Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   gemach - 2geman    


gemach Adj., Adv. , gemache Adv. 1 Adj.
1.1 ‘einer Sache gleich, entsprechend’ , mit Gen.-Erg., subst.
1.2 ‘angenehm, bequem’ , präd. mit D.d.P.
1.3 ‘rücksichtsvoll’
2 Adv.
2.1 ‘unbeschwert, ohne Widrigkeiten’
2.2 ‘ruhig, still’
2.3 ‘freundlich’
2.4 ‘gemächlich, langsam’
   1 Adj.    1.1 ‘einer Sache gleich, entsprechend’, mit Gen.-Erg., subst.: ez enwart in tûsent jâren / nie des gesmîdes gemach, / daz man an den stegereifen sach Flore(S) 2851. – formelhaft wunders ~ : in deme zite gescach micheles wunders gemach AvaJo 1,4; LobSal 58; si jâhen, sin gevrieschen nie / solhes wunders gemach Tr 8247; hœre, herre, wunders gemach Serv 2707; Flore(S) 1087; zwô frouwen geswester / sagten dâ wunders gemach ebd. 243    1.2 ‘angenehm, bequem’, präd. mit D.d.P.: swaz der hêrre von gote gesprach, / daz wart dem kinde liep unt gemach Kchr 1917; Gen 1391; GenM 55,14; ez wâre in leit oder gemach En 6923. – attr.: dar nâch reit er in daz lant / und lie dâ niender hûs gestân / daz die geste iht möhten hân / dehein gemach belîben [subst. Inf.] dâ RvEAlex 5633; nu kan mit disen dingen / us kampfes ring dringen / die man der tiefel und dú wip / mit dem gemachen, bliden lip SHort 4794; daz er im [der verwundete Landgraf Ludwig zu Salatin] kumen wolde, / durch rât gemach [um der unkomplizierten Hilfe willen] bi im sîn Kreuzf 7691    1.3 ‘rücksichtsvoll’ Artûs der herre / gap im [Erec] swaz er vor gesprach [als Wunsch äußerte] . / doch was er im [Erec dem Artus] dar an gemach / daz es in iht bevilte Er 2271    2 Adv.    2.1 ‘unbeschwert, ohne Widrigkeiten’ dú heiligú scrift von im [Salomon] des giht / das nieman me ze keinir zit / [...] gelepte in kúniglichir kraft / nie mit so grozir herschaft / so gemache, swie er wolte, / darnah man wúnschen solte, / an alle muͤie gar sundir pin RvEWchr 33211    2.2 ‘ruhig, still’ si dolte sô gemache, / daz ez gar âne braht beleip Tr 12598    2.3 ‘freundlich’ iedoch sprach sî gemache, / diu minneclîche kluoge [die Begleiterin, die die beiden Liebenden (Reinfried und Yrkane) mahnt, Abschied voneinander zu nehmen] Reinfr 3764    2.4 ‘gemächlich, langsam’ Parzifal staphete fürsich, / sin swester reit bi im gemach ParzRapp 399,41; sô læzt er [der Wolf] sein grimmichait und eilt niht snell, er trabt gemach über daz velt BdN 147,25; wenne in [den Fuchs] hungert [...], sô stiftet er sich tôt sein und legt sich auf die erden und zeuht den âtem gemach an sich, unz die vogel auf in gesitzent sam auf ain âs, sô væht er si danne und frizt si ebd. 163,34; wer ain hant gemach legt auf die andern, dâ wirt kain stimm [Ton] auz ebd. 15,32; RvEAlex 12222; Hadam 222,7

MWB 2 398,49; Bearbeiter: Tao

gemach stMN. 1 ‘Bequemlichkeit, Annehmlichkeit, Ruhe, Pflege’
1.1 allg.
1.2 nach einer Reise, einem Kampf
1.3 bezogen auf den (nächtlichen) Schlaf
1.4 ‘Wohlbehagen, Freude’
1.5 euphem. in der Wendung ~ haben ‘Notdurft verrichten’
2 ~ haben in Aufforderungssätzen
3 ‘Frieden, Ruhe’ , innerlich und äußerlich
4 ‘Nutzen, Vorteil, Wohlergehen’
5 ‘Heil, Seligkeit’
6 gemach als Wohn- und Nutzraum, Bauwerk
6.1 ‘Raum eines Gebäudes, Zimmer, Gemach’
6.2 ‘Wohnung, Haus’
6.3 heimlich ~ ‘Abtritt’
6.4 ‘Anbau’
6.5 ‘Grabkammer’
   1 ‘Bequemlichkeit, Annehmlichkeit, Ruhe, Pflege’    1.1 allg.: sî schuof im allen den gemach / des im zem lîbe nôt was [sie sorgte für alles, was für sein leibliches Wohl nötig war] Iw 1780. 3648; wolt ich ingesinde sîn / iwer oder decheines man, / sô het ich mîn gemach getân [hätte ich mir ein angenehmes Leben verschafft] Parz 7,22; die vrouwen dienen kunden, die heten kleinen gemach [hatten viel zu tun] NibB 1308,4; wand ich durch minen bœsen gemach [schimpfliche Untätigkeit] / mînen schaden übersach Wig 72; Joachim [...] kestegôte [...] mit vasten und mit wahte sich. / [...] er hâte im selber gar genomen, / swaz im ze gemache mahte komen WvRh 346; man vindet manigen sô gemuot, / daz er gemach, êre unde guot / vil gar durch gotes hulde lât UvLFrd 588,20. – in negativer Wertung der êre entgegengesetzt: wolde ich gemach vür êre Greg 1677; ze gemache ân êre stuont sîn sin Iw 76; êre wil des lîbes nôt; / gemach daz ist der êren tôt Tr 4432; wan mit gemache niemen mac / grôze êre erwerben Wig 2873; sun, wil dir lieben guot gemach, / sô muostû êren dich bewegen Winsb 42,1. mich [Christus] selben gesihestû nimmer mêre, / ist dir lieber werltlîcher gemach, / den niemen lange gehaben mach, / denne diu himelische êre Erinn 905    1.2 nach einer Reise, einem Kampf: die wegemüeden vrouwen die heten senfte und ouch gemach NibB 1377,4; dô man ir ze gemache tete / swaz man guotes mohte, / daz ir ze nemenne tohte Iw 5812; er hiez der wunden [Verwundeten] hüeten und scaffen guot gemach NibB 248,3; zehant wart in beiden / ein ruowe bescheiden, / dâ in gnâde und gemach / zuo ir wunden geschach Iw 7771; manic herre was sô maezlîch wunt / under in, daz er wær worden wol gesunt / möht er dâ heim gemaches hân gewalten Loheng 2863    1.3 bezogen auf den (nächtlichen) Schlaf: welt ir ihtes beginnen sô komet uns morgen fruo / unde lât uns ellenden hînt haben gemach NibB 1823,3; dô wold’ si [Brünhild] in [Siegfried] gebunden alsam den künic [Gunther] legen, / daz si an dem bette möhte haben gemach ebd. 671,3; si schuofen ir gemach [gönnten sich Ruhe] , / unz man den liehten morgen aber schînen sach ebd. 1360,1; die guoten herberge er dô nam, / daz im von wirte selch gemach / eines nahtes nie geschach Iw 977; di naht gemach mîn was niht guot: / von sorgen leid ich ungemach UvLFrd 233,12; Abram an sin gemah sih lie / und entslief RvEWchr 4437; Salomon sih nidir lie / an sinis slafis gemah ebd. 32873; sin slaf was kurz in der nacht / durch sin langez gebet. / die zit im harte we tet, / die im nam slafes gemach PassIII 401,25    1.4 ‘Wohlbehagen, Freude’ dô mîn ougen sî alrêrst ersâhen, / wol der zît, / daz was mîn gemach: / dô saz ich ir sunder huote nâhen KLD:VdK 1:2,3; sît [...] mir daz sælden gemach / daz mir sît an ir geschach / diu übele huote hât benomen / daz ist mir niht ze guote komen ZwBüchl 95; er was ir ougen ein gemach / und ir herzen wunnespil KvWTroj 13680; swaz si gedachte vahen / in ein vleischlich gemach, / daruz si menlich enprach [befreite] / sich als ein kempfinne PassIII 619,53; du hast mit edeler spise / dinen buch wol gevult / vnde wilt von dirre selben schult / din gemach nicht vndersniden PassI/II 377,36; als den rîchen in dem êwangeliô, der sînen stadel wîtete, daz er deste mêr möhte bevâhen guotes und êren und irdisches gemaches DvASchr 314,34. – verbunden mit vreude: ich vürhte, diu vreude und der gemach / diu ich mit rede mit iu hie hân, / ich müeze ir ze buoze stân Greg 3580; doch werte dô niht lange / ir hôhiu freude und ir gemach, / wan in nâch liebe leit geschach KvWEngelh 3169. 3116; swaz do Magdalena sprach / daz waz ein vreude vnde ein gemach / dem vursten vnde den luten PassI/II 378,45    1.5 euphem. in der Wendung ~ haben ‘Notdurft verrichten’ wir sollen och iewederhalp des baches vber den selben bach machen zwo offene kameren [Latrinen] mit vier sessen, zvͦ den maneglich moͤge gan von iewederre strasse vmbe sin gemach da ze habende UrkCorp (WMU) N714,34    2 ~ haben in Aufforderungssätzen: – ‘still sein, sich ruhig verhalten’ der keiser dô ûz zorn sprach: / ‘swîc und hab dînen gemach! EnikFb 858; si pruvetez vur ein einfalt / an deme kinde unde sprach / ‘tu hin [lass es sein] , habe din gemach [...]’ PassIII 241,70; der furste drowete ime [dem Löwen] nu / mit fuste unde ouch mit worten [...] unde sprach: / ‘irn habet, arger wicht, gemach, / iz get uch weizgot an daz fel’ Elis 3222. – ‘sich beruhigen, unbesorgt sein’ Judas ze sinem vater sprach: ‘herre, vernim und habe gemach, / wis in guͦtem muͦte, dir enbot Josep der guͦte, / er wære niht tot, ubir Egiptelant get sin gebot [...]’ GenM 100,19; ‘tohter, [...] / wis dînem manne undertân, / als ich dich gelêret hân!’ / ‘muoter, habet iur gemach! / ich weiz wol waz ich wider iuch sprach, / des enwil ich niht lâzen’ Sibote 329; habet guoten gemach, / vil edeliu küniginne, / ich getrou mînem sinne, / ich gewinn iu den selben man, / wan ich in erkant hân EnikWchr 20844; mich müet iuwer ungemach [...]. / stêt ûf, her Sîfrit, und habt gemach! EnikFb 4131    3 ‘Frieden, Ruhe’, innerlich und äußerlich: ichn gewinne gemach nochn wirde vrô / niemer mê unz ûf ten tac / daz ich wider haben mac / mîner vrouwen hulde: / der mangel ich ân schulde Iw 5466; irn wellet besorgen / dise selben sache, / man enlât iuch mit gemache / niemer mêre geleben ebd. 7842; ir sint ein sanfte lebender man, / des rîche mit gemache stât / und einen vrîen fride hât / an liuten unde an lande KvWTroj 19297; iuwer rede ist mir unmær, / iuwer rede sult ir iuch mâzen / und sult mich mit gemache lâzen Rädlein 82. – in Urkundentexten, oft verbunden mit vride: ein muͦter allez guͦtes, daz ist die einhellekeit, alse sie den, die sie liep hat, vriden, gemach vnd ere birt UrkCorp N77,22; der fursten er scheinet daran, daz si ieren undertanen frid und gemach schaffent StRBrünn 341; durch frid vnd durch gemach UrkCorp (WMU) 888,42; duͦrch friedes vnd gemachs wegen UrkWürzb 39,86 (a. 1318); soliche recht [...], da von die gvͦten vnd die vnschuldigen lvte in fridelicheme gemache bliben UrkCorp (WMU) 372,37; daz derselbe mensche vridleich und mit gemach mit aller seiner hab und mit seim guet chom czu im in di stat cze Brunne StRBrünn 383; daz wiͤr daz gotzhous von Wêrtse, leuth vnd guͦt, in vnsern scherm haben gnomen [...] vnd wellen, daz si mit rvͦwe vnd mit gemach beleyben, daz gotzdienst da niht zerge UrkCorp 2624,3; mit gemache vnde geruͦwichliche UrkCorp (WMU) 296,23    4 ‘Nutzen, Vorteil, Wohlergehen’ selbe dû nû scaffe waz ich dir tuo ze gemache Gen 1375; ich wil dir râten dîn gemach [was dir nützt] EnikWchr 21692; do von sprichet sante Bernhart, / der da schone hat gelart / uns allen zu gemache ErzIII 41,31; do vloz uz deme steine / ein wazzer lustsam genuc, / daz sich in zu gemache truc / nach der notdurft gebote PassIII 222,4; mit spîse, bade, mit spunne / si pflac ir ougen wunne / und mit ander aller sache, / swaz hœrt ze kinde gemache WvRh 3939; da ze buwende nach vnserme gemache vnd nach vnserre notdurft UrkCorp (WMU) N714,23. – verbunden mit nuz, vrume: ir hetet es fromen unde gemach / und ich schaden und arbeit En 9002; ob sie anders ires nvzzis vnd ires gemachis dranne icht mugen geschaffen UrkCorp (WMU) 58,3; daz ir [...] die recht ewer stat nach vnser er vnd der gemayn gemach vnd nucz moeget richten vnd orden UrkSteiermSt 1,175 (a. 1307); unsin cremern [...] zu nuccze unde zu gemache UrkSchles 8,13 (a. 1318); damit si æinen arme der Tuͦnawe gelaitet habent auf ir mul, niht alein ir chloster, halt aller der stat ze Tullen ze vrum vnd ze gemach UrkCorp (WMU) 1156,7; vͦmbe gemach inde gemeinen vruͦmen vͦnser bruͦdere ebd. 53,15    5 ‘Heil, Seligkeit’ ze solhen hûsen [Eremitenbehausungen] was er gerne / durh des geistes gemach LvRegFr 3380; wie starken strit her vichtet, / swer sinen sin uz richtet / daz her zur werlde so gevar / daz her lip und ere bewar / und schaffe der sele gemach HeslApk 17487; des moesse got ermeren / Gerffens selen gemach KarlGalie 736; daz ewige gemach PassIII 49,49; hat din got nu den gewalt, / als du mir dicke hast gesaget, / daz im der lute heil behaget, / so neme er dirre vrowen geist / vz alles vbeles volleist / vnde brenge in zv gemache PassI/II 380,66    6 gemach als Wohn- und Nutzraum, Bauwerk    6.1 ‘Raum eines Gebäudes, Zimmer, Gemach’ die schœnen Prünhilde man dô komen lie / unt ouch vroun Kriemhilde, bêde an ir gemach NibB 660,3; die geste hiez man füeren balde an ir gemach ebd. 799,1; hin vuorte er si [...] / in sîn heimlich gemach, / [...] und beslôz im vor die tür AHeinr 1181; die fuorten in an sîn gemach Parz 227,25; jener vlôch von dem gemache [aus dem Saal] Wh 276,30; er verstal sich tougen als ein diep / hin in daz hus an einen gemach, / da man in niht horte noch ensach StrKD 58,I 81; der andir ouh geheizen was / der kúnigliche palas, / wan man druffe machen sach / des kúnegis kúniglich gemah, / trischamir [= tresekamer ] , kemenaten vil RvEWchr 32934. 20007; ünser meister wil bî dir / dis ôstern sîn, und bitten wir / dich von im, dazt eine stat / üns zeigest, diu die state hat / an wîte und an gemachen, / dâ wir daz ezzen machen WvRh 8574    6.2 ‘Wohnung, Haus’ nû sach er innerhalp dem tor / ein wîtez wercgadem stân: / daz was gestalt und getân / als armer liute gemach Iw 6189; den harnasch si dô nâmen / und truogen in in ir gemach Wig 5490; daz ich [...] den besten gemach in dem selben hoͮs haben sol UrkCorp (WMU) 2358,39; so svͤlen wir hern Chvn̄r̄ vnd frowen Berhten ein gemach bowen svnderlich, da si bi vns inne beliben mvgen ebd. 2366,12; enge sin unse gemach, / in dem wir wonen; des ge wir, / ab iz wol behaget dir, / nach zimmerholze in den walt, / daz wir unse gemach so halt / wol witer gemachen io HistAE 3280. biz sie [die Kaufleute] bûweten ein gemach. / [...] bie der Dune ûf einen berc / dâ bûweten sie ein êrlich werc, / eine burc sô veste, / daz die selben geste / mit vride wol dar ûffe bliben / und iren kouf lange triben LivlChr 215. do vlovc ein habec in einen walt. / der chos ime ze sinem gemache / vnt ze einem obedache / ein bovm diche vnt hohe FabelCorp 22,13. – Sprichw. (TPMA 13,395): weistu, wie der igel sprach? / ‘vil guot ist eigen gemach’. / zimber ein hûs, Kerlinc MF:Her 2:4,2    6.3 heimlich ~ ‘Abtritt’ vnd sol man diekein heimlich gimache machen von den turnen, die in die phalze eder in der phaphen hofe sehe UrkCorp (WMU) 680,3; daz [...] mir erlaubet habent baide [...] ze pauen einen haimelichen gemach ze einem priuat auf ir hofmarch UrkWSchott 152 (a. 1316)    6.4 ‘Anbau’ were ouch, das sie dehein gemach vber die ringmure wolten han ald an die ringmure ald darvf UrkCorp (WMU) 1756,28    6.5 ‘Grabkammer’ dy herren alle gemeyne / wolden en [den Leichnam Jesu] legen in des grabis gemach EvBerl 535

MWB 2 399,34; Bearbeiter: Tao

gemachede stN. gemechede1

MWB 2 403,1;

gemachen swV. ‘ein gemächliches, behagliches Leben führen’ swa so der hohe edel man / gemachet unde enruochet, / an dem beliget hoher muot, / erwelket vrechiu tat FvSonnenburg 64,2

MWB 2 403,2; Bearbeiter: Tao

gemachen swV. machen

MWB 2 403,6;

gemaches Adv. ‘gemächlich, bequem’ wer gemaches voren wil, / dem git der lip vrsahen vil / zuͦ der súnden uallen GeistlStreit A,779

MWB 2 403,7; Bearbeiter: Tao

gemachsam Adj., Adv. 1 ‘passend, geeignet, zweckmäßig’
1.1 ohne weitere Erg.
1.2 mit Dat. oder Präp. ( ze )
2 ‘untätig, behaglich’
3 ‘mühelos, leicht’
4 ‘angenehm im Umgang, freundlich’
5 ‘langsam, gemächlich’
   1 ‘passend, geeignet, zweckmäßig’    1.1 ohne weitere Erg.: aptum: gemahsam PsM H 17,2; daz ertreich ist dem menschen daz aller gemachsamst element BdN 106,21    1.2 mit Dat. oder Präp. (ze): die vinger sint in die hend gepelzet dar umb, daz die hend geschickt und gemachsam sein zuo allen werken, wan Aristotiles spricht, daz der vinger adel gemachsam sei ze nemen, ze behalten, ze geben und aller maist ze underschaiden BdN 21,6; under allen leiben [...] ist die sinbel form aller uͤmbgreiffigst [...]. nu besleuzzt der himel alleu dink; darumb ist im deu sinbel gestalt nuͤtz und gemachsam KvMSph 12,20. – ‘(als Heilmittel) geeignet, nützlich’ wermuot. daz ist gar ain pitter kraut und ist menschleicher art gar nütz und gemachsam BdN 380,31    2 ‘untätig, behaglich’ ez were ein affenheit, / daz man gemachsam lege / unde der vulheit pflege PassIII 315,13; du list in weichen siden / gemachsam vnde reine / vnde bedenkest cleine / wie arm godes vrunt dort ligen / alles gemaches virzigen / hungerich vnde sunder cleit PassI/II 377,38    3 ‘mühelos, leicht’ in den armen sint vil âdern und rœrlein, auz den man aller gemachsamist daz schedleich pluot geziehen mag in dem menschen BdN 19,33; ez spricht auch Aristotiles, daz der igel stênde unkäusch mit seinem weibel [...]. iedoch sagt man mir, daz weibel leg sich an den ruck; des gelaub ich paz, wan daz ist gemachsamer ebd. 138,23    4 ‘angenehm im Umgang, freundlich’ er was gescheffec unde getriuwe, / gemachsam unde geminne LvRegFr 3198    5 ‘langsam, gemächlich’ kumt gemachsam nach mir PassI/II 34,20; dez sternhimels stern derheben sich gemachsam und waltzen saim [= seine ] , piz daz si komen an daz mittel dez himels KvMSph 11,22

MWB 2 403,10; Bearbeiter: Tao

gemâget Adj. 1 ‘verwandt’ , präd. mit Dat.
2 ‘Verwandte habend’
   1 ‘verwandt’, präd. mit Dat.: wizze, du bist ane strit [unbestritten] / so nahen mir gemaget / daz vil cleine mich betraget, / swa ich sol hoͤhen dinen namen, / des kan sich niht min wille shamen Rennew 13149; sin lip ist minem wibe / gemaget von vil hoher art ebd. 14489    2 ‘Verwandte habend’ gefruͤnt und ouch gemaget [ : gefraget ] wart ich nie so gerne JTit 3249,1

MWB 2 403,46; Bearbeiter: Tao

gemahel, gemahele stswM. 1 ‘Verlobter, Bräutigam’
2 ‘Ehemann’
2.1 übertr. auf die Tierwelt
3 geistl.-mystisch
3.1 von Christus, dem Hl. Geist als Bräutigam, Gemahl der Kirche, Christenheit, Seele, den heiligen Jungfrauen u.a.
3.2 vom Gott Liebenden
4 ‘Ehefrau’
   1 ‘Verlobter, Bräutigam’ diu junfroͮwe do sere erschrac / das so nahe was der tac / das ir gemahel wolde / komen RvEWh 8195; ob unser herre füege daz / mîn gemahel inder lebe RvEGer 3173; sponsus: der gemahele PsWindb 18,6; nvmerdvmb [ numquid ] mügen di sün der gemahelschaft [ filii nuptiarum, Hochzeitsgäste ( Mc 2,19)] gevasten so noch dann der gemahel mit in ist EvAug 80,21. 139,11. 212,18    2 ‘Ehemann’ noch ires gemahels dote kam sú úber keines mannes tisch nie vncz an iren dot ElsLA 162,1; Michol [...] was kúng David elich wÿp, / [...] der oͮch ir elich gemachel was KvHelmsd 3184. – unsicher, ob stM. oder stN.: daz schœnste und daz beste leben / daz got der werlde hât gegeben, / daz ist êlicher hîrât. / swelh sæliger den ze rehte hât, / der ist hie und dort genesen. / [...] sweder gemahele [wohl Gen.Pl. und auf beide Ehepartner bezogen] sîne phliht / mit valscher triuwe mischet, / [dem drohen die Höllenstrafen] KvHeimHinv 1000    2.1 übertr. auf die Tierwelt: der vogel [Turteltaube] ist gar käusch und schämig. diu si hât irn gemahel liep und helt im allain trew BdN 225,20; ez sint auch etleich, wenne si ir gemaheln verliesent, daz si witiben beleibent, und die vermeident auch gemaineu häuser der tauben, die ir gemahel habent, dâ von, daz si die ern niht unruoen ebd. 181,32    3 geistl.-mystisch    3.1 von Christus, dem Hl. Geist als Bräutigam, Gemahl der Kirche, Christenheit, Seele, den heiligen Jungfrauen u.a.: si [ ecclesia ] ist magt, wan ir gemahel ist da ze himel, daz ist der gottes svn Konr 23,55; disiu witib bezaichent diu heiligen christenheit und haizzet dar umb ein witib daz ir gemæhel, der heilig Christ, ze himel gevaren ist, und wartet si sein untz er chom und sei her in fuͤr in sein haus in die himelischen Jerusalem auz dirr wenicheit PrOberalt 162,23; daz ist div ladunge, daz div sele mit rehtir girde got zuͦ ir ladot: ‘kun her, liebir herre, [...] suͤzir gemahile! [...]’ PrGeorg(Sch) 25,220 (vgl. Ct 7,11); HvBurg 1237; ir [der Seele] gemahel, der hailigaist SHort 1457; Eckh(J) 103,37; o sele min, [...] gedenk, daz du die ewigú wisheit des himelschen vatters dir selb ze gemahel und ze einem einigen liep haͮst us erwelt Seuse 538,4 u.ö.; durch diu minne ir [der heiligen Jungfrauen] gemaheln, ir brutigaumes des heiligen Cristes Konr 22,13; eya, suͤzú, zartú jungfrow sant Agnes, der ewigen wisheit minnerin, wie mohtest du dich dins lieben gemahels so wol gesten Seuse 227,17; ôwê, kiuschen mägde, klaget / mit mir mîn leit, daz mich verzaget / tuot umb mîn eingebornez kint [...]! / iuwer gemahel als der mîn / er was, swie ich sîn muoter bin WvRh 10964; KvHelmsd 3196; WernhMl 10753; ich bin dein vater, ich han dich geschaffen. ich bin dein brueder, wane ich bin mensche worden. ich bin gemahel, wan ich han dich auz erwelt AdelhLangm 5,25    3.2 vom Gott Liebenden: owe, wie selig der minner ist, der din [der ewigen Weisheit] gemahel heisset und ist! Seuse 227,14; wir soͤllint reht den lutern unschuldigen gottes gemahlen fúr bieten [übertreffen] . [...] minnent sú in einvaltklich, ach, so súln wir in tusentvaltklich minnen ebd. 448,28    4 ‘Ehefrau’ wir, Conrad, burgraff zu Nurnberg, bekennen ofenlich fur vns, frawen Angesen, vnsren gemahhel, vnd alle vnser erben, dasz [...] UrkCorp (WMU) 2299,13; liebe froewe vnd lieber gemahel minar, ich habba dich liep gehabat MerswFM 37,7. 16

MWB 2 403,54; Bearbeiter: Tao

gemahel stN. ‘Ehepartner’ so aber daz leste gemahel ir baider ze iungiste tot leit UrkCorp (WMU) N748,12. – im Pl., auf den Bräutigam und die Braut bezogen: do gab sant Thoman vmbe die bette des kúniges den zwein iungen gemaheln [Brautleuten] sinen segen ElsLA 35,2. – übertr. auf Tiere: wie dar în [in die Arche] nam der wîse man [Noah] / [...] zwei gemahel vogel, tier UvEtzAlex 11257

MWB 2 404,60; Bearbeiter: Tao

gemahelbettelîn stN. ‘Ehebettchen’ du pist deinem gemahil [Christus] liep [...]. er wil dein ein weil nit mangiln ab dem gemahilpettlein AdelhLangm 93,15

MWB 2 405,5; Bearbeiter: Tao

gemahele, gemahel swstF. 1 ‘Verlobte’
2 ‘Braut (am Hochzeitstag), Ehefrau’
3 übertr. für ‘Geliebte’
4 geistl.-mystisch: die Seele, Christenheit, Maria u.a. als Braut, Gemahlin Christi, Gottes
   1 ‘Verlobte’ diu juncvrouwe Herrât noch des gesindes pflac, / [...] diu gemahele Dietrîches, [...] diu tohter Näntwînes NibB 1381,3; vnd sol in vragen, ob er iht hab ain ehvsvrawen oder gemahel SpitEich 5,16; und saiten im diu mære / daz sin gemahel wære / des kuͤnges kint von Zyzya WhvÖst 2210    2 ‘Braut (am Hochzeitstag), Ehefrau’ der riche kúnic Witechin / saz zuͦ der gemahlen sin RvEWh 13802; dô der helt Lemberslint / und sîn gemahel Gotelint / den briutestuol besâzen Helmbr 1468; ‘gemahel’, sprach er, ‘diz [ vingerlîn ] behalt / [...]’ KvWAlex 236; vnder div hete der herre Ioseph sine gemahelen.s. Mærien mit ir trvtsvne von der wisvnge des heiligen geistes geflohent in Egipte lant Spec 31,2; in der arche obene was mit sinem gesinde Noe, / er und sine gemahele, sine snur und ir winige GenM 28,18; daz si im alsô heimlich wart / daz er si sîn gemahel hiez AHeinr 341. 431. 1446; daz got kunic Ruodolfen nam / sîner konschaft gemahel, / [...] die sældenrîchen frouwen Annen Ottok 25898. – in Verbindung mit bestimmten Verben: ich weiz er naht unte tach sîneme vater ane lach, / daz er ime die selben diernen bewurf ze gemahelen Gen 1604; die gemahelen het er [Joachim] im erchorn / uz Dauidis geslæhte Wernh D 344; ja scholtu wider enphâhen / dîne gemahelen reine ebd. 3315; und er gab im eine gemahelen PrBerth 1:11,12; do wart ime ein juncfrowe us des keisers hof gelobet zuͦ einre gemaheln ElsLA 426,15; das er do wolte schowen / ain usszerwelt junckfrawen / und im die schoͤne bringen haim / ze ainer gemaͤchlen sim sun KvHelmsd 382; daz er [...] herzog Otten [...] siner tohter eine ûz las / ze gemehel und ze konen Ottok 18489; Ioseph, [...] niht enfürht dir, ze nemen Mariam din gemaheln EvAug 2,3 ( Mt 1,20)    3 übertr. für ‘Geliebte’ sîn herzetrût gemahele / entweich ir vater von dem wege KvWEngelh 3592    4 geistl.-mystisch: die Seele, Christenheit, Maria u.a. als Braut, Gemahlin Christi, Gottes: da der ware broutegoum da chumet / unde sine gemahelen zuo im nimet, / da nimet er die erwelten Hochz 712; furbas von der gnade wegen so wirt die sele ein gemahel Cristi vnd ein tochter des ewigen kuͦniges vnd ein tempel des heilgen geistes Gnadenl 3:O1,322; Seuse 554,9; so nimmt unser herre sein gemæheln, die heiligen christenhait, [...] und fuͤrt si mit grozzen froͤuden in sein haus, in diu himelischen Jerusalem PrOberalt 14,19; HeslApk 4378; nv svllen wïr div heiligen froͤwen loben vnd eren, die lieben gemahelen des heiligen Christes Konr 22,88; liechte magit, magitumis gimme, / der engele furstinne, / [...] gemale des ewigin kuningis Litan 200; Wernh 5724; KvWGS 439

MWB 2 405,9; Bearbeiter: Tao

gemahelîn, gemehelîn stF. Verbalabstraktum zu gemahelen, gemehelen (vgl. Speicher, VRechte, S. 89 mit Verweis auf Weinhold, Mhd. Gr., § 462). – ‘Vermählung’ mit rehtir gemehelen / so sol si sin chone sin VRechte 395; er gap ir sin vingerlin, / daz was rehte gemahelin Hochz 227 (vgl. Rödiger, Conjecturen zur Hochzeit, ZfdA 36 [1892], S. 258); so bezeichent daz vingerlin / den westerhuot sin, / den daz chint ouffe hat, / als ez ze jungist erstat, / unde ouch diu gemahelin [Vermählung mit Gott durch die Taufe] / immir ewich schule sin ebd. 357

MWB 2 406,1; Bearbeiter: Tao

gemahelkopf stM. ‘Trinkgefäß als Hochzeitsgeschenk’ wer gemachel kopff geben wil [zu einer Vermählung] die sullen und mugen wol haben 3 march silbers und nicht mer StRAugsb 258,5

MWB 2 406,13; Bearbeiterin: Herbers

gemahellich Adj. ‘ehelich’ swen denn min [Jesu] grundlosú minne, min unsaglichú erbarmherzkeit, [...] gemahellichú vrúntschaft nit beweget ze inneklicher minne, was soͤlti denn daz ersteinte herz erweichen? Seuse 206,27; du solt mich enphahen wirdeklich und solt mich niessen demuͤtklich [...] in gemahellicher minne umbschliezen ebd. 296,24. 483,3

MWB 2 406,17; Bearbeiterin: Herbers

gemahelschaft stF. 1 ‘Vermählung, Hochzeit’
1.1 allg.
1.2 in Verbindung mit Verben ( geschëhen , swërn , tuon , vollbringen )
2 übertr., von der Vereinigung mit Gott
   1 ‘Vermählung, Hochzeit’    1.1 allg.: swenn ain man ain hausfrawen genam daz er die gemahelt sunderlich auff ainen tack und daz diu gemahelschafft vil kostut StRAugsb 241,35. 257,28; hie von fuͦr Joseph gen Bethlehem dennan er geboren waz, vnd wolte do fúrsehen alle die ding die zuͦ der gemahelschaft notdúrftig worent ElsLA 248,21; Ihesus sprach zv in: nvmerdvmb [ numquid ] mügen di sün der gemahelschaft [ filii nuptiarum, Hochzeitsgäste] gevasten so noch dann der gemahel mit in ist [ Mc 2,19 ] EvAug 80,21; RvEBarl 5773    1.2 in Verbindung mit Verben (geschëhen, swërn, tuon, vollbringen): wâ sint nû die daz habent gesehen, / daz gemehelschaft sî geschehen / und Jêsus ein êchint sî? KvHeimUrst 648. 466; UrkEichst 2,39 (a. 1308); mit vesten aiden stæte / wart diu gemahelschaft gesworn WhvÖst 9055. 2198; wir [...] verjehen [...] daz wir [...] unser gunst und unsern willen geben haben [...] zuͦ der eelicher gemahhelscheft, die getan hat Hermann [...] mit frowen Liuggarden UrkEichst 2,39 (a. 1308); daz bette, dâ diu gemahelschaft inne vollebrâht [vollzogen] wart DvAOff 38    2 übertr., von der Vereinigung mit Gott: diu selb brutloft diu bezaichent diu gemæhelschaft des hiligen Christes und der hiligen christenheit PrOberalt 32,36; von dirre rainun gemahilschefte [der Seele mit Gott] sprichit unsir herre PrGeorg(Sch) 25,381; daz küniclîche vingerlîn daz ist diu stæte gemahelschaft der êwigen freuden, die sie mit gote iemer mêr hânt PrBerth 1:379,33; o sele min, [...] gedenk, daz du ze einem urkúnd der lieplichen gemahelschaft sinen namen dinem hertzen [...] haͮst in getruckt Seuse 538,6 u.ö.; Gnaistli 799

MWB 2 406,25; Bearbeiterin: Herbers

gemahelschaz stM. ‘Mitgift, Brautgabe’ (meist der Verlobungsring): daz vingerlîn zôch er [ Astrolâbîus ] ab der hant, / er gab im [dem Teufel] sînen gemähelscaz Kchr 13127; do hete in sinem gewalte / einen gemæhelschatze der alte [Joseph] , / ein guldin vingerlin: / daz enpfie sie [Maria] uon der hant sin Wernh D 2108. D 1986. 2064 (La.); Georg 4567. di sîn [Jesu] aigen wârn, sîn hantgetât, sîn gemahelschatz, dine wolten in niht erchennen PrStPaul 132,11

MWB 2 406,60; Bearbeiterin: Herbers

gemahelvingerlîn stN. ‘Verlobungsring’ Wîgamûr tet nâch gewonheit. / er gap der juncvrouwen gemeit / ein gemahelvingerlîn Wigam(B) 4635. 4714; si sprach zu irem liebe sus: / [...] di werlt ist mir gar benumen, / und doch, wie ich bestetet sî / mit deinem gemahel vingerlî, / so sencket mich doch in den grunt Syon 546; [geistliche Menschen,] die bis her sin [Gottes] ingesinde hiessen und sin gemahelvingerlin truͦgen Seuse 407,9. 213,29

MWB 2 407,6; Bearbeiterin: Herbers

gemaht stF. , gemehte stN. 1 ‘Macht, Kraft’ (?)
2 im Pl. oder Sg.: ‘Genitalien, Hoden, Schamgegend’
3 ‘Eingeweide’
   1 ‘Macht, Kraft’ (?) : hie tuͦnd uns ettlich lerer sagen / das die juden boschlich gemuͦt / Pilato, dem richter, gabent guͦt / dar umb das sy úbers recht / Jhesum mit herter straich gemaͤcht / schluͦgent gar hart untz uff den tod, / das doch das recht in nit gebot KvHelmsd 1558    2 im Pl. oder Sg.: ‘Genitalien, Hoden, Schamgegend’ daz siu [ vipera ] ímo [Männchen] ábe bîzét sîne gimáht [ virilia ] ÄPhys 11,4; deme die gemähte vast geswellent Barth 142,16; Macer 25,6; de steruet an deme dryttenden dage, ef her vele spekel in deme munde hatte vnde eme daz gemechte we tede OvBaierl 72,43; vnde salbe im da mite niderhalp des nabils biz uf daz gemechte SalArz 58,11; jst he [der Stein] in der blase, so ist im we ober halp der gemechte vnde iuckit in di rore uorne vnde recket sich ebd. 58,52; also gat ain iude hin [...] und stichet ain swert durch Zambri und durch Corbi ze den gemehten   .i. circa genitalia, da si da lâgen an ierem bette und die unkiusche begiengen PrSchw 2,132; die [zwei Mönche] volgeten des heiligen ewangelium lere mit vnbescheidenlicher vernvnft, vnd snitten in selber ir gemechet vs vmb das himmelrich VitasPatr 279,13; vindet man im [dem Knaben] vnder den beinen cleines har an den gemehten, daz ist der dritte gezivg [Beweis für die Mündigkeit] SchwSp 186b; ingwen: gemeht VocOpt 1.230. – Genitalien, Hoden der Tiere als Heilmittel: sine [des Bibers] gemahte [ testiculi ] sint uil nutzi zuͦ arzintuͦme JPhys 16,2; nim eines eberes gemechte vnde mache im einen tranc [...] vnde trinke daz, so wirt im baz SalArz 34,52. – auf das weibliche Geschlecht übertr.: man sol ir ouch setzen uentose [= vintûse ‘Schröpfkopf’] niderhalp des nabels uber di gemechte SalArz 65,15    3 ‘Eingeweide’ ruten saf mit alandis saffe getrunken, hilfet den, di gebrochen sint [an einem Bruch leiden] unt das gemechte uz geit Macer 20,10

MWB 2 407,15; Bearbeiter: Tao

gemâl Adj. 1 ‘gefärbt, bunt (verziert), gemustert’
1.1 allg.
1.2 näher bestimmt
1.2.1 , sus , wol
1.2.2 bezogen auf bestimmte Farben oder Schattierungen
2 häufig in Verbindung mit lieht (s.a. 1.2.2 ) ‘hell, leuchtend, strahlend’ ; z. T. auch als Kompositum aufzufassen (s.a. → liehtgevar ), die Bedeutung von gemâl (s. 1 ) ist hier stark verblasst
2.1 bezogen auf Geschmücktes, Verziertes
2.2 bezogen auf glänzende Rüstung oder Waffen
2.3 bezogen auf Personen (häufig bei Wolfram) ‘(strahlend) schön’
   1 ‘gefärbt, bunt (verziert), gemustert’    1.1 allg.: vil spæhe was daz humeral. / der obere saum was gemal / unde mit besmeide bezogen Serv 494; kulter von zendâle, / rîche und gemâle Er 379. 8907; Flore(G) 1550; swaz ich dâ schilde hangen vant, / die wârn gemâl als iwer gewant Parz 783,22; nû sach er [auf einem Schild] Kâhûnen den got / ûf eime grîfen gemâl Wh 441,5; er [Herzog Liupolt] gie da er in [Johannes] vant gemal / an einer steines mur WhvÖst 200; sîn schuoch was im gemâl, / dâ mit er mir trat / nider al mîn wisemât Neidh WL 17:5,4. WL 30:9,2; GTroj 5741; UvZLanz 3540    1.2 näher bestimmt:    1.2.1 ~ , sus ~ , wol ~ : der knappe truoc mit witzen / eine kultern sô gemâl / ûfz bet, von rôtem zindâl Parz 549,29; hie hânt die Provenzâle / schilde wol gemâle ebd. 66,30; sper wol gemâl ebd. 377,29 u.ö.; sus stêt diu künegîn gemâl, / frou Belakâne, sunder twâl / in einen blanken samît ebd. 31,7    1.2.2 bezogen auf bestimmte Farben oder Schattierungen: von golde (lieht) ~ ‘goldfarbig, goldverziert’ iz enwas dar uffe [im palas ] niender gaden, / ez enwær von golde gemal Rennew 7877; sper, gemal von golde JTit 2357,1; als sie der tôt gestracte, / der fürste die maget dacte / mit einem zindâle / von golde lieht gemâle ErnstD 3014; die fan entwer flugen, von golde lieht gemal WolfdD 2169,3. dô stoup von wildem fiure / vil manec gneiste rôtgemâl KvWSchwanr 1141; [ ein segel ] stuont ouch halber swarz gemâl KvWTroj 22451. Feirefîz der vêch gemâl Parz 789,2. 810,10; dô sprach diu maget [ Cundrîe ] rûch gemâl ebd. 793,9    2 häufig in Verbindung mit lieht (s.a. 1.2.2 ) ‘hell, leuchtend, strahlend’; z. T. auch als Kompositum aufzufassen (s.a. → liehtgevar), die Bedeutung von gemâl (s. 1 ) ist hier stark verblasst    2.1 bezogen auf Geschmücktes, Verziertes: der knappe al eine fürbaz reit / ûf einen plân niht ze breit: / der stuont von bluomen lieht gemâl Parz 144,19; dem [ palas ] was alumbe sîn dach / reht als pfâwîn gevider gar, / lieht gemâl ebd. 565,10; mangen pfelle lieht gemâl / ir ors truogen ze kleiden Wh 33,16; Parz 243,3; dâ wâren von golde überal / ûf blâ lâsûr lieht gemâl / sunne, mâne und vil sterne ErnstD 2038; ouch was daz bette wol beriht / mit betten lieht gemâle, / bezogen mit zindâle, / dar obe zwei lîlachen klâr / von wîzem pfellel lieht gevar ebd. 2391; Wh 16,5; PleierMel 582; claider liechtt gemal GTroj 4198; ouch hât der helt küene / drî härmîn anker [als Wappenschild] lieht gemâl / ûf ieslîchen zindâl Parz 64,29; ein schapel, daz von golde bran / und von gesteine lieht gemâl KvWTroj 2913; ein guldîn ketene liehtgemâl Mai 41,22    2.2 bezogen auf glänzende Rüstung oder Waffen: man sluog ûf in dâ sunder twâl: / mit scharphen swerten liehtgemâl KvWTurn 850; ir swerte lieht gemâl Parz 263,13. 661,14; Wh 417,30. 77,28; schwertt und helm lïchtgemall GTroj 2174. 2165; HvFreibTr 1716; kvͥnik Loys vnd sin klein her / mit mangem schilte lieht gemal / zogten nv gein Rvncival TürlArabel *A 40,19. *R 38,19    2.3 bezogen auf Personen (häufig bei Wolfram) ‘(strahlend) schön’ Gâwân und Parzivâl / unt Bêne diu lieht gemâl / riten dannen gein ir her Parz 694,24; dâ saz manc rîter lieht gemâl ebd. 723,23; GTroj 18421; manec frouwe lieht gemâl Parz 730,25; nu dâhte aber Parzivâl / an sîn wîp die lieht gemâl ebd. 732,2 u.ö.; Ericius, der ritter zartt, / und sinne megte lïcht gemall GTroj 23497 u.ö.; Agly diu lieht gemale / stuͦnt bi ir als ain engel WhvÖst 9348. 3639; uf daz chastelan der liehtgemal [Wenzlan] / snelle und retterlichen saz Wenzl 256; sô schœne ist si [ Beâflôr ] , sô liehtgemâl Mai 59,24. 16,39; do Titurel der liecht gemal sus lebte her von jugende JTit 271,1. 5485,3; si [Kassandra] rêrte mangen heizen trahen / ûz ir ougen liehtgemâl KvWTroj 19371

MWB 2 407,54; Bearbeiterin: Herbers

gemælde stN. 1 ‘Gemälde, Malerei’
1.1 auf Wänden in oder an Gebäuden
1.2 auf einem Wandteppich
1.3 auf gegerbter Haut
1.4 im Vergleich
1.5 übertr.
2 ‘Bild, Vorstellung’
3 ‘Prägebild, Münzbild’
   1 ‘Gemälde, Malerei’    1.1 auf Wänden in oder an Gebäuden: daz gewelbe daz was sinwel, / mit gemælde wol gezieret Wig 8306; alsam eim gebûrn geschiht / daz er in die kirchen gêt / unde vor den bilden stêt: / swie wol er daz gemælde siht, / waz ez bediute, des weiz er niht WälGa 9325; daz gemelde an unsem huse / und daz gesperre an unsir kluse / sint von cypresso und cedro Brun 8394. 8467; schœne gemêlde an palast wenden Renner 17391. 1819; dar inne [in der Burg] manic kamer lac / hêrlîche gezieret / und wol geflorieret / mit rîchem gemælde Georg 5755; div [Gottes] gescrift ist div [La. daz ] gemælde in der kilchun, daz man da malot von dien hailigon, wie siv lebiton PrGeorg(Sch) 23,12; StrAmis 675 u.ö.; RvEWchr 32941; Cranc Ez 8,11; Ottok 65407; WolfdD 1552,1; KvWTroj 19715    1.2 auf einem Wandteppich: mit léhten varwen druf zersat / von siden menig gemelde rich RvEWchr 12544    1.3 auf gegerbter Haut: die lute [...] schinten in alsam ein vie / sin as man alda selbest lie / die hut liez man do gerwen / vnde mit gemelde verwen PassI/II 362,80    1.4 im Vergleich: des ist maniger liute [die mit Sünden Ehren erlangen] leben / als ein gemêlde, daz man niht eben / merket und verre von dannen stêt Renner 1814    1.5 übertr.: der rim gemelde / mir von ir [Martinas] güeten fluzit Martina 53,94    2 ‘Bild, Vorstellung’ [die Heiden] hant gevelet aller selde / vnd der himelschen gemelde [Herrlichkeiten des Himmels] Martina 216,90; dich [Maria] zieret daz gemælde / guldiner schœne KvWGS 584; SHort 1808. wi man in den pfirskin schrift odir andirleyge gemelde vinde Pelzb 117,32    3 ‘Prägebild, Münzbild’ [eine Münze,] swie gewere oder gut die were, ez si an gewichte, gemelde oder suere UrkCorp (WMU) 879,14; SchwSp(W) 343,20

MWB 2 409,3; Bearbeiterin: Herbers

gemæle stN. 1 ‘Gemälde, Malerei’
2 ‘Verzierung, Zeichnung’
3 ‘Prägebild, Münzbild’
   1 ‘Gemälde, Malerei’ das gemell, / das [...] nach ewr gestalt gemalet ist Seifrit 7242. 7229; sît wir ein holz minnen oder ein vihes bein oder ein gemæle, daz nâch unserm hêrren gebildet ist, im ze êren DvASchr 339,14; si [ kemenâte ] was wol bevangen / mit guoten umbehangen: / der gemæle was von golde rîch Er 8598; swer uzen di [eine burk von tuͦche ] was sehnde, der wand, iz wer ot mermel rich gezieret, / verquadert mit gemele beide uzen unde innen JTit 1596,1 u.ö.; Suchenw 42,76    2 ‘Verzierung, Zeichnung’ man spricht auch, daz der stain [ achat ] gar schœnes angeporns gemæls hab zwischen seinen straimeln BdN 432,22    3 ‘Prägebild, Münzbild’ nieman sol deheinen phenning slahen, der andern phenningen gelich si. si svln haben svnder gemele SchwSp 90a

MWB 2 409,40; Bearbeiterin: Herbers

gemælze stN. ‘Gemälde, Malerei’ Philippus [...] der waz ein ketzer und hies alles cristenlich gemeltz abetuͦn ClosChr 33,1; pictura: gemelcze VocClos Pi16; ich enmag niht mit einer angesiht sehen alle die spelte und alle die löcher und alles das gemelze, das dar an [Haus] ist Vorsmak 1,433; Pilgerf 7998; Renner 1814(La.). 1819(La.). – übertr. für das Himmelreich: weme ich in ertrîche / diz gotes gemêlze glîche Kröllwitz 1282. 1310

MWB 2 409,57; Bearbeiterin: Herbers

1geman Adj. ‘mit mannen versehen’ ich bin gevriunt unde geman, / sô wert und sô genæme Tr 9190

MWB 2 410,1; Bearbeiterin: Herbers

2geman Adj. zu man stF. ‘mit einer Mähne versehen’ sô geschieden die hunde / einen vremeden hirz hin dane, / der was reht alse ein ors gemane Tr 17294

MWB 2 410,3; Bearbeiterin: Herbers