genagunge
stF.
‘Nagespuren, Abtragungen’
man sicht an der tôten herz kain versêrung als an andern
glidern, wunden, genagung [
corrosiones
] , swern,
stain und sämleich dinch BdN
26,33
MWB 2 448,17; Bearbeiter: Diehl
genæhe
stswF.
‘Nähe, nähere Umgebung’
busûn noch tambûren schal torst nieman dâ erschellen, / unz daz man quaem in
die genaehe, / daz der vorrîtaer sîn rehte zît ersaehe, / sô taet manz kunt danne
alle der schar gesellen Loheng
5008;
[er] sol uns dienen inner landez mit dreizzich helmen,
swenn wir sein beduͤrfen, und mit seiner macht, swa wir in der genehen sein,
da er uns gereichen mach MGHConst
6:4,34
(a. 1325)
MWB 2 448,21; Bearbeiter: Diehl
genæhede
stF.
‘Nähe, nähere Umgebung’
in der genahde strich / daz ich gesehen muͤge dich
WhvÖst
7041;
duͥ guͦt, duͥ in der genaehte bi der stat ligent
StRRavensb
103,12
MWB 2 448,30; Bearbeiter: Diehl
gename
swM.
‘Namensvetter, Gleichnamiger’ (vgl.
genanne
):
dem werden Steinachære, / herrn Ruodolf, dem genamen mîn [Rudolfs
von Ems]
RvEGer
6827.
3006;
das da komen ware / Wilhelm von Brabant. / do sin genamme das
bevant, / der junge kúnic [W. von Orlens] , er
froͮte sich RvEWh
6072;
ain man der starb ze Nazareth, / der och Joseph den namen het
/ [...] / und hette guͦtes vil getaͮn /
Josephen, dem sælderichen man. / dar umb wart sin truren gros / umb sinen genamen
und sinen genos WernhMl
5212.
– bezogen auf gleiche (begriffliche) Bezeichnung:
daz ich / ir [Marias] gename bin genant, / wan ich
ein maget bin erkant RvEGer
2255.
–
daz wir kristenliute sîn, daz sîn wir von der gnâde gotes
[...]: wir sîn sîniu kint unde sîn sîne genamen
[gemeint: wir heißen Christen nach Christus]
PrBerth
1:289,7
MWB 2 448,34; Bearbeiter: Runow
genæme
Adj.
1
‘angenehm, lieb, angesehen’
1.1 mit Dat. 1.2 subst. 2 rechtsspr. ‘gültig, gängig’
2.1 bezogen auf Münzen oder Währungen 2.2 in der Verbindung stæte unde ~ haben
‘etw. (einen Vertrag) verbindlich einhalten’
1
‘angenehm, lieb, angesehen’
der milde degen geneme GrRud
F 25;
sîn kint, daz dienestbære / und an dem lîbe wære / sô schœne
und sô genæme, / als ez dem hove gezæme Tr
5961;
wær si doch sô genæme / daz ich si möhte an gesehen
Wig
6501;
ain genemes dochterlein HvNstAp
113;
EnikWchr
18748;
Ottok
7978.
–
daz die unhöveschen nû ze hove genæmer sint danne ich Walth
32,3.
31,17;
dô [früher] was diu zuht genæme / und unzuht
widerzæme StrAmis
29;
verbena diu machet den menschen liep unde genæme unde
zallen zîten frômuot Barth
151,5;
BdN
255,12;
UvZLanz
9403;
Warnung
379.
–
uns nâhet ein genæmiu zît [bezogen auf das Jenseits nach dem
Märtyrertod]
KvWSilv
1310
1.1
mit Dat.:
diu botschaft was genæme / allen ir holden
UvZLanz
4644;
div e ist got liep vnd genæme, / wan er selbe Adame /
froͮwen Euam gap ze wibe Wernh
D 1535;
das ist dem keiser vil genemer Tauler
312,16;
[ein Wesen,] das gott aller genaͤmste
waͤre KvHelmsd
3949;
Spec
53,6;
PrOberalt
127,27.
– vereinzelt mit präp. Erg.:
der stain [...] macht
seinen tragær genæm gegen den läuten BdN
467,4
1.2
subst.:
gote niht so genamis ist so div wâre diemot
Spec
52,11.
–
er wolde den genemen / ledigen, alser solde
GrRud
Fb 1;
dienet deme genemen [d.i.
Gott] ! Daniel
1487;
er [Jesus] verbot sinen
gnemen [den Jüngern] / daz sie von Jherusalem
iht quemen HvNstGZ
4481.
–
Stephanus der geneme PassIII
50,6.
63,44;
Pompeius der geneme HistAE
5521.
1640;
do wart dirre geneme [Paulus] / genumen
zeinem boten gots PassI/II
180,73.
– in der Verbindung gotes- oder gote ~
→
gotesgenæme
2
rechtsspr. ‘gültig, gängig’
18 malter korn, das rocke heist und genge und geneme sey speyrer masse
DRW
4,210
(Würdtwein; a. 1319);
daz gevelle einer genemer schenkunge MGHConst
8:648,27
(a. 1348)
2.1
bezogen auf Münzen oder Währungen:
drisig silberin pheninge / der múncze dú da genæme was
WernhMl
8103;
vmbe nivnzige marche genemes silbers Chostenzer gelotes
UrkCorp (WMU)
970B,10;
sechsech phvnt genemer Baseler mvͥnze ebd.
194,30;
in Paarformeln gæbe/ guot unde ~
:
vmbe nv́n schillinge geber vnd genemer pfenningen UrkCorp (WMU)
279,10;
umbe zehen schillinge Kostenzer múnsce, gaͤber unde genaͤmer
ebd.
2279,22;
drithalphundert phunde guͦter vnd genaͤmer phenninge haller
mûnsse UrkHohenz
1,165
(a. 1345).
1,167
(a. 1346)
2.2
in der Verbindung stæte unde ~ haben
‘etw. (einen Vertrag) verbindlich einhalten’
waz von den andern in deme rate [...] wirt
gedeidinget vnd vberkomen, der sol daz stetde vnd geneme haben vnd gevolgen
UrkCorp (WMU)
N77,32
MWB 2 448,51; Bearbeiter: Runow
genæmelich
Adj.
‘willkommen, begrüßenswert’
âhî, wie süezer willekum / mit sange dir [Maria]
geboten wart / an der genæmelîchen vart, / die dû ze himele tæte KvWGS(G)
520
MWB 2 449,42; Bearbeiter: Runow
genæmen
swV.
‘(jmdn.) angenehm, beliebt machen’
adamas vertrîbt die gift, / calidonius genæmet, / sardîs machet êrentrîch
Tougenhort
780
MWB 2 449,46; Bearbeiter: Runow
genâmen
swV.
‘etw. annehmen, empfangen’
wurde, daz er vierhundert mark an eigen oder an erbe leite nach rechten werde,
daz sol sv genamen vnd solz han zv eime rechten widemen UrkCorp (WMU)
1265,8;
die [
helfe
] sollen wi genamen, vnd da
midde sol vns oͮch begnuͦgen ebd.
2785A,36
u.ö.
– mit Gen.-Obj.:
daz ich mins rethdes [l. rehtes
] , daz
ich vffe der selben mûlen [...] hadde, vorbaz warden
[beanspruchen] vnd genamen wolde vffe der wisen, di
ir eigen waz UrkCorp (WMU)
1037,43
MWB 2 449,49; Bearbeiter: Runow
genamhaft
Adj.
‘namhaft, anerkannt’
di vzlegunge ir [der hl. Schrift] ,
di von ginamhaften vnde lobhaften cristinlichen vatirn gimach sint
BrZw
9
MWB 2 449,60; Bearbeiter: Runow
genæmicheit
stF.
‘Annehmlichkeit, Liebreiz’
alle die genæmekeit und alle die lustlîche freude, die diu werlt hât von der
sumerwunne PrBerth
1:223,22
MWB 2 449,63; Bearbeiter: Runow
genamʒôn
swV.
→
namʒen
MWB 2 450,3;
genande
stF.
→
genennede
MWB 2 450,4;
genanne
swM.
auch genenne ( HvNstGZ ) und genande (
LBarl ; Interferenz zu genende (?) →
genennede
).
‘Gleichnamiger’ (vgl.
gename
)
1
‘Namensvetter’
2 von Verwandtschafts- und anderen Beziehungen
1
‘Namensvetter’
cognominalis: gnanno SummHeinr
2:244,01.102;
Iesus was er geheizen / der aller chuͦniste helt / got
hete in irwelt / er was ein also gut man / so er gote zeineme genannen wole zam
VMos
67,21.
69,1;
ein sîn genanne hiez alsam, / dem was erkorn der selbe nam
RvEBarl
2373;
den genannen RvEWh
8399;
Kchr
11402;
PassI/II
50,23.
– bezogen auf gleiche Bezeichnung:
ein tôre ist sîn genanne [d.h. er beträgt sich wie ein
Tor]
RvZw
267,9.
– von Christus als Namensgeber der Christen:
ich hân gelouphaften sin / daz ich dîn genanne bin, /
wîsheit ob allen listen, / du bist Christ, sô bin ich kristen Wh
1,26;
wir cristen heizen nâch dir, Crist! / sît daz dû unser gnanne bist, sô heb
uns ûf RvZw
Leich,191;
Winsb
79,6;
Ottok
49554.
– bezogen auf die Trinität (s.a.
genennede
):
die dâ gloupten âne spot / an den waltunden got, / die die drî genanden /
ze rehte wol erkanden LBarl
10424.
9686
(vgl. ebd. auch den synon. Gebrauch von name
[Glr.z.St.]);
sô mahten wir gerner geben / den cins den drin genennen
[gemeint: wir sollen lieber Gott dienen (als dem
Teufel)]
Wernh
3811;
hierher (so die Anm.z.St.) oder zu 2:
got herre, vater! erkenne, / nim in [den
gekreuzigten Jesus] , din genenne [nimm ihn auf als
deinen genannen
] ! HvNstGZ
3186
2
von Verwandtschafts- und anderen Beziehungen:
Adam zi dem giwalti [in die Verfügungsgewalt des
Teufels] gihorti. / gnadi gotis sit daz zistorti, / der magidi sun
wolti sinin ginannin [d.i. Adam] / voni des viantis
giwalti giwinnin SuTheol
131;
do gesamenent sich danne zwa getriwe genannen. / daz ist
spiritus intellectus, daz heizet unser vernunst AvaLJ
217,1.
– Anrede des Vaters (vgl. DWB 5,1337 s.v.
knan):
ein frum man strâfte sînen sun / und hiez in tugentlîchen tuon. / er
[der Sohn] sprach: ‘genanne, des entuon ich
niht [...]’ Renner
23697
MWB 2 450,5; Bearbeiter: Runow
genannen
swV.
refl. mit präp. Erg. ze
‘jmds. Namen tragen’
‘wol uns [...],’ /
sprach diu vrawe [...] ‘wie suͦze got dich
meinet, / sun, daz du dich genannes / zu dem herren sante Johannes
Rennew
32705
MWB 2 450,45; Bearbeiter: Runow
genant
Part.-Adj.
subst.
‘Berufener, Vereidigter’ (Bürger, der als Berater oder
Beisitzer berufen wird; s.a. DRW 4,208f.):
des ersten schol ein iclicher genanter wersweigen sein bei seinem aid, was er
hort in dem rat bey den schepfen StRPrag
85;
ez haben auch di purgere von dem rat und di schepphen und di genanten von der
stat mit gemeynem rat gesatzet, daz [...]
NüP
68;
StRWien
51.
–
‘Zeuge, Eideshelfer’
swer angesprochen wirt vmb ein manslaht [...], wil er
sich der bereden, daz sol er tuͦn mit den genanten, mit den næhsten vnd mit
den besten UrkWittelsb
2,50
(a. 1294);
swer den andern rovbet [...] vnd sich des selbdritte
mit den genanten niht bereden mach, dem sol man die hant abslahen
UrkCorp (WMU)
475AB,34,11
u.ö.
MWB 2 450,50; Bearbeiter: Runow
1genantlich
Adj.
‘bekannt, geläufig’
da von [durch die Erlösungstat Christi] ist si
[die Stadt Jerusalem] alleine / alder welte
genantlich / und och von reht erkantlich Martina
204,97
MWB 2 451,1; Bearbeiter: Runow
2genantlich
Adv.
→
genendelîche
MWB 2 451,5;
genasche, genesche
stN.
1
‘Naschwerk, Leckerei’
2 übertr. ‘Verführbarkeit, Begierde’
1
‘Naschwerk, Leckerei’
im [dem jungen Mann] liept daz genesch fuͤr
ritterschafft Suchenw
31,185;
esche [Asche; bezogen auf den vergänglichen menschlichen
Leib] , / der würme genesche Martina
118,112
2
übertr. ‘Verführbarkeit, Begierde’
do begunder [der Rabe, den Noah von der Arche
aussendet] umbe wasschen / durh sin selbes genaske
VMos
13,7;
ez verdienet maniger in der jugende mit sînem genesche und sô er zuo der ê
kumt, daz in sîn hûsfrouwe niemer alse wertlichen gehandelt hât, als er gerne sæhe
PrBerth
2:141,2.
2:189,2;
daz sie [die vom Teufel geblendeten
Menschen]
[...] also gebarten / durch
dises vleisches genasch / daz gotes liecht an in irlasch HeslApk
13575;
DvASchr
310,1
MWB 2 451,6; Bearbeiter: Runow
genaset
Part.-Adj.
‘mit einer Nase versehen’
si [Cundrîe] was genaset als ein
hunt Parz
313,21
MWB 2 451,22; Bearbeiter: Runow
genæte
Part. Prät.
→
næjen
MWB 2 451,24;
genatûret
Part.-Adj.
→
natûren
MWB 2 451,25;
genciân
stM.
→
enziân
MWB 2 451,26;
genclich
Adj.
‘vergänglich’
nu dar, ir werlde minner, [...]
schouwet, wie in aller vrist / hin slîchende unde genclîch ist / die werltlîche
minne! HvFreibTr
6850
MWB 2 451,27; Bearbeiter: Runow
geneckezen (?)
swV.
Ansatz unsicher (vgl. Glr.z.St.); wohl Intensivbildung zu necken (vgl.
DWB 7,519).
mit präp. Erg. ûf
‘auf jmdn. schimpfen, jmdn. schmähen’ (?):
ir [Frau Ehre] mochtet node han
geruͦt / do ir sy [eure Schüler] lerdet uwer
letzen [zu lëcze ‘Lektion’] , /
das nommer man genetzen / darf of uwer scolere MinneR481
280
MWB 2 451,31; Bearbeiter: Runow
genedenlich
Adj.
→
genædiclich
MWB 2 451,38; |