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ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   gesidele - gesinne    


gesidele stN. auch gesedele. 1 ‘Sitze, Sitzgelegenheiten’
2 Räumlichkeit, in der man sitzt, ‘Festsaal’
3 Ort, an dem jmd. angesiedelt ist, ‘Wohnsitz’
4 der sunne ‘Sitz der Abendsonne’
   1 ‘Sitze, Sitzgelegenheiten’ (s.a. sëdel ): her quam in einin vili kuniglîchen sal / ci wuntirlîchimi gesidele, / sô iz mit rehti solde sîn ci himele Anno 42,3; gerihtet wart gesidele: der künic wolde gân / ze tische mit den gesten NibB 604,1; si truogen an gesidele bréit únde lanc, / stüele unde tische Kudr 181,1; ûf ein gras / wart gesidel und wîter rinc genomn, / dâ si zem brôte solden komn Parz 803,25; Kchr 4020. 3983; Will 52,44. – ‘Thron, Herrschersitz’ des sule wir alle sin gwis, / daz er uf uor zo den himelen, / zo den heiligen gesedelen Glaub 1450; du kerten die not uesten / widir zu des keiseres gesidele Rol 1242; wis gegrüezet, donerstrâle! / dû bist in dem himelsâle / Salmônes trôn, gotes gesidel MarGr 255    2 Räumlichkeit, in der man sitzt, ‘Festsaal’ zo hove indaz gesidile / die kamerere quamin Roth 1137    3 Ort, an dem jmd. angesiedelt ist, ‘Wohnsitz’ wilde merekatzin / und freislîch gefugele, / daz hete dâ sîn gesidele SAlex 5832; ze der klâren klârheit dîner immer wernden êwikeit, [...] zuo dem immer geruowigen gesidele, zuo dem al umbe gevridem lande DvASchr 384,4; Kchr 8851    4 ~ der sunne ‘Sitz der Abendsonne’ ich kam zu Gilest inn die heubt stat, / da die sunne ir gesidel hat SalMor 256,2; nechten da die sunne under iren gesiedel solte gan ebd. 679,3; div perhtel [glänzende, leuchtende] sunne / uertribe daz genibele / uz dem ir gesidele Wernh D 3848

MWB 2 565,33; Bearbeiter: Helmich

gesidele stM. ‘Tischnachbar’ accubitor: gisedalo Gl 2:19,1 (BStK686)

MWB 2 565,62; Bearbeiter: Helmich

gesigære stM. ‘Sieger’ Diterich Russouecz, / ein gutir jungir, wol geczogin stets, / der vndir den gesigern / als ein horn dem einhorn / irwirbet ruom vnd gutin leunt Dalimil 60,38. 45,39. 45,53; an vaterlicher ere gesiger [interl. zu in paterne glorie victor ] PsM H 62,6. H 65,3

MWB 2 566,1; Bearbeiter: Helmich

gesige stM. ‘Sieg’ daz der han kræe nâch dem streit und nâch dem gesig und niht diu henn BdN 192,26; so behielt ie der hertzog Obreht den gesig und gewan daz romesche riche mit gewalt des tages mit strite ClosChr 62,27. 42,16; es ist nit swer noch engestlich so der mensche sinen strit und sinen gesig uf got lot Tauler 405,23; Daniel 5889

MWB 2 566,7; Bearbeiter: Helmich

gesigel stN. meist → ingesigel . ‘Siegel’ die burger gemeinlich sint ueberein komen, daz der burger gesigel nieman han sol StRReinf 249; dar vmbe henkent die vor genanten [...] ir gesigel an disen brief UrkCorp (WMU) 412,20. 146,20

MWB 2 566,14; Bearbeiter: Helmich

gesigen swV. ‘siegen, die Oberhand behalten’ 1 ohne Erg.
2 mit Präp. meist ‘etw./ jmdn. besiegen, überwinden’
2.1 über (mit Akk.)
2.2 ane (mit Dat.), (s.a. ane sigen )
3 subst. Part.Präs. ‘Sieger’
   1 ohne Erg.: er wânte, daz er gesigin solti Spec 59,20; untruwe nemac nicht gesigen, / diu hochmuͦt muz ie unter geligen Rol 4885; ob er mit swigen da gesiget Frl 13:4,3; wie disen dingen wære, wer gesigend wer oder ungesigende JTit 4790,2. 3232,4; Parz 335,11; Tr 6099. [er] vacht selb mit weisem sinn, / und gsigt daz vechten als ein helt Suchenw 17,151    2 mit Präp. meist ‘etw./ jmdn. besiegen, überwinden’    2.1 über (mit Akk.): wenne der mensche úber sich selber gesiget, also das er pine und trost glich wiget Mechth 7: 56,7; diemuͤtigú minne von heliger einvaltekeit gesiget alleine úber die hoffart ebd. 3: 13,6    2.2 ane (mit Dat.), (s.a. ane sigen ): do gesigt er an dem helle hunde AvaLJ 161,1; helfit uns daz wir gesigen / an den slangen urmerin Litan 408; mit siner charcheit gesigt der tiufel an dem menschen PrOberalt 112,10; vil wîbes freude an dir gesigt Parz 146,11 u.ö.; NibB 114,2; PrMd (J) 343,14. – selten ‘aufgrund von etw. (jmdm.) siegen’ an disem czeichen [ das heilige cruce an dem himele ] gesigestu Konr 10,13; Vênus der hœhsten minne phligt, / ir wort an minnen kraft gesigt RvEBarl 9798    3 subst. Part.Präs. ‘Sieger’ dô sprach der unde ligende / "bistu nu der gesigende?" Parz 539,10. – subst. Inf. ‘Sieg, Siegen’ manc ritter zuo dem strîte gâht / ân sin und ân fürsetzen, / wie der strît müge geletzen. / dem volgt gesigen selten mit HvBer 10438; doch blibin sî dâ ligin / ûf kumftic gesigin / dî nacht unde hattin rû NvJer 16688; WhvÖst 3742

MWB 2 566,19; Bearbeiter: Helmich

gesigenen swV. refl. ‘sich einer Sache bemächtigen, etw. in Verwahrung nehmen’ (mit Gen.d.S.) (vgl. SchweizId, 7,507): uf dis richtunge hant mir die burger von Berne lidig und lêr verlassen allez min guͦt [...] des si sich gesigent hatten und nu in ir gewalt hatten UrkBern 5,155 (a. 1320). 5,95 (a. 1318); swer aber in der stat an êlich liberben sturbe, da sol sich der schultheiz und der rat dez guͦtes, so der lat, gesigennenn und ez behalten iar und tag [ omnia bona debent in sua custodia diem et annum indempne conservare ] StRBern 1:22,2

MWB 2 566,51; Bearbeiter: Helmich

gesihene stN. 1 ‘Sehen, Sehkraft’
2 ‘Blick’ oder ‘Anblick’
   1 ‘Sehen, Sehkraft’ sanct Maurîcîus die tievel vertrîbet, / den plinden er verlîhet / ir gesihen wol widere Kchr 6490. 2651; swenne deme menschen dehein siehtuom wirret in dem houbet, daz merch bî disen ceichen. im sint die oberen brâ swær und tunchelt imz gesihen Barth 156,18; blinden gesihene widergeben wirt [interl. zu cecis visus redditur ] PsM H 89,6; Rol 6427; PrRoth 40    2 ‘Blick’ oder ‘Anblick’ diu bein wâren im [Hagen] lanc / und eislîch sîn gesihene NibB 1734,4

MWB 2 566,62; Bearbeiter: Helmich

gesiht stFN. 1 ‘Sehen’ (s.a. gesiune )
1.1 ‘Sehvermögen’
1.2 ‘Blick, Blicken’
1.3 in Verbindung mit Präp. zuo : ‘vor Augen’
2 ‘Erscheinung’
3 ‘Aussehen, Gesicht’
   1 ‘Sehen’ (s.a. gesiune )    1.1 ‘Sehvermögen’ hastu aber bosez gesichte von der vuchte [Feuchtigkeit] di sich gesamenet hat in den ougen SalArz 39,13; der tille [Dill] stetecliche getrunken crenket daz gesichte Macer 59,9; daz gesicht, daz in den augen sitzet, gibt uns ze erkennen mêr ding denn kain ander auzwendich sin BdN 9,12. 9,31; wie wislich sich gebern / die glest in des gesichtes kern [in den Augen] Mügeln 290,2. 139,7; Lucid 150,2. 151,12    1.2 ‘Blick, Blicken’ an den grâl was er ze sehen blint, / ê der touf het in bedecket: / sît wart im vor enblecket / der grâl mit gesihte Parz 818,23; des strußes ouge heckt / des lebens geist sin blick erweckt [...] wie scharf was sin gesicht / [...] da got sin kint in solcher schicht [durch einen Blick wie der Vogelstrauß] / ließ decken ires [Marias] herzen blat Mügeln 190,5. wan daz uns der regenpog schein, daz zuo gehœrnt diu dreu: diu sunn ain seit, daz geschickt riseln ander seit und daz gesiht [Blickwinkel] ze mitlist BdN 100,13    1.3 in Verbindung mit Präp. zuo: ‘vor Augen’ do gieng er siner rihte zer aller gesihte AvaLJ 23,5; si chômen al gerihte / zû des chuniges gesihte VAlex 658. 486; kvmest dv aber fvr gerichte / zv Ysengrines gesichte ReinFu K,1808. si dienent niwan ze gesichte Erinn 208; des habe wir zvͦ einem ewigem vrchvnde vnde ander, di ze gegenwuͦrt vnde ze gesihte waren, dise hantveste [...] gegeben UrkCorp (WMU) 597,30; swer vor gericht bechlagt wirt und ist er da nicht ze gesichte [anwesend] DRW 4,538 (SchwspVar.; a. 1300). ez wer Symon der verloren. / der wider da ze gesicht lag [zur Schau liegen] : / sich selb er pergens pflag Märt 10971. – ‘unter Aufsicht, in Obhut’ da vunden si den gotesun. / ze des wibes gesihte befulhen AvaLJ 112,2; swer aus den padstuben icht stilt gwant [...] und hât jener daz gewant der gwanthuetterinne enpholhen zu irer gesicht RbRupr 102. – phras. ‘von Angesicht zu Angesicht’ hei, welhe fróde di hant, die den vater vnde den sun vnde den heiligen geist sehent uon gesihte zuͦ gesihte! Lucid 158,26    2 ‘Erscheinung’ – ‘Trugbild’ ein gruwelich gesiht der tiuele vnde der drachen Lucid 128,13; vertreibt diu schedleichen gesiht in dem slâf BdN 449,7; HvHürnh 52,10. – ‘Offenbarung, Vision’ (vgl. gotesgesiht ): der gebreste menslicher vnvollebrahtekeit der erkennet sich niender bas denne in deme liehte gottes erkantnvste vnde in deme spiegil siner gesihte DvAStaff 590; da bi sol man merken, wie wunneclich ist gottis volle gesiht ebd. 425; das machet das gesicht bekant / Ezechielis jüdischer schar Mügeln 95,3    3 ‘Aussehen, Gesicht’ díu uuât den lîchamen zîeret in ménnisken gesíhte Will 66,13; die stimme gelster vnde lut [...] ir gesichte licht vnde clar, / roter mvnt, wizze zane Herb 3256; ir gesihte: / daz was sô rehte minneclîch, / sô süeze und alsô senerîch Tr 16506. 12348; wiser man, gelart, / das du in erkennest von gesichte Mügeln 329,4

MWB 2 567,8; Bearbeiter: Helmich

gesihtic Adj. 1 mit den Augen wahrnehmbar, ‘sichtbar, erkennbar’
2 zur inneren Schau befähigt, ‘innerlich schauend, offenbar’
   1 mit den Augen wahrnehmbar, ‘sichtbar, erkennbar’ der gesihtig hýmel, den wir erkennent an siner herschefte: an der sunnen, bi dem mâne und an den sternen PrGeorg 131,1; ich [Partonopier] si [Meliur] gemache / den ougen mîn gesihtic KvWPart 7751; swenne uns daz alter die gesiht / betimbert al ze sere, / daz wir die edelen schrift niht / wol gesehen mügen mere, / so sint unser kere / zuo z’einem liehten spiegel [Brille] klar, / der uns die schrift erliuhten kan / unt wol gesihtik machen AMeissn(H) 2; 322,32; HeslApk 3137. – subst.: da von sprichet st. Gregori [...], daz »in diser welt dem gesihtigen nihtes niht bereit mag werden denne übermitz [vermittels] die unsihtegen creature« [ in hoc mundo visibili nihil nisi per creaturam invisibilem disponi potest ] ThvASu 220,24.    2 zur inneren Schau befähigt, ‘innerlich schauend, offenbar’ dicz contempliren [...] swendet sunde und vertreibet untugent, es mahet uns gesichtich MvHeilFr 48; wie man diz gesihtic gemüete besitzen sol? daz ist an einer stêten înbildunge des menschen in im selber Eckh(Pf) 251,27; daz dritte ist ein gesihtic gemüete. hier inne hât diu sêle got. waz beschouwet diu sêle, sô si got beschouwet? ebd. 252,12

MWB 2 568,5; Bearbeiter: Helmich

gesihticlich Adj., Adv. adv. auch -lîchen. ‘sichtbar’ he hait geschaffin di gesichticlichin und unsichticlichen dinc Parad 32,18; daz du an dinem libe glantz / gesichticlich macht an dir haben Minneb 547; dô fuor er gesihticlîche / in daz himelrîche LBarl 14516; er wart gevangen / vnde an daz cruce erhangen / vnde erstunt von todes not / vnde sich gesichtenclichen bot / den iungeren daz han ich gesaget PassI/II 120,10; Marner(W) 7:22,12; TrudHL 79,6; Seuse 295,22

MWB 2 568,30; Bearbeiter: Helmich

gesihtlich Adj., Adv. ‘sichtbar, leibhaftig’ daz dû vil ungetrûwe zage / dich lâzest hier gesihtlîch sên! EbvErf 2305; dô der bischof alsus lac, / in unmuote er slâfes phlac, / sîn bruoder keiser Heinrîch / erschein im dâr gesihtlîch ebd. 2608; súllen wir komen in ein bekentnisse der unsichtlicher dinge, so muͤssen wir úber tretten die gesichtlichen ding Tauler 239,23. 357,28; Seuse 427,9

MWB 2 568,40; Bearbeiter: Helmich

gesimeʒe stN. ‘Gesims’ (vgl. LexMA 4, 1401f.): uf der tresilkamir [Schatzkammer] [...] von dem obirsten gesimse in dem ingange der nuwin phorten des husis des herren Cranc Jer 36,10; die ziegel alle glûden / von arabischem golde. / darumbe stûnd ein dolde / von posten und viôlen [Fiale] , / wintburgelîn [Wimperg] , gargôlen [Wasserspeier] , / gesimse darunder Erlös 443

MWB 2 568,48; Bearbeiter: Helmich

gesimeʒet Part.-Adj. ‘mit einem vorstehenden Zierrand, Sims versehen’ da giengen in aht porten / gesimset und gestainet WhvÖst 15427; versimzet und verspinnelt [La. gesumptzet vnd gespinnelt ] die kanzel warn alumbe / vil schone dar uf gezinnelt JTit 417,1; vnd sind dy veld geuiert vnd das pret aussen vnd ynnen gespengt vnd gesimpt tzw ainer tzir des spils Schachzb 113,23

MWB 2 568,56; Bearbeiter: Helmich

gesin stM. zu sin . nur in älterer Überlieferung belegt, ‘Verstand, Bewusstsein, Besinnung’ got gab im den gesin / daz er den esel zeiner chrippe treip AvaLJ 13,2; ih enhân gesunt noh gesin: / ih pin ein lamiu durftigîn Kchr 2651; si nehabent gesin noch gedanch ebd. 8181; dû ir îgelicher daz ersach, / daz in dî juden îlten nâch, / sî lîzen gewant unde gezelt, / [...] / sî vluhen alle âne gesin JJud 1686; VEzzo 53; VMos 33,3; AHeinr 315

MWB 2 569,1; Bearbeiter: Helmich

gesinde stN. (stM. MargAntiochII 88 ) auch gesint, aus ahd. gasindi. 1 ‘Gefolgsleute, Begleiter, Gefährten’ (s.a. ingesinde stN.)
2 zu einer Haus- oder Hofgemeinschaft Gehörende (vgl. 2 HRG 2,319-325, LexMA 4,1402f.)
2.1 ‘Familie’
2.2 ‘Dienerschaft, Gesinde’
   1 ‘Gefolgsleute, Begleiter, Gefährten’ (s.a. ingesinde stN.): wer leitet nu die lieben schar? / wer wîset diz gesinde? Tr 4797. 15599; Irmschart und Heimrîch / dâ kômen mit grôzem gesinde: / vier vürsten, ir zweir kinde, / siben tûsent ritter oder mêr Wh 142,25; darnach solt ir myn [der Königin] ritter sin und von mym gesinde Lanc 345,34; der tiuvel unde die gîtigen unde die ketzer unde die wider den heiligen geist dâ sündent, daz ist allez éin kumpanîe und éin gesinde PrBerth 1:245,19; Iw 5934; Wig 3720. 11290. ‘ich urteile, als ich vinde’, / sprach er zu sim gesinde [Jünger Jesu] , / mit sant Johannes ich ez wol beziugen wil Frl 9:21,8. – in Verbindung mit himelisch: [Maria] is ruom allis himiliscis gisindis WernhvN 259; in den alten zîten / vor aller slahte liuten / do erwelete im daz gotes kint / in sîn himelischen gesint / ein juncfrowe guote, / sante Margarête MargAntiochII 88. – im Kampf oder Streit (s.a. vuoʒgesinde , reitgesinde ): dô was ouch daz gesinde ze strîte hêrlîchen gar NibB 196,4. 177,3; die von ir gesinde dâ / ze velde lâgen erslagen, / die hiezen si ze grabe tragen Tr 5612; weliche stat die andern also manti umbe ein gesinde, die sol dem gesinde halben kosten und schaden geben, die wil ez in irme dienste ist UrkBasel 4:55,23 (a. 1326). – übertr.: der tôt der suochte sêre, dâ sîn gesinde was. / der von Bechelâren dô langer einer niht genas NibB 2224,3; der jeger [...] gesach zehant dar inne / daz gesinde der minne: / niwan ein wîp und einen man Tr 17438; galander unde nahtegal / die begunden organieren, / ir gesinde salûieren ebd. 17356; füeret in eht gegen dem galgen unde gegen des galgen gesinde [ die erhangenen unde die erslagenen ] PrBerth 1:395,7; KLD:UvL 13:2,2. – Paarformel: dû erlâst dîns nîdes niht / daz gesinde noch die geste Iw 143; von gesinde noch von gesten / wart geherberget / sô wunneclîchen alse hie Tr 600.    2 zu einer Haus- oder Hofgemeinschaft Gehörende (vgl. 2HRG 2,319-325, LexMA 4,1402f.)    2.1 ‘Familie’ in der arche obene was mit sinem gesinde Noe / er und sine gemahele, sine snur und ir winige GenM 28,17; die dritten die dir bî den füezen sint bezeichent, daz ist dîn gesinde, daz under dir ist: kint und hûsfrouwen PrBerth 2:129,39; BuchdKg 25,12    2.2 ‘Dienerschaft, Gesinde’ der butil der in sal abir nicht gebietin deme gesinde in irs herrin hus UrkCorp (WMU) 1161A,35 u.ö.; vil grôze klage man dâ vant / under dem gesinde Wig 5236. 2727. leigen unde alle der gesinde [ familia ] , dî dâheime wonent StatDtOrd 106,16. 115,14; von dem erbe sol man alrêrste gelten dem gesinde ir verdientez lôn SpdtL 99,22; man sol daz gesinde behalten biz zem drizegesten, daz si sich die wile besteten SchwSp 15b; des vicetuͦms gesinde, die zu irme brode gen und die in irme huse slafen, uber die sulen si richten WeistErf 23 (a. 1289); SAlex 2896

MWB 2 569,10; Bearbeiter: Helmich

gesinde, gesint stswM. aus ahd. gasindo und gasint. ‘Angehöriger eines Gefolges, Diener, Begleiter’ (s.a. ingesinde swM.): der tiufel durch ubermuot wesen wolte same got, / unt er in verwiez daz er in ab deme himele stiez, / jouch sîne gesinden alle sant in die helle Gen 266; pharao daz zeichen gesach, ez doͮhte in ungemach, / er hiez im gewinnen di zwene gotes gesinde GenM 138,3; sît daz ich [ Eckewart ] alêrste iuwer gesinde wart, / sô hân ich iu mit triuwen gedienet NibB 1283,2. 411,1; der wirt, der danne des badhovses phleger ist, sol chainen christen baden ze chainer stunde, der niht ir [der Juden] gesinde ist, burger noch gast noch ledigen man UrkCorp (WMU) 1331,13; UvZLanz 3033; Wernh 1566. er hiez in geben wagene mit guote geladane, / dâ man ûffe fuorte wîb unte chint jouch anderen gesint Gen 2471. – übertr.: der tievel [...] fuoret di [Verdammten] mit grimme zuo anderen sinen gesinden / in den ewigen tot AvaJG 27,4; fröiden schîn treit ûzzerthalb der welte vor mîn lîb [...] [während innerlich Trauer herrscht] sô bin ich der welt gesinde SM:Te 11: 1,7

MWB 2 570,6; Bearbeiter: Helmich

gesindelach stN. ‘Gesindel’ do funden sie niht wen [...] vnde arme gesindelehe, / vnfletic vnde vnwehe Herb 1577

MWB 2 570,29; Bearbeiter: Helmich

gesindelîn stN. Dimin. zu gesinde . ‘(kleine) Dienerschaft, (kleines) Gefolge’ dâ liez er [der Pfaffe Amis] nieman inne sîn / wan sich und sîn gesindelîn StrAmis 2068

MWB 2 570,32; Bearbeiter: Helmich

gesinden stV. sinden , sinnen

MWB 2 570,36;

1gesinden swV. zu senden swV. ‘etw./ jmdn. entsenden, zu etw./ jmdm. schicken’, meist übertr.: swaz man ie von minne las / und von liebe vindet, / daz hâten hie gesindet / sî beide in ir sinne Reinfr 3882; als er [Gott] daz mensche vindet, / dar nach er ez gesindet / zu himel oder zu helle Rennew 35904. – mit zusätzl. Dat.: swer hie dîne [Maria] gnâde vindet, / dem wirt dort got sô gelindet, / daz er in im sâ gesindet / über sîn erweltez guot SM:EvS 1: 6,7

MWB 2 570,37; Bearbeiter: Helmich

2gesinden swV. zu gesinde . ‘sich zu etw./ jmdm. gesellen, sich etw./ jmdm. anschließen’ dâ ich liute vinde, / ze den ich mich gesinde Tr 2530; roup unde brant und mange untât / mit hazze went zuo nîde sich gesinden KLD:Kzl 16: 20,12; als man von dem reichen vindet / der sich in dew hell gesindet Teichn 180,56; Martina 272,28. – mit zusätzl. Dat.: si giengen da behinden / sumeliche blinden / und wolden sich gesinden / den, die ougen haten PassIII 446,86. 394,70; RvEBarl 6618. – mit Adv.: ein burcman von Oukain / [...] wolde intzogin / der irre der abgote / und des wâren gots gebote / mit dînste sich înbindin [anschließen] / und cristinlîch gesindin NvJer 22211

MWB 2 570,47; Bearbeiter: Helmich

gesindevater stM. ‘Hausherr, für das Gefolge Fürsorge Tragender’ und die knehte des gesindevateres [ pater familias ] di gîngen zuͦ [...] ime EvBeh Mt 13,27

MWB 2 570,61; Bearbeiter: Helmich

gesinne Adj. ‘gesinnt, besonnen’ Îsôt diu wol gesinne, / diu gesinne küniginne Tr 15469; wie bin ich gesinne, daz ich von ir niht enkan / mînen muot gescheiden? KLD:Sachs 3:2,5; ich wart an ir nie valsches inne, / sît ich sî sô liep gewan. / mîn herze ist ir ingesinde [La. ir gesinne ] / und wil ouch staete an ir bestân MF:Hausen 11:2,7

MWB 2 571,1; Bearbeiter: Helmich

gesinne N. unklar, ob deverbal oder Koll. ‘Gedanken, Erkenntnis’ (hier: ‘kontemplative Erleuchtung’): nu sule wir beginnen / mit tifen gesinnen / ein rede duten jouch besten / von dere himeliscen Jerusalem HimmlJer 2; daz was Johannes evangelista, / der uber die gotes bruste / vile suze linete unz er inslif; / sin gesinne [La. gesiune ] waren tif ebd. 38

MWB 2 571,8; Bearbeiter: Helmich