geist-, geistenrîch
Adj.
‘geistig’
wan er [...] noh nit kan under
gan [entsinken] nah sines geistenriches wesens
ordenlichen entwordenheit [Entäußerung] in ein war
armuͦt, der da enpfellet in etlicher wise aller froͤmder gegenwurf
Seuse
160,6;
so ist nu wol erlobet diner geistenrichen vernúnftekeit, von
hohen dingen ze fragen ebd.
171,2;
hie dringet der geist fúrbaz in mit einer verlornheit
anhaftender creaturlichkeit, dur den ring in, der da betútet die ewigen gotheit, und
kunt da in geistrich volkomenheit ebd.
193,4
MWB 2 303,26; Bearbeiter: Tao
geistunge
stF.
vom innertrinitarischen Vorgang ‘Hauchung, Hervorgang (des Hl.
Geistes)’ (vgl.
geisten
swV.
2
):
dizz auzgiezzen diser zweier mit minne ist ein gemein geistuͦng dez
vaters und dez suͦns Eckh(J)
87,10;
darumme heizit der uzfluiz des sonis geburt und des heligen geistes geistunge
Parad
101,18;
ez ist zemerken, daz vier
widertragung [
relationes
] sint in got,
daz ist dinklich [
reales
] , daz ist veterlicheit
unde sünlicheit unde geistung [
spiratio
] unde
usgaunge [
processio
]
ThvASu
308,18;
die widertragunge dez
beginnes [
principii
] dire usgaunge
heizet die »geistunge,« aber die widertragung dez usgande die »usgaunge« ebd.
310,12;
unde da von ist daz zehalten, daz die geistunge bekome der
persone dez vatters unde der persone dez sunes ebd.
312,15.
316,27.
318,2
MWB 2 303,37; Bearbeiter: Tao
geitelos
Adj.
→
getelôs
MWB 2 303,53;
geiʒ
stswF.
swF. selten:
SalArz
17,7
(Nom.Pl.);
FabelCorp
33,9
(Gen. Sg.).
1
‘Ziege, Geiß’
1.1 eigentl. 1.2 übertr., diu springende ~
, eine Art von Sternschnuppen 2 eine Art wilder Ziegen, ‘Reh, Gämse’ o.ä.
1
‘Ziege, Geiß’
1.1
eigentl.:
da newirdit verbiderbet daz scaf noch diu geiz
Himmelr
8,22;
sî vûrten vil rinder, / schâf unde geize JJud
271;
ein wolfe [...] bat sich inlazen / mit einer
geizen mvnde [mit der nachgeahmten Stimme einer Geiß]
FabelCorp
33,9;
und muscus kümt von ainer gaiz und von ainem wider, daz
mag man haizen ze däutsch ain schâfgaiz BdN
141,23;
unde ein geis ist ein zige; / unde ein zige ist ein geis
Kettenreime
1147,22;
der eigen man mac niht [darf seiner Ehefrau
zur Morgengabe] gegeben wan ein schâf oder eine geiz, oder
fünf schillinc sîner lantphenninge SpdtL
96,16;
si [die schöne Jeschute und die gräßliche
Ruel] wârn gelîch, [...] / reht als
ein bin einer geiz Wig
6339.
– als weibl. Ziegen den Ziegenböcken (bocke)
entgegengesetzt:
er gestalte ze chreizze zweihundert geizze, / bokche
zehenzik an den selben rinch, / scâffe zweihundert, remme
[Widder] zwire zehenstuont [vgl.
Gn 32,14
]
Gen
1510;
er sante ime [...] gaize unde
pocche VMos
28,1;
alsus er [König Salmon] ine
[den König Fore als Gefangenen] versmiden
hieß, / die frauwe [Königin Salome] er sin huten
ließ. / da was er also rechte wol behut, / also der sin geiß / zu schonen
bocken dut SalMor
91,4.
– Sprichw. (vgl. TPMA 13,386. 389):
diu geiz kratzet manege zît / von weiche, biz si herte lît: / er sol
niht sîn ein tumber man, / der senfte leben vertragen kan Freid
118,15;
StrKD
4,25;
wer da kusset daz bockelin, / der mag der geize frunt wol sin
SalMark
567;
unklar, ob hierher:
[wer sein Gut und seine Seele den Minderbrüdern anvertraut,
handelt] alz der mit siner gaisse vert / vz der stat in
den walt / das er si da basz behalt / vor den woͤlfen denn er tet /
ob er si in dem huse hett Barfüsser
164
1.2
übertr., diu springende ~
, eine Art von Sternschnuppen:
sô dunkt uns denne, daz ain flamm spring in dem lufte sam
ain gaiz. dar umb haizt daz feur diu springend gaiz BdN
78,4
2
eine Art wilder Ziegen, ‘Reh, Gämse’ o.ä.:
sprach unser herre in der Minne buͦch: ‘ich
beswer úch bi den geissen der velde [vgl. adiuro vos
[...] per capreas cervosque camporum
Ct 2,7
] das [...] ’
Tauler
168,15.
–
wilde ~
:
von der wilden
gaiz [
caprea
] , diu haizt gämz
BdN
128,2;
von dem rêch. capreola ze latein oder daz Plinius
rupicapra haizt, daz ist ain wildeu gaiz, diu haizt rêh ze däutsch ebd.
128,31.
128,25.
145,14;
stainboͤk, recher, wildegais
WernhMl
3685
MWB 2 303,54; Bearbeiter: Tao
geiʒbache
swM.
‘Ziegenschinken’
die rîchen sitzent dâ vil eben, / sô lâ die armen machen / rüebkrût ze
geizbachen Helbl
3,232
MWB 2 304,40; Bearbeiter: Tao
geiʒblâse
stF.
‘Ziegenblase’
burne ein pulver uon ocsenblase vnde uon geizblase, vnde gip
im denne zu trinkene mit wazzir vnde mit ezzige SalArz
60,2
MWB 2 304,43; Bearbeiter: Tao
geiʒboc
stM.
‘Ziegenbock’
tyadrus, daz ist ain pokschâf, daz wirt geporn von ainem
schâf und von ainem gaizpok BdN
141,23
MWB 2 304,47; Bearbeiter: Tao
geiʒborste
swF. , -borst
stN.
‘Ziegenborste’
unserm herren ist manic dinc genême, / daz mir oder dir wêr widerzême: / er
nimt von uns grôz unde kleine, / silber, golt [...],
sactuoch, strô und mist, / geizborsten [La.
geizbörster
] und daz noch bœser ist Renner
24489
MWB 2 304,50; Bearbeiter: Tao
geize
stF.
‘Pflugsterz’
stiua: geitz, geiza VocOpt
13.063;
buris: geitz, geiza ebd.
13.064;
die geitze des pfluges [Akk.]
WeistGr
5,373
(a. 1344)
MWB 2 304,56; Bearbeiter: Tao
geiʒebône
stF.
‘(bohnenähnlicher) Ziegenkot’
nim die geizzebone vnde niv sie mit ezziche vnde lege sie vber
die drvse Ipocr
112
MWB 2 304,59; Bearbeiter: Tao
geiʒegëbel
stM.
‘Ziegenschädel’, als Schimpfwort:
si tugendelôsen geizegebele, / ir dornic rât, ir distelec muot / ist guoten
liuten alsô guot / alsam der wolf bî schâfen in dem nebele RvZw
156,9
MWB 2 304,62; Bearbeiter: Tao
geiʒehërt
stF.
‘Ziegenherde’
dîn váhs ist sámo gêizzo córter, dáz der [La.
geize herta diu da
] gêt ûffe démo bérge Galaad
Will
55,1
( Ct 4,1)
MWB 2 305,1; Bearbeiter: Tao
geiʒelîn, geiʒel
stN.
1
‘(junge) Ziege’
2
‘Ricke’
1
‘(junge) Ziege’
ichn han ros, esel noch daz rint / gense, schaf noch daz swin, / hun, ente,
noch geizelin ErzIII
40,32
2
‘Ricke’
von dem rêch. [...] der gaiz pöckel
habent grôzen krieg umb die gaizel, wenn si in der prunft laufent BdN
128,34
MWB 2 305,4; Bearbeiter: Tao
geiʒer
stM.
‘Ziegenhirte’, hier als fingierte Ketzerbezeichnung:
nû war umbe hiez er [Gott] sie niht hünder oder
miuser oder vogeler oder swîner oder geizer? er hiez in einen ketzer PrBerth
1:402,21
MWB 2 305,10; Bearbeiter: Tao
geiʒeweide
stF.
‘Ziegenweide’
vur die aggere, die siv hetent zuͤ Ehenheim zuͦ der geisseweide
UrkCorp (WMU)
N150,16
MWB 2 305,14; Bearbeiter: Tao
geiʒgalle
swF.
‘Ziegengalle’
geizgalle getempirt mit wine ist ouch gut
darzu [gegen Warzen]
SalArz
76,51
MWB 2 305,17; Bearbeiter: Tao
geiʒhâr, geiʒehâr
stN.
‘Ziegenhaar’
an dem geizze hare [aus dem die Zeltdecken für
die Stiftshütte gemacht sind] / da merche wir di sundare
VMos
58,27
(vgl. Anm.z.St. und Wells, VMos., S. 108);
sô brâhte etelîcher [als Opfergabe] silber, sô
brâhte etelîcher pfeller [....], sô brâhte etelîcher niwan ein geizhâr
PrBerth
1:499,27.
1:499,34.
2:79,13
MWB 2 305,20; Bearbeiter: Tao
geiʒharn
stM.
‘Harn der Ziege’
Dyascorides sprichet, daz geizharn, swer in trinke alle tage
warm mit spica, daz ist gut wer [l. vor
] di
wazzersucht SalArz
56,10
MWB 2 305,27; Bearbeiter: Tao
geiʒhof
stM.
‘Ziegenhof’, hier Name einer Hofstätte:
mit der hofstat, div da genemmet ist der gaishof UrkCorp (WMU)
970B,43.
970A,45
MWB 2 305,31; Bearbeiter: Tao
geiʒhorn
stN.
‘Ziegenhorn’
wer ain gaizhorn prent daz ez stinkt und habt daz für des
nasen, der die vallenden suht hât, der vellt zehant BdN
128,16
MWB 2 305,34; Bearbeiter: Tao
geiʒhût, geizehût
stF.
‘Ziegenfell’
swer zwivel habe an der vallinden sucht
[...], der neme den sichen
[...] vnde lege in an eine nuwe geizhut. vellet he
denne, so ist iz di vallende sucht SalArz
34,44;
swer sitzet vf den houestetten, die geisehúte gebent UrkCorp (WMU)
244A,13.
244A,8;
UrkGlar(St)
1,1:61,1
(um 1350);
HvBurg
674
MWB 2 305,37; Bearbeiter: Tao
geiʒîn
Adj.
‘von der Ziege (stammend), Ziegen-’
[sie] worhten ez [das Gewebe] ze
ware / ein teil uone geizzineme hâre VMos
56,3;
belze, kursene, deckelachen sulen nit anders sîn wenne von
schêfînen unde von geiz vellen, doch sal man niemanne geben geizene vel, wan dem,
der sie eischet StatDtOrd
39,2;
gip im zu ezzene geizin uleisch SalArz
45,54;
geizîn bachen habent si vil EnikWchr
27527;
diu genvwene [zerstoßene] agrimonia
mit der geizzinun milche machot daz daz hâr wahset Ipocr
29;
BenRez
17;
Barth
136,9;
SalArz
18,50;
BdN
359,35;
einen geizinen kese niuwen BenRez
40;
dem di druse rinnen, der nem geisin bone ebd.
43
(vgl.
geiʒebône
);
der di herten druse hab, der nem geizinen mist ebd.
54;
Barth
142,6.
– im Ggs. zu buckîn:
man sol auch kain puckeins noch gaysseins flaysch unter den pencken verkauffen
UrkEichst
2,153
(a. 1319)
MWB 2 305,44; Bearbeiter: Tao
geiʒkæse
stM.
‘Ziegenkäse’
Aristotiles spricht, daz gaizkæs zuo nihtiu guot sei
BdN
127,27
MWB 2 305,62; Bearbeiter: Tao
geiʒ-, geiʒekorter
stN.
‘Ziegenherde’
díu ménige fidelium auditorum íst gelîh démo gêizcórtare
Will
55,7;
dîn váhs ist sámo gêizzocórter, dáz der gêt ûffe démo bérge
Galaad ebd.
55,1;
gaizzekorter TrudHL
47,10.
47,22
MWB 2 306,1; Bearbeiter: Tao
geiʒlëbere
stF.
‘Ziegenleber’
nim ein geizlebere SalArz
39,3;
sut geizlebere in wazzer ebd.
39,11
MWB 2 306,6; Bearbeiter: Tao |