geschëlle
stN.
‘Schellen am Reitzeug’, Koll. zu
schëlle
swF. (zur Sache s. Schultz, Höf. Leben
1,495.498.500):
surzengel [Übergurt] , satel,
geschelle / von dirre hurte gar zebrast Parz
295,26;
ein gereite, / smal ân alle breite, / geschelle und bogen
verrêret [verschlissen, abgerissen] , / grôz
zadel [Makel] dran gemêret ebd.
257,3.
–
er stach ir einen ûf den schilt, / daz daz gestelle
[La. geschelle
] gar zerbrach / und man den
schilt vallen sach / verre UvZLanz
6385
MWB 2 540,9; Bearbeiter: Richter
geschëlte
stN.
‘Schelte, Schmähung’
e sie quemen vf daz felt, / da enwas niht wenne geschelt, /
scharfe wort, svre tat, / als ir dicke vernomen hat Herb
9868.
7067;
da horde man vluͦchen inde geschelt / inde over den dief clagen, / har
roufen inde hantslagen MorantGalie
3370.
3600;
werfet von uͦch den nyt und den haz und den zorn
[...], wane da von kuͦmet geschelt und
manslacht, ruͦb und brant PrLpz
96,8
MWB 2 540,19; Bearbeiter: Richter
gëschen
swV.
‘den Mund aufsperren, gähnen’ (vgl.
gësche?
,
gëtschen
, gischen;
hëschen
):
oscito: geschen VocesWack
70
(Walther, Initia 13517)
MWB 2 540,28; Bearbeiter: Richter
geschendede
stF.
‘Schande, Schmach’
confusio: giscentida Gl
2:78,1
(BStK637);
Gl
2:78,1
(BStK408)
MWB 2 540,31; Bearbeiter: Richter
geschenden
swV.
→
schenden
MWB 2 540,33;
geschenke
stN.
auch geschanke.
1
‘Getränk, das Eingeschenkte’
2
‘Geschenk’
1
‘Getränk, das Eingeschenkte’
den cof nam er mit den wine / vnde segente dar inne / eine vil gute mjnne /
vnde gab in daz geschenke / unde hiez si alle dannen uz trinke Glaub
1005;
dem [Bacchus] lief man hin zu dem tranke / swo
iender was ein geschanke, / also begienc man sin ere Macc
8638
2
‘Geschenk’
di burgere [...] batin on
[Ludwig] mit grozim flize daz her zu on in di stat
[Erfurt] riten wolde unde ir geschenke unde ere nemen
wolde Köditz
49,14
MWB 2 540,34; Bearbeiter: Richter
geschepfe
stN.
→
geschaf
MWB 2 540,44;
geschepfede
stFN.
→
gescheffede
MWB 2 540,45;
geschepfelich
Adj.
‘erschaffbar’ (s.a.
ungeschepfelich
):
ich entæte niht sünde umbe allez, daz geschaffen oder
geschepfelich ist Eckh
5: 22,13.
2:88,8
MWB 2 540,46; Bearbeiter: Richter
geschepfnisse
stN.
→
geschefnisse
MWB 2 540,50;
geschepfunge
stF.
‘Schöpfung, Erschaffung’
ist geburt ein geschepfnüsse, sô was Krist ein geschepfunge sînes vaters in
der êwigen geburt persônlich unde wesenlich Eckh(Pf)
534,12;
da von solt wir pieten er / unser frowen
geschephung [Mariä Empfängnis] / lieber frey und
unbetwung Teichn
464,1989.
464,1461
MWB 2 540,51; Bearbeiter: Richter
geschert
Part.-Adj.
mit ~ segelruote wohl ‘mit dem Segel hart am
Wind’ (schon terminologisch im Sinne von ‘gebrasst’
oder i.S.v. ‘gehisst, aufgetoppt’?):
sy sassen zu den poten an, / mit freẅden füren sy von dan / mit gescherter
segel ruet [Rah, Segelstange]
Hawich
5076
MWB 2 540,58; Bearbeiter: Richter
geschich
stM.
‘Geschehen’, in der Wendung durch den ~
‘zu dem Zweck’
her [einer der apokalyptischen
Reiter] hir neme den vride / von der erden; daz sie sich /
irslugen durch den geschich, / daz sie nemen in daz leben, / wart ein groz swert im
gegeben; / da mite sie solden sich irslan HeslApk
10588
MWB 2 541,1; Bearbeiter: Richter
gëschicheit
stF.
‘das Aufschäumen’ (s.a.
gist
):
do geist in geistes geschikeit / zoch an sich menschen knochen Frl
7:6,14
MWB 2 541,8; Bearbeiter: Richter
geschicke
stN.
1
‘Beschaffenheit, Gestalt, Benehmen’
2
‘Begeben heit’
3
‘Fügung, Zufall’
4
‘Anordnung’
1
‘Beschaffenheit, Gestalt, Benehmen’
dô er nû diu kleider an / het geleget, der iunge stolze âne gran / was noch
und het doch ein menlîch geschicke Loheng
873.
6237.
6937;
swartz har und do bie dicke, / daz hat sulich geschicke, / wa
hin sin gemute sich lenket, / dan ab ez kaume entwenket Physiogn
120.
156.
214;
[der reiche Bürger merkt,] daz sô liutsælic, sô wünnesam
/ noch sô wol getân geschicke / sîner ougen blicke / an menschen nie vernæmen
UvEtzWh
5351;
UvEtzAlex
23931.
17295;
JTit
768,1.
1642,4
2
‘Begeben heit’
das geschick daucht sy wunderlich HvNstAp
20120
3
‘Fügung, Zufall’
alleine von erst liechte / der mensch von sinnen sichte /
valle in der sunden stricke / unwizens oder von geschicke Hiob
4216
4
‘Anordnung’
[Wir tun] den pürgern zu Eger
[...] dieße sünderliche gnade,
[...] das sie [...] auf
dheinerlei handelung ader geschickes wegen zu dheine lanthgerichte geheischet,
genött noch geladen süllen werden DRW
4,441
(EgerPriv.; a. 1305 kopial)
MWB 2 541,11; Bearbeiter: Richter
geschickede
stF.
‘(schönes) Aussehen, Gestalt’
avoy wie stuonden sîniu bein! / reht geschickede ab in schein
Parz
168,8.
170,21.
361,26;
si truoc geschickede unt gelâz, / ich wæne deis iemen kunde
baz / erdenken ân die gotes kunst Wh
249,3.
188,19.
241,30
MWB 2 541,32; Bearbeiter: Richter
geschickelîche
Adv.
‘von ungefähr’ (vgl. Neumann, Teichn. S.
166):
lieger, trieger, neyder spot, / das geschikchleich vallet in
Teichn
611,43
MWB 2 541,38; Bearbeiter: Richter
geschicket
Part.-Adj.
→
schicken
swV.
MWB 2 541,41;
geschicknisse
stF.
1
‘Fügung, Vorsehung’
2
‘Beschaffenheit, Verhältnis’
1
‘Fügung, Vorsehung’
got synen kocher uf ken job / tet do er deme tuvel grob / dy
loube gab [...] / daz er mit Job umme ging / und sluc in
[...] / als mit ettelichen philen, / dy der tuvel czoch
mit ylen / uz deme kocher gewisse / der gotlichen geschicnisse Hiob
11364
2
‘Beschaffenheit, Verhältnis’
Thaurisium ist eyne groze stat und ist gelegin [...]
no by Baldac und ist in gutir geschiknisse und gelege MarcoPolo
6,3;
ir wip glichin sich den mannen in allir geschicnisse, taceo de partibus infra
ebd.
70,4.
–
di ediln [in der Provinz Baldasya
]
tragin bruche [Hosen] von lywote [l.
lînwât
] odir von sidynen tuchirn, und eyn
iclichir legit noch siner geschiknisse [
secundum statum
suum
] hundirt vach odir lxxx mynner odir me, czu
wortin das ym der ars groz schine; wen das dunkit si wesin eyne edilkeit der
eynen grozen ars hot MarcoPolo
12,11
MWB 2 541,42; Bearbeiter: Richter
geschide
Adj., Adv.
oder geschîde? Eine Zuordnung zu den Verben
scheiden
,
schîden
ist unsicher, die Verhältnisse in dieser Wortgruppe
selbst sind unklar.
1
‘gescheit, urteilsfähig, überlegt’
2 unklar, ob hierher oder ein eigenständiges Lemma, von Kochendörffer als Part. von
schiden swV. erklärt, ‘getrennt’ (?)
1
‘gescheit, urteilsfähig, überlegt’
wer hat ouch gotes handen / und siner craft wider standen /
und hatte do by vride? / nymant zwar ist so geschide, / want got ist des zu wol
gelart Hiob
3100
u.ö.;
Hiltbrant der was geschîde: / er nam der alten wunden war / die der von Bern
het geschrôten [...] und stach im in die wunden tief
JSigen
183,6;
HistAE
2244
u.ö.;
Hadam
432,3;
Minneb
4642
2
unklar, ob hierher oder ein eigenständiges Lemma, von Kochendörffer als Part. von
schiden swV. erklärt, ‘getrennt’ (?):
di benanten virczen lid [Wahrheiten] , / wil man
merken gar geschid, / czuͤt man uz dem gelouben TvKulm
1234;
nu lestu, her, geschide / den dinen knecht mit vride
[
dimittis servum tuum
Lc 2,29
]
ebd.
3011
u.ö.
– in genealogischen Angaben die Anzahl trennender Generationen bezeichnend
(?):
Job [...] waz geborn geschide / wol indem
sechsten lyde [im Abstand von sechs Generationen] /
von Nachor Hiob
445;
der [
vurste von Brunswic
] sich
dursten / let nach ern, daz im ie zam / von dem alten edlem stam: / wen her ist
wol geschide / in dem virden gelide / Sente Elzebet verwar TvKulm
81
MWB 2 541,60; Bearbeiter: Richter
geschidet
Part.-Adj.
→
geschide
MWB 2 542,22;
geschîdicheit
stF.
‘Weisheit’
und der gedenck meines hertzen dy gescheydigkait [interl. zu
et meditatio cordis mei prudentiam
Ps 48,4
]
PsMb
30(Glossar).
ebd.
30(Glossar)
MWB 2 542,23; Bearbeiter: Richter
geschihede (?)
stF.
nur in PsTr belegt.
in den Wendungen mit oder von ~
‘vielleicht, zufällig’ (s.
geschiht
2):
ich hede uirburgen mich mit geschihede uon imo [
abscondissem
me forsitan ab eo
]
PsTr
54,13;
fon geschihede lebintic hetin uirslichet uns [
forte vivos
degluttissent nos
]
ebd.
123,3;
uon geschihede daz wazzer hete uirslunden uns [
forsitan aqua
absorbuisset nos
]
ebd.
123,3
MWB 2 542,27; Bearbeiter: Richter
geschiht
stF.
1
‘Ereignis, Geschehen’
1.1
‘Tat, Handlung’
1.2
‘Geschichte, Bericht über Geschehen’
1.3 allgemeiner auch ‘Sache, Angelegenheit’ , in kausalem
Zusammenhang ‘Grund’
2
‘Zufall’
3
‘Art und Weise, Eigenschaft’
1
‘Ereignis, Geschehen’
ein michel olebach / uz einein kisilinge floz: / diu
geschihte duhte uil groz Wernh
D 4231;
die historien [...], daz sint die
geschrift von den geschihten in den landen und in den zeiten BdN
358,27;
Frl
10:2,1;
StrKD
161,529
1.1
‘Tat, Handlung’
ein keiserlich geschiht / von im geschehen wære [Gründung des
Bistums Magdeburg durch Otto I.]
RvEGer
248;
so torlich ist al ir geschicht Frl
7:31,11;
Spec
111,25;
Tr
12998.
–
‘Vergehen’
er muͤze stan zu gerihte / umme alle die
geshihte / die begangen hat sin lip Rennew
18184;
wa die burgere solche gescychte clagn von den burgmannen
UrkFriedb
73
(a. 1306);
swer eime gaste dirre geschichte deheine tete
unverschuldet, der sal die bezzerunge halbe tuͦn WüP
7h,2;
UrkCorp (WMU)
2345,15
1.2
‘Geschichte, Bericht über Geschehen’
hæten die [Tristan und Isolde]
durch liebe leit, / durch herzewunne senedez clagen / in einem herzen niht
getragen, / sôn wære ir name und ir geschiht / sô manegem edelen herzen niht /
ze sælden noch ze liebe komen Tr
215.
9484;
der geschihte / der wir von iu vernomen hân, / daz ez iu
ist sô wol ergân, / des sîn wir inneclîche vrô UvZLanz
8618;
er wolde selben wesen bot / der geschihte und der mære
Ottok
3105;
RvEWchr
8322
1.3
allgemeiner auch ‘Sache, Angelegenheit’, in kausalem
Zusammenhang ‘Grund’
er dankete der geschihte / sîm neven, der der triuwen
wielt, / daz er im sîn muoter behielt, / diu ir kint vil gerne sach
UvZLanz
8406;
diz kôffes vnd dierre geshicht, so ist getziuch:
[...]
UrkCorp (WMU)
1981,30;
der chŭnich im da ze helfe pot / drew hundert helm an der geschicht
Suchenw
17,111;
dazs aber alle stille swigen, / dem lantgesinde rede
verzigen, / daz geschach durch die geschiht : / sin kunden der lantsprâche niht
Tr
10873;
ine weiz durch welhe geschiht
[weswegen]
ebd.
9523;
Elis
5115;
von dirre selbin
geschiht [deshalb] / in jamirte so sere
RvEWchr
3431.
10368;
wizzet ir umbe welhe gesciht, / warumbe wir daz miden
Wernh
D 1146.
– semantisch verblassend:
dâ ergienc ein schedelîch geschiht / und ein
jæmerlîchiu angesiht / von den sînen die daz sâhen Wh
25,1;
er er kante sein nicht / von deß nebeles geschicht
HvNstAp
14781;
der stain erlœst von widerwärtigen geschihten
BdN
467,20;
von scheltwoͤrten
[...]: swaz auch der geschiht fuͤrkumet,
daz man also spricht, er ist ein buͤbe, oder sie ist ein huͤre
WüP
45,2;
Tr
5555;
GTroj
14165
u.ö.
2
‘Zufall’
dô truoc in diu geschiht / (wande ern versach sichs niht) /
vil rehte an sîner vrouwen lant Iw
3923;
si liezen ez an die geschiht, / weder si genæsen oder niht
Tr
2423.
– in Wendungen von ~
‘zufällig’ (s.a.
geschihede
):
daz kom niht von geschihte / daz si algerihte / in dem
vinstern hol / solte geberen also wol: / die Christes predigere / weissagten
dise mære / vor, wie si solt gebern Wernh
A 3333;
zuo der Wahsenden Warte / kam er von geschihten
UvZLanz
5125;
mit muote oder von geschihte Er
5811;
PrOberalt
43,7;
StatDtOrd
105,14
3
‘Art und Weise, Eigenschaft’
der süeße luft [im Mai] / mit sîner
tuft / hât erkirnet [offenbart] sîn geschicht, / daz man
vil bernder blüete sicht SM:Tu
6: 2,10;
daz vingerlîn was der geschiht, / man verzêh im betlîches
niht, / swer ez an der hant truoc UvZLanz
4953;
sie lac doch in der geschicht, / als ob sie slâfen
solde [Isolde stellte sich schlafend]
HvFreibTr
2712;
Frl
4:6,7;
Ottok
9626;
WhvÖst
11508.
– unklar, ob hierher oder zum stN., s. FrlWB S. 117:
ein meister sach an ir [der Giftmaid] valsch
geschichte Frl
5:20,11
MWB 2 542,35; Bearbeiter: Richter
geschiht
stSubst.
‘Reihe’
ein tier / [...] hete in sinem munde / an scharfen
zenen dri geschicht PassIII
431,5
MWB 2 543,43; Bearbeiter: Richter |