genæmelich
Adj.
‘willkommen, begrüßenswert’
âhî, wie süezer willekum / mit sange dir [Maria]
geboten wart / an der genæmelîchen vart, / die dû ze himele tæte KvWGS(G)
520
MWB 2 449,42; Bearbeiter: Runow
genæmen
swV.
‘(jmdn.) angenehm, beliebt machen’
adamas vertrîbt die gift, / calidonius genæmet, / sardîs machet êrentrîch
Tougenhort
780
MWB 2 449,46; Bearbeiter: Runow
genâmen
swV.
‘etw. annehmen, empfangen’
wurde, daz er vierhundert mark an eigen oder an erbe leite nach rechten werde,
daz sol sv genamen vnd solz han zv eime rechten widemen UrkCorp (WMU)
1265,8;
die [
helfe
] sollen wi genamen, vnd da
midde sol vns oͮch begnuͦgen ebd.
2785A,36
u.ö.
– mit Gen.-Obj.:
daz ich mins rethdes [l. rehtes
] , daz
ich vffe der selben mûlen [...] hadde, vorbaz warden
[beanspruchen] vnd genamen wolde vffe der wisen, di
ir eigen waz UrkCorp (WMU)
1037,43
MWB 2 449,49; Bearbeiter: Runow
genamhaft
Adj.
‘namhaft, anerkannt’
di vzlegunge ir [der hl. Schrift] ,
di von ginamhaften vnde lobhaften cristinlichen vatirn gimach sint
BrZw
9
MWB 2 449,60; Bearbeiter: Runow
genæmicheit
stF.
‘Annehmlichkeit, Liebreiz’
alle die genæmekeit und alle die lustlîche freude, die diu werlt hât von der
sumerwunne PrBerth
1:223,22
MWB 2 449,63; Bearbeiter: Runow
genamʒôn
swV.
→
namʒen
MWB 2 450,3;
genande
stF.
→
genennede
MWB 2 450,4;
genanne
swM.
auch genenne ( HvNstGZ ) und genande (
LBarl ; Interferenz zu genende (?) →
genennede
).
‘Gleichnamiger’ (vgl.
gename
)
1
‘Namensvetter’
2 von Verwandtschafts- und anderen Beziehungen
1
‘Namensvetter’
cognominalis: gnanno SummHeinr
2:244,01.102;
Iesus was er geheizen / der aller chuͦniste helt / got
hete in irwelt / er was ein also gut man / so er gote zeineme genannen wole zam
VMos
67,21.
69,1;
ein sîn genanne hiez alsam, / dem was erkorn der selbe nam
RvEBarl
2373;
den genannen RvEWh
8399;
Kchr
11402;
PassI/II
50,23.
– bezogen auf gleiche Bezeichnung:
ein tôre ist sîn genanne [d.h. er beträgt sich wie ein
Tor]
RvZw
267,9.
– von Christus als Namensgeber der Christen:
ich hân gelouphaften sin / daz ich dîn genanne bin, /
wîsheit ob allen listen, / du bist Christ, sô bin ich kristen Wh
1,26;
wir cristen heizen nâch dir, Crist! / sît daz dû unser gnanne bist, sô heb
uns ûf RvZw
Leich,191;
Winsb
79,6;
Ottok
49554.
– bezogen auf die Trinität (s.a.
genennede
):
die dâ gloupten âne spot / an den waltunden got, / die die drî genanden /
ze rehte wol erkanden LBarl
10424.
9686
(vgl. ebd. auch den synon. Gebrauch von name
[Glr.z.St.]);
sô mahten wir gerner geben / den cins den drin genennen
[gemeint: wir sollen lieber Gott dienen (als dem
Teufel)]
Wernh
3811;
hierher (so die Anm.z.St.) oder zu 2:
got herre, vater! erkenne, / nim in [den
gekreuzigten Jesus] , din genenne [nimm ihn auf als
deinen genannen
] ! HvNstGZ
3186
2
von Verwandtschafts- und anderen Beziehungen:
Adam zi dem giwalti [in die Verfügungsgewalt des
Teufels] gihorti. / gnadi gotis sit daz zistorti, / der magidi sun
wolti sinin ginannin [d.i. Adam] / voni des viantis
giwalti giwinnin SuTheol
131;
do gesamenent sich danne zwa getriwe genannen. / daz ist
spiritus intellectus, daz heizet unser vernunst AvaLJ
217,1.
– Anrede des Vaters (vgl. DWB 5,1337 s.v.
knan):
ein frum man strâfte sînen sun / und hiez in tugentlîchen tuon. / er
[der Sohn] sprach: ‘genanne, des entuon ich
niht [...]’ Renner
23697
MWB 2 450,5; Bearbeiter: Runow
genannen
swV.
refl. mit präp. Erg. ze
‘jmds. Namen tragen’
‘wol uns [...],’ /
sprach diu vrawe [...] ‘wie suͦze got dich
meinet, / sun, daz du dich genannes / zu dem herren sante Johannes
Rennew
32705
MWB 2 450,45; Bearbeiter: Runow
genant
Part.-Adj.
subst.
‘Berufener, Vereidigter’ (Bürger, der als Berater oder
Beisitzer berufen wird; s.a. DRW 4,208f.):
des ersten schol ein iclicher genanter wersweigen sein bei seinem aid, was er
hort in dem rat bey den schepfen StRPrag
85;
ez haben auch di purgere von dem rat und di schepphen und di genanten von der
stat mit gemeynem rat gesatzet, daz [...]
NüP
68;
StRWien
51.
–
‘Zeuge, Eideshelfer’
swer angesprochen wirt vmb ein manslaht [...], wil er
sich der bereden, daz sol er tuͦn mit den genanten, mit den næhsten vnd mit
den besten UrkWittelsb
2,50
(a. 1294);
swer den andern rovbet [...] vnd sich des selbdritte
mit den genanten niht bereden mach, dem sol man die hant abslahen
UrkCorp (WMU)
475AB,34,11
u.ö.
MWB 2 450,50; Bearbeiter: Runow
1genantlich
Adj.
‘bekannt, geläufig’
da von [durch die Erlösungstat Christi] ist si
[die Stadt Jerusalem] alleine / alder welte
genantlich / und och von reht erkantlich Martina
204,97
MWB 2 451,1; Bearbeiter: Runow
2genantlich
Adv.
→
genendelîche
MWB 2 451,5;
genasche, genesche
stN.
1
‘Naschwerk, Leckerei’
2 übertr. ‘Verführbarkeit, Begierde’
1
‘Naschwerk, Leckerei’
im [dem jungen Mann] liept daz genesch fuͤr
ritterschafft Suchenw
31,185;
esche [Asche; bezogen auf den vergänglichen menschlichen
Leib] , / der würme genesche Martina
118,112
2
übertr. ‘Verführbarkeit, Begierde’
do begunder [der Rabe, den Noah von der Arche
aussendet] umbe wasschen / durh sin selbes genaske
VMos
13,7;
ez verdienet maniger in der jugende mit sînem genesche und sô er zuo der ê
kumt, daz in sîn hûsfrouwe niemer alse wertlichen gehandelt hât, als er gerne sæhe
PrBerth
2:141,2.
2:189,2;
daz sie [die vom Teufel geblendeten
Menschen]
[...] also gebarten / durch
dises vleisches genasch / daz gotes liecht an in irlasch HeslApk
13575;
DvASchr
310,1
MWB 2 451,6; Bearbeiter: Runow
genaset
Part.-Adj.
‘mit einer Nase versehen’
si [Cundrîe] was genaset als ein
hunt Parz
313,21
MWB 2 451,22; Bearbeiter: Runow
genæte
Part. Prät.
→
næjen
MWB 2 451,24;
genatûret
Part.-Adj.
→
natûren
MWB 2 451,25;
genciân
stM.
→
enziân
MWB 2 451,26;
genclich
Adj.
‘vergänglich’
nu dar, ir werlde minner, [...]
schouwet, wie in aller vrist / hin slîchende unde genclîch ist / die werltlîche
minne! HvFreibTr
6850
MWB 2 451,27; Bearbeiter: Runow
geneckezen (?)
swV.
Ansatz unsicher (vgl. Glr.z.St.); wohl Intensivbildung zu necken (vgl.
DWB 7,519).
mit präp. Erg. ûf
‘auf jmdn. schimpfen, jmdn. schmähen’ (?):
ir [Frau Ehre] mochtet node han
geruͦt / do ir sy [eure Schüler] lerdet uwer
letzen [zu lëcze ‘Lektion’] , /
das nommer man genetzen / darf of uwer scolere MinneR481
280
MWB 2 451,31; Bearbeiter: Runow
genedenlich
Adj.
→
genædiclich
MWB 2 451,38;
genegele
stN.
Koll. zu
nagel
.
1
‘Fingernägel’
2
‘Nägel’ , hier ‘Hufnägel’
1
‘Fingernägel’
si bunden im [Jesus] die arme sîn / über sich sô
sêre hin, / daz [...] man daz bluot im spreiten sach / von
sîm genegele hin dan WvRh
9404;
die vinger [...] wis, gedraejet sam
ain zain. / ir [Maria] daz genegel luter schain
SHort
7048
2
‘Nägel’, hier ‘Hufnägel’
die smide in der vogetige sullent ouch den forstern geben sehzehen hubysin und
genegele darzu WeistGr
1,701
(a. 1336)
MWB 2 451,39; Bearbeiter: Runow
geneiclich
Adj.
‘eine Neigung zu etw. habend, anfällig für etw.’, mit präp.
Erg. (s.a.
genîgic
):
der mensche naturlichen hat den frigen willen, gneigliche zuo
guot unde zuo übel ThvASu
342,18;
das der mönsche für das hin niut als geneigklich wirt zuo süntlichen gebresten
als er vor mals ist gewesen PrEngelb
187,200;
Tauler
163,5.
–
und behuͤte sú [die Natur des
Menschen] got nút, wie krang, wie vellig, wie geneiglich dis
[die Befangenheit in Sünde] ist one alles ende
Tauler
322,28
MWB 2 451,48; Bearbeiter: Runow
geneiclîcheit
stF.
‘Neigung, Schwäche’
wie das ist, das wir in dem touffe von der erbschulde geweschen werden, doch
belibet üns das würtzlin der geneiglicheit zuo der schulde PrEngelb
194,29;
wan si [junge Leute] verre nu me
geneiglicheit habent wan man do hatte Tauler
233,2
MWB 2 451,58; Bearbeiter: Runow
geneicsam
Adj.
‘schräg hinübergehend’
vnd ir [der Springer] gankch vnd ir natur ist
[...], das der weizz auf ain swartz veld get vnd wyder
genaigsam ist [
declinat
] auf weis
Schachzb
123,4
MWB 2 452,1; Bearbeiter: Runow
geneigic
Adj.
1
‘zur Seite geneigt’
2
‘wohlgesonnen, nachgiebig’
1
‘zur Seite geneigt’
obstipus: geneigeter [La. genaygiger
]
VocClos
Ob37
2
‘wohlgesonnen, nachgiebig’
do si sin herze geneigich sach Cäc
99;
wann wir die stat Uͤberling so genaigig, so undertenig und ouch so
gestendig an uns [...] funden haben UrkÜberl
28
(a. 1348)
MWB 2 452,5; Bearbeiter: Runow |