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ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   gülteguot - gunner    


gülteguot stN. ‘als gülte entrichtetes Gut, Abgabe’ daz Hug [...] deme probeste vnde deme capitel sol geben vnde entwirten [...] zwei vnde hundert vierteil cornes [...] zwizent den zwein messen, alze man gulteguͦt geben sol UrkCorp (WMU) N106,27

MWB 2 1014,12; Bearbeiterin: Herbers

gültehaft Adj. ‘eine Abgabe schuldig, zahlungspflichtig; verschuldet’ swer das [Schiedsspruch] iemer gebrehe [...], der sol schv́ldeg vn̄ gv́lthaft sin einer marke silbers UrkCorp (WMU) 2583,37; swa oͮch eîn man oder sin wib stirbet vn̄ daz andir lebot, swes das gûlthaft wirt dar nah, [...] daz sun [sollen] dv̂ kint geltin ebd. 248B,13 u.ö.; ir [...] verkoufet dâ heime daz iuwer kinder und iuwer hûsfrouwen etelîchez iemer mêr deste armer müezent sîn oder dû selber iemer mêr nôthaft unde gultehaft PrBerth 1:459,37

MWB 2 1014,17; Bearbeiterin: Herbers

gültehaftic Adj. ‘ersatzpflichtig’ es mæcht ein chnecht seinem herren oder seiner frawen wol gulthæftich werden um alles daz guot, daz er in vergamlôst [beschädigt] mit unbesicht RbRupr 282

MWB 2 1014,28; Bearbeiterin: Herbers

gültekorn stN. ‘Getreideabgabe’ an die selbe messe sant Michahels oͮch dise vorgeschriben guͤtere gewidemet und gemaht sint alle iare umbe ahte vierteil rockengeldes, gv́ltekorn, die sie geben sullent iergelich UrkRhein 427 (a. 1346)

MWB 2 1014,33; Bearbeiterin: Herbers

gültezins stM. ‘Zinsabgabe’ auch wolt ain mensch chauffen äcker, wisen, hawser oder gült zins an ainem güt auf ain genannte zeit RechtssB V39,256

MWB 2 1014,38; Bearbeiterin: Herbers

gültic Adj. ‘wert, Ertrag bringend’ eîn zehent, der ist als gvltich, als div fvnfzich zehent hevser da ze Drvm UrkCorp (WMU) N446,26; daz die erwaern geistleichen vrowen [...] chlagten vns iren gepresten vmb ir zwo pastuben, [...] vnd wurden ze rat mit sampt vns, daz sie die ainen fuder liezzen gen [aufgeben] , so wurd dev ander dester gvldiger UrkKlostern 1,210 (a. 1324)

MWB 2 1014,41; Bearbeiterin: Herbers

gum M. ‘Großmaul’ (vgl. FrlWB s.v.): gum, giemolf, narre, tore, geswig der toten kunst! Frl 5:116G,1

MWB 2 1014,49; Bearbeiterin: Herbers

gume swM. gome

MWB 2 1014,51;

gummi, gumîn MN. aus mlat. gum(m)i. Harz aus dem Saft von verschiedenen Bäumen – als Kostbarkeit: stuchten [La. stacten ‘Myrrhenharz’ ] , das gumin und resin [lat. resina ‘Harz’ ] / sol iuwir kleinoͤde sin RvEWchr 7644. – als Räuchermittel: daz sint al edele gumme, / die vor gote wol riechen HeslApk 12796. – in Rezepten: ein puluer uon agatia vnde uon gummi SalArz 64,40; siede daz in harn vnd alaun misch dar vnder vnde gumi ein tail BairFärb 8,2 u.ö.; – ~ von Arabia ( → gummi arabicum ): der sal darzu mischen mastic vnde bdellium vnde gummi uon Arabia SalArz 91,48 u.ö.

MWB 2 1014,52; Bearbeiterin: Herbers

gummi arabicum Subst. Saft einer afrikanischen Akazie: gip im kuten saf vnde gummi arabicum mit geiz milch SalArz 51,18 u.ö.; gummi arabicum haizt ain arabischer zaher [Pflanzensaft] BdN 369,6 u.ö.

MWB 2 1015,1; Bearbeiterin: Herbers

gumpe swM. ‘Wasserloch, Teich’ dise vorgenanten wege [...]: zuͦ der fluͦhe [Felswand] , [...] zuͦ dem gumppen UrkAargau 1,6:17,8 (a. 1347)

MWB 2 1015,6; Bearbeiterin: Herbers

gümpel stM. gimpel

MWB 2 1015,9;

gumpelen swV. ‘hüpfen, tänzeln’ nu kumen schelten, trullen, triegen, / effen, gumpelen und liegen / mit parat als ein gumpelman, / der niewan laicherie [Täuschung] kan Jüngl 998

MWB 2 1015,10; Bearbeiterin: Herbers

gumpelman stM. Pl. -liute. ‘Spielmann’ (zum Repertoire der Spielleute als Sänger, Musikanten, Akrobaten und Spaßmachern sowie ihrer Rechtlosigkeit als fahrendes Volk s. Bumke, Höf. Kultur, S. 692-700): ein gernder man der triuget, / der ander kan wol zavelspil, / der tritte hoveliuget, / der vierde ist gar ein gumpelman KLD:Kzl 2: 8,9; [wenn man den Knecht] schimpfe ein gumpelman; / da verleuset er sine wirde van Jüngl 643. 142. 999; daz sint die gumpelliute, gîger unde tambûrer PrBerth 1:155,18. 1:25,5; TvKulm 4501. 4602

MWB 2 1015,14; Bearbeiterin: Herbers

gumpelmære stN. ‘lustige Erzählung’ gesell, [...] kum mit den mæren für daz rîch, / er [König] [...] heizet dich hin für gên, / wan dîniu gumpelmære / sint sô ahtbære Helbl 8,758

MWB 2 1015,25; Bearbeiterin: Herbers

gumpelmiete stF. ‘Lohn eines Spielmanns’ welch herre ein sulch gesinde [ohne höfisches Benehmen] hiet, / der solde im geben gumpelmiet Jüngl 858

MWB 2 1015,29; Bearbeiterin: Herbers

gumpelspil stN. auch gompel-. 1 ‘Vortrag von Spielleuten’
2 übertr., in Bezug auf Täuschung
   1 ‘Vortrag von Spielleuten’ wer von got nicht hoͤren wil / und hoͤrt lieber gumpel spil. / da suͤllen wiͤr erchennen pey / daz er gotez vreunt nicht sey Teichn 38,18; manigvalt guppel spil [l. gumpel ] , / der man ze hof dik pfligt SHort 2838    2 übertr., in Bezug auf Täuschung: ich hân lîp unde sêle [...] / gewâget tûsent stunt durch dich [die Welt] , / nû bin ich alt und hâst mit mir dîn gumpelspil Walth 67,14; das sy [die Griechen] ze kampffe nieman / also fräffenlichen mochten han / er wurde der Troyer gumpel spill GTroj 17305; eynes gompelspils sie [die Minne] hie began Segremors 8,119; mir leben unde sin verwirret / unstæte gumpelspil KLD:WvBreis 3:7,4

MWB 2 1015,33; Bearbeiterin: Herbers

gumpelvolc stN. ‘Spielleute’ dû solt ir guot niht andern wîben geben noch verspiln noch vertrinken noch verschallen mit turneien, noch gumpelvolke niht geben, die dâ sint des tiuvels blâsbelge PrBerth 1:319,18

MWB 2 1015,48; Bearbeiterin: Herbers

gumpelvuore stF. ‘ausgelassenes Treiben’, bezogen auf Tanz und Gesang einer Spielfrau: ir gumphel fuͦr si began, / teren [ dæren ‘übermütig sein’ ] , singen aber alse / mit wilden sprúngen sam ain re SHort 3100

MWB 2 1015,53; Bearbeiterin: Herbers

gumpenîe stF. 1 ‘närrisches Getue’
2 ‘Spiel, Spott’
   1 ‘närrisches Getue’ also múte sie der gauch in seiner gumppenay Neidh (S) 1,193 c108:5,10    2 ‘Spiel, Spott’ sye erkanten an ym snelle, / daz er der diernen gumppeney waz SchwMüller 200

MWB 2 1015,58; Bearbeiter: Tao

gunderam F. gunderëbe

MWB 2 1015,63;

gunderamen|saf stN. ‘Saft aus gunderam nim gunderamensaf vnde boumole, [...] vnde salbe dine nasa vnde din houbit da mite, so wirt dir baz SalArz 31,38

MWB 2 1016,1; Bearbeiter: Tao

gunderëbe, grunderëbe, gunderam F. zur Wortbildung und Umbildung zu gunderam unter dem Einfluss des Personennamen Gund(e)ram, Gunt(e)ram vgl. Etymol.Wb.d.Ahd. 4,686ff. – eine Heilpflanze, ‘Gundermann, Gundelrebe’ (Glechoma hederacea L., vgl. Marzell 2,698ff.): de gamandrea: gunderebe Gl 3:593,45; acer herba: gundereba, gunderebo, grundereba SummHeinr 2:176,415. 1:192,275. 2:51,327; nim wermute vnde rute vnde gunderam vnde luter honic [...] vnde tu iz in ein schone tuch, vnde bint iz vmme din houbit, so wirt dir baz SalArz 31,32; sabenboum, cle vnde gunderam, daz rip allez zusamene, [...] vnde gip iz im zu trinkene ebd. 31,36

MWB 2 1016,5; Bearbeiter: Tao

gunnen, günnen Prät.-Präs. lexikalisierte Präfixbildung mit ge- zum mhd. nicht mehr belegten Simplex ahd. unnan; mit doppeltem Präfix gegunnen Tr 2372; HeslApk 22288. – Näheres zu Form und Flexion vgl. 2 5Mhd. Gr. §§ M 94, 97 und DWB 4,1,5,888ff. – meist mit Dat.- und Gen.-Obj. (selten auch mit Akk.-Obj.: KvWTroj 21797; UrkCorp (WMU) 1893,1; Frl 13:60,1. 14:29,13; WernhMl 2,12 ). 1 ‘jmdm. wohlgesonnen, zugeneigt sein, sein Wohlwollen bezeigen’
2 ‘jmdm. etw./jmdn. (aus Wohlwollen, Gnade, Machtvollkommenheit, Recht und Billigkeit usw.) zuteil werden lassen, geben, überlassen’ , mit unterschiedlichen Bedeutungsnuancen
2.1 Subj. ist ein Mensch; Gegenstand des gunnen s ist
2.1.1 etw. Gegenständliches, Körperhaftes, Dinghaftes
2.1.2 Amt, Erbe, Besitz
2.1.3 Dienst
2.1.4 Freundlichkeit, Annehmlichkeit, Ehrerbietung, Freude, Liebe usw.
2.1.5 eine Handlung, ein Vorgang, ein Geschehen, das man einem anderen als ein Gut zuteil werden lässt (von 3 nicht scharf zu trennen)
2.1.6 selten auch etw. Negatives: ‘jmdm. etw. (Kummer, Leid, Schaden) bereiten, zufügen’
2.1.7 ein Recht, eine Eigenschaft: ‘jmdm. etw. zugestehen’
2.1.8 eine Person
2.2 Subj. ist Gott, eine Gottheit, eine höhere Macht; Gegenstand des gunnen s ist
2.2.1 Lebenszeit, geistige Fähigkeit, Hilfe usw.
2.2.2 eine Person
2.2.3 ein Vorgang, eine Handlung, ein Geschehen (von 3 nicht scharf zu trennen)
3 ‘jmdm. etw. (zu tun) erlauben, zulassen, dass’ (von 2.1.5 und 2.2.3 nicht scharf zu trennen)
4 ‘gern sehen, dass jmd. etw. (seltener: jmdn.) hat oder haben soll, tut oder getan hat, dass ihm etw. geschieht, geschehen ist’ , auch refl. ‘sich etw. wünschen’
4.1 der Gegenstand des gunnen s ist etw. für den andern und für einen selbst Gutes, Erstrebenswertes
4.1.1 allg.
4.1.2 ein Geschehen, eine Handlung
4.1.3 formelhaft: jmdm. guotes (alles guoten) ~ ‘jmdm. Gutes wünschen, jmdm. wohlgesonnen, zugeneigt sein’ (von 2 nicht scharf zu trennen)
4.2 der Gegenstand des gunnen s ist etw. für den andern (selten für einen selbst) Schlechtes, Schlimmes
4.2.1 allg.
4.2.2 eine Handlung, die einem nicht lieb, tadelnswert ist; mit Verneinung ( ne, niht, übele ):
4.3 der Gegenstand des gunnen s ist eine Person: ‘jmdm. (Subj.) ist lieb, dass jmd. (Dat.) jmdn. (Gen.) (als etw.) hat’
   1 ‘jmdm. wohlgesonnen, zugeneigt sein, sein Wohlwollen bezeigen’ nie muoter gunde ir kinde baz / denn im der wirt, des brôt er az Parz 552,3; nû, waz clage ich, sît si mir / niht engan? joch gund ich ir / rehte alse ich mir selbem gan SM:UvS 23: 2,6; truwe, daz ist daz ein mensche sime nebincristin gunne alse ume selbir Parad 62,25; sú [selbstgerechte Leute] tuͦnt vil guͤter wercke [...] und betten vil, [...] daz man in deste bas gúnne, got und die lúte Tauler 76,24; ê der phalzgrâf het gunt [bei der Wahl] / dem kunic von Bêheim Ottok 59168    2 ‘jmdm. etw./jmdn. (aus Wohlwollen, Gnade, Machtvollkommenheit, Recht und Billigkeit usw.) zuteil werden lassen, geben, überlassen’, mit unterschiedlichen Bedeutungsnuancen    2.1 Subj. ist ein Mensch; Gegenstand des gunnens ist:    2.1.1 etw. Gegenständliches, Körperhaftes, Dinghaftes: ob si [die Ritterrüstung] mir missestât, / sô gan ich ir wol eim andern man / und lege die kutten wider an Greg 1561; des [Opfergabe] sol er gote gunnen Glaub 1238; neve, disiu spîse / sol dir niht versmâhen. / dune fündst in allen gâhen / dehein wirt der dir gunde baz / guoter wirtschaft Parz 486,25; swenne er [Laban] geriet ze diu daz er mir [Jakob] gab wîzziu oder swarziu [Tiere als Lohn] , / sô wart diu meiste menige der selben varewe. / sô gerou in daz, sprach er gunde mir der vêhen baz, / sô gewunnen si alle sprekchelohte wolle Gen 1418 (vgl. Gn 31,8); daz gewunnen ors er liez [gab auf] durh nôt. / hindern büegen stach erz tôt: / er engundes der heidenschefte niht, / als noch en vîentscheft geschiht Wh 57,17; [Enite will nicht länger leben:] ir tier vil ungewizzen, / nû habet ir erbizzen [...] armer liute vihelîn, / die ius niht engunden / [...]. / wæret ir nû wîse, / ir holtet iuwer spîse / hie mit vollem munde, / wan ich iu mîn wol gunde Er 5848; mines leibes ich [Maria] nieman gan, / alten noch iungen / ze chranker wonunge, / ze sundegen sachen Wernh A 1860    2.1.2 Amt, Erbe, Besitz: daz si [die Römer] beide durch nît / unde durch der êren gît / bescheiden niene kunden / wem si des [päpstlichen] stuoles gunden Greg 3154; [die jüngere zu der älteren Schwester:] deiswâr sît ichs [mein Erbteil] niht haben sol, / ichn gan es niemen alsô wol [wie dir] Iw 7314; iz in were dan also, daz wir [...] ane erben abe gingen, so ingunde wir vnsers erbes nimanne baz dan vnser swester Annen vnd iren kinden UrkCorp (WMU) 3165,20; Ottok 22006    2.1.3 Dienst: dir hât enboten, vrowe guot, / sînen dienst, der dirs wol gan, / ein ritter der vil gerne tuot / daz beste, daz sîn herze kan MF:Hartm 12:1,2; Kriemhilt, liebiu vrouwe, jâ sult ir mir sagen, / wie ich iu müge gedienen an Sîfride iuwerm man. / daz tuon ich gerne, vrouwe, wand ich es niemen baz engan NibB 895,4    2.1.4 Freundlichkeit, Annehmlichkeit, Ehrerbietung, Freude, Liebe usw.: mir hete wîlent ze einen stunden / so wol gedienet ein man, / daz ich ime wol guotes gunde MF:Veld 2b:1,3 ir juncfrouwen süeze, / iwer zuht iu danken müeze, / sît ir gundet mir gemaches wol Parz 450,29; elliu diu êre und daz gemach, / daz erm erbieten kunde, / daz teter, als er im gunde Tr 4106; si nâmen zweinzeh tûsint gesellen / unde tâtin zim chêren, / si gunden im sîner êren VAlex 1482; dâvon ich im niht êren gan Wig 1910; ir ist saeleclich geschehen, / welhez wip hat einen so reinen man, / der ir wol wunne mit im gan, / daz si in vindet so gemuot, / daz er durch liebe iren willen tuot UvLFrb 384; ich enmag getriuwen leider des nicht ir, / daz si mir noch günne heiles vunt SM:Had 12: 5,2; daz sium [= siu im ] wolte gunnen / ir süezer minne unerwert UvZLanz 7386; (mit Akk.:) [Helena zu Paris:] wærent ir geswinde komen [...] / ich hæte iu mîne minne wol / für tûsent man gegunnen, / die nâch mir alle brunnen KvWTroj 21797. – mit refl. Dat.: sich selbst etw. ~ : ganst dû dir selben guotes, dû solt ouch im [deinem Nächsten] guotes günnen PrBerth 1:359,20    2.1.5 eine Handlung, ein Vorgang, ein Geschehen, das man einem anderen als ein Gut zuteil werden lässt (von 3 nicht scharf zu trennen): [Rüdiger als Bote Etzels zu König Gunther:] welt ir ir [Kriemhild] des gunnen, sô sol si krône tragen / vor Etzelen recken NibB 1199,3; si [Kriemhild] dâhte z’allen zîten: ‘ich wil den künec [Etzel] biten’, / daz er ir des gunde mit güetlîchen siten, / daz man ir friunde bræhte in der Hiunen lant ebd. 1399,2; Marke [...] bat in offenlîche, / ob er iht rotten kunde, / daz er in allen gunde, / daz si vernæmen sîn spil Tr 13188; Kreuzf 5259    2.1.6 selten auch etw. Negatives: ‘jmdm. etw. (Kummer, Leid, Schaden) bereiten, zufügen’ wol ime [meinem Herzen] des, daz ez [...] mir der süezen arbeite gan MF: Reinm 10: 2,6; bistuz Urjâns? / ob du mir nu schaden gans, / den trag ich âne schulde Parz 524,20; [Willehalms Klage um den tödlich verwundeten Vivianz:] ouwê, sprach er, Vîvîans, / waz dû nû stæter sorgen gans / Gyburge der künegîn Wh 62,24; got sælden im erbünne, / der Triuwen leides günne, / wan Triuwe ist under künne / ein freudeberndiu wünne KvWEngelh 70    2.1.7 ein Recht, eine Eigenschaft: ‘jmdm. etw. zugestehen’ wî er lantreht bescheiden kunde / allen den er is gunde SAlex 251; daz er [der Lehensherr des Verkäufers] dem goteshoͮs ze Seccowe [als Käufer] des zehenden niht engunne UrkCorp (WMU) 1301,37; vnd swaz sie rehtes zuͦ der cappelle vnd zuͦ dem holze [...] hant, daz gan ich in wol ebd. 1893,1; ze jungst er überkam / der burgær sumelich, / daz si im heimlich / ir gunst darzuo gâben, / möht er die stat behaben, / daz si im des gunnen Ottok 25895(App.). swer hirzen [mit ihrer Edelkeit] unde geizen [mit ihrem Gemecker, Sinnbild für kunstlose Sänger] / gelîcher werde gan KLD:Kzl 1: 6,8; ist minne ir unfuoge [Gen.] balt, / dar zuo dunket si mich zalt [zu alt] , / ode giht sis ûf ir kintheit, / swem si füeget herzeleit? / unfuoge gan ich paz ir jugent, / dan daz si ir alter [Dat.] bræche tugent Parz 533,13; unsamfte ich mac der sunnen / sô liehtes blickes gunnen, / alsô dâ heten die sîne / von ir zimierde schîne / ab ir tiuren pfellelmâlen Wh 394,28    2.1.8 eine Person: – ‘jmdn./sich einem anderen zur Verfügung stellen’ fünf hundert mîner man, / der ich iu ze dienste mit rehten triuwen gan NibB 1284,2; frowe Minne, ich wil dir danken [...], / daz du mir ze frowen funde, / der ich mîn ze dienste ie gunde SM:KvL 5: 3,5. – ‘eine Frau einem Mann (zur Ehe) geben’, auch refl.: ‘sich einem Mann (als Ehemann) anvertrauen’ er bit, daz ir im gunnet / ŷsôt mîne swester ze ê UvTürhTr 124; si [die hohen Geistlichen und höchsten Repräsentanten der Bürger von Paris] wolden nemen war, / ob sîn der herzog wære wert, / daz er irer juncfrouwen gert. / und dô siz erkunden, / vil wol si im ir gunden Ottok 75400; ob ez anders umb in [Iwein] stât / alsô rehte und alsô wol / daz ich [Laudine] im mîn gunnen sol [mich (als Ehegattin) ihm anvertrauen darf] , / sô muoz er mich mit triuwen / ergetzen mîner riuwen Iw 2068; mirn getete daz weter nie sô wê / ichn woldez iemer lîden ê / danne ich ze langer stunde / mînes lîbes gunde / deheinem sô gemuoten man / der nie dehein ahte ûf mich gewan ebd. 8086    2.2 Subj. ist Gott, eine Gottheit, eine höhere Macht; Gegenstand des gunnens ist:    2.2.1 Lebenszeit, geistige Fähigkeit, Hilfe usw.: gan mir got sô vil der tage Wh 4,25; die sinne / der mir unser herre gan Iw 7889; ob mir got sîner helfe gan Winsb 57,4; swen got fürdern wil, / dem er ganzer êren gan KvHeimHinv 1165; ob dir got der gnaden gan das dir rúwe wirt an dinem ende, [...] das du behalten wirst Tauler 138,17; die dâ ze hove der gâben pflegent [Apollo und die Musen] , / ir genâde teilent unde wegent, / als sir der werlde gunnen, / die gebent ir sinne brunnen / sô volleclîche manegem man Tr 4875; ist daz uns got gelückes gan, / wir mugen vil wol mit ime genesen ebd. 8662. – Freude, Leid: [Luzifer] was anderer engele wunne, wante ime got wol gunde / wunne in dem himele Gen 14; waz weiz mir got daz er mir swære gunde? KLD:UvM 1:2,6    2.2.2 eine Person: [Klage Karls über den Tod Rolands u.a.:] daz mir iwer got nine gunde [beließe, erhielte] , / harte iameret mich des Rol 6981. 2537; [Laudine will Iweins Gemahlin werden:] ob mir iuwer got gan, / sô bin ich wol mit iu bewart / vor aller vremder hôchvart Iw 2324; [Artus überlässt Ginover die Entscheidung, ob sie fortan seine oder Gasoeins Frau sein soll:] so wil ich scheiden den streit / vnd wil ez an si [...] / lazen [...]. / swem ir nv baz gvnne [zuspricht] heil [Subj.] , / der müez si mit gnaden han Krone 10889    2.2.3 ein Vorgang, eine Handlung, ein Geschehen (von 3 nicht scharf zu trennen): nû ire [Sarah] got des negunde / daz si bern solte Gen 845; in gotes namen vuor er dan / und kam in kurzer stunde, / als es im got gegunde, / wider heim Tr 2372; gehabent iuch wol. / unser herre got uns gunnen sol / zuo lebende mit einander noch TristMönch 2541; obe ime got des gan das er ane totsúnden funden wurt Tauler 126,15; Êolûs [Gott der Winde] hât in gegunnen, / daz si sint uber sê En 1078; unde ist, daz mirs mîn saelde gan, / daz ich abe ir wol redendem munde ein küssen mac versteln MF:Reinm 10: 3,1; ze lest iedoch gunde / vrowe Sæld an disem ringen, / daz Gawein muost gelingen Krone 12132    3 ‘jmdm. etw. (zu tun) erlauben, zulassen, dass’ (von 2.1.5 und 2.2.3 nicht scharf zu trennen): lieber herre, / [...] unser tohter ist ze muote / daz si den tôt durch iuch dol. / des gunne wir ir harte wol AHeinr 980; si wolden kurzewîle mit den Burgonden hân. / het ers in gegunnen, si hetenz gerne getân. / [...] daz spil er in verbôt NibB 1873,4. 2313,4; dur daz sî ist also guot / und so rehte wol gebâret / und so lieblîch lachen kan, / dâvon hüget mir der muot, / swie si mîn damitte vâret: / des ich ir mit willen gan SM:KvL 9: 2,6; ich bin ein büttenære: / swer mir des gunde, / sîn vaz i’im bunde KLD:GvN 39: 2,4; gund mirz mîn œhein Hiltebrant, / sô wolt ich dem von Beren / des allerêrsten rîten nâch [um ihn zu rächen ] JSigen 124,2. – mit Inf. mit ze: ich wil iu ze redenne gunnen Walth 86,7; [die beiden Unterhändler] bâten, daz man [d.h. die Bürger der Stadt] in bêden / mit dem keiser gund ze reden Ottok 32451; dô was aber ich sô vrô der stunde, / und der vil kurzewîle, daz man der guoten mir ze sehenne gunde MF:Reinm 13: 4,6; wol ûf, ich [Wächter im Tagelied] gan iu niht ze blîben bî der nœte. / ich fürhte daz der minne ir teil verderbe KLD:WvB 3:1,12; [wer] die kunst, die er dâ kan, / ze lernenne niemen gan Freid 78,20. – mit daz-Satz (und Korrelat des im Hauptsatz): vrouwe und herre[...], / ich han muoter und vater. / gunnet mir, daz ich var hein Kistener 663; warumbe dû [Gott] gunde [zuließest] / unde verhengte des, / daz der mordær Johannes / sô gar umbsust [ohne Grund] hât getân / den tôt disem man, / der mit dheiner schulde / wider dîn hulde / nie verdiente dise nôt / noch sô getânen tôt Ottok 94747; so sol er sprechen: her schulteiße, gunnet ir mir, daz ich syn wort spreche, und sal den nennen mit syme namen? des spricht de schulteiße, ja; er gynne is ime wol WeistGr 2,213 (um 1350)    4 ‘gern sehen, dass jmd. etw. (seltener: jmdn.) hat oder haben soll, tut oder getan hat, dass ihm etw. geschieht, geschehen ist’, auch refl. ‘sich etw. wünschen’    4.1 der Gegenstand des gunnens ist etw. für den andern und für einen selbst Gutes, Erstrebenswertes    4.1.1 allg.: – mit Verneinung (ne, niht, übel): der [Teufel] negunde uns des nieht daz wir habeten daz êwige lieht / daz er flôs durch ubermuot Gen 671; der [Rabe] hatte [...] einen neͮwen kese gewvnnen. / des begvnd er [Fuchs Reinhart] im vbel gvnnen, / daz er in solde bizin an [= âne ] in ReinFu K,224; dar engan ich nieman heiles, swenne ez mich vergât [mir entgeht] MF:Reinm 8: 4,7. – ohne Verneinung; meist mit wol zur Verdeutlichung des Wohlwollens: die andern muosen alle / hern Îwein wol gunnen / sînes landes und des brunnen / und aller sîner êren Iw 2647; ez swachet manec bœse man / den biderben swâ er iemer kan: / [...] und ist im gar ein herzeleit / swem dehein êre geschiht. / [...] des entuon ich niht, / wan ich einem iegelîchen man / sîner êren wol gan: / ich prîs in swâ er rehte tuot, / und verswîge sîn laster: daz ist guot ebd. 2492. 7457; si sprach si gunde [wünschte] in guoter naht Parz 641,24; ich [ein Ritter] gedâht: hie ist manic biderb man, / den ich wol aller êren gan / und doch der êren, daz dâ bî / mîn êre iht deste minner sî UvLFrd 201,10; und alle, die mir gunden / gelückes unde guotes, / die sint nu swæres muotes / und sêre trûric umbe mich Tr 2600; dar nach úber manig jar gadachte ich es [das Buch] ze túsche machen, umb das es ungelerten lúten och nucz moͤcht bringen umb ir seldenhail [l. selenhail?] , und nucz da von enphachend (das gunde ich mænigklichem wol, wie vil des wurd) WernhMl 2,12. – mit refl. Dat.: mir selben ich wol gunde / des er het an den lîp gegert [was er verlangt hatte anzuziehen] : / wand ez was maneger marke wert Parz 71,4; ervar ir willen swâ dû kanst, / ob dû dir sælde und heiles ganst HartmKlage 1637; ditz brot gib vns, niht alein mir; wan des gemeinen gvtes, daz vnser aller ist hail vnd trost, des svl wir alle an einander [ a. e. für einander ] ginnen vnd wunschen als vns selben DvAPatern 192. 23; [Tristan zu seiner Frau Isolde Weißhand:] frouwe, duont uwerem libe / was ir guotes kunnent, / ob ir iuch eren gunnent. / wir sullen faren zuo einer hochgezit TristMönch 284    4.1.2 ein Geschehen, eine Handlung: [Laudine hat beschlossen, Iwein doch zu heiraten; ihre Dienerin sagt:] ez dunket mich guot / und gan iu wol [freue mich sehr für Euch] daz ir den muot / sô schône hât verkêret Iw 2102; ich bin [...] frô, / daz man mir wol ze lebenne gan Walth 41,14; die vrowen also lossam [...] gunden Rothere wol, / daz in got gesande / mit eren heim zo lande Roth 2940; deiswâr ich gan [wünsche] iu beiden wol / daz ir in gesunden vindet Iw 5914; jane redent siz durch deheinen haz, / wan dazs iu des gunden baz / daz ir dise burc mitet [miedet] / unde noch vürbaz ritet ebd. 6140; des müezen sî mir [Iwein] gunnen [lassen, d.h. sich damit abfinden] / daz ich in [den Brunnen] eine begieze ebd. 938. – bezogen auf etwas Irreales: jâ gonden wir dir wol, / daz du nie komen wærest von Wormez über Rîn NibB 2093,2; wie wol ich iu des gunde, het iuch der bote betrogen, / durch Rüedegêres liebe, daz lebte noch sîn lîp [...] ! ebd. 2256,2    4.1.3 formelhaft: jmdm. guotes (alles guoten) ~ ‘jmdm. Gutes wünschen, jmdm. wohlgesonnen, zugeneigt sein’ (von 2 nicht scharf zu trennen): swer auer der ist, der selecheit siner sele gert ze gewinnenne unde simme ebenchristen als wol goͮtes gan als ime selben, der minnet sich selben Spec 136,13; [Kriemhild:] si suln durch mîne liebe lîden ungemach [Mühen der Totenwache] , / die im [Siegfried] iht guotes günnen und mir wesen holt NibB 1053,3; die mir guotes günn, die gên mit mir, / und rât mirz wægest was ich tuo Parz 422,16; vrouwe, ich muoz von dem lande varn, / und ir hie derbî bestân / bî mînen vriunden [...]. / [...] der mir dekeines guotes gan, / der muoz iu guot und êre bern, / als ir an in es wellet gern Tr 14040; ob ich dir vor allen wîben guotes gan MF: Mor 21: 1,1; Arabes [...], / di Tyro gûtis gunden SAlex 1110; nû was ir lutzel iemen wider [feindlich] , / si gunden ir alles guoten wol Ottok 1175; besent alle ure deinstman / ind allet dat uch guedes gan / ind treckyt myt eyme starcken her / her vur Coelne HagenChr (G) 2690    4.2 der Gegenstand des gunnens ist etw. für den andern (selten für einen selbst) Schlechtes, Schlimmes    4.2.1 allg.: – mit Verneinung (ne, niht, übele usw.): lasters ich in [den Frauen] nienen gan MF:Veld 35,7; si [...] gunde enwederm helde schaden Parz 262,29; min man nimt iu den lip. / [...] ich gan iu ubel iwers schaden; / ich nert iuch gern, wesse ich wie StrKD 159,20; hüet iuch: dâ gênt unkunde wege: / ir muget an der lîten / wol misserîten, / deiswâr des ich iu doch niht gan Parz 226,9; der bischof, die tuomhêren, / [...] enmohten sich dâr niht genern, / noch der Wenden erwern. / dem bischove ichs doch ubel gan [den Bischof bedauere ich wegen dieser Sache] EbvErf 405; vil tugenthafter man, / dînes tôdes ich dir übel gan, / und möcht ich dich mit mînem schaden / zuo der werlt her wider geladen, / daz tæt ich sicherlîche EnikFb 1996. – ohne Verneinung: ‘jmdm. etw. (Tod) als verdient zubilligen’ die ir man des tôdes gunden UvZLanz 81; maniger mînen kumber klagt / mit süezzen worten ûz dem munde, / der mir wol des tôdes gunde SM:WvK 4: 6,7; so mag ich on not / leben hinfür me, / wenne [weil] ich von sinen [Tristans] schulden e / han leides vil gewunnen. / des dodes wil ich yme gunnen / und lobe es got, ob ez wor ist TristMönch 1753    4.2.2 eine Handlung, die einem nicht lieb, tadelnswert ist; mit Verneinung (ne, niht, übele):: awî wie ubele ich ime des gan, / daz mir iwer hêre drowet ze slahen VAlex 1096; ach wê, wie übele gunde / si den boten dirre sage [gemeint: wie leid es ihr tat, die (schlechte) Nachricht von den Boten zu hören] KlageB 2766; ich gesach nie wîp sô staete, / – des ich ir doch niht engan – / diu sô harte missetaete, / sô si tuot an einem man MF:Reinm 57: 5,2; [Ottokar zwingt Herzogin Gertrud, die Steiermark zu verlassen:] unlange si dâ beleip, / daz er si ouch von dannen treip. / der untugent ich im niht gan Ottok 6556; ich gunde [wünschte] es guoten vrouwen niet, / daz iemer mê kœme der tac, / daz sî deheinen heten liep, – / wan ez wære ir êren slac MF:Hausen 7:2,1    4.3 der Gegenstand des gunnens ist eine Person: ‘jmdm. (Subj.) ist lieb, dass jmd. (Dat.) jmdn. (Gen.) (als etw.) hat’ Cundrîe nant uns einen man, / des ich iu wol ze bruoder gan Parz 328,4; sît ich dîn künde ie gewan, / sô bist dûz alters eine / der ich mir ze frouwen gan [die ich mir zur Herrin wünsche] HartmKlage 1737; ichn gan dîn niemen alsô wol / als dem der dich dâ haben sol, / mit dem du, vrouwe, solt genesen Wig 9740

MWB 2 1016,19; Bearbeiter: Tao

gunner stM. 1 ‘Freund, Anhänger (einer Person, einer Partei, eines Glaubens)’
2 bœser ~ ‘Missgönner’
   1 ‘Freund, Anhänger (einer Person, einer Partei, eines Glaubens)’ van Hircani gunnern [...] / Pompeius der herre [...] / in Jerusalem da wart / enphangen HistAE 5369. 5374; der konig [...] lud den herczog zcu huͦs / mit sinen gunnern Dalimil (B) 80,75. 80,68; nu hette di marcgravinne di kemenate besazt mit iren gunnern Köditz 33,19; [der Papst zu den Ordensbrüdern:] vorchtit keinerhande wê [...], / want sô ir leistit dî gebot, / dî ûch hât gebotin got, / sô [...]. / des nemt zu ûch gewêre / alle der ê gunnêre / und andit ûwirs volkis leit NvJer 2125    2 bœser ~ ‘Missgönner’ mich hât begriffen wisenten zorn: / wirt der mir niht benomen, sô scherph ich mîner zungen dorn / unt lüppe mîne phîle ûf mîne bœsen gunner zaller stunt RvZw 151,6

MWB 2 1022,7; Bearbeiter: Tao