g – gâchlîchen gâchmuot – gagen gagen – galander galanderisch – 1galle 2galle – galter galtnüsse – gamerot gamîe – gancheil ganclîche – ganteren ganz – gärmic garn – gartenhuon gartenhûs – 3garwe garwwurz – gastmeisterin gastnusse – gaʒʒenspringer ge- – gebæric gëbærin – gëbendic gebenedîunge – gebietære gebietærin – gebiurischlich gebiurlich – geböume gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten gebrëstelîn – gebrûchic gebrûchlich – gebunt gebunt – geburst geburt – gedâht gedâht – gedense gederbe – gedinge gedinge – gedrange gedrâte – gedünste gedurchtriben – gegate gegatrom – gegenkouf gegenlëder – gegensetzunge gegensidele – gegenwertes gegenwertic – gegihte gegiric – gehaʒʒic gêhe – gehëlfe gehëlfelîche – gehilfe gehilfic – gehœric gehœrlich – gehügenisse gehugesam – geifer geifervrâʒ – geiselrieme geiselruote – geisticlich geistîn – geiʒhorn geiʒhût – gejeitschuoch gejeitvogele – gekünne gël – gelegede gelegelich – gelende 1gelende – gêlîche gelîcheit – gelîchmëʒʒunge gelîchnisgëbende – gelide gelidemâʒe – gêlingen gelîp – gëlm gëlmen – geloup geloup – gëlte gëltel – gelückede gelückederat – gelüstelîn gelustic – gemahel gemahelbettelîn – gemæʒicheit gemæʒiclich – 2gemeine 1gemeinen – gemeinsin gemeinunge – gemerrede gemêrsal – 2gemüete, gemuote gemüetic – gemutzet gemʒe – genâdenschüʒʒel genâdensol – genæmicheit genamʒôn – genemede genende – genëserinne genetzen – genieʒen genieʒlich (?) – genôʒen genôʒgeselle – gensîn gensischen – genuhtlîchen genuhtrîch – genuʒ genuʒt – gephrange gephünde – 1gerat 2gerat – gerëhen gerëht – gereisic gereitære – gerieme geriemen – gerihticlîche gerihtinsigel – geriune 1geriusche – gerouche geröufe – gerte gerte – gerûmiclich gerummel, gerumpel – gêrvalke gerwære – gesaten gesatznissede – gescheftbrief geschefte – geschepfnisse geschepfunge – geschiuwede geschoc – geschrihte geschrîp – gesëhen gesëhenheit – geselliclîcheit geselligen – gesihtic gesihticlich – gesite gesiten – geslihte geslinge – gesnæren gesnarren – gespenstnisse gesper (?) – gespræchelich gespræchetac – gespunst gespür – gestelle gestellet – gestifte gestille – gestrenglîche gestrenze – ge|stunge gestungede – gesuoch gesuochære – geswerme geswërte – gesworn gesworne – getelle getelôs – getougen getougen – getreigeret getrenke – getrüese (?) getrügede – getwædicheit getwædigen – gëtzen getzsal – gevalte gevanclich – gevëderen, gevëdern gevêhe – geverte|lehe gevertinne (?) – gevlester gevlitter – gevrier gevrist – gevülle gevuoc – gewahsenheit gewahst – gewaltroubunge gewaltsame – gewar gewar – gewe gewëbe – gewellen geweltigen – gewërben gewërbic – gewern gewërn – gewiere gewieret – gewinnen gewinnic – gewist gewiste – gewonunge geworden – gewzen (?) gezagel – gezëmelich gezemen – gezît gezîte – gezoc gezogen – gezwîen gezwîge – giefen giege – gifticheit gifticlich – giht gihtboum – gimbîʒen gimme – gippengappen gippentuoch – giric giricheit – gischen gîse – gîtigære gîtige – 1glan 2glan – glas(e)väʒʒelîn glas(e)vënster – gleimel gleimelîn – gleten glêtphenninc – glipfen glise – glocke glockehûs – glôriôs glôriôslich – gluothaven gluothert – goder goedertieren – golf gollen – goltgesmîde goltgesteine – goltreit goltrîch – golttropfe goltvar – gos (?) got – gotesarm gotesbeckære – gotesmordærinne gotesphenninc – gotgeformet gotgelâʒen – gotmeinunge gotmensche – gouch gouch – goukelære goukelbilde – goukelspil goukelsprütze – göumütte, -mutte göu|phâwe – grabe grabe – grâf- graft – gramerʒîe gramerʒîen – gransprunge gransprunge – gras(e)phenninc gras(e)spier – grâvenrëht grâveschaft – grebinc grebnisse – gremiclich grempære – griekech grien – griffel griffelære – grimmetât grimmic – grisegrammen grîseleht – griuslich griuwe – groppe gros – grôʒmüetic grôʒmuoticheit – grüenheit grüenlich – grunderëbe gründic – gruntübele gruntvestære – gruon- gruon- – grütschîn grutte – 1gücken 2gücken – güfticheit güfticlich – gûlen gülle – gumpenîe gunderam – guotdunken guotdunkende – guotswender guottât – gürtelgewant gürtellîn – gymnosophiste
|
gekrinnelet
Adj.
‘mit Kerben, Einschnitten versehen’
manik blat getzindelt, / gechrispet und gechrindelt Suchenw
25,16
MWB 2 310,37; Bearbeiter: Tao
gekriute
stN.
Koll. zu
krût
.
1
‘Blumen’
2
‘(Heil-)Kräuter’
3
‘Gewürze, Spezereien’
1
‘Blumen’
diͤ wize lilj der reinicheide, / diͤ brun viol
der otmuͤdcheide, / diͤ rose [...]. / he
besach al din guͦt gekrüde MarlbRh
6,27.
6,29;
des liͤven bluͦmen ruchent aleine, / al
bluͦmen ruchent in im algemeine; / siner violen otmuͤdcheit / al
violen ser üvergeit; / sine lilj is rein aleine, / van ir sint alle liljen reine; /
van siner minn’, van siner rosen / werdent geverwet alle rosen. / sin gekrüde
sere duͥre / verwinnet alle creatuͥre ebd.
102,13
2
‘(Heil-)Kräuter’
sa gab ir ouch di reine / ir suchede guͦt gecrude Elis
5081
3
‘Gewürze, Spezereien’
daz ein iclich uzwendic gast odir kouffman sal sinen couf odir cremerie in
sinis wirtis herberge vorkaufin, wurze, gecrute und allis, daz do
spundit [im Faß durch Spund eingeschlossen] ist, bi
dem spunde [...]. geschit abir, daz ein burger in der stat
wolde coufin rys, vigin, oley, mandiln und andir gecrute, das zu der cuchinspise
gehorit, daz sal he coufin bi dem virteil UrkSchles
8,13
(a. 1318);
welch gast brengit [...] pfeffir, jngeber, czukir,
safferan, mushatin vnde allerleige gekruͤde, di den gleich sein
UrkSchles(B)
53:5,5
(a. 1327);
we ivch [...] pharisei glichsnere,
ir verzehent di minzen vnd den hanf, vnd allez gechraüte, vnd di ravten oder chöm,
vnd linse, et ciminvm EvAug
57,14
(vgl. Mt 23,23)
– zur Vorbereitung des Leichnams für das Begräbnis:
ich, liͤf, enweiz, wamide / ich dich bestade
zuͦ dem grave, / als it guͦt wer inde side. / vür diͤ mirre
nim min ruͥe, / vür guͦt gekrüde nim min truͥe, / vür den
balsam nim min minne MarlbRh
33,36;
hey stalte iamer ind noit / vmb des wyues doit / ind dede sy balsemen
schere / mit edelem gekrude fere Karlmeinet
317,33
MWB 2 310,40; Bearbeiter: Tao
gekrœse
stN.
‘Eingeweide’
nim ein gans, die niht alt si, nim vz daz gekroͤse
BvgSp
42.
26.
42
MWB 2 311,10; Bearbeiter: Tao
gekudde
stN.
→
gequide
MWB 2 311,12;
gekünne
stN.
‘Abstammung, Familie’
wuocher unt versaz hat vil der niuwen herren gebraht, / der gekünnes man bi
Welfes siten [l. ziten
] kleine hat gedaht
Stolle
28,6
MWB 2 311,13; Bearbeiter: Bohnert
gël
Adj.
Adv.
flekt. gel(w)-; Komp. gelwer.
‘gelb’
1 allg. 2 von der fahlen, blassen Haut der Toten, Kranken, Leidenden 3 vom menschlichen Haar, ‘blond’
4 von auffallender, modischer Kleidung 5 als Signalfarbe zur Kennzeichnung bestimmter Personen(gruppen) 6 in der Farbsymbolik
1
allg.:
gel als ein thopazîus Parz
780,20.
301,29;
gelwer dan safrân Tr
15828;
dú amselle [...] hât ainen schoͤnnen schnabel
gelwen PrGeorg
22,30;
aspis [...] ist ain slang wahsvar
oder gel BdN
262,13.
185,29.
452,10
u.ö.;
nim auripigmentum (daz ist gelwe varwe) Barth
143,29;
En
2735
u.ö.;
RvEAlex
1315;
HvNstAp
9041;
BairFärb
9,1;
BvgSp
48.
–
daz swarze dunket dich blanc
[...] / und daz gelwe alles rot
Rennew
3203;
spriche ich ‘gel’ sî sprichet ‘rot’ BFrau
66.
– häufig in Aufzählungen:
diu heide was von bluomen gar / rôt, wîz, weitvar, /
brûn, grüene unde gel, / swarz, mervar, [...]
UvZLanz
4751;
man sach dâ [...] / mange decke
snêwîze, / gel, brûn, rôt, grüen unde blâ Tr
667;
Wig
226;
KLD:UvL
29:1,7;
SM:Had
19:1,3;
PrGeorg
243,11.
– adv.:
in brûner brûne purpervar der meie sich nu gestet, / hie gelwer gel, dert
blâwer blâ KLD:HvW
5,9;
KvWEngelh
2654
2
von der fahlen, blassen Haut der Toten, Kranken, Leidenden:
des [Schläge] wart sî als ein tôte gel BFrau
608;
im [vom hl. Servatius Geheiltem] durchbrast diu
gelwe hout, / warc unde æiter dar ouzran Serv
3220;
si wart von sargen gel MargAntiochVI
370;
dirre ist gelwer denne ein wahs Renner
365;
StrKD
98,74;
PrSchw(St)
2,229;
SchülerA
A 695.
– übertr.:
swie sêre si tanzen, reien, springen, / doch broget ir fleisch der gelwe
tôt Renner
24025
(vgl. unter 4).
– adv.:
[Paris erblickt Helena] dô wart geverwet über lût /
sîn bilde alsam ein tôte gel KvWTroj
22393
3
vom menschlichen Haar, ‘blond’
ir har was gel recht als ain gold HvNstAp
15029;
sein gel, raider, schoner part ebd.
14365;
noch gelber denn die siden / ist ir das har raid vnde val MinneR301
185;
des wart ir gelwez hâr zerrouft Häslein
198;
Herb
3255;
KvWTroj
3014
u.ö.;
PassIII
114,54;
Renner
17388.
– adv.:
sie hät ain gold far här, / fin gel und brunn gevelwet
MinneR3
33
4
von auffallender, modischer Kleidung
(vgl. Brüggen, Kleidung S. 160ff. mit zahlreichen Belegen):
mit gelwem gibende / wellent sich die gebiurinne
[...] / des rîchen mannes tochter ginôzzen
Erinn
329;
dyn kyn vnd din snewyze kel / blenkin duͤrch den sloyer gel
MinneR68
395;
blôzer nac und gelwer kitel / lockent manigen valschen bitel Renner
12577.
12408.
12600;
Priesterl
707;
PrBerth
1:115,2,3.
2:181,17
u.ö.;
PrSchw
2,69;
PleierMel
6969;
PassI/II
4,20.
– subst., ‘gelbe Kleidung’
swer brûn, gel treit, grüen oder rôt / mit sünden Renner
2491.
– übertr.:
rehte alsô gêt ir [gelb gekleidete Frauen] als
ein gelwer tôt [d.h. mit Todsünde behaftet]
PrBerth
2:181,19
(vgl. unter 2).
– adv.:
gel sam ein ringelbluome / sîn cleit geverwet dûhte
KvWTurn
176;
KvWTroj
32438
5
als Signalfarbe zur Kennzeichnung bestimmter Personen(gruppen):
die jüdinne unde die pfeffinne unde die bœsen hiute
[Huren]
[...] süln gelwez gebende dâ tragen, daz man sie erkenne
PrBerth
1:415,16;
StRMeran
425;
ein gelwer [gelbgekleideter] jude PrBerth
2:181,20.
– subst.:
daz gelbe an dem zegelîn was an dem schaft / gebunden vast durch vride zuo
der stangen [bei einem Parlamentär]
Loheng
3985
6
in der Farbsymbolik:
[Rätsel über den Neid:] ich spür ein wunder dur die lant
/ in gelwer grüener varwe schîn, / [...] sag an, wem mac ez
sich glîchen? Marner
11,2.
– subst.:
gel, grüne, weitîn / daz sol diu nîtvarwe sîn Freid
60,5;
gel sî gewert [bezeichne gewährten
Liebesgenuss] , si sprechen Hadam
247,1;
SechsFarbenI
179
MWB 2 311,17; Bearbeiter: Bohnert
gelabede
stF.
auch -leb-.
‘Labung’
er [Gott] hat die spise und den trank geschaffen
deme libe zu genaden und zu gelebede PrLpz
238,16;
si [Tiere] wurden sîn
[Löwe] gelebde [La.
gelabte
]
WälGa
10919;
daz [Bußetun] ist der sele gelâbede
unde ist deme libe unsênfte Spec
45,30;
KvFuss
774
MWB 2 312,23; Bearbeiter: Bohnert
gelach
stN.
‘Gelächter’
do wart eyn gelach, / da David also sprach. / Karlle begunde ouch smutzlachen
KarlGalie
8177;
eyn groes gelach ebd.
6772.
12031
MWB 2 312,29; Bearbeiter: Bohnert
gelâch
stSubst.
Bed. unklar, ‘Bezirk, Ort’? (Glossar z.St.: ‘Wille,
Absicht’; s.a. Schönbach, EvStPaul. S. 96):
wer minnet mich, der gie mir nach. / da dan ich bin, da hat gelach / zu sine
er auch, der diener min [
Io 12,26
]
EvStPaul
13253
MWB 2 312,33; Bearbeiter: Bohnert
gelæge
stNF.
1
‘das Liegen’
2
‘Lage, Situation, Verhältnis’
2.1 von räumlicher Lage, Naturgegebenheiten 2.2 von Menschen 2.3 anders 3
‘Landstrich, Gegend, Gebiet’
1
‘das Liegen’
sie [die Sieben Schläfer]
erwachten und stunden uf. / nieman clagete sine huf / von langem gelege
Vät
38453
2
‘Lage, Situation, Verhältnis’
2.1
von räumlicher Lage, Naturgegebenheiten:
ouch sayt her [Marco Polo] eyner iclichin
provincien ir gelege unde ir e MarcoPolo
1,9.
6,4;
man sagete uns [...] / al des berges gelege
Brandan
1668;
der meistir brûdir Herman [...] bûwete in daz
selbe lant / eine burc [...] / al dâ an ein gelêge / dâ
offene herwege / kein Colmerlande lâgin NvJer
4649.
10201;
PassI/II
350,22;
PassIII
23,40;
Macc
6942
2.2
von Menschen:
ouch pruvet daz gelege / der von Sabba, waz wege / sy
wandern Hiob
2259.
–
er sante einin botin, / der ebbin dort besêge / der burcluite gelêge,
/ wî iz um sî wêr gestalt NvJer
19993;
Hester
361
2.3
anders:
der bischof [...] in vruntlichen bat, / daz er
were an siner stat / und des amtes pflege, / wand im daz gelege
[die Umstände] / aller best were kunt
MarLegPass
23,148.
– in Erzählerkommentaren:
swâ daz ich dî gelege / gevûclich noch gewege [wo ich die
Gelegenheit dazu für passend erachte]
NvJer
287;
als der gelege vuget wol PassI/II
116,71
3
‘Landstrich, Gegend, Gebiet’
[der Stamm Asser bewohnt das Land] von dem gelege
[
plaga
] des ostin bis an das gelege des
meris Cranc
Ez 48,2;
die vier gelege des landes ebd.
Ez 7,2.
Uzl 269,46
u.ö.
MWB 2 312,38; Bearbeiter: Bohnert
gelaister
Subst.
→
ganeist
MWB 2 313,1;
gelamben
swV.
‘ein Lamm werfen, gebären’
sô einz [
schâf
] gelampt, sô nimz
[Hirte] in dînen buosen Kolm(B)
86,35
(¹Regb/4/588a)
MWB 2 313,2; Bearbeiter: Bohnert
gelanc
stM.
‘Krümmung, Locke’
er [Bart]
[...] hatt nyrgent einen gelang, / niht mere denn ein
scharff al [= âle
]
Krone
19686
(s. Felder, Krone z.St.).
9345
MWB 2 313,5; Bearbeiter: Bohnert
gelandet
Adj.
‘mit einem Land versehen’
die liute sint gelandet wol, / diu lant niht wol geliutet RvZw
215,1
MWB 2 313,9; Bearbeiter: Bohnert
gelange
swM.
‘Verlangen, Begierde, Sehnsucht’
da het si ir [Fische] gern mer gezzen: do komen ir
von der genade gotes die aller schonsten visch in ir schuzzeln, daz sie irn gelangen
wol buzt EbnerChrist
9,18;
der [Priester] herce wurden bivangen
/ [...] mit huorlîchen gilangen Priesterl
446;
sôn blendet dekein blintheit / als anclîch unde als ange / sô
geluste unde gelange Tr
17800;
man leschet gelangen, / sô der beginnet angen ebd.
18033
u.ö.
MWB 2 313,12; Bearbeiter: Bohnert
gelangen
swV.
1 tr. ‘erreichen’
2 unpers. mit Akk.d.P. 2.1
‘jmd. findet etw. (Gen.) langweilig, verdrießlich’ (=
belangen
1.1
) 2.2
‘jmdn. verlangt, gelüstet, jmd. sehnt sich nach
etw.’ ;
1
tr. ‘erreichen’
er [der gekreuzigte Christus] waz
von der erden hoch / daz in nieman kunde gelangen HvNstGZ
3315;
wen sy [Ritter] gelangen mit yren swerden / den
sleent sy zo der erden KarlGalie
2836.
4936;
Roth
673.
–
do sante he nôch allen den erzeten di her gelangen mochte in aller der
werlde HvFritzlHl
42,5.
–
und nemen sie [Apostel] vergift
in den munt, / beide natern und slangen, / dehein schade mag in
[La. sie
] gelangen
HvNstGZ
4516
2
unpers. mit Akk.d.P.
2.1
‘jmd. findet etw. (Gen.) langweilig, verdrießlich’ (=
belangen
1.1
):
swer guoten friunden freude gît, / wen solde des belangen? / jâ in
[einen solchen, den des belanget
] darf
sîner zît / verre baz gelangen / dan der angestlîchen lît / ûf den lîp gevangen
HartmKlage
1882
(vgl. F. Saran, Hartmann v. A. als Lyriker, Halle a.S. 1889, S.
88)
2.2
‘jmdn. verlangt, gelüstet, jmd. sehnt sich nach
etw.’;
mit Gen.d.S.:
Rachel [...] begunde ir
[
phedemen
] gelangen
VMos
26,17;
swes gelieben gelanget, / des tribens under in genuoc
Tr
12366;
desen lât iuch niht gelangen [danach lasst Euch nicht
verlangen]
NibA
2206,1;
Gen
1351;
Jüdel
229.
– mit Obj.-Satz:
in gelangete unde geluste, / daz er si gerne kuste
Tr
17591;
lat ir iuch nit gelangen / daz ir si
[Aglye] wellet retten WhvÖst
4712.
– subst. ‘Sehnen, Sehnsucht’ (nâch
jmdm.):
der welte vuor’ ist niht wan ein gelangen AlbvHaig
63b;
do si also was in dem glangen [La. der
senvng
] noch irem lieb
[Christus]
AdelhLangm
61,17;
WhvÖst
9826.
–
sich ~ lân
‘sich etw. (Gen.) angelegen sein lassen’
lat iuch des rates gelangen / so daz ir wislich ratet
mir! WhvÖst
5644
MWB 2 313,22; Bearbeiter: Bohnert
gelangic
Adj.
‘verlangend’
als juncvrouwen unde kint / gelustic unde gelengic sint
Tr
10068
MWB 2 313,56; Bearbeiter: Bohnert
gelas
swM.
→
galazîâ
MWB 2 313,58;
gelast
stM.
→
glast
MWB 2 313,59;
gelaʒ
Adj.
~ sîn an etw. ‘in etw. lässig, träge
sein’
doch was ich daran nit gelasz, / ich chert im schnell hindten nach / vnd
ruͦft auch: wie ist eüch so gach? Hätzl
2:54,278
MWB 2 313,60; Bearbeiter: Bohnert
gelâʒ
stMN.
1
‘Verleihung, Gnade’
2
‘Überlassung, Auftrag’
3
‘Aussehen, Gestalt, Form’
4
‘Benehmen, Verhalten, Haltung’
5
‘Raum, Vorratsraum’
1
‘Verleihung, Gnade’
ouch scolte er geniezzen sînes vater gelâzze, / der der erde
gebôt daz si ime gebe wuochere genuoch Gen
1721;
und daz mochte nicht gewesen / nur inmir were von gelaz / waz
merkliches und stetis waz Hiob
5205
2
‘Überlassung, Auftrag’
der kost [...], der ist gelaz an den seluen greuo van
Lucenburg, dat her hin sal heruaren UrkCorp (WMU)
9,8
(oder Verschreibung für gelâzen?)
3
‘Aussehen, Gestalt, Form’
ze mitterest des garten hiez got zwêne boume wahsen, /
misliches gelâzes, unglîches obezes Gen
259;
ei werlt, dise unmâze / dîner lieplîchen gelâze, / die du dem menschen
biutest! UvEtzAlex
27310;
dú valscheit hat den schoͤnsten gelas, / dú
vollekomenheit ist von den hoͤhsten lúten versmehet Mechth
4: 4,15
4
‘Benehmen, Verhalten, Haltung’
sie lobeten sinen gruz, / sine gelaz vnde sinen ganc
Herb
14107
u.ö.;
kan ich rehte schowen / guot gelâz und lîp Walth
57,4;
er hæte sîne mâze / an rede und an gelâze / sô wol, daz es
die wîsen [...] / ze grôzen sælden jâhen Tr
2740.
966;
im erzeigeten dienstlîchen site / vier künege und rîterlîch
gelâz Wh
33,13;
wie wunderlîch gelâz / hât der küene starke ebd.
142,18.
249,3;
vf ir phert sie sazin / mit sconin gelazin
Athis
D 110
u.ö.;
der bischof [...] sprach / in zornlichem gelaze
PassI/II(HSW)
529;
KvWTroj
15175;
Mechth
5:Reg. 15.
–
mit gelâʒe(n)
‘durch Gebärden’
sie begunden sich vndergrazzen / zv erst mit gelazzen, /
dar nach mit worten Herb
4961;
sô möhte ich mîn leit / eteswenne mit gelâze ir künden
MF:Mor
11b: 1,6
5
‘Raum, Vorratsraum’
vol was vruchte sin gelaz, / zuvlizende an unkust, / aller vreude vremde lust
HistAE
954
MWB 2 314,1; Bearbeiter: Bohnert
gelæʒe, gelâʒe
stF.
‘Benehmen, Verhalten’; an/ in/ nâch aller
~
:
[das Jesuskind] was [...] vil
gemaeze / in aller gelaeze. / ez was nit als ändriu kint / unrüewec WvRh
3949.
6416;
der roc im stalte sich gelîch, / daz er nâch alr gelaeze / dem lîbe was
gemaeze ebd.
6014.
–
ein lamp von ir [Kuh] erworfen wart, / wîz und grôz
ze mâze / nâch rehter gelâze WvRh
11979
MWB 2 314,35; Bearbeiter: Bohnert
gelæʒe
stN.
1
‘Ort, wo jmd. sich niederläßt’
2
‘Benehmen, Betragen, Art’
3
‘Fügung, Anordnung’
4
‘Sachverhalt’
5
‘Hinterlassenschaft’ , als Abgabe beim Todesfall eines
Leibeigenen (vgl. DRW s.v. Gelaß ; 2 HRG 4,1964 s.v.
Sterbfall )
1
‘Ort, wo jmd. sich niederläßt’
ich wil dir [...] / von werder minne tugende sagen, /
wie ez umbe ir gelæze stê. / [...]. / ez
[
ein herze
] muoz gereinet innen sîn, /
ê daz si ûzen klophe dran: / ist im alsô, si sitzet drîn Winsbeckin
39,3
2
‘Benehmen, Betragen, Art’
nu sehet [...] mit wiegetanem gelæzze / er
[Teufel] besweich [...] daz
wip GenM
13,33;
magtlîcher zühte sihe ich den degen rîch / mit guotem gelæze
sô minneclîche stân NibB
414,3;
allez sîn gelæze / was unmâzen töbelîch HBirne
196;
du solt mit undertenigem gelesse
[...] sprechen dis Mechth
6: 1,54;
mir [Sünder] was zuͦ der
welte alze liebe an gedenken, worten und gelaͤsse ebd.
3: 17,14;
diz bezeichenet die mortressen, / die bi schefenen gelessen /
die wolfinnen herze tragen HeslApk
19308;
UvZLanz
43;
Warnung
281;
Neidh
WL 28:3,4.
WL 26:5,8;
Tauler
13,19.
427,5;
Stagel
60,29.
–
das panthier [...] winckte dem
vil werden / das er auff es sässe. / zam was sein gelässe HvNstAp
10261.
– umschreibend:
daz sînes lîdens swêr gelêz / geschêch durch aller welde
trôst JvFrst
9228.
– zur Bed. ‘Äußeres, Gestalt’ hinneigend (vgl.
gelâʒ):
ir sind doch von gote so gar gnadenrich gestalt in allem
úwerm gelesse Seuse
137,15
3
‘Fügung, Anordnung’
daz liden dem menschen als reht we tuͦt, und es in
doch gaischlich als schon zieret, daz ist ein wunderlich geless von got
Seuse
65,3;
daz heil der sele, dú von gottes geleze [vgl.
permissione divina Seuse, Horologium 569,25] in
hertikeit stat, wirt dik allein in dem lieht des lutren gloͮben
[...] volbracht ebd.
301,22;
daz mich von dir weder tot noch leben noch keines gelúckes
gelesse [vgl. nec ulla fortunae sors Seuse, Horologium
433,27. 608,23] niemer mug gescheiden ebd.
554,28
4
‘Sachverhalt’
jâ möhte mir noch etswenne / kunt werden diz gelæze Schlegel
920
5
‘Hinterlassenschaft’, als Abgabe beim Todesfall eines
Leibeigenen (vgl. DRW s.v. Gelaß; 2HRG 4,1964 s.v.
Sterbfall):
und, was andrú gotzhus reht zuͦ iran lúten und guͦtern von
vaͤllen und von gelassen und von aller erbschaft hant, das hat och únser
gotzhus UrkThurgau
3,733
(Ende 13. Jh.s)
u.ö.
MWB 2 314,43; Bearbeiter: Bohnert
gelâʒenheit
stF.
Pl.
Seuse
514,5.
– vgl. mnl. gelatenheit (MNW 2,1202).
Zentrales Wort der myst. Literatur (s. Zirker, Wortschatz S. 53f.; Largier, Eckh.
1,959-962 mit weiterführender Literatur); vgl. die entspr. Bed. von
lâzen.
1
‘Haltung, in der jmd. die Welt und sich selbst gelâzen,
losgelassen, sich davon befreit hat’
2
‘Haltung, in der jmd. sich gote gelâzen, Gott ergeben,
hingegeben hat’
3 zu 1 und 2 4 passivisch gewendet, ‘Verlassensein’
1
‘Haltung, in der jmd. die Welt und sich selbst gelâzen,
losgelassen, sich davon befreit hat’
(vgl.
abegescheidenheit
):
volkomnú gelassenheit sin selbs Seuse
54,3;
Tauler
255,8;
MerswNF
37,20;
versenke dinen geist in gottes geist, in wore gelossenheit
aller diner obersten und nidersten kreften Tauler
67,30;
also darbende und enberende in rechter gelossenheit het man
me und nimet man me danne nemmende und habende in eigen willen ebd.
79,6;
er [Mensch] sol im selb nah sin
selbsheit mit tiefer gelassenheit entsinken, und ellú ding von got, nút von der
creatur nemen Seuse
23,10;
wa ist nu din gelassenheit, wa ist
glichstan [ebenmäßiges Verhalten] in lieb und in leide
ebd.
127,6.
161,23;
ez kome [...] von wârer
abegescheidenheit oder von gelâzenheit Eckh
5: 283,8
(einziger Beleg bei Eckh );
MerswZM
24,5
2
‘Haltung, in der jmd. sich gote gelâzen, Gott ergeben,
hingegeben hat’
‘ich’ daz meinet eine lûterre gelâzenheit gote und sîner gewalt
HvFritzlHl
14,34;
wellen wir nv Cristus ettewas noch gon, so mvͤsen wir vns ime al zǔ
mole losen vnze in den tot, also er vns ǒch vorgangen ist in rehter gelosenheit sins
himelschen vatters MerswZM
25,2;
so lert der mensche gelossenheit und sterben und sich ergeben
den gruwelichen verborgenen urteiln gottes Tauler
108,10;
ein gelăssnú gelassenheit in natur ist [...] daz der
mentsch in allen kreften der natur sich got lăsse und lasse in wúrken wie er welle
DreiFragen
139;
HvFritzlHl
228,8;
MerswBgR
148
3
zu 1 und 2:
wer einen rehten wideringang welle haben und sun werden in
Cristo, der kere sich mit rehter gelazsenheit ze im von im selb Seuse
334,21.
– zu 1 oder 2:
kynder, uff alle die gelaszenheit, die nit usz geubet
enist, engebe ich nit eyn bone, sie werde erfulget mit den wercken
Seuse
513,20;
Stagel
121,8
4
passivisch gewendet, ‘Verlassensein’
das sich der mensche [...] hielte
trostlos und verlossen und ellende von allem enthalt, und stuͤnde in rechter
gelicher gelossenheit als unser herre Jhesus Christus was verlossen [in
Gethsemane, Lc 22,39-46
]
Tauler
371,24;
du solt in dien guͦten tagen die boͤsen an
sehen, und in dien boͤsen der guͦten nit vergessen, so enkan dir weder
úbermuͤtikeit in der gegenwúrtikeit [der ewigen
Weisheit] , noch swarmuͤtikeit in gelazenheit geschaden
Seuse
235,4.
233,12.
233,29.
250,3
MWB 2 315,22; Bearbeiter: Bohnert
gelâʒenlîche, gelæʒenlîche
Adv.
‘ergeben, gleichmütig’
so gap er sich gotte also gar demüetikliche und also gar gelessenliche
gewillekliche und frœliche in den tot MerswBgR
183;
sint demüeteclich und gotte gar geloszenlich [...]
wartende der gnoden gottes MerswBrf
308;
MerswFM
31,28;
ach herre, [...] du meinest, daz ich
mich halte [verhalten soll] ledklich und gelazenlich an
luste, und din lob allein suͦche in hertikeit als in der suͤzikeit
Seuse
232,14.
34,15.
189,5
MWB 2 316,10; Bearbeiter: Bohnert |