gezweien
swV.
→
zweien
; →
1zwîgen
, zwîen
MWB 2 775,14;
gezweiet
Part.-Adj.
1
‘paarweise’ ; ‘geteilt, getrennt’ , ‘uneinig, zwiespältig’ u.ä.
zweien
2
‘halbbürtig, aus verschiedenen Ehen’
1
‘paarweise’; ‘geteilt, getrennt’, ‘uneinig, zwiespältig’ u.ä. →
zweien
2
‘halbbürtig, aus verschiedenen Ehen’
bruoder unde swester nement ungezweieter bruoder unde swester
erbe vor den brüedern unde vor den swestern diu gezweiet sint von vater unde von
muoter SSpAug
206,5
=
SpdtL
206,5;
SSpAug
206,8
=
SpdtL
206,8
MWB 2 775,15; Bearbeiterin: Baumgarte
gezwîdic
Adj.
übers. lat. habilis
‘folgsam, bereitwillig’
wann ain sulich kint ist nit so gezwidig vnd so gebruching
[tauglich] zu wirken nach der frien willenkuͤr
[
puer enim non est habilis ad actus
voluntarios
]
Gnadenl
3:A2,349
MWB 2 775,23; Bearbeiterin: Baumgarte
gezwîdunge, gezwîdigunge
stF.
‘Erhörung, Gewährung’
got ist in des menschen sele ein senftu ruwe dem wegemunden und ist ein suzzer
smak den gerugten und ein creftigu spise den herwelten und ein schappel den gezirten
und ein volkuͦmen gezwiduͦng [La. gezwidigunge,
zwidiguͦnge, zweydunge
] der gerunge
BdVollk
28,14
MWB 2 775,28; Bearbeiterin: Baumgarte
gezwîen
swV.
→
1zwîgen
, zwîen; →
zwîden
MWB 2 775,35;
gezwîge
stN.
Koll. zu
zwîc
. ‘Zweigwerk’ hier in einer Rechtsformel zur
Übergabe von Grundbesitz statt üblicherem zwîc (vgl. DWB
4,1,4,7244):
die burg halbiu vnd dieselbe stat halbiu, mit luͦten vnd mit
guͦten, [...], an welden, an velde, ane wasen, an
gezwige, vnd mit aller zuͦ gehoͤrde UrkHohenb
348
(a. 1339)
MWB 2 775,36; Bearbeiterin: Baumgarte
gezwîgen
swV.
→
zwîdigen
MWB 2 775,43;
gezwinglîchen
Adv.
→
getwinclîchen
MWB 2 775,44;
gezwinlîn
stN.
‘Zwilling’ (vgl.
zwinelinc
):
dîne zwô bruste die sint gelîch zuain chitzin der rêchgaize
diu gezwinlîne sint TrudHL
50,25
MWB 2 775,45; Bearbeiterin: Baumgarte
gezwint
stF.
Bed. unklar (Glr.z.St.: instrumentum):
die sele hat von nature die gezwinnt vnd die maht, got zu bekennen vnd zu
minnen [
Anima namque habet facilitatem vel facultatem et
instrumentum cognoscendi et diligendi deum ex natura
]
Gnadenl
3:A2,116
MWB 2 775,48; Bearbeiterin: Baumgarte
gezwitter
stN.
‘zwiefacher Widerhall’ (Anm.z.St.):
dô wart in der selbin naht / [...] / ein sô grûwlich
gedummere / vornumin [...] / und ein dunre slûge / mit
grôzim ungewittere, / daz von des luites [l.
lûtes
] gezwittere / quam al daz her in
enggiste [
quia venti in modum tonitrui tam horribiliter
mugiebant, quod preter timorem, qui per hoc hominibus fuit
incussus...
]
NvJer
24787
MWB 2 775,54; Bearbeiterin: Baumgarte
geʒʒechîn
stN.
Dimin. zu
gaʒʒe
‘Gässchen’
of dem orte [am Ende] dez gessechens, daz
nít dorch get [eine Sackgasse ist]
UrkMainz
2,175
(a. 1347)
u.ö.
MWB 2 775,62; Bearbeiterin: Baumgarte
geʒʒelîn
stN.
Dimin. zu
gaʒʒe
‘Gässchen’
doch brant daz selbe geßelin wider daz waßer wol halber abe ClosChr
95,23. 22;
UrkCorp (WMU)
2323,35
u.ö.;
viculus: doͤrffelin oder geßelin VocClos
Vi26
MWB 2 776,1; Bearbeiterin: Baumgarte
gëʒʒen
stV.
d.i. ge-ëʒʒen
→
ëʒʒen
MWB 2 776,6;
gheheel
Adj.
→
geheil
MWB 2 776,7;
gibe
Adj.
nur in der Wendung gib unde gæb belegt ‘gültig, im Umlauf’ (von
Münzen; vgl.
gibic
,
gæbe
2, gæbic,
genge
2.2, gengic
1):
viͤrzehen hvndert pfvnt Regenspvrger pfenning, die danne gib vnd gæb
sint UrkWittelsb
2,77
(a. 1295);
UrkObAltaich
164
(a. 1320)
MWB 2 776,8; Bearbeiterin: Baumgarte
1gibel
stM.
auch givel (s.u. 1.2); zu ahd. gibili stNM; zu
den ungeklärten etymologischen Bezügen zu ahd. gibillia swF. vgl. Kluge, S.
357; semantische Überschneidungen mit
gëbel
(3) zu ahd. gebal
stM.
1 bautechnisch: wohl ‘(vordere) Giebelmauer, Frontseite’ (vgl. AWB 4,249, FWB
6, 2119), wohl auch freistehende Mauer (vgl. 1.1 ) 1.1 in Kölner Urkunden: die Mauer (Wand), die von der Frontseite abgehend zwei
Nachbarhäuser trennt oder ihnen gemeinsam ist (vgl. Glossar
UrkKölnSchr S. 2,309) 1.2
‘Giebelöffnung’
2 auch allg. (übertr.?) der höchste Punkt
1
bautechnisch: wohl ‘(vordere) Giebelmauer, Frontseite’ (vgl. AWB 4,249, FWB
6, 2119), wohl auch freistehende Mauer (vgl. 1.1)
1.1
in Kölner Urkunden: die Mauer (Wand), die von der Frontseite abgehend zwei
Nachbarhäuser trennt oder ihnen gemeinsam ist (vgl. Glossar
UrkKölnSchr S. 2,309):
paries qui dicitur givel UrkKölnSchr
1,107;
murus dividens in fronte (givel) domum Udelrici Suevi et domum Cunize et
Rudolfi ex dimidia parte pertinet ad domum Udelrici ebd.
1,36
u.ö.
1.2
‘Giebelöffnung’
des ahtent manige liute niht, / die man noch ir getreide siht / sô lange
behalten, biz daz die wibel [Käfer] / oben ûz
fliegent ze dem gibel: / den belîbent die hülsen ân den kern / und gebent ez
dennoch hin ungern Renner
5212
2
auch allg. (übertr.?) der höchste Punkt:
–
‘Baumwipfel’
[auf einem Fisch (vermeintliche Insel), der abtaucht]
er wand er moͤht entrinnen / uf des baumes gibel / des meres
ungezibel [den Untieren des Meeres]
WhvÖst
1065.
–
‘der Gipfel (der Vollkommenheit)’
swer mit schatze mæzze / disen yrdischen
gibel [Maria] / hoch vnz an den himel / mit
guldeinen spelten, / dein tohter moht er niht vergelten Wernh
A 697;
in der úberweslichen drivaltekait der
úbergegoͤteten gotheit, in dem togenlichen,
úberunbekanten, úberglestigen, aller hoͤhsten gibel da
hoͤrt man mit stillsprechendem swigene wunder Seuse
190,15
MWB 2 776,14; Bearbeiterin: Baumgarte
2gibel
stM.
→
gibelîn
MWB 2 776,47;
gibelîn, gibelinc
stM.
auch gibel und gebbelîn; zu dem italianisierten Schlachtruf
der Anhänger des staufischen Kaisers ‘
Waiblingen
’:
‘
ghibellino
’ (gegen die Welfen/ Guelfi); seit der 1.
Hälfte des 13. Jh.s im ital. politischen Wortschatz Bez. für jmdn. mit einer
kaiserfreundlichen und papstfeindlichen Haltung (vgl. LexMA 4,1435-38).
‘Ghibelline’
in Italiâ / dî partîen wesin sâ / gelfin unde gibbelîn NvJer
1482.
26753.
1486;
BuchdRügen
233.
229;
Ottok
160
u.ö.;
Ammenh
7329.
–
man die gibling dô sach / die gelfen slahen ûs der stat Ammenh
7338
u.ö.;
Suchenw
9,192.
14,90.
–
wolt er kumen, im hülfen gibel und gelfe Loheng
3510
MWB 2 776,48; Bearbeiterin: Baumgarte
gibelinc
stM.
→
gibelîn
MWB 2 776,61;
gibelwant
stF.
auch gebelwant (vgl.
gëbel
3).
‘(vordere) Hauswand an der Giebelseite, Giebelmauer’
der rise truͦg ein stange - die waz zwelf kloftern lang - / zuͦr
hant vnd zuͦn armen ein schilt, [...] / einer gebel
wende waz er wol gelich WolfdD
1335,3;
von stachel waz sins schiltes rant, / braitt als ain gibel
wand GTroj
5410
MWB 2 776,62; Bearbeiterin: Baumgarte
gibic
Adj.
nur in der Wendung gibic unde gæbic belegt ‘gültig, üblich, im
Umlauf’ (von Münzen; vgl. gæbic,
gæbe
2,
genge
2.2, gengic
1):
der vor gnant Weichart oder sein hausvrow [...]
dienen [als Abgabe leisten] schulln
[...] ze rechtem purchrecht aller iaerichleichen
[...] an sand Jorgen tag drey schilling Wienner mvnz,
di zo den selben taegen gibich vnd gaebich sind UrkHohenf
393
(a. 1338);
UrkCorp (WMU)
N718,11
MWB 2 777,5; Bearbeiterin: Baumgarte
gîbitze
M.
auch giwicz.
wohl den Ruf nachahmende Bez. für die Vogelart ‘Kiebitz’ (vgl. Suolahti,
Vogelnamen, S. 264-67; der Glossierung onocrotalus [s.u.] wird häufig →
hortumel
‘Rohrdommel’, aber auch andere Vogelarten zugewiesen):
onocrotalus: giwicz Gl
3:25,32
(BStK875);
mîn herze gert niht touben, / brâchvogel, gîbitz, stâren, /
[...] / ez wil ouch anders keines vogel vâren; / wan
mit dem reigervalken gên den lüften / wil ez êt immer klimmen / nâch ir, der lob kan
nieman übergüften Hadam
528,2;
er kranch [Kranich] , er storch, er elbiz
[Schwan] , / er eul, er gouch, er gibiz, / er wergel
[Würger] , er grezel
[Leinfink] , er widehopf! / sol ich in zihen bi sinem
schopf? Jüngl
258
MWB 2 777,14; Bearbeiterin: Baumgarte
gickelen, gickeln
swV.
‘kichern, giggeln’ lautmalerische Iterativbildung (vgl. DWB 4,1,4,7316 und
7323 s.v. gicksen; Schmeller stellt das Verb zu gickel
‘inneres Beben, Zucken’, vgl. Schmeller, BWB 1,883f. s.v. gigkeln
und gigkel):
ein touber spottet oft eines stummen, / ein alter tôre eins jungen tummen, /
ein lamer gickelt ûf den krummen Renner
16138
MWB 2 777,29; Bearbeiterin: Baumgarte
gickelvêch
Adj.
‘buntscheckig, bunt durcheinander, kunterbunt’
iuch genüeget niht, daz iu der almehtige got die wal hât verlân an den
kleidern, wellet ir brûn, wellet ir sie rôt, blâ [...]. man
muoz ez iu ze flecken zersnîden, hie daz rôte in daz wîze, dâ daz gelwe in daz
grüene; sô daz gewunden, sô daz gestreichet; sô daz gickelvêch PrBerth
1:396,29;
auf der kykelvehen wyse bei einem chleinen wazzer Mühldorf
K 41;
nu werdent halp edel knehte / von Geppen und von Ruoprehte / geborn, die tuont
vil rehte / nâch gickelvêhem geslehte Renner
1662;
geistlich leben ist niht gar veste, / êlich leben hât fremde geste, / pfaffen
leben ist gickelvêch ebd.
6027;
Neidh
SL 21:7,5.
WL 29:8d,1
MWB 2 777,37; Bearbeiterin: Baumgarte |