gezëltpalas
stMN.
‘Prachtzelt’
diu juncvrou erbeizet zuo hant / von dem mûl in irm gewant /
[...] / enmitten in dem gezeltpalas, / dâ der künic ob
dem tische saz / und die ritter alle dâ, / die zuo der tavelrund gehôrten sâ
Wigam (B)
2609
MWB 2 757,21; Bearbeiter: Richter
gezëltschar
stF.
‘Zeltlager’
wer ist disiu diu dâ uure gêt same der ûf gênte morgenrôt,
same scône same der mâne, erwelt same diu sunne, egeslich same diu wol geordenôte
gezeltscare [
terribilis ut castrorum acies ordinata
Ct 6,9] ? TrudHL
100,17
MWB 2 757,26; Bearbeiter: Richter
gezëltsnuor
stF.
‘Zeltschnur’
etlîche vluhen ouch inz muor / manc sîdîn gezeltsnuor / wart
ûf der slâ enzwei getret Wh
436,12
MWB 2 757,31; Bearbeiter: Richter
gezemde
stF.
‘Lieblichkeit’
din wiplich gezemde / hat zwai verborgen in ain, /
[...] so daz ain ich / uz uns baiden worden ist: / ich
din, du min bist! WhvÖst
6728;
daz git ir dicke herzen we / daz si dem muͦz vremden /
den si in den gezemden / hat so inr [
in ir oder
inre (Hrsg.)] gevangen ebd.
12790
MWB 2 757,34; Bearbeiter: Richter
gezëmelich
Adj., Adv.
adv. auch -lîchen.
‘geziemend, gebührend’
sô sulen sie zu deme gloria patri nîgen mit gecemelicher
nîgunge des lîbes [
cum decenti corporis
inclinacione
]
StatDtOrd
35,25;
der sal dem obersten [...] die sache
sînes gebrechen dêmûteclîche unde gezemelîche [
humiliter et
decenter
] kunden ebd.
47,17
u.ö.;
swen si dar ald dannan gie, / daz houbet si vor nider lie / gezemelîchen
schône bedaht / mit einem reinen tuoche geslaht WvRh
13492;
die marterær mit hohziten ere wir gezemelichen [interl. zu
martyres festis ueneramur aptis
]
PsM
H 95,6
MWB 2 757,40; Bearbeiter: Richter
gezemen
swV.
→
zemen
MWB 2 757,52;
gezëmen
stV.
→
zëmen
MWB 2 757,53;
gezenke
stN.
‘Gezänk, Streit’
in dem getrenke / wûchs ein sulch gezenke, / daz ein mechtig edelinc, / ein
Sudouwît, an witzin linc, / Lûdewîge dâ betrûbete / mit worten, dî er ûbete / in
smêhir wîse und in drô NvJer
17448;
set, ir vastit zu cryge und zu geczenke [
ad
lites et contentiones jejunatis
] und slat mit vuystin
unbarmherziclich Cranc
Jes 58,4;
Frauenlist
211;
Schlegel
1167
MWB 2 757,54; Bearbeiter: Richter
gezerfe
stN.
auch geczerpe.
eine Fernwaffe (eine Art Armbrust, Bogen oder Schleuder) oder deren Geschoss (vgl.
Matzel, Wortschatz, S. 368f.):
ich lob dich [Maria] , sam ein blinder wolde ramen
[zielen auf] / eins kleinen vogels uber tusent mile /
mit kranker hab gezerfe. noch kleiner næh ich mich dins lobes zile JTit
439 Marlb. 41,4.
2239,2.
2184,2.
3321,4;
man bôt dem hêrren wol gezogen / ein gezerf und einen bogen UvEtzAlex
12292;
die künigîn selbe fuorte / einen bogen, ein gezerf, daz ruorte / tiure kost
gar rîche ebd.
17414;
so schuͤll wir im si [
die purch
]
widergeben mit armbrusten und mit gezaͤrfen UrkEichst
2,257
(a. 1336).
– in unklarem Zusammenhang (Kompositum mit sar-
‘Rüstung’?):
di glævenie [Lanze] so scherfe zeriren was begarwe
[vollständig zerfallen] / uf sinem sar gezerfe, recht
alsam ein dunnez glas, daz marwe [feine, zerbrechliche] .
/ und wer im sus der krefte niht zerunnen, / vor aller wapen snide wer al sin
harnasch immer ungewunnen JTit
3722,2.
– hierher (?):
wan wi lange der boge ist / behalden in des geczerpes kist, /
so slet er noch inschuzet nicht, / sunder wan in her uzer bricht / der schutze uz
dem kocher sin Hiob
8226
MWB 2 757,62; Bearbeiter: Richter
gezerge
N.
‘Provozieren’ (zu
zergen
):
ez was wunder, swer genas / in dem creizze. / da wart groz
gereizze, / gedense vnd gezerge, / allez mit erge / vnd mit vnmvte, vnminne, / zv
vurlust vnde zv gwinne Herb
6861
MWB 2 758,22; Bearbeiter: Richter
gezic
stM.
‘Bezichtigung, Beschuldigung’
welt ir [Engelhard] entreden unde entsagen / iuch
benamen des geziges KvWEngelh
4019.
4494;
der gezig [des Verleumders] mîn
[Yrkanes] herze swirt / und gît mir sorgen wunder
Reinfr
6160.
6173;
spreche wir uffe unsern eit, daz die von Slezstat billicher unschuldig sulent
sin des geciges StRSchlettst
18;
derzuͦ viel ein gezig uf die juden, daz sü soltent die bürnen und die
waßer han vergiftet ClosChr
127,10;
UrkEls
2,127
(a. 1321)
MWB 2 758,27; Bearbeiter: Richter
gezierde
stF.
‘Zierde’
1
‘Schmuck, Kostbarkeit, Auszeichnung’
2
‘Schönheit, Herrlichkeit’ , selten deutlich von
1
zu unterscheiden
1
‘Schmuck, Kostbarkeit, Auszeichnung’
sie namen silber vnde golt, / zindat, pfellel, samit / vnde
ander gezirde da mit Herb
2612.
1823;
die heiden heten kursît [(pelzgefüttertes)
Obergewand] , / als noch manec vriundinne gît / durh gezierde ir
âmîse Wh
19,27;
Parz
84,21;
alle die gezierd die si [Maria
Magdalena] irm leib durch suͤnd gemacht het, die chert si
alle ze gotes dienst PrOberalt
88,28;
so er [der Kaiser] in eine stat
wil, so treit men sine crone vnde ander sine gezierde vor ime, daz men sine
zuͦcunft erkenne Lucid
138,11;
alleine die betútunge wenig ieman
wiste [obwohl kaum jemand die Bedeutung der Verzierungen des
Fastentuchs erkannte] , so waren doch die zwo gezierde
[aufgenähte Borten] ein erlich crúze
Mechth
5: 23,141;
Konr
22,90;
Lanc
277,6.
– von prachtvoller, sakraler Ausstattung:
[Nebukadnezar] fuor in den tempel unde nam alle die
gezierde [vgl. partem vasorum Dn 1,2] die
er dar inne vant BuchdKg
61,7;
do verbrantent die glocken und die orgele und ander gezierde gar vil
ClosChr
94,16;
WernhMl
764;
RvEWchr
33924.
– von sprachlichem Prunk, Redeschmuck:
also kam sant Erhart úber den schrin der naturlichen kunste. do
enschowete er nút denne die gezierde úppiger wort ElsLA
105,11;
kund ich mit lobs gezirde / die synne [des
Minnelobs] hie umb zismen [umgeben,
schmücken?] , / [...], / so wolt ich
der matergen gank / hie heben an einen an vank Minneb
1708.
– zur Wiedergabe von pompa (diaboli) in
Abschwörungsformeln:
íh fersáche dén tíufel unt elliu sinu werc
unt alle sîne gezierde fone mînemo lîbe, fone mîner sêla StGallGlB II
343,17;
ih widersage dem tieuel unde allen sinen gecierden, unde allen sinen
gespensten PrHoff
111,36;
ich wil gerne in mînen tagen / dem argen tiuvel widersagen / und aller der
gezierde sîn KvWSilv
1775.
– übertr.:
swaz swindet und hin gêt mit der stunde, / daz stêt vil wênic ûf vestem
grunde: / swer sich denne trœstet tratzes
[trotzigen] muotes, / künste, krefte, friunde,
guotes, / der hât die fünf gezierde [die vorgenannten fünf
weltlichen Annehmlichkeiten] schier / verlorn, swenne in ûf
hebent vier [Engel] / und tragent in enbor als ein
brût Renner
977
2
‘Schönheit, Herrlichkeit’, selten deutlich von
1
zu unterscheiden:
den walt nante man [...] / Behforet,
den schœnen walt. / sîn gezierde was sô manicvalt, / des uns diu sage niht
verhilt UvZLanz
3990;
si [die Heiligen bei der
Auferstehung] sint nacket vnde sint mit aller gezierde erluthert
vnde schamint sich niht me denne sich nu ieman schamit, daz er zwei wol stande ougen
hat Lucid
144,16;
die aller minsten gezierde / hat dise natur, die
vierde [
melancholia
]
Physiogn
101;
in der gezierde palas / sach er [ein Engel] ob im
mit witzen / einen menschen [Jesus] sitzen Pass
I/II (HSW)
10016;
Konr
20,82;
Wernh
15;
Seuse
213,8
MWB 2 758,37; Bearbeiter: Richter
geziere
Adj.
‘gefällig’
vil tougenlîche besante er sîne man. / im quâmen vil schiere / fiunftûsent
unde mêre [La. wol geziere
]
Kchr (M)
7218
MWB 2 759,31; Bearbeiter: Richter
geziere
stFN.
‘Schmuck, Zierrat, Schönheit’
ûf helme diu geziere / mit swerten gar zerfüeret wart Bit
8822;
nach den gingen aber her / zwa ander jumpfrauwen, / die waren wol erbuwen / an
libe vnd an gewand / sunder alle schand / mit richer gezier Krone
29366
u.ö.;
goltborten unde harbant, / alle uppeclich geziere / verwarf di frouwe schiere:
/ daz was ir gar ein smehelinc Elis
1995
u.ö.;
mit anderme geziere / schein die baniere, / gepriset vnde
geziret Herb
1309;
Ottok
44675.
72149;
PsMb
30(Glossar);
Roth
3573
MWB 2 759,34; Bearbeiter: Richter
gezierlich
Adj.
‘schön’
er [Jesus] was nút brait
noch enge / und was von linden haren, / als des hoͮptes har och waren, /
gezierlich wol nach eren / an sinem kinne heren, / und bedakt das antlút
nút ze vil WernhMl
5931
MWB 2 759,45; Bearbeiter: Richter
gezîle
stMN.
Koll. zu
zîl
( ‘Strauch, Busch, Hecke’).
‘Gesträuch’
er [Joachim] lac bî dem gezîle / von
der sehsten wîle / unze an die vesperzît Wernh
869
MWB 2 759,50; Bearbeiter: Richter
gezimber
stN.
1
‘Bauholz’
2
‘Bau’
2.1 meist ‘Gebäude’
2.2 übertr. 3
‘Bauvorgang’
1
‘Bauholz’
si svͤln ouch vngemoutt [ungestört,
unangefochten] fuern gezimber, daz [l.
da
] si mit bezzern ir hoͤf, ob si verbrunnen
UrkCorp (WMU)
641,42.
1161A,35;
ez sol auch kaine soldener sein pferd [...] niht mer
ze walde lazzen gen weder noch holtz noch nach gezymmer bei sinem aide NüP
250;
von holze guot gezimber / an schilten wart verschertet
KvWTroj
25860;
SummHeinr
2:490,01.86
2
‘Bau’
dô sâhens ûzen vor den graben [von Worms] / mit
gezimber hôhe ûf erhaben / pheterære und mangen
[Steinschleudern]
Bit
5922;
der hohe palas / und swas daran gezimbirs was, / vil gar
zirviel und zirbrast. / dú mure und des gezimbirz last / Sampsonen
sluͦg und al die schar [Idc 16,30]
RvEWchr
21169
2.1
meist ‘Gebäude’
ze Wormez bî dem münster ein gezimber man ir
[der verwitweten
Kriemhild] slôz [fügte zusammen,
baute] , / wît und vil michel, rîch unde grôz, / dâ si mit ir
gesinde sît âne vreude saz NibB
1102,1;
mach man die heimsuͦche bewiesen mit wunden vnde mit gewundeteme
[zerstörtem] getzimmere UrkCorp (WMU)
51,5;
die graben [der alten zergangnen
stat
] sint vervallen und daz gemúre riset gar
sere, denne daz noch hin und her die hohen spitze dez alten gezimbers hoh uf
gagent Seuse
217,8;
Konr
21,11;
KLD:SvT
1:1,10.
–
zûn/ geziune unde ~
als Teil der Morgengabe an die
Braut:
wa ich iw erwete [zur Trauung (symbolisch)
übergebe] zuͦn und gecimbere und ouzvart und învart
nah swabe ê, nach swabe rehte Trauformel
17;
sô mac er ir [zur
Morgengabe] gegeben âne sîner erben urlaup einen kneht und
eine maget diu ze iren jâren komen sint, unde ziune unde gezimber ob der
erde SpdtL
95,10;
nâh deme herwête sal daz wîb nemen ire morgengâbe; - dar zû hôret
[...] gezûne und gezimbere SSp (W)
1:24,1
2.2
übertr.:
dô in der tôt heim nam in sîn gezimmer Loheng
5700;
alles das geczimbre der christenheit, das vͦf
in [Petrus] geczimberet ist, das ne mach niemer
gewenchen Konr
15,7;
swaz man toͮt in den irdisscen salen, daz wirt
allez an uns in geistlichem gecimbere eruullet Spec
131,2.
134,21;
Lucid
161,14;
Tauler
95,32.
–
‘Gestalt’
uf erden und in jenr welt / muͦz
ich [Aglye] diner
[Wilhelm] lieb gelt / an ende clagen ymmer, /
sit daz din schoͤn gezymmer / schol ain anderr truͤten
WhvÖst
10036
3
‘Bauvorgang’
sô einer den stein wolte sô wânte diser daz er den chalk
bringen solte. / vile harte si zewurfen, nieht mêre si neworhten. / des gezimberes
[Turmbau zu Babel] was ente Gen
786
MWB 2 759,54; Bearbeiter: Richter
gezimberde
stN.
hier ‘Zimmermannsarbeit, Konstruktion’
er [Crises] hiez Epiun, einen
zimmerman, / eines werkes beginnen. / [...] / daz
gezimmerde was herlich, / eime rosse glich, / vzen geuestent vil wol, / innen wit
vnde hol Herb
15934
MWB 2 760,41; Bearbeiter: Richter
gezimberen
swV.
→
zimberen
MWB 2 760,46;
gezimberholz
stN.
‘Bauholz’
von des gecimmerholzis slegeschatce [Geldabgabe]
UrkCorp (WMU)
1161A,34;
MWB 2 760,47; Bearbeiter: Richter
gezimelich
Adj.
‘geziemend, angemessen’
herro du der daz geistlih ezzen aller sele gecimilichem dienest in cite
[interl. zu domine qui spiritalem cibum omni animae oportuno
ministras in tempore
]
PsWindb
144,Oratio
MWB 2 760,50; Bearbeiter: Richter
gezimelîche
stF.
zur Wiedergabe von lat. opportunitas
‘Gelegenheit’, hier eher ‘Zufall, wechselhaftes Schicksal’
vnde worden ist der herro ein zuofluht dem armen. ein helfære in den
gezimelichen. geuellichlichen. in dem tribesale. in der note [interl.
zu et factus est dominus refugium pauperi! adiutor in oportunitatibus. in
tribulatione
]
PsWindb
9,10
MWB 2 760,55; Bearbeiter: Richter
gezimier
stN.
‘Helmzier, ritterlicher Schmuck’
ei, wie die ritter sich ruorten / ûf verdacten rossen snel! / diu heten mangen
gügerel [Kopfschmuck des Pferdes] / und manger hant
gezimier Wigam (B)
3737;
dâ bî [bei dem Gefolge Ulrichs] ouch sehzic ritter
riten, / gewâpent wol nâch ritters siten. / ir wâpenkleit was wunneclîch / und ir
gezimir costerîch UvLFrd
259,12.
483,5;
ane leit der konic Gunther ein stêlîn gewant, / den helm her ûf daz houbet
faste dô gebant: / [...] / von golde ein lîchte crône, sîn
gezimier was daz RosengP
524
MWB 2 760,63; Bearbeiter: Richter
gezimierde
stFN.
‘Helmzier, ritterlicher Schmuck’
ûf manigem helme swebt empor / sô tiwer gezimierde, / daz er
von schulden zierde / die frouwen, die ez worhten Ottok
587;
der minne gernde Tesereiz / der sich in wîbe dienste vleiz / daz er der koste
sich bewac / unt rîcher gezimierde pflac PleierTand
2080;
JTit
1259,4.
932,2(La.)
MWB 2 761,11; Bearbeiter: Richter
gezinde
stN.
Koll. zu
zint
‘Zacken, Enden am Geweih’
nu het er auf seinem hof erzogen / [...] / ainen
hirsch achtzehen jar / [...], / der het so vil schons
gezind, / daz wundert daz fremt hofgesind MüOsw
1601
MWB 2 761,18; Bearbeiter: Richter |