gepens
stN.
hier gepeins (mit Dehnungs-i?).
‘Denken, Sinnen’ (vgl.
pensen
,
pensieren
und MNW 2,1465):
alz ich suͦs saz in myn gepeins, / so coomt zo mir
unverseyns / heymelic aldair gegaen / eyn joncfrouwe wail getaen
MinneR336
7
MWB 2 484,2; Bearbeiterin: Baumgarte
gephehte
stN.
‘Maßverhältnis’
der wende waren echte [acht] und ie als manic ecke,
/ al nach der koͤre gepfehte [La.
gepfhehte
]
JTit
426,2
MWB 2 484,7; Bearbeiterin: Baumgarte
gephlegenisse
stF.
‘Aufsicht, Verwaltung’
alles das varende guͦt vnde fruht, es si win, korn oder
[...] guͦt, das vorhanden was vnd das vnder dem
kuͤnge in des gephlegnisse von Banacker vunden wart UrkCorp (WMU)
1524,4
MWB 2 484,10; Bearbeiterin: Baumgarte
gephlester (?)
stN.
Ansatz und Bed. unklar. Beckmann, WhvÖst., S. 90f. schlägt vor
gephnäster, ‘Schnauben’, zu lesen; dort auch
Überlegungen zum Ansatz geblæster:
do hort er ain gepflester / von der veste dozzen / den ungehuͤrsten
grozzen / den man uf erden ie gesach WhvÖst
11920
MWB 2 484,15; Bearbeiterin: Baumgarte
gephliht
stF.
‘Gemeinschaft, Umgang’
der bû, den man ze Jaffe tuot, / der ist für heiden [gegen die
Heiden] harte guot; / ern hilfet für die kristen niht, / die mit
den heiden hânt gepfliht Freid
157,12;
da ich kam in ir gepflicht / gar listiglichen gein Zeisselmawer
Neidh(S)
2,156c76:4,4;
zur schande haben sie gephlicht, sien wollen einen biderben nicht erkennen
Fegfeuer
1:13,7;
mit reiner gepflihte UvZLanz
2725
MWB 2 484,21; Bearbeiterin: Baumgarte
gephlihte
swM.
‘jmd. mit dem man Umgang pflegt’ hier wohl am ehesten
‘Amtsbruder’
da was der richen juden ein / Cayphas ir bischof, / an deme stunt do der hof /
des jares und daz gerihte, / und Annas sin gephlihte, / Gamaliel und Sobnan
HeslNic
406
MWB 2 484,30; Bearbeiterin: Baumgarte
gephnäster
stN.
→
gephlester
MWB 2 484,36;
gephnæte
stN.
‘aufgeblasenes Getue’ (vgl.
phnëhen
) im Bild der (balzenden) Taube, die ihren Kropf
aufbläst:
ich gelîche sîn gephnæte ze einer saten tûben, / diu mit vollem krophe ûf
einem korenkasten stât Neidh
WL 13:5,8
MWB 2 484,37; Bearbeiterin: Baumgarte
gephorte
Subst.
‘Pforte, Durchgang’
tuon ouch kundt an disem offenen briefe, das ich oder min erben dem
vorgenampten guot die gepforten offen lassen soll von Sant Gallen mess hin unz zu
mittem merzen SchweizId
4,1633
(a. 1340).
4,251
(a. 1339)
MWB 2 484,42; Bearbeiterin: Baumgarte
gephrange
stN.
‘Bedrängnis’ (vgl.
phrange
stF. und
phrengen
swV.):
nie wart so groze schande / under des himels crange
[(Um-)Kreis] / geliden in geprange / sam Jerusalem
hie leit Daniel
6328
MWB 2 484,47; Bearbeiterin: Baumgarte
gephünde
stN.
md. gepunde.
‘Gewicht’
ob vrouwe barmeherzekeit / daz gepunde wider leit / und ir hôchgewihte / die
wâgen wider rihte Erlös
874
MWB 2 484,51; Bearbeiterin: Baumgarte
geprüeven
swV.
→
prüeven
MWB 2 484,54;
geprüevieren
swV.
→
prüevieren
MWB 2 484,55;
gequëckelich
Adv.
‘kühn, dreist’
ach hertze min innewendigs, / du armes und sendigs, /
[...], / wie machtu also
zecklich [herausfordernd] / und also gar gequecklich /
mich mit sulhem leide gederren Minneb
5018
MWB 2 484,56; Bearbeiterin: Baumgarte
gequël
stM.
‘Quelle’ (hier metaphorisch ‘innerster
Grund’, vgl. Hernández, Eigentum S. 48, Anm. 68):
swaz dâ blîbet, daz ist ein einvaltigez ein. in disem ein gebirt der vater
sînen sun in dem innersten gequelle Eckh
1:94,1
MWB 2 484,61; Bearbeiterin: Baumgarte
gequide
stN.
zu
quëden
stV., md. gekude, auch gekode;
Vokalquantität unklar.
‘strittiger Gesprächsstoff, Streitgespräch’
des selven ouch do gerten / Haenffraits ind Hoderichs lude. / sy leiffen ouch
mit zorns gekude / na swerden, als sy woulden stryden KarlGalie
1391;
darum spricht alsulch gekode [:tode
] /
Ovidius der meistir kluc PfzdHech
186,2;
waz ich zu ir gesprich
gechuͤde [:jude
] , / daz vocht
sie uff in arge / gein mir Minneb
4842;
[ein Christ und ein Jude] dî hûbin ein gekudde
[:judde
] / von der geloubin wirdekeit
NvJer
22647
MWB 2 485,1; Bearbeiterin: Baumgarte
gër
Adj.
→
gir
MWB 2 485,13;
gër
stF.
bezeichnet allg. einen inneren Drang ‘Bedürfnis, Verlangen,
Begierde’ (vgl.
begir
,
begirde
,
gir1
,
girde
); in den meisten Verwendungen nicht von
1gir stF. zu unterscheiden.
– negativ gewertet ‘Gier, Begierde’
swer nâch der welte willen lebet, / dem vüeget ir ger vil
gîtekeit RvEBarl
327;
der visch in dem wassere der sihet mit grosser ger das rote
as an, da mitte man in wil vahen Mechth
7: 27,27.
– in neutraler oder positiver Wertung ein Streben oder eine Sehnsucht (oft
herzen gër) ausdrückend:
strît und minne was sîn ger
[:gewer
]
Parz
35,25;
dô was des junkherren ger, / wie er gesæhe disen man. / sînen
meister santer dan / nâch dem wîsen Barlââme RvEBarl
1550;
er kunde mit rîcher jost diu sper / hurticlîche nâch rîters
ger / in dem poinder brechen Wig
11644;
der rîche, der arme, dirre und der / vant mêr danne nâch sîns
herzen ger Wh
446,28;
sîn helfe, sîn rât, sîn kunst sint
endelich [umfassend] . / des die wîsen habten sîn ze
herren ger SM:Had
2: 13,6;
ich [die minnende
Seele] ruͤffe dir [Gott] mit grosser
gere / in ellendiger stimme, / ich beiten din mit herzenswere Mechth
2: 25,20;
höfisches Minnebegehren:
swâ liep liep hât umbevangen, / dast ein süezer umbevanc,
lieplîch nâch der minne ger KLD:GvN
6: 3,11;
sî bâten si vaste eteswaz geben mir, / des sî an ir lange hæte
gehân. / also warf si mir ir nâdilbein [Fingerhut oder ringförmiger
Fingerschutz aus (Elfen-)bein] dort her. / in süezzer ger balde
ich ez nam SM:Had
2: 6,4.
– einen vermittelten Wunsch ausdrückend ‘Bitte,
Forderung’
‘bringet mir Kayleten her.’ / dô wurben si des
heldes ger, / si brâhten in durch sîne bete Parz
47,26;
daz vingerlîn sande si her; / daz was ir jungestiu ger / daz
ich iu daz bræhte Wig
11358;
ich such oft glückes wege, / wie ich din ger erfülle und den
mut Mügeln
401,2
MWB 2 485,14; Bearbeiterin: Baumgarte
gêr
stM.
(unter 2.2 i.d.R. swM. gêre)
1
‘Wurfspieß’
2
‘etw. spitz Zulaufendes’
2.1 spitz zulaufendes Stück Land (umfangreich belegt DRW 4, 253f.) 2.2 Stoffkeil in der Kleidung (i.d.R. swM.; vgl. Brüggen, Kleidung, S. 218; Weite, Anzahl und Pracht der Gere sind Statussymbole)
1
‘Wurfspieß’
ouh heter umbe di sîten / ein swert von gûter snîten / und an
der hant einen gêren SAlex
1253;
mit sinem scarphin geren / ramt er sin ze den brusten
Rol
4504.
–
Paris unde Nestor, / die manich tûsint erslûgen, / unt die
ouch scarfe gêre trûgen VAlex
1336;
den gêr im gein dem herzen stecken er dô lie
NibB
982,1;
si liezen gêre vliegen / mit anderem ir geschôze
Wh
431,8;
hierher auch:
Cupîdô, dîn strâle / mîn misset zallem mâle: / als tuot
des hêrn Amores gêr Parz
532,13
(vgl. Nellmann, Parz., S. 713)
Wh
24,6
2
‘etw. spitz Zulaufendes’
2.1
spitz zulaufendes Stück Land (umfangreich belegt DRW 4, 253f.):
item der ger, lit zwischent dem weg und dss Ufhofers gebraiten
UrkThurgau
8,549
(um 1340);
ein tail, haizzt der ger von dem Radmarschogel UrkCorp (WMU)
1868,18.
N410,29;
tútschir lande get ein ger / ubir Rin
RvEWchr
2412
2.2
Stoffkeil in der Kleidung (i.d.R. swM.; vgl. Brüggen, Kleidung, S. 218; Weite,
Anzahl und Pracht der Gere sind Statussymbole):
waz er [der
bûman
] nâch der pfaht [Reichsrecht
(Glr.z.St.)] solte an tragen: / iz sî swarz oder grâ, / niht
anders reloubet er dâ; / gêren dâ enneben [nur an den
Seiten] , / daz gezimet sînem leben Kchr
14795;
des belzelîns ein gêre sluoc / hinden übern satelbogen
Wh
84,26;
einin wapin roc er vuorte, / der an die wadin ruorte, /
[...] von gespunnime golde / arne
[Greifvögel, Adler] gnuͦc dar in gewebin /
vorne hindene benebin / an gerin unde an sitin Athis
B 47;
etelîch [der jungen Frauen auf den Wagen] heten
hundelîn / loufende in den gêren, / eichörnel unde hermel fîn Virg
659,9.
– auch als (Geld-)Tasche genutzt (oder extra dafür
angebracht?):
swa man einen seckelsnider begrifet an der hantgetat
da er phenninge abegesnieten hat [...] ez si an
seckeln oder uz geren StRAugsb
124,34;
sô wirt im gelt, / dâ von im sîn gêre und ouch sîn biutel dicke
erklinget Rumelant(R)
4:8,7.
– auch die zum Schutz der Beine an den Seiten herunterhängenden Schöße
des Kettenhemdes:
halsberges gêr und kursît / und der schilt an der
selben zît / wâren drab gerucket, deiz bein stuont blôz Wh
79,3;
Parz
207,20
MWB 2 485,51; Bearbeiterin: Baumgarte
gerach
Subst.
‘Rache’ (?; vgl.
gerich
):
wilt du ir [der Minne] sin erbuͦlgen
[böse auf sie sein] / und mit lobe sin so lach
[nachlässig] , / ich weiz sie leget an dich gerach, /
daz du mit den guten gesellen / wirst geschant in der hellen MinneR480
142
MWB 2 486,31; Bearbeiterin: Baumgarte
geræche
swM.
‘Rächer’
Engelmair ward sigenhaft, / des engalt auch Berewein, / das er seiner zehen
vinger sibenthalben verlos. / Poppen er do auserkos, / der solt sein gereche sein
Neidh(S)
2,12c4:5,5
MWB 2 486,37; Bearbeiterin: Baumgarte
gerachen
swV.
1 intr. ‘sich erstrecken’
2 tr. ‘jmdn./etw. erreichen’
1
intr. ‘sich erstrecken’
alse dit ehcher [d.i. ackeram, ein Waldstück für die
Schweinemast] gerachit UrkCorp (WMU)
55,2
2
tr. ‘jmdn./etw. erreichen’
er sprang an in mit grimme, [...] dô gerachet er den
risen, unt sluog in ab ein hant RosengC
1345;
ind gedanck des heren / quam, dat hey dar woulde doen machen, / off man dat
mochte gerachen, / eyn moenster vele gehere / in vnser vrauwen ere Karlmeinet
319,26
u.ö.;
ach, wie gerachen wir den aller liebsten willen des
gemyntten gottes Seuse
510,9
u.ö.;
MynnenR
487
MWB 2 486,42; Bearbeiterin: Baumgarte
gerade
Adv.
→
gerat2
MWB 2 486,54;
gerâde
stF.
‘Fahrhabe, die im Erbgang der Frau bzw. ihren nächsten weiblichen
Verwandten zusteht; Sondervermögen der Ehefrau’ (vgl.
râde
und 2HRG 2,113-117, DRW 4,255f.,
10,1557f.):
stirbet eyn man zo sal der frauwen dy gerade volgen DRW
4,255
(GörlitzStB; a. 1305);
wen der man stirbt, so nymt daz weip, das der [l.
dar
] zu gerat gehort, nach dem drissengestin
[l. trësemgestein?] , do gehort zu alles,
das geworecht ist, von gelde vnd von silber, daz zu frawen gezird gehort
StRPrag
147.
147;
gerade is anders nicht, wenne daz in eynes mannes huz gehoret gemeiniglichin,
unde dovon dem manne hergewete [Bekleidung für den
Kampf] gehort; unde daz mag nymant nemen, wenne die nyftil, die der
frouwen ader der jungfrouwen zugehorit von wibis halben RbMagdeb
284,48
MWB 2 486,55; Bearbeiterin: Baumgarte
gerâden
swV.
vgl. mnd. raden (Schiller/Lübben 3,414).
‘für jmdn. sorgen, jmd. ausstatten’ (zu
gerâde
stF.):
hat die vrowe kindere, die ir man geradet hat oder die die vrowe selbe
uzgegebben hat unde ob die vrowe noch selben kindere hat in der were, stirbet die
vrowe, daz gut, daz die vrowe lezet, daz get uffe ir aller kindere, sie sin geradet
oder ungeradet StRGörlitz
474
MWB 2 487,8; Bearbeiterin: Baumgarte |