Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   gesellic - gesigel    


gesellic Adj. ‘verbunden, zugetan’ si wâren aller sache / gesellic und gemeine Greg 287; den armen milde unde gutig, rittern unde rittirmezigin lutin gesellig unde hogelich Köditz 19,18; Elis 3260; sîn wîb, dî im was wordin / an der ê gesellic NvJer 8550; KvWEngelh 797; her nach so wirt der mensche [...] von minsamer [liebevoller] wandelunge mit allen menschen gemein und gesellig Tauler 176,14; hierher (Ausfall von ge- häufiger im Text, vgl. Glossar): das löblich volk ze inndia gehorsames unnd selliges [ unanimen ‘einmütig’] HvHürnh 11,7. – ‘gesellig, lebenslustig’ (?): des man in [den verlorenen Sohn] hin und her zoch / zuͦ dirr und derr geselleschaft. / wie gesellig und wie tugenhaft / er wær, so daz da wirt gesait, / so wart von im ez gar berait / swaz da was ze gebende SHort 4016

MWB 2 561,6; Bearbeiter: Diehl

gesellich Adj., Adv. adv. -lîchen. ‘gemeinsam, gemeinschaftlich, freundschaftlich’ 1 Adj.
2 Adv.
   1 Adj.: ie lieber dir, ie leider mir! / din geselliche gunst / ist mir ein ungemaches brunst, / und din vientlicher zorn / ist mir zu eime troste erkorn PassIII 123,17; ane geselliche pflicht / gienc er alleine hinden na MarLegPass 22,56. – ‘gesellig, lebenslustig’ nach mime rate gevellich / sal er [der Sohn] uch sin vil gesellich Macc 9572    2 Adv.: Ortwîn der küene bî vrou Uoten reit / vil geselleclîchen [La. gesellichen ] NibB 583,2; wenne [...] der valken zwên sint [bei der Jagd] , sô vliegent si geselleich, ainer auf, der ander nider pei der erd BdN 188,13

MWB 2 561,23; Bearbeiter: Diehl

gesellicheit stF. 1 Verbundenheit, Gemeinschaft (als Bestandteil adelig-höfischen Lebens das Teilen einer Lebensweise, Handlung oder Haltung; aber auch freundschaftlich)
1.1 allg.
1.2 direkt bezogen auf das Beizusammensein mit anderen, ‘Gesellschaft’
1.3 rechtl. ‘Teilhaberschaft’
2 ‘gesellschaftsfähiges Benehmen, Höflichkeit’ (vor dem Hintergrund von 1 )
   1 Verbundenheit, Gemeinschaft (als Bestandteil adelig-höfischen Lebens das Teilen einer Lebensweise, Handlung oder Haltung; aber auch freundschaftlich)    1.1 allg.: daz er gelobte sunder / den von der tavelrunder / sîn rîterlîch gesellekeit Parz 308,29; dô weinden durch gesellekeit / mit ir manc juncfrouwe clâr ebd. 431,20; mit ganczer gar ainhellikait / und guͦter gesellekait WernhMl 6062; da rittent do die ritter nach, / der was zwai hundert nach der zal. / die hatent sich oͮch úber al / gezwaiget mit gesellechait [paarweise verbunden] RvEWh 6025    1.2 direkt bezogen auf das Beizusammensein mit anderen, ‘Gesellschaft’ daz sim êre bæren / mit rede und mit gesellekeit Tr 3391; Gyburc diu künegîn / bat al diu juncvrouwelîn, / daz si in næmen in ir gesellekeit, / und daz si im semften gar sîn leit Wh 296,17; diu künegîn in dem venster lac, / diu der gesellekeite phlac ebd. 243,18; magez mit iweren hulden sîn, / ich priche iu nu gesellekeit [lasse euch allein] Parz 402,11; er bat den wirt gesellekeit, / "lât mit mir ezzen dise magt." ebd. 550,14. 784,25; hern Adam [...] / und ain weib aus ertreich / aͮn natürleich gesellchait Teichn 464,813. die unervorhten / [...], dies marcrâven leit / sô truogen mit gesellekeit, / daz si nâmen gelîche phliht / der vlüstebæren geschiht Wh 235,10; der vürste et selbe vierde reit: / niht mêre was ir gesellekeit ebd. 246,4; der gesellikeit / und der grôzen triwe / danct im der soldan niwe Ottok 47654; friuntschaft und gesellikeit / erbôt in der soldan ebd. 47990. ~ leisten, tuon ‘Gesellschaft leisten’ Artûs bat sîner swester suon / gesellekeit dem künege tuon Parz 221,8; der von Salzpurc selbe wart / zuo der reis bereit. / dem teten gesellikeit / von Gurke bischolf Johan [...] Ottok 17398; er leiste ir wol gesellekeit; / wan er nam sich ir senede leit / vil inneclîche mit ir an Tr 1433; ich gevolg iu wol ze vuoz, / gesellekeit ich leisten muoz Wh 131,30    1.3 rechtl. ‘Teilhaberschaft’ sal der R., sine erben [...] in der stat alle burgerliche rechte haben, beyde an koufen vnd verkoufen vnd an ander gesellikeit DRW 4,503 (CDWarm; a. 1348)    2 ‘gesellschaftsfähiges Benehmen, Höflichkeit’ (vor dem Hintergrund von 1): Heimrîch durh gesellekeit / bat Rennewarten sitzen dort / ûf den teppich an der tavelen ort Wh 274,2; mir wære gesellekeit unkunt, / soldet ir mîn garzûn sîn ebd. 131,26; ir enwedriu dâ niht vergaz, / ir gesellekeite / wârns ein ander vil bereite Parz 763,3; manger in der schuzzel wandelt / und smucket daz beste in sinen munt: / dem ist gesellikeit unkunt, / der sinen genozen uberizzet Jüngl 572

MWB 2 561,36; Bearbeiter: Diehl

geselliclich Adj., Adv. adv. auch -lichen; auch gesellencliche. ‘wie unter Gefährten üblich, freundschaftlich verbunden’ nû wil ich in niht eine lân / und wil im geselleschaft / mit geselleclîcher kraft / leisten RvEBarl 14948; daz ich iu gerne leiste / gesellenclîche stæte UvZLanz 2717; do die getrúwen baide / mit geselleclichem sitten / als bi an ander rittent RvEWh 7035; SM:UvS 34:1,4; do bat in der geselle durch geselleklich trúwe Seuse 143,21; er nam geselliclîche / den herren Gâwein bî der hant Wig 685; Tr 6959; sie [Maria und Joseph] wonten sament, daz ist wâr, / geselleclîchen manec jâr, / daz dar under disiu meit / nie verlôs ir kiuschecheit WvRh 7549; wann ein ainvaltiger man / guͤt gesellen wil pey im han, / so nem nur ein schon weib / dw da hab ein tumen leib / und geselchleich [umgänglich] ist und chlug: / so gewint er gesellen genueg Teichn 432,75. – in der Minne, ~ ligen u.ä. für den Beischlaf: sôn sulet ir der künigîn / ze bette noch ze tische sîn / geselleclîch Tr 15391; sus kunden sî dô vlehten / ir munde, ir bruste, ir arme, ir blankiu bein. / [...], / geselleclîche als si lâgen MF:Wolfr 1: 3,8; geselliclicher umbevanc / mit blanken armen sunder wân tuot senede herze hôhgemuot SM:UvS 7: 2,1. – ‘gemeinsam, zusammen’ zwêne ûz erwelte man, / die sach man geselleclîchen bî den künegen gân NibB 1807,2; Parzivâl niht eine [allein] lac: / geselleclîche unz an den tac / was bî im strengiu arbeit Parz 245,2; ain iegleich visch, der des raubs lebt, der swimt gesellicleich, sam der hecht BdN 243,8

MWB 2 562,25; Bearbeiter: Diehl

geselliclîcheit stF. ‘Gemeinschaft’ bœse wort und freidikeit / ist [gilt als] schimpflich gesellikeit [La. geselliclicheit ] Renner 17090

MWB 2 562,57; Bearbeiter: Diehl

geselligen swV. tr. ‘zum Gesellen machen, vereinigen’ (mit Dat.): [er] sol niht geselliget werden [ sociari ] den die in dem chore singent BrAlt 43. 53. – mit präp. Erg.: jst daz auch ieman pfaffen [ si quis clericorum ] mit sämlicher begird gesellegt wil werden zü dem kloster BrAlt 60; daz si [die Gerechtigkeit] fureint vnd geselligot ist mit dem obrosten goͤtlichen gemvͤte vnd mit im ewig frvntschaft het RvBib 175,24. 176,7. – refl.: also süllen si [die Gäste] sich geselligen in dem fride [ socientur in pace (im Friedenskuss)] BrAlt 53; wie die minnende sele sich geselleget gotte und sinen userwelten lieben Mechth 2: Reg. 37

MWB 2 562,60; Bearbeiter: Diehl

geselligunge stF. ‘Gesamtheit, Vereinigung’ so sol er [der fremde Mönch] niht allein enpfangen werden zü der geselligung der sämenung [ congregationi sociandus ] BrAlt 61

MWB 2 563,9; Bearbeiter: Diehl

gesellinne stF. ‘Gefährtin, Begleiterin’ er vorte ouch mit minnen / ir gesellinnen, / die wichaften amazones Herb 14592; sîn gesellîn diu hæt ime benomen / beidiu zwîvel unde wân Tr 14012; SM:Wi 1:4,7; Vät 29321; ich gruͤsse dich vroͮwe, liebú Maria, / das du bist ein gesellin der heligen engelen hie und in gottes riche Mechth 7: 19,7; des landes frowe mit ir gesellin oder dv́ kvnigin oder ir tohter och mit ir gesellin UrkCorp (WMU) 287,5. – Inhaberin eines bestimmten Klosteramtes (vgl. SchweizId 7,730, nur Stagel ): sy was fil jar gesellin ze dem fenster und so sy denn erst in den crútzgang kam, so hat sy vergessen was sy gesechen ald gehoͤrt hat Stagel 61,21. 40,32. 62,8

MWB 2 563,13; Bearbeiter: Diehl

gesemede stN. ‘Versammlung, Menge, Gruppe’ (vgl. gesamene ): in mitten dirre menige / so was groz gesemede / di hizen leuite VMos 78,17; alle dî dî imme rîche wâren / unde ander manige helde / dî quâmen ze dem gesemde JJud 192. – von Geistlichen: clerum: gisemidi Gl 1:784,47 (BStK632); ebd. 1:784,47 (BStK558)

MWB 2 563,27; Bearbeiter: Diehl

gesemene stN. gesamene

MWB 2 563,34;

gesende stN. ‘Besendung, Einladung’ ein teidinch sie gelobeten; / sie gebutten ein gesende Wernh D 1607

MWB 2 563,35; Bearbeiter: Diehl

gesengelîn stN. Dimin. zu gesanc ‘kleines Lied’ der jungling vie an ein froͤlichez gesengeli von dem kindlin Jesus, daz sprichet also: in dulci jubilo Seuse 21,18

MWB 2 563,38; Bearbeiter: Diehl

gesêr Adj. ‘betrübt, von Schmerz erfüllt’ amaricati: giseri Gl 2:283,17 (BStK637)

MWB 2 563,42; Bearbeiter: Helmich

gesêrde stF. zu sêrde . ‘Verletzung, Schmerz’ des liezen sie en [Timotheus] ledic do / ane geserde unde vro, / uf daz ir brudre dort irlost / wurden mit heile wol getrost Macc 10332

MWB 2 563,44; Bearbeiter: Helmich

geserwe stN. zu sarwe . ‘Rüstung’ arma: gisarewe SummHeinr 1:351,59; er brâhte im fiunfzich tûsent helede / mit guotem geserwe Kchr 7309. 6539; ia lucht ir geserwe / uon schilten unt uon helmen Rol 4492; Amelung [...] sluog ime durch den helm [...] daz ime daz bluot mit kreften durch daz geserwe ran RosengC 1631; Roth 4933; WhvÖst 8027. – hierher oder geswërbe (zu swërben ) ‘Chaos, Wildnis’ (?): do zôch er [Wolfdietrich] ab die brünne und warfs ûf einen ron. / mit trûriclîchem muote sô schiet er dar von. / [...] harte barmiclîche er von dem geserwe [Hs. geswerbe ] flôch / über ronen und über steine WolfdA 459,1

MWB 2 563,48; Bearbeiter: Helmich

gesetze stN. ‘Gesetz, Regelung’ (vgl. 2HRG 2,294f., LexMA 4,1388ff., LThK 4,579ff., s.a. gesetzede ) 1 auf der Autorität einer übergeordneten Instanz beruhende Verhaltensnorm; Vereinbarung
1.1 als eine göttlich gesetzte Regel
1.1.1 allg.
1.1.2 ‘Schicksal, Bestimmung’
1.2 als eine vom Menschen gesetzte Regel, i. d. R. schriftlich niedergelegtes Recht, ‘Rechtsordnung, Statut, vertragliche Vereinbarung, Artikel einer Rechtsordnung’
1.2.1 für eine geistliche Gemeinschaft
1.2.2 für ein Land, eine Stadt
2 ‘Textabschnitt, Absatz’
   1 auf der Autorität einer übergeordneten Instanz beruhende Verhaltensnorm; Vereinbarung    1.1 als eine göttlich gesetzte Regel    1.1.1 allg.: daz wort genzlîchen / ouch nicht dar zû gehôrt durch nôt, / dan von gesetze und von gebot / der kristenheit JvFrst 2112; der ê gesetze und ir recht ebd. 6306. das alte ~ ‘Bund im Alten Testament’ [ Moyses ] wolde fleisch han genuge / zu syme essen und auch blut, / da mit zu underdun das alde gesetze Pilgerf 1352. warumme ubirgên dîne jungeren di gesetze [ traditio ] der alden EvBeh Mt 15,2; EvAug 35,2.    1.1.2 ‘Schicksal, Bestimmung’ dô nâhte ir werdekeit gewin: / wand ez was ir gesetze. / dô riten se in ir letze Parz 378,27    1.2 als eine vom Menschen gesetzte Regel, i. d. R. schriftlich niedergelegtes Recht, ‘Rechtsordnung, Statut, vertragliche Vereinbarung, Artikel einer Rechtsordnung’    1.2.1 für eine geistliche Gemeinschaft: wî iz ergîng, des sagen si nicht. / sô was des ordens nâch gesetze JvFrst 1867; sol ime fuͤrlegen div gesetz der brvder vnd die gewonaiht des spitals SpitEich 5,14    1.2.2 für ein Land, eine Stadt: von dir burgere gisezzi, da ein man burgeri werdi sal Mühlh 162,15; SpitEich 14,35. 24,6; StRAugsb 74,9; wiͤr Otte von gotes gnaden bischof [...] haben gesetzt die gesetze, die hernach geschriben sint WüP 11,7; dise vorgenanten gesetze suͦln halten arm unde riche in der stat zu Wirzebuͦrg ebd. 7k,2. 7a,4. 11,8; StRAugsb 131,11.    2 ‘Textabschnitt, Absatz’ dis ist das andir gesecze der vorrede Pelzb 118,20

MWB 2 563,61; Bearbeiter: Helmich

gesetzede stFN. ‘Gesetz, Regelung’ (vgl. 2HRG 2,294f., LexMA 4,1388ff., LThK 4,579ff., s.a. gesetze ) 1 auf der Autorität einer übergeordneten Instanz beruhende Verhaltensnorm; Vereinbarung
1.1 als eine göttlich gesetzte Regel
1.1.1 allg.
1.1.2 ‘Schicksal, Bestimmung’
1.2 als eine vom Menschen gesetzte Regel, i. d. R. schriftlich niedergelegtes Recht, ‘Rechtsordnung, Statut, vertragliche Vereinbarung, Artikel einer Rechtsordnung’
1.2.1 für eine geistliche Gemeinschaft
1.2.2 für ein Land, eine Stadt
   1 auf der Autorität einer übergeordneten Instanz beruhende Verhaltensnorm; Vereinbarung    1.1 als eine göttlich gesetzte Regel    1.1.1 allg.: vnde gedenche an elliu werch diniu vnde an den geseceden dinen [interl. zu in adinventionibus tuis ] ich flize mich PsM 76,13; gesecede [ propositiones ] ebd. 77,2; des moͤchtist du [Maria] zelaide komen / und wider gottes hulden / der geseczden fluͦch verschulden, / als es geschriben ist von gotte / inher Moyses gebotte WernhMl 1484; Seuse 243,21; Teichn 568,106. – ‘das Alte Testament’, ‘das Neue Testament’ die eine das waz die alte e, das alte gesetzede; das ander die nuwe e, das nuwe gesetzede. das alte gesetzede die muͤstent alle menschen halten [...] bitze daz Cristus geborn wart Tauler 395,7. – Ordnung der Schöpfung: in alle wis die stæte behabent des gesuntes / nach dinere gesezzede in die tieffe allere dinge gruntes Himmelr 5,20    1.1.2 ‘Schicksal, Bestimmung’ der meister sprach: ein iegelich dinc het sine gesezede Lucid 106,11; ich nihabo réhte biháltin daz ambat nóh den líb [...] noh réht êra, nóh rein herza [...], mîn reht gisézzide, noch mîn guot bimeinida BambGlB 147,38    1.2 als eine vom Menschen gesetzte Regel, i. d. R. schriftlich niedergelegtes Recht, ‘Rechtsordnung, Statut, vertragliche Vereinbarung, Artikel einer Rechtsordnung’    1.2.1 für eine geistliche Gemeinschaft: ez ist ein heilsam gesetzede [ consilium ] disses ordenes StatDtOrd 42,18; in allen disen vorgenanten gesetzeden [ institutio ] [...] habe der meister des gewalt ebd. 55,32; brûdere [...], dî dâ wider ires ordenes gesezzede [ statutum ] sich anderswâr berûfent ebd. 61,10; sal man die regele unde die gesetzede [ regula ] geschriben hân ebd. 71,14; sô sal man die regelen lesen unde die gesetzede [ constitutum ] ebd. 92,12    1.2.2 für ein Land, eine Stadt: dis sint uͥnser gesezte und unser alte gewonhait UrkZürich 7,1 (a. 1297); disiu gesetzed satzet der guot sanctus Silvester der pâbest unde der künic Constantinus von Rôme SchwSp(W) 320,4; nu wizzent ir wol die gesetzet und och gebot, die wir iuch darûber gesetzet, gebotten und gemachet haben UrkFriedb 117 (a. 1332); setzen in bedenthalben von unserm cheiserlichen gewalt die gesetzt, stuck und artikel StRLauda 131. – mit Präp.: daz sint diu gesetzede von dem korn StRMeran 414; daz ist daz gesetzede über das fleisch ebd. 417; daz ist daz gesetzede umbe den wec ebd. 425

MWB 2 564,30; Bearbeiter: Helmich

gesetzedemeister stM. ‘Verfasser von schriftlich niedergelegtem Recht, Schriftgelehrter’ legisperitus: gesezde meister EvAlem 51(L 11,45); scriba: gesezde meister ebd. 65(Mt 16,21)

MWB 2 565,18; Bearbeiter: Helmich

gesetzunge stF. vgl. gesatzunge . ‘Satzung, Gesetz, Festsetzung’ wol habet ir [ di pharisei vnd alle ivden ] irrgemachet di gepot gotes. daz ir ivr gesetzvnge [ traditionem hominum Mc 7,8 ] haltet EvAug 93,15; ir zereizzet daz wort gotes dvrch ivr gesetzvnge. [ traditionem vestram Mc 7,13 ] di ir gegeben habt ebd. 93,21. [ traditiones seniorum Mc 7,3 ] ebd. 93,2; vnt binden vns [...], stete zv́ hebenne dv gvdinge vnt diͤ gesezvnga, diͤ hiͤ vor geschriben sint UrkCorp (WMU) 890,8

MWB 2 565,22; Bearbeiter: Helmich

gesëʒ stN. gesæʒe stN.

MWB 2 565,32;

gesidele stN. auch gesedele. 1 ‘Sitze, Sitzgelegenheiten’
2 Räumlichkeit, in der man sitzt, ‘Festsaal’
3 Ort, an dem jmd. angesiedelt ist, ‘Wohnsitz’
4 der sunne ‘Sitz der Abendsonne’
   1 ‘Sitze, Sitzgelegenheiten’ (s.a. sëdel ): her quam in einin vili kuniglîchen sal / ci wuntirlîchimi gesidele, / sô iz mit rehti solde sîn ci himele Anno 42,3; gerihtet wart gesidele: der künic wolde gân / ze tische mit den gesten NibB 604,1; si truogen an gesidele bréit únde lanc, / stüele unde tische Kudr 181,1; ûf ein gras / wart gesidel und wîter rinc genomn, / dâ si zem brôte solden komn Parz 803,25; Kchr 4020. 3983; Will 52,44. – ‘Thron, Herrschersitz’ des sule wir alle sin gwis, / daz er uf uor zo den himelen, / zo den heiligen gesedelen Glaub 1450; du kerten die not uesten / widir zu des keiseres gesidele Rol 1242; wis gegrüezet, donerstrâle! / dû bist in dem himelsâle / Salmônes trôn, gotes gesidel MarGr 255    2 Räumlichkeit, in der man sitzt, ‘Festsaal’ zo hove indaz gesidile / die kamerere quamin Roth 1137    3 Ort, an dem jmd. angesiedelt ist, ‘Wohnsitz’ wilde merekatzin / und freislîch gefugele, / daz hete dâ sîn gesidele SAlex 5832; ze der klâren klârheit dîner immer wernden êwikeit, [...] zuo dem immer geruowigen gesidele, zuo dem al umbe gevridem lande DvASchr 384,4; Kchr 8851    4 ~ der sunne ‘Sitz der Abendsonne’ ich kam zu Gilest inn die heubt stat, / da die sunne ir gesidel hat SalMor 256,2; nechten da die sunne under iren gesiedel solte gan ebd. 679,3; div perhtel [glänzende, leuchtende] sunne / uertribe daz genibele / uz dem ir gesidele Wernh D 3848

MWB 2 565,33; Bearbeiter: Helmich

gesidele stM. ‘Tischnachbar’ accubitor: gisedalo Gl 2:19,1 (BStK686)

MWB 2 565,62; Bearbeiter: Helmich

gesigære stM. ‘Sieger’ Diterich Russouecz, / ein gutir jungir, wol geczogin stets, / der vndir den gesigern / als ein horn dem einhorn / irwirbet ruom vnd gutin leunt Dalimil 60,38. 45,39. 45,53; an vaterlicher ere gesiger [interl. zu in paterne glorie victor ] PsM H 62,6. H 65,3

MWB 2 566,1; Bearbeiter: Helmich

gesige stM. ‘Sieg’ daz der han kræe nâch dem streit und nâch dem gesig und niht diu henn BdN 192,26; so behielt ie der hertzog Obreht den gesig und gewan daz romesche riche mit gewalt des tages mit strite ClosChr 62,27. 42,16; es ist nit swer noch engestlich so der mensche sinen strit und sinen gesig uf got lot Tauler 405,23; Daniel 5889

MWB 2 566,7; Bearbeiter: Helmich

gesigel stN. meist → ingesigel . ‘Siegel’ die burger gemeinlich sint ueberein komen, daz der burger gesigel nieman han sol StRReinf 249; dar vmbe henkent die vor genanten [...] ir gesigel an disen brief UrkCorp (WMU) 412,20. 146,20

MWB 2 566,14; Bearbeiter: Helmich