Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   gewalten - gewânede    


gewalten V. zu walten stV. (VII) (überw. mit Gen.), auch sw.; gegenüber dem Simplex erweitertes Bedeutungs- und Konstruktionsspektrum unter dem Einfluss des Subst. gewalt und seiner Ableitungen (vgl. DWB 4,1,3,5097ff.). ‘Macht haben, Gewalt ausüben, verfügen (über jmdn./etw.); etw. in der Gewalt haben, besitzen’ 1 ohne Obj.
2 mit Obj.
2.1 mit Gen.
2.2 mit Akk.
2.3 mit Dat.
3 mit Präp.-Obj.
   1 ohne Obj.: sie wellent gewalten mere / durch werltliche ere Warnung 857; der zepter [das Z. der zur Regierung Berufenen] wil gewalten, / recht und unrecht zerspalten Frl 9:8,7    2 mit Obj.    2.1 mit Gen.: nieman ne mach sînen lîb / vor ime [dem Pferd Bucephalos] gesunt behalden, / swes iz mûz gwalden [den es in seine Gewalt bekommt] SAlex 357; wirde ich [Isaac] des wînes vrô daz ich gewalte mîner worto, / sô wil ich dich [Jakob] wîhen Gen 1121; Agomennonem sie baten, / daz er des hers gewilde / vnd diz folc an in gehilde Herb 2863; er spranc winsterhalben an ir wîzen hant: / houbet unde hals gie im vil vaste entwer, / dem gelîche, als der des lîbes niht gewalten mac Neidh WL 34:7,3; ich weiz wol daz groͤzerr tugent / uf erde nie kein wip gewielt [besaß] Rennew 10665; er sî gewesen sunder meil / der sunden, wan ungarbez teil / sîn nî gewalte JvFrst 1821    2.2 mit Akk.: der stein vortribet die gicht / und daz leben uf heldet, / also treit und geweldet / Jhesus Crist sine cristenheit HeslApk 21528; seit er denn nicht gewalten mag / daz gelukch untz auf sein end / noch daz ungelukch von hend / werffen mag Teichn 443,12; wie mag uns iemen gewalten [unter Druck setzen] / daz wir lân tugent unde got? WälGa 5208; RvZw 272,4. duo hiez er si wisen / zuo dem vronem paradyse, / [...] / unt ub siu daz behielten, / vil maneger gnaden si gewilten [teilhaftig werden] VEzzo 86; lebe unt tuͦ, / als dein vater habe getan! / der hat als ein getriwer man / unser ê behalten. / wir tuͦn dich noch gewalten / vil werltlicher eren Jüdel 186    2.3 mit Dat.: sît minne kraft hât sô vil / daz sî gewaltet [überwältigen] swem sî wil / und alle künege die nû sint / noch lîhter twinget danne ein kint Iw 1568    3 mit Präp.-Obj.: waz wider got gewalten wil, / daz wirt von in [dem Engelchor ‘Potestates’] vertriben Suchenw 41,1168; jr enwellent mit ir [Enite] gewalten, / so hat sie verdienet das, / daz an ùch mynne und der hasz / nymer sich geparierret Krone 24560; ist ez [das Pferd] des mundes ungehalten [ungezäumt ?] , / son mahtû niht mit im gewalten: / ez treit dich vil lîhte an die stat, dâ dû ungerne bist RvZw 265,5

MWB 2 690,1; Bearbeiter: Diehl

gewalterîche Adj. ‘machtvoll, kräftig’ Ninus der krefteriche man / so sere wahsen do began / das er wart der herste, / der rihste und der erste / der mit gewalterichir hant / begunde twingin do dú lant / uz wendig sinir marche zil RvEWchr 3414

MWB 2 690,51; Bearbeiter: Diehl

gewaltesære stM. auch gewaltscher. gewalt Ausübender, Mächtiger’ der gewaltesære, / der vrouwen kempfe Tr 11027; die sênatôren von der stat / und die gewaltesære / enwolten niht der mære / gelouben daz der reine Krist / in himel unde ûf erden ist / gewaltic iemer âne zil KvWSilv 2071; ir röuber und ir unrehten gewaltesære, die dâ arme liute verderbent unde verdruckent mit ir unrehtem gewalte PrBerth 1:260,37. 1:90,2. – einer der Engelchöre: nu fuor Marîa hôher baz, / bî daz si bekomen was / ze dem vierden chôre, der / geheizen ist Gewalteser WvRh 15326. 13055; dú driheit der anderen schar [der zweiten Hierarchieebene der Chöre] , die herscher, kreftger und gewaltscher Seuse 243,18; RvEGer 347(La.)

MWB 2 690,56; Bearbeiter: Diehl

gewaltesen swV. Intensivum zu gewalten ‘überwältigen’ swaer den andern beschadeget in sime chorn, ist daz bi der naht, wirt er daran begriffen, daz heizzet ein diupstal, mag er den gewaltsun, so sol man in in den stok legen StRAugsb 172,3

MWB 2 691,7; Bearbeiter: Diehl

gewaltheit stF. ‘Kraft, Macht’ er tet gualtheit in arme sinem [ fecit potentiam in brachio suo ] . er zefuorte die ubermuoten in dem muote hercen ire WindbCant 140

MWB 2 691,12; Bearbeiter: Diehl

gewaltic Adj. 1 ‘mächtig, gewaltig’
1.1 positiv
1.1.1 attr.
1.1.2 überw. präd.
1.1.2.1 ohne Erg.
1.1.2.2 mit Gen. ‘Macht, Vollmacht über jmdn./etw. habend’
1.1.2.3 mit Akk.
1.1.2.4 mit präp. Erg. (meist über )
1.2 selten bereits negativ
2 ‘einer Sache teilhaftig’ (mit Gen. oder präp. Erg.)
3 ‘fähig’
4 ‘kräftig, groß’
5 subst.
   1 ‘mächtig, gewaltig’    1.1 positiv    1.1.1 attr.: sin geweldegiv godeheit PfJud 20; nim in dine hant al mine sinne, / allergeweldigst keiserinne! MarlbRh 2,36; wa ich iw erwette den rethen munt [Vormund] , den gewerten munt, den gewaltigen munt Trauformel 6; ain prelat oder ain gewaltiger wertlich herre SpitEich 21,12; ein gewaltig man / dem ein lant waz undertan Teichn 38,21; dem rihter und den gewaltigen liuten [ maiores natu et optimates III Rg 21,8] die in der stat wâren BuchdKg 55,3; RvEWchr 11425; das solt den wol ain bÿschafft [Beispiel] geben / die hie hand ain gewaltig leben [als Mächtige] KvHelmsd 500; daz Dietmar [...], geweltich seiner sinn [seiner Sinne mächtig] vnd seiner witze, [...] hat gegeben [...] sein havs UrkCorp (WMU) 3093,8. – in rechtl. Zusammenhängen ‘ermächtigt, bevollmächtigt’ da sal he din sculteizin zu ladi edir sienin giwaldigin botin Mühlh 118,9. 130,11; daz bezugit man wol mit im, wen he gewaldiger richter ist unde sin gerichte von dem konige hat StRFreiberg 223,22; UrkIndersd 47 (zw. 1294-1300); mach der selbe gerihten vor vnserm rihter oder vnserm gewaltigem amptmanne UrkCorp (WMU) 2383,13. 2653,25; RbHohenlohe 301; biz er gewaltiger chuͤnich und chroͤnt wirt datz Ach MGHConst 5:23,1 (a. 1314). 6,1:412,38 (a. 1328); di sache vnd di ansprache vmb aigen vnd vmb lehen vnd vmb gewaltige [auf Vollmacht beruhende] gewer UrkCorp (WMU) 631,15    1.1.2 überw. präd.    1.1.2.1 ohne Erg.: vil gewaltich ist unser trehtîn Gen 55; frouwe, minne ist sô gewaltec / daz ir dienent elliu lant KLD:UvL 30: 3,1; swâ rîcher man gewaltic sî, / dâ sol doch gnâde wesen bî Freid 40,13; da tet im chunt der kelner / das er nymer gewaltig waͤr [kein Amt mehr habe] , / er wer nu gesetzt ab Teichn 685,82    1.1.2.2 mit Gen. ‘Macht, Vollmacht über jmdn./etw. habend’ der des lantes ist geweltich Gen 2248; wer was gewaldigere, / [...], / lûtis unde burge SAlex 3841; Ottok 86288; hei wan muoste ich ir alsô gewaltic sîn, / daz si mir mit triuwen waere bî MF:Mor 5: 2,3; kein sperwer sô gewaltec / wart nie der cleinen vogellîn KvWTurn 1120; der oitmoedege mynsche der is godes also geweldich as hey syns selues is Eckh 1:235,11; Tauler 348,9. 374,35; vnd sont gewaltig sin ze richtende, swer ins clagit UrkCorp (WMU) 1262,2; 254,25. – bezogen auf Vormundschaft: stirbt ein man ân geschaeft und laet hie hawsfrawen und chint, so sol diu witub der chind und dez guͦtz gewaltich sein StRMünch 347,1. – bezogen auf Beischlaf: dâ von wart ich ir gwaltic, daz si mich niht ensach. / swie sêre si sich werte, sô wart si doch mîn wîp OrtnAW 173,2; ir herren, ich [Lot, vgl. Gn 19,8] han zwo toͤhtera. die mannes noch nie gewaltech wurden die nement und begant iu mit in swie ier wellent PrSchw 1,24; ein junger phaffe [...] gelobete unser vrowen sinen magetum und reine zu blibene, also daz er nummer wibes lip wolde gewaldik werden HlReg 2,25    1.1.2.3 mit Akk.: swaz ritter ich gewaltec bin, / die müezen alle dar in StrAmis 579    1.1.2.4 mit präp. Erg. (meist über): so sal ouch ein man an sehen welch element an im gewaldic si SalArz 48,28; der tuvil wart ubir unsich giwaltig SuTheol 119; ouh wâren kuninge creftich / hêr unde mehtih / ubir manige diet gwaldich SAlex 55; ich [der König der Ameisen] laze dich [Reinhart Fuchs] in disem walde min / vber tvsent bvrge gewaltic sin ReinFu K,2062; RvEBarl 15198; HagenChr (G) 190    1.2 selten bereits negativ: daz dar vmbe dhain vͤbel oder dhain gwaltiger oder hæizzig chrieg nimmer vf gestê UrkCorp (WMU) 2793,33; Paulus hat vil geweltiger vnd strenger tyranne gestroffet vmb ire missetat ElsLA 416,13    2 ‘einer Sache teilhaftig’ (mit Gen. oder präp. Erg.): si [Kriemhilt] gedâht’ ouch maniger êren von Nibelunge lant, / der si dâ was gewaltic NibB 1392,2; das in al unse vestin offin und bereyt und gewaldik solle sin [zur Verfügung stehend] UrkSchlesFürst 1:158,28 (a. 1341). – überw. in den Wendungen jmdn. ~ tuon, machen ‘jmdm. Macht verleihen (über etw.), jmdn. einer Sache teilhaftig werden lassen’ und scolt dû mich wîhen, dîne sâlde mir verlîhen, / geweltich tuon dînes erbes, ê dû ersterbest Gen 1145; swaz von erzenîe mac geschehn, / des tuot si [Cundrîe] mich [Arnîve] gewaltec wol Parz 579,27; sô sol der rihter [...] die vrauwe ir guotes gewaltic tuon, des si ê ungewaltic was SpdtL 121,11; daz sie di dri vor genanten buͤrge vnserm nachkomen nimmer geantwuͤrten oder gewaltik tuͤn UrkCorp (WMU) 2664,34; UrkErf 2,43 (a. 1327); StRFreiberg 27,5. er machet in gewaltic / in sinem riche maniger grozen eren Rol 3662; daz ich dich minir gnade also gewaldic mache Parad 42,26; als ob der keyser ytzunt quem / und mich by miner hende neme / und mich macht gewaltig / der lande manigvaltig Minneb 4715; habend uns und unsern rätte baidenthalben gwaltig gemacht über alle ihre sache ain müne oder ein recht zu sprechen DRW 4,706 (Foffa.; a. 1322); UrkCorp 1062,36. ich wil dich setzen gewaldic in mîme rîche HvFritzlHl 256,13    3 ‘fähig’ er [Gott] waz geweltich ze machen den wein von nichte; der an dem angeng der werlt elliu dinch von nicht geschuf PrOberalt 36,30; also bin ich geweltich auf ze sten von dem tode ebd. 53,15; waz rumest du dich in der ubele du da geweltich bist ze dem unrehte PsM 51,3; wan ich [Johannes der Täufer (vgl. Mt 3,9)] sage ivch. wan got ist gewaltich [ potens ] von disn steinen ze chücken di sün Abrahe EvAug 4,21    4 ‘kräftig, groß’ dar inne wâre gewaltiger ganch Gen 691; alsus wart daz chint Alexander / beide listich unt geweltich unt balt VAlex 223; das er mit gewaltiger hant nit gestochen hett Lanc 608,1; daz er selber mit seiner hant ain snuor in ain geweltigez feur würf BdN 278,10; Platearius spricht, daz opobalsamum die pesten und die geweltigisten kraft hab [ optimam et potentissimam habet virtutem ] , wan ez ist haiz und trucken ebd. 359,23    5 subst.: die geweltigen diser werlt PrOberalt 170,33; daz dw gewaltigen und dw reichen / selber hordent und nicht gebent Teichn 399,6; he hat diͤ geweldgen [ potentes Lc 1,52] nider gesat / ind diͤ otmuͤdgen in diͤ hoge stat MarlbRh 76,9; EvAug 125,14; KvHeimHinv 1043; so solt man dem gewaltigistem gehorsam sein RechtssA G16,11. – Bevollmächtigter: wær aber er ein gwaltich, der ez verchauffet, der sol zweier pfunt schuldich sin dem geriht UrkCorp (WMU) 1796,25. – einer der Engelchöre: der erste kor von den der heisset potestates. und der ander principatus. und der dritte dominaciones. dise drije heissent die gewaltigen und die fúrsten, und die heissent die herren Tauler 374,33

MWB 2 691,16; Bearbeiter: Diehl

gewalticheit stF. 1 ‘Gewalt, Machtfülle’
2 ‘Vergewaltigung’
   1 ‘Gewalt, Machtfülle’ erweche gualticheit dine [ excita potentiam tuam ] PsWindb 79,3. 70,18; wir loben dich, herre, das du úns hast beschirmet mit diner gewaltekeit Mechth 1: 6,9. 7: 37,21; ich [Pilatus] han dw gewaltichait / daz ich dich [Jesus] wol leben lazz / oder setz in dodez sazz Teichn 406,46    2 ‘Vergewaltigung’ das eine’, sprach sij, heißet geweldikeit [afrz. raptus ] , / das ander der unkuscheit mit sime geslechte deit, / das dritte der jungfrauwen entblumonge, / das vierde mit eins andern wibe umb gan Pilgerf 10817

MWB 2 693,24; Bearbeiter: Diehl

gewalticlich Adj., Adv. adv. auch -lîchen. 1 positiv ‘machtvoll, kräftig’
1.1 selten attr. oder präd.
1.2 überw. adv.
2 negativ ‘gewaltsam’
   1 positiv ‘machtvoll, kräftig’    1.1 selten attr. oder präd.: er quam geriten in ir lant / mit gewalticlicher hant / und mit sô starker herescraft KvWSchwanr 160; von rîcher hêrschaft, / die mit gewalteclîcher kraft / muosten ez beschirmen ie ebd. 13010 daz ein kint von mir komen sol, / daz wirt gewalticlîch / in dem künicrîch EnikWchr 19875; WernhMl 2312    1.2 überw. adv.: under wegen er bedwanc / manige burch unde lant / gewaldichlîche ze sînen handen SAlex 2201; niemir du [Marsilie] widir chere / unze du al Francriche / sam gewalticliche / in dine gewalt gewinnest Rol 3750; Parz 266,23; Wig 8602; Ottok 1997; minne, du hâst mich uberkomen / gewalteklîh gên der frowen mîn SM:JvW 4: 5,2; KLD:Kzl 7: 2,7; Mechth 5: 9,3; der wild [Kichererbse] ist pezzer und haizer und læt sich paz däwen und würkt gewelticleicher wan der haimisch BdN 389,13; do machoten siu ez hern Cvͦnraten dem Schaze wider ze lipgedinge gewaltichliche [verfügungsberechtigt] ze niezen unz an sinen tot UrkCorp (WMU) 559,17. – steigernd ‘außerordentlich’ nû süllen wir [...] / von dem künig heben an, / wie der dar nâch rîchsen began. / er was gewalticlîch starc; / er het goldes, silbers manic marc EnikWchr 26681; sust ist daz kint noch sicherlich / gewalticlich gewaltig / mit eren manigvaltig / dez huses da zu Freudenberg Minneb 3801    2 negativ ‘gewaltsam’ mir [Marsilie] ist liebir daz ich ersterbe, / denne mich die Karlinge / so gewalticlichen dwingen Rol 5236; unser habe, / die man uns hie wil brechen abe / gewalticlîche und âne reht KvWSchwanr 621; also, daz des vorgenanten herren sun von Hohenloch, her Cvͦnrat, in het gewalteclich entwert der buͤrge ze Bvͤetert UrkCorp (WMU) 2930,4; swer dem andern sin trinkchen gewaltichlichen uz trait [entwendet] , der sol [schuldet] dem rihtær zwen und sibenziͤkch phenning ebd. 3452,24; etsliche ungetruwe / haben von bosme gebruwe / besezzen gewaldecliche / gar unserre vetre riche Macc 6601

MWB 2 693,35; Bearbeiter: Diehl

gewaltigære stM. gewalt Ausübender, Mächtiger’ 1 positiv
2 einer der Engelchöre
3 negativ
   1 positiv: si jehent daz nû her sül chomen / ein starc gewaltigære. / waz ob sich unser swære / mit dem selben endet? KvHeimUrst 1823; die tûfel wunderte aber mêr, / wer der gewaltigêre, / der êren konic, wêre Erlös 5032; daz er [Jesus] zeigte, daz sin vater were ein gewaltiger [ ostenderet patrem suum esse auctorem ] , von dem er ouch ewiclichen fürgegangen waz nach der gotlichen naturen ThvASu 110,34; welher daz nit tet, richer oder armer, gewaltiger oder ungewaltiger, der sol und muͦz dieselben pen, [...] nach siner schuld zwivalt liden StRNördl 22    2 einer der Engelchöre: die sehsten sint ahtbere, / heizzent Gewaltigere HvNstGZ 8021; Tauler 375,12    3 negativ: er [Ysaia] saget angeslîchiu mære / von den gewaltigæren: / die sint in ir trunkenheit / zuo den sünden vil bereit LBarl 3730; abir von den tagin Jôhannis des toufêres sô lîdet di craft daz rîche der himele, und di gewaldigêre roubin iz [ violenti rapiunt illud ] EvBeh Mt 11,12; Hiob 15146; wirdet ein man uberloufen in sime huse [...] von gewaldigeren oder von luten, [...] di da triben unrechte gewalt StRFreiberg 169,38

MWB 2 694,12; Bearbeiter: Diehl

gewaltigærinne stF. gewalt Ausübende, Mächtige’ diu gewaltærinne [La. gewaltigerinne ] Minne, / diu was ouch in ir sinne / ein teil ze sturmelîche komen / und hete ir mit gewalte genomen / den besten teil ir mâze Tr (M) 959

MWB 2 694,36; Bearbeiter: Diehl

gewaltigen swV. auch geweltigen. 1 ‘jmdn./etw. überwältigen, in seine Gewalt bringen, beherrschen’
1.1 mit Akk.d.P.
1.2 mit Akk.d.S.
2 überw. in Rechtstexten ‘jmdm. etw. in seine Gewalt geben, jmdn. in seinen Besitz einweisen’
2.1 mit Akk.d.S. und Dat.d.P.
2.2 mit Gen.d.S. und Akk.d.P.
   1 ‘jmdn./etw. überwältigen, in seine Gewalt bringen, beherrschen’    1.1 mit Akk.d.P.: wan diz mer noch in deme libe unbe gat / vnde mich so geweldigit hat / daz ich widir vweris herren man / negeine gote rede ne kan Roth 1027; wer zemit das wilde dier wende dez menshen wisheit? [...] wer geweldiget daz wilde tyer wen dez menshen vndersheit? SalHaus 33,19; lîhteclîche er sich hete gelâzen überwinden unde gewaltigen mit den sünden DvAOff 12; ‘so slag ich uch dot!’ sprach Hestor. ‘das mag wol geschehen’, sprach Persides, ‘so ir mich nu gewaltigent.’ Lanc 440,5. – auch ‘jmdm. Gewalt antun’ is aber daz ez sô ergêt, / daz mich gewaldeget oder slêt / der herzoge Turnûs En 11732; daz [...] etliche gent mit liehten verborgen under iren menteln mit swerten, langen messern [...] unde die lûte gewaltigent unde ubergriff duͦnt UrkSpeyer 444,22 (a. 1347)    1.2 mit Akk.d.S.: also wir in [die christlichen Kämpfer den Heiden] entwichen, / so richtent si uf Mahmeten, / so geweldigent si lant unde stete Rol 922 u.ö.; der rauch [...] betrüebt die gaist, daz der sêl kreft si nicht gewaltigen mügent in irn werken BdN 8,29. er [der Bär] geweltigot im den arm, / daz flaisc er ime allez abe brach Rol 3077    2 überw. in Rechtstexten ‘jmdm. etw. in seine Gewalt geben, jmdn. in seinen Besitz einweisen’ Margareta missa fuit in possessionem dicte hereditatis, id est wart geweldigit UrkPrivR 109,4 (a. 1284). – hierher?: procurator [...] nomine procuratorio pro eisdem institutus seu introductus sit potentia, que vulgariter gewelget appellatur RegErzbKöln 4,378 (a. 1326)    2.1 mit Akk.d.S. und Dat.d.P.: alle irdische krone / geweltige ich dir [Roland dem Kaiser Karl] ze Rome Rol 1849; dat wir [...] si ouch ind ire erfnâmen an dat vurschreven erve ind gût brengen ind dôin schrîven ind geweldigen nâ rechte ind gewôenden der steede van Cölne UrkPrivR 149,25 (a. 1349)    2.2 mit Gen.d.S. und Akk.d.P.: sint [danach] sie der richter der vrowen vormunde, und gewaldige sie von gerichtes halben ires gûtes, des sie entweldiget was SSp (W) 1:41; zu hant dar nâh sal her in gewaldige sîner gewere ebd. 2:25,1; ich [Claudas] sol uch [Ban] machen ein gut teiding: geweltiget mich der burg, und ich geb sie uch wiedder off solch rede das ir zuhant werdent myn man und alles uwer lant habent von mir zu lehen Lanc 3,37

MWB 2 694,41; Bearbeiter: Diehl

gewaltlich Adj., Adv. ‘mächtig, gewaltig’ sin [Japhet, vgl. Gn 9,27] rîche / uil gewaltliche VMos 14,29; er ne gehugte sines gewaltis [der König von Ninive, vgl. Ion 3,6] , da er die gewaltlichen gotheit erchanti Spec 63,6; die mit gewalteclîcher [La. gewaltlicher ] kraft / muosten ez beschirmen ie RvEBarl 13010; uns here [unser Herr] hat geweltlich gevaren, / he hat zestört der stolzen scharen MarlbRh 76,5

MWB 2 695,26; Bearbeiter: Diehl

gewaltmeister stM. ‘städt. Bediensteter mit polizeilichen und richterlichen Funktionen’ we darweder deit, [...], de gilt zein marck ze boissen, half der stede inde half den geweldemeysteren UrkKöln (St) 1:50,13 (a. 1341) u.ö.

MWB 2 695,35; Bearbeiter: Diehl

gewaltnëmære stM. ‘jmd., der zum Mittel der Gewalt greift’ vnd also ist ez vmb einen dieb oder rauber oder vmb einen gewaltnemer vnd twinger, die sind auch daz guͦt schuldig wider ze geben RechtssA V26,157

MWB 2 695,40; Bearbeiter: Diehl

gewaltroubunge stF. ‘gewalttätiger Raub’ alle gewaltroubunge ist mit gelodem [ omnis violenta praedatio cum tumultu ] Cranc Jes 9,5

MWB 2 695,45; Bearbeiter: Diehl

gewaltsame stF. ‘Herrschaftsrecht, Gerechtsame’ daz wir enhein gewaltsami habent vber daz vorgenande guͦt vnd die lúte UrkCorp (WMU) 3426,25; mit bænnen vnd mit getwingen, mit gewalzami, mit allen gerihten, div́ dar zuͦ hoͤrent ebd. 2021,4; UrkRapp 296,12 (a. 1329). – Gebiet, über das sich diese Rechte erstrecken: alluͥ diu guͤter, diu in vnser gwaltsami gelegen sind UrkGraub 5:210,13 (a. 1338)

MWB 2 695,48; Bearbeiter: Diehl

gewân stM. ‘Vermutung, Glaube’ (vgl. wân stM.), hier in der Wendung ~ haben (mit Gen.) ‘etw. glauben, vermuten’ waz hilfet nu gesprochen / min bichte, wand ich habe des gewan, / daz mir got nicht geruche lan / aplaz umb die missetrite Pass III 590,47

MWB 2 695,57; Bearbeiter: Hansen

gewanc stN. ‘Bewegung’ (vgl. wanc stM.), hier wohl i.S.v. ‘Bewegungsfreiheit’ (?): sô daz ez [das Tuch] ûf ir ahselbein / hangende her abe schein / und ir die kel bedahte gar / und ir wengel liehtgevar / und ir schoene tinne [Stirn] , / daz doch wengel noch kinne / noch ôren hâten kein getwanc [La. gewang, vgl. aber Vorlage non tamen aures, vel maxillum, vel mentum arcabatur illo vello ] WvRh 13604

MWB 2 695,63; Bearbeiter: Hansen

gewandære, gewendære stM. Händler, der (im Ellenmaß) geschnittenes Tuch verkauft (vgl. gewantsnîdære ): so ist auh der gewander reht, daz kain lodwaeber noh niemen der gewant erziuget bi der ellen [im Ellenmaß] niht verkaufen sol wan bi ganzen loden [das Stück Tuch als Ganzes] StRAugsb 42,1; verkauffet ein gewander gewant unde enphilhet daz eime snider ebd. 217,8. 41,29. 22,2; wir die dritzehen gezunfte zu Spire, die ducher, gewender unde snider, die rinkauflute, die metzeler [...] unde alle die, die in die vorgenanten gezunfte horent UrkSpeyer 296,40 (a. 1327)

MWB 2 696,8; Bearbeiter: Hansen

gewande stswF. vgl. auch 2gewende stN. 1 wohl ‘(langgestreckter) Acker’ , oder spez. ‘Anwandacker, Pflugwende’ ? (vgl. anewande 1 )
2 ‘Gegend, Gebiet’ (überw. als Reim auf lande )
   1 wohl ‘(langgestreckter) Acker’, oder spez. ‘Anwandacker, Pflugwende’? (vgl. anewande 1): diz ist das gut [...] 1 acker vf die anewende, vber den kirrweg. item 1 acker in der Widen. item <1/2> acker uber den Ehenheimer weg, in dieselben gewanden UrkEls 2,71 (a. 1299)    2 ‘Gegend, Gebiet’ (überw. als Reim auf lande): Duringer herre Ludewig, / lantgrave der gewande, / ein furste Hessen lande, / ein palnzgrave in Sassen Elis 4531; des quam uz deme lande / bi Marcburg der gewande / zwolf dusent armer lude dar ebd. 7600; alle die gewande / zu deme heiligen lande ebd. 4121. 5424 u.ö.; die sollent fliehen uf gewande / der berge [ fugiant ad montes Lc 21,21] EvStPaul 9937. – lokal begrenzt ‘Ort, Stelle’ enist ez niht, daz ich [...] minen finger nach gewanden [dem Ort nach (?)] / niht in die stat der nagel lege [ mittam digitum meum in locum clavorum Io 20,25] EvStPaul 14583. – spez. ‘Ortschaft’ in Galileen lande / zu Chana der gewande [ in Cana Galilaeae Io 2,1] EvStPaul 11102; sin lumunt nu gebreidet wart / in aller der gewande, / die was in dem lande [ in omnem locum regionis Lc 4,37] ebd. 6380

MWB 2 696,20; Bearbeiter: Hansen

gewandelunge stF. ‘Wechsel, Wandlung’ gewandelunge uon kalt in heiz SalArz 46,36

MWB 2 696,44; Bearbeiter: Hansen

gewanden, gewenden swV. ‘jmdn. einkleiden, mit Kleidung ausstatten’ sag, waz wær aller welte leben, / würd in ir lîpnarung niht geben / von ires povels handen? / wer solt sî dann gewanden? HvBer 9565; gewente die nakten UvLil 259 ri 41; der pflegvater soll das kind gewändten DWB 4,1,3,5288 (Amberger acten; a. 1334)

MWB 2 696,46; Bearbeiter: Hansen

gewandeshalp Adv. ‘die Kleidung betreffend’ swie unhovebære / gewandeshalp er [Rual] wære, / er was iedoch zewâre / an lîbe und an gebâre / vollekomen unde rîch Tr 4030

MWB 2 696,53; Bearbeiter: Hansen

gewandet Part.-Adj. wanden swV.

MWB 2 696,57;

gewânede stF. ‘Meinung’ (vgl. wænen swV.), hier in der Wendung in den ~ n stân ‘einer Meinung sein’ er stuͦnt in den gewandin, / do er nicht mochte gesigin, / daz er wolde da beligin / vnt er nicht genesin wolde Athis C 68

MWB 2 696,58; Bearbeiter: Hansen