g – gâchlîchen gâchmuot – gagen gagen – galander galanderisch – 1galle 2galle – galter galtnüsse – gamerot gamîe – gancheil ganclîche – ganteren ganz – gärmic garn – gartenhuon gartenhûs – 3garwe garwwurz – gastmeisterin gastnusse – gaʒʒenspringer ge- – gebæric gëbærin – gëbendic gebenedîunge – gebietære gebietærin – gebiurischlich gebiurlich – geböume gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten gebrëstelîn – gebrûchic gebrûchlich – gebunt gebunt – geburst geburt – gedâht gedâht – gedense gederbe – gedinge gedinge – gedrange gedrâte – gedünste gedurchtriben – gegate gegatrom – gegenkouf gegenlëder – gegensetzunge gegensidele – gegenwertes gegenwertic – gegihte gegiric – gehaʒʒic gêhe – gehëlfe gehëlfelîche – gehilfe gehilfic – gehœric gehœrlich – gehügenisse gehugesam – geifer geifervrâʒ – geiselrieme geiselruote – geisticlich geistîn – geiʒhorn geiʒhût – gejeitschuoch gejeitvogele – gekünne gël – gelegede gelegelich – gelende 1gelende – gêlîche gelîcheit – gelîchmëʒʒunge gelîchnisgëbende – gelide gelidemâʒe – gêlingen gelîp – gëlm gëlmen – geloup geloup – gëlte gëltel – gelückede gelückederat – gelüstelîn gelustic – gemahel gemahelbettelîn – gemæʒicheit gemæʒiclich – 2gemeine 1gemeinen – gemeinsin gemeinunge – gemerrede gemêrsal – 2gemüete, gemuote gemüetic – gemutzet gemʒe – genâdenschüʒʒel genâdensol – genæmicheit genamʒôn – genemede genende – genëserinne genetzen – genieʒen genieʒlich (?) – genôʒen genôʒgeselle – gensîn gensischen – genuhtlîchen genuhtrîch – genuʒ genuʒt – gephrange gephünde – 1gerat 2gerat – gerëhen gerëht – gereisic gereitære – gerieme geriemen – gerihticlîche gerihtinsigel – geriune 1geriusche – gerouche geröufe – gerte gerte – gerûmiclich gerummel, gerumpel – gêrvalke gerwære – gesaten gesatznissede – gescheftbrief geschefte – geschepfnisse geschepfunge – geschiuwede geschoc – geschrihte geschrîp – gesëhen gesëhenheit – geselliclîcheit geselligen – gesihtic gesihticlich – gesite gesiten – geslihte geslinge – gesnæren gesnarren – gespenstnisse gesper (?) – gespræchelich gespræchetac – gespunst gespür – gestelle gestellet – gestifte gestille – gestrenglîche gestrenze – ge|stunge gestungede – gesuoch gesuochære – geswerme geswërte – gesworn gesworne – getelle getelôs – getougen getougen – getreigeret getrenke – getrüese (?) getrügede – getwædicheit getwædigen – gëtzen getzsal – gevalte gevanclich – gevëderen, gevëdern gevêhe – geverte|lehe gevertinne (?) – gevlester gevlitter – gevrier gevrist – gevülle gevuoc – gewahsenheit gewahst – gewaltroubunge gewaltsame – gewar gewar – gewe gewëbe – gewellen geweltigen – gewërben gewërbic – gewern gewërn – gewiere gewieret – gewinnen gewinnic – gewist gewiste – gewonunge geworden – gewzen (?) gezagel – gezëmelich gezemen – gezît gezîte – gezoc gezogen – gezwîen gezwîge – giefen giege – gifticheit gifticlich – giht gihtboum – gimbîʒen gimme – gippengappen gippentuoch – giric giricheit – gischen gîse – gîtigære gîtige – 1glan 2glan – glas(e)väʒʒelîn glas(e)vënster – gleimel gleimelîn – gleten glêtphenninc – glipfen glise – glocke glockehûs – glôriôs glôriôslich – gluothaven gluothert – goder goedertieren – golf gollen – goltgesmîde goltgesteine – goltreit goltrîch – golttropfe goltvar – gos (?) got – gotesarm gotesbeckære – gotesmordærinne gotesphenninc – gotgeformet gotgelâʒen – gotmeinunge gotmensche – gouch gouch – goukelære goukelbilde – goukelspil goukelsprütze – göumütte, -mutte göu|phâwe – grabe grabe – grâf- graft – gramerʒîe gramerʒîen – gransprunge gransprunge – gras(e)phenninc gras(e)spier – grâvenrëht grâveschaft – grebinc grebnisse – gremiclich grempære – griekech grien – griffel griffelære – grimmetât grimmic – grisegrammen grîseleht – griuslich griuwe – groppe gros – grôʒmüetic grôʒmuoticheit – grüenheit grüenlich – grunderëbe gründic – gruntübele gruntvestære – gruon- gruon- – grütschîn grutte – 1gücken 2gücken – güfticheit güfticlich – gûlen gülle – gumpenîe gunderam – guotdunken guotdunkende – guotswender guottât – gürtelgewant gürtellîn – gymnosophiste
|
gewaltic
Adj.
1
‘mächtig, gewaltig’
1.1 positiv 1.1.1 attr. 1.1.2 überw. präd. 1.1.2.1 ohne Erg. 1.1.2.2 mit Gen. ‘Macht, Vollmacht über jmdn./etw. habend’
1.1.2.3 mit Akk. 1.1.2.4 mit präp. Erg. (meist über ) 1.2 selten bereits negativ 2
‘einer Sache teilhaftig’ (mit Gen. oder präp. Erg.) 3
‘fähig’
4
‘kräftig, groß’
5 subst.
1
‘mächtig, gewaltig’
1.1
positiv
1.1.1
attr.:
sin geweldegiv godeheit PfJud
20;
nim in dine hant al mine sinne, / allergeweldigst
keiserinne! MarlbRh
2,36;
wa ich iw erwette den rethen munt
[Vormund] , den gewerten munt, den gewaltigen munt
Trauformel
6;
ain prelat oder ain gewaltiger wertlich herre
SpitEich
21,12;
ein gewaltig man / dem ein lant waz undertan
Teichn
38,21;
dem rihter und den gewaltigen liuten
[
maiores natu et optimates III Rg
21,8] die in der stat wâren BuchdKg
55,3;
RvEWchr
11425;
das solt den wol ain bÿschafft
[Beispiel] geben / die hie hand ain gewaltig
leben [als Mächtige]
KvHelmsd
500;
daz Dietmar [...], geweltich seiner sinn
[seiner Sinne mächtig] vnd seiner witze,
[...] hat gegeben
[...] sein havs UrkCorp (WMU)
3093,8.
– in rechtl. Zusammenhängen ‘ermächtigt,
bevollmächtigt’
da sal he din sculteizin zu ladi edir sienin
giwaldigin botin Mühlh
118,9.
130,11;
daz bezugit man wol mit im, wen he gewaldiger richter ist unde sin
gerichte von dem konige hat StRFreiberg
223,22;
UrkIndersd
47
(zw. 1294-1300);
mach der selbe gerihten vor vnserm rihter oder vnserm gewaltigem
amptmanne UrkCorp (WMU)
2383,13.
2653,25;
RbHohenlohe
301;
biz er gewaltiger chuͤnich und chroͤnt wirt datz Ach
MGHConst
5:23,1
(a. 1314).
6,1:412,38
(a. 1328);
di sache vnd di ansprache vmb aigen vnd vmb lehen vnd vmb
gewaltige [auf Vollmacht beruhende] gewer
UrkCorp (WMU)
631,15
1.1.2
überw. präd.
1.1.2.1
ohne Erg.:
vil gewaltich ist unser trehtîn Gen
55;
frouwe, minne ist sô gewaltec / daz ir dienent
elliu lant KLD:UvL
30: 3,1;
swâ rîcher man gewaltic sî, / dâ sol doch gnâde wesen bî
Freid
40,13;
da tet im chunt der kelner / das er nymer
gewaltig waͤr [kein Amt mehr habe] , /
er wer nu gesetzt ab Teichn
685,82
1.1.2.2
mit Gen. ‘Macht, Vollmacht über jmdn./etw. habend’
der des lantes ist geweltich Gen
2248;
wer was gewaldigere, /
[...], / lûtis unde burge
SAlex
3841;
Ottok
86288;
hei wan muoste ich ir alsô gewaltic sîn, / daz si
mir mit triuwen waere bî MF:Mor
5: 2,3;
kein sperwer sô gewaltec / wart nie der cleinen
vogellîn KvWTurn
1120;
der oitmoedege mynsche der is godes also geweldich as hey syns
selues is Eckh
1:235,11;
Tauler
348,9.
374,35;
vnd sont gewaltig sin ze richtende, swer ins clagit UrkCorp
(WMU)
1262,2;
254,25.
– bezogen auf Vormundschaft:
stirbt ein man ân geschaeft und laet hie
hawsfrawen und chint, so sol diu witub der chind und dez
guͦtz gewaltich sein StRMünch
347,1.
– bezogen auf Beischlaf:
dâ von wart ich ir gwaltic, daz si mich niht ensach. / swie
sêre si sich werte, sô wart si doch mîn wîp OrtnAW
173,2;
ir herren, ich [Lot, vgl. Gn
19,8] han zwo toͤhtera. die mannes noch nie
gewaltech wurden die nement und begant iu mit in swie ier wellent
PrSchw
1,24;
ein junger phaffe [...] gelobete
unser vrowen sinen magetum und reine zu blibene, also daz er nummer
wibes lip wolde gewaldik werden HlReg
2,25
1.1.2.3
mit Akk.:
swaz ritter ich gewaltec bin, / die müezen alle dar in
StrAmis
579
1.1.2.4
mit präp. Erg. (meist über):
so sal ouch ein man an sehen welch element an im
gewaldic si SalArz
48,28;
der tuvil wart ubir unsich giwaltig
SuTheol
119;
ouh wâren kuninge creftich / hêr unde mehtih / ubir
manige diet gwaldich SAlex
55;
ich [der König der
Ameisen] laze dich [Reinhart
Fuchs] in disem walde min / vber tvsent bvrge gewaltic
sin ReinFu
K,2062;
RvEBarl
15198;
HagenChr (G)
190
1.2
selten bereits negativ:
daz dar vmbe dhain vͤbel oder dhain gwaltiger oder hæizzig chrieg
nimmer vf gestê UrkCorp (WMU)
2793,33;
Paulus hat vil geweltiger vnd strenger tyranne gestroffet vmb ire missetat
ElsLA
416,13
2
‘einer Sache teilhaftig’ (mit Gen. oder präp. Erg.):
si [Kriemhilt] gedâht’ ouch
maniger êren von Nibelunge lant, / der si dâ was gewaltic NibB
1392,2;
das in al unse vestin offin und bereyt und gewaldik solle sin
[zur Verfügung stehend]
UrkSchlesFürst
1:158,28
(a. 1341).
– überw. in den Wendungen jmdn.
~ tuon, machen
‘jmdm. Macht verleihen (über etw.), jmdn. einer Sache teilhaftig werden
lassen’
und scolt dû mich wîhen, dîne sâlde mir verlîhen, /
geweltich tuon dînes erbes, ê dû ersterbest Gen
1145;
swaz von erzenîe mac geschehn, / des tuot si
[Cundrîe] mich [Arnîve]
gewaltec wol Parz
579,27;
sô sol der rihter [...] die
vrauwe ir guotes gewaltic tuon, des si ê ungewaltic was SpdtL
121,11;
daz sie di dri vor genanten buͤrge vnserm nachkomen nimmer
geantwuͤrten oder gewaltik tuͤn UrkCorp (WMU)
2664,34;
UrkErf
2,43
(a. 1327);
StRFreiberg
27,5.
–
er machet in gewaltic / in sinem riche maniger grozen
eren Rol
3662;
daz ich dich minir gnade also gewaldic mache Parad
42,26;
als ob der keyser ytzunt quem / und mich by miner hende
neme / und mich macht gewaltig / der lande manigvaltig Minneb
4715;
habend uns und unsern rätte baidenthalben gwaltig gemacht über alle ihre
sache ain müne oder ein recht zu sprechen DRW
4,706
(Foffa.; a. 1322);
UrkCorp
1062,36.
–
ich wil dich setzen gewaldic in mîme rîche HvFritzlHl
256,13
3
‘fähig’
er [Gott] waz geweltich ze machen
den wein von nichte; der an dem angeng der werlt elliu dinch von nicht geschuf
PrOberalt
36,30;
also bin ich geweltich auf ze sten von dem tode ebd.
53,15;
waz rumest du dich in der ubele du da geweltich bist ze dem unrehte PsM
51,3;
wan ich [Johannes der Täufer (vgl. Mt
3,9)] sage ivch. wan got ist gewaltich
[
potens
] von disn steinen ze chücken di
sün Abrahe EvAug
4,21
4
‘kräftig, groß’
dar inne wâre gewaltiger ganch Gen
691;
alsus wart daz chint Alexander / beide listich unt geweltich
unt balt VAlex
223;
das er mit gewaltiger hant nit gestochen hett
Lanc
608,1;
daz er selber mit seiner hant ain snuor in ain geweltigez
feur würf BdN
278,10;
Platearius spricht, daz opobalsamum die pesten und die
geweltigisten kraft hab [
optimam et potentissimam habet
virtutem
] , wan ez ist haiz und trucken ebd.
359,23
5
subst.:
die geweltigen diser werlt PrOberalt
170,33;
daz dw gewaltigen und dw reichen / selber hordent und nicht
gebent Teichn
399,6;
he hat diͤ geweldgen [
potentes
Lc 1,52] nider gesat / ind diͤ otmuͤdgen in
diͤ hoge stat MarlbRh
76,9;
EvAug
125,14;
KvHeimHinv
1043;
so solt man dem gewaltigistem gehorsam sein RechtssA
G16,11.
– Bevollmächtigter:
wær aber er ein gwaltich, der ez verchauffet, der sol zweier pfunt
schuldich sin dem geriht UrkCorp (WMU)
1796,25.
– einer der Engelchöre:
der erste kor von den der heisset potestates. und der
ander principatus. und der dritte dominaciones. dise drije heissent die
gewaltigen und die fúrsten, und die heissent die herren
Tauler
374,33
MWB 2 691,16; Bearbeiter: Diehl
gewalticheit
stF.
1
‘Gewalt, Machtfülle’
2
‘Vergewaltigung’
1
‘Gewalt, Machtfülle’
erweche gualticheit dine [
excita potentiam
tuam
]
PsWindb
79,3.
70,18;
wir loben dich, herre, das du úns hast beschirmet mit
diner gewaltekeit Mechth
1: 6,9.
7: 37,21;
ich [Pilatus] han dw gewaltichait
/ daz ich dich [Jesus] wol leben lazz / oder setz in dodez
sazz Teichn
406,46
2
‘Vergewaltigung’
das eine’, sprach sij, heißet geweldikeit
[afrz. raptus
] , / das ander der unkuscheit
mit sime geslechte deit, / das dritte der jungfrauwen entblumonge, / das vierde mit
eins andern wibe umb gan Pilgerf
10817
MWB 2 693,24; Bearbeiter: Diehl
gewalticlich
Adj., Adv.
adv. auch -lîchen.
1 positiv ‘machtvoll, kräftig’
1.1 selten attr. oder präd. 1.2 überw. adv. 2 negativ ‘gewaltsam’
1
positiv ‘machtvoll, kräftig’
1.1
selten attr. oder präd.:
er quam geriten in ir lant / mit gewalticlicher hant / und
mit sô starker herescraft KvWSchwanr
160;
von rîcher hêrschaft, / die mit gewalteclîcher kraft /
muosten ez beschirmen ie ebd.
13010
daz ein kint von mir komen sol, / daz wirt gewalticlîch
/ in dem künicrîch EnikWchr
19875;
WernhMl
2312
1.2
überw. adv.:
under wegen er bedwanc / manige burch unde lant /
gewaldichlîche ze sînen handen SAlex
2201;
niemir du [Marsilie] widir
chere / unze du al Francriche / sam gewalticliche / in dine gewalt gewinnest
Rol
3750;
Parz
266,23;
Wig
8602;
Ottok
1997;
minne, du hâst mich uberkomen / gewalteklîh gên der frowen
mîn SM:JvW
4: 5,2;
KLD:Kzl
7: 2,7;
Mechth
5: 9,3;
der wild [Kichererbse] ist
pezzer und haizer und læt sich paz däwen und würkt gewelticleicher wan der
haimisch BdN
389,13;
do machoten siu ez hern Cvͦnraten dem Schaze wider ze lipgedinge
gewaltichliche [verfügungsberechtigt] ze niezen unz
an sinen tot UrkCorp (WMU)
559,17.
– steigernd ‘außerordentlich’
nû süllen wir [...] / von
dem künig heben an, / wie der dar nâch rîchsen began. / er was gewalticlîch
starc; / er het goldes, silbers manic marc EnikWchr
26681;
sust ist daz kint noch sicherlich / gewalticlich
gewaltig / mit eren manigvaltig / dez huses da zu Freudenberg
Minneb
3801
2
negativ ‘gewaltsam’
mir [Marsilie] ist liebir daz ich
ersterbe, / denne mich die Karlinge / so gewalticlichen dwingen Rol
5236;
unser habe, / die man uns hie wil brechen abe / gewalticlîche
und âne reht KvWSchwanr
621;
also, daz des vorgenanten herren sun von Hohenloch, her Cvͦnrat, in het
gewalteclich entwert der buͤrge ze Bvͤetert UrkCorp (WMU)
2930,4;
swer dem andern sin trinkchen gewaltichlichen uz trait
[entwendet] , der sol
[schuldet] dem rihtær zwen und sibenziͤkch
phenning ebd.
3452,24;
etsliche ungetruwe / haben von bosme gebruwe / besezzen gewaldecliche / gar
unserre vetre riche Macc
6601
MWB 2 693,35; Bearbeiter: Diehl
gewaltigære
stM.
‘
gewalt Ausübender, Mächtiger’
1 positiv 2 einer der Engelchöre 3 negativ
1
positiv:
si jehent daz nû her sül chomen / ein starc gewaltigære. / waz
ob sich unser swære / mit dem selben endet? KvHeimUrst
1823;
die tûfel wunderte aber mêr, / wer der gewaltigêre, / der êren konic, wêre
Erlös
5032;
daz er [Jesus] zeigte, daz sin
vater were ein gewaltiger [
ostenderet patrem suum esse
auctorem
] , von dem er ouch ewiclichen fürgegangen waz
nach der gotlichen naturen ThvASu
110,34;
welher daz nit tet, richer oder armer, gewaltiger oder ungewaltiger, der sol
und muͦz dieselben pen, [...] nach siner schuld
zwivalt liden StRNördl
22
2
einer der Engelchöre:
die sehsten sint ahtbere, / heizzent Gewaltigere
HvNstGZ
8021;
Tauler
375,12
3
negativ:
er [Ysaia] saget angeslîchiu mære / von den
gewaltigæren: / die sint in ir trunkenheit / zuo den sünden vil bereit LBarl
3730;
abir von den tagin Jôhannis des toufêres sô lîdet di craft daz rîche der
himele, und di gewaldigêre roubin iz [
violenti rapiunt
illud
]
EvBeh
Mt 11,12;
Hiob
15146;
wirdet ein man uberloufen in sime huse [...] von
gewaldigeren oder von luten, [...] di da triben unrechte
gewalt StRFreiberg
169,38
MWB 2 694,12; Bearbeiter: Diehl
gewaltigærinne
stF.
‘
gewalt Ausübende, Mächtige’
diu gewaltærinne [La. gewaltigerinne
]
Minne, / diu was ouch in ir sinne / ein teil ze sturmelîche komen / und hete ir mit
gewalte genomen / den besten teil ir mâze Tr (M)
959
MWB 2 694,36; Bearbeiter: Diehl
gewaltigen
swV.
auch geweltigen.
1
‘jmdn./etw. überwältigen, in seine Gewalt bringen, beherrschen’
1.1 mit Akk.d.P. 1.2 mit Akk.d.S. 2 überw. in Rechtstexten ‘jmdm. etw. in seine Gewalt geben, jmdn. in seinen Besitz
einweisen’
2.1 mit Akk.d.S. und Dat.d.P. 2.2 mit Gen.d.S. und Akk.d.P.
1
‘jmdn./etw. überwältigen, in seine Gewalt bringen, beherrschen’
1.1
mit Akk.d.P.:
wan diz mer noch in deme libe unbe gat / vnde mich so
geweldigit hat / daz ich widir vweris herren man / negeine gote rede ne kan
Roth
1027;
wer zemit das wilde dier wende dez menshen wisheit?
[...] wer geweldiget daz wilde tyer wen dez menshen
vndersheit? SalHaus
33,19;
lîhteclîche er sich hete gelâzen überwinden unde gewaltigen mit den sünden
DvAOff
12;
‘so slag ich uch dot!’ sprach Hestor.
‘das mag wol geschehen’, sprach Persides, ‘so ir mich nu
gewaltigent.’ Lanc
440,5.
– auch ‘jmdm. Gewalt antun’
is aber daz ez sô ergêt, / daz mich gewaldeget oder slêt / der herzoge
Turnûs En
11732;
daz [...] etliche gent mit liehten verborgen
under iren menteln mit swerten, langen messern
[...] unde die lûte gewaltigent unde ubergriff
duͦnt UrkSpeyer
444,22
(a. 1347)
1.2
mit Akk.d.S.:
also wir in [die christlichen Kämpfer den
Heiden] entwichen, / so richtent si uf Mahmeten, / so
geweldigent si lant unde stete Rol
922
u.ö.;
der rauch [...] betrüebt die
gaist, daz der sêl kreft si nicht gewaltigen mügent in irn werken
BdN
8,29.
–
er [der Bär] geweltigot im
den arm, / daz flaisc er ime allez abe brach Rol
3077
2
überw. in Rechtstexten ‘jmdm. etw. in seine Gewalt geben, jmdn. in seinen Besitz
einweisen’
Margareta missa fuit in possessionem dicte hereditatis, id est wart geweldigit
UrkPrivR
109,4
(a. 1284).
– hierher?:
procurator [...] nomine procuratorio pro eisdem
institutus seu introductus sit potentia, que vulgariter gewelget appellatur
RegErzbKöln
4,378
(a. 1326)
2.1
mit Akk.d.S. und Dat.d.P.:
alle irdische krone / geweltige ich dir
[Roland dem Kaiser Karl] ze Rome
Rol
1849;
dat wir [...] si ouch ind ire erfnâmen an dat
vurschreven erve ind gût brengen ind dôin schrîven ind geweldigen nâ rechte ind
gewôenden der steede van Cölne UrkPrivR
149,25
(a. 1349)
2.2
mit Gen.d.S. und Akk.d.P.:
sint [danach] sie der richter der vrowen
vormunde, und gewaldige sie von gerichtes halben ires gûtes, des sie entweldiget
was SSp (W)
1:41;
zu hant dar nâh sal her in gewaldige sîner gewere ebd.
2:25,1;
ich [Claudas] sol uch
[Ban] machen ein gut teiding: geweltiget mich der
burg, und ich geb sie uch wiedder off solch rede das ir zuhant werdent myn man
und alles uwer lant habent von mir zu lehen Lanc
3,37
MWB 2 694,41; Bearbeiter: Diehl
gewaltlich
Adj., Adv.
‘mächtig, gewaltig’
sin [Japhet, vgl. Gn 9,27] rîche /
uil gewaltliche VMos
14,29;
er ne gehugte sines gewaltis [der König von
Ninive, vgl. Ion 3,6] , da er die gewaltlichen gotheit erchanti
Spec
63,6;
die mit gewalteclîcher [La.
gewaltlicher
] kraft / muosten ez beschirmen ie
RvEBarl
13010;
uns here [unser Herr] hat
geweltlich gevaren, / he hat zestört der stolzen scharen MarlbRh
76,5
MWB 2 695,26; Bearbeiter: Diehl
gewaltmeister
stM.
‘städt. Bediensteter mit polizeilichen und richterlichen Funktionen’
we darweder deit, [...], de gilt zein marck ze
boissen, half der stede inde half den geweldemeysteren UrkKöln (St)
1:50,13
(a. 1341)
u.ö.
MWB 2 695,35; Bearbeiter: Diehl
gewaltnëmære
stM.
‘jmd., der zum Mittel der Gewalt greift’
vnd also ist ez vmb einen dieb oder rauber oder vmb einen gewaltnemer vnd
twinger, die sind auch daz guͦt schuldig wider ze geben RechtssA
V26,157
MWB 2 695,40; Bearbeiter: Diehl
gewaltroubunge
stF.
‘gewalttätiger Raub’
alle gewaltroubunge ist mit gelodem [
omnis
violenta praedatio cum tumultu
]
Cranc
Jes 9,5
MWB 2 695,45; Bearbeiter: Diehl
gewaltsame
stF.
‘Herrschaftsrecht, Gerechtsame’
daz wir enhein gewaltsami habent vber daz vorgenande guͦt vnd die
lúte UrkCorp (WMU)
3426,25;
mit bænnen vnd mit getwingen, mit gewalzami, mit allen gerihten, div́
dar zuͦ hoͤrent ebd.
2021,4;
UrkRapp
296,12
(a. 1329).
– Gebiet, über das sich diese Rechte erstrecken:
alluͥ diu guͤter, diu in vnser gwaltsami gelegen sind
UrkGraub
5:210,13
(a. 1338)
MWB 2 695,48; Bearbeiter: Diehl
gewân
stM.
‘Vermutung, Glaube’ (vgl.
wân
stM.), hier in der Wendung ~
haben (mit Gen.) ‘etw. glauben, vermuten’
waz hilfet nu gesprochen / min bichte, wand ich habe des gewan, / daz mir got
nicht geruche lan / aplaz umb die missetrite Pass III
590,47
MWB 2 695,57; Bearbeiter: Hansen
gewanc
stN.
‘Bewegung’ (vgl.
wanc
stM.), hier wohl i.S.v. ‘Bewegungsfreiheit’
(?):
sô daz ez [das Tuch] ûf ir ahselbein / hangende her
abe schein / und ir die kel bedahte gar / und ir wengel liehtgevar / und ir schoene
tinne [Stirn] , / daz doch wengel noch kinne / noch ôren
hâten kein getwanc [La. gewang, vgl. aber Vorlage non
tamen aures, vel maxillum, vel mentum arcabatur illo
vello
]
WvRh
13604
MWB 2 695,63; Bearbeiter: Hansen
gewandære, gewendære
stM.
Händler, der (im Ellenmaß) geschnittenes Tuch verkauft (vgl.
gewantsnîdære
):
so ist auh der gewander reht, daz kain lodwaeber noh niemen
der gewant erziuget bi der ellen [im Ellenmaß] niht
verkaufen sol wan bi ganzen loden [das Stück Tuch als
Ganzes]
StRAugsb
42,1;
verkauffet ein gewander gewant unde enphilhet daz eime snider
ebd.
217,8.
41,29.
22,2;
wir die dritzehen gezunfte zu Spire, die ducher, gewender unde snider, die
rinkauflute, die metzeler [...] unde alle die, die in die
vorgenanten gezunfte horent UrkSpeyer
296,40
(a. 1327)
MWB 2 696,8; Bearbeiter: Hansen
gewande
stswF.
vgl. auch
2gewende
stN.
1 wohl ‘(langgestreckter) Acker’ , oder spez. ‘Anwandacker, Pflugwende’ ?
(vgl.
anewande
1 ) 2
‘Gegend, Gebiet’ (überw. als Reim auf lande )
1
wohl ‘(langgestreckter) Acker’, oder spez. ‘Anwandacker, Pflugwende’?
(vgl.
anewande
1):
diz ist das gut [...] 1 acker vf die anewende, vber
den kirrweg. item 1 acker in der Widen. item <1/2> acker uber den Ehenheimer
weg, in dieselben gewanden UrkEls
2,71
(a. 1299)
2
‘Gegend, Gebiet’ (überw. als Reim auf lande):
Duringer herre Ludewig, / lantgrave der gewande, / ein furste Hessen lande, /
ein palnzgrave in Sassen Elis
4531;
des quam uz deme lande / bi Marcburg der gewande / zwolf dusent armer lude dar
ebd.
7600;
alle die gewande / zu deme heiligen lande ebd.
4121.
5424
u.ö.;
die sollent fliehen uf gewande / der berge [
fugiant ad
montes Lc 21,21]
EvStPaul
9937.
– lokal begrenzt ‘Ort, Stelle’
enist ez niht, daz ich [...] minen finger nach
gewanden [dem Ort nach (?)] / niht in die stat der
nagel lege [
mittam digitum meum in locum clavorum Io
20,25]
EvStPaul
14583.
– spez. ‘Ortschaft’
in Galileen lande / zu Chana der gewande [
in Cana
Galilaeae Io 2,1]
EvStPaul
11102;
sin lumunt nu gebreidet wart / in aller der gewande, / die was in dem
lande [
in omnem locum regionis Lc 4,37]
ebd.
6380
MWB 2 696,20; Bearbeiter: Hansen
gewandelunge
stF.
‘Wechsel, Wandlung’
gewandelunge uon kalt in heiz SalArz
46,36
MWB 2 696,44; Bearbeiter: Hansen
gewanden, gewenden
swV.
‘jmdn. einkleiden, mit Kleidung ausstatten’
sag, waz wær aller welte leben, / würd in ir lîpnarung niht geben / von ires
povels handen? / wer solt sî dann gewanden? HvBer
9565;
gewente die nakten UvLil
259 ri 41;
der pflegvater soll das kind gewändten DWB
4,1,3,5288
(Amberger acten; a. 1334)
MWB 2 696,46; Bearbeiter: Hansen
gewandeshalp
Adv.
‘die Kleidung betreffend’
swie unhovebære / gewandeshalp er
[Rual] wære, / er was iedoch zewâre / an lîbe und an
gebâre / vollekomen unde rîch Tr
4030
MWB 2 696,53; Bearbeiter: Hansen
gewandet
Part.-Adj.
→
wanden swV.
MWB 2 696,57;
gewânede
stF.
‘Meinung’ (vgl.
wænen
swV.), hier in der Wendung in den ~ n
stân
‘einer Meinung sein’
er stuͦnt in den gewandin, / do er nicht mochte
gesigin, / daz er wolde da beligin / vnt er nicht genesin wolde Athis
C 68
MWB 2 696,58; Bearbeiter: Hansen
gewanken
swV.
→
wanken
(vgl. auch
wenken
)
MWB 2 696,63;
gewant
Part.-Adj.
→
wenden
swV.
MWB 2 697,1;
gewant
stN.
vgl. auch
gewæte
.
1
‘Kleidung, Kleidungsstück’
1.1 allg. 1.2 übertr. 2
‘Ausrüstung, Ausstattung’
3
‘Tuch, (Kleidungs-)Stoff’ (hauptsächlich in Rechts- und Urkundentexten belegt,
meist nicht sicher von
1
zu trennen)
1
‘Kleidung, Kleidungsstück’
1.1
allg.:
deme libe ist durft daz in daz gewant werme behalde
SalArz
22,34;
ir bette hiez sie ir bereiten, /
[...]. / dar an legte sie sich sân / in allem ir
gewande Eracl
3107;
man spricht, daz ain pabist, Alexander, ain gewant het,
[...], und wenn man daz rainigen wolt, sô wuosch
man ez mit anderm wazzer niht, dann daz man ez in ain feur warf
BdN
278,6;
der het an im alsolch gewant, / ob im dienden elliu lant,
/ daz ez niht bezzer möhte sîn Parz
225,9;
daz gewant des ordens SpitEich
21,4;
StRBrünn
360;
Roth
1185.
– auch von Kampf-, Schutzbekleidung (meist mit entsprechenden
Ergänzungen):
si [Brunhild] swanc in [den
Stein] krefticlîche verre von der hant: / dô spranc si
nâch dem wurfe, daz lûte erklang ir gewant NibA
435,4.
422,2.
423,3;
strîtlîch gewant NibB
888,4;
ein wâfenlîch gewant ebd.
1695,3;
da ne was nehain isenin gewant, / nehain
stalhuͦt / nie so ueste noch so guͦt Rol
5408;
von stahelringen ein gewant KvWTroj
3705;
ein stehelîn gewant KvWTurn
426;
GTroj
2613.
– allg. als hochwertiges Gut (in einigen Belegen könnte auch ‘Tuch,
Stoff’ gemeint sein, vgl.
3
):
er gap gift vber gift, / ros, gewant, silber, golt
Herb
3165;
iegelîcher was sô rîche / an rossen und an gewande, /
an bürgen und an lande, / daz im nihtes gebrast Wig
213;
sîneme vater er sante sam vile scatzes jouch gewant
Gen
2482;
GrRud
Gb 23;
VAlex
523
1.2
übertr.:
güete, schœne und êre, / dâ bî reinen muot, / diz
gewant treit diu vil hêre KLD:GvN
38: 1,7;
daz er der sêle gewant, / den lîp, behielte reine
RvEBarl
11970;
diͤ dügde [l.
tugenden
] sint der seln gewant
MarlbRh
113,29;
die geschrift der rede ist ain gewant
HvHürnh
70,1;
Vät
39550.
– i.S.v. ‘(trügerischer) äußerlicher Anschein’
vil manic laster und manic schande / wirt verborgen in schœnem
gewande Renner
12740
2
‘Ausrüstung, Ausstattung’
daz swert ist ain riterlich gewant, / iz zimt wol in iwer
hant Rol
5577;
den daz vingerl unt der stap ist geben / unt ander vil
bezäichenlîch gewant, / dâ von si bischof sint ginant Erinn
63
3
‘Tuch, (Kleidungs-)Stoff’ (hauptsächlich in Rechts- und Urkundentexten belegt,
meist nicht sicher von
1
zu trennen):
welch gast her in di stat [...] vurt shone gewant,
der shal gebin von dem tuche ein halbis scoth UrkBresl
111
(a. 1327);
verkauffet ein gewander gewant unde enphilhet daz eime snider
StRAugsb
217,8;
der [
asch
] ist
[...] den värbern guot, die gewant und ander dinch
värbent BdN
324,9;
StRFreiberg
252,3;
StRBrünn
389
MWB 2 697,2; Bearbeiter: Hansen
gewantgadem
stN.
1
‘Kleiderkammer’ (übers. lat. vestiarium ) 2 wohl eine Verkaufsbude oder ein Gebäude zur Lagerung von Kleidung bzw. Tuch (vgl.
gadem
und FWB 6,1840)
1
‘Kleiderkammer’ (übers. lat. vestiarium):
di nidercleit dis di in weg werden gisant von giwangadim
nemin div widerkominde giwasscin da si widergebin BrZw
55
u.ö.
2
wohl eine Verkaufsbude oder ein Gebäude zur Lagerung von Kleidung bzw. Tuch (vgl.
gadem
und FWB 6,1840):
das Elbracht uf der Hovestad [...] derselbin Cysen
hette gesast ire lebetage zwo marg geldes, die sint gelegin uf der Bulczen hus und
uf eyme gewandgademe UrkFrankf
2,484
(a. 1338)
MWB 2 697,53; Bearbeiter: Hansen
gewantkamer
stswF.
1
‘Kleiderkammer’ (übers. lat. vestiarium ) 2 ein Gebäude, wohl ‘Gewandhaus, Tuchhalle’
1
‘Kleiderkammer’ (übers. lat. vestiarium):
wan sie [die Mönche] daz nuwe
[Gewand] entfaent so sollen sie daz alde wider
antwirtin in die gewant camere BrEb
55
u.ö.
2
ein Gebäude, wohl ‘Gewandhaus, Tuchhalle’
Ruͤgers stuben des Haemler [...] dev da stet
auf [bei] der gewant chamer vnder den Lauben
UrkWSchott
223
(a. 1340)
MWB 2 697,63; Bearbeiter: Hansen |