gesinde
stN.
(stM.
MargAntiochII
88
)
auch gesint, aus ahd. gasindi.
1
‘Gefolgsleute, Begleiter, Gefährten’ (s.a.
ingesinde
stN.) 2 zu einer Haus- oder Hofgemeinschaft Gehörende (vgl. 2 HRG 2,319-325,
LexMA 4,1402f.) 2.1
‘Familie’
2.2
‘Dienerschaft, Gesinde’
1
‘Gefolgsleute, Begleiter, Gefährten’ (s.a.
ingesinde
stN.):
wer leitet nu die lieben schar? / wer wîset diz gesinde?
Tr
4797.
15599;
Irmschart und Heimrîch / dâ kômen mit grôzem gesinde: / vier
vürsten, ir zweir kinde, / siben tûsent ritter oder mêr Wh
142,25;
darnach solt ir myn [der
Königin] ritter sin und von mym gesinde Lanc
345,34;
der tiuvel unde die gîtigen unde die ketzer unde die wider den heiligen geist
dâ sündent, daz ist allez éin kumpanîe und éin gesinde PrBerth
1:245,19;
Iw
5934;
Wig
3720.
11290.
–
‘ich urteile, als ich vinde’, / sprach er zu sim gesinde
[Jünger Jesu] , / mit sant Johannes ich ez wol
beziugen wil Frl
9:21,8.
– in Verbindung mit himelisch:
[Maria] is ruom allis himiliscis gisindis
WernhvN
259;
in den alten zîten / vor aller slahte liuten / do erwelete im daz gotes
kint / in sîn himelischen gesint / ein juncfrowe guote, / sante Margarête
MargAntiochII
88.
– im Kampf oder Streit
(s.a.
vuoʒgesinde
,
reitgesinde
):
dô was ouch daz gesinde ze strîte hêrlîchen gar
NibB
196,4.
177,3;
die von ir gesinde dâ / ze velde lâgen erslagen, / die
hiezen si ze grabe tragen Tr
5612;
weliche stat die andern also manti umbe ein gesinde, die sol dem gesinde
halben kosten und schaden geben, die wil ez in irme dienste ist UrkBasel
4:55,23
(a. 1326).
– übertr.:
der tôt der suochte sêre, dâ sîn gesinde was. / der von
Bechelâren dô langer einer niht genas NibB
2224,3;
der jeger [...] gesach zehant
dar inne / daz gesinde der minne: / niwan ein wîp und einen man
Tr
17438;
galander unde nahtegal / die begunden organieren, / ir
gesinde salûieren ebd.
17356;
füeret in eht gegen dem galgen unde gegen des galgen
gesinde [
die erhangenen unde die
erslagenen
]
PrBerth
1:395,7;
KLD:UvL
13:2,2.
– Paarformel:
dû erlâst dîns nîdes niht / daz gesinde noch die geste
Iw
143;
von gesinde noch von gesten / wart geherberget / sô
wunneclîchen alse hie Tr
600.
2
zu einer Haus- oder Hofgemeinschaft Gehörende (vgl. 2HRG 2,319-325,
LexMA 4,1402f.)
2.1
‘Familie’
in der arche obene was mit sinem gesinde Noe / er und sine gemahele, sine
snur und ir winige GenM
28,17;
die dritten die dir bî den füezen sint bezeichent, daz ist dîn gesinde,
daz under dir ist: kint und hûsfrouwen PrBerth
2:129,39;
BuchdKg
25,12
2.2
‘Dienerschaft, Gesinde’
der butil der in sal abir nicht gebietin deme gesinde in irs herrin hus
UrkCorp (WMU)
1161A,35
u.ö.;
vil grôze klage man dâ vant / under dem gesinde
Wig
5236.
2727.
leigen unde alle der
gesinde [
familia
] , dî dâheime
wonent StatDtOrd
106,16.
115,14;
von dem erbe sol man alrêrste gelten dem gesinde ir
verdientez lôn SpdtL
99,22;
man sol daz gesinde behalten biz zem drizegesten, daz si sich die wile
besteten SchwSp
15b;
des vicetuͦms gesinde, die zu irme brode gen und die in irme huse
slafen, uber die sulen si richten WeistErf
23
(a. 1289);
SAlex
2896
MWB 2 569,10; Bearbeiter: Helmich
gesinde, gesint
stswM.
aus ahd. gasindo und gasint.
‘Angehöriger eines Gefolges, Diener, Begleiter’
(s.a.
ingesinde
swM.):
der tiufel durch ubermuot wesen wolte same got, / unt er in
verwiez daz er in ab deme himele stiez, / jouch sîne gesinden alle sant in die helle
Gen
266;
pharao daz zeichen gesach, ez doͮhte in ungemach, / er hiez im gewinnen
di zwene gotes gesinde GenM
138,3;
sît daz ich
[
Eckewart
] alêrste iuwer gesinde wart, / sô hân
ich iu mit triuwen gedienet NibB
1283,2.
411,1;
der wirt, der danne des badhovses phleger ist, sol chainen christen baden ze
chainer stunde, der niht ir [der Juden] gesinde ist,
burger noch gast noch ledigen man UrkCorp (WMU)
1331,13;
UvZLanz
3033;
Wernh
1566.
–
er hiez in geben wagene mit guote geladane, / dâ man ûffe
fuorte wîb unte chint jouch anderen gesint Gen
2471.
– übertr.:
der tievel [...] fuoret di
[Verdammten] mit grimme zuo anderen sinen gesinden /
in den ewigen tot AvaJG
27,4;
fröiden schîn treit ûzzerthalb der welte vor mîn lîb
[...]
[während innerlich Trauer herrscht] sô bin ich der welt
gesinde SM:Te
11: 1,7
MWB 2 570,6; Bearbeiter: Helmich
gesindelach
stN.
‘Gesindel’
do funden sie niht wen [...] vnde
arme gesindelehe, / vnfletic vnde vnwehe Herb
1577
MWB 2 570,29; Bearbeiter: Helmich
gesindelîn
stN.
Dimin. zu
gesinde
.
‘(kleine) Dienerschaft, (kleines) Gefolge’
dâ liez er [der Pfaffe Amis] nieman inne sîn / wan
sich und sîn gesindelîn StrAmis
2068
MWB 2 570,32; Bearbeiter: Helmich
gesinden
stV.
→
sinden
, sinnen
MWB 2 570,36;
1gesinden
swV.
zu
senden
swV.
‘etw./ jmdn. entsenden, zu etw./ jmdm. schicken’, meist
übertr.:
swaz man ie von minne las / und von liebe vindet, / daz hâten hie gesindet /
sî beide in ir sinne Reinfr
3882;
als er [Gott] daz mensche vindet,
/ dar nach er ez gesindet / zu himel oder zu helle Rennew
35904.
– mit zusätzl. Dat.:
swer hie dîne [Maria] gnâde vindet, /
dem wirt dort got sô gelindet, / daz er in im sâ gesindet / über sîn erweltez guot
SM:EvS
1: 6,7
MWB 2 570,37; Bearbeiter: Helmich
2gesinden
swV.
zu
gesinde
.
‘sich zu etw./ jmdm. gesellen, sich etw./ jmdm. anschließen’
dâ ich liute vinde, / ze den ich mich gesinde
Tr
2530;
roup unde brant und mange untât / mit hazze went zuo nîde sich
gesinden KLD:Kzl
16: 20,12;
als man von dem reichen vindet / der sich in dew hell
gesindet Teichn
180,56;
Martina
272,28.
– mit zusätzl. Dat.:
si giengen da behinden / sumeliche blinden / und wolden sich gesinden / den,
die ougen haten PassIII
446,86.
394,70;
RvEBarl
6618.
– mit Adv.:
ein burcman von Oukain / [...] wolde intzogin / der
irre der abgote / und des wâren gots gebote / mit dînste sich
înbindin [anschließen] / und cristinlîch gesindin
NvJer
22211
MWB 2 570,47; Bearbeiter: Helmich
gesindevater
stM.
‘Hausherr, für das Gefolge Fürsorge Tragender’
und die knehte des gesindevateres [
pater
familias
] di gîngen zuͦ [...]
ime EvBeh
Mt 13,27
MWB 2 570,61; Bearbeiter: Helmich
gesinne
Adj.
‘gesinnt, besonnen’
Îsôt diu wol gesinne, / diu gesinne küniginne
Tr
15469;
wie bin ich gesinne, daz ich von ir niht enkan / mînen muot gescheiden?
KLD:Sachs
3:2,5;
ich wart an ir nie valsches inne, / sît ich sî sô liep gewan. / mîn herze ist
ir ingesinde [La. ir gesinne
] / und wil ouch
staete an ir bestân MF:Hausen
11:2,7
MWB 2 571,1; Bearbeiter: Helmich
gesinne
N.
unklar, ob deverbal oder Koll.
‘Gedanken, Erkenntnis’ (hier: ‘kontemplative
Erleuchtung’):
nu sule wir beginnen / mit tifen gesinnen / ein rede duten jouch
besten / von dere himeliscen Jerusalem HimmlJer
2;
daz was Johannes evangelista, / der uber die gotes bruste /
vile suze linete unz er inslif; / sin gesinne [La.
gesiune
] waren tif ebd.
38
MWB 2 571,8; Bearbeiter: Helmich
gesinnen
stV.
→
sinnen
MWB 2 571,16;
gesinnet
Part.-Adj.
‘gesinnt, einen bestimmten sin habend’
ir [
elliu wîp
] hazzet,
daz iuch minnet. / wie sît ir sus gesinnet, / wie minnet ir sô harte / der dinge
widerwarte Tr
9882.
4924;
sô was Dêîdamîe / vil anders dâ gesinnet KvWTroj
29023;
der nagel enpfindet niht, wenn man in versneit, dann an der
stat, dâ er dem flaisch ist zuogesellet; daz ist dar umb, daz er der gesinten kreft
der sêl niht hât BdN
21,19
MWB 2 571,17; Bearbeiter: Helmich
gesint
→
gesinde
stswM,
gesinde
stN.
MWB 2 571,26;
gesippe
Adj.
‘verwandt’ (s.a.
sippe
Adj.)
1 bezogen auf Blutsverwandtschaft 2 übertr.
1
bezogen auf Blutsverwandtschaft:
din mvter vnde min vater also na / vnder in gesippe sint, /
sie sint beide eins mannes kint Herb
5947.
5953;
manic kint sînen vater möhte verderben, / wenne ofte gar nâhe gesippez bluot /
vergozzen wirt üm irdisch guot Renner
21251
u.ö.
– mit Dat.:
Môrolt dîn bruoder der was dir / nâher gesippe danne mir
Tr
10650;
dei loͮte urageten in [Isaak] sare wie
gesippe im daz wip wære GenM
48,9
2
übertr.:
des kuniges lant Agrippe hiez, Ladamus des richen, / der manheit so gesippe,
daz si von sinem herzen nie gewichen JTit
5315,2.
5530,2;
nît und zorn sint in [
unkiusche und
hôchfart
] gesippe / von des alten slangen rippe
Renner
4357.
14321;
krus har der hochvart ist gemeit, / auch gesipp ist im
[dem Kraushaarigen] die girickeit
Physiogn
126
MWB 2 571,27; Bearbeiter: Helmich
gesippe
swMF.
‘(Bluts-)Verwandte(r)’ (s.a.
sippe
swMF., vgl. LexMA 7,1934):
durch waz die ungemagen [Unverwandten] die gesipten
[La. gesippen
] under dringen, / an ellen,
an kraft die wagen? JTit
4135,1;
[der Antichrist] wirt in unfuͤre / mit
boͤsem uber huͤre / von zwein gesippen geborn, / an alle
duͤgent ein hage dorn HvNstGZ
5036;
o muter, mir vergib, / das ich dich zele zu gesipp
Mügeln
164,2;
Neidh
WL 35:6d,13;
Hiob
6494.
9435
MWB 2 571,44; Bearbeiter: Helmich
gesippe
stN.
‘(Bluts-)Verwandschaft’
alle die, die avch der vater nimt zi gzvgen vor dem rihter vber alle die sache
[...], die schvln des niht vberich werden weder durch
gesippe noch durch tekain sache, si gestan den dem vater der worhait
UrkCorp (WMU)
3110,15
MWB 2 571,53; Bearbeiter: Helmich
gesippede
stF.
‘(Bluts-)Verwandte’
von unkivschekeit koment drizehen sivnde. [...] dv
zwelftiv heizit vnkivschekeit began mit e livten, oder mit gesipiden, oder mit
gevetirden, oder mit goetiden, oder mit megeden, oder mit wittewen, oder mit
geislichen livten Bihteb
35;
et requirebant eum inter cognatos et notos: vnd suͦchten in vnder ir
frúnden vnder gesippiden vnd vnder den bekanten EvAlem
55(L 2,44)
MWB 2 571,59; Bearbeiter: Helmich
gesippeschaft
stF.
s.a.
sippeschaft
.
‘(Bluts-)Verwandtschaft’
an im [Christus] wart der natûre kraft / in wernde
[andauernde] wirde erhoehet und erniuwet: / geselle
und gesippeschaft / des toufes ê versigelt und vertriuwet Boppe
1:11,13
MWB 2 572,4; Bearbeiter: Helmich
gesite
Adj.
vgl.
gesitet
.
‘geartet, beschaffen’
nu bin ich sô gesitte, / hæt ich hie guot und êre, / daz næm
ich vür daz mêre SM:UvS
31: 1,9;
also ist got nicht gesitt: / er wil daz man in lob und pitt
Teichn
40,79;
man merkt kuntlich an den oͮgen wie ein hertz gesitt
ist Seuse
481,5;
WhvÖst
1854;
Mügeln
330,3.
– oft in Verbindung mit rëht, wol:
hie von sô wart si wol gesite Tr
8024;
ein mildez herze er hât, / semftmûtic, wol gesit
Kreuzf
359;
KvWEngelh
5116;
KvWTroj
16055
u.ö.;
ein wol gesitter muͤt Teichn
68,2;
ein recht gesiter man ebd.
376,33.
– subst:
diu stolze und diu wol gesite / si gieng im sitelîche mite
Tr
11085;
daz man ze Troye sende / die clâren und die wol gesiten
[
Esîonâ
]
KvWTroj
17925;
KvWPant
1576
MWB 2 572,9; Bearbeiter: Helmich
gesite
stM.
‘Brauch, Gewohnheit, Sitte’
die burgêre [von Riga] santen dar / rasche helde an
die schar; / pilgerîme vûren mit, / daz was von alder ir gesit LivlChr
11863;
diu edeln tuoch der altar / bereiten si gar älliu dar / unde zierten si dâ
mite / nâch der hôchgezîte site [La. hochgezite
gesitte
]
WvRh
1114
MWB 2 572,24; Bearbeiter: Helmich
gesiten
swV.
‘beruhigen, bändigen, die Gepflogenheit (wieder-)herstellen’
mit [...] lieplich lachen / custe
Amor den zuͦessen mont / mee wan hondert dusent stont. / want her heyß und
dorst had leden, / cuͦndmen Amor nicht geseden MinneR496
248
MWB 2 572,31; Bearbeiter: Helmich
gesitet
Part.-Adj.
vgl.
gesite
Adj.
‘geartet’
Isôt alsô gesitet was / und was ir ouch gezême gnuoc, / daz
sie stêtes gerne truoc / ein vrischez bluomenkrenzelîn HvFreibTr
3762
MWB 2 572,37; Bearbeiter: Helmich
gesitze
stN.
Koll. zu
siz
.
1
‘Sitzgelegenheiten, Sitze’
2
‘Anwesen, Besitztum’
1
‘Sitzgelegenheiten, Sitze’
vierzec tepch, und gesitze mêr dâ lac Parz
808,14;
alumbe an allen sîten / mit senften plûmîten / manec gesiz dâ
wart geleit, / dar ûf man tiure kultern treit ebd.
627,29
u.ö.;
die svzze [...] inphinc di himelischen crone
[...]. / swer gerne da gewunne / stvl vnde gesizze, /
der plege solicher wize / daz er die svze reine / bit rehtem herzen meine
MarHimmelf
1637
2
‘Anwesen, Besitztum’
owch laz ich im ein huobn ze Pach [...] vnt laz im
zwey gesiez, der ist einz ze Vransdorf, daz ander ist ze Ludweigsdorf
UrkCorp (WMU)
3205,18
MWB 2 572,41; Bearbeiter: Helmich
gesitzede
stN.
‘Herrschaftsbereich’ (?):
territoria: gisiezida Gl
2:601,19
(BStK637)
MWB 2 572,53; Bearbeiter: Helmich
gesiume
stN.
‘Zögern’
‘ay duͦmb gesúme’ [Ach, so
ein unsinniges Herumzögern] , sprach er, ‘warumb stent ir so
lang zu ruffen? wolt ir myns rates volgen, ich wil uch eynen man wisen der hierzu
gut und wise ist und des wir alle eren.’ Lanc
510,25
MWB 2 572,55; Bearbeiter: Helmich |