gieʒvaʒ
stN.
‘Gefäß zum Gießen, Kanne’
als er dô niht wolte / langer ezzen in dem sal, /
[...] / daz giezvaz sach er für sich komen / und daz
vil schœne beckîn [zum Waschen der Hände]
KvWPart
1084;
aquamanile: gießevas VocClos
Aq3;
lavacrum ebd.
La123;
LaurinA (L)
1120;
KgvOdenw
13,43;
ûf dem selben palas stuont ein guldîner man, / der hete in sînen henden zwei
giezvaz wunnesam. / daz bilde was gewürket mit starken listen grôz, / daz daz selb
wol hundert mannen wazzers gôz WolfdB
811,2;
KvWPart
984;
fusorium: giesfas VocOpt
10.110;
VocClos
Fu67;
guttunia: luter giessevas ebd.
Gu21
MWB 2 782,10; Bearbeiterin: Baumgarte
gieʒveʒʒelîn
stN.
Dimin. zu
gieʒvaʒ
, hier Ölbehälter als Teil eines
Leuchters:
und sehet: ein luchter, der was zumale guldin, und sin lampe
was uf sime houbte und sine siben lucernen daruffe und siben
gyezveslin [
septem infusoria
] den
lucernen Cranc
Zach 4,2.
Zach 4,12
MWB 2 782,23; Bearbeiterin: Baumgarte
gif
stM.
‘Schlund’ (vgl.
giwen
):
hirumme hat di helle [...] iren gyf
ufgetan Cranc
Jes 5,14
MWB 2 782,29; Bearbeiterin: Baumgarte
gift
stFN. (vereinzelt stM.
Boner
92,41;
stF. z.B.
PrOberalt
139,26;
Mechth
6: 34,8;
Seuse
75,6;
stN. z.B.
BdN
262,13;
Barth
156,11;
Seuse
135,14
)
1 der Vorgang oder der Gegenstand einer Übergabe (zum Gebrauch in Rechtstexten
stärker differenziert und mit weiteren Belegen vgl. WMU 1,745; DRW 4,879-884) 1.1
‘Übergabe, Darreichung’
1.2
‘Gabe, Geschenk’
1.3 Rechte und Privilegien, deren Verleihung und dafür geleistete Abgaben 1.4
‘Datum der Ausstellung einer Urkunde’
1.5
‘Mitgift’ (?) 2
‘Gift, schädliche Substanz’
2.1 übertr. 2.2 im Sprichwort ‘aus der gleichen Blume macht die Spinne Gift, die Biene
Honig’ (vgl. TPMA 5,14)
1
der Vorgang oder der Gegenstand einer Übergabe (zum Gebrauch in Rechtstexten
stärker differenziert und mit weiteren Belegen vgl. WMU 1,745; DRW 4,879-884)
1.1
‘Übergabe, Darreichung’
sie [die drei Göttinnen] trugen
einen apfel an der hant, / der was von golde alrot. / ir iegeliche mir
[Paris] sine gift bot [gebot mir seine
Übergabe]
Herb
2202;
daz ist al menschlich kunne, / dem geordent ist die wunne
/ des himelischen trones / durch gift irs tagelones HeslApk
16528;
diz kaufes vnd dirre gift sint gezivge der herr Vͦlrich von Warperc
[...]
UrkCorp (WMU)
247,5
1.2
‘Gabe, Geschenk’
er gap gift vber gift, / ros, gewant, silber, golt
Herb
3164;
der milde sal nicht eime nemen / und eime andern die gift
geben HeslApk
12423;
daz wortelîn ‘gift’ vellet in zît; daz wortelî
‘gâbe’ denket der zît niht. gift suochet alle wege daz ir an den
dingen, aber gâbe ist frî unde blôz und alzemâle lôs alles warumbe Eckh
(Pf)
131,24;
Mechth
6: 34,8;
donacio: eine gift VocClos
Do34.
– Opfergabe:
do daz opfer wart gereit, / Agomennon selbe reit /
hin zv Yda in den walt / vnde brachte dar gift manicfalt Herb
3622.
–
‘Schenkung’
die selbe gifft hat mein vraw [...] mit meim
guͦtten wil gegeben der samnunge ze Goss UrkCorp (WMU)
2547,40.
– übertr.:
swie er doch hete hohe gift / von got an genaden groz
Vät
14652;
des reinen toufes gifte ebd.
8034;
patriarchen und wissagen, / der ieslich schreib bi
sinen tagen / orkunde dar ab [von der
Auferstehung] an siner schrift, / als her von gote nam die
gift HeslApk
18190;
mit sibenvalden geiste / siner sibenvaldigen gift
[7 Gaben des Hl. Geistes]
ebd.
1815
1.3
Rechte und Privilegien, deren Verleihung und dafür geleistete Abgaben:
der kirchensatz [Recht bei der Besetzung einer Pfarrstelle
mitzuwirken] nach mins vader seligen briefen und nach siner
gift sal sin ewicliche des abtes und des conventes zu Otterburg UrkOtterb
305
(a. 1311);
wan ir chein gedinge, gelubde noch fride getuͤn noch gemachen
muͤgt, davon uns und dem riche chein schade aufstande oder cheiserlich
gyft oder saczunge gehindert sulle werden in cheinim wege MGHConst
6,1:549,34
(a. 1329)
1.4
‘Datum der Ausstellung einer Urkunde’
nach gift diesis briefis UrkYsenb
147
(a. 1349).
145
(a. 1348).
1.5
‘Mitgift’ (?):
vnd mit vier dingmannen so behaldet ein vrowe ire gift UrkCorp
(WMU)
51,36
2
‘Gift, schädliche Substanz’
diu [Schlange Aspis] læzt vergift
in irm piz und zesträwet ir gift mit irm peizen BdN
262,13;
des han ich verlorn daz min leben. / owe, er hat mir gift
gegeben ReinFu
K,2234;
so er [der Zauberer] diu gift
macht, so bestrichet er daz vaz ze oberist mit dem hoͤnig, ze niderist da
giuzzet er daz toͤtlich eitter in den grunt PrOberalt
139,26;
in selben ziten, do daz geschell waz von der gift
Seuse
75,6
2.1
übertr.:
din stritt ist unser aller gift GTroj
18927;
der zorn ist aller gifte gift Mügeln
377,16;
ir hoͤret wol, die hailig schrift / sey ain
vellung und ain gift, / so mans nach dem text verstat / und die glos dar
zuͦ nicht hat Teichn
464,2;
dú hat ir herz uf zerganklich minne gekeret,
[...], daz da ist ein gift geischlicher selikeit
Seuse
135,14;
dîn helfe uns an dem slangen rach, / der uns den aphel
ezzen sach; / von dir geschach / im ungemach, / diu gift zebrach / in der sîn
valsch geschihte wiel KvWLd
1,143.
– phras. jmdm.
~ sîn
‘jmdm. schädlich, der Seele tödlich sein’
gib ein kuntlichs urlob aller der
gespilschaft [Gesellschaft der Mitschwestern im
Kloster] , [...] die noch die wise
fuͤrent, die du wilt und muͦst lan, wan ane alle glose
[ohne alle beschönigende Deutung] sind
sú dir ein gift Seuse
372,10
2.2
im Sprichwort ‘aus der gleichen Blume macht die Spinne Gift, die Biene
Honig’(vgl. TPMA 5,14):
sich, wie die blume wirket in der spinnen gift, / honig
schephet in der bine der naturen trift, / wie sie sich beide einer spise neren
Mügeln
16,4;
KvHelmsd
1138
MWB 2 782,31; Bearbeiterin: Baumgarte
giftære
stM.
‘Geber, Stifter’
daz die svnden gifter / vnd dez meines stifter / bekennen also verre / daz dv
liebir herre [Gott] / gewalteclich vnd milde / zerbreche
daz gulden bilde / daz diu ivden machten Martina
105,43
MWB 2 783,49; Bearbeiterin: Baumgarte
giftbære
Adj.
‘Gift tragend, giftig’
sîn meister bat in unde hiez / bestân die snellen trachen; /
ersmieren und erlachen / muost er in allen stürmen, / vor giftebæren würmen /
getorste er sich niht rimphen [kam es für ihn nicht in Frage, sich klein
zu machen]
KvWTroj
6228;
daz ist der ungetriuwe man / [...] / mit wortwæhem
nîdes spil / verdecket er giftbæren muot KLD:Alex
2:2,6
MWB 2 783,54; Bearbeiterin: Baumgarte
giftbrief
stM.
‘Schenkungsurkunde’
güter und gelt, die in dem giftbriefe geschrieben stont DRW
4,885
(Schmidt,ElsWB.; a. 1330)
MWB 2 783,62; Bearbeiterin: Baumgarte
giften
swV.
1
‘geben, schenken’
2
‘Gift verteilen’ , übertr.
1
‘geben, schenken’
daz wir nymanne [...] keinerley furderunge, keynerley
gelt [...] ensullen geben, bescheyden, gyfften noch
geheyzzen uff unsern und des reichs juden ze Frankenford MGHConst
9:272,2
(a. 1349)
2
‘Gift verteilen’, übertr.:
phî dem vertânen munde / der solche lüge stiftet, / und des zunge giftet / mit
lügelîchen mæren Reinfr
5210.
– tr.: ‘etw. vergiften, verderben’
die alt nater, der teufel, der maint die guͦten werch ze giften
GestRom
140;
undank der heren giftet / menlichen mut und macht die
tugent slafen Mügeln
325,9.
204,7
MWB 2 784,1; Bearbeiterin: Baumgarte
giftic
Adj.
1 zu gift 1
1.1
‘gebend’
1.2 in Bezug auf Münzen ‘üblich, gültig’ (vgl.
gæbe
,
gibe
,
gibic
) 2 zu gift 2
2.1
‘giftig, Schaden oder Tod bringend’
2.2
‘vergiftet’
1
zu gift 1
1.1
‘gebend’
der lichame unsis herrin ist geistlich, wan di gropheit ist ume
abegevallin und ist behende wordin, daz he ganz wesin inphahin mac fon der sele
und alliz dez di sele giftic ist Parad
60,32;
wie wart her [der eine Mensch]
also tugenthaft, / [...] er
[bevor] die muter sin genas, / daz her dem himele
giftic was, / ein ander als unture / daz her gedech [aufwuchs
zu] dem vure / der grundelosen helle? HeslApk
11544
1.2
in Bezug auf Münzen ‘üblich, gültig’ (vgl.
gæbe
,
gibe
,
gibic
):
mit zwelf phvnt phenning, di danne gæb vnd giftich sint UrkCorp
(WMU)
N111,35;
vnd yslicher mayer ze yeslichem taidinge schol geben vnserm amann vier
giftiger Wienner phenning UrkEnns
5,303
(a. 1321)
2
zu gift 2
2.1
‘giftig, Schaden oder Tod bringend’
dar nach, alse man spricht, tranc her mit ir einen giftigen schedelichen
tranc unde ging also von dannen Köditz
60,2;
daz ich disen langen spiess enmiten dur in rihe, als man
tuͦt einer giftigen kroten, die man spisset Seuse
77,16;
du edler, sich, / das icht din geste glichen dich / der
slangen künige fintlich, / der Basiliscus ist genant, / gar giftig ist sin blick
Mügeln
205,5.
– im Sprichwort der Gegensatz von Gift(igem) und Honig (vgl. TPMA 6,
179-181 s.v. Honig 4.5):
mit dem munt dû biutest / honic an dem anevange / und
heckest als ein giftic slange / an dem ende mit dem zagel
Ottok
16888;
Walth
29,12
2.2
‘vergiftet’
die wuͤrm [die giftigen
Schlangen] haunt ir bizzen laun. / man hoͤrt ietzo
wienig da von / daz die wuͤrm icht schaden tæten. / nuͤr die
luͤt mit falschen ræten, / ainer den andern giftig machet
Teichn
488,27
MWB 2 784,13; Bearbeiterin: Baumgarte
gifticheit
stF.
‘Fähigkeit zu schaden, Giftigkeit’
kûm iemen sich gehüeten kan / vor der zungen giftekeit, / als uns hie nâch diu
bîschaft seit Boner
3,13
MWB 2 784,46; Bearbeiterin: Baumgarte
gifticlich
Adj.
‘giftig’
umb ditz gifticlich unkrut [jeder zu sagen, sie
sei sines hertzen truͤt
] , /
[...] dir din fraw licht niht gelaubet / und lest dich
sin in jamer gros Minneb
3540;
der selben jungen kinde ains / ain schlange gifteklich
erbais, / das es vil balde gross geschwal / und wolte sterben uf der
wal [dem Feld]
WernhMl
4426
MWB 2 784,50; Bearbeiterin: Baumgarte
gifticvar
Adj.
‘giftig (aussehend)’
o, vater gut, vil reiner man, /
[...] / ob ich dir sage nu myn leben, / deme ich ewilen
was ergeben, / so vluhestu mich von rechte gar / als ein nateren giftec var
Vät
34372
MWB 2 784,57; Bearbeiterin: Baumgarte
giftrëht
stN.
‘Stiftungsrecht’
umb zu wissen, was erworben seye, das ist [...] auch
alles erb, daß einigen gegeben wirdt alß gifftrecht ist DRW
4,888
(SaarbrückenLR.).
MWB 2 784,61; Bearbeiterin: Baumgarte
giftrîche
Adj.
‘reich an Gift, giftig’ übertr.:
in sînem munde swebt ein strâl [Pfeil] / mit
geluptem [vergiftetem] lastermâl; / der schuz ist
giftrîch und ir slac KLD:Alex
2:2,12
MWB 2 785,1; Bearbeiterin: Baumgarte
giftseckelî, giftseckelîn
stN.
‘Säckchen mit Gift’
min geselle der ist ein wolkunnender wiser man, und dem hat
der orden bevoln giftseklú, die sol er in die brunnen versenken
[...], und wil alles daz verunreinen mit boͤser
gift, da er hin kumt Seuse
75,15;
er hat einen grossen buͦchsak, der ist vol dero
giftseklin ebd.
76,2
MWB 2 785,5; Bearbeiterin: Baumgarte
gifttragære
stM.
‘jmd., der Gift bei sich hat’ (um damit Schaden anzurichten, hier: Brunnen zu
vergiften):
[vier Kriegsknechte] vallend in och an und sprachen, der
boͤs múnch weri ein gifttrager; wan es was in den selben ziten, do
daz geschell waz von der gift Seuse
75,5.
77,3
u.ö.
MWB 2 785,12; Bearbeiterin: Baumgarte
gifttragende
Adj.
‘giftig, tödlich’
mortifer: gifttragend EvAlem
54(Mc 16,18)
MWB 2 785,18; Bearbeiterin: Baumgarte
giftunge
stF.
‘Schenkung’
daz wir [...] dy hube gegeben han
[...] deme convente [...] unde
vergiftet zu eyner gift, dy da heizet ‘giftuͦnge under lebendigen
luden’ UrkFrankf
2,18
(a. 1315)
MWB 2 785,20; Bearbeiterin: Baumgarte
giftvar
Adj.
Bed. unklar, etwa ‘wie/ nach Gift aussehend’ (vgl. Mhd. Gr. Wortb. §
227f.):
ist der mensch siech unde ist daz harn giftevar unde ist doch
zâch, sô ist der lîp aller innen zebrosten Barth
130,24
MWB 2 785,24; Bearbeiterin: Baumgarte
giftwîse
stF.
‘Schenkungsweise, -typ’ (vgl.
giftrëht
):
ich hab och den vorgenemten [...] die vorgescriben
vier hofstet und die fu̍nf schilling phenning zinses gegeben, ufgeben und
gevertgot in der gift wîs, die man nemmet ‘beschehen under lebenden
lu̍ten’ UrkKlWald
465
(a. 1333)
MWB 2 785,29; Bearbeiterin: Baumgarte
giftwort
stN.
‘tötendes Wort’ (vgl. FrlWB,126):
ein künigin uz India [...] / nerte mit vergifte / von
kintheit uf ein stolze maget. die gab nach der schrifte / giftwort, ouch sehen uf
gahen tot Frl
5:20,6
MWB 2 785,35; Bearbeiterin: Baumgarte
gigâ
Interj.
lautmalend für das Schnattern einer Gans:
‘bi minem [einer eitlen
Gans] adel ich nimmer bi den gensen ge, / in einem vogelhuse wil ich
singen me.’ / [...] / ‘giga’ sie schrei
Mügeln
58,10
MWB 2 785,39; Bearbeiterin: Baumgarte
gîgant
stM.
‘Riese’
di uns daz lant wereten, / di wâren ummâzlîchen grôz. / owî
wî starke uns der verdrôz, / wandiz wâren gigande SAlex
5075;
der selbe was ein guot kneht, / der langeste gîgant, / der ie
mit wârheit wart bekant UvZLanz
7535;
Wig
7354;
jn dem lande lit Babilonia. die zinberte ein gigant, der hiez
Nemroth Lucid
30,6;
Anno
10,4;
Gen
679.
–
du hast reht als ein gygant / dinen lauf vollebraht
HvNstGZ
4622
MWB 2 785,44; Bearbeiterin: Baumgarte
gîgære
stM.
‘Fidler, Spieler eines Streichinstruments’ (vgl.
gîge
):
ez ist ein lobelîchiu kunst, / der seitenspil zuo rehte kan. / die gîger
vreuwen maniges muot Unverzagt
2:1,3;
man horte manchen kunstenrichen man, / spilman unde gyger, / harpher unde
phifer LaurinA (L)
975;
schirmer, gîger, goukeler / siht man werden vil schuoler, / die guotes vil ze
schuole verzernt / und sich mit loter fuore doch nernt Renner
16507;
PrSchw (St)
6,237;
Helbl
2,1439;
Tannh
5,116;
daz was ein sin [Sinn] kleiner, /
daz er sich sô liez vermæren [berühmt machen/ ins Gespräch
bringen] / mit sînen gîgæren Ottok
282;
UrkCorp
3203,26;
VocClos
Vi34
MWB 2 785,53; Bearbeiterin: Baumgarte
gîge
swF.
1
‘Streichinstrument’ , wohl ‘Rebec’ und/ oder ‘Fidel’ (vgl. MGG 3,434-446. 8,112-119; LexMA 6,697; Eitschberger, Musikinstr., S. 66-84, bes. S. 67-69) 2 übertr. aus dem Bild des Spielmanns, der ‘die Wahrheit geigt’ , tadelt und spottet oder selbst zum allg. Gespött wird (vgl. DWB 4,1,2,2567-78)
1
‘Streichinstrument’, wohl ‘Rebec’ und/ oder ‘Fidel’ (vgl. MGG
3,434-446. 8,112-119; LexMA 6,697; Eitschberger, Musikinstr., S. 66-84, bes. S.
67-69):
menger edlen harpffen doss / ze wunsche in süssekaitt
erklang, / gigen, rotten sunder wank / ze allen zitten man da sach
GTroj
4860.
– oft in Verbindung mit Gesang und Tanz:
vil wol spilete diu
maget [Salome] . / si begunde wol singen,
snellichlichen springen / mit herphin unde mit gigen, mit orgenen unde mit lyren
AvaJo
26,9;
ich sing ouch wol des raien wîse /
[...] / und tanze nâch der gîgen niht ze swinde
SM:Go
2a: 1,11;
sô die voretanzer danne swîgen, / sô sult ir alle sîn gebeten, / daz wir
treten / aber ein hovetänzel nâch der gîgen Neidh
WL 4:3,12.
WL 2:5,5.
–
mit jamer sie sich shieden. / nach gigen joch nach
lieden / nieman da tantzen sach Rennew
33682.
– übers. mlat. fidula und vigella vgl.
VocClos
Fi30.
Vi33.
–
die gîgen richten, wohl ‘die Geigen stimmen’, hier übertr.
‘sich abstimmen, einig werden’
[während des Zwists über einen evtl. Rückzug erfolgt ein
ungarischer Angriff:] von Ôsterrîch dem herren mîn / schad und
laster hie geschiht: / ê daz ir die gîgen geriht, / langst ê die Unger hânt / an
der herberg daz gewant [Ruhe geben?] . / ir muget lange
kaphen [Ausschau halten, warten] , / ê si mit
rotten [Musikinstrumenten] zuo
staphen [in friedlicher Absicht kommen]
Ottok
25439.
–
welsche gîge (Eitschberger vermutet einen ital. Fideltyp, S. 69,
80f.):
sus lie daz kint [Salome] sich
schowen / mit ainer welschen gigen SHort
2843;
di [jene Gruppe von
Jungfrauen] schone sungen, / dise mit den herphen klungen, / dy
mit welischen geygen HvNstAp
13177
2
übertr. aus dem Bild des Spielmanns, der ‘die Wahrheit geigt’, tadelt und
spottet oder selbst zum allg. Gespött wird (vgl. DWB 4,1,2,2567-78):
–
sîne ~ ûf jmdn. heben
‘jmdn. tadeln oder verspotten’
sus [durch die Antwort] was der êrste în getân
[übertr.: gefangen, in seine Schranken gewiesen] ,
/ daz er für guot muoste hân, / obe jener wolde swîgen / ûf den er ê huop sîne
gîgen Bîspel (Pf)
36,36.
– jmdm. die Gumpoltes ~ anehâhen
‘jmdn. zum Narren halten, in die Irre führen’
er [der entlassene Knecht] kunde niht geswîgen
[falsche Glaubenswahrheiten zu verkünden] . / die
Gumpoltes gîgen / wolt er hâhen stæt an mich Helbl
9,142.
– jmds.
~ sîn
‘Gegenstand des Spottes sein’
der arme truhsæze was / ir gîge unde ir
rotte [ein Saiteninstrument] ; / si triben in mit
spotte Tr
11361;
Parz
143,26;
vgl.
diu rotte noch diu gige / nie so mangen spot enpfienc von munde / alsam
die uf der fluhte JTit
4598,2
MWB 2 786,3; Bearbeiterin: Baumgarte |