gewërft
stMN.
auch gewerbt (
NibA
52,4
), gewerfert (
WälGa
9884
);
s.a.
gewërbe
stMN.,
gewërf
stM. und stN.
1
‘Tun, Tätigkeit; Anliegen, Vorhaben’
2
‘Abmachung, Vertrag, Geschäft’
3
‘Steuer, Sonderabgabe’ , meist in Verbindung mit stiure
1
‘Tun, Tätigkeit; Anliegen, Vorhaben’
nieman ist der von siner chreft und von sinen gewerften
antloz siner suͤnde erwerben muͤg PrOberalt
167,15;
si [das arme Paar] hêten sehs
kindelîn; / deste spâter muosens sîn / nâch ir gewerfte
[Broterwerb] ûf den sê; /
[...] / sô bejagten si vil kûme ir brôt
Wig
5295;
sagt mir [Maria] gotes engel mer / welhen weis daz
muͤg gesein / daz ich geber ein chindelein / [...]
[der Engel antwortet:] der heilig geist / wird des
gewerftes volleist / der chumt zu dir LebenChristi
160;
StrKD
29,82;
EnikWchr
12566;
Neidh
SL 11:9,7;
dô frâct in [einen der sieben Schläfer von
Ephesos] der chunich mære, / wes er sich betragete, / oder waz er
gewerftes habete Kchr
13506.
– in der Wendung, was jmds. ~ sei:
er frâgt Daviten mære, / waz sîn gewerft wære
EnikWchr
10132
2
‘Abmachung, Vertrag, Geschäft’
brveder Levpolt [...] vnd Vlrich
[...] leiten vns fver iren gewerft, den si mit einander
heten UrkCorp (WMU)
N414,21;
[die Herren,] dîe pei dem gverfte gvesen sint vnt sein
ouch gezeuge UrkAltenb
53
(a. 1290);
daz dieser gewerft zwischen vns vnd in stæt beleib vnd vnverwandelt, des geb
wir in disen brief versigelten mit vnserm insigel UrkHeil
1,275
(a. 1294);
UrkÖsterrM
237
(a. 1288).
– in Verbindung mit rede oder kouf (weitere Belege
s. WMU 1, 721f.):
daz diê red vnt der gewerfte, als er reddelehen geshehen ist, vuerbaz stêt
peleib vnt vnzebrochen, des gib ich disen prief ze vrchunde dem gotshovsse hintz
Altenbuͦrch UrkAltenb
53
(a. 1290);
diser geberft vnd disev red UrkHeil
2,38
(a. 1312);
[die] habent vns fvrgelait ainen gewerft vnd ainen
chavf, den sie mit ainander habent gehapt [...]. vnd
baten vns [...], daz wir den selben chavf
[...] bestaetigiten UrkAltenb
111
(a. 1305);
diser gewerft vnd diser chouf vnd unser vv%>rziht UrkHeil
2,34
(a. 1311)
3
‘Steuer, Sonderabgabe’, meist in Verbindung mit stiure:
swenne man ze Friburg dehein gewerft oder stúre uf leit UrkCorp
(WMU)
N599,15;
vnd sibendehalb schilling ze vogetstúre vnd ze gewerfte ebd.
3018,42;
von únserem gewêrfte, das sú úns jergelich gent
UrkFreiburg
3:145,5
(a. 1310).
2:130,37
(a. 1291)
MWB 2 719,7; Bearbeiter: Richter
geweric
Adj.
‘aufmerksam, sorgfältig’ (vgl.
gewar
Adj., Adv.
):
vnd also sol er allezeit fürchten daz chünftig geriht dez
oberesten hirten von den schaffen die er im enpholhen hat vnd swenn er also sorget
von frömder raittung [Abrechnung, Rechenschaft] so wirt er
von sein selbes raittung gar gewarich vnd sorksam [
redditur de
suis sollicitus
]
BrAlt
2
MWB 2 719,53; Bearbeiter: Richter
gewërke
swM.
1 Anteilseigner an einem Bergwerk (s. LexMA 4,1421f.) 2
‘Zunft-, Handwerksgenosse’
3 allg. ‘Genosse, Freund’
1
Anteilseigner an einem Bergwerk (s. LexMA 4,1421f.):
di gewercken nemen einen bergmeister, wen si wullen, also das derselbe teil
mit in habe czu minsten ein czweiundrisigteil BgRIglauD
26.
20;
an dem nechsten vrietage, / [...] / sint die gewerken
wurden ze rate, / si wollen sinken einen richten schaht Erz III
56,254.
56,333;
UrkFreiberg
2:6,21
(a. 1328)
2
‘Zunft-, Handwerksgenosse’
ist, daz ein man gewant gibit zu snidene einem schroter
[Schneider] unde intpfurt he iz im, so daz he damite
hinwec zogit, daz sullen di meistere unde di gewerken zu rechte gelden also gut, als
iz ist StRFreiberg
249,29.
248,14;
wî wollen ovch, daz dî tûchmachêre dî tûch schvllen schere [l.
scheren
] nâch deme mâze, daz in der rât gegeben
hat; swer des niht entût, der shol der stat vumf shillinge geben vnd sînen gewerken
vumve UrkZeitz
108
(a. 1322);
UrkSchles
8,30
(a. 1349)
3
allg. ‘Genosse, Freund’
verspilt aber ein man sîn gût oder verhûret erz
[...], der schade den her dar an nimet, sal sînes eines
sîn, und nicht sîner brûdere noch sîner gewerken, die ir gût mit ime gemeine haben
SSp (W)
1:12
MWB 2 719,61; Bearbeiter: Richter
gewërke
swstN.
s.a.
gewërc
,
gewürhte
,
gewürke
.
‘Werk, Bau’
der besten spiegel einen, / danen abe ich ie gehôrde, / der stunt an einem
orde / oben an dem gewerke [Mausoleum von Camilla]
En
9565;
dô leitte mih di kuningîn / di dritte kemenâten în. /
[...] / von edelen holze aspindei / was daz gewerke
SAlex
6095;
dô hîz er starc gewerke [Hs.
gewerken
] / machen ûffe schîben / und zô der stat
trîben [zum Angriff]
ebd.
1206
MWB 2 720,20; Bearbeiter: Richter
gewërken
swV.
→
wërken
MWB 2 720,29;
gewërldet
Part.-Adj.
s.a.
wërlten
swV.
‘der Welt zugehörig, eine Stellung in der Welt einnehmend’
trîbe ich die zît vergebene hin, / sô zîtic ich ze lebene bin,
/ sôn var ich in der werlt sus hin / niht sô gewerldet, alse ich bin
Tr
44;
dem lebene sî mîn leben ergeben, / der werlt wil ich gewerldet
wesen, / mit ir verderben oder genesen ebd.
65;
[Ruals Frau war] ein wîp, diu muot unde lîp / mit
wîplîcher stæte / der werlt gewerldet hæte ebd.
1652
MWB 2 720,30; Bearbeiter: Richter
gewerlich, gewärlich
Adj., Adv.
überw. adv. als -lîche(n) belegt; vgl. auch
gewærlich
.
1
‘aufmerksam, umsichtig, wachsam’ (vgl.
gewar
Adj., Adv.
) 2
‘gesichert, sicher’ (vgl.
gewarheit
; nicht immer sicher von
gewerlich
Adj., Adv.
zu unterscheiden)
1
‘aufmerksam, umsichtig, wachsam’ (vgl.
gewar
Adj., Adv.
):
der wise rihtare [Gott]
[...] rihtet unde bescirmet si [seine
Geschöpfe] uile gewarliche. uor des tîefales strikche
JPhys
14,20;
er hiez iz [das Getreide]
gwarlîchen hantelôn Gen
2122;
alsô lange er [Erec] daz [das
Tjostieren] treip / unz man im den schilt zestach / und mit slegen
sô zebrach / daz er im ze nihte tohte. / als er gewerlîchest mohte, / sô staphete er
ûz von in Er
2593;
Roth
3836;
RvEWchr
10899.
–
er [der Hirte] sol auch
behuͤten, swa er [Vieh] uber brugge tribet, daz
er also beschaidenlichen tribe, unde als gewaerlichen daz iemen kain schade
devon geschaehe StRAugsb
35,7.
– wohl hierher (oder ist an eine Bildung zu
3gewer
i.S.v. ‘bewehrt, gerüstet,
bewaffnet’ zu denken ?):
Etzel was sô küene, er vazzete sînen schilt. / ‘nu
vart gewärlîche ‘, sprach vrou Kriemhilt NibB
2021,2;
nu rât’ ich, waz man tuo: / daz ir iuch wâfent,
helde. ir sult iuch wol bewarn! / wir hân hie starke fîende; daz wir gewärlîche
varn ebd.
1588,4.
1471,4.
1779,4
2
‘gesichert, sicher’ (vgl.
gewarheit
; nicht immer sicher von
gewerlich
Adj., Adv.
zu unterscheiden):
sô solde âne pûse / von dem selben hûse / der kunic îlen
drât / an ein gewerlich stat Ottok
76484;
dô bat der Stubenbergære / bischolf Kuonrâten, / daz er im
kæm ze staten / mit liuten werlichen, / daz er gewerlichen / ze sînen vesten komen
möhte ebd.
57182.
92556;
fuͤrt in [den gefangenen
Jesus] gewerliche, / daz er iu niht entweiche [vgl.
ducite caute Mc 14,44]
GvJudenb
1237;
RvEAlex
10229;
Tr
6394
MWB 2 720,40; Bearbeiter: Richter
gewërlich
Adj.
oder zu
gewærlich
?
‘angemessen’
do rieten sy all geleich, / es wer wol gewerleich / das man in gewert / wes er
an sy pegert Hawich
3612
MWB 2 721,9; Bearbeiter: Richter
gewërman
stM.
‘Gewährsperson, Bürge’ (s.a.
gewër
swM.;
wërman
):
ab ymancz dirfolgt ein pferd [gerichtlich die Rückgabe eines
Pferdes einklagt] , daz ym genomen were, und welle is orteylich
gewynnen, dazselbe pferd wirt her dirfolgen bys an den sebenden gewereman, und denne
vorlewst her daz pferd, adir wirt is mit orteyl behalden UrkSchlesSt
380
(undat. Übers. eines lat. Orig. von 1270)
MWB 2 721,13; Bearbeiter: Richter
gewern
swV.
→
2wern
MWB 2 721,22;
gewërn
swV.
→
1wërn
;
→
2wërn
MWB 2 721,23;
gewërre
stN.
(swM.
HeinzelRitt
357
)
‘Streit, Kampf’
ir armen liute, ir sult ouch under einander fride machen, niht
[...] sagen bœsiu dinc unde gereizen unde
gewerre machen PrBerth
1:56,27;
dô hûb sich abir ein gewerre: / der Prûzin quam ein michil schar / und hertin
her und dar / zu Polen in dem lande / mit roube und mit brande NvJer
1891.
15776;
dy manne dy undirwindin sich keynis dingis andirs wen gewerris und jagit
MarcoPolo
17,9
u.ö.;
si [die Minne] sol im [dem
krieg
] ende machen / und disen gewerren scheiden HeinzelRitt
357;
BFrau
41
MWB 2 721,24; Bearbeiter: Richter
gewërren
stV.
→
wërren
MWB 2 721,36;
gewerschaft
stF.
‘Besitz, Besitzrecht’
allez daz gvet daz siv vnd daz chloster ze Zwetel in gewerschaft habent
[...], daz bestetige wir ien allez mit disem brieue
StiftZwettl
190;
mit alle der rechter [...] gewerschaf, als unse
vurvaren inde wir dat guit bis her hain besessin inde behaldin UrkNiederrh
3,195
(a. 1328);
wie ist in daz sô ungemach, / daz ich vordere wan daz, / daz
herzog Friderich besaz / in des landes gewerschaft, / die wîl er het des lebens
kraft Ottok
26872
u.ö.
– übertr. ‘Machtbereich’ (vgl. Anm.z.St.):
sît wâren diu [einander
versprochenen] kint nû komen / mit gemeiner geselleschaft / ûz des
herzogen gewerschaft Ottok
73522
MWB 2 721,37; Bearbeiter: Richter
gewërschaft
stF.
‘Garantie, Bürgschaft, Gewährleistung(spflicht)’ (vgl. WMU 1,723f. u. DRW
4,671-673):
wer aigen verchauft in dem land, der sol nicht lenger gewerschaft tuͦn,
wan iar und tack [...] ez sey dann, ob er weder pùrgen noch
gewerschaft gehaben mack, der sol ez staeten [...]; wann
daz geschicht, so hat sich elliu gewerschaft ergangen OberBairLdr
200
u.ö.;
[Die Unterzeichner versprechen, dass sie] den vorgnanten
weingarten in rechter gewerschaft vreyn vnd schermen vor aller ansprach vnd
fuͤr allen chriech UrkWSchott
226
(a. 1340);
vnd daz dirre kauf vnd auch div gewerschaft stæt belibe vnd an laugen, so
geben wir dem offgenanten kloͤster ze Furstenuelt disen brief UrkCorp
(WMU)
2738,28;
StRMünch
353,6
u.ö.;
SSp (W)
2:42,2;
UrkEnns
5,476
(a. 1327)
MWB 2 721,51; Bearbeiter: Richter
gewertic
Adj.
(zu
warten
)
1
‘gegenwärtig, vorliegend’
2
‘aufmerksam’
1
‘gegenwärtig, vorliegend’
dar vmbe han ich min yngesigele an disen gewertigen brief gehenket zuͦ
eime steͣten vrkuͦnde UrkCorp (WMU)
1565,38;
an disme kewerdigin brive UrkCorp
1168,3
2
‘aufmerksam’
ich hetz verholn noch lenger vrist, / wan daz dîn elter bruoder ist / etlîcher
mâze gewertic. / der erblicte des riemen stric, / dâ der slüzzel ane hie. / zehant
er mich des niht erlie, / ich muoste im sagen die warheit Schlegel
849;
gewin und ouch verluste / wâren sî [die kämpfenden
Ritter] gewertic Reinfr
8869.
–
‘Folge leistend’
waz vns die heizzent, daz wir daz bi geswornem eide gehorsam vnde gewertic
sin soͤllen UrkCorp (WMU)
1075,45
MWB 2 722,4; Bearbeiter: Richter
gewës
Adj.
→
gewis
MWB 2 722,18;
gewesche
stN.
‘Waschung’
er [der Blinde, Io 9,7] ging hin vnd gewesch er nam
/ vnd sehinde er wider quam EvStPaul
12590
MWB 2 722,19; Bearbeiter: Richter
gewësen
stV.
→
wësen
MWB 2 722,22;
gewësenlîcheit
stF.
‘Wesenhaftigkeit’ (vgl.
wësentlîcheit
):
daz er [der Vater] ir [der
sêle
] zartet daz meinet ungeweselicheit
[der Seele, nämlich unvollkommene bekantnüsse des vaters
willen
] ; aber sô si zuo nimet an bekantnüsse in stêter
vereinunge götlîches willen, sô ist er ir minre mit înflüzzen unvernünftiges zartes,
unt daz meinet gewesenlicheit Eckh (Pf)
642,11.
642,4.
640,3
MWB 2 722,23; Bearbeiter: Richter
gewësse
Adv.
→
gewis
MWB 2 722,31;
gewët
stN.
‘Paar, Gespann’
(zu
wëten
stV. ‘(ver-)binden,
zusammenjochen’):
er hâte duo gichouffet / finf gwet ohsin Gen
2911.
– übertr.:
darnach machentz [die Mönche] ain gewett / jeder
man mit ainer zu bett / da werdent sy so gaͤmenlich / die kutten zipfel vbent
sich Barfüsser
139
MWB 2 722,32; Bearbeiter: Richter
gewëte
swM.
auch gepete (
Neidh (S)
1,8 c94:6,1;
).
‘verbundene Person, Genosse, Partner’
Marjodô / [...] / und sîn gewete
petit Melôt Tr
16318;
man jach dem stolzen Latriseten / daz er gewünne nie geweten
/ der im sô geziehen möhte / daz gein sînem prîse iht töhte Wh
378,26;
zwa meide / [...] hatten manig kere
[Sorge, Bemühen] / vber ir frauwe, da sie lag / vnd
dirre groszen clage pflag; / der waren sie beyde ir gewet Krone
19051.
6756;
UvEtzAlex
21690.
– übertr.:
reht werdekeit was sîn [Parzivals]
gewete Parz
326,4;
von der [Amelye] truͦc er
minnen last, / des was si siner froͮden gast, /
[...], / siner sinne ain gewette, / wan er wart ir
niemer fri / si waͤr im zallen ziten bi RvEWh
4364;
Krone
26577
MWB 2 722,38; Bearbeiter: Richter
gewëten
stV.
→
wëten
MWB 2 722,53;
gewëterblitzen
swV.
‘blitzen’, hier ‘(mit den Augen) funkeln, strahlen’ (zu
wëterblic
stM.):
wilt ouch zuo dem tanze unde zuo dem heimgarten unde wilt dâ vil gerüemen unde
gelachen unde geweterblitzen unde gezwieren [zwinkern]
mit den ougen, sô mahtû wol bestrûchen in den stric des tiuvels PrBerth
1:481,28
MWB 2 722,54; Bearbeiter: Richter |