griffelære
stM.
Bed. unklar; möglich wäre in der Reihe der sonst genannten Schimpfwörter eine Bez.
für jmdn., der stichelt, ‘Sticheler, Störenfried’ (anders Lexer: jmd., der tief
eingreift, die Wahrheit aufdeckt):
sag ich in hofelicher mêre, / sô bin ich ein sloterêre
[Plappermaul, Schwätzer] ; / swîge ich mit zühten âne
gevêre, / sô bin ich ein glîchsenêre [Heuchler] ; /
spriche ich die wârheit nâch der swêre, / sô bin ich ein striffelêre
[La. griffelere
]
Renner
16178
MWB 2 925,3; Bearbeiterin: Baumgarte
griffelîn, griffelî
stN.
auch grüffelîn.
Dimin. zu
griffel
:
schœniu griffelîn von golde Flore (S)
829;
dô nâmen sie ir grifellî, / beidiu er unde sî, / und gap er ir daz sîne; /
‘nû nement ouch daz mîne’ / sprach diu vil getriuwe ebd.
1321;
dô zôch sî ûz ir griffelîn / ûz ir griffelfuoter.
[...] sî wolte sich erstechen ebd.
1244;
nâch dem grüffelîne muose ich senden Neidh
WL 9:4,7
MWB 2 925,13; Bearbeiterin: Baumgarte
griffelvuoter
stN.
‘Futteral für Griffel’
dô zôch sî ûz ir griffelîn / ûz ir griffelfuoter Flore (S)
1245
MWB 2 925,21; Bearbeiterin: Baumgarte
griffic
Adj.
→
gripfic
MWB 2 925,23;
grîfhaft
Adj.
‘berührbar, anfassbar’
der teuffel ist nicht greiffhaft / und hat doch von got dw
chraft / daz er nympt den leib an sich / als ein vogel und ein vich, / daz man
waͤnt er sey ein tyr / oder ein mensch Teichn
336,83
MWB 2 925,24; Bearbeiterin: Baumgarte
grîfic
Adj.
1
‘(nach etw.) greifend, die Klauen in etw. schlagend,’
2
‘berührbar, anfassbar’ (vgl.
grîfhaft
)
1
‘(nach etw.) greifend, die Klauen in etw. schlagend,’
wie durchvert die vogel grîfic
are [Adler]
Kreuzf
7674.
– mit Gen.d.S.:
daz mich die dörper mînes lônes iht verstiezen. / des ist Uoze grîfic
Neidh
WL 13:2,9
2
‘berührbar, anfassbar’ (vgl.
grîfhaft
):
[das Feuer] vngreiffig / an im selben hat den sig, / daz
ez toͤt und macht zuͦ mist / daz greiffig oder sichtig ist
Teichn
325,194.
325,241
MWB 2 925,29; Bearbeiterin: Baumgarte
griflich
Adj.
‘berührbar, anfassbar’
nu sich, ich bin ein menscheit, / griflich vleisch und bein
Vät
34315;
wir sullen irsten alle / (daz en ist kein lougen) / vor
unses herren ougen / griflich und entsebelich [sinnlich
wahrnehmbar]
HeslApk
20233.
18110
MWB 2 925,38; Bearbeiterin: Baumgarte
grift
stF.
Wort der Deutschordenslit.
1
‘Zugriff, Greifen’ (vgl.
grif
1 ) 2 übertr. auf das Verständnis der christl. Glaubenswahrheiten oder das Bemühen
darum 2.1 verstandesmäßiger oder inspirierter, ungelehrter Zugriff auf das Verstehen
oder eine Einsicht (meist des hërzen oder dessen
wîsheit ) 2.2 das Bemühen um christl.-religiöse Einsicht und Verständnis (mit
wërfen oder Bildern/ Verben der Bewegung)
1
‘Zugriff, Greifen’ (vgl.
grif
1):
mit vil semfteclicher grift / gewunnen sie her uz den dorn
Vät
27210
2
übertr. auf das Verständnis der christl. Glaubenswahrheiten oder das Bemühen
darum
2.1
verstandesmäßiger oder inspirierter, ungelehrter Zugriff auf das Verstehen
oder eine Einsicht (meist des hërzen oder dessen
wîsheit):
di Prûzin nicht irkantin got / noch diwedir sîn gebot; / tum und einveldic
was ir sin, / des inmochtin sî nicht in / bevân mit der vornumfte grift
[
cum ratione comprehendere non
potuerunt
]
NvJer
3987;
dirre gûten lêre wort / und der noch vil vorgît dî schrift, / nâmen in des
herzen grift / der meister und dî brûdre dô ebd.
27134;
di wisheit sines herzen sin / was mit meisterlicher grift / wol kumen in
di alden schrift, / doch blozlich als die andern. / wi man aber wandern / mit
vernumft solde uffen grunt, / daz was im dannoch unkunt, / daran man Cristum
solde spurn Pass I/II (HSW)
21351;
swie vil er doch enttecte / mit siner scharfen sinne grift / die valscheit
an irre schrift, / so wolden si doch blint sin Pass III
435,43;
sus samte si in ir gehuge / beide an herze und an schrift, / an vrage
manige tiefe grift [Erkenntnis, Einsicht] / und quam
in Salomonis lant ebd.
267,88.
– mit besonderer Betonung des Zupackens (im Bild der Klaue oder eines
Greiforgans, vgl.
grif
4):
swem diz buͦch wirt gesaget / und gelesen an siner schrift, /
der slet ie sines hertzen grift / dar an, als in geleret / diu art, diu an
in keret Pass I/II (HSW)
42216;
idoch hete er [der blinde Jude] von kindes
jugent / - als noch die blinden vil wol mugent - / gelernet uzen di schrift.
/ sines herzen wise grift / in den grunt so verre brach, / daz er
offenlichen sprach, / als di schrift hat gesaget, / Maria were ein kusche
maget ebd.
13036
2.2
das Bemühen um christl.-religiöse Einsicht und Verständnis (mit
wërfen oder Bildern/ Verben der Bewegung):
alle sines herzen grift / warf er an gotes gelouben / und liez an im
betouben / allen ungelouben do Pass III
423,78;
Pass I/II (HSW)
15940;
Vät
24007;
den guten sal man schriben / in allen zungen die schrift, / wan ires
herzen wise grift / dabi sal der rechten wec / wandern ane sunden vlec
Hester
56
MWB 2 925,44; Bearbeiterin: Baumgarte
grifticlich
Adj.
‘räuberisch’ (vgl. gripfic
1):
dar vmme sint sie vil wol glich / hie deme walfische, sprechen ich, / dvrch
ieren grifteclichen nit PrHess
8,459
MWB 2 926,25; Bearbeiterin: Baumgarte
grîfvalke
swM.
übers. lat. herodius ( →
grîfant
):
grifalcus haizt ain greiffalk und haizt auch herodius, sam
diu glôs sagt über daz puoch Leviticum an der stat, dâ Moyses die unrainen vogel
verpeut. der vogel ist der aller edlist under allen vogeln.
[...] der vogel ist sô starch und sô grôz,
[...], daz er den adlarn væht und im angesigt
BdN
185,26;
die alsô sprechent die wænent, daz herodius ain gemainer valk
haiz, und daz ist niht wâr, als wir hie vor gesagt haben von dem greiffalken ebd.
207,31
u.ö.
MWB 2 926,29; Bearbeiterin: Baumgarte
grîfzan
stM.
in der Wendung jmdm. einen ~ ougen
‘jmdm. einen Greifzahn zeigen, jmdm. schaden’ ( ‘jmdm. die Zähne zeigen’
?):
ist daz mir niht geswichet / min gewalt noch entwichet / vnd sol ich daz lebin
han / ich ovge ir einen grifzan / und tuon si frovden ane Martina
161,46
(vgl. jmdm. einen
→
wolfzan
ougen
ebd.
215,9 )
MWB 2 926,40; Bearbeiterin: Baumgarte
grille
swM.
‘Grille’ (zu lat. gryllus, vgl. DWB 4,1,6,315):
cicada: grille Gl
4:213,46
(BStK926);
der stolze grille niht anders gert / denne daz er loufe und springe snelle /
[...] und lûte grelle Renner
5572
u.ö.;
wer kan dirre werlte nâch ir willen / nû wol sprechen,
[...], wes / müggen sûsent, schrîent ouch die grillen:
/ wer kann dirre tumben diet ir muot erwern Marner
6,20
MWB 2 926,47; Bearbeiterin: Baumgarte
grillen
V.
wie
grëllen
stV. (Anm.z.St.), hier von Hunden bei der
Jagd ‘anschlagen, angriffslustig bellen’
Mâze, Lust, Gird, Willen [alleg. Jagdhunde] /
gerehtez jagen machet. / für si ich hôrte grillen [vorne/ voraus
hörte ich sie bellen (?)] , / ob si mit mezzen wæren nicht besachet
[als ob sie nicht mit Zurückhaltung ausgestattet
waren]
Hadam
323,3
MWB 2 926,55; Bearbeiterin: Baumgarte
grim
Adj., Adv.
auch krim.
1
‘zornig, wütend, kampfeswütig’
2
‘wild, unbändig, grausam’
2.1 von Personen(gruppen) 2.2 von Tieren 2.3 als Attribut zu ende oder tôt 2.4
grimme geisel ein Folterinstrument 3
‘schmerzerfüllt, verzweifelt, voll Jammers’
4 adv. auch intensivierend ‘in besonderem Maße, außerordentlich’
1
‘zornig, wütend, kampfeswütig’
die helde treip der grimme zorn / zem strîte
Wig
10942;
dâ wart vil grimme gestriten NibB
1608,4
u.ö.;
herre [...], / sint
[seid] niht sô grimmes muotes / noch al sô zornic
wider mich! KvWSchwanr
1486;
dâvon sol ich krimmer / nimmer gegen iu werden gesehen
Ottok
6955;
der [Christus] was zornig und
grimm, ê er mensch würd, wider die hôchvart der engel und wider die ungehôrsam der
läut auf erden BdN
161,31;
Mechth
3: 21,53;
Elmend
A 985.
– von der Stimme:
Polidamas sin zeichen schrei / lute vnd grimme
Herb
5248;
lûte âne mâze / hôrter [Iwein]
eine stimme / clägelich und doch grimme Iw
3830;
EnikWchr
19614;
Tr
9050;
HvNstAp
2979
2
‘wild, unbändig, grausam’
der sturm was grimme unde hart SAlex
3286;
vil sere si in villent [quälen] , si
marterent in vil grimme AvaLJ
62,5;
ouch sluog im her Liudegast vil manegen grimmen
[heftigen] slac NibB
187,1;
in die grimmen helle LvRegSyon
1293;
Mügeln
36,4
2.1
von Personen(gruppen):
dehein man wær sô grimme / des muotes noch des herzen, /
hêt er ir jâmers smerzen / und ir grôze klage ersehen, / im wær ze weinen
geschehen Wig
7685;
also loben wir dih [Christus]
geborne / uze der grimmen judescefte Litan
253;
Konr
19,62;
sin [Cernubiles] lant daz was
fraissam, / daz liut daz ist grimme Rol
3767;
der kaiser ist also grimme: / erne gefluhet nimer hinne /
durh dehainer slachte not. / ia suchet er den tot / unt alle di sine ebd.
8387;
Iw
696.
–
goͮte unde ubele sît Adames cîten sint alle
tôt [...] unde erstent iedoch alle gemeinlichen, so
der grimme [strenge] rihtare an der iungesten
urteile zornlichen chumet Spec
128,11;
alsus vert der grimme gottes vient vnd aller der cristenheite mit
zorne vnd mit grozeme vbermvͦt UrkCorp (WMU)
93,40.
– subst.:
die vorvluchten und die grimmen, / die diser werlde
walden HeslApk
22694;
ÄJud
30
2.2
von Tieren:
swenne in sin zorn ane quam, / als ein grimmer ber er
bram Herb
2990;
er [Isidor] spricht auch, daz
der veigenpaum sô grôzer kreft sei, pinde man ainen gar wilden grimmen ochsen
dar an, er werd zam und sänftig BdN
322,19.
132,4
u.ö.;
Mügeln
214,3;
Schrätel
234;
Wh
317,6.
– von Greifvögeln (vgl.
krimvogel
und
gramvogel
):
iedoch geschiht daz oft, daz diu üppigen hüendl
vliehent auz den getrewen flügeln der muoter alsô verr, daz si die grimmen
vogel hin füerent BdN
193,9.
200,15
2.3
als Attribut zu ende oder tôt:
im hete der recke Hagene den grimmen ende getân
NibB
2064,4;
dînes [Christi] grimmen endes
KvWLd
1,124;
ir mûzit alle den grimmin tôt kiesin PrMd
(J)
344,26;
wol ahzec sîner degene beliben dâ zestunt / mit dem
grimmen tôde NibB
1615,3;
der liebe herre sîn / leit des grimmen tôdes pîn
KvWHerzm
348;
unz an den grimmen tôt BdN
308,1;
Wahrh
76;
Wig
6965;
Mügeln
166,6
2.4
grimme geisel ein Folterinstrument:
anguilla: grimme geisel VocOpt
30.024;
scorpio: grimme geisel ebd.
30.025;
scorpio: grime geischel oder geluppet [giftig]
schos oder tarant VocClos
Sc 108
3
‘schmerzerfüllt, verzweifelt, voll Jammers’
diz ist ein grimmiu nôt, / daz alle
mîne [Etzels] recken suln vor in [den
Burgunden] ligen tôt NibB
2000,3;
des grimmen herzeleides
phnehen [Schluchzen]
KvHeimHinv
187;
si wainten uil grimme Rol
5620.
6745;
swie sie vor leide wæren grimme LvRegFr
4346;
KvWSchwanr
874;
KlageB
1481
4
adv. auch intensivierend ‘in besonderem Maße, außerordentlich’
Adam sin wip erchande so noch sit ist in dem lande; / ich mein ez an die minne
der man noch phlegit grimme GenM
21,5;
den von Tenemarke was vil grimme leit, / ir herre was gevangen
NibB
192,1;
ouch ist sô grimme stark der wundernküene man ebd.
872,3
u.ö.;
wan im [Jesus] so grimme we
beschach WernhMl
9361
MWB 2 926,63; Bearbeiter: Richter
grim
stM. , grimme
stF.
selten Pl. (
Gauriel
1894.
1982;
Kchr
7090
).
1 von heftiger Erregung und rohem, ungestümem Verhalten, nicht immer
klar zwischen den Bedeutungen zu unterscheiden 1.1
‘Zorn, Wut, Angriffslust’
1.2
‘Wildheit, Heftigkeit, Ungestüm’
1.3
‘Leid, Verzweiflung, Not’
2
‘Bosheit, Grausamkeit’
1
von heftiger Erregung und rohem, ungestümem Verhalten, nicht immer
klar zwischen den Bedeutungen zu unterscheiden
1.1
‘Zorn, Wut, Angriffslust’
dô der künic hôrte daz, / er begreif sô grôzen haz, / daz
sîn gemüete in zorne bran / und er grisgramen began. / von zorne wart er
missevar: / er sach vil zornlîche dar. / mit grimme er zürnende sprach
RvEBarl
8423;
in grimme wart gewâfent dô der helt guot
NibB
2325,2;
[des] kampfes grimme / verwandelt ir stimme, / daz sî
dâ wâren unerkant Iw
7519;
dô Gêrfridolt, dem enen sîn [dem Schwiegervater des
Gefallenen] , / wart gesagt, in het gevalt der Antschouvîn, /
man iach, daz er vor grimme wol îsen vraeze [zum ‘Eisen
fressen’ s. TPMA 2,449]
Loheng
5726;
Rol
8975.
5713;
EnikWchr
24579;
StrKD
58,I 113.
–
~
ûf/ zuo etw.:
er [der fromme Mensch] hat
oͮch enkeinen grim, wan alleine uf die súnde und uf gottes
smacheit [Entehrung]
Mechth
4: 18,63;
was hilfet liebin zuͦ gotte und
[gleichzeitig] grimmi zuͦ
guͦten lúten? ebd.
6: 30,9
1.2
‘Wildheit, Heftigkeit, Ungestüm’
hie liez er [der Löwe] sîne
grimme / und erzeict im [Iwein] sîne minne
Iw
3872;
si [das Volk des
Zernubele
] ezzent diu ros, / si lebent mit grimme. /
der tuuil wont dar inne Rol
2691;
sô möhte boum unde gras / und swaz ie grüenes bî mir was / dorren von der
grimme / mîner [Gregorius’] unreinen stimme
Greg
3525;
dâ man ê hôrt vogellîn sang: / der klang in tal, in lüften
erschal, / süezze stimme – / winters
grimme [Härte] / tuot siu swîgen überal SM:
WvH
7: 1,8;
KLD:Kzl
12: 1,9;
ez kumt ein wint, [...] / der sol mit grimme
ervarn elliu künicrîche Walth
13,14;
RvEBarl
15086.
– hierher oder anzusetzen als krim
‘Klammergriff’ zu
krimmen
stV. (zur Vermischung der Wortstämme s.
DWB 5,2307-2310):
ez tut mir not / daz ich so in jamer
lymme [schreie] , / wann mich hat in starkem
grymme / in sinen clowen ein mechtig ar. / der drucket zu so vestlich gar, /
daz ich den adem koume / gevahen mag Minneb
5072;
sag an: wie ist ez kumen dar / daz dich in sin cloen
ein ar / mit grymme hat derwischet? ebd.
5093
(vgl.
waz arn ez sy, der mich da grymme, / daz saltu hie
verhorn von mir ebd.
5104
);
sine spilende vreude was so starc / daz er mit
vreuden uf spranc, / als in diu gotes liebe ouch twanc, / die in hete in ir
grimme Vät
3247
1.3
‘Leid, Verzweiflung, Not’
sus wart ir nôt sô rehte starc / daz si von herzenleide /
ir blanken hende beide / mit grimme zuo einander vielt. / daz herze ir in dem
lîbe spielt / von sender jâmerunge KvWHerzm
519;
die vrouwe [Maxilla] erschrac,
dô siez [ihre brennenden Kleider] ersach; / sie rief
in grôzem grimme / mit wîssagender stimme: / ‘Jesûs, mîn got und hêrre
mîn!’ HvFreibKr
755;
diu bitter leides grimme UvZLanz
5261;
mit grimme unde mit sere AvaA
2,5;
Iw
1324;
EnikWchr
282;
WhvÖst
19066
2
‘Bosheit, Grausamkeit’
ich [Susanna] nie der dinge dort /
begienc, die sie [die beiden Alten] han geseit / uf mich
und uz geleit / boslich in irme grimme Daniel
7697;
alsô wurden si [die Römer] innen /
des kuniges ubele unt sîner grimme Kchr
7583.
1077
MWB 2 928,12; Bearbeiter: Richter
grimel (?)
Subst.
Bed. unklar, vgl. Anm.z.St.:
guldîn was sîn gügerel [Kopfschmuck des Pferdes] , /
ein boum mit löubern niht ze breit. / ein grimel was dar an bereit / mit sîdînen
weifieren [Spitzen]
UvZLanz (K)
4440
MWB 2 929,12; Bearbeiter: Richter
grimheit
stF.
‘Grausamkeit’
die ebdisse [...] bekenne daz daz sie sorge intfangen
hat der sicher selen und ubir die gesunden keine grimheit [
non
super sanas tyrannidem
]
BrEb
27
MWB 2 929,17; Bearbeiter: Richter
grimme
Adv.
→
grim
Adj., Adv.
MWB 2 929,21;
grimme
stF.
→
grim
stM.
MWB 2 929,22;
grimme
swM.
→
krimme
MWB 2 929,23;
grimmede
stF.
‘Zorn’
Moyses bat sînen herren got: ‘herre, war umbe zürnet dîn grimmede wider
dîn volk?’ [
Cur, Domine, irascitur furor tuus contra populum
tuum Ex 32,11 ]
Eckh
2:6,4
MWB 2 929,24; Bearbeiter: Richter
grimmelich
Adj., Adv.
s.a.
gremelich
.
1
‘zornig, wütend’
2
‘grausam, wild, fürchterlich’
1
‘zornig, wütend’
das tier gegen dem kunig spranck / mit grymlichem mute
HvNstAp
5007;
die [Drachen] kament mit grimlichem
muͦte / gegen dirre samenunge guͦte WernhMl
3649.
– von der Stimme ‘grimmig’
ein gespenste vil unrein, / sprach zu der helle gemein / in grimmeclichem
[La. grimmelichem
] done Pass
I/II (HSW)
9141
2
‘grausam, wild, fürchterlich’
das [Unrecht an Samson] er doch grÿmmlich
dar nach / gerochen hat mitt strenger rach KvHelmsd
1543;
durch sîne [des heidnischen Herrschers Maximian]
grimmelichen art / begunde er zornic schînen / und wolte vaster pînen / den
jungelinc [Pantaleon] an sînen liden KvWPant
1296.
288;
ich müeste ein ende hân genomen / und einen grimmelichen tôt
KvWTroj
18265;
zwen wurme grimelich SalMor
555,5;
Pass I/II (HSW)
6704(La.)
MWB 2 929,28; Bearbeiter: Richter
grimmen
stV. (IIIa)
s.a.
krimmen
(zur Vermischung der beiden Wortfamilien s. DWB
5,2307-2310).
1
‘brüllen, wüten, toben’
2 refl. ‘sich grämen, ärgern’
3
‘(mit den Zähnen) knirschen’ (vgl.
grinnen
stV.,
grisgramen
und
grisgrimmen
swV.)
1
‘brüllen, wüten, toben’
si begunden vaste grimmen / mit slegen durch und durch / und ouf ein ander
limmen [mit Geheul aufeinander losgehen]
Rab
760,1;
darumbe sach man limmen / den bâbest unde grimmen / als ein
eberswîn, / daz er den willen sîn / mohte niht volfüeren Ottok
53370;
ir vanen si ûf bunden / under iegwederme here. / si grummen
alse daz mere, / sô iz di starken winde / trîbent an den unden SAlex
2717;
Herb
4575;
BdN
121,22;
Frl
2:15,1;
Mechth
4: 4,39.
–
und wan sie in im himel wizzent in sô grôzen vreuden sînde, sô grimmet ir
herze mit bitterem jâmer DvASchr
351,6.
– subst.:
vor im muz nider vallen / sterbende vil manic man, /
vursten ire riche lan / allez vor sime grimmen Daniel
6181;
dô daz grimmen [Lärmen,
Aufruhr] wart vernomen, / daz si mit einander heten
Ottok
20557;
in eyme grossen grymmen Pilgerf
10362;
das brummen und das grimmen und das bissen und das nagen
Mechth
7: 39,44;
Hiob
1650;
Vät
1088
2
refl. ‘sich grämen, ärgern’
so grimmet sich ze ware der arme suntare, / deme sin gewizzede
daz saget, daz er gotes hulde niene habet AvaJG
9,6;
daz [dass jmd. älter wirkt, als er
ist] macht anders nicht dann pein, / daz ein mensch sich grimen
tuͤt Teichn
321,9
– hierher (?):
daz er [
mannes mut
] sich selwet
[betrübt] , grimmet / von nötikeit Frl
7:28,9
3
‘(mit den Zähnen) knirschen’ (vgl.
grinnen
stV.,
grisgramen
und
grisgrimmen
swV.):
do Lucifer disú mere vernam, do sas der gruntvient
und gram mit sinen zenen und grein, das sines zornes fúr úber alle
die helle schein Mechth
5: 23,94
MWB 2 929,46; Bearbeiter: Richter
grimmen
swV.
→
krimmen
stV.
MWB 2 930,16;
grimmetât
stF.
‘grausame Tat’
daz uns der tot berawͧbet hat / mit seiner vrechen grimmetat
Suchenw
2,26
MWB 2 930,17; Bearbeiter: Richter |