glatzehten
swV.
‘mit einer Glatze versehen, kahl machen’
ja werdin alle houbt gegleczecht und alle berte werdin
geschorin Cranc
Jer 48,37
MWB 2 821,12; Bearbeiter: Helmich
glavîn
stF.
auch glâve, glêve, glâvie, gleffe, glevîne, glevene, glevenie, glavenie
(vgl. afrz. glaive, glave
‘Lanze’, Suolahti 1,98; DWB 4,1,4,7928ff.); kontrahiert auch →
glene
stswF.
‘Wurfspieß, Speer’ (zur Sache vgl. LexMA 4,1494):
du salt ouch haben in dime her / harte manegerleie wer, / swert, grellen,
glavenien Secret
2815;
dô sazter die glævîn / vorn ûf des satels vilzelîn
Parz
537,5;
sin scharfe glevie im quam / mitten an den schenkel
Herb
14708.
18375;
in den velssen, daz gar zerbrach / dü lange glevye
GTroj
11735;
manic haidnisch glavie / was da uf gestecket: / diu banier
dran zerflecket WhvÖst
6064.
579;
die glevenie er nider sluc / nach ritterlicher saze / und stach in voller maze
/ durch den wurm al inmitten Pass III
256,94;
ein glauye nam hei in de hant Karlmeinet
62,51;
rottecht sie riten die vrien / ufgeriht ir glavenien Macc
8336;
Wig
5094;
Krone
10531;
ClosChr
83,18;
Pass I/II (HSW)
7226.
– wohl auch eingeschränkt ‘Lanzenspitze, Speerspitze’ (vgl. DWB
4,1,4,7932):
eine scharpfe glævîn, / dar inne al niwe was der schaft
Parz
443,24;
da kam von den gesten / ein swartzer reck geritten her, / der fuͦrt ein
vngewones sper, / das was ein claui breit, / die zü beiden sijten wol sneit
Krone
18965;
er vuͦrt ouch eine lanzen groz roͤrine. / goltvarwer stahel uz
India di glevje was, gezieret mit rubine JTit
1284.
– metonymisch für den Träger der Waffe ‘Lanzenreiter’
der stark / grave wert von Clefen / mit maniger starken
glefen WhvÖst
16902
(vgl. DRW
4,937 für jüngere Belege)
MWB 2 821,15; Bearbeiter: Helmich
glavîn|îsen,
glef|îsen
stN.
(vgl.
glenîsen
; s.a.
spërîsen
).
‘eiserne Spitze an Lanze, Hellebarde oder Wurfspeer’
manich helt tet als der strauz, / der eysen chan verslinden: / des manger must
enphinden, / der pheyl- und glaͤfen-eysen slant, / daz er mit sterben
uͤberwant Suchenw
18,269;
die glefisin giengent durch den schranz ParzRapp
212,42
MWB 2 821,46; Bearbeiter: Helmich
glaz
Adj.
‘kahlköpfig, eine Glatze habend’
ist er kayl und ane har, / man sprichet, er sii ein glazzer [La.
glatter, glazzet; MinneR 52 K :
glaczachter
] schalk MinneR 52
65
MWB 2 821,53; Bearbeiter: Helmich
glaz, glatz
stM.
zu
glat
Adj., s.a.
3glitze
.
1
‘Schädel’
2 meist auf den ganzen (kahlen) Kopf bezogen ‘Kahlkopf’ ; auch
haarlose Stelle des Kopfes, ‘Glatze’
1
‘Schädel’
calvaria: glaz Gl
3:694,42
(BStK444)
2
meist auf den ganzen (kahlen) Kopf bezogen ‘Kahlkopf’; auch
haarlose Stelle des Kopfes, ‘Glatze’
ir [der Venezianer] herzog ist ein mehtic kürsenære,
/ unt wart ie kürsenære crônebære / mit sînem igelvarwen glatze, / sô mac ouch er
wol crône tragen RvZw
145,9;
si begunden harte kratzen / einander ûf den glatzen, / sô enphienc eins
iesliches glaz / manegen ungefüegen kraz, / daz ie nâch dem kratze / gienc daz bluot
uz dem glatze HundesNot
210;
Ruopreht warf imz [das Ei] an den glatz Neidh
(HW)
39,18;
wo crusb har waz, do wirt sin ein glatz Cranc
Jes 3,24.
Jer 47,5;
UvEtzAlex
19183
MWB 2 821,57; Bearbeiter: Helmich
gleffer
Subst.
auch gliffer, Koll. zu
lëfs
stswMF.
pluralisch ‘Lippen’
mit honigseyme drifent gar, / brut, dine gleffer, daz ist war PrHess
10,1300;
fvr liege minem mvnde / hvͦde zvͦ aller stvnde, / die gliffer
min beware, / daz mir kein wort enphare ebd.
51,431
u.ö.
MWB 2 822,8; Bearbeiter: Helmich
glefîsen
stN.
→
glavînîsen
MWB 2 822,14;
gleie, gloie
swF.
vgl. mlat. glaiolia, afrz. glaïeul, ahd.
gleiol (Etymol.Wb.d.Ahd. 4,486); s.a.
lilje
(mit den Schreibformen gilge, gilje), vgl.
Marzell 2,1291.
‘Schwertlilie’
daz alte buoch von Troye. / schôn als ein vrischiu gloye / sol
ez hie wider blüejen KvWTroj
270;
vîolvar die gleijen SM:Wi
6: 1,6;
geleien / die man da siht ze meien Martina
27,7;
SHort
5354;
JTit
1984,2.
– unklar, ob hierher, M. (vgl. auch Etymol.Wb.d.Ahd. 4,481):
corona regis: roter geile Gl
3:530,45
(BStK455)
MWB 2 822,15; Bearbeiter: Helmich
gleiekrût
stN.
Bed. unklar, eine Schwertlilienart (vgl. Etymol.Wb.d.Ahd. 4,482):
illirica: glegekrut Gl
3:51,51
(BStK160)
MWB 2 822,25; Bearbeiter: Helmich
gleienbluome
swMF.
eine Lilienart, wohl ‘Schwertlilie’
gladiolus: gelgleien bluͦme [l. gel
gleienbluͦme
]
VocOpt
50.170
MWB 2 822,28; Bearbeiter: Helmich
gleif
Adj.
‘schief, schräg’, zum Bedeutungsspektrum vgl. Röll, JTit., S. 26f. und
Etymol.Wb.d.Ahd. 4,482:
kleiner unde grozer cristallen geliche den huͤten, / gleifer unde
rozer. di balsam daruz brunnen, sam si gluͤten JTit
409,2.
– phras. (?):
uz dem bette er do trat / und ructe genzlich in der zit / bette und stro hin
besit / und machte ein ummegenge gleif [einen schlechten Tausch (?,
Glr.z.St.)] . / sin herin tuch er begreif / und breitte ez uf die
erden Pass III
606,51
MWB 2 822,31; Bearbeiter: Helmich
gleif
stM.
‘Schräge, Wölbung’
dâmit er [Jesus] an dî sîte greif / berûrnde der
wundin gleif, / dî im ê Longînus stach NvJer
22579;
swaz slege ûf den wurm gie, / [...] swie vaste er was
mit slegen snel, / dô erdâhte er in dem sin, / daz er sich hinden rihte an in, / dâ
die schuopen heten gleif / von dem umbesweif Heidin III
1437
MWB 2 822,41; Bearbeiter: Helmich
gleifen
swV.
vgl.
ergleifen
,
vergleifen
.
1 intr. ‘vom Weg abkommen, hin und her irren’
2 tr. ‘abschrägen’ ; Part.-Adj. geleift, gleift
‘schräg, abgeschrägt’
1
intr. ‘vom Weg abkommen, hin und her irren’
Reddîn / unde Mertîn von Golîn / [...] wurden irre /
ein teil in dî virre / von der wege kunde; / und dô sî lange stunde / gerittin
[d.i. gerieten
‘begannen’
] alsô gleifin / und in der wûste streifin / einiz
her, daz andre dar, / zu jungist wurdin sî gewar / drîer Prûzin NvJer
14461
2
tr. ‘abschrägen’; Part.-Adj. geleift, gleift
‘schräg, abgeschrägt’
er maz dy lenge des gebuydis [...]
und den tempil den innirstin und dy hallin des ruymis und dy swellin und dy
geleyftin venstir [
fenestras obliquas
] und dy
philer alumme an dren wendin Cranc
Ez 41,16.
Ez 41,26;
gleyfte venstir ebd.
Ez 40,16
MWB 2 822,48; Bearbeiter: Helmich
gleim, glîme
stswM.
aus ahd. gleim, gleimo und glîm, glîmo ( ‘derjenige, der
glänzt’, Entwicklung zur Tierbezeichnung, vgl. Etymol.Wb.d.Ahd. 4,485 u.
490).
‘Leuchtkäfer, Glühwurm’
cicendula: glimo SummHeinr (Ho)
4,70;
cicendula: gleime Gl
3:355,16
(BStK927);
Volucr (W)
349;
alsô mag auch scarabeus haizen ain gleim. daz würmel hât die
art, daz ez gleizet wenn ez vleugt oder gêt und ist als ain klaineu muk
BdN
297,23;
Ottok
7901.
– sprichw.:
glîmen nahtes sint genême / und sint des tages widerzême Renner
18281
MWB 2 822,62; Bearbeiter: Helmich
gleimel, glîmel
stN.
Dimin. zu
gleim
, glîme.
‘Leuchtkäfer, Glühwürmchen’
cicendula ist der vliegen geslähtes, die scarabei haizent,
und haizt cicendula ze däutsch ain gleimel BdN
297,21
MWB 2 823,9; Bearbeiter: Helmich
gleimelîn
stN.
Dimin. zu
gleim
.
‘Leuchtkäfer, Glühwürmchen’
glis [Haselmaus, Siebenschläfer] vel cicendula vel
nitedula [Haselmaus] : glemilin Gl
3:673,2
(BStK287)
MWB 2 823,13; Bearbeiter: Helmich
glene
stswF.
nur Lanc , kontrahiert aus glevîne, glevene ( →
glavîn
stF.).
‘Wurfspieß, Speer’ (zur Sache vgl. LexMA 4,1494):
da er [Lambegus] off geseßen was,
da hieß im Claudas ein glene reichen, die ein scharpff ysen hett wol schnidende, der
schafft was groß und starck Lanc
110,11;
[ein Ritter] stach Claudas off syn bruͦst mit
einer glenen, das sie alle zurstuͦb und Claudas zuhant in onmacht viel ebd.
66,17;
im uß wol mit zwenczig mannen mit schilten und mit glenen off
ir ahseln geworffen. sie Phariens komen sah, da reyt
100,35
u.ö.
MWB 2 823,17; Bearbeiter: Helmich
glenenstücke
stN.
auch glene-.
‘Lanzenspitze’
ein gewunt ritter, der bracht zwey glenstúck in
synem libe steckende Lanc
233,24;
diß ist der der dem ritter die glenenstuck ußer dem lib zoh
ebd.
139,9;
nochdan bleib er siczen uff sim roß und zoh das glenestuck
ußer sim libe ebd.
591,23
u.ö.
MWB 2 823,29; Bearbeiter: Helmich
glen|îsen
stN.
(vgl.
glavînîsen
stN.).
‘eiserne Lanzenspitze’
der siech ritter stach den andern so sere das im das glenysen
durch den schilt ging und durch den halßberg Lanc
193,23.
135,7.
144,6
MWB 2 823,35; Bearbeiter: Helmich
glenste
stF.
vgl. auch
glanst
stM.,
glast
stM.,
glunst
stM.
‘Glanz, Schimmer, Leuchten’
ich hoffe ich wolle der sî / der dâ blîbe mit dî, /
[...] / mîn zarter engel, / mîn rôsen sprengel, / mîner
lîbe glenste MinneR 27
291;
o keiser, cristentumes berg, / in minen glesten [La.
glensten
] wirstu stan MügelnKranz
313;
MWB 2 823,39; Bearbeiter: Helmich
glensten
swV.
mit Rückumlaut.
‘glänzen, leuchten, strahlen’
got selbe erliuhtet die burch [...], /
si nebedarf liehtes des sunnen [...] dere sternen hat si
rat jouch anderre liehtvazze, / von reinem golde glenstet ein ieglich ire gazze
Himmelr
4,6;
ein bilde eins tags fur mich wischt. /
[...] daz waz so uzzermoßen clar; / ez schein, es
brant, es glanst, es gleizz Minneb
5487.
– Part.:
ave, schoner leittestern, / di mit glenstender macht / dem sundere luchtes in
der nacht / in sinen nebel sunden Pass I/II (HSW)
18047
MWB 2 823,46; Bearbeiter: Helmich
glenster
stM.
→
glanster
MWB 2 823,57;
glensteren, glenstern
swV.
vgl.
glansteren
,
glinsteren
.
‘glänzen, leuchten, strahlen’
dar schinet goldin wol der stein, / uz dem die vunken
glenstern, / kegen ir herzen venstern HeslApk
21855;
zu den venstern, / die glich dem vure glenstern ebd.
6334
MWB 2 823,58; Bearbeiter: Helmich
glensterlîn
stN.
Dimin. zu
glanster
stM.
‘Fünkchen’
alle sunde in meinem lohen / sint also schir verblohen, / alz ain clainez
glensterlein / verlischet mitten in dem Rein Syon
453
MWB 2 823,63; Bearbeiter: Helmich
glenzære
stM.
Spottname des Goldschmieds:
goltsmid: glenczer, / [...] /
satler: mach gesmeidig, / kaufman: neydig Teichn
600,9
MWB 2 824,3; Bearbeiter: Helmich |