gewarn
swV.
→
1warn
; →
2warn
MWB 2 704,10;
gewarsam
Adj.
‘aufmerksam, umsichtig, wachsam’
liste vil hât Salatîn, / dâ bi menlîchen mût. / sît gewarsam,
ez ist gût Kreuzf
4516;
io bis des gewarsam [achte darauf] ,
das das vas nicht vol si, das icht der schume czu vil obir gize Pelzb
141,5;
Secret
2557.
–
‘sicher’
in kleinen hiusern kleiniu fiur / sint gewarsam und gehiur Renner
9466.
–
schone an irem gestalt, gelart an aller wisheit, gewarsam an
kunst [
cautos scientia
]
Cranc
Dan 1,4
MWB 2 704,11; Bearbeiter: Hansen
gewarsame
stF.
nur alem. Bel., vgl. DRW 4,668ff., WMU 1,716f. und SchweizId 16,829ff. für weitere
Bel. und nähere Differenzierung.
‘rechtliche Sicherheit, Absicherung’ (vgl.
gewarheit
):
daz selbe guͦt wart danach an dem dritten tage bruͦder Walther
von Clingental gefertegot an des closters stat ze enrun Basele
[Kleinbasel] an dem gerihte mit aller gewarsemi
UrkBasel
2:68,7
(a. 1273);
vnd das der gewarsami deste mê sî, so han jch gebetten hern Marquarten
[...], das er des selben guͦtes wer sol sîn
UrkCorp (WMU)
N567,25;
das dú vorgeschriben ding unwandelber beliben ze voller sicherhait und
gewarsami, so geben wir dem vorgenanden grauen Friderich
[...]drisig gesworner búrgen und gisel
UrkHohenz
1,119
(a. 1305);
UrkBasel
3:136,29
(a. 1296);
UrkCorp (WMU)
2314,17
MWB 2 704,20; Bearbeiter: Hansen
gewarsamicheit
stF.
1
‘Umsicht, Vorsicht’ , in präp. Wendungen i.S.v. ‘vorsichtig, umsichtig,
vorausschauend’ (vgl.
gewar
Adj., Adv.
1
) 2 rechtssprachl. ‘rechtliche Sicherheit, Absicherung’ (vgl.
gewarsame
)
1
‘Umsicht, Vorsicht’, in präp. Wendungen i.S.v. ‘vorsichtig, umsichtig,
vorausschauend’ (vgl.
gewar
Adj., Adv.
1
):
wiltu nv eppil odir birn lange haldin, so saltu di vrucht abe
nemen mit gewarsamekeit, das keyn bruch doran si Pelzb
132,25;
daz tet er und seit es, doch in der
gewarsamkeit [so bedacht] , daz er enkein urteil dar
úber gab, ob es weri von got dar komen oder von den menschen
Seuse
67,17;
die schilte sie stalten / nach gewarsamkeit fúr die brúst
Krone
20226.
27609
2
rechtssprachl. ‘rechtliche Sicherheit, Absicherung’ (vgl.
gewarsame
):
das ich [...] gab vor mime herren bisscof Henriche
von Basele mit aller gewarsamecheit alles das goet [...]
dem cloester sante Claren ze Basele UrkCorp (WMU)
199,23
MWB 2 704,37; Bearbeiter: Hansen
gewarsamlîche
Adv.
‘gesichert’ (vgl.
gewerlich
2):
‘wen ich [Judas] kusse balt, / der ist iz, in
veste halt / und vurt in gewarsamlich!’ [vgl. ducite
caute Mc 14,44]
TvKulm
3835
MWB 2 704,53; Bearbeiter: Hansen
gewarschart
Part.-Adj.
→
wâtscherten
swV.
MWB 2 704,57;
gewært
Part.-Adj.
→
gewæren
swV.
MWB 2 704,58;
gewartunge
stF.
‘Anrecht, Anspruch’
vmb alleiz ier recht vnd vmb alle div gewartunge, div siv auf dem selben
guͤt hieten UrkCorp (WMU)
N622,38
MWB 2 704,59; Bearbeiter: Hansen
gewarwërden
stN.
‘das Wahrnehmen’ (vgl.
gewar
Adj., Adv.
3.1
):
daz minnenkliche gewar werden des heiligen geistes
Tauler
105,1.
317,16.
99,6
MWB 2 704,62; Bearbeiter: Hansen
gewat
stN.
‘Untiefe’ (als Furt, vgl.
waten
stV.):
als scheir sy dat gewat gewonnen, / des volcwichs wart da begonnen
HagenChr (G)
6095;
swager, snel volcht myr umb dat, / ich sal uch wisen dat gewat ebd.
6089
u.ö.
–
‘Pfuhl, Gosse’ (vgl.
horgewat
):
daz tier gesiget an in zwein / und slet sie tot beide ober
ein, / und liget ir lichamen / vor der werlt allentsamen / geworfen in daz
horch [l. horwic
‘schmutzig, dreckig’
] gewat / an den strazen der grozen stat
/ die geistlichen heizet Sodoma HeslApk
15911.
19711
MWB 2 705,1; Bearbeiter: Hansen
gewæte
stF.
‘Schneeverwehung’ (zu
wæjen
; vgl. auch Anm.z.St.):
diu zeit was chalt vnd tief der sne, / als ez ist des winders e, / vnd die
gewæt [Hss. gewæd, gewate
] starch tief, / da
von daz wilt niht verre lief / vnd ez an twale / vil nah ze allem male / hin durch
die gewæte brast Krone
3315
MWB 2 705,12; Bearbeiter: Hansen
gewæte, gewâte
stN.
selten stF. (
Roth
1912
); Koll. zu
wât
, vgl. auch
gewant
.
1
‘Kleidung’
1.1 allg. 1.2 übertr. 2
‘Ausrüstung, Ausstattung’ (nicht immer scharf von
1
zu trennen)
1
‘Kleidung’
1.1
allg.:
nu suln wir grifen an der bischofe gewete vnde solt du
mir sagen, durch waz der bischof den roc an lege vnder die
casukel [Messgewand, Kasel]
Lucid
90,1;
si scovwete in deme lande / wî dev wip ir gewâte stalten
VMos
30,12;
von der gewete / die der recke Dietherich / hette gevazzit
ane sich Roth
1912;
den armen wart er vil holt: / er gab in silber unde golt,
/ daz cuniclîch gewâte Kchr
7966;
ein gelichnuͤsse von einem richen manne, dez gewæt
waz phelle und ander tiurs gewant PrOberalt
117,14.
127,7;
VAlex
581;
Roth
1848.
–
er [Anastasius der
Perser] lernte unde lêrte / den glouben der kristenheite. / der
herre an sich leite / geistlich gewæte [wurde
Mönch]
Eracl
5295.
– auch von Kampf-, Schutzbekleidung (mit entsprechenden
Ergänzungen; vgl. auch
wîcgewæte
,
strîtgewæte
u.ä.):
sîn wâpenlîch gewæte / was gehêrt mit edelen steinen
Wh
55,20;
mîn kampflîch gewæte KLD:UvL
16: 7,4;
si sluffen in wiges gewate Rol
5757
1.2
übertr.:
er hielt in schoner wize / siner tugende gewete Pass III
204,13;
die wiele wir in deme fulen sacche sin des fleisglichen gewatis
PrWack
2,83;
er sol uns leren, / wie wir unsir gewæte cheren / innen
von den sunten, / ouzzen von den schanten VRechte
507;
PrOberalt
154,24;
Lucid
144,18.
– i.S.v. ‘(trügerischer) äußerlicher
Anschein’
vor den luglichen wizzagen die zuͦ uns choment
in dem gewæt der schaffe [im
Schafspelz] uzzerhalben, innerhalben sint si aver die ræzzen
wolf PrOberalt
139,4
2
‘Ausrüstung, Ausstattung’ (nicht immer scharf von
1
zu trennen):
do er uon ime sine chroni unde andir kuniclich gewâte wârf
Spec
63,8;
do nam er den man / allez, daz er hete, / an daz gewete, /
daz zv wer niht gehorte Herb
5041;
allez mîn gewæte wil ich mit mir tragen, / den gêr zuo dem
schilde und al mîn pirsgewant [Jagdkleidung]
NibB
975,2.
– wohl hierher, vom Sattelzeug (oder ‘(Stoff-)Bezug des
Sattels’? vgl.
stuolgewæte
):
daz [Pferd] was ze dræter
tjoste / ein harte krankiu koste [gänzlich
ungeeignet] , / diu stîcledr von baste. /
[...]. / ûf sitzen meit er umbe daz, / er forht daz
er zetræte / des sateles gewæte Parz
530,30
MWB 2 705,18; Bearbeiter: Hansen
gewâʒgewitere
stN.
‘Unwetter, heftiger Sturm’ (zu
wâʒ
stM., vgl.
wâʒgewitere
):
do kom och ain grôz gewazgewiter. als wie? sich da kom ain groͤziu
vinstri uͥber alle die welte. unde fergie diu sunne.
[...] sich in dem ungewiter do sclief unser herre an
dem cruce PrSchw
1,64;
do wart ein grôz sturmweter. unde ain grôzez gewazgewiter ebd.
1,64
MWB 2 705,63; Bearbeiter: Hansen
gewâʒwiter
stN.
‘Unwetter, heftiger Sturm’ (zu
wâʒ
stM., vgl.
wâʒgewitere
):
er [Jonas] sprichet ‘und ist daz diz
gewâswitter entsprungen ist durch mînen willen, sô werfent mich ûz in daz
mer’ [vgl. tempestas Ion 1,12]
PrHermet
339
MWB 2 706,6; Bearbeiter: Hansen
gewe
stSubst.
hier gebe.
‘Öffnung’ (vgl.
giwen
und
gewenguome
):
ich blies, daz ich dô kunde / in mînes hornes gebe Hadam
47,2
MWB 2 706,11; Bearbeiter: Hansen
gewëbe
stN.
in Neidh (S) auch sw. (?).
‘Gewebe’
1
‘Gespinst, Netz’ (vom Spinnennetz, vgl.
spinnewëppe
) 2
‘(gewebte) Kleidung’
1
‘Gespinst, Netz’ (vom Spinnennetz, vgl.
spinnewëppe
):
swenne der mensche aller erst in die sunde kuͦmet, so mochte man sie
vil lichte zubrechen als ein gewebe der spinnen PrLpz
17,22
2
‘(gewebte) Kleidung’
ouch was eyn man mitten undir in gecleidet mit lyninem gewebe
[
vestitus
]
Cranc
Ez 9,2.
– unklar, ob hierher:
ein salben will ich dir geben / [...], / wenn du
kumpst dem Neithart neben, / so schmir im das sein geweben [l.
in sein geweben (?)] : / zuhant so gewinnt er
posen schmack. [...] die fúrsten und herrn, die
muß er meiden Neidh (S)
2,158 c76:10,4
MWB 2 706,14; Bearbeiter: Hansen
gewëber
stN.
‘Bewegung’ (vgl. frnhd. webern DWB 13,2665ff.), hier von
Kampfgetümmel:
Berhtêr unde Berhtwîn und der küene Albrant, / die valten manegen tôten nider
ûf daz lant. / alsô die wilden eber sach man sie houwent gân. / dâ was grôz geweber:
dâ starp manic man WolfdD (J)
9:100,4
MWB 2 706,27; Bearbeiter: Hansen
gewebet
Part.-Adj.
→
weben
swV.
MWB 2 706,33;
gewedele
stN.
‘Hin und Her’ (vgl. wadel stM.):
Tasme, die richeit edele, hiez man do lazen nidere. / do wart vil groz
gewedele, biz ieglich stucke siner stat hin widere / da beide namen sturzen unde
valten JTit
4521,2
MWB 2 706,34; Bearbeiter: Hansen
gewëder
Pron.
‘jeder (von beiden)’ (vgl.
dewëder
2.1
):
wol nutzeten di ecken [Schwerter] /
di tûrlîche recken / ir geweder wider den anderen SAlex
4668
MWB 2 706,39; Bearbeiter: Hansen
gewëgede
stN.
‘Hilfe, Beistand’ (zu
1wëgen
swV., vgl.
wegede
stF.):
ne uirsagit uns vͥwer gewegide niet / unde helfit uns
umbe den gotis sun Litan
1250;
alle di heiligen gotis di ih hie han genennit / vnde der gnade
got irkennit, / nit ne uersagit uns vͥwer gewegede ebd.
1293.
659;
sit chom zi der suni unde zi dem giwegidi / sun gotis, barn der
magidi. / er nam von uns di doticheit / undi gab uns di gotheit
SuTheol
121.
– spez. ‘Nachsicht, Vergebung’ (von Gott):
gnadicheite dine mit dere sunten gewegede wir guinnen [interl. zu
propitiationem tuam cum peccatorum venia
consequamur
]
PsWindb
78,Oratio;
uone einem oet dem gewegede [interl. zu de sola tantum
venia
]
ebd.
100,Oratio III
MWB 2 706,43; Bearbeiter: Hansen
gewegen
swV.
‘etw. bewegen’
er mohte einen vinger niht geregen, / er mohte niht mê gewegen / wan diu ougen
und die zungen StrDan
4158;
er greif den hirz mit handen an / und wolte in ûf den rucke
legen. / dôn kunde er in nie dar gewegen, / wan er was ime ze swære
Tr
2866;
wat eynen vinger moicht gewegen, / geinck da heven ind liegen HagenChr
(G)
3691;
Pass III
446,8
MWB 2 706,57; Bearbeiter: Hansen
gewëgen
stV.
→
wëgen
MWB 2 707,1;
gewëgenlich
Adj., Adv.
zu
wëgen
stV.
1
‘beweglich’
2
‘freundlich zugeneigt, gewogen’
3
‘entschlossen’ (vgl.
bewëgenlîche
und
verwëgenlich
)
1
‘beweglich’
sie strâfent unordenlîche und ân underscheit, daz man wol merket, daz sie
strâfent ûzer irre gewegenlîchen [unbeständigen]
nâtûrlicheit unde daz sie niht sache enhânt in der wârheit, denne daz ez în gegozzen
ist mit worten, oder ein argwân, den sie schepfent ûz irme grunde unde denne daz ûz
giezent für eine wârheit Eckh (Pf)
664,34.
– wohl hierher i.S.v. ‘in Bewegung befindlich’ (oder zu
3
?):
hie ritet hin gewegenlich / herzoge Wildhelm von
Österrich WhvÖst
11677
2
‘freundlich zugeneigt, gewogen’
auch wúst ich wol das wir mit geweglicher sprach
nymer darinn [in die Burg] kemen, darumb enbot ich im
mynen hohmuͦt Lanc
450,25;
si komen dar gewegenlich / un taten im nu helfe sicherlich TürlArabel
(S)
34,7(App.)
3
‘entschlossen’ (vgl.
bewëgenlîche
und
verwëgenlich
):
vor allen dingen so setzent úch
gewegenlich [Laa. bewegenlich,
verwegenlich
] als alle sunder gottesfrúnd uf
zitliches liden, wan gewerlich, daz wissent fúr war: sol úch
út sunders von gotte werden, daz muͦs och erarnet werden
Seuse
431,20;
sihstu nu, min kint, waz dir hie liebes und lones wahset?
dar umb so setze dich gewegenlich alle zit dar uf und verbisse [beiß die
Zähne zusammen, klage nicht] ; tuͤg es dir we, daz lid, es
wirt schier weger [besser]
ebd.
422,18.
– wohl hierher (anders Glr.z.St. ‘gewichtig’):
sú stuͦnden gegen mir mit
grúwlichen ogen als die risen gewegenlich, und ich stuͦnd vor in
als ein laͤmbli senftmuͤtklich Seuse
204,15
MWB 2 707,2; Bearbeiter: Hansen
gewehenen
swV.
→
gewahen
stV.
MWB 2 707,33; |