Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   gesetze - gesinden    


gesetze stN. ‘Gesetz, Regelung’ (vgl. 2HRG 2,294f., LexMA 4,1388ff., LThK 4,579ff., s.a. gesetzede ) 1 auf der Autorität einer übergeordneten Instanz beruhende Verhaltensnorm; Vereinbarung
1.1 als eine göttlich gesetzte Regel
1.1.1 allg.
1.1.2 ‘Schicksal, Bestimmung’
1.2 als eine vom Menschen gesetzte Regel, i. d. R. schriftlich niedergelegtes Recht, ‘Rechtsordnung, Statut, vertragliche Vereinbarung, Artikel einer Rechtsordnung’
1.2.1 für eine geistliche Gemeinschaft
1.2.2 für ein Land, eine Stadt
2 ‘Textabschnitt, Absatz’
   1 auf der Autorität einer übergeordneten Instanz beruhende Verhaltensnorm; Vereinbarung    1.1 als eine göttlich gesetzte Regel    1.1.1 allg.: daz wort genzlîchen / ouch nicht dar zû gehôrt durch nôt, / dan von gesetze und von gebot / der kristenheit JvFrst 2112; der ê gesetze und ir recht ebd. 6306. das alte ~ ‘Bund im Alten Testament’ [ Moyses ] wolde fleisch han genuge / zu syme essen und auch blut, / da mit zu underdun das alde gesetze Pilgerf 1352. warumme ubirgên dîne jungeren di gesetze [ traditio ] der alden EvBeh Mt 15,2; EvAug 35,2.    1.1.2 ‘Schicksal, Bestimmung’ dô nâhte ir werdekeit gewin: / wand ez was ir gesetze. / dô riten se in ir letze Parz 378,27    1.2 als eine vom Menschen gesetzte Regel, i. d. R. schriftlich niedergelegtes Recht, ‘Rechtsordnung, Statut, vertragliche Vereinbarung, Artikel einer Rechtsordnung’    1.2.1 für eine geistliche Gemeinschaft: wî iz ergîng, des sagen si nicht. / sô was des ordens nâch gesetze JvFrst 1867; sol ime fuͤrlegen div gesetz der brvder vnd die gewonaiht des spitals SpitEich 5,14    1.2.2 für ein Land, eine Stadt: von dir burgere gisezzi, da ein man burgeri werdi sal Mühlh 162,15; SpitEich 14,35. 24,6; StRAugsb 74,9; wiͤr Otte von gotes gnaden bischof [...] haben gesetzt die gesetze, die hernach geschriben sint WüP 11,7; dise vorgenanten gesetze suͦln halten arm unde riche in der stat zu Wirzebuͦrg ebd. 7k,2. 7a,4. 11,8; StRAugsb 131,11.    2 ‘Textabschnitt, Absatz’ dis ist das andir gesecze der vorrede Pelzb 118,20

MWB 2 563,61; Bearbeiter: Helmich

gesetzede stFN. ‘Gesetz, Regelung’ (vgl. 2HRG 2,294f., LexMA 4,1388ff., LThK 4,579ff., s.a. gesetze ) 1 auf der Autorität einer übergeordneten Instanz beruhende Verhaltensnorm; Vereinbarung
1.1 als eine göttlich gesetzte Regel
1.1.1 allg.
1.1.2 ‘Schicksal, Bestimmung’
1.2 als eine vom Menschen gesetzte Regel, i. d. R. schriftlich niedergelegtes Recht, ‘Rechtsordnung, Statut, vertragliche Vereinbarung, Artikel einer Rechtsordnung’
1.2.1 für eine geistliche Gemeinschaft
1.2.2 für ein Land, eine Stadt
   1 auf der Autorität einer übergeordneten Instanz beruhende Verhaltensnorm; Vereinbarung    1.1 als eine göttlich gesetzte Regel    1.1.1 allg.: vnde gedenche an elliu werch diniu vnde an den geseceden dinen [interl. zu in adinventionibus tuis ] ich flize mich PsM 76,13; gesecede [ propositiones ] ebd. 77,2; des moͤchtist du [Maria] zelaide komen / und wider gottes hulden / der geseczden fluͦch verschulden, / als es geschriben ist von gotte / inher Moyses gebotte WernhMl 1484; Seuse 243,21; Teichn 568,106. – ‘das Alte Testament’, ‘das Neue Testament’ die eine das waz die alte e, das alte gesetzede; das ander die nuwe e, das nuwe gesetzede. das alte gesetzede die muͤstent alle menschen halten [...] bitze daz Cristus geborn wart Tauler 395,7. – Ordnung der Schöpfung: in alle wis die stæte behabent des gesuntes / nach dinere gesezzede in die tieffe allere dinge gruntes Himmelr 5,20    1.1.2 ‘Schicksal, Bestimmung’ der meister sprach: ein iegelich dinc het sine gesezede Lucid 106,11; ich nihabo réhte biháltin daz ambat nóh den líb [...] noh réht êra, nóh rein herza [...], mîn reht gisézzide, noch mîn guot bimeinida BambGlB 147,38    1.2 als eine vom Menschen gesetzte Regel, i. d. R. schriftlich niedergelegtes Recht, ‘Rechtsordnung, Statut, vertragliche Vereinbarung, Artikel einer Rechtsordnung’    1.2.1 für eine geistliche Gemeinschaft: ez ist ein heilsam gesetzede [ consilium ] disses ordenes StatDtOrd 42,18; in allen disen vorgenanten gesetzeden [ institutio ] [...] habe der meister des gewalt ebd. 55,32; brûdere [...], dî dâ wider ires ordenes gesezzede [ statutum ] sich anderswâr berûfent ebd. 61,10; sal man die regele unde die gesetzede [ regula ] geschriben hân ebd. 71,14; sô sal man die regelen lesen unde die gesetzede [ constitutum ] ebd. 92,12    1.2.2 für ein Land, eine Stadt: dis sint uͥnser gesezte und unser alte gewonhait UrkZürich 7,1 (a. 1297); disiu gesetzed satzet der guot sanctus Silvester der pâbest unde der künic Constantinus von Rôme SchwSp(W) 320,4; nu wizzent ir wol die gesetzet und och gebot, die wir iuch darûber gesetzet, gebotten und gemachet haben UrkFriedb 117 (a. 1332); setzen in bedenthalben von unserm cheiserlichen gewalt die gesetzt, stuck und artikel StRLauda 131. – mit Präp.: daz sint diu gesetzede von dem korn StRMeran 414; daz ist daz gesetzede über das fleisch ebd. 417; daz ist daz gesetzede umbe den wec ebd. 425

MWB 2 564,30; Bearbeiter: Helmich

gesetzedemeister stM. ‘Verfasser von schriftlich niedergelegtem Recht, Schriftgelehrter’ legisperitus: gesezde meister EvAlem 51(L 11,45); scriba: gesezde meister ebd. 65(Mt 16,21)

MWB 2 565,18; Bearbeiter: Helmich

gesetzunge stF. vgl. gesatzunge . ‘Satzung, Gesetz, Festsetzung’ wol habet ir [ di pharisei vnd alle ivden ] irrgemachet di gepot gotes. daz ir ivr gesetzvnge [ traditionem hominum Mc 7,8 ] haltet EvAug 93,15; ir zereizzet daz wort gotes dvrch ivr gesetzvnge. [ traditionem vestram Mc 7,13 ] di ir gegeben habt ebd. 93,21. [ traditiones seniorum Mc 7,3 ] ebd. 93,2; vnt binden vns [...], stete zv́ hebenne dv gvdinge vnt diͤ gesezvnga, diͤ hiͤ vor geschriben sint UrkCorp (WMU) 890,8

MWB 2 565,22; Bearbeiter: Helmich

gesëʒ stN. gesæʒe stN.

MWB 2 565,32;

gesidele stN. auch gesedele. 1 ‘Sitze, Sitzgelegenheiten’
2 Räumlichkeit, in der man sitzt, ‘Festsaal’
3 Ort, an dem jmd. angesiedelt ist, ‘Wohnsitz’
4 der sunne ‘Sitz der Abendsonne’
   1 ‘Sitze, Sitzgelegenheiten’ (s.a. sëdel ): her quam in einin vili kuniglîchen sal / ci wuntirlîchimi gesidele, / sô iz mit rehti solde sîn ci himele Anno 42,3; gerihtet wart gesidele: der künic wolde gân / ze tische mit den gesten NibB 604,1; si truogen an gesidele bréit únde lanc, / stüele unde tische Kudr 181,1; ûf ein gras / wart gesidel und wîter rinc genomn, / dâ si zem brôte solden komn Parz 803,25; Kchr 4020. 3983; Will 52,44. – ‘Thron, Herrschersitz’ des sule wir alle sin gwis, / daz er uf uor zo den himelen, / zo den heiligen gesedelen Glaub 1450; du kerten die not uesten / widir zu des keiseres gesidele Rol 1242; wis gegrüezet, donerstrâle! / dû bist in dem himelsâle / Salmônes trôn, gotes gesidel MarGr 255    2 Räumlichkeit, in der man sitzt, ‘Festsaal’ zo hove indaz gesidile / die kamerere quamin Roth 1137    3 Ort, an dem jmd. angesiedelt ist, ‘Wohnsitz’ wilde merekatzin / und freislîch gefugele, / daz hete dâ sîn gesidele SAlex 5832; ze der klâren klârheit dîner immer wernden êwikeit, [...] zuo dem immer geruowigen gesidele, zuo dem al umbe gevridem lande DvASchr 384,4; Kchr 8851    4 ~ der sunne ‘Sitz der Abendsonne’ ich kam zu Gilest inn die heubt stat, / da die sunne ir gesidel hat SalMor 256,2; nechten da die sunne under iren gesiedel solte gan ebd. 679,3; div perhtel [glänzende, leuchtende] sunne / uertribe daz genibele / uz dem ir gesidele Wernh D 3848

MWB 2 565,33; Bearbeiter: Helmich

gesidele stM. ‘Tischnachbar’ accubitor: gisedalo Gl 2:19,1 (BStK686)

MWB 2 565,62; Bearbeiter: Helmich

gesigære stM. ‘Sieger’ Diterich Russouecz, / ein gutir jungir, wol geczogin stets, / der vndir den gesigern / als ein horn dem einhorn / irwirbet ruom vnd gutin leunt Dalimil 60,38. 45,39. 45,53; an vaterlicher ere gesiger [interl. zu in paterne glorie victor ] PsM H 62,6. H 65,3

MWB 2 566,1; Bearbeiter: Helmich

gesige stM. ‘Sieg’ daz der han kræe nâch dem streit und nâch dem gesig und niht diu henn BdN 192,26; so behielt ie der hertzog Obreht den gesig und gewan daz romesche riche mit gewalt des tages mit strite ClosChr 62,27. 42,16; es ist nit swer noch engestlich so der mensche sinen strit und sinen gesig uf got lot Tauler 405,23; Daniel 5889

MWB 2 566,7; Bearbeiter: Helmich

gesigel stN. meist → ingesigel . ‘Siegel’ die burger gemeinlich sint ueberein komen, daz der burger gesigel nieman han sol StRReinf 249; dar vmbe henkent die vor genanten [...] ir gesigel an disen brief UrkCorp (WMU) 412,20. 146,20

MWB 2 566,14; Bearbeiter: Helmich

gesigen swV. ‘siegen, die Oberhand behalten’ 1 ohne Erg.
2 mit Präp. meist ‘etw./ jmdn. besiegen, überwinden’
2.1 über (mit Akk.)
2.2 ane (mit Dat.), (s.a. ane sigen )
3 subst. Part.Präs. ‘Sieger’
   1 ohne Erg.: er wânte, daz er gesigin solti Spec 59,20; untruwe nemac nicht gesigen, / diu hochmuͦt muz ie unter geligen Rol 4885; ob er mit swigen da gesiget Frl 13:4,3; wie disen dingen wære, wer gesigend wer oder ungesigende JTit 4790,2. 3232,4; Parz 335,11; Tr 6099. [er] vacht selb mit weisem sinn, / und gsigt daz vechten als ein helt Suchenw 17,151    2 mit Präp. meist ‘etw./ jmdn. besiegen, überwinden’    2.1 über (mit Akk.): wenne der mensche úber sich selber gesiget, also das er pine und trost glich wiget Mechth 7: 56,7; diemuͤtigú minne von heliger einvaltekeit gesiget alleine úber die hoffart ebd. 3: 13,6    2.2 ane (mit Dat.), (s.a. ane sigen ): do gesigt er an dem helle hunde AvaLJ 161,1; helfit uns daz wir gesigen / an den slangen urmerin Litan 408; mit siner charcheit gesigt der tiufel an dem menschen PrOberalt 112,10; vil wîbes freude an dir gesigt Parz 146,11 u.ö.; NibB 114,2; PrMd (J) 343,14. – selten ‘aufgrund von etw. (jmdm.) siegen’ an disem czeichen [ das heilige cruce an dem himele ] gesigestu Konr 10,13; Vênus der hœhsten minne phligt, / ir wort an minnen kraft gesigt RvEBarl 9798    3 subst. Part.Präs. ‘Sieger’ dô sprach der unde ligende / "bistu nu der gesigende?" Parz 539,10. – subst. Inf. ‘Sieg, Siegen’ manc ritter zuo dem strîte gâht / ân sin und ân fürsetzen, / wie der strît müge geletzen. / dem volgt gesigen selten mit HvBer 10438; doch blibin sî dâ ligin / ûf kumftic gesigin / dî nacht unde hattin rû NvJer 16688; WhvÖst 3742

MWB 2 566,19; Bearbeiter: Helmich

gesigenen swV. refl. ‘sich einer Sache bemächtigen, etw. in Verwahrung nehmen’ (mit Gen.d.S.) (vgl. SchweizId, 7,507): uf dis richtunge hant mir die burger von Berne lidig und lêr verlassen allez min guͦt [...] des si sich gesigent hatten und nu in ir gewalt hatten UrkBern 5,155 (a. 1320). 5,95 (a. 1318); swer aber in der stat an êlich liberben sturbe, da sol sich der schultheiz und der rat dez guͦtes, so der lat, gesigennenn und ez behalten iar und tag [ omnia bona debent in sua custodia diem et annum indempne conservare ] StRBern 1:22,2

MWB 2 566,51; Bearbeiter: Helmich

gesihene stN. 1 ‘Sehen, Sehkraft’
2 ‘Blick’ oder ‘Anblick’
   1 ‘Sehen, Sehkraft’ sanct Maurîcîus die tievel vertrîbet, / den plinden er verlîhet / ir gesihen wol widere Kchr 6490. 2651; swenne deme menschen dehein siehtuom wirret in dem houbet, daz merch bî disen ceichen. im sint die oberen brâ swær und tunchelt imz gesihen Barth 156,18; blinden gesihene widergeben wirt [interl. zu cecis visus redditur ] PsM H 89,6; Rol 6427; PrRoth 40    2 ‘Blick’ oder ‘Anblick’ diu bein wâren im [Hagen] lanc / und eislîch sîn gesihene NibB 1734,4

MWB 2 566,62; Bearbeiter: Helmich

gesiht stFN. 1 ‘Sehen’ (s.a. gesiune )
1.1 ‘Sehvermögen’
1.2 ‘Blick, Blicken’
1.3 in Verbindung mit Präp. zuo : ‘vor Augen’
2 ‘Erscheinung’
3 ‘Aussehen, Gesicht’
   1 ‘Sehen’ (s.a. gesiune )    1.1 ‘Sehvermögen’ hastu aber bosez gesichte von der vuchte [Feuchtigkeit] di sich gesamenet hat in den ougen SalArz 39,13; der tille [Dill] stetecliche getrunken crenket daz gesichte Macer 59,9; daz gesicht, daz in den augen sitzet, gibt uns ze erkennen mêr ding denn kain ander auzwendich sin BdN 9,12. 9,31; wie wislich sich gebern / die glest in des gesichtes kern [in den Augen] Mügeln 290,2. 139,7; Lucid 150,2. 151,12    1.2 ‘Blick, Blicken’ an den grâl was er ze sehen blint, / ê der touf het in bedecket: / sît wart im vor enblecket / der grâl mit gesihte Parz 818,23; des strußes ouge heckt / des lebens geist sin blick erweckt [...] wie scharf was sin gesicht / [...] da got sin kint in solcher schicht [durch einen Blick wie der Vogelstrauß] / ließ decken ires [Marias] herzen blat Mügeln 190,5. wan daz uns der regenpog schein, daz zuo gehœrnt diu dreu: diu sunn ain seit, daz geschickt riseln ander seit und daz gesiht [Blickwinkel] ze mitlist BdN 100,13    1.3 in Verbindung mit Präp. zuo: ‘vor Augen’ do gieng er siner rihte zer aller gesihte AvaLJ 23,5; si chômen al gerihte / zû des chuniges gesihte VAlex 658. 486; kvmest dv aber fvr gerichte / zv Ysengrines gesichte ReinFu K,1808. si dienent niwan ze gesichte Erinn 208; des habe wir zvͦ einem ewigem vrchvnde vnde ander, di ze gegenwuͦrt vnde ze gesihte waren, dise hantveste [...] gegeben UrkCorp (WMU) 597,30; swer vor gericht bechlagt wirt und ist er da nicht ze gesichte [anwesend] DRW 4,538 (SchwspVar.; a. 1300). ez wer Symon der verloren. / der wider da ze gesicht lag [zur Schau liegen] : / sich selb er pergens pflag Märt 10971. – ‘unter Aufsicht, in Obhut’ da vunden si den gotesun. / ze des wibes gesihte befulhen AvaLJ 112,2; swer aus den padstuben icht stilt gwant [...] und hât jener daz gewant der gwanthuetterinne enpholhen zu irer gesicht RbRupr 102. – phras. ‘von Angesicht zu Angesicht’ hei, welhe fróde di hant, die den vater vnde den sun vnde den heiligen geist sehent uon gesihte zuͦ gesihte! Lucid 158,26    2 ‘Erscheinung’ – ‘Trugbild’ ein gruwelich gesiht der tiuele vnde der drachen Lucid 128,13; vertreibt diu schedleichen gesiht in dem slâf BdN 449,7; HvHürnh 52,10. – ‘Offenbarung, Vision’ (vgl. gotesgesiht ): der gebreste menslicher vnvollebrahtekeit der erkennet sich niender bas denne in deme liehte gottes erkantnvste vnde in deme spiegil siner gesihte DvAStaff 590; da bi sol man merken, wie wunneclich ist gottis volle gesiht ebd. 425; das machet das gesicht bekant / Ezechielis jüdischer schar Mügeln 95,3    3 ‘Aussehen, Gesicht’ díu uuât den lîchamen zîeret in ménnisken gesíhte Will 66,13; die stimme gelster vnde lut [...] ir gesichte licht vnde clar, / roter mvnt, wizze zane Herb 3256; ir gesihte: / daz was sô rehte minneclîch, / sô süeze und alsô senerîch Tr 16506. 12348; wiser man, gelart, / das du in erkennest von gesichte Mügeln 329,4

MWB 2 567,8; Bearbeiter: Helmich

gesihtic Adj. 1 mit den Augen wahrnehmbar, ‘sichtbar, erkennbar’
2 zur inneren Schau befähigt, ‘innerlich schauend, offenbar’
   1 mit den Augen wahrnehmbar, ‘sichtbar, erkennbar’ der gesihtig hýmel, den wir erkennent an siner herschefte: an der sunnen, bi dem mâne und an den sternen PrGeorg 131,1; ich [Partonopier] si [Meliur] gemache / den ougen mîn gesihtic KvWPart 7751; swenne uns daz alter die gesiht / betimbert al ze sere, / daz wir die edelen schrift niht / wol gesehen mügen mere, / so sint unser kere / zuo z’einem liehten spiegel [Brille] klar, / der uns die schrift erliuhten kan / unt wol gesihtik machen AMeissn(H) 2; 322,32; HeslApk 3137. – subst.: da von sprichet st. Gregori [...], daz »in diser welt dem gesihtigen nihtes niht bereit mag werden denne übermitz [vermittels] die unsihtegen creature« [ in hoc mundo visibili nihil nisi per creaturam invisibilem disponi potest ] ThvASu 220,24.    2 zur inneren Schau befähigt, ‘innerlich schauend, offenbar’ dicz contempliren [...] swendet sunde und vertreibet untugent, es mahet uns gesichtich MvHeilFr 48; wie man diz gesihtic gemüete besitzen sol? daz ist an einer stêten înbildunge des menschen in im selber Eckh(Pf) 251,27; daz dritte ist ein gesihtic gemüete. hier inne hât diu sêle got. waz beschouwet diu sêle, sô si got beschouwet? ebd. 252,12

MWB 2 568,5; Bearbeiter: Helmich

gesihticlich Adj., Adv. adv. auch -lîchen. ‘sichtbar’ he hait geschaffin di gesichticlichin und unsichticlichen dinc Parad 32,18; daz du an dinem libe glantz / gesichticlich macht an dir haben Minneb 547; dô fuor er gesihticlîche / in daz himelrîche LBarl 14516; er wart gevangen / vnde an daz cruce erhangen / vnde erstunt von todes not / vnde sich gesichtenclichen bot / den iungeren daz han ich gesaget PassI/II 120,10; Marner(W) 7:22,12; TrudHL 79,6; Seuse 295,22

MWB 2 568,30; Bearbeiter: Helmich

gesihtlich Adj., Adv. ‘sichtbar, leibhaftig’ daz dû vil ungetrûwe zage / dich lâzest hier gesihtlîch sên! EbvErf 2305; dô der bischof alsus lac, / in unmuote er slâfes phlac, / sîn bruoder keiser Heinrîch / erschein im dâr gesihtlîch ebd. 2608; súllen wir komen in ein bekentnisse der unsichtlicher dinge, so muͤssen wir úber tretten die gesichtlichen ding Tauler 239,23. 357,28; Seuse 427,9

MWB 2 568,40; Bearbeiter: Helmich

gesimeʒe stN. ‘Gesims’ (vgl. LexMA 4, 1401f.): uf der tresilkamir [Schatzkammer] [...] von dem obirsten gesimse in dem ingange der nuwin phorten des husis des herren Cranc Jer 36,10; die ziegel alle glûden / von arabischem golde. / darumbe stûnd ein dolde / von posten und viôlen [Fiale] , / wintburgelîn [Wimperg] , gargôlen [Wasserspeier] , / gesimse darunder Erlös 443

MWB 2 568,48; Bearbeiter: Helmich

gesimeʒet Part.-Adj. ‘mit einem vorstehenden Zierrand, Sims versehen’ da giengen in aht porten / gesimset und gestainet WhvÖst 15427; versimzet und verspinnelt [La. gesumptzet vnd gespinnelt ] die kanzel warn alumbe / vil schone dar uf gezinnelt JTit 417,1; vnd sind dy veld geuiert vnd das pret aussen vnd ynnen gespengt vnd gesimpt tzw ainer tzir des spils Schachzb 113,23

MWB 2 568,56; Bearbeiter: Helmich

gesin stM. zu sin . nur in älterer Überlieferung belegt, ‘Verstand, Bewusstsein, Besinnung’ got gab im den gesin / daz er den esel zeiner chrippe treip AvaLJ 13,2; ih enhân gesunt noh gesin: / ih pin ein lamiu durftigîn Kchr 2651; si nehabent gesin noch gedanch ebd. 8181; dû ir îgelicher daz ersach, / daz in dî juden îlten nâch, / sî lîzen gewant unde gezelt, / [...] / sî vluhen alle âne gesin JJud 1686; VEzzo 53; VMos 33,3; AHeinr 315

MWB 2 569,1; Bearbeiter: Helmich

gesinde stN. (stM. MargAntiochII 88 ) auch gesint, aus ahd. gasindi. 1 ‘Gefolgsleute, Begleiter, Gefährten’ (s.a. ingesinde stN.)
2 zu einer Haus- oder Hofgemeinschaft Gehörende (vgl. 2 HRG 2,319-325, LexMA 4,1402f.)
2.1 ‘Familie’
2.2 ‘Dienerschaft, Gesinde’
   1 ‘Gefolgsleute, Begleiter, Gefährten’ (s.a. ingesinde stN.): wer leitet nu die lieben schar? / wer wîset diz gesinde? Tr 4797. 15599; Irmschart und Heimrîch / dâ kômen mit grôzem gesinde: / vier vürsten, ir zweir kinde, / siben tûsent ritter oder mêr Wh 142,25; darnach solt ir myn [der Königin] ritter sin und von mym gesinde Lanc 345,34; der tiuvel unde die gîtigen unde die ketzer unde die wider den heiligen geist dâ sündent, daz ist allez éin kumpanîe und éin gesinde PrBerth 1:245,19; Iw 5934; Wig 3720. 11290. ‘ich urteile, als ich vinde’, / sprach er zu sim gesinde [Jünger Jesu] , / mit sant Johannes ich ez wol beziugen wil Frl 9:21,8. – in Verbindung mit himelisch: [Maria] is ruom allis himiliscis gisindis WernhvN 259; in den alten zîten / vor aller slahte liuten / do erwelete im daz gotes kint / in sîn himelischen gesint / ein juncfrowe guote, / sante Margarête MargAntiochII 88. – im Kampf oder Streit (s.a. vuoʒgesinde , reitgesinde ): dô was ouch daz gesinde ze strîte hêrlîchen gar NibB 196,4. 177,3; die von ir gesinde dâ / ze velde lâgen erslagen, / die hiezen si ze grabe tragen Tr 5612; weliche stat die andern also manti umbe ein gesinde, die sol dem gesinde halben kosten und schaden geben, die wil ez in irme dienste ist UrkBasel 4:55,23 (a. 1326). – übertr.: der tôt der suochte sêre, dâ sîn gesinde was. / der von Bechelâren dô langer einer niht genas NibB 2224,3; der jeger [...] gesach zehant dar inne / daz gesinde der minne: / niwan ein wîp und einen man Tr 17438; galander unde nahtegal / die begunden organieren, / ir gesinde salûieren ebd. 17356; füeret in eht gegen dem galgen unde gegen des galgen gesinde [ die erhangenen unde die erslagenen ] PrBerth 1:395,7; KLD:UvL 13:2,2. – Paarformel: dû erlâst dîns nîdes niht / daz gesinde noch die geste Iw 143; von gesinde noch von gesten / wart geherberget / sô wunneclîchen alse hie Tr 600.    2 zu einer Haus- oder Hofgemeinschaft Gehörende (vgl. 2HRG 2,319-325, LexMA 4,1402f.)    2.1 ‘Familie’ in der arche obene was mit sinem gesinde Noe / er und sine gemahele, sine snur und ir winige GenM 28,17; die dritten die dir bî den füezen sint bezeichent, daz ist dîn gesinde, daz under dir ist: kint und hûsfrouwen PrBerth 2:129,39; BuchdKg 25,12    2.2 ‘Dienerschaft, Gesinde’ der butil der in sal abir nicht gebietin deme gesinde in irs herrin hus UrkCorp (WMU) 1161A,35 u.ö.; vil grôze klage man dâ vant / under dem gesinde Wig 5236. 2727. leigen unde alle der gesinde [ familia ] , dî dâheime wonent StatDtOrd 106,16. 115,14; von dem erbe sol man alrêrste gelten dem gesinde ir verdientez lôn SpdtL 99,22; man sol daz gesinde behalten biz zem drizegesten, daz si sich die wile besteten SchwSp 15b; des vicetuͦms gesinde, die zu irme brode gen und die in irme huse slafen, uber die sulen si richten WeistErf 23 (a. 1289); SAlex 2896

MWB 2 569,10; Bearbeiter: Helmich

gesinde, gesint stswM. aus ahd. gasindo und gasint. ‘Angehöriger eines Gefolges, Diener, Begleiter’ (s.a. ingesinde swM.): der tiufel durch ubermuot wesen wolte same got, / unt er in verwiez daz er in ab deme himele stiez, / jouch sîne gesinden alle sant in die helle Gen 266; pharao daz zeichen gesach, ez doͮhte in ungemach, / er hiez im gewinnen di zwene gotes gesinde GenM 138,3; sît daz ich [ Eckewart ] alêrste iuwer gesinde wart, / sô hân ich iu mit triuwen gedienet NibB 1283,2. 411,1; der wirt, der danne des badhovses phleger ist, sol chainen christen baden ze chainer stunde, der niht ir [der Juden] gesinde ist, burger noch gast noch ledigen man UrkCorp (WMU) 1331,13; UvZLanz 3033; Wernh 1566. er hiez in geben wagene mit guote geladane, / dâ man ûffe fuorte wîb unte chint jouch anderen gesint Gen 2471. – übertr.: der tievel [...] fuoret di [Verdammten] mit grimme zuo anderen sinen gesinden / in den ewigen tot AvaJG 27,4; fröiden schîn treit ûzzerthalb der welte vor mîn lîb [...] [während innerlich Trauer herrscht] sô bin ich der welt gesinde SM:Te 11: 1,7

MWB 2 570,6; Bearbeiter: Helmich

gesindelach stN. ‘Gesindel’ do funden sie niht wen [...] vnde arme gesindelehe, / vnfletic vnde vnwehe Herb 1577

MWB 2 570,29; Bearbeiter: Helmich

gesindelîn stN. Dimin. zu gesinde . ‘(kleine) Dienerschaft, (kleines) Gefolge’ dâ liez er [der Pfaffe Amis] nieman inne sîn / wan sich und sîn gesindelîn StrAmis 2068

MWB 2 570,32; Bearbeiter: Helmich

gesinden stV. sinden , sinnen

MWB 2 570,36;