gestênde
stN.
‘Zeugnis, Aussage’
der daz allez gesên het / er mit zûgnis des gestêt, / ouch
wâr ist sîn gestênde, / er weiz ouch ûf ein ende, / swaz er sprichet daz ist wâr, /
daz ir geloubet âne vâr JvFrst
10943;
‘Eli, Eli, / lamazabathani?’ /
[...] Eli ist der name sîn, / i besunder sprichet
‘mîn’, / lama ‘war um’ ist sîn genende, / zabathani stift
ditz gestende / daz ‘verlâzen’ ist vermelt ebd.
9918.
6981
MWB 2 599,1; Bearbeiterin: Baumgarte
gestendic
Adj.
1
‘Beistand leistend, beständig, treu’
2
‘unveränderlich’
1
‘Beistand leistend, beständig, treu’
sit mir nu gestendig. / wizzet, ez ist unwendig, / ich
[...] wil die heiden pfenden, / mag ich, mit solhen
pfanden / daz sie uz minen landen / mit shanden muͤzen riten
Rennew
13731;
alsô soltû sîn / mit triuwen uns gestendic / und bis dar an genendic, / daz dû
mit triuwen uns gestêst / und dû uns niht abe gêst / KvWTroj
46133;
swer [...] da wider wirbet ald des hilfet, da mit
unser gesetzede ald unser gewerb gekrenket ald geirret mu̍gen werden, dem und
allen dien, die ime des gestendig werin StRZürich(B)
107,20
2
‘unveränderlich’
vnd svͤlen die pfenning, di man nu schierst verniwͤt, stæt
beleiben vnd gestendich sein bis an vnser peder tot UrkWittelsb
2,146
(a. 1307);
wan wir nu gestendich pfenning haben, so wellen wir und setzen, daz man bi dem
niwͤn wein dez pesten Welchweins den halben pfunder umb zwen pfenning
schenchen und niht hoͤher StRMünch
278,18
MWB 2 599,9; Bearbeiterin: Baumgarte
gestenke
stN.
Koll. zu stanc
‘Gestank’ (vgl.
gestanc
):
[denen die Welt] vil zu gibt der eren, / die betreugt si
dester e / in ires rechtes schrenken, / und nach wollust tut si we / mit wurmen und
mit gestenken SeeleLeichn
344
MWB 2 599,28; Bearbeiterin: Baumgarte
gestepfen
swV.
→
stapfen
MWB 2 599,33;
gestëppe
stN.
Bed. unklar, ‘bestickter oder mit Ziernähten versehener Teil der
Bekleidung’ (?) (zu
stëppen
; vgl.
stëppe
stN.):
in valde / lag ir veyertaglich gewandt, / sie trabt und gieng ein zelte
[l. enzelt
] . / wer möcht ir gevolgen, wer
sie iungk? / ir gesteppe [La. gestüppe
] was
gekrispet hart woll Neidh(S)
1,447c51:4,9
MWB 2 599,34; Bearbeiterin: Baumgarte
gëster
Adv.
auch gesteren (
PassI/II
387,38
), gesterne (
TürlArabel
*R 315,9
), gesterren (
Lilie
73,10
), gestern (
Parz
49,20
u.ö.), gestren (
PrEngelb
193,4
).
zur Bezeichnung des vorangegangenen Tages ‘gestern’
hêr künec, ich wil iu hiute tuon / als ir mir gestern tâtet,
/ dô ir mich ruowen bâtet. / nu ruowet hînt Parz
707,17;
schamt er sich gestern sêre, / des wart hiute zwir mêre
Wh
317,1;
und ir herze vliuget noch in gestern, noch in morgen
Eckh
5: 60,24.
– in unterschiedlichen kombinierten Zeitangaben:
ich kam alrêst gester Iw
4734;
gester umbe den mitten tac Tr
8827;
diu sah in gester an dem tage ebd.
14985;
gestern morgen kamen wir zwo in jhenen walt geritten
Lanc
411,3.
489,32;
sît gestern ist sie nâch tôt Eracl
3488.
3522;
gestren zuo der sibenden zit des tages PrEngelb
193,4;
Wig
8505.
8542
MWB 2 599,41; Bearbeiterin: Baumgarte
gësteric
Adj.
‘gestrig, von gestern’ (vgl.
gëster
):
wir lesent in dem hütigen ewangelio vnd in dem geisterigen, wie der
guͦte sant Johannes geborn wart in dise welt PrEls
77,218;
tusent jar sint also kurcz, also der gesterige dag ebd.
67,199;
tach der gestrige [interl. zu dies
hesterna
]
PsWindb
89,4;
Jüdel
325;
Syon
383;
er versmæht daz gestrig ezzen BdN
143,32;
mir düt die gestrige lere / in dem hertzen also we
HvNstAp
1907
MWB 2 599,58; Bearbeiterin: Baumgarte
gesterkede
stF.
‘Stärke, Gewalt’
cornu: gisterchida Gl
1:638,16
(BStK604)
MWB 2 600,3; Bearbeiterin: Baumgarte
gesterken
swV.
→
sterken
MWB 2 600,5;
gesterkunge
stF.
‘Stärkung, Unterstützung’
dannen [vom Hl. Geist] chumet uns
chiuske, gesterchunge maiste / an dem muote unde an dem libe, diu heizet rehte
underscide AvaLJ
214,4
MWB 2 600,6; Bearbeiterin: Baumgarte
gësterlich
Adj.
‘gestrig’
der dac gesterlicher [interl. zu dies
hesternus
]
PsTr
89,4
MWB 2 600,10; Bearbeiterin: Baumgarte
gestete
swN.
‘Gestade’ (vgl.
gestat
):
mit hâken und mit rechen grôz / zugen si die tôten ûf / und
truogens an daz gestet ze hûf / und lôsten in den harnasch ab Ottok
17286.
97003;
der dich in grosser schwere / an des meres gestetten vant, /
da dich ain prett trug an das lant HvNstAp
18258
MWB 2 600,12; Bearbeiterin: Baumgarte
gestich
stN.
→
gastach
MWB 2 600,18;
gestichelunge
stF.
‘Überstürzung’ (?):
precipitationis: gestichilunga Gl
1:517,44
(BStK681)
MWB 2 600,19; Bearbeiterin: Baumgarte
gesticke
stN.
‘Dorngestrüpp’
da sij mir daz hatte gesagt, / fing ich an zu
[...] gesehen wo die mynste dicke / were und das
kleyneste gesticke / an der hecken und daz mynneste stechen Pilgerf
6996
MWB 2 600,21; Bearbeiterin: Baumgarte
gestickelet
Part.-Adj.
‘bestickt’
ouch wâren golter dar geleit, / gestickelt wol mit sîden Wigam(B)
W 4403
MWB 2 600,25; Bearbeiterin: Baumgarte
gesticlîchen
Adv.
‘in feindlicher Haltung’ (vgl.
gastlich
und
gasteclîche
):
die baiden fúrsten wit erkant, / brahtent gesteclichen in das
lant / vier hundert ritter, die mit kraft / kunden uͦben ritterschaft
RvEWh
8340
MWB 2 600,28; Bearbeiterin: Baumgarte
gestiebe (?)
stN.
‘Staub’ (vgl. Anm. und Glr.z.St.; vgl.
gestüppe1
):
o muter, mir vergib, / das ich dich zele zu gesipp / mir
armen stoube und gestieb [Hs. gestip
]
Mügeln
164,3
MWB 2 600,33; Bearbeiterin: Baumgarte
gestieren
swV.
Bed. unklar, ‘schmücken’ (?) (vgl. Anm.z.St. und
gesten
4, sowie Suolahti, 1,96):
Smirzwol kan sîn rede wol dar gestieren RvZw
250a,7
MWB 2 600,37; Bearbeiterin: Baumgarte
gestifte
stN. , gestift
stF. (s.u. 1.
JTit , Vät , Martina )
rip. auch gesticht (z.B.
HagenChr(G)
1661
und
gestite UrkCorp (WMU)
21AB,41
).
zu unterschiedlichen Verwendungsweisen von
stiften
swV.
1 das von jmdm. veranlasste Werk ‘Gründung, Stiftung’ , auch der ins Werk gesetzte Entwurf 2 kirchliche Gründungen aufgrund von Stiftungen, wie Kirchen, Klöster, Spitäler etc.
(mit fließendem Übergang zu 1 ; weitere Belege vgl. DRW 4,581f. und WMU 1,685) 3 Bereich bischöfl. Landesherrschaft ‘Hochstift, Erzstift’ , auch
‘Domkapitel’
4
‘Testament, Vermächtnis’
5
‘Anschlag, Gewalttat’ (vgl.
stiften
im Kontext von Gewalt und Verbrechen
‘begehen’ )
1
das von jmdm. veranlasste Werk ‘Gründung, Stiftung’, auch der
ins Werk gesetzte Entwurf:
ouch wundert sie der mære / wer der fürste wære, / der mit gewaltiger hant /
der gote gestifte [die Gründung der Götter (Theben)] hete
verbrant UvEtzAlex
3966;
der stein [...] zimt [...]
zewunsche an der gestifte [der Planung und Erbauung des
Gralstempels]
JTit
335,4;
zeimal er zun bruderen quam, / daz [diese Gemeinschaft, das
Kloster] was sin selbes gestift
[Gründung] , / des er mit der genaden gift / wol
begunst hete alda PassIII
409,29;
Kyôt der meister wol bekant / ze Dôlet verworfen ligen vant /
in heidenischer schrifte / dirre âventiure gestifte [Ausgangsdokument,
Entwurf]
Parz
453,14;
Alexander, / daz wêre ein michil wunder, / hêtistu alsus
lîhte [mit dem laut ausgesprochenen Wunsch] / mir nû
mîn gestifte [das in meinem Auftrag entstandene Werk (eine
kemenâte auf Rädern)] / mit dînen worten benomen
SAlex
6130;
daz holtz daz in wart gegraben / durre unde ane saf gar, /
darnach uber dru jar / begonde ez lusteclich sich irgruen, /
[...] / brahte ez sine artliche vruht. / der alde
vreute sich der gift [Gabe] / an der durren gestift
[an der ursprünglich dürren Setzung, dem vertrockneten
Ursprung]
Vät
22154.
– auch der göttliche Entwurf, der vorherbestimmte Lauf der
Heilsgeschichte:
da uon nimet in [Abram] di schrift / an der
werlde gestift / zume dritten houbit man / da di dritte werlt hebit an
[zum Begründer des 3. Weltalters] / der was er
stam vnd anvanc ChristhChr
4644;
daz erfullit hat div schrift / der wissagen vmbe die gestift / ‘wan
sol sines gebeines / zerbrechin hie dekeines’ / daz was och wol gefüege /
daz man im [Christus] niht zerslüege / sin rein
gebein vnd siniv lit Martina
39,60;
Pilatus minner het getân [hat weniger Schuld
auf sich geladen] , / wan er ein heidenischer man / was und
erkante harte [kaum] / wer Jesus wêre in sîner arte, /
di juden aber ûz der schrift / westen alle sîn gestift [
‘Bestimmung’ (vgl. V. 7055-61); Glr.z.St.:
qualitas naturae
]
JvFrst
7080
2
kirchliche Gründungen aufgrund von Stiftungen, wie Kirchen, Klöster, Spitäler etc.
(mit fließendem Übergang zu 1; weitere Belege vgl. DRW 4,581f. und WMU
1,685):
do daz nuwe gestifte / alsus was berichtet / mit den gotis
dienist luͦten Ägidius
841;
dar na giengen si seder / vort in dat
gestichte [
munster, vgl. V. 409] , /
[...], / umbe godes geruͦken / inde sine genade
suͦken MorantGalie
415;
und uber ein cleyn wil sah er die großen säle
[seiner Burg] darnyder fallen und die kirchen und
alles das groß gestifft und sah die flammen freischlich gein hymel schlagen
Lanc
12,14
3
Bereich bischöfl. Landesherrschaft ‘Hochstift, Erzstift’, auch
‘Domkapitel’
von Rîge ein bischof ist genant, / der hât burge unde lant / in sînem gestifte
wol gelegen LivlChr
6675;
uch zo herren byn ich gesat, / zo berichten uch ind ure stat, / dar zo des
gestichtis burge ind lant, / dar umb hain ich umb uch gesant HagenChr(G)
1661;
dat dir bischof inde sin gestite [
archiepiscopus et ecclesia
Coloniensis 21AB,21] sin gut in sulcheme rethe behaldin
sal UrkCorp (WMU)
21AB,41
4
‘Testament, Vermächtnis’
mir tut so we die gifft [das Gift, mit dem Alexader ermordet
wird] / daz ich mag haben kain gestifft GrAlex
6150.
– auch das Alte Testament:
noch rure ich daz ich rurte e, / daz got in der alden e /
geloubete zu sendene / die werlt zu vorendene / den wissagen Elyam, / der durch
daz alleine quam / in dem alden gestifte, / wen nicht wen einer gifte / gelobede
bi den ziten was / do gelobet wart Elyas HeslApk
18423
5
‘Anschlag, Gewalttat’ (vgl.
stiften
im Kontext von Gewalt und Verbrechen
‘begehen’):
da von sich Job zu aller zit / vorchte und sach sich umme
wit, / so daz man im icht lagete / und sin leben veragete [Gl.z.St.:
verhagete oder verjagete (?)] / mit dem
swerte oder mit gyfte / oder mit anderleyge gestifte Hiob
6128
MWB 2 600,41; Bearbeiterin: Baumgarte
gestille
stN. (?)
Bed. unklar; i.d.R. als Subst. aufgefasst, bei Roediger als Inf. (vgl. Anm.z.St.);
wohl ‘Abwesenheit von Menschen, menschenleerer Bereich’
mit deme grozen schalle [wegen des festlichen
Treibens] / virmissin sie din alle [nehmen sie Dich
alle nicht wahr] / ich gescheffe ein gestille / vor
[Hs. von
] der kuninginne
Roth
2125
(ich sorge dafür, dass sich niemand in der Nähe der Königstochter aufhalten
wird)
MWB 2 601,60; Bearbeiterin: Baumgarte
gestillunge
F.
‘Beruhigung oder Verstummen’ (FWB 6,1647: das Schweigen der
Propheten, da sie in einem größeren Nachfolger aufgehen):
Johannes ist [...] eine erfúllunge der geseczede,
eine schaczunge dez ewangelij, eine stimme der zwelfbotten, eine gestillunge der
propheten, eine lucerne der welte ElsLA
558,5
MWB 2 602,5; Bearbeiterin: Baumgarte
gestinne
stF.
auch gestîn.
‘Fremde’ (vgl.
gast
):
mir ist freude gestîn, hôhmuot gast Parz
219,22;
do dehein wart vunden / vnder gestinnen vnd chunden
[Einheimischen] , / div wol dar zuo tohte Krone
1632;
mîn herze nie vernam / [...] sô volkomene wîsheit /
[...] / die ich alhie funden hân / an einer frouwen,
diust ein gestin UvEtzWh
4277.
–
‘weiblicher Gast’
er was gast, unt si gestin Parz
525,19;
mit cleinôte manger hande / [...] / die gestinne
dannen riten UvEtzAlex
17610;
Reiher
173.
– ironisch für weibliches Ungeziefer:
mich peiz die naht vil manic gast [
die ungenanten
würme, vgl. 340,9] / und ouch für wâr manic gestîn
UvLFrd
340,13
MWB 2 602,12; Bearbeiterin: Baumgarte
gestirn
stN.
‘Stirn’
[Kaiser Julius] der was chal, vnd das peswärt in vasst,
vnd schamt sich des vnd tzoch die lökch des hares, die auf den hals gen solten, her
über des häwpt pis an das gestyrn Schachzb
68,266;
wann der mensch zornig wiͤrt / daz im nyndert ein
ader swiͤrt / also chuntleich sam im hiͤren, / im hertzen und im
gestiͤrn / erzaigt dw sel sich aller pest Teichn
323,52
MWB 2 602,26; Bearbeiterin: Baumgarte
gestirne
stN.
auch gesterne und gestirre.
1 Koll. zu stërn(e) ,
stërre
1.1
‘Menge aller Sterne’
1.2
‘Sternenkonstellation’
2 als Bezeichnung für einen einzelnen Himmelskörper ‘Stern,
Himmelskörper’
1
Koll. zu stërn(e),
stërre
1.1
‘Menge aller Sterne’
were die sunne also hoch also die sternen, si duhte vnz
alse smal alse daz gestirne Lucid
49,8;
die sunne nicht me enschinet, / daz gesterne noch der
mane, / der himel steit ir dan ane HeslApk
22301;
schone ist die tochter sin / siv luchit vz deme gedigene /
so daz gesterne tvͦt vun deme himele Roth
72;
bevilch der Witze daz sie / die roz [die
Sinne mit Ausnahme des Hörens] nit laufen laze / in der
planeten straze / [...], / daz sie iht werden irre / in
dem himel da daz gestirre / inne get zu aller zit HvNstGZ
1102;
Lilie
26,7;
als daz gestirne an dem himel unzallich ist, also sint dú
minnezeichen miner grundlosen minne ungezellet Seuse
290,17
1.2
‘Sternenkonstellation’
Aristotiles [...] lartin alle di
cundicheit, / wî der himel umbe geit, / [...] /
zerkennene daz gestirne und sînen ganc, / dâ sih di wîsen
veren [Seeleute] mite bewarint, / dâ si in dem
tiefen mere varint SAlex
224;
VAlex
194;
Flegetânîs der heiden sach, /
[...], / im gestirn mit sînen ougen / verholenbæriu
tougen Parz
454,19;
des namen las er sunder twâl / inme gestirne ebd.
454,23.
–
an dem ~ sehen:
hie vor diu heidenschaft / kunden an dem gestirne
sehen / swaz in solte geschehen Volmar
777;
Herb
831;
Tr
14243;
PrOberalt
30,18.
– auch ‘Sternzeichen’
deu zaichen gend reht und vallent
schelch [schräg] von dem gestirn des krebs als
lange, piz daz der schuͤtzze gent wirt KvMSph
43,1
2
als Bezeichnung für einen einzelnen Himmelskörper ‘Stern,
Himmelskörper’
siu was ûzen und innen / von golde als ein gestirne
UvZLanz
225;
des lebens geiste ouch ußzüt / dem menschen das gestirne
[
cometa
] heiß Mügeln
265,4;
BdN
75,6
MWB 2 602,34; Bearbeiterin: Baumgarte |