘Taufpatin’
patrina: goͤttele VocClos
Pa251;
admater: goͤttele ebd.
Ad9
MWB 2 863,60; Bearbeiter: Helmich
goteleidic, gotesleidic
Adj.
‘gottverhasst’
der gotleidige twerch, [...] des niuht
ne liez, / er ne stige nah im dar uf. / ih waene, in sin geselle dar uf /
huͦb, Satanas der tievel Eilh
R,3465;
do sprach der gottes laidig man, / der chaiser Dyocleciann
Märt
9019.
– subst.:
die goteleidigen, / die vor gote sint vorwazen / und deme
tuvele gelazen HeslApk
11718
MWB 2 863,63; Bearbeiter: Helmich
goteleit, gotesleit
Adj.
‘gottverhasst’
an si uaste draueten / di gotlaiden geste [die
Heiden]
Rol
6344;
die meiste / menie der heiden / und ouch die gote leiden /
juden nicht geloubeten HeslApk
10310.
11507;
do hiez er im [dem Christen Nereon]
dye zende / mit hämern aus dem mund slan, / der gotes laide Lysian
Märt
1234.
1398.
– unklar, ob Syntagma:
der man bezeichent den mist – / wan er got leit ist
–, / den man fur daz hous chert Hochz
52.
– subst.:
chetzer, iuden und heiden / dunchent uns die got leiden
StrKD
112,2;
der verdampte goteleit / mag got in der gotheit / nit gesehen
an HvNstGZ
6884;
dye haidenn [...], / dye gottes
laidenn Märt
2135.
8695;
Kchr
12229
MWB 2 864,7; Bearbeiter: Helmich
götelîn
stN.
Dimin. zu
got
.
ein kleiner Gott:
siner geselleschaft [Jesu] alle vrô / wâren und in
êrten hô. / sî jâhen er waer ein götelîn, / Jupiter waer der vater sîn. / si jâhen
er waer ein junger got Philipp
3728
MWB 2 864,21; Bearbeiter: Helmich
gotelop
Interj.
(aus gote sî lop).
‘gottlob’ (auch semantisch abgeschwächt):
von holze [vom Baum der Erkenntnis]
huob sih der tot, / von holze [Kreuz Christi] gevil er,
gote lop VEzzo
258
(=
AvaLJ
149,3
);
er sprach ‘got lop, ich heizze Jacob’ GenM
65,11;
Pass I/II (HSW)
32300;
Erz III
56,377;
NvJer
7491
MWB 2 864,26; Bearbeiter: Helmich
goten
swV.
‘gottgleich werden’, hier Part.-Adj. ‘gottgeworden’
Adam und du [Eva] , / soltet sin
gegottet nu, / wan daz úch daz ops enlat, / daz úch daz got
verbotten hat. / hettint ir versuͦchet sin, / er wær ain got, du ain gottin.
/ dar um hat úch beden got / getan daz schádlich gebot: / er wil got
sin allain SHort
482;
her heizet ein gemenschet got und heizit ein gegotit mensche HvFritzlHl
27,30
MWB 2 864,33; Bearbeiter: Helmich
gotes-
s.a. got-
MWB 2 864,41;
gotesampfer
stM.
‘Sauerampfer’ oder ‘Sauerklee’ (vgl. Marzell 3,493, s.a.
gouchesampfer
):
alleluia: gotis ampher Gl
3:536,1
(BStK947)
MWB 2 864,42; Bearbeiter: Helmich
gotesarm
Adj.
‘sehr arm, machtlos, bemitleidenswert’ (vgl.
got
-, gotes-):
diz was ein gotes armer man RvEBarl
5551;
Märt
23492;
NibB
1575,4.
– subst.:
wie salich die gotes armen sint Vateruns
219;
dô sprach diu gotes arme: ‘des wære Kriemhilde
nôt.’ NibB
1080,4;
du sold dich erparmen / uber die gots armen
HvBurg
2108;
Wig
5315;
StrKD
113,53
MWB 2 864,45; Bearbeiter: Helmich
gotesbeckære
stM.
→
gotebeckære
MWB 2 864,53;
gotesdienest
stM.
( LvRegFr stN.)
1
‘Gottesdienst’
2
‘Dienst an Gott’ (im Rahmen klösterlichen Lebens)
1dienest
4
1
‘Gottesdienst’
an dem gotes dieneste sal man sich nâch einer forme uber
allen den orden halden StatDtOrd
72,17;
dô daz gotes dienst zegienc, / menlîch [jedermann]
ze herbergen gienc LvRegFr
3154;
alz man ze messe list / da der gocz dienst ist
Märt
10786;
PrOberalt
66,16;
BdN
431,21;
Lucid
81,20.
– personif.:
die frauwe die du hast gesehen
[...] zu latine ist sij Latria genant / und zu
dutsche Gods Dinst gewant Pilgerf
13292
2
‘Dienst an Gott’ (im Rahmen klösterlichen Lebens) →
1dienest
4
MWB 2 864,54; Bearbeiter: Helmich
gotes|êwe
stF.
meist gotesê.
‘göttliches Recht und Gesetz’
nu lone dir [Roland] selbe min
trechtin. / du sterchest uns wol in der gotes ê, / uor gote bistu wizer den der sne
Rol
6186;
da ze demselben doͤrffelin da waren die ewart der ampt
waz daz si die hiligen gotes ê ze allen zeiten marchten und lasen und saiten si den
luͤten PrOberalt
7,9.
60,12;
an den taveln hat er braht / die gotis ê mit im gescriben
RvEWchr
12436;
HimmlJer
466;
Konr
5,8;
HvBurg
3452.
– Recht zu gottesdienstlichen Handlungen (Sakramentenspendung):
ouch nam der bischolf von Kiemsê / datz Salzpurc die gotesê /
und leit in des bâbstes ban / hern Philippen und sîne man Ottok
5550.
8458
u.ö.
– auch für die Entziehung dieses Rechts (Interdikt, Untersagung gottesdienstl.
Handlungen):
daz er [der Papst] in danne ruorte
/ mit dem bann und mit der gotesê / und aller kristenlicher ê / sold er in machen
lære Ottok
5467
MWB 2 865,1; Bearbeiter: Helmich
gotesgâbe
stF.
‘Pfründe’
→
gâbe
1.5
MWB 2 865,20;
gotesgëlt
stN.
→
gotegëlt
MWB 2 865,21;
gotesgram
Adj.
→
gotegram
MWB 2 865,22;
goteshûs, gotehûs
stN.
goteshus auch als Syntagma lesbar, jedoch mit eigenen Ableitungen, s.
goteshûs-.
1 meist jüdisch-christlich ‘Gotteshaus, Kirche, Kloster, Stift’
(vgl. A. Masser, Die Bezeichnungen für das christliche Gotteshaus, Berlin 1966, S.
42-53) 1.1 allg. (nicht immer ist klar zwischen Gebäude und zugehöriger Gemeinschaft zu unterscheiden) 1.2 bildl. 2 von heidnischen Sakralbauten ‘Tempel’
1
meist jüdisch-christlich ‘Gotteshaus, Kirche, Kloster, Stift’
(vgl. A. Masser, Die Bezeichnungen für das christliche Gotteshaus, Berlin 1966, S.
42-53)
1.1
allg. (nicht immer ist klar zwischen Gebäude und zugehöriger
Gemeinschaft zu unterscheiden):
der keiser reht ersach / gezierde und grôze rîcheit, / diu an daz gothûs
was geleit RvEGer
226;
in dem gotzhûse, dâ daz sacrament gegenwürtig ist ûf dem altâre
PrNvStr
263,22;
do der kuninc guͦte /
[...] / da hete gestieftit / ein gotis hus uil
mechtic Ägidius
869;
sente Egidius der guͦte /
[...] sines gotehuͦsis sache / so hete
geschaffit / daz iz ane nichte ne missequam ebd.
1559;
alle die, die von dem gotzhus erb oder lên hant WeistGr
1,1
(Ende 13. Jh.);
WhvÖst
446;
UrkCorp (WMU)
150B,42
u.ö.;
BdN
355,23;
Lanc
544,25
1.2
bildl.:
du irweltez gotes hus [Maria] , /
sacrarium sancti spiritus MarldM
94;
werent die kouflúte uzgetriben und der tempel
[gemeint ist der Mensch] gerumet, so
zuͦhant so wurde es und so were es ein bettehus, ein gotzhus, do got inne
wonen solte Tauler
394,31
2
von heidnischen Sakralbauten ‘Tempel’
[Nebukadnezar] wirt inzundin eyn vuer in Egyptin
gotehusirn und wirt sy vorburnyn Cranc
Jer 43,12;
swî sî im gêben vil gût, / sîne mohten im nîht gesenften sînen mût / erne
brêche in ir stete unde ir goteshûs, / ir apgot warf er dar ûz JJud
400
MWB 2 865,23; Bearbeiter: Helmich
goteshûsdienestliute
stM. (Pl.)
‘zu einer geistlichen Herrschaft gehörige Personen’ (s.a.
gothûsdienestman
):
ouch han wir bime eide ervarn an unsern herren den duͦmherren, den
gotzhuͦs dienst luten und den burgern, die ze gezuͥgen an dem selben
brieve stant UrkBasel
3:282,25
(a. 1300)
MWB 2 865,53; Bearbeiter: Helmich
goteshûserære
stM.
hier Pl. ‘Klosterleute, Kirchenmänner’
mîn alter klôsenære, von dem ich dô sanc, / dô uns der êrre bâbest alsô sêre
twanc, / der fürhtet aber der goteshûse [Hss.
goteshvseręre
] , ir meister werden kranc
Walth
10,35
MWB 2 865,59; Bearbeiter: Helmich
goteshûsgëlt
stN.
‘Geld für eine kirchliche Einrichtung’ (vgl.
gotegëlt
):
redditus nostros in G., dictos gotzhusgelt DRW
4,1020
(Gudenus,CDMog.; a. 1315)
MWB 2 866,1; Bearbeiter: Helmich |