genziclîche
Adv.
auch -lîchen.
‘gänzlich, vollkommen, vollständig’
[Abimelech] zerstorte so genzecliche / die stat das er uf
ir ungewin / ze wuͤstunge sate drin / salz, das si zirgienge / und niemir mer
empfienge / von der erde bernde fruht RvEWchr
19225;
der siechtage hâte dâ / geslagen und geworfen nider / ganzeclich ir lîbes
lider WvRh
7703.
9600;
wan hân ich die gnâde und die güete, von der ich nû gesprochen
hân, sô bin ich alle zît und in allen dingen glîche ganze [La.
geliche vnt ocͮh genzeclichen
] getrœstet und
vrô Eckh
5: 23,3;
das wir des selben silbers genzekliche von inen sin gewert UrkCorp (WMU)
1481,2
u.ö.;
ThvASu
120,27.
202,26
MWB 2 483,12; Bearbeiterin: Baumgarte
genzlîche
Adv.
‘völlig, vollständig’
si [die Häretiker ] musten diz [das
Beten darum, dass Gott ihnen die versiegelte Kirchentür öffnet]
lazen sin, / wand ez in genzlich entvacht [mislang]
PassIII
129,3
MWB 2 483,26; Bearbeiterin: Baumgarte
gêomantia
F.
‘Geomantie’
die kunst geomancia sagt, / wie das man an der erden fri /
und an den wurzen sen / mag, was dem menschen sal geschen Mügeln
295,3
MWB 2 483,31; Bearbeiterin: Baumgarte
gêometrîe
F.
‘Geometrie’
geometria mißt / sunn unde man mit hoer list
Mügeln
285,1;
in der kunst, die man geometriam oder erdenmezzerinne haizzet
KvMSph
19,14.
29,27;
ouch kunde er wol von listen daz / wie man der dinge lenge maz
/ von gêometrîe RvEAlex
139.
1369;
diu êrste heizt Grammaticâ, / diu ander Dîalecticâ, / diu dritte Rhetoricâ ist
genant, / sô sint die vier dar nâch zehant / Arismeticâ und Gêometrie / Musicâ und
Astronomie WälGa
8919
u.ö.;
dîaletike und jêometrî Parz
312,23;
Krone
1119;
JTit
2051,3
MWB 2 483,35; Bearbeiterin: Baumgarte
Geon
Subst.
einer der vier Paradisflüsse:
von den brunnen, / die in paradyse springent: / honeges rinnet
Geon, / milche rinnet Vison, / wines rinnet Tigris, / oles Eufrates
VEzzo
91;
VMos
6,3
u.ö.;
Lucid
19,7;
zwischen Gêôn und Poynzaclîns / diu lant wâren dem jungen /
dienestlîch gar betwungen Wh
382,6
MWB 2 483,46; Bearbeiterin: Baumgarte
georset
Part.-Adj.
→
gerosset
MWB 2 483,53;
geôtmüetic
Adj.
‘demütig’ (vgl. ôtmüetic):
gotes opfer ist ein wol geôtmutiger geist HvFritzlHl
202,11
MWB 2 483,54; Bearbeiterin: Baumgarte
gepac
stN.
‘Bündel’
der schencke droch ouch eynen sack. / Karls last ind syn gepack / dat was eyn
flesche lederin, / dar ynne droch hey guden wyn KarlGalie
8576
MWB 2 483,57; Bearbeiterin: Baumgarte
gepassen
swV.
‘erreichen’ (vgl. Rosenqvist 1,109):
is hey van solcher macht, / dat ir ryden moest mit nacht? / en kunnet ir sy
neit gepassen / de gene, de uch hassen? Karlmeinet
381,50
MWB 2 483,61; Bearbeiterin: Baumgarte
gepeins
stN.
→
gepens
MWB 2 484,1;
gepens
stN.
hier gepeins (mit Dehnungs-i?).
‘Denken, Sinnen’ (vgl.
pensen
,
pensieren
und MNW 2,1465):
alz ich suͦs saz in myn gepeins, / so coomt zo mir
unverseyns / heymelic aldair gegaen / eyn joncfrouwe wail getaen
MinneR336
7
MWB 2 484,2; Bearbeiterin: Baumgarte
gephehte
stN.
‘Maßverhältnis’
der wende waren echte [acht] und ie als manic ecke,
/ al nach der koͤre gepfehte [La.
gepfhehte
]
JTit
426,2
MWB 2 484,7; Bearbeiterin: Baumgarte
gephlegenisse
stF.
‘Aufsicht, Verwaltung’
alles das varende guͦt vnde fruht, es si win, korn oder
[...] guͦt, das vorhanden was vnd das vnder dem
kuͤnge in des gephlegnisse von Banacker vunden wart UrkCorp (WMU)
1524,4
MWB 2 484,10; Bearbeiterin: Baumgarte
gephlester (?)
stN.
Ansatz und Bed. unklar. Beckmann, WhvÖst., S. 90f. schlägt vor
gephnäster, ‘Schnauben’, zu lesen; dort auch
Überlegungen zum Ansatz geblæster:
do hort er ain gepflester / von der veste dozzen / den ungehuͤrsten
grozzen / den man uf erden ie gesach WhvÖst
11920
MWB 2 484,15; Bearbeiterin: Baumgarte
gephliht
stF.
‘Gemeinschaft, Umgang’
der bû, den man ze Jaffe tuot, / der ist für heiden [gegen die
Heiden] harte guot; / ern hilfet für die kristen niht, / die mit
den heiden hânt gepfliht Freid
157,12;
da ich kam in ir gepflicht / gar listiglichen gein Zeisselmawer
Neidh(S)
2,156c76:4,4;
zur schande haben sie gephlicht, sien wollen einen biderben nicht erkennen
Fegfeuer
1:13,7;
mit reiner gepflihte UvZLanz
2725
MWB 2 484,21; Bearbeiterin: Baumgarte
gephlihte
swM.
‘jmd. mit dem man Umgang pflegt’ hier wohl am ehesten
‘Amtsbruder’
da was der richen juden ein / Cayphas ir bischof, / an deme stunt do der hof /
des jares und daz gerihte, / und Annas sin gephlihte, / Gamaliel und Sobnan
HeslNic
406
MWB 2 484,30; Bearbeiterin: Baumgarte
gephnäster
stN.
→
gephlester
MWB 2 484,36;
gephnæte
stN.
‘aufgeblasenes Getue’ (vgl.
phnëhen
) im Bild der (balzenden) Taube, die ihren Kropf
aufbläst:
ich gelîche sîn gephnæte ze einer saten tûben, / diu mit vollem krophe ûf
einem korenkasten stât Neidh
WL 13:5,8
MWB 2 484,37; Bearbeiterin: Baumgarte
gephorte
Subst.
‘Pforte, Durchgang’
tuon ouch kundt an disem offenen briefe, das ich oder min erben dem
vorgenampten guot die gepforten offen lassen soll von Sant Gallen mess hin unz zu
mittem merzen SchweizId
4,1633
(a. 1340).
4,251
(a. 1339)
MWB 2 484,42; Bearbeiterin: Baumgarte
gephrange
stN.
‘Bedrängnis’ (vgl.
phrange
stF. und
phrengen
swV.):
nie wart so groze schande / under des himels crange
[(Um-)Kreis] / geliden in geprange / sam Jerusalem
hie leit Daniel
6328
MWB 2 484,47; Bearbeiterin: Baumgarte
gephünde
stN.
md. gepunde.
‘Gewicht’
ob vrouwe barmeherzekeit / daz gepunde wider leit / und ir hôchgewihte / die
wâgen wider rihte Erlös
874
MWB 2 484,51; Bearbeiterin: Baumgarte
geprüeven
swV.
→
prüeven
MWB 2 484,54;
geprüevieren
swV.
→
prüevieren
MWB 2 484,55;
gequëckelich
Adv.
‘kühn, dreist’
ach hertze min innewendigs, / du armes und sendigs, /
[...], / wie machtu also
zecklich [herausfordernd] / und also gar gequecklich /
mich mit sulhem leide gederren Minneb
5018
MWB 2 484,56; Bearbeiterin: Baumgarte
gequël
stM.
‘Quelle’ (hier metaphorisch ‘innerster
Grund’, vgl. Hernández, Eigentum S. 48, Anm. 68):
swaz dâ blîbet, daz ist ein einvaltigez ein. in disem ein gebirt der vater
sînen sun in dem innersten gequelle Eckh
1:94,1
MWB 2 484,61; Bearbeiterin: Baumgarte |