gewicke
stN.
Koll. zu wëc
‘Wegscheide, Kreuzung, Gabelung’ (auch als unheimlicher, gefährlicher Ort, vgl.
EM 14,540-544 s.v. Wegkreuzung):
si waren an dem gewikke, da die wege ze sammen gent
PrOberalt
76,24;
füeret in ûz an das gewicke, dâ die erhangenen unde die erslagenen dâ ligent
PrBerth
1:395,5;
‘ich wil dem tiufel geben / sêl, lîp und mîn leben.’ / dâ mit er
an ein gewick gie EnikWchr
22347;
Rol
4576.
4528;
StrKD
4,527;
Teichn
237,36
MWB 2 723,36; Bearbeiter: Richter
gewide (?)
stN.
Koll. zu
wit
‘Gewebe, Geflecht’ (?):
als diu spinne, diu nâch jêmerlichem gewinne / ir geweide [La.
gewide
] spinnet ûz irm lîbe, / daz in dem webbe ein
mucke belîbe Renner
4795
MWB 2 723,46; Bearbeiter: Richter
gewider
stN.
wohl ‘Gegengesang, Antiphon’
da dun ich sij horen singen lieder, / sproͤche,
gedichte und gewyder / und dar zu manichen suͤßen don / von harppen und ander
seitenspil schon Pilgerf
6728
MWB 2 723,50; Bearbeiter: Richter
gewideren
swV.
→
wideren
MWB 2 723,55;
gewiere
stN.
Koll. zu
wiere
‘Schmuck, Geschmeide mit eingelegter oder eingravierter Arbeit’
pellin [kostbare Stoffe] vnde
cleine gewire / die sconen gezire / die dar ie de chein man / ze herwerte gewan /
die uortin si an den rossen Roth
3572.
793;
so mangerhande geziere [La. ge biere
]
mocht ich mit sunder mære / gepruͤfen nicht wol schiere.
[...] / iz wer ergozzen, ergraben und gemalt mit
kunstrichem sinne JTit
415,1;
siu [die Frau] spannet fur ir bruste
/ daz ist geworht mit listen, / ain guldin gewiere, / daz ez ir den lip ziere
Hochz
23
MWB 2 723,56; Bearbeiter: Richter
gewieret
Part.-Adj.
→
wieren
swV.
MWB 2 724,3;
gewige
stN.
auch gewich.
Vgl.
gewihte
und
2gewæge
.
‘Gewicht, Masse’
swer einhalb ein march / wiget gen einem sætein
[Seidengewebe] , / da muoz vil vngeleich sein / jr
beider gewige Krone
2920;
dv̍ bildelich temperung, dv̍ in got ist,
[...] git allen creaturn zal, gewig vnd masse
[
quia omni creaturae numerum, pondus et mensuram
tribuit
]
RvBib
175,15;
nim altes swinis smerwes enir vnze gewic Ipocr
297
u.ö.
– als Gewichtseinheit:
dv solt nemen ein gewich
carioffiles [Gewürznelke] . vnde
cinomonii [Zimt]
Ipocr
130.
– spez. Münzgewicht einer Stadt:
vmbe sehz vnd drizsig mark silbers luters vnd loͤtiges dez gewigez von
Strazburg UrkCorp (WMU)
N116,28.
N139,15;
vierdhalbhundert mark loͤtiges silbers guͦtes und gaͤbes
Chostentzer gewiges UrkMägdeb
295
(a. 1347);
DRW
4,768
(Böhmer-Ficker; a. 1329)
MWB 2 724,4; Bearbeiter: Richter
gewîge
stN.
‘Geweih’ (s.a.
hirʒgewîge
):
der hirz spranc ûffe eine steinruzzen [l.
steinru(t)sche
‘Klippe, Felsabhang’
] , und ime erschein ein gulden krûze in
sîme gewîge HvFritzlHl
233,12
MWB 2 724,21; Bearbeiter: Richter
gewîhede
stF.
zur Übersetzung von lat. ordinatio
‘geistliche Weihe, Ordination’
von dis aptis gwihda vnde sinr ordnvnga. an dis aptis gwihda
spricht er sol alzan dv bisheidinheit sin. daz der werde gesezzit. dén
gmeinlich vnde ebinhelligo alle dir samnunch im selbin vz irwellit mit gottis
vorchton BrEng
64
u.ö.
MWB 2 724,25; Bearbeiter: Richter
gewîhen
swV.
→
wîhen
MWB 2 724,32;
gewîht
stF.
‘Priesterwürde’
vnde er [der neu geweihte Priester] nv̂t
sol, vmb dir gwiht willin [
occasione
sacerdotii
] , virgescin dir gehorsami vnde der regillichvn
zvhte BrEng
62
MWB 2 724,33; Bearbeiter: Richter
gewihte
stN.
(stF. s. WMU 1,725)
vgl.
gewige
und
2gewæge
, zur rechtsspr. Differenzierung s. DRW
4,761-766
1
‘Gewicht, Masse’
1.1 ohne nähere Bestimmung 1.2 nicht näher benanntes Gewichtsmaß 1.3 durch beigegebene Gewichtsmaße (auch in Gestalt von Münzgewichten) näher bestimmt 2 geeichtes Münzgewicht 2.1 mit Angabe des Geltungsbereichs ‘Münzsorte, Währung’
2.2 als dt. Entsprechung für lat. Münzbezeichnungen 3
‘das Abgewogene, Zugemessene, Maß’
4 Vergleichskörper beim Wägen, ‘Gewichtsstück’ (nicht immer von Münzen zu trennen)
1
‘Gewicht, Masse’
1.1
ohne nähere Bestimmung:
[Gott] die werlt geschuf von nichte, / diz
tapfere [schwere] gewichte, / die erden, uf daz
wazzer hienc / und vort daz wazzer umme vienc / mit sines himles dache
HeslApk
18136;
das gemuͤte [...] wirt
genant ein mosse, wan es misset das ander alles. es git im sine forme, sine
swere, sin gewicht Tauler
350,3;
swer ovch ein ander munze machte oder sluͦge, denne von dem riche
von altir her komen ist, swie gewere oder gut die were, ez si an gewihte,
gemelde [Münzbild] oder suere, den sol man fur einen
valscher haben UrkCorp (WMU)
879W,14.
– übertr. eine von mehreren Massen:
[der bekehrte Theodorus] karte mit sînen tûsinden
zu den nûntûsinden mertelern gotis. und sich, dô wart funden daz zehende
gewichte [der zehnte Teil] daz verlorn was, und
dô wart irfullit di heilige zehinde zale der zehentûsint gemarterten
ritteren HvFritzlHl
140,8
1.2
nicht näher benanntes Gewichtsmaß:
sechz hundert / und sechz und sechzic gewichte / goldes
HeslApk
19485;
unde Maria nam eyn gewichte tuwirre salbyn unde salbete
Jhesus vuze EvBerl
52,27;
bathenie [Betonie, eine
Heilpflanze] ein gewichte unde wasser drithalp teil also vil
unde daz zusamne getempert Macer
38,20.
38,22
1.3
durch beigegebene Gewichtsmaße (auch in Gestalt von Münzgewichten) näher
bestimmt:
vmbe zwenzig phvnt wachsis Constinzer gewihtis UrkCorp (WMU)
1820,16;
ein phunt gewichtez boumoleyez unde ein halben vierdunc
roter rosen bleter Macer
15,14;
vier unze batenien unde win in dem selben gewichte ebd.
38,19.
–
margaritarum eyn half quentyn [Viertel
Lot] , desunes [laut Glr. Schreibfehler, l.
pismes Bisam] eyn half heller gewychte
OvBaierl
110,15;
der same mit wibez milche, vuͦnzen pfennic
gewichte, genutzet hilfet sere wider di ruͦre Macer
94,5
u.ö.
–
ein bônen ~
(vgl.
bône
als Ausdruck für etwas Geringes):
batenie pulver ein bonen gewichte [eine
Prise] mit honege gessen dez abendez noch essene, hilfet
den magen Macer
38,29
2
geeichtes Münzgewicht:
vierhundert march guͦtes silbers vnd rehter gewiht UrkCorp (WMU)
3517,30;
also gebieten wir allen den [...],
die mit dem silbergewicht umbgent [...], daz die daran
kauffen und verkauffen süllen nach der marck und silbergewicht der stat zu
Regenspurg, daz nu furbaz unserr stat zu Münichen gewicht gehaizzen ist
StRMünch
566,3.
– hierher oder als gewit zu mnd. witte
‘Weißpfennig’ (vgl. Schiller/ Lübben 5,572):
des guͦtis ist ain lb. grozer bort sidun
[...] vnd viunf lot goldes vnd ain schillinch gewit
vnd siben vierdunge silbers vnd sehs march alter Wiener vnd ain golt stainli
UrkCorp (WMU)
866,11
2.1
mit Angabe des Geltungsbereichs ‘Münzsorte, Währung’
drúhundert mark guͦtes silbers Zúrich gewicht
UrkEidgen
198
(a. 1313);
wir sun oͮch der vorgnanden tusint march funfhundert march weren
mit loͤtigem silber Ertfurter gwicht UrkCorp (WMU)
1372,13;
vmbe sibenzehen marke silbers Schafuser gewihtez ebd.
1252,35
2.2
als dt. Entsprechung für lat. Münzbezeichnungen:
den [zehn Knechten] gab her czen gewychte
silbirs [
dedit illis decem minas Lc 19,13]
EvBerl
138,9;
uwir meister der ingebit nicht czwey gewichte guldyner
pfennynge [
non solvit didragma Mt
17,23]
ebd.
131,14;
so vyndistu eyn gewichte [
invenies
staterem Mt 17,26]
ebd.
131,21
3
‘das Abgewogene, Zugemessene, Maß’
in disin tagin [des Fastens] svl wir ettewaz zv
irbitin zv unsirme gewonlichin gewichte vnsirs dinistis [
pensu
servitutis
]
BrHoh
49.
50.
– hierher (?):
sy werden ewigklichen gehalten in dem selben saͤligen gewichte
[
in aeternum conservabuntur Ps
36,28]
PsMb
30(Glossar)
u.ö.;
aller werlt ende gewicht [
omnes fines terrae Ps
94,4]
ebd.
30(Glossar)
4
Vergleichskörper beim Wägen, ‘Gewichtsstück’ (nicht immer von Münzen zu
trennen):
von allen gewihten [Überschrift] ez
sin auch alle gewihte nuͦwe gemaht und gezeichent mit eime
trutenfuͦzze und sullen auch ewiclichen also beliben on die fronwoge bestet
[...]. wer aber mit anderm gewihte uzmezze sin
kaufmanschaft, [...], der sol iar und tag die stat rumen
WüP
79,1.
–
(un)reht ~
:
die ratman haben die gewalt, daz sie richten uber allerhande wanemaze vnd
vnrechte wage vnd vnrechte schephele [Scheffel,
Getreidemaß] vnd uber vnrecht gewichte UrkCorp (WMU)
51,28;
den lûden sagede er [Johannes der Täufer]
rehtez leben, / wie die kouflûde geben / sulden reht gewihte, / die herren reht
gerihte Erlös
4159;
Hiob
5091
(vgl.
TvKulm
689
).
– übertr. und bildl.:
owe, gut und ere, / richeit, gewant, gesteine, golt, daz wirt ein krank
gewichte, / wider dem schatze, der an allez ende wert JMeissn
A1:20,6;
guot vriunt verwigt den zentenære [wiegt einen Zentner
auf] , / der valsche ein quinti [Quentchen,
Viertel Lot] niht enwigt; / dâ [beim falschen
Freund] wort, niht werc ze wâge ligt, / phuch, der gewiht
[Gen.Pl. ‘etwas von diesem (geringen)
Gewicht’
] ist ganzem vriunt unmære AMeissn (R)
250,12;
den [
dez tievils burgere
] was ir
lebin swere / wan siv erkanden gotis niht / ir lot was valsch vnd ir gewiht
Martina
26,12;
sus wil ich [Christus] selbe an lîbe / wesen
daz gewihte, / daz die wâgen rihte / ûz der dûfen
[Tiefe] in die luft, / in den himel ûz der kruft
Erlös
1017
MWB 2 724,37; Bearbeiter: Richter
gewihtephenninc
stM.
eine Münze:
den [geangelten Fisch] nim und tuͦ ime ûf
sinen munt, sô vindestu ein gewichtepfennig [
invenies
staterem
]
EvBeh
Mt 17,26
MWB 2 726,18; Bearbeiter: Richter
gewilde
stN.
1
‘Wildnis’
2
‘Wildheit’
1
‘Wildnis’
dô was der junge vürste komen / durch ein gewilde in einen tan Bussard
547.
766;
es sol ouch in den selben zilen nieman kein horn erschellen noch dekein
gewilde vellen, dz ban haben sol, noch ouch dehein hus buwen UrkAargau
2,3:152,27
(bald nach 1324);
jn daz lanth [India] ist
muͦlich ze cuͦmene, [...], vnde ist so michel
gewilde, daz nieman in vier iaren da durch comen mac Lucid
20,10;
WhvÖst
4896;
Goldemar
8,8
2
‘Wildheit’
nûst der blüenden heide voget / mit gewalte ûf uns gezoget. /
[...] / er tuo uns den grüenen plân / rôsen unde
bluomen ân; / sô scharpf ist sîn gewilde KLD:GvE
2:1,8
MWB 2 726,22; Bearbeiter: Richter
gewilden
swV.
→
wilden
MWB 2 726,35;
gewîlet
Part.-Adj.
→
1wîlen
swV.
MWB 2 726,36;
gewille
stN.
Koll. zu
wëlle
‘Gewoge, Wellen’
daz mer [...], / daz gestât niemêre
stille, / in einem gewille / willet ez sich zaller zît RvEAlex
16952.
9114;
des meres pflak / ein wint mit starkem gewille HeroLeander
109;
Seuse
289,18.
430,2.
–
daz süntlich gewille / wirfet vns nv her nv hin Martina
292,44
u.ö.;
MWB 2 726,37; Bearbeiter: Richter
gewillen
swV.
→
1willen
MWB 2 726,44;
gewillet
Part.-Adj.
→
1willen
swV.
MWB 2 726,45;
gewillic
Adj.
‘bereitwillig’
jrme lieben frvinde hern Ripeline, dem meister von Strasburc, enbietent die
gebrvͦdere von Landesberc irn gewilligen dienest UrkCorp (WMU)
N28,13;
daz gehœret allen gewilligen armen zuo, die sich habent gesenket in daz
tal der dêmüetikeit Inslac
393,26;
Übervart
503,13;
Eckh
1:287,5;
AlexiusF
1216;
UrkEnns
5,197
(a. 1317)
MWB 2 726,46; Bearbeiter: Richter
gewillîche
Adv.
‘bereitwillig, gerne’
dise maget [...] hat sich gewilleklich
[La. gewillich
] geophert in die martel
ElsLA
201,18;
alles das der mensche mit lust ie besas willeklich
[La. gewilliche
] in geist oder in nature
Tauler
332,7
MWB 2 726,54; Bearbeiter: Richter
gewilliclîche
Adv.
‘bereitwillig, gerne’
die tohter tet es darzuo gewillikliche und gerne MerswKn
87;
gewillecliche vnd mit vorbedahtem muͦte UrkCorp (WMU)
N369,12;
das si dar in willeklich sint bereit ze [La.
das sú sich gewillikliche kerent
zuͦ
] gonde in gotz willen Tauler
345,17;
AlexiusF
554;
Virg
698,8;
Auge
273
MWB 2 726,59; Bearbeiter: Richter
gewilt
stN.
‘Wild, Wildtiere’
vnd sol nieman in disen zilen hornschellen noch gewilt vellen WeistGr
1,4
(Mitte 14. Jh.);
zuo dem brunnen liefen lewen, bern, wiltswîn: / mitten under dem gewilde saz
daz kindelîn WolfdA
99,4;
Jagdallegorie
53
MWB 2 727,1; Bearbeiter: Richter
gewiltnisse
stN.
‘Wildnis’
da schieden die dry gesellen von dannen und kamen in das wüst gewiltniß
Lanc III
321,10
MWB 2 727,6; Bearbeiter: Richter
gewin
stM. (auch swM.
MinneR 410
418
), unter nd. Einfluss auch stN. (
Reinolt
2:2,16;
KarlGalie S. 44)
1
‘Sieg, Erfolg’
2
‘Gewinn’
2.1
‘Erwerb, Ertrag’
2.2
‘Broterwerb, Arbeit’
2.3
‘Vorteil, Nutzen’ (teils semantisch abgeschwächt) 3 phras. zu 1 und 2 (vgl. TPMA 4,470-491) 3.1 häufig verlust gegenübergestellt 3.2 speziell in der Wendung ze gewinne unde/ oder ze verluste (und umgekehrt)
1
‘Sieg, Erfolg’
wederm geviele der gewin [welchem (der Kontrahenten) der Sieg
zufiele] , / des was zwîvel under in Er
928;
man jehe dem gewinnes, den man siht gewunnen hân NibA
914,4;
ich hete ein spil sô guot, daz ich gewinnes mich versach WernhSpr
65,1;
UvZLanz
1155;
ein polensch rittir hatte e / [...] / im gelobt an
sine hant, / er wolde di stat gewisse / im mit vorrêtnisse / antwortin zu gewinne
[Eroberung]
NvJer
14919.
25005.
–
diu sigerîche Minne / diu windet sich ûz wîbes ougen / durch des mannes
ougen tougen nâch gewinne: / Minne unt ein minniclîchez wîp sint sinneroubærinne
RvZw
270,11
2
‘Gewinn’
2.1
‘Erwerb, Ertrag’
ir gewin und ir bejac / den sanden si
[Tristan und Kaedin] ze Karke Tr
18924;
dar [in ein reiches
Land] wurden sie gesant / nach spise vnde nach gwinne. / des was da
vil inne Herb
3901.
17049;
dvrch gewin ReinFu
K,415;
die da werfent nach vnrehtem gewinne / si phrengent
[bringen in Bedrängnis] die armen
VMos
40,9;
der engel gewin waz da groz, / swa blvͦt von den
kristen vloz TürlArabel
*A 45,30;
da wart nvͥt kranc der botten gewin
[Lohn]
ebd.
*A 196,14;
er [der Hl.
Laurentius] oppherote gote des besten gewinnes [Guts,
Besitzes] , den er hete, sin selbes lîb Spec
91,18;
WessobrGlB I
145,37;
StRMünch
408,17;
Wig
5495;
Ammenh
17978.
– Zinsgewinn:
du soldes minen schazt gegeben habn zu gewinne
[
nummulariis
] , swanne ich were
komen, daz ich min gute hette wider genumen mit wuchere
[
usura Mt 25,27] , daz ist mit
gewinne PrLpz
14,32.
– übertr.:
frou Herzeloyd diu künegin, / ir site an lobe vant
gewin, / ir kiusche was für prîs erkant Parz
103,4;
er minnet sîn wîp und si in, / sie dûhte ein
vreuderîch gewin, / daz sie einander solten hân RvEBarl
5988.
– auch von etw. Negativem:
sô gebt ir jâmers mir gewin Parz
612,25;
diu herzogin / an ungemache im gap gewin ebd.
628,10
2.2
‘Broterwerb, Arbeit’
ich bin ein armman / vnde han anders dehein gewin, / wen
daz ich ein ieger bin Herb
18070;
von unserme gewinne / sô sint sî worden rîche, / und
leben wir jæmerlîche Iw
6404;
daz sie ouch unerloubeten gewin unde gescheffede niht
urboren StatDtOrd
52,31
2.3
‘Vorteil, Nutzen’ (teils semantisch abgeschwächt):
ouch ist mir mære geseit / daz hie ein âventiure bî / mit starkem gewinne
[ruhmreich, verdienstvoll] sî / von einem guoten
knehte Er
8385;
ist dîn herze steinîn gar / und dornic, ob ich sæje dar /
guotes sâmen gewin: / [...] / sô bin ich sô niht ûz
gesant, / daz ich in nâch unwerde / werf in unberhafte erde
RvEBarl
1633;
min kint [Willehalm] nah
gewinne dich [Arabel] hat gekvst
TürlArabel
*A 265,27;
durch miner [einer erblindeten
Frau] ougen gewin [Heilung] / und
durch got vuͦre mich so hin / zuͦ dem
[...] seligen Johanne! Vät
3673;
Wig
181.
– vor allem bei Wolfram: ~
ane etw.:
diu rîche wîse heidenin / het an künste den gewin /
daz si wol redete franzeis Parz
329,12;
daz gît an freuden mir gewin ebd.
369,8;
got gebe an helfe mir gewin Wh
122,30;
ein gewin / an willekeit der liute ebd.
234,14
u.ö.
3
phras. zu 1 und 2 (vgl. TPMA 4,470-491):
ûf minne und ûf gewinne / stânt al der werlde sinne; / noch süezer sint
gewinne / dan dehein werltlich minne Freid
55,19
u.ö.;
Renner
5087;
gewin hât mit gewinne pfliht, / ein kummer ist âne den andern niht ebd.
13403
u.ö.;
nu strebt ein ieglîch man sêre / dar nâch wie er gewinne mêre WälGa
6616;
Krone
17929
3.1
häufig verlust gegenübergestellt:
waz tâ geschehe, wiez dort ergê, / gewin und flust, wie
daz gestê, / desn weiz frou Herzeloyde nieht Parz
102,24.
597,7;
dâ huop sich vlust und gewin Wig
11015;
mit grôzem vlîze er [Gregorius, der zum Kampf vor die Stadt
will] in [seinen Gastgeber] des bat
/ [...] / daz er in lieze wider in, / er bræhte vlust
oder gewin Greg
2090;
gewin den wolten si bejagen / oder kiesen die verlust KvWPart
20490;
ez si gewin, ez si verlust Frl
14:31,10;
Tr
367;
Himmelr
11,11;
TürlArabel
*A 250,12
3.2
speziell in der Wendung ze gewinne unde/ oder ze verluste (und
umgekehrt):
daz die fuͤmfe [Schiedspersonen] nah
beider taile fuͤrlegen [Darlegungen der beiden
Parteien] ovf ir ait daz reht drvmbe sprechen solten ze
fluͤste vnd ze gewinne UrkCorp (WMU)
1270,33;
zuͦ gewinne oder zuͦ verluste ebd.
1007,45
u.ö.;
swer umb sein geschaeft von der stat arbait oder auf dem
gotzweg ist [...], der mag sein chlag ze gewin und ze
flust aufgeben vor dem rechten StRMünch
318,5;
des sol mîn herze pflihte hân / ze flüste odr ze gewinne
Parz
432,1;
StRFreiberg
205,24;
Herb
6864.
11005
MWB 2 727,9; Bearbeiter: Richter |