Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
  Ansicht: Standard Gliederung    |     Zusatzinformationen   Links      |     Portion: Artikel pro Seite

g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   geüebede - gevangenlîche    


geüebede stF. ‘Gottesanbetung’ hie nesint gotte noh stette, / noh neist nehain geuobede hêre Kchr 3099

MWB 2 652,41; Bearbeiterin: Czajkowski

geüebede Subst. Bed. unklar; jmd., der etw. an einem Wohnsitz ausübt (?): coloniam: guobida Gl 1:327,44 (BStK486); incolatus: giubidi Gl 1:788,18 (BStK681)

MWB 2 652,44; Bearbeiterin: Czajkowski

geüeben swV. üeben

MWB 2 652,48;

geunhôrsamicheit stF. ‘Ungehorsam’ wan der erste menshe mit geunhorsamekeit daz paradisez voͤrloz und alle sin nach kumelinge, so mag nimant daz himelriche irwerben dan mit den werken der gehorsamede HlReg 5,11

MWB 2 652,49; Bearbeiterin: Czajkowski

geuntwirdigen swV. geentwirdigen

MWB 2 652,54;

geunvrumen swV. ‘schaden’ (vgl. unvrume ): sit mir die widewe ist / vngunstig, so wil ich zu frist / sie rechen, daz sie niht enkume / zu iungest vnd da mir gevnfrume / vnd mich also verderbe / vnd schamelich ersterbe EvStPaul 9263

MWB 2 652,55; Bearbeiterin: Czajkowski

geursatzen swV. auch geursasen, geursozen; meist in alem. Texten. ‘ersetzen, vergüten, verpfänden’, immer mit Akk.d.S. und präp. Erg. (häufig mit): were ouch de kein breste an deme guͦte, den sol ich gevrsasen mit anderme mime guͦte UrkCorp (WMU) N591,14. – mit Dat.d.P.: daz ich gevrsazet habe den hof zeme heiligen cruze mit dem vorgenanten guͦte minen herren UrkCorp (WMU) 215,18. 3055A,23; UrkHohenz 2,295 (a. 1307). – in Pass.-Konstr.: ouch ist vns der selbe hof geursazet rehte unde redeliche mit dem gvͤte, daz hie nach gescriben stat UrkFreiburgGr 16,86 (a. 1274); daz daz selbe dritdeil nit gorsozit inwart mit vndirpfande, des hat mich der abbitet [l. abbet ] vnt di samnunge [...] vbirkumin UrkCorp (WMU) 862,22. 1999,10. 2704,36

MWB 2 652,60; Bearbeiterin: Czajkowski

geursprinc stNM. ‘Ursprung’ orifium [lies: orificium ‘Mündung’] : geursprinc Gl 3:282,56 (BStK4); Gl 3:282,56 (BStK464)

MWB 2 653,12; Bearbeiterin: Czajkowski

geursprunclich Adj. ‘ursprünglich’ sunder lût hœren daz ist ein inwendic vernemen in eime geursprunclîchen bevindenne, dâ alliu redelicheit endet Übervart 507,28

MWB 2 653,15; Bearbeiterin: Czajkowski

geursprungetheit stF. ‘Verursachtsein’ (s.a. urspringen ): aber nâch der inwesender geursprungetheit behaltet der geursprungete rivier, der ouch selber geursprunget ist, eigenschaft eins verstentnisses nâch ungeoffenbârekeit der verborgenheit Überschall(Pf) 518,20

MWB 2 653,19; Bearbeiterin: Czajkowski

gevach Adv. nur belegt im Omd. und in Deutschordensliteratur; auch gevache. In der NvJer -Ausgabe in Anlehnung an gevêch mit â angesetzt (vgl. dazu DWB 4,1,1,2059). 1 ‘häufig, wiederholt; in vielerlei Hinsicht’
2 in verblasster Bed., zum Teil bekräftigend, verstärkend ‘bestimmt, gewiss’
   1 ‘häufig, wiederholt; in vielerlei Hinsicht’ Darius sust sprach: / ‘din got, dem du hie gevach / hast gedient, irlose dich!’ Daniel 5390; dar nach ich [Daniel] sach / ein anders [Tier] , daz was gevach / gestalt als ein grimmic ber ebd. 5744. 4668; sô wurdin sî sô oft irvêrt / mit manchim scharfin pfîle, / dî bin des sturmis wîle / ûf sî vlugin sô gevâch, / daz al ir wer dâvon vorbrach NvJer 16103 u.ö.; TvKulm 140. – hierhin? vgl. Zweifel in der Anm.z.St., eventuell zu gevêch ‘feindselig’ Sathan antwurte gar gevach / und kegen gote also sprach Hiob 693. 975    2 in verblasster Bed., zum Teil bekräftigend, verstärkend ‘bestimmt, gewiss’ nu wizze, diz was gevache / der sintvlut di ursache HistAE 319. 927; der selbe vrone engil, / wol der genaden sprengil, / czoch dem volke gar gevach / allis uf der versen nach TvKulm 1809. 748; Johannes der zoch ienen nach / biz zu Cedronem gar gevach, / daz Centebius bute e / den juden durch ir grozez we Macc 6908. 13678; Hiob 3145. 610. 4789

MWB 2 653,25; Bearbeiterin: Czajkowski

gevachen swV. vachen2

MWB 2 653,49;

gevage Adj. ‘froh, zufrieden’, mit Gen.: er [Gawein] tet nit als ein zag, / der da flùhet ader schirmes ist geuag Krone 18875. 5285; der schidunge war wir baidenthalben gefag UrkCorp (WMU) 3540,7; StiftZwettl 457. 253; swaz iu diser brief sag, / des sult ir sîn gevag / gegen dem von Ôsterrîche Ottok 35989; PsM H 104,5. – ‘fügsam, bereitwillig’ êrst wil ich dich lêren, / daz du des dînen sîst gevage Bîspel(Pf) 19,13

MWB 2 653,50; Bearbeiterin: Czajkowski

gevâhen stV. auch gewahen ( Roth 2672 ), geuanen ( ÄPhys 3,3 ) und kontrahierte Formen gevân, gevie; vgl. vâhen . 1 ‘jmdn./etw. fangen, fassen, ergreifen’
1.1 mit präp. Erg.
2 ‘jmdn./ etw. empfangen, annehmen, erhalten’
3 ‘etw. erreichen’
4 ‘(etw.) anfangen, sich zu etw. hinwenden’
4.1 intr.
4.2 tr.
4.3 mit präp. Erg.
4.4 refl. mit präp. Erg. zuo
   1 ‘jmdn./etw. fangen, fassen, ergreifen’ swenne so man da geuienc / einin sculdigin an ichte, / so muoster vor daz gerichte Athis A 128; ob ain man angreiffet ainen schedelichen man, vnd in niht anders gevahen mac er müzze in slahen DRW 3,1407 (NürnbHGO; a. 1314); UrkCorp (WMU) 1054,7; ReinFu K,1429; mit grôzen kreften stach er in / enbor ûz dem satel hin, / daz im ein ast den helm gevienc / und bî der gurgeln gehienc Iw 4673; NibB 1701,2; KvWEngelh 3615. – Tiere: ob ime danne der stanch chumet zedere nasun. so uertiliget er diu spor mit deme zagile. daz man in geuahen nemege JPhys 1,11; sô der habich winterszeiten ainen vogel gevâh gegen der naht, sô halte er in all die naht BdN 170,18; vnde was sú [die Fischer] die wile geuachent, daz sulnt si geben jn das closter UrkCorp (WMU) 244A,23; RvEBarl 10280. – übertr. ‘erfassen’ ein michel vreude gevie / die ritterschaft über al UvZLanz 7656; ich hâte ein wunneclîchez leben / ê grôze liebe mich gevie KLD:HvdM 2:2,2; Wig 5875.    1.1 mit präp. Erg.: ane: den schilt er an sich gevie [an sich zog] , / daz starke sper er sîgen lie Wig 2304. : Krimelin er bi der hant gevienc [nahm er an die Hand] , / der was sin trvt kvllinc [l. künnelinc, Verwandter] ReinFu K,2192. in: also wil er dich och loͤsen [...] ûz dez tiefels halse und ûz allem sinem gewalte. dc er dich niemmer mê kan noch enmach gevahen in sinen gewalt und in siniu bant PrSchw 2,93. mit: swâz er ir [der Bär von den Hunden] mit den clâwen mach gevân, / dar ane richet er sînen zorn SAlex 2797. mit der hant ~ : der wirt in mit der hant gevienc, / geselleclîcher dannen gienc Parz 169,5; der kranch [Kraniche] vehten ist sô stark und sô frävel mit enander, daz man si mit der hant gevâhen mag BdN 192,8. 215,23. under: dô di magit zô zime ginc, / under sîne arme er si gevienc / und îlete vile balde / mit ir zô dem walde SAlex 5388. zuo: kint und bûch si zir gevienc / mit armen und mit henden Parz 110,12. 538,12; diu frouwe ir liep zuo zir gevie KLD:Rub 20:3,1    2 ‘jmdn./ etw. empfangen, annehmen, erhalten’ welchen lôn ich sule gefân, / des ich so grôzzen kumber hân SM:Gl 3: 5,5; swes ich mich vermæze / wider unsern herren got, / des gevieng ich schaden unde spot Iw 5284; UrkCorp (WMU) 662,24; [der vergiftete Tristan] eine varwe gevienc / sô jæmerlîcher hande, / daz man in kûme erkande Tr 7272; si gevâhet lîhte ein muotelîn, / des man gern âne wolte sîn ebd. 17909; Wig 5473; einen rat er da gevie, / wie er zu gute mochte kumen PassIII 19,17; binnen dirre selben zit / gevienc der kunic grozen nit / uf den bischof ebd. 55,18. 342,87; sie [...] hette / gewachet also lange, / daz sie nu von getwange / gebedes unde der erbeit / geving soliche drakeit, / daz si mit slafe wart bedrat Elis 1642; man druͦc si vor di kirchdur / an des windes blach hin fur, / daz si den luft enphienge / unde aber maht gevienge [zu Kräften komme] ebd. 1942; RvEBarl 732; DvASchr 371,7. – in der Wendung ze man ~ ‘jmdn. als Vasallen annehmen’ (vgl. entvâhen1 2.3.3): Êrec gevienc sîn [Guivreiz] niht ze man Er 4478    3 ‘etw. erreichen’ mit den fuozen er gevienc / undr im des velses herte Parz 445,4; als er daz bürgetor gevie, / sîn ors er dô stên lie Wig 3714; si vielen von den rossen nider / und kruchen unde giengen, / daz si den berc geviengen, / da si sich genern mohten StrKarl 6210; Serv 3054. – ‘auf einen Weg kommen’ eine strâze er dô gevie, / diu was gebrücket über daz mos Wig 6767; einen stîc ich dô gevienc: / der truoc mich ûz der wilde Iw 274. 5780. 6128; NvJer 12262. 14810    4 ‘(etw.) anfangen, sich zu etw. hinwenden’    4.1 intr.: dô si wahsen begunden ungelîche si geviengen. / der altere wart jagire und accherman, Jacob wonete in gezelten Gen 1071; unz daz ander jâr gevienc / und vaste in den ougest gienc Iw 3057    4.2 tr.: also, daz di zwelif da vͤber swern vnd mit in ein chvntschaft gevahen, wo ein herre den andern an den gemerchen oder gerihten vͤbervarn hab UrkCorp (WMU) 1274A,43; daz spil wart vollebracht, / ein anders aber sie gevienc Elis 733    4.3 mit präp. Erg.: nâch: gevæht er nâch dem künne [schlägt er nach der Sippe] , er wirt ein küene man NibB 1915,1. zuo: alsus enoucte [zeigte] sî sich niht / unz in diu salbe gar ergienc / und er ze sinnen gevienc Iw 3504. 674; Greg 3050    4.4 refl. mit präp. Erg. zuo: dû sich Lûcifer dû ce ubile gevieng, / vnt Adam diu godis wort ubirgieng Anno 3,1

MWB 2 653,59; Bearbeiterin: Czajkowski

gevæhic Adj. ‘fähig’ ir sült auch wizzen daz di würkent kraft ein vorgenerin [Vorgängerin] ist der perenten kraft und sol auch beraiten daz ir gefellig und gevehig wert der frölichen kraft AdelhLangm 95,16; den geuähigen iungern [ capacibus discipulis ] BrAlt 2

MWB 2 655,24; Bearbeiterin: Czajkowski

geval stMN. 1 ‘Gefallen, Zufriedenheit’
2 ‘Zustand, Art’
   1 ‘Gefallen, Zufriedenheit’ – in präp. Wendungen mit mit, nâch, zuo: rechte zo der midder nacht, / do sy vernam mit gevalle, / dat ir junffrawen alle / harde sleyffen KarlGalie 9193; si wâren ûzer mâzen / gar wol gelêret alle / und sprâchen nâch gevalle / kriechisch und latîn vil wol KvWSilv 2712. 580; [Neptun soll gewähren] daz beide fliezen unde sweben / diu wazzer müesten alle / vil gar nâch ir [Dianas] gevalle / und nâch ir willen bî der zît KvWTroj 24074; nâch allem ir gevalle Tr 17958; ein wîp, diu ir wîpheit / wider ir selber liebe treit / der werlde zuo gevalle, / die sol diu werlt alle / wirden unde schœnen ebd. 18053; dü minn ist uber uns [Mönche und Nonnen im Kloster der Minne] alle, / der leben wir ze gevalle MinneR439 862. – ‘Glück’ die minne bit ich [...], / daz ich die schoenen dar zuo span, / daz si mêre mîn geval MF:Veld 1:25,4; men hait so mennich wonder vernomen, / wilt got, wir mogen scheire intkomen. / undanck have hie, die [l. undanc habe (h)er, der ] truren sal; / na ungeval kompt geval HagenChr(G) 1774. 499; KarlGalie 4013; of mer [ob mir] gelucket dat geval / das ich des bornes drincken sal MinneR497 549. 1087    2 ‘Zustand, Art’ ditz ist niht ritterlîch val [La. geual ] , / daz diser ritter ist geschant [indem er den Pferdestall ausmisten muss] EnikFb 1302; ich [Frau Minne] han menchen dar zu gebracht / und drengen ouch menger hertze / das iz sonder liden smertze / verwandelt sich und das mynt [minnt] / und des geval also besint / das syn lief is sines lieves lief MinneR497 174

MWB 2 655,30; Bearbeiterin: Czajkowski

gevallen stV. 3.P.Sg. z.T. gevallet ( KLD:BvH 8:1,8; Lanc 28,8; StRAugsb 226,13 ). 1 ‘fallen, stürzen’ , ‘verfallen’ , ‘zufallen, zuteil werden, fällig sein’ , auch mit Präp. wie ‘fallen auf (etw.), über (jmdn. her-) fallen’ vallen
2 ‘einer Seite zuneigen, zustimmen’ (vgl. auch
3 ‘jmdm. gefallen’ (häufig mit wertendem Adv. wol, baʒ, meist, übele )
3.1 mit nieman ‘niemand kann allen gefallen’ (Sprichwort?, vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 311)
3.2 mit zuo : ‘passen, gleichkommen, angemessen scheinen’
4 ‘kommen, eintreten, sich ergeben’
   1 ‘fallen, stürzen’, ‘verfallen’, ‘zufallen, zuteil werden, fällig sein’, auch mit Präp. wie ‘fallen auf (etw.), über (jmdn. her-) fallen’ → vallen    2 ‘einer Seite zuneigen, zustimmen’ (vgl. auch UrkCorp (WMU) 2302,37 zu vallen ‘wie die Mehrheit entscheidet’): swederthalb der [Obmann] gevellet, des sol man bede site gevolgig sin UrkCorp (WMU) 225,4. swaz ovch der vierr ietwederthalben, die da baidenthalben genomen sint [...], gesprechent ze reht oder der von Oͤtingen mit den vieren, da zue er gevellet ebd. 1540,6. – mit Gen.: ez sol auch ietweder herre di sinen betwingen, swez si mit dem rehten oder mit minne gevallen, daz sie daz vͦf der stat vergwizzen vnd verpvrgen UrkCorp (WMU) 2500,17    3 ‘jmdm. gefallen’ (häufig mit wertendem Adv. wol, baʒ, meist, übele): Gunther der edele vrâgte sîne man, / wie in diu rede geviele NibB 1457,4; diser scheit [Schiedsspruch] geviel dien teilen beidenthalb wol UrkCorp (WMU) 2583,28; RvEBarl 16064; mir geuellet uile uͦbele, / der des morgenes in den wingarten gét, / daz er uor uesper uz uert Rol 976; GrRud δ 34; diz geviel im übele unde wol Tr 7317; swa ich aver iemannen vant, / der ein irrære was, / der geviel mir al deste baz; / den chos ich mir ze gesellen SüklV 549; Eckh 5:189,6; PassSpM 1174; SM:Go 2:5,11. – mit Gen.d.S.: dise boten si wurben etswaz / des [La. das ] in geviel UvZLanz 8776. ~ lâʒen: die wunnechlichen engel clar / geschûf got mit worten gar, / daz liez er im gevallen GvJudenb 13; sehestu deheinen irrær, swa er wol tu, daz la dir wol gevallen PrOberalt 140,6. – subst. ‘Wohlgefallen’ zuͦ Jherusalem alleine wer wol sin gros trost und gesmack und gevallen Tauler 83,30. 213,18    3.1 mit nieman ‘niemand kann allen gefallen’ (Sprichwort?, vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 311): zwein ein man niht dienen kan: / niemàn in allen / mag eben wol gevallen KLD:BvH 13: 2,9; und swas die boͤsen reden darzuo, / das sî in reht als ein slag / in einen bach; wan nieman mag / menglich gevallen wol Ammenh 407; KvWLd 25,93    3.2 mit zuo: ‘passen, gleichkommen, angemessen scheinen’ wir jehen û [Alexander] alle samen, / daz under disen kuningen allen / neheiner mach zô û gevallen, / der mit sulher frumicheite / sîn here ubir lant leite SAlex 1501; Achilles unde Hector, / Aiax unde Nestor, / di manic tûsint irslûgen / unde ouh scarfe gêre trûgen: / iz ne mohte undir in allen / ze Alexandro niht gevallen ebd. 1848; der iu dar zuo gevalle, den sul wir voget wesen lân NibB 522,4. – ‘belieben, angemessen erscheinen’ daz er [Joseph] si begienge [die Gefangenen versorgte] swie iz ime geviele Gen 1925; âne die tage, sô ime ze wazzere unde zu brôte gevellet ze vastene, sô sal er ûf einer blôzen tavelen ezzen StatDtOrd 88,22. 119,16    4 ‘kommen, eintreten, sich ergeben’ sit do geviel sente Johannis tac / daz sente Vͦlrich sicher lac / an dem libe gar virswachet / von einem troume was er irwachet Albert 1408. 1460; eines tages dô der juden hôhzit gefiel SchwSp(W) 128,24; daz dar nah zwischen inen gevallen mivge enhein missehellvnge UrkCorp (WMU) 1645,19; Gen 1310; Tr 9673; Eckh 5:256,5. – ‘ergehen, geschehen’ disv vrtail geviel ze Visherhvsen an den næhsten dvnrstage vor sant Margaretvn tac UrkCorp (WMU) 1444,4

MWB 2 655,62; Bearbeiterin: Czajkowski

gevallesam Adj. ‘angemessen’ sô wart daz kint Tristan genant, [...] der name was ime gevallesam Tr 2004; diu rede und der rât dunket mich / gevüege unde gevallesam ebd. 15421

MWB 2 657,1; Bearbeiterin: Czajkowski

gevallunge stF. ‘Gefallen’ man ensolte kein ding urteilen das nút totsúnde enist; wolte ich mine zunge bissen swerlichen dan ich enkein mensche urteilte. dis wurt geborn uz hochmuͤtekeit und eigenre gevallunge [Selbstgefälligkeit] Tauler 74,15

MWB 2 657,5; Bearbeiterin: Czajkowski

gevalte Subst. ‘Falte(nwurf)’ si enmache ir gewant alsô lanc / daz der gevalden nâchswanc / den stoub erweche Erinn 324

MWB 2 657,10; Bearbeiterin: Czajkowski

gevanclich Adj. ‘wie ein Gefangener, gebunden, unfrei’ der ellenden juden vart / gevangen fuor gên Babilôn, / wan sî twinclîchen unschôn / drîstunt zwênzc und zehen jâr / dâ beliben offenbâr / in gevanclîcher art Reinfr 26741; mit gevanclîcher pfliht ebd. 25112

MWB 2 657,13; Bearbeiterin: Czajkowski

gevancnisse, gevencnisse stFN. auch givenkinissi ( Mühlh 150,2 ). 1 ‘Gefangenschaft’
1.1 übergehend zu ‘Gefängnis’
1.2 ‘seelische Gefangenschaft’
2 phras.: (jmdm.) gevencnisse sichern ‘sich jmdm. ergeben, sich für gefangen erklären’ (nur Lanc , s.a. Friedrich, PhrasWB , S. 164)
   1 ‘Gefangenschaft’ im [Gawan] was gevancnusse leit, / die frou Ginovêr dolte, / dier dâ mit strîte holte Parz 387,6; die dirti eapht [l. ehaft ‘rechtlich anerkannte’] noit, daz is givenkinissi daz ein man von umi selbin nicht virdinit inhabi noch virsculit Mühlh 150,2; Lanc 585,23. – ‘Gefangennahme’ [sie] wuntin dâ inmanc [unter ihnen] / einin Prûzin [...]. von des gevengnisse / wart der Pruzîn houbitman / sô gar betrûbit NvJer 14388; allen den schaden, den si in diseme vrluge hant getan phaffen vnd geistlichen luten mit robei, mit brande, mit gevancnizzen UrkCorp (WMU) N14,30    1.1 übergehend zu ‘Gefängnis’ alle, die mit vͦnseme heren gevangin worden, die sal die stat los inde quit lazen van ierme geuenkenisse UrkCorp (WMU) 78,19; unde ist ouch, daz die schult sô ungevûge ist oder sie iener sô lange hat getrîben oder sô ofte in schult ist gevallen, [...], daz billich ist, daz man in [...] êweclîche in gevancnisse beslîze StatDtOrd 86,2; die jungfrauw vom lack [...] gedacht lang wie sie die zwey kint ußer des konig Claudas gefengniß brecht Lanc 50,8. 80,33; Daniel 4385. – übertr.: eya min allerliebste gevengnisse, da ich [die Seele] inne gebunden bin, ich danken dir [dem Körper] alles Mechth 7: 65,19    1.2 ‘seelische Gefangenschaft’ wis diemuͦte, sô zuͦhet dich unde loͮset dich mîn gvͦte uon der geuancnusse unde uon der uerherde des tieuueles TrudHL 105,23; die not, die wir lident in des tiueles geuancnisse Lucid 109,10; Tauler 77,13    2 phras.: (jmdm.) gevencnisse sichern ‘sich jmdm. ergeben, sich für gefangen erklären’ (nur Lanc , s.a. Friedrich, PhrasWB , S. 164): seht hien myn schwert off, ich sicher uch gefengniß Lanc 164,1; ‘nu sichert mir gefengniß!’ sprach er, ‘oder ich slag uch zuhant uwer heubt ab.’ ebd. 182,3 u.ö.

MWB 2 657,19; Bearbeiterin: Czajkowski

gevancnissede stF. ‘Gefangenschaft’ zaige dîne geuancnusse [La. gevuancnuste ] unde dînen presten mit dîner riuweclicher gehugede unde mit dîner emzigen flêhte mîneme gewalte. er mach dich wol irledigen TrudHL 105,14

MWB 2 657,57; Bearbeiterin: Czajkowski

gevangen swM. (subst. Part.-Adj.) auch gefanger, gevangener. ‘der Gefangene’ Parzivâl der werde degn / hiez der gevangen schône pflegn / unz an den dritten morgen Parz 208,24; nie gevangener wart gederret / in gevenkniße so swinde / als ich Minneb 2558; swa der lantman her in kumt, den sol enhein burger vahen eim anderen lantman zeliebe, noch angrifen [...]. und sol den gevangen unschadehaft machen und wider geben al sin guͦt StRZürich(B) 48,3; du müst mein gefanger sein GrAlex 5229. 5301; UrkCorp (WMU) 1393,29; Lanc 332,23. 477,14. – übertr.: vrouwe Minne, ich muoz sîn / dîn gevangen Wig 8111; Mechth 1:28,9; KLD:GvN 48:3,5; die armen súnder und die guͦten und die gevangenen des vegfúrs Tauler 165,24. 76,32; HvNstAp 3324; HvBurg 4159

MWB 2 657,62; Bearbeiterin: Czajkowski

gevangenlîche Adv. ‘wie ein Gefangener’ ein ieglich dinc von banden strebt, / daz gevangenlîche lebt Freid 129,26; so ergib ich mich ân allen strît / gevangenlîche in dînen rât Wh 159,29

MWB 2 658,14; Bearbeiterin: Czajkowski