gewërære
stM.
‘Gewährsperson, Sachwalter’ (s.a.
gewër
swM.):
vnd wand minev chint nicht sint chomen zv dem alter, vnd si daz gvet selbe avf
geben, so setze ich den vor genanten frowen pvrgel [...],
di von aigem willen [...] schvllen minev chind da zv
pringen, daz si daz gvet avf geben, vnd sein gewerer sin vnd scherm mit samt, als
landes recht ist UrkCorp (WMU)
3340,37;
da die gewer gebrochen wͦrde, da quam Conrad uon Trimpberg wider
fuͦr den kvnig vnd clagete daz aber also lange, biz ime aber ein ander
gewerer geben wrde ebd.
N408,7.
N408,13;
wir [...] sein auch desselben aygens ir gewerer, als
aygens recht ist an dem gericht, da das selb gut inne gelegen ist
UrkSchönfeld
356
(a. 1326)
MWB 2 715,3; Bearbeiter: Richter
gewërærinne
stF.
‘Gewährsfrau, Sachwalterin’
du [
kawsche minne
] pist unser vorspreche
in unserm herczen und unser gewererine in gotez herczen MvHeilFr
17
MWB 2 715,18; Bearbeiter: Richter
gewërbe, gewërp
stMN.
1
‘Tätigkeit, Streben, Vorhaben’
2
‘Abmachung, Vertrag’
3
‘Werben’
3.1
‘(militärisch-politische) Werbung, Anwerbung’
3.2 Werben um eine Frau, ‘Brautwerbung’
1
‘Tätigkeit, Streben, Vorhaben’
mir ist lieb, swaz ir tut. / got lazze uwerme gewerbe wol
geschen Herb
15483;
nach manigem süezem gewerbe / giengen si [die feiernde
Gesellschaft] slafen alle Serv
2826;
aller der lúte getat vnd gewerb [
omnes actus
mortalium
]
UrkCorp (WMU)
26,47;
der [Gott] wart von im [St.
Ägidius] also begert, / daz er ie allergernst / warf sinen steten
ernst / uf ein tugentlich gewerb Pass III
453,17;
sîn gewerp und sîn gerinc / der ist umb ernestlîchiu dinc
Tr
10457.
14602;
er mag gewynnen v́bel zijt, / vf dem dis gewerb [das
Königreich wieder zu gewinnen] lijt Krone
25726;
KvWTroj
21973;
werk ist, sô man sich üebet von ûzen an werken der tugende; aber gewerbe
[besonnenes Wirken] ist, sô man sich mit redelîcher
bescheidenheit üebet von innen Eckh
3:485,10;
Parz
314,25.
774,18;
UvZLanz
2397
u.ö.;
Lucid
74,15;
Seuse
437,20
u.ö.
– Erwerbstätigkeit:
jene [...] gîngen inwec, der eine in sîn dorf,
abir der andere zuͦ sîme gewerbe [
ad negotiationem
suam
]
EvBeh
Mt 22,5;
unnd sol er doch von sim gewerb dienen mit stüren und mit wachen
StRZürich (B)
213,18.
– Anspruch:
swas ouch aker an den [...] weg stossent, swenne
man die buwet, so sun die buluͥte und die pfluͤge
[Pflüger] gewerb uͥber den weg haben und
drufe UrkZürich
8,62
(a. 1305).
– Ergebnis des Tuns:
der hie was in sulcher not, / daz er na tot was, / harte
kvme er genas. / sus / getan gewerbe / ist aller der erbe, / die gerne in strite
sint Herb
10987.
– in der Wendung vrâgen, waʒ jmds. ~
wære (u.ä.):
in vrâgete der rihtære, / waz sîn gewerbe wære
SpdtL
156,26;
er [der Habicht] sprach: ‘got grüez dich,
gevätterlîn, / waz ist daz gewerbe dîn?’ / ‘ich brüet mîn
eiger’ sprach diu krâ, / ‘als mîn geslecht tuot anderswâ.’
Boner
49,48;
Iw
5818;
Herb
907;
Rennew
35607
2
‘Abmachung, Vertrag’
swer dâ wêr sô vreche, / daz er den vridde brêche / oddir ir gewerbe / machte
unbederbe / entwedir mit worden odir mit tât NvJer
26240;
gezivge ditze chovfes vnd ditze gewerbes sint [...]
UrkCorp (WMU)
N303,7;
dar umme, [...] daz mein gewerbe nicht ueraltene mit
der zeit, so lacz ich Albrecht [...] mit dirre kegenworten
[vorliegenden] hantveste wizen
[...], daz ich [...] han meine
teil ze Osterwiz uerchouft ebd.
627,1.
–
‘Handel’
dy sone von Dedan warin
dine [Tyrus’] koufluyte, vil werdir waren zu
gewerwe dinir hant [
filii Dadan negotiatores tui; insulae
multae negotiatio manus tuae
]
Cranc
Ez 27,15
3
‘Werben’
3.1
‘(militärisch-politische) Werbung, Anwerbung’
da [im Land Garmiler] solt
samnen sich daz her / [...]. / do kert manic
kuͤnc hin, / [...], / nach [des
Marschalks] Wigrichs gewerbes tage WhvÖst
7696.
5969.
16121
3.2
Werben um eine Frau, ‘Brautwerbung’
zehant ich umbe ir minne warp. / der selbe gewerp ouch niht verdarp, /
wande si mit mir entran Er
9479;
den gewerp [um Kriemhild] man
dem degene [Siegfried] sêre leiden began
NibB
51,4;
ir [Paris] wænent lîhte, daz ich
[Helena] sî / gewerbes unde bete frî / biz an
disen tac beliben? / nein, zwâre, manger hât getriben / red und bete wider mich
KvWTroj
21762;
Kudr
659,4;
Walth
93,8;
Neidh
WL 18:3,5
MWB 2 715,22; Bearbeiter: Richter
gewërbede
stN.
s.a.
gewërft
.
‘Anliegen, Tätigkeit’
Artûs, nu wil ich biten dich, / deiz den hôhen niht
versmâhe, / des gewerbes gein in gâhe [La. mins gewerbedes
gabe
] , / und wis des lasters für si pfant
Parz
785,16
MWB 2 716,22; Bearbeiter: Richter
gewërben
stV.
→
wërben
MWB 2 716,27;
gewërbic
Adj.
‘fleißig’
ir [der Tataren] wip sint ouch vorsichtik unde gar
gewerbik in alle deme das do gehort czu husrote, unde sint getruge iren mannen
MarcoPolo
17,12
MWB 2 716,28; Bearbeiter: Richter
gewërc
stN.
s.a.
gewërke
swstN.
‘Tat’, hier ‘Zutun’
Crist, / [...], / wart in einer
armen krippe / von drin kunigen Jaspar, / Melchior und Baltazar / vor snoden tieren
vunden, / [...], / und wuchz uf kurz an [l.
âne
] ein werk [La.
gewerc
] / an einen also grozen
berk [bezogen auf Is 2,2] / daz her der hellen
gewielt, / daz ertriche in handen hielt, / den himel mit spannen ummespien
HeslApk
20879
MWB 2 716,32; Bearbeiter: Richter
gewerde
stSubst.
‘Waffe, Bewaffnung’ (s.a.
3gewer
und
werde
stF.):
war umb hastu solich geberde? / odir war umb dreystu solich
gewerde? Pilgerf
8848
MWB 2 716,40; Bearbeiter: Richter
1gewerde
stF.
‘Behutsamkeit, Vorsicht’ (vgl.
1gewer
2.1, übertr.):
schicke diz frouchin in stillen gewerdin balde von mir unde von minem bette
[Auftrag Ludwigs für seinen Vertrauten]
Köditz
21,16;
mit rechtir behendikeit in stillen gewerdin brachte he groze manschaft unde
ein kreftigiz her zu samene ebd.
37,7
MWB 2 716,44; Bearbeiter: Richter
2gewerde
stF.
‘Besitz’, i.d.Wendung nuz unde ~
(vgl.
1gewer
2.3):
swer daz huz in nuz vnd in gwerde hat, der sol daz vor gnant phunt geben dem
master UrkCorp (WMU)
601,31
MWB 2 716,51; Bearbeiter: Richter
gewërde
stF.
‘Sicherheitsleistung, Rekognitionszins’
vnd ze einer gewerde der selben aigenscheft gebent si vns iærchlich zwen
phening auz dem selben guͦt UrkCorp (WMU)
2110,3
MWB 2 716,55; Bearbeiter: Richter
gewërde
stSubst.
‘Wert, Kostbarkeit’
da is hey [der König] mir zo male gram, / vmb dat
ich eme he vore nam / van syme schatze sulche gewerde, / id endroge neit dry perde
Karlmeinet
389,23
MWB 2 716,59; Bearbeiter: Richter
gewërden
stV.
1 in der Verbindung
~ lâʒen meist mit Akk.d.P. ‘jmdn. sich
selbst überlassen, in Frieden lassen, allein lassen’ (vgl.
bewërden
) 2
wërden
stV.
1
in der Verbindung
~ lâʒen meist mit Akk.d.P. ‘jmdn. sich
selbst überlassen, in Frieden lassen, allein lassen’ (vgl.
bewërden
):
sâ lâzen sie [die Engel] in ûzer habe
[werfen den Teufel aus seinem Besitz] / und lâzen in
gewerden Erlös
6463;
Herôdes, / dû lebes zwîvelîche, / daz dû sô sundelîche / dîns brûder wîp zû
wîbe hâst. / wie dû sie nit gewerden lâst, / sô bistû êweclîch verlorn ebd.
4432;
darumb urteile dich und la dinen nehsten mit gotte gewerden
und got mit ime gewerden Tauler
113,13.
–
min herre Gawan bevalh sie gott und reit den ritter
suchen. sin vier gesellen bliben by einander mit großen unfreuden
[...] wir mußen sie laßen gewerden und sprechen
furter wie myn herre Gawan gefure Lanc
316,2;
nu laßent mich gewerden ebd.
299,22
u.ö.
– mit Akk.d.S.:
da nam yn der konig einhalb abe und saget im so viel das
ers [
er es, den Zweikampf] gewerden
ließ [auf sich beruhen ließ] biß an die stunt das er
in des konig Artus hoff keme Lanc
635,11.
– mit Ersparung des Obj.:
Lancelot stach yn under die kelen, so das im die glene
den schilt und die kele zuhauff negelt, und der ritter fur dem roß uber die krip
uff jhen erden [der Ritter flog über die Kruppe des Pferdes zu
Boden] . er [Lancelot] stunt von dem
roß und ließ gewerden und kerte dem ritter zu mit geraufftem schwert
Lanc
625,16
2
→
wërden
stV.
MWB 2 716,63; Bearbeiter: Richter
gewërden
swV.
→
wërden
MWB 2 717,27;
gewerebrief
stM.
‘Lehnsbrief, Besitzurkunde’
swer lêhen enpfæcht [...], wirt der angesprochen um
daz selb lêhen, [...] der sol sein nutz und gwer pringen
auf der lantschrannen [auf dem Landgericht]
[...] und sol auch denn seinen herren nennen
[...] mit einem gewer prief von dem herren, dar auf er
bereden mug, das der herr des guots sein gwer sei auf das recht RbRupr
212
MWB 2 717,28; Bearbeiter: Richter
gewërebûʒe
stF.
Buße für eine gelobte, aber nicht eingehaltene/ erbrachte Gewährleistung (s.a.
gewër
stF.):
swilch man vordert vor gerichte sô getâne sache, dâ her eine gewere umbe
geloben mûz, und gelobt her die, und kumt dar nâh ein ander und vordert di selben
sache, und en mac der, der die gewere gelobet hât, jenen nicht abgewîsen mit rechte:
her muͦz sîne vorderunge lâzen mit einer gewerebûze, und mûz mit deme
richtêre wetten [Strafe zahlen]
SSp (W)
2:15,1;
gewerebûze, daz ist sîn vordere hant, dâ mite her die gewere gelobete, oder
sîn halbe weregelt ebd.
2:15,1
MWB 2 717,36; Bearbeiter: Richter
gewërf
stM.
(stN.
HeslApk
17669
)
auch
geberve UrkCorp (WMU)
1891,20;
s.a.
gewërbe
stMN.,
gewërft
stMN.
1
‘Tun, Tätigkeit; Anliegen, Vorhaben’
2
‘Abmachung, Vertrag, Geschäft’
3
‘werbende Unternehmung, Versuch, jmdn. für jmdn./sich zu gewinnen’
4 zur Übers. von lat. vorago
‘Wirbel, Strudel’ oder ‘aufgeworfenes Loch’ (s.a. DWB 4,1,3,5629f.)
1
‘Tun, Tätigkeit; Anliegen, Vorhaben’
mannes gewerf nehilfet porvile [kein
bisschen] ube is got niene wile Gen
1085;
die sluzzele nam sî alle zesamene. / si warf si in aine
kisten, / daz iz niemen neweste, / den ir gewerf sô spæhen Kchr
11660;
daz er rehte wurd gewar, / [...], /
wie der gewerf ergienge Ottok
2078;
der gewerf und diu botschaft ebd.
53417
u.ö.;
WälGa
9925;
HeslApk
17669;
Lilie
50,25.
– in der Wendung waʒ jmds. ~
wære (u.ä.):
maniges si in vrâgôten / nâh allem niumâre, waz sîn
gewerf wâre Gen
991;
nû hôret diu mære, / waz ir gewerf wære
Ottok
74878;
ähnl.:
so ne wez nichein vremede man / wie min gewerph si getan
Roth
822
2
‘Abmachung, Vertrag, Geschäft’
mit guoten hantvesten starc / wart der gewerf verslihtet
Ottok
5911;
uor gewerue [interl. zu a negotio
]
PsM
90,6;
dc wir dc haben suln bi vnserm leben, swaz vnser vater
[...] mit gewerfe vnd mit anderm dinge an vns brahte
UrkCorp (WMU)
303,3;
UrkWittelsb
2,191
(a. 1311).
– in Verbindung mit kouf:
des selben chowfes vnd des gewerves sint gezewgen
[...]
UrkÖsterrM
239
(a. 1288);
daz chowf vnd der gewerve stet und unverbrochen peleibe ebd.
239
(a. 1288);
mit der willen diser gewerf vnd der chavͦf ist geschehen
UrkEnns
4,153
(a. 1291)
3
‘werbende Unternehmung, Versuch, jmdn. für jmdn./sich zu gewinnen’
der engel in [Abrahams Diener, der eine Frau für
Isaak finden soll, Gn 24
] fuͦrte / den gewerf er
in lêrte VMos
20,3;
den poͤsen gewerf vmbe den tumben
iungelinch [der der Frau eines andern nachstellt] , den
het er vernomen Konr
12,30
4
zur Übers. von lat. vorago
‘Wirbel, Strudel’ oder ‘aufgeworfenes Loch’ (s.a. DWB
4,1,3,5629f.):
ez geschach zuͦ Rom enmitten in der stat daz sich ein fraislich gruft
auf tet [...]. vͤber daz wurden die goͤtter
ratz gefragt. do antwurtten sie also: der fraislich gewerf wirt nicht zuͦ
getan den ez lazz sich ettwer willichleich hin ein GestRom
34
MWB 2 717,48; Bearbeiter: Richter
gewërf
stN.
meist alem.
1
‘Steuer, Sonderabgabe’ (s.a.
gewërfen
swV.) 2
‘Rechtsanspruch (auf eine Abgabe, insbesondere bei Besitzübertragung)’
1
‘Steuer, Sonderabgabe’ (s.a.
gewërfen
swV.):
collectas [...] quas ibidem vulgari nomine
guͦwerf vocant UrkMittelrhein
1,705
(a. 1166);
swenne ouch daz were, daz man ze Basil gewerf gebe
[...] tuomherren, ambtliute
[...] sint dez gewerfes vri RbBasel
2,1;
[Fassung LB] swer der burger gewerf nicht git, der sol nit
ze rate gan, da man das gewerf uf leit ald da man die us liset, die das gewerf uf
legen suln StRZürich (B)
126,6
u.ö.
– in Verbindung mit stiure (vgl.
gewërft
stMN. 3):
swaz edelere lvte ze Colmer burger sint [...],
die svlen mit den andern burgern dekein gewerf noch dekeine stivre geben
UrkCorp (WMU)
372,23;
so er stûre vnd gewerf git vnd zinse ebd.
248AB,6;
daz wir mit unserme genedigen herren [...]
v́ber ein sint komen, daz wir ime sv́llent dienen mit gewerffe,
mit stúren, vnd mit allen den dienesten, als andere sine lúte
zuͦ Mengen ime dienent UrkFreiburgGr
12,246
(a. 1318);
wir [...] tuͦnt si [die
Bürger von Basel] alles gewerffes vnd aller stu̍re fri
UrkBasel
4:126,4
(a. 1337)
2
‘Rechtsanspruch (auf eine Abgabe, insbesondere bei Besitzübertragung)’
si qua ipsis imposterum questio super premisso jure, quod gewerf dicitur,
moveretur UrkMittelrhein
3,19
(a. 1213);
pro iure quod gewerf vulgariter appellatur UrkPrivR
98,9
(a. 1257);
UrbPantKöln
201,10
(a. 1280 kopial)
MWB 2 718,25; Bearbeiter: Richter
gewërfen
stV.
1
‘erwerben’ (vgl. gewërf stM. 2 und
gewërft
2 in Verbindung mit kouf ) 2
wërfen
1
‘erwerben’ (vgl. gewërf stM. 2 und
gewërft
2 in Verbindung mit kouf):
swaz si der selben [Lehen] erchavffen vnd gewerfen
mvgen, der selben lehen aigenschaft geb wier der vorgenanten stiff ewichleichen ze
haben UrkCorp (WMU)
1861,11;
nu verieh wir beide bruͤder [...], daz wir des
selben aigens vnd purchrehtes, als vor genant ist, niht chovffet vnd
gewoͤrifen haben ebd.
N550,44
2
→
wërfen
MWB 2 718,53; Bearbeiter: Richter
gewërfen
swV.
‘mit einer Abgabe belegen, besteuern’ (zu
gewërf
stN.):
ich gewerfete si jerglich ze einem male als ander min lvͥte, si gaben
mir oͮch vasnaht hvͥenre UrkRapp
223,4
(a. 1314);
quocienscumque bona ad ecclesiam ipsorum predictam spectantia,
[...] ab eadem vacare contingebat, dicta bona relevari
et acquiri, quod vulgariter ‘gewerfen’ dicitur, ad eorum graciam et
voluntatem consueverint UrkKaisersw
100
(a. 1284)
MWB 2 718,62; Bearbeiter: Richter
gewërft
stMN.
auch gewerbt (
NibA
52,4
), gewerfert (
WälGa
9884
);
s.a.
gewërbe
stMN.,
gewërf
stM. und stN.
1
‘Tun, Tätigkeit; Anliegen, Vorhaben’
2
‘Abmachung, Vertrag, Geschäft’
3
‘Steuer, Sonderabgabe’ , meist in Verbindung mit stiure
1
‘Tun, Tätigkeit; Anliegen, Vorhaben’
nieman ist der von siner chreft und von sinen gewerften
antloz siner suͤnde erwerben muͤg PrOberalt
167,15;
si [das arme Paar] hêten sehs
kindelîn; / deste spâter muosens sîn / nâch ir gewerfte
[Broterwerb] ûf den sê; /
[...] / sô bejagten si vil kûme ir brôt
Wig
5295;
sagt mir [Maria] gotes engel mer / welhen weis daz
muͤg gesein / daz ich geber ein chindelein / [...]
[der Engel antwortet:] der heilig geist / wird des
gewerftes volleist / der chumt zu dir LebenChristi
160;
StrKD
29,82;
EnikWchr
12566;
Neidh
SL 11:9,7;
dô frâct in [einen der sieben Schläfer von
Ephesos] der chunich mære, / wes er sich betragete, / oder waz er
gewerftes habete Kchr
13506.
– in der Wendung, was jmds. ~ sei:
er frâgt Daviten mære, / waz sîn gewerft wære
EnikWchr
10132
2
‘Abmachung, Vertrag, Geschäft’
brveder Levpolt [...] vnd Vlrich
[...] leiten vns fver iren gewerft, den si mit einander
heten UrkCorp (WMU)
N414,21;
[die Herren,] dîe pei dem gverfte gvesen sint vnt sein
ouch gezeuge UrkAltenb
53
(a. 1290);
daz dieser gewerft zwischen vns vnd in stæt beleib vnd vnverwandelt, des geb
wir in disen brief versigelten mit vnserm insigel UrkHeil
1,275
(a. 1294);
UrkÖsterrM
237
(a. 1288).
– in Verbindung mit rede oder kouf (weitere Belege
s. WMU 1, 721f.):
daz diê red vnt der gewerfte, als er reddelehen geshehen ist, vuerbaz stêt
peleib vnt vnzebrochen, des gib ich disen prief ze vrchunde dem gotshovsse hintz
Altenbuͦrch UrkAltenb
53
(a. 1290);
diser geberft vnd disev red UrkHeil
2,38
(a. 1312);
[die] habent vns fvrgelait ainen gewerft vnd ainen
chavf, den sie mit ainander habent gehapt [...]. vnd
baten vns [...], daz wir den selben chavf
[...] bestaetigiten UrkAltenb
111
(a. 1305);
diser gewerft vnd diser chouf vnd unser vv%>rziht UrkHeil
2,34
(a. 1311)
3
‘Steuer, Sonderabgabe’, meist in Verbindung mit stiure:
swenne man ze Friburg dehein gewerft oder stúre uf leit UrkCorp
(WMU)
N599,15;
vnd sibendehalb schilling ze vogetstúre vnd ze gewerfte ebd.
3018,42;
von únserem gewêrfte, das sú úns jergelich gent
UrkFreiburg
3:145,5
(a. 1310).
2:130,37
(a. 1291)
MWB 2 719,7; Bearbeiter: Richter
geweric
Adj.
‘aufmerksam, sorgfältig’ (vgl.
gewar
Adj., Adv.
):
vnd also sol er allezeit fürchten daz chünftig geriht dez
oberesten hirten von den schaffen die er im enpholhen hat vnd swenn er also sorget
von frömder raittung [Abrechnung, Rechenschaft] so wirt er
von sein selbes raittung gar gewarich vnd sorksam [
redditur de
suis sollicitus
]
BrAlt
2
MWB 2 719,53; Bearbeiter: Richter
gewërke
swM.
1 Anteilseigner an einem Bergwerk (s. LexMA 4,1421f.) 2
‘Zunft-, Handwerksgenosse’
3 allg. ‘Genosse, Freund’
1
Anteilseigner an einem Bergwerk (s. LexMA 4,1421f.):
di gewercken nemen einen bergmeister, wen si wullen, also das derselbe teil
mit in habe czu minsten ein czweiundrisigteil BgRIglauD
26.
20;
an dem nechsten vrietage, / [...] / sint die gewerken
wurden ze rate, / si wollen sinken einen richten schaht Erz III
56,254.
56,333;
UrkFreiberg
2:6,21
(a. 1328)
2
‘Zunft-, Handwerksgenosse’
ist, daz ein man gewant gibit zu snidene einem schroter
[Schneider] unde intpfurt he iz im, so daz he damite
hinwec zogit, daz sullen di meistere unde di gewerken zu rechte gelden also gut, als
iz ist StRFreiberg
249,29.
248,14;
wî wollen ovch, daz dî tûchmachêre dî tûch schvllen schere [l.
scheren
] nâch deme mâze, daz in der rât gegeben
hat; swer des niht entût, der shol der stat vumf shillinge geben vnd sînen gewerken
vumve UrkZeitz
108
(a. 1322);
UrkSchles
8,30
(a. 1349)
3
allg. ‘Genosse, Freund’
verspilt aber ein man sîn gût oder verhûret erz
[...], der schade den her dar an nimet, sal sînes eines
sîn, und nicht sîner brûdere noch sîner gewerken, die ir gût mit ime gemeine haben
SSp (W)
1:12
MWB 2 719,61; Bearbeiter: Richter
gewërke
swstN.
s.a.
gewërc
,
gewürhte
,
gewürke
.
‘Werk, Bau’
der besten spiegel einen, / danen abe ich ie gehôrde, / der stunt an einem
orde / oben an dem gewerke [Mausoleum von Camilla]
En
9565;
dô leitte mih di kuningîn / di dritte kemenâten în. /
[...] / von edelen holze aspindei / was daz gewerke
SAlex
6095;
dô hîz er starc gewerke [Hs.
gewerken
] / machen ûffe schîben / und zô der stat
trîben [zum Angriff]
ebd.
1206
MWB 2 720,20; Bearbeiter: Richter
gewërken
swV.
→
wërken
MWB 2 720,29; |