Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   gewërære - gewërken    


gewërære stM. ‘Gewährsperson, Sachwalter’ (s.a. gewër swM.): vnd wand minev chint nicht sint chomen zv dem alter, vnd si daz gvet selbe avf geben, so setze ich den vor genanten frowen pvrgel [...], di von aigem willen [...] schvllen minev chind da zv pringen, daz si daz gvet avf geben, vnd sein gewerer sin vnd scherm mit samt, als landes recht ist UrkCorp (WMU) 3340,37; da die gewer gebrochen wͦrde, da quam Conrad uon Trimpberg wider fuͦr den kvnig vnd clagete daz aber also lange, biz ime aber ein ander gewerer geben wrde ebd. N408,7. N408,13; wir [...] sein auch desselben aygens ir gewerer, als aygens recht ist an dem gericht, da das selb gut inne gelegen ist UrkSchönfeld 356 (a. 1326)

MWB 2 715,3; Bearbeiter: Richter

gewërærinne stF. ‘Gewährsfrau, Sachwalterin’ du [ kawsche minne ] pist unser vorspreche in unserm herczen und unser gewererine in gotez herczen MvHeilFr 17

MWB 2 715,18; Bearbeiter: Richter

gewërbe, gewërp stMN. 1 ‘Tätigkeit, Streben, Vorhaben’
2 ‘Abmachung, Vertrag’
3 ‘Werben’
3.1 ‘(militärisch-politische) Werbung, Anwerbung’
3.2 Werben um eine Frau, ‘Brautwerbung’
   1 ‘Tätigkeit, Streben, Vorhaben’ mir ist lieb, swaz ir tut. / got lazze uwerme gewerbe wol geschen Herb 15483; nach manigem süezem gewerbe / giengen si [die feiernde Gesellschaft] slafen alle Serv 2826; aller der lúte getat vnd gewerb [ omnes actus mortalium ] UrkCorp (WMU) 26,47; der [Gott] wart von im [St. Ägidius] also begert, / daz er ie allergernst / warf sinen steten ernst / uf ein tugentlich gewerb Pass III 453,17; sîn gewerp und sîn gerinc / der ist umb ernestlîchiu dinc Tr 10457. 14602; er mag gewynnen v́bel zijt, / vf dem dis gewerb [das Königreich wieder zu gewinnen] lijt Krone 25726; KvWTroj 21973; werk ist, sô man sich üebet von ûzen an werken der tugende; aber gewerbe [besonnenes Wirken] ist, sô man sich mit redelîcher bescheidenheit üebet von innen Eckh 3:485,10; Parz 314,25. 774,18; UvZLanz 2397 u.ö.; Lucid 74,15; Seuse 437,20 u.ö. – Erwerbstätigkeit: jene [...] gîngen inwec, der eine in sîn dorf, abir der andere zuͦ sîme gewerbe [ ad negotiationem suam ] EvBeh Mt 22,5; unnd sol er doch von sim gewerb dienen mit stüren und mit wachen StRZürich (B) 213,18. – Anspruch: swas ouch aker an den [...] weg stossent, swenne man die buwet, so sun die buluͥte und die pfluͤge [Pflüger] gewerb uͥber den weg haben und drufe UrkZürich 8,62 (a. 1305). – Ergebnis des Tuns: der hie was in sulcher not, / daz er na tot was, / harte kvme er genas. / sus / getan gewerbe / ist aller der erbe, / die gerne in strite sint Herb 10987. – in der Wendung vrâgen, waʒ jmds. ~ wære (u.ä.): in vrâgete der rihtære, / waz sîn gewerbe wære SpdtL 156,26; er [der Habicht] sprach: ‘got grüez dich, gevätterlîn, / waz ist daz gewerbe dîn?’ / ‘ich brüet mîn eiger’ sprach diu krâ, / ‘als mîn geslecht tuot anderswâ.’ Boner 49,48; Iw 5818; Herb 907; Rennew 35607    2 ‘Abmachung, Vertrag’ swer dâ wêr sô vreche, / daz er den vridde brêche / oddir ir gewerbe / machte unbederbe / entwedir mit worden odir mit tât NvJer 26240; gezivge ditze chovfes vnd ditze gewerbes sint [...] UrkCorp (WMU) N303,7; dar umme, [...] daz mein gewerbe nicht ueraltene mit der zeit, so lacz ich Albrecht [...] mit dirre kegenworten [vorliegenden] hantveste wizen [...], daz ich [...] han meine teil ze Osterwiz uerchouft ebd. 627,1. – ‘Handel’ dy sone von Dedan warin dine [Tyrus’] koufluyte, vil werdir waren zu gewerwe dinir hant [ filii Dadan negotiatores tui; insulae multae negotiatio manus tuae ] Cranc Ez 27,15    3 ‘Werben’    3.1 ‘(militärisch-politische) Werbung, Anwerbung’ da [im Land Garmiler] solt samnen sich daz her / [...]. / do kert manic kuͤnc hin, / [...], / nach [des Marschalks] Wigrichs gewerbes tage WhvÖst 7696. 5969. 16121    3.2 Werben um eine Frau, ‘Brautwerbung’ zehant ich umbe ir minne warp. / der selbe gewerp ouch niht verdarp, / wande si mit mir entran Er 9479; den gewerp [um Kriemhild] man dem degene [Siegfried] sêre leiden began NibB 51,4; ir [Paris] wænent lîhte, daz ich [Helena] sî / gewerbes unde bete frî / biz an disen tac beliben? / nein, zwâre, manger hât getriben / red und bete wider mich KvWTroj 21762; Kudr 659,4; Walth 93,8; Neidh WL 18:3,5

MWB 2 715,22; Bearbeiter: Richter

gewërbede stN. s.a. gewërft . ‘Anliegen, Tätigkeit’ Artûs, nu wil ich biten dich, / deiz den hôhen niht versmâhe, / des gewerbes gein in gâhe [La. mins gewerbedes gabe ] , / und wis des lasters für si pfant Parz 785,16

MWB 2 716,22; Bearbeiter: Richter

gewërben stV. wërben

MWB 2 716,27;

gewërbic Adj. ‘fleißig’ ir [der Tataren] wip sint ouch vorsichtik unde gar gewerbik in alle deme das do gehort czu husrote, unde sint getruge iren mannen MarcoPolo 17,12

MWB 2 716,28; Bearbeiter: Richter

gewërc stN. s.a. gewërke swstN. ‘Tat’, hier ‘Zutun’ Crist, / [...], / wart in einer armen krippe / von drin kunigen Jaspar, / Melchior und Baltazar / vor snoden tieren vunden, / [...], / und wuchz uf kurz an [l. âne ] ein werk [La. gewerc ] / an einen also grozen berk [bezogen auf Is 2,2] / daz her der hellen gewielt, / daz ertriche in handen hielt, / den himel mit spannen ummespien HeslApk 20879

MWB 2 716,32; Bearbeiter: Richter

gewerde stSubst. ‘Waffe, Bewaffnung’ (s.a. 3gewer und werde stF.): war umb hastu solich geberde? / odir war umb dreystu solich gewerde? Pilgerf 8848

MWB 2 716,40; Bearbeiter: Richter

1gewerde stF. ‘Behutsamkeit, Vorsicht’ (vgl. 1gewer 2.1, übertr.): schicke diz frouchin in stillen gewerdin balde von mir unde von minem bette [Auftrag Ludwigs für seinen Vertrauten] Köditz 21,16; mit rechtir behendikeit in stillen gewerdin brachte he groze manschaft unde ein kreftigiz her zu samene ebd. 37,7

MWB 2 716,44; Bearbeiter: Richter

2gewerde stF. ‘Besitz’, i.d.Wendung nuz unde ~ (vgl. 1gewer 2.3): swer daz huz in nuz vnd in gwerde hat, der sol daz vor gnant phunt geben dem master UrkCorp (WMU) 601,31

MWB 2 716,51; Bearbeiter: Richter

gewërde stF. ‘Sicherheitsleistung, Rekognitionszins’ vnd ze einer gewerde der selben aigenscheft gebent si vns iærchlich zwen phening auz dem selben guͦt UrkCorp (WMU) 2110,3

MWB 2 716,55; Bearbeiter: Richter

gewërde stSubst. ‘Wert, Kostbarkeit’ da is hey [der König] mir zo male gram, / vmb dat ich eme he vore nam / van syme schatze sulche gewerde, / id endroge neit dry perde Karlmeinet 389,23

MWB 2 716,59; Bearbeiter: Richter

gewërden stV. 1 in der Verbindung ~ lâʒen meist mit Akk.d.P. ‘jmdn. sich selbst überlassen, in Frieden lassen, allein lassen’ (vgl. bewërden )
2 wërden stV.
   1 in der Verbindung ~ lâʒen meist mit Akk.d.P. ‘jmdn. sich selbst überlassen, in Frieden lassen, allein lassen’ (vgl. bewërden ): sâ lâzen sie [die Engel] in ûzer habe [werfen den Teufel aus seinem Besitz] / und lâzen in gewerden Erlös 6463; Herôdes, / dû lebes zwîvelîche, / daz dû sô sundelîche / dîns brûder wîp zû wîbe hâst. / wie dû sie nit gewerden lâst, / sô bistû êweclîch verlorn ebd. 4432; darumb urteile dich und la dinen nehsten mit gotte gewerden und got mit ime gewerden Tauler 113,13. min herre Gawan bevalh sie gott und reit den ritter suchen. sin vier gesellen bliben by einander mit großen unfreuden [...] wir mußen sie laßen gewerden und sprechen furter wie myn herre Gawan gefure Lanc 316,2; nu laßent mich gewerden ebd. 299,22 u.ö. – mit Akk.d.S.: da nam yn der konig einhalb abe und saget im so viel das ers [ er es, den Zweikampf] gewerden ließ [auf sich beruhen ließ] biß an die stunt das er in des konig Artus hoff keme Lanc 635,11. – mit Ersparung des Obj.: Lancelot stach yn under die kelen, so das im die glene den schilt und die kele zuhauff negelt, und der ritter fur dem roß uber die krip uff jhen erden [der Ritter flog über die Kruppe des Pferdes zu Boden] . er [Lancelot] stunt von dem roß und ließ gewerden und kerte dem ritter zu mit geraufftem schwert Lanc 625,16    2 wërden stV.

MWB 2 716,63; Bearbeiter: Richter

gewërden swV. wërden

MWB 2 717,27;

gewerebrief stM. ‘Lehnsbrief, Besitzurkunde’ swer lêhen enpfæcht [...], wirt der angesprochen um daz selb lêhen, [...] der sol sein nutz und gwer pringen auf der lantschrannen [auf dem Landgericht] [...] und sol auch denn seinen herren nennen [...] mit einem gewer prief von dem herren, dar auf er bereden mug, das der herr des guots sein gwer sei auf das recht RbRupr 212

MWB 2 717,28; Bearbeiter: Richter

gewërebûʒe stF. Buße für eine gelobte, aber nicht eingehaltene/ erbrachte Gewährleistung (s.a. gewër stF.): swilch man vordert vor gerichte sô getâne sache, dâ her eine gewere umbe geloben mûz, und gelobt her die, und kumt dar nâh ein ander und vordert di selben sache, und en mac der, der die gewere gelobet hât, jenen nicht abgewîsen mit rechte: her muͦz sîne vorderunge lâzen mit einer gewerebûze, und mûz mit deme richtêre wetten [Strafe zahlen] SSp (W) 2:15,1; gewerebûze, daz ist sîn vordere hant, dâ mite her die gewere gelobete, oder sîn halbe weregelt ebd. 2:15,1

MWB 2 717,36; Bearbeiter: Richter

gewërf stM. (stN. HeslApk 17669 ) auch geberve UrkCorp (WMU) 1891,20; s.a. gewërbe stMN., gewërft stMN. 1 ‘Tun, Tätigkeit; Anliegen, Vorhaben’
2 ‘Abmachung, Vertrag, Geschäft’
3 ‘werbende Unternehmung, Versuch, jmdn. für jmdn./sich zu gewinnen’
4 zur Übers. von lat. vorago ‘Wirbel, Strudel’ oder ‘aufgeworfenes Loch’ (s.a. DWB 4,1,3,5629f.)
   1 ‘Tun, Tätigkeit; Anliegen, Vorhaben’ mannes gewerf nehilfet porvile [kein bisschen] ube is got niene wile Gen 1085; die sluzzele nam sî alle zesamene. / si warf si in aine kisten, / daz iz niemen neweste, / den ir gewerf sô spæhen Kchr 11660; daz er rehte wurd gewar, / [...], / wie der gewerf ergienge Ottok 2078; der gewerf und diu botschaft ebd. 53417 u.ö.; WälGa 9925; HeslApk 17669; Lilie 50,25. – in der Wendung waʒ jmds. ~ wære (u.ä.): maniges si in vrâgôten / nâh allem niumâre, waz sîn gewerf wâre Gen 991; nû hôret diu mære, / waz ir gewerf wære Ottok 74878; ähnl.: so ne wez nichein vremede man / wie min gewerph si getan Roth 822    2 ‘Abmachung, Vertrag, Geschäft’ mit guoten hantvesten starc / wart der gewerf verslihtet Ottok 5911; uor gewerue [interl. zu a negotio ] PsM 90,6; dc wir dc haben suln bi vnserm leben, swaz vnser vater [...] mit gewerfe vnd mit anderm dinge an vns brahte UrkCorp (WMU) 303,3; UrkWittelsb 2,191 (a. 1311). – in Verbindung mit kouf: des selben chowfes vnd des gewerves sint gezewgen [...] UrkÖsterrM 239 (a. 1288); daz chowf vnd der gewerve stet und unverbrochen peleibe ebd. 239 (a. 1288); mit der willen diser gewerf vnd der chavͦf ist geschehen UrkEnns 4,153 (a. 1291)    3 ‘werbende Unternehmung, Versuch, jmdn. für jmdn./sich zu gewinnen’ der engel in [Abrahams Diener, der eine Frau für Isaak finden soll, Gn 24 ] fuͦrte / den gewerf er in lêrte VMos 20,3; den poͤsen gewerf vmbe den tumben iungelinch [der der Frau eines andern nachstellt] , den het er vernomen Konr 12,30    4 zur Übers. von lat. vorago ‘Wirbel, Strudel’ oder ‘aufgeworfenes Loch’ (s.a. DWB 4,1,3,5629f.): ez geschach zuͦ Rom enmitten in der stat daz sich ein fraislich gruft auf tet [...]. vͤber daz wurden die goͤtter ratz gefragt. do antwurtten sie also: der fraislich gewerf wirt nicht zuͦ getan den ez lazz sich ettwer willichleich hin ein GestRom 34

MWB 2 717,48; Bearbeiter: Richter

gewërf stN. meist alem. 1 ‘Steuer, Sonderabgabe’ (s.a. gewërfen swV.)
2 ‘Rechtsanspruch (auf eine Abgabe, insbesondere bei Besitzübertragung)’
   1 ‘Steuer, Sonderabgabe’ (s.a. gewërfen swV.): collectas [...] quas ibidem vulgari nomine guͦwerf vocant UrkMittelrhein 1,705 (a. 1166); swenne ouch daz were, daz man ze Basil gewerf gebe [...] tuomherren, ambtliute [...] sint dez gewerfes vri RbBasel 2,1; [Fassung LB] swer der burger gewerf nicht git, der sol nit ze rate gan, da man das gewerf uf leit ald da man die us liset, die das gewerf uf legen suln StRZürich (B) 126,6 u.ö. – in Verbindung mit stiure (vgl. gewërft stMN. 3): swaz edelere lvte ze Colmer burger sint [...], die svlen mit den andern burgern dekein gewerf noch dekeine stivre geben UrkCorp (WMU) 372,23; so er stûre vnd gewerf git vnd zinse ebd. 248AB,6; daz wir mit unserme genedigen herren [...] v́ber ein sint komen, daz wir ime sv́llent dienen mit gewerffe, mit stúren, vnd mit allen den dienesten, als andere sine lúte zuͦ Mengen ime dienent UrkFreiburgGr 12,246 (a. 1318); wir [...] tuͦnt si [die Bürger von Basel] alles gewerffes vnd aller stu̍re fri UrkBasel 4:126,4 (a. 1337)    2 ‘Rechtsanspruch (auf eine Abgabe, insbesondere bei Besitzübertragung)’ si qua ipsis imposterum questio super premisso jure, quod gewerf dicitur, moveretur UrkMittelrhein 3,19 (a. 1213); pro iure quod gewerf vulgariter appellatur UrkPrivR 98,9 (a. 1257); UrbPantKöln 201,10 (a. 1280 kopial)

MWB 2 718,25; Bearbeiter: Richter

gewërfen stV. 1 ‘erwerben’ (vgl. gewërf stM. 2 und gewërft 2 in Verbindung mit kouf )
2 wërfen
   1 ‘erwerben’ (vgl. gewërf stM. 2 und gewërft 2 in Verbindung mit kouf): swaz si der selben [Lehen] erchavffen vnd gewerfen mvgen, der selben lehen aigenschaft geb wier der vorgenanten stiff ewichleichen ze haben UrkCorp (WMU) 1861,11; nu verieh wir beide bruͤder [...], daz wir des selben aigens vnd purchrehtes, als vor genant ist, niht chovffet vnd gewoͤrifen haben ebd. N550,44    2 wërfen

MWB 2 718,53; Bearbeiter: Richter

gewërfen swV. ‘mit einer Abgabe belegen, besteuern’ (zu gewërf stN.): ich gewerfete si jerglich ze einem male als ander min lvͥte, si gaben mir oͮch vasnaht hvͥenre UrkRapp 223,4 (a. 1314); quocienscumque bona ad ecclesiam ipsorum predictam spectantia, [...] ab eadem vacare contingebat, dicta bona relevari et acquiri, quod vulgariter ‘gewerfen’ dicitur, ad eorum graciam et voluntatem consueverint UrkKaisersw 100 (a. 1284)

MWB 2 718,62; Bearbeiter: Richter

gewërft stMN. auch gewerbt ( NibA 52,4 ), gewerfert ( WälGa 9884 ); s.a. gewërbe stMN., gewërf stM. und stN. 1 ‘Tun, Tätigkeit; Anliegen, Vorhaben’
2 ‘Abmachung, Vertrag, Geschäft’
3 ‘Steuer, Sonderabgabe’ , meist in Verbindung mit stiure
   1 ‘Tun, Tätigkeit; Anliegen, Vorhaben’ nieman ist der von siner chreft und von sinen gewerften antloz siner suͤnde erwerben muͤg PrOberalt 167,15; si [das arme Paar] hêten sehs kindelîn; / deste spâter muosens sîn / nâch ir gewerfte [Broterwerb] ûf den sê; / [...] / sô bejagten si vil kûme ir brôt Wig 5295; sagt mir [Maria] gotes engel mer / welhen weis daz muͤg gesein / daz ich geber ein chindelein / [...] [der Engel antwortet:] der heilig geist / wird des gewerftes volleist / der chumt zu dir LebenChristi 160; StrKD 29,82; EnikWchr 12566; Neidh SL 11:9,7; dô frâct in [einen der sieben Schläfer von Ephesos] der chunich mære, / wes er sich betragete, / oder waz er gewerftes habete Kchr 13506. – in der Wendung, was jmds. ~ sei: er frâgt Daviten mære, / waz sîn gewerft wære EnikWchr 10132    2 ‘Abmachung, Vertrag, Geschäft’ brveder Levpolt [...] vnd Vlrich [...] leiten vns fver iren gewerft, den si mit einander heten UrkCorp (WMU) N414,21; [die Herren,] dîe pei dem gverfte gvesen sint vnt sein ouch gezeuge UrkAltenb 53 (a. 1290); daz dieser gewerft zwischen vns vnd in stæt beleib vnd vnverwandelt, des geb wir in disen brief versigelten mit vnserm insigel UrkHeil 1,275 (a. 1294); UrkÖsterrM 237 (a. 1288). – in Verbindung mit rede oder kouf (weitere Belege s. WMU 1, 721f.): daz diê red vnt der gewerfte, als er reddelehen geshehen ist, vuerbaz stêt peleib vnt vnzebrochen, des gib ich disen prief ze vrchunde dem gotshovsse hintz Altenbuͦrch UrkAltenb 53 (a. 1290); diser geberft vnd disev red UrkHeil 2,38 (a. 1312); [die] habent vns fvrgelait ainen gewerft vnd ainen chavf, den sie mit ainander habent gehapt [...]. vnd baten vns [...], daz wir den selben chavf [...] bestaetigiten UrkAltenb 111 (a. 1305); diser gewerft vnd diser chouf vnd unser vv%>rziht UrkHeil 2,34 (a. 1311)    3 ‘Steuer, Sonderabgabe’, meist in Verbindung mit stiure: swenne man ze Friburg dehein gewerft oder stúre uf leit UrkCorp (WMU) N599,15; vnd sibendehalb schilling ze vogetstúre vnd ze gewerfte ebd. 3018,42; von únserem gewêrfte, das sú úns jergelich gent UrkFreiburg 3:145,5 (a. 1310). 2:130,37 (a. 1291)

MWB 2 719,7; Bearbeiter: Richter

geweric Adj. ‘aufmerksam, sorgfältig’ (vgl. gewar Adj., Adv. ): vnd also sol er allezeit fürchten daz chünftig geriht dez oberesten hirten von den schaffen die er im enpholhen hat vnd swenn er also sorget von frömder raittung [Abrechnung, Rechenschaft] so wirt er von sein selbes raittung gar gewarich vnd sorksam [ redditur de suis sollicitus ] BrAlt 2

MWB 2 719,53; Bearbeiter: Richter

gewërke swM. 1 Anteilseigner an einem Bergwerk (s. LexMA 4,1421f.)
2 ‘Zunft-, Handwerksgenosse’
3 allg. ‘Genosse, Freund’
   1 Anteilseigner an einem Bergwerk (s. LexMA 4,1421f.): di gewercken nemen einen bergmeister, wen si wullen, also das derselbe teil mit in habe czu minsten ein czweiundrisigteil BgRIglauD 26. 20; an dem nechsten vrietage, / [...] / sint die gewerken wurden ze rate, / si wollen sinken einen richten schaht Erz III 56,254. 56,333; UrkFreiberg 2:6,21 (a. 1328)    2 ‘Zunft-, Handwerksgenosse’ ist, daz ein man gewant gibit zu snidene einem schroter [Schneider] unde intpfurt he iz im, so daz he damite hinwec zogit, daz sullen di meistere unde di gewerken zu rechte gelden also gut, als iz ist StRFreiberg 249,29. 248,14; wî wollen ovch, daz dî tûchmachêre dî tûch schvllen schere [l. scheren ] nâch deme mâze, daz in der rât gegeben hat; swer des niht entût, der shol der stat vumf shillinge geben vnd sînen gewerken vumve UrkZeitz 108 (a. 1322); UrkSchles 8,30 (a. 1349)    3 allg. ‘Genosse, Freund’ verspilt aber ein man sîn gût oder verhûret erz [...], der schade den her dar an nimet, sal sînes eines sîn, und nicht sîner brûdere noch sîner gewerken, die ir gût mit ime gemeine haben SSp (W) 1:12

MWB 2 719,61; Bearbeiter: Richter

gewërke swstN. s.a. gewërc , gewürhte , gewürke . ‘Werk, Bau’ der besten spiegel einen, / danen abe ich ie gehôrde, / der stunt an einem orde / oben an dem gewerke [Mausoleum von Camilla] En 9565; dô leitte mih di kuningîn / di dritte kemenâten în. / [...] / von edelen holze aspindei / was daz gewerke SAlex 6095; dô hîz er starc gewerke [Hs. gewerken ] / machen ûffe schîben / und zô der stat trîben [zum Angriff] ebd. 1206

MWB 2 720,20; Bearbeiter: Richter

gewërken swV. wërken

MWB 2 720,29;