geworten
swV.
‘in Worte fassen’ (vgl.
worten
):
du̍ dritte sache, war vmbe si verstumeten, das was, das si sahen in die
verborgenen warheit vnd fvnden die heimlichkeit in gotte, das si nicht geworten
enkonden Eckh
2:454,16
u.ö.;
wie aber dú driheit ein sie, und dú driheit
in der einikeit der natur ein sie, und doch dú driheit usser einikeit sie,
daz mag man nit gewoͤrten von dez tiefen grundes einvaltekeit
Seuse
185,24
u.ö.;
ich wil dir sagen, got der het dich diese eddeln sellen
[Seelen] gelosen sehhen in bilden das du es geworthen
meͮgest, in der meinungen das du derfan geschribben meͮgest
MerswNF
75,2;
Tauler
176,5
MWB 2 751,39; Bearbeiter: Richter
gewortigen
swV.
→
wortigen
MWB 2 751,52;
gewûchze
stN.
Koll. zu
wûchz
‘Geschrei’
dô er sî im volgen / an dem gewûchze hôrte, / in vorchte grôz bekorte
NvJer
24914
MWB 2 751,53; Bearbeiter: Richter
gewüefe
stN.
Koll. zu
wuof
‘Geschrei’
sô mache wir [Keie und die
Tafelrunde] ein gewuofe, / einen schal und ein geruofe / und
rumpeln under einander gar HvFreibTr
2877
MWB 2 751,56; Bearbeiter: Richter
gewüegen
swV.
mit Gen.d.S. ‘denken an etw.’
in trôste [ihn tröstete] sîn vil
süezer rât, / daz got sîner missetât / niemer mêr gewüege, / swenn er den willen
trüege, / daz er sî wolde büezen RvEBarl
14093;
mir leider ze unheile / saget er mir, daz er veile / den
besten stein hie trüege, / des man ie mê gewüege [den man sich nur
denken konnte]
ebd.
7568;
Volmar
13.
710
MWB 2 751,60; Bearbeiter: Richter
gewülke
stN. (F. PsM ?)
Koll. zu wolke(n)
‘Gewölk, Bewölkung’
si luͦgete hin gen dem himel: do duht si, daz
dú sunne schon uf giengi ane alles gewúlk mit vil glastes
Seuse
59,11;
in der viurînem gevulche [interl. zu in flammivoma
nube
]
PsM
H 68,5;
wan als diu sunne mir irm schîne die ganze welt überschînet, si werde danne
von dem gewülke gehindert, alsô schînet diu gnâde des heiligen geistes in aller
menschen herzen, si werde denne von unsern sünden gehindert Eckh (Pf)
367,19.
– übertr.:
so blibet der geist [...]
abgescheiden [...] von allem gewúlk und gewerbe der
nidren dingen Seuse
186,1.
MWB 2 752,4; Bearbeiter: Richter
gewulkene
stN.
auch gewolkene.
Koll. zu
wolken
‘Gewölk, Bewölkung’
der hizege toͮm [Dunst] uon
der erde sich in den luft gewillet vnze daz er zuͦ dem gewolkene wirdet
Lucid
58,11
u.ö.;
diu [
gotheit
] ûz dem
gewülken sprach EnikWchr
8690.
8700.
– übertr.:
fuͤr di sunn sich wolchen strechen / und di perg ir
schein verdechen. / vraw [Maria] , dein guͤt mag
nieman verlainen / mit dem gewulchen noch mit den stainen Teichn
25,54;
Seuse
478,17;
PrZürich
11,41
MWB 2 752,17; Bearbeiter: Richter
gewulket
Part.-Adj.
‘umwölkt’
die wîle diu [
die fröude der welt und angest unde nôt unde
vorhte
] in dir sint, sô ist ez tunkel unde gewulket
dinne Eckh (Pf)
225,16;
do zogte si
[
wisheit
] sich ime also: si swepte hoh ob ime
in einem gewúlkten throne, si luhte als der morgensterne
Seuse
14,11
MWB 2 752,27; Bearbeiter: Richter
gewunne (?)
Subst.
‘Lust, Wonne’ (oder als Part. Prät. zu lesen, vgl. Kartschoke, Rol.
z.St.):
in [dem verfluchten Volk des
Zernubele] ne geschain nie dehain sunne, / der nebel ist ir gwunne
Rol
2686
MWB 2 752,33; Bearbeiter: Richter
gewuoc
stM.
‘Aussage, Erwähnung’ (zu
gewahen
stV.):
uf rechten gewuc / sage ich dir di warheit, / daz sich min vreude ho uf treit
/ an daz cruce des herren min Pass I/II (HSW)
21144;
als ir sult alhi verstan / nach miner schrifte gewuc ebd.
37395
MWB 2 752,38; Bearbeiter: Richter
gewurc
stM. oder N.
‘Würgen’, hier ‘Kampf, Mord und Totschlag’
dô offente Spude dî tor / unde half in [den
Deutschordensrittern] in dî burc. / dâ wart ein vîentlîch gewurc /
gehaldîn in den stundin; / sî morttin unde bundin / alliz, daz darinne was
NvJer
23229
MWB 2 752,43; Bearbeiter: Richter
gewürhte
stFN.
bair. auch gewirhte, md. geworhte.
1
‘Wirken, Tun, Tat’
2
‘Werk’
2.1
‘Schöpfung’
2.2
‘Erzeugnis, (kunstvolle) Arbeit’
2.3
‘Gestalt(ung), Beschaffenheit’
1
‘Wirken, Tun, Tat’
da div maget [Maria] von gotes
gewirhte des gotes svnes genas Spec
22,28;
da teilit unsere ieglicheme sine gebe got der riche; / also er
die mazze an unseren gwirhten weiz Himmelr
8,21.
12,10;
da rihtet got mit rehte / dem herren joch dem chnehte, / der
vrouwen joch der diwe [Magd] , / also si habent riwe, /
mennechlich nach sinem gewurhte Hochz
739.
–
du hast bewart di gebot Amry und alle das gewurchte des
huses Achabz [
et custodisti præcepta Amri, et omne opus domus
Achab
]
Cranc
Mi 6,16.
– spez. ‘sündiges Tun’
ir einer [einer der Apostel]
fragen began, / von welcher gewurhte [
quis peccavit Io
9,2] der selbe blint wurte AvaLJ
91,3.
9,1
2
‘Werk’
2.1
‘Schöpfung’
diu gotes gûte / mit grôzzer wîshäite / hât geschaffen mit
anträite [Ordnung] / diu gewurchte sîner häiligen
tage siben Erinn
1011a;
du [Gott] bist unse wirker und
dinir hant gewurchte si wir alle Cranc
Jes 64,8
2.2
‘Erzeugnis, (kunstvolle) Arbeit’
daz geworchte [des Grabes] was
so riche: / vf dem esteriche / was ein luter stein geleit, / zv mazze lanc, zv
mazze breit, / als ein sark solde sin, / schone als ein svnnen schin
Herb
10785
u.ö.;
want hirumme [dadurch] , das si
[die Götzenbilder] holczin sin, obirgolt und
obirsilber, so wirt man geware darnoch, das si valsch syn,
[...], das si nicht gote sin, sundir eyn gewurchte
menschlichir hende Cranc
Bar 6,50.
Os 13,2;
Er
8957.
– von kostbaren Stoffen:
ir vremden mantel truoc siu an / ze tisch und ouch ze spil. / dem wart
gewartet vil [der wurde genau betrachtet] , / sô
daz gewürhte lieblîch tet UvZLanz (K)
9207.
4760;
si vuorten manec rîchez kleit, / des gewürhte was von golde
UvTürhTr
801;
so gut was sin [des golddurchwirkten
Seidenstoffs] geworhte, / spreche ich ez, ich vorhte, /
daz ez gelogen were Herb
10675
NibB
429,4;
Tr
2536.
2750
2.3
‘Gestalt(ung), Beschaffenheit’
das angesichte der redir und ir gewurchte waz als des
meris angesichte [
aspectus rotarum et opus earum quasi visio
maris
‘wie Türkis’
] und der virir [der vier
Räder] was ein glichnisse. und ir angesichte und ir gewurchte
was, als ab ein rat were adir ein reyf mittin in dem andirn Cranc
Ez 1,16;
sie [die vier Steine] hetten
alle viere / so getane ziere / vnde so getan gewurchte, / saget ich ez, ich
vurchte, / daz ich wurde wider triben; / doch vant ich ez gescrieben
Herb
9266.
– von Münzen ‘Prägung’
swer oͮch andere mv́nze maͤhte oder
slvͤge, danne von dem riche von alter herkomen ist, swie gewere oder
gvͦt div wêre, ez si an gewúrhte, gemelde oder swere, den sol
man fúr einen valscher han UrkCorp (WMU)
1401,44.
–
‘Anlage, Disposition’
eime gibet her [Gott] die
list / daz her vil gespreche ist, / [...], / eime
gesuntheit an der jugent, / eime gewurchte zu der tugent
HeslApk
9224.
8773
MWB 2 752,49; Bearbeiter: Richter
gewürke
stN.
auch md. geworke.
s.a.
gewürhte
,
gewërke
und
gewërc
1
‘Bauwerk’
2
‘Wirken’
3 zur Bezeichnung einer Stelle in Straßburg, wo Mist aufgeschüttet wird
1
‘Bauwerk’
dar ûf [auf dem Pfeiler] man dô worhte / mit simeze
und bereite [geschickt, kunstfertig] / ein geworke
En
9448.
9401
2
‘Wirken’
daz würken und daz werden ist ein. [...] got und ich
wir sint ein in disem gewürke; er würket, und ich gewirde Eckh
1:114,5;
enkein crêâtûre begrîfenlich bevâhic ist genzlîche des nutzes unde des
gewürkes, daz diu oberste maht unde güete unde wîsheit ist unde bringen mac
DvAOff
50
3
zur Bezeichnung einer Stelle in Straßburg, wo Mist aufgeschüttet wird:
nieman sol legen dekeinen mist für sin hus, er enwelle in denne zehande emwec
füren an die stat, [...] bi dem brunnen an dem rossemerkte,
und an der stat der man sprichet gewirke StRStrassb
69,82
MWB 2 753,42; Bearbeiter: Richter
gewürkede
stF.
‘Wirken’
wande du hast geliebet mih herro an gewurchide dinere unde an werchen hente
dinere frowe ih mih [interl. quia delectasti me domine in factura
tua! et in operibus manuum tuarum exultabo
]
PsWindb
91,5
MWB 2 753,58; Bearbeiter: Richter
gewürme
stN.
Koll. zu
wurm
.
1
‘Würmer, Kriechtiere, Insekten’
2
‘Drachen’
1
‘Würmer, Kriechtiere, Insekten’
wer kan den hêrren von dem knehte gescheiden, / swâ er ir gebeine blôzez
fünde, / [...] / sô gewürme daz fleisch verzert?
Walth
22,15;
da [auf der irischen Insel] enist diu ouke
[Kröte] noch diu krote, / daz habent sî von gote; /
da enist ouch der slange: / ez ist gescheiden danne / swaz gewurmes eiter truoc
Tund
97;
die binen, die mucken vnd ander gewurme ElsLA
113,18;
Ägidius
285;
Lucid
58,6;
Er
8038.
–
im waz dik, als ob er in einem
anbeshufen [Ameisenhaufen] legi von angschlichi
[Bedrängung] des
gewúrmes [hier übertr. für ein Hemd voller Nägel zur
Selbstkasteiung] ; wan so er gern heti geschlafen ald so er
entschlafen waz, so sugen sú und bissen in wider strit
Seuse
39,22
2
‘Drachen’
daz gewurme ungehiure, / daz
cholete [quälte] si mit fiure Hochz
176;
in dem wasser [aus dem Riss in der Erde] kam och
ein vngefuͤge menie schlangen vnd fúrgiftiges gewurmes, sunderlich
kam do mitte ein vngehúre trache. von dem boͤsen gesmacke dis
gewurmes wart der luft fúrwiͤstet daz do von ein grosses sterben des
folkes wart ElsLA
222,16
MWB 2 753,63; Bearbeiter: Richter
gewurte
Adv.
‘sogleich’
der bote uil gewrte wart uro der anturte GenM
43,13;
Jacob anturte Laban uil gewrte ebd.
62,2
MWB 2 754,23; Bearbeiter: Richter
gewürticlîche
Adv.
‘sogleich’
dû [Gott] heiz uon disen rîchen / gewurtechlîche
strîchen / dise ungestuͦme menige [die
Heuschreckenplage]
Exod
2224
=
GenM
149,13
MWB 2 754,26; Bearbeiter: Richter
gewürze
stSubst.
‘Kräuter, Gewürz’
man pflag ir wol mit reycher kost: /
[...] / wilprett und edel fisch / was mit gewurtz den
heren wol perait HvNstAp
11410;
ein wenig gewuͤrtz gebreit vf ein blat, von teyge
gemaht BvgSp
56;
lebzelten [Lebkuchen] ,
slos [Zuckerware] ,
margram [
malogranatum, Granatapfel] ,
wildes gewuͤrtz und ander dinch, daz uͤnser chramer nicht vail habent
StRMünch
457,15.
–
si ass vil nahent gar den tag / obs, gewurcz oder ander speis
HvBurg
5557
MWB 2 754,30; Bearbeiter: Richter
gewurzelen, gewurzeln
swV.
1
‘etw. entwurzeln, ausrupfen’
2
‘entsprießen’
1
‘etw. entwurzeln, ausrupfen’
boser gedanken gewin / muge wir leider niht so hin / uz uns
gewurzeln gentzlich. / wir muzen ot vil herteclich / zu gegen in striten
Vät
16903
2
‘entsprießen’
hochvarte unde übermuͦte [...] die erste der
sünde gewesen ist, die ie beschach, unde usser der selben sünde alle sünden
gewürtzel [l. gewürtzelt
] sint SpeyrerP
58
MWB 2 754,40; Bearbeiter: Richter
gewzen (?)
swV.
‘quaken’ (zu
giwen
‘den Mund aufsperren’?):
minneklicher herre, nu lobent dich doch die froͤschen
in den graben, und mugent sú nit singen, so gewzent sú aber
Seuse
305,26
MWB 2 754,48; Bearbeiter: Richter
gezagel
Adj.
‘mit einem Schwanz versehen’
er [das Einhorn] ist gezagil als ein
swin RvEWchr
1776;
swâ die hûsgenôze sint / gantlützet alse der tûben kint / und
alse des slangen kint gezagel, / dâ sol man criuzen vür den hagel / und segenen vür
den gæhen tôt Tr
15095
MWB 2 754,52; Bearbeiter: Richter
gezal
Adj., Adv.
‘geschwind, rasch, schnell’
so heizzit ein andir tier rinocerus daz ist einhurno un ist
uile lucil un ist so gezal daz imo niman geuolgen nemag ÄPhys
3,2;
der bruoder im antwurte / sô er gezalst mahte
Kchr
11814;
gezale, slunige fuozze [interl. zu ueloces
pedes
]
PsWindb
13,3;
PrBerth
1:467,17;
Bit
10104
MWB 2 754,58; Bearbeiter: Richter
gezal
stF.
1
‘Zahl, Anzahl’
2 ein Maß im Fischhandel, evtl. das große Doppelhundert (=240, vgl. Anm.z.St.)
1
‘Zahl, Anzahl’
here, dat silver ind dat goilt, / dat uch in Coelne werden sal, / des ensal
syn gein [l. kein
] gezal
[unermesslich, unzählig]
HagenChr (G)
5491;
in allen hûseren, dâ convent von brûderen ist, daz sint zwelf
brûdere unde ein commendûr zu der gezal der iungeren unseres hêrren Jhêsu Christi
StatDtOrd
41,19;
anderhalb hundert iar gezal / ouch vier und zwenzic uber al / in den iaren vur
vor genant / Antiochus in sine lant [
anno centesimo septuagesimo
quarto exiit Antiochus in terram patrum suorum I Mcc
15,10]
Macc
6645
2
ein Maß im Fischhandel, evtl. das große Doppelhundert (=240, vgl.
Anm.z.St.):
welch gast us der stat fuͤrit ein geczal heringis, der shal gebin einin
pfennink UrkSchles (B)
53:18,19
(a. 1327)
=
UrkBresl
113
MWB 2 755,1; Bearbeiter: Richter
gezalic
Adv.
‘schnell’ (textkritisch problematisch, vgl. Anm.z.St.):
[der tobende Löwe] lieff an jne
[Gawein] vil gezalich
[
:zagel
] , / [...]
/ vnd zartte yme gar von der hant / den schiltt mit zorn so zü hant Krone
13247
MWB 2 755,17; Bearbeiter: Richter
gezalros
stN.
‘schnelles Pferd’
alipedes equi velociores: gizalros SummHeinr
1:144,406;
alipedes gezalrosz dicuntur equi velocissimi ebd.
2:57,25
MWB 2 755,22; Bearbeiter: Richter |