Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
      grien stM.,
      grienen swV.
      grienic Adj.
      grieʒ stMN.
      grieʒelach stN.
      grieʒeleht Adj.
      grieʒelîn stN.
      grieʒen V.
      grieʒic Adj.
      grieʒklîe swF.
      grieʒschûvel stswF.
      grieʒstange F.
      grieʒstein stM.
      grieʒsûle stF.
      grieʒwart swM.,
      grieʒwartære stM.
      grieʒwartel stM.
      grif stM.
      grîfant stM.
      grîfe swstM.
      grîfelîn stN.
      grîfen stV. (Ia)
      grîfengevidere stN.
      grîfenklâ stF.
      griffel stM.
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   grien - griffel    


grien stM., auch N. ( Seuse ) ‘Sand, Kies’ (vgl. grieʒ ): mac ich ir bringen von dem se / des grienes, da diu sunne get / ze reste, so wil si mich wern Tannh 10,9; ich weiz wol, wenne mîn ármùot ein ende haben sol: / swenne [...] der Swarzwalt wirt verbrant / únd daz mer gevüllet ist mit griene Boppe 4:1,8. – meist vom sandigen, steinigen Grund bzw. Erdboden: ûf dem griene er dô gelac, / sam der niht mêr geleben mac KvWPart 9245. 9387; vil manic brunne lûterlich / qual ûz des herten grienes kise KvWTroj 6913; der grien alsam ein lösche [Leder] rôt / von bluote wart geverwet ebd. 12316 u.ö.; uf des ertriches grien KvWGS 917. 1008; Martina 23,79; WhvÖst 971. – bildl. für eine große, unüberschaubare Menge: alse vil [...] als loubes unde grases unde grienes an dem mer PrNvStr 271,4; lob [Laub] und graz dez ertrichs und daz unzallich grien in dem mere Seuse 28,7. 453,5; PrHess 70,926

MWB 2 916,32; Bearbeiter: Richter

grienen swV. von Empfindungen im Herzen (vgl. Beckmann, WhvÖst., S. 74) ‘wüten, rasen’ oder ‘knirschen’ (s. grînen oder grimmen und grinnen stV.): ir quale vaste hat gegrient / in minem hertzen, daz ez is / vor zorn herter denne ain kis / umm ir leben uzerkorn WhvÖst 4738; owe Minne! wie du grienst / manigem in dem hertzen / daz er des todes smertzen / durch dich ahtet claine! ebd. 8500; min hertz nah im grienet, / daz ez in mir wallet ebd. 12470. 10380. 16381

MWB 2 916,51; Bearbeiter: Richter

grienic Adj. ‘sandig’, in der Verbindung ~ mer ‘Wüste, Sandmeer’ Alexander sî [ Gog und Magog ] beslôz / mit berge und mit mûren grôz / und ouch mit dem grienigen mer / daz âne wazzer sunder wer / fliuzet stæteclîche Reinfr 19553

MWB 2 916,61; Bearbeiter: Richter

grieʒ stMN. auch grez ( Brun 1083 ); sw. Nom. Pl. griezen ( JTit 1273,1 ). 1 ‘Sandkorn, Sand, Kies’ (vgl. grien )
1.1 allg.
1.2 vom Grund bzw. Erdboden
1.3 ‘Strand, Ufer’
1.4 bildl. für eine große, unüberschaubare Menge (vgl. ‘wie Sand am Meer’ )
1.5 bildl. zum Ausdruck von Geringfügigkeit (s.a. grûʒ )
2 ‘Körnchen’
3 übertr. ‘Samen, Nachkommen’ (vgl. Anm.z.St.)
   1 ‘Sandkorn, Sand, Kies’ (vgl. grien )    1.1 allg.: der brunn uf dringet sunder mies / us dem velsen dur daz gries / kúele, stat, raine. / reht als dú berlen clain, / sant und kis von grunde / us wallent alle stunde SHort 6750; uf des strandis grieze Daniel 7328; vf dem gefilde / wart zv tretet daz gras, / daz ein teil entsprozzen was, / beide sant vnd griez Herb 8765; welchem der sant [in der libyschen Wüste] kam in den munt, / des griezes hitze in sô verwunt, / daz er in mit bluote verdöute UvEtzAlex 9806; KvFuss 2721; Renner 2368. 8398; HvNstAp 6607; KvWTroj 25221. – ‘Erdkrumen’ viur, wazzer, luft unde erden griez Frl 5:120G,14. – übertr.: undankes grieß / mit erge mies / vertemmet gotes milde fließ Mügeln 368,13    1.2 vom Grund bzw. Erdboden: e do was min lob vil tuft [tief] , / nu ist es worden sihte [seicht] , / und das man kuͥse wol das gries EckenlE2 144,11; do zogtens aber furbas / und chamen da ain waser was, / das lautter was und nicht ze gros / und uber ainen gries flos Seifrit 6618; Rennew 9712; in kurzem zil / der griez wart wazzers blôz, / dâ Eufrates der grôz / was ê gerunnen Ottok 53017; Set stiez daz ris uf sines [Adams] grabes griez Frl 2:15,11; Damen 3,10. – vom sandigen Boden des Kampfplatzes: dâ mite stach er den môr / hinderz ors ûfen griez Parz 41,25. 68,13; er treip den schaft vurbaz / vnd stach in, daz er besaz, / e er in liezze / vf deme griezze Herb 6800; Krone 12178    1.3 ‘Strand, Ufer’ [sie warteten] biz daz mer wider kæme / unde der kiel genæme / den vluz und die vlieze, / wan er lac an dem grieze Tr 13274; dâ wart sô michel dringen / von den schiffen an daz griez, / daz dirre den ze tôde stiez / und jener disen valte nider KvWTroj 25333; beidenthalp des wazzers staden / der griez gefullet und geladen / was mit tôten Ottok 17294; da niden an dem griezz StRMünch 406,20; VMos 68,14; Kchr 12046; UrkCorp (WMU) 2631,6. – übertr.: die hochfart segelt stet uf spottes fließe, / sie gründet hie noch dort mit tugende sprieße. / uf solches leides grieße, / du wiser man, din schiffen laß Mügeln 211,11. – in Kudr meist Pl.: nu was künic Ludewîc und ouch her Hartmuot / mit ir landes volke bî des meres fluot / beliben durch ir ruowe ûf den wilden griezen Kudr 847,3; wâ sint iuwer kint, / [...] / daz si iuch eine lâzent waschen an den griezen? ebd. 1253,3. 424,3 u.ö. – als Bestandteil von Personennamen: herre Johannes an dem Grieze UrkCorp (WMU) 528,3. 753,40    1.4 bildl. für eine große, unüberschaubare Menge (vgl. ‘wie Sand am Meer’): nû wil ich dînes lîbes sâmen den sternen ebenmâzen / und deme grîzze den daz mere uber vliezze: / sam michel werde dîn chunne daz von dir enrinne Gen 944; din volk wirt sin als der gryis des meris Cranc Jes 10,22; PrSchw 1,113; RvEBarl 2162; an die [Marias magetheit ] got selbe hat geleit / mer sælden unde güete / dann in des meres flüete / si griezes unde sandes KvWGS 1745; ein lant haizit Cythia: / der staine [Smaragde] vindet men da / also vile so der grieze HimmlJer 215; daz mê engel sint dan griez oder gras und loubes Eckh 3:457,2; RvEWchr 7453. 16708; Wernh 516; Herb 2245. – vom Zählen des ~ : die selbe kuͤnst [ Arismetica ] hat die wal / daz sie pfliget aller zal. / sternen und dez meres griz / zelet sie an wider driz [ohne Verdruss] HvNstGZ 849; kanstu die regens tropfen zeln, / so zel ich dir loub, gras und allen griez Frl 7:41G,6; Marner 14,175; Wartb Fl 23,11; Teichn 281,6    1.5 bildl. zum Ausdruck von Geringfügigkeit (s.a. grûʒ ): so clain wart nie mer griez, / ez wuͤrde Ryales lait / noch clainr und sin vræude brait WhvÖst 1756; noch ringer wan ein griez / wigent an ir [der zange, mit der Gott Himmel und Erde hält] aller wunder bunt Damen 5,2    2 ‘Körnchen’ in swelcheme harne grozer griez lit an dem bodeme. der bezeichent einen harn stein in den lenden. ist aber der griez wiz. so bezeichent er einen harn stein in der blater SalArz 115,40. 77,34; geistlicher mensch, dv maht des griezzes [hier bildl. für lässliche Sünden] als vil vf daz schef legen, daz ez alles vol werde, da ez als wol von vnder get als von grozzen mulstæinen [Todsünden] PrBerthKl 3,52; da bi [am Fluss Gediz (Hermos)] vindet man guldine griese Lucid 32,2; BdN 485,12; Seifrit 6236    3 übertr. ‘Samen, Nachkommen’ (vgl. Anm.z.St.): so du iemer gruene werdes, onde so dien griez iemer kume zu anderme grieze, onde so din griez iemer kume in den barn Abrahames PfJud 30

MWB 2 917,1; Bearbeiter: Richter

grieʒelach stN. Koll. zu grieʒ ‘Samenkörner, Krumen’ swenne alle vogel die luͥte schadegont dc si dc korn ezzent unde ander fruht diu ûf der erde stât, so izzet si [die Taube] niuwen griezzelach PrSchw 1,32; so ist diu tûbe der nature, dc si nieman ûf dem velde an sinem korne als ander vogel kainen schaden tuͦt, wan dc si niuwan griezelach unde ander semelach [Samenkörner] izzet ebd. 1,33

MWB 2 918,28; Bearbeiter: Richter

grieʒeleht Adj. ‘körnig’ (vgl. grûʒelot ): daz holz [der Esche] hât mêr rinden oder röck umb sich dann áinen rock, und ist zwischen zwain röcken ain kriezlohteu materi, diu ist gnuog mürb oder mar, aber si ist gar hert BdN 324,21

MWB 2 918,36; Bearbeiter: Richter

grieʒelîn stN. Dimin. zu grieʒ ‘Sandkörnchen’ vnde wære daz mugilich, daz ain mensche also lange leben mehti, vnz daz ain tube dez meris griez uͦz gefuͤrti vnde ie ze tvsint iaren ain griezili dannen fuͤrti, du iar solti der mensche in arbaitin lebin, dar umbe daz er got gesæhi undir sinen oͮgen PrGeorg (Sch) 3,23

MWB 2 918,41; Bearbeiter: Richter

grieʒen V. ‘zerkleinern’ den [Meistern der Künste] gib ich mich hie uff ir muln, / daz sie mich sullen machen / vil cleine, malen, gerwen unde griessen, / also daz mins gesanges mel die wisen mogent niessen Ehrenbote (R) 319,10

MWB 2 918,48; Bearbeiter: Richter

grieʒic Adj. ‘grießig, Körnchen enthaltend’ ist das harn griezich unde daz diu flekelîn [Stückchen] schînent dâ inne, sô lît der harnstain in den lanchen Barth 130,10

MWB 2 918,53; Bearbeiter: Richter

grieʒklîe swF. ‘Kleie, Stückchen von Fruchtschalen’ siliqua: griesklyen oder linsenboͮm vel quarta pars scrupuli VocClos Si47

MWB 2 918,57; Bearbeiter: Richter

grieʒschûvel stswF. eine Schaufel: item unum tvngwagen et II mistchorbe et II mistgabel et I griezschaufel UrbNAlteich 282

MWB 2 918,60; Bearbeiter: Richter

grieʒstange F. die Stange, mit welcher der grieʒwart beim Zweikampf die Kämpfer trennt (hier übertr.): ir [Marias] griezstange und ir sigeswert Frl 2:19,13. der ~ begërn ‘sich ergeben, um das Ende des Kampfes bitten’ (s.a. boum 3 , boumtragære und stange ): und itzunt von urloigis mû / begertin der grîzstangin / Samin und Nattangin, / Ermin unde Bartin / unde sich bekartin / zu dem geloubin widir NvJer 15075

MWB 2 918,63; Bearbeiter: Richter

grieʒstein stM. ‘Kieselstein’ ein brunne durch den garten ran / lûter unde reine. / chislinge [Kiesel] unt griezsteine / lâgen sô vil in der furch / daz der brunne dar durch / etwâ mit nœten dranc / unt reht in schellen wîse chlanc KvFuss 1846; glarii: griezsteina SummHeinr 2:87,267. – ‘Sandstein’ (hier als Grenzstein): griestein UrkOtterb (DM) 195 (a. 1277)

MWB 2 919,8; Bearbeiter: Richter

grieʒsûle stF. ein Bauteil in Mühlen (vgl. DWB 4,1,6,284f.): man teilt ouch, daz man dy griezsûle sol vesticlîchen in smiden mit vestem ŷsen, di sol niemande ûs nemen, es ensî denne, daz sy ein vlût ader [l. oder ] ein vrost ûs stôz ader irfûle, sô sol man ein ander in smiden StRZwick 58

MWB 2 919,16; Bearbeiter: Richter

grieʒwart, -warte swM., auch st. ( Martina 23,67 ) 1 ‘Aufseher (auf dem Kampfplatz), Kampfrichter’
2 spez. ‘Sekundant’ im Turnier oder beim gerichtlichen Zweikampf, der mit einer Stange (s. boum 3 oder (grieʒ-)stange ) die Kämpfenden unter bestimmten Bedingungen trennen kann (vgl. boumtragære )
   1 ‘Aufseher (auf dem Kampfplatz), Kampfrichter’ div vergiht [die Verkündung von Sieg oder Niederlage] niht ist geschehin / uon den rehte griezwart / der dar vbir ist geschart / daz er die warheit kiese / wer da mit reht verliese / alder da gewinne Martina 23,67; jô was er [Paris] ein griezwarte / und ein guot rihter under in [den Freunden, die spielerisch kämpfen] . / wan swer den sic dô fuorte hin, / dem sazte er ûf sîn houbet / ein schapel wol geloubet, / dâ mite er in dô krônte KvWTroj 622; Renner 11374; Lanc 528,2; agonitheta vel sequester: griezwarto SummHeinr 1:292,309    2 spez. ‘Sekundant’ im Turnier oder beim gerichtlichen Zweikampf, der mit einer Stange (s. boum 3 oder (grieʒ-)stange) die Kämpfenden unter bestimmten Bedingungen trennen kann (vgl. boumtragære ): so muz ir iklicher [der beiden Kämpfer] einen grizwarten haben, der sinen boum trage StRFreiberg 165,8. 165,19 u.ö.; do hadde Karlle der riche / gekoren wysseliche / synen greyswarden / den greuen Richarden Karlmeinet 526,62; in [den Kämpfenden] was alsô gerûmet [Platz gemacht] , / daz si dehein griezwarte schiet StrKarl 10153; StrDan 5167; ja mugen wir wol geniezen, / wil daz hêre magedîn [Maria] / unser griezwarte sîn Wernh 5780; Regenb 3,351b

MWB 2 919,22; Bearbeiter: Richter

grieʒwartære stM. ‘Sekundant’ im Turnier oder beim gerichtlichen Zweikampf, der mit einer Stange (s. boum 3 oder (grieʒ-)stange) die Kämpfenden unter bestimmten Bedingungen trennen kann (vgl. boumtragære ): ziuh uz den boum, griezwarter! / den kampf ich nieman scheiden laze Regenb 3,351b; sit úser herre Jesu Crist / aber úser griswarter ist / und mit dez crúces stangen / ús schirmet SHort 4722; got, din gries warter ebd. 4788. 4718; iusticiarius: gries warter VocClos Iu 40

MWB 2 919,49; Bearbeiter: Richter

grieʒwartel stM. ‘Aufseher (auf dem Kampfplatz), Kampfrichter’ di chemphen waren wol gar: / uermezenliche chomen si dar / [...], / di grizwarten [La. grizwartel ] si manten Rol 8913; den griezwerteln er [der König] dô gebôt, / daz sie zuosamen liezen / die kempfer und sie hiezen / strîten unde vehten Wigam (B) 1865. 1816; agonitheta vel sequester: griezwarto, griezwartile SummHeinr 1:292,309

MWB 2 919,59; Bearbeiter: Richter

grif stM. 1 ‘Zugriff, Greifen, Griff’ (vgl. grift 1 )
2 Tastempfindung beim Anfassen
3 Rinderfett der Nierengegend (da der Metzger beim Kauf dort durch Begreifen den richtigen Fettgehalt des Tieres erfühlt [vgl. DWB 4,1,6,290; SchwäbWB 3,833; SchweizId 2,710; BWB (Sch) 1,991; FWB 7,413])
4 ‘Klaue’
5 ‘Einflussbereich, Reichweite, Umfang’ (vgl. begrif 1 und 2 )
   1 ‘Zugriff, Greifen, Griff’ (vgl. grift 1): dô [...] im enbunden wart sîn [gefesselte] hant, / sînen êrsten grif den tet er nider / nâch sînem swerte, daz nam er wider Wig 6510; der grif [der ihn vor dem Sturz bewahrte] den tot im hat erwert Rennew 36296; Seuse 258,15; Parz 1,28; sîn [des Löwen] êrster grif was alsô komn, / durch den schilt mit al den klân. / von tiere ist selten ê getân / sîn grif durch solhe herte ebd. 571,24; valke, habich, sperwer / wolden ûngern múse jagen. / ir griff und ir veder slagen / nach der naturen guft [dem Ruf der Natur entsprechend] / leret si jagen in dem luft / und nicht diu muse vor dem hole Pass I/II(HSW) 42170 (vgl. 4). – übertr.: mich der unden griffe / slugen daher uffez lant Pass III 652,36; der wint [auf dem Meer] der was mit hertem gryffe / in wider vnd an si gefaht EvStPaul 3413; nû sich, wie diu sŷrêne / und ir süezes dônes grif / ziehe an sich vil manic schif KvWTroj 2669; der wilden meremeide / mîn frouwe sich gelîchet wol. / ir rede süezekeite vol / und ir schœner worte grif / hât under mînes herzen schif / gezogen und gesenket KvWEngelh 2225; ez wære mir ein groze not, / soͤlt ich ir aller namen sagen / [...] / ez ist miner kunst ein hoher grif, / ob ich nenne gar die shif / die die kuͤnge dar brahten Rennew 12917. – beim Spielen eines Saiteninstruments: ie neben zwein ein spilman / vil süeze videlunde gie, / der deheiner dem andern nie / einen grif übersach Wig 7426. 8480. – ‘Berührung’ ir [der Löwen] griffe waren linde, / swa sie in [Jesus als Kind] indert griffen an Pass I/II (HSW) 4860; KvFuss 2847; sprach si: ‘wan dâ [an der Stelle des Zügels] lac iwer hant, / der grif sol mir sîn unbekant.’ [dort mag die Dame nicht anfassen, um das Pferd zu halten] Parz 512,18; abir wart mir ruren kunt / alda uf dem gevilde / von eines menschen bilde. / libis craft mir wider wart / nach dem griffe mittervart / volleclichen als da vor Daniel 6698. – übertr. ‘Glücksgriff’ Rennewart ergreif daz shif; / daz was ein sæliclicher grif Rennew 11992. 23860; swâ’s [die Augen] ein schœne wîp ersehent, / sô verst in den sprüngen pfnehent [keuchend] / unde gedenkest: ‘heyâ, het ich disen goldes grif!’ / so ist dir lützel kunt, / ob dîn lieber ougen funt / âne missewende sî Neidh WL 35:6,5    2 Tastempfindung beim Anfassen: wâ daz vel [die menschliche Haut] dik ist, dâ ist ez sleht und ains senften griffs, wâ ez dünn ist und zesträut auz ainander, dâ ist ez oft gar rauch und hertgriffig BdN 24,2. 24,5; Solînus spricht, daz die delphin [...] gespitzelt zungen haben scharpf und rauch an dem griff ebd. 235,21. 85,32    3 Rinderfett der Nierengegend (da der Metzger beim Kauf dort durch Begreifen den richtigen Fettgehalt des Tieres erfühlt [vgl. DWB 4,1,6,290; SchwäbWB 3,833; SchweizId 2,710; BWB (Sch) 1,991; FWB 7,413]): ez wellent di zwelf und habent auch gesetzt, daz man dez schoͤnsten rindreins flaeschs geb 1 lb umb 1 dn, und sol darzuͦ slahen allez daz, daz zuͦ dem rind gehoͤret, daz sind die nyerstal und die griff StRMünch 436,19; waz si ouch schowent, davon sont si nit mere nemen denn die nieren und die vier griffe [das Fett zu beiden Seiten oben und unten zwischen den Hinterläufen?] StRRavensb 170,11    4 ‘Klaue’ er [der Drachen] vuorte mit im an den kampf / beidiu rouch unde tampf / und andere stiure / an slegen unde an viure, / an zenen unde an griffen: / die wâren gesliffen, / sêre scharpf Tr 9021; zehant der valk die tuben stiez / daz si gehort noch gesach: / hin und her er si do trach / biz si im in die griffe wart WhvÖst 7389. – phras.: beizen mit dem smalen ~ ‘mit einem kleinen Greifvogel auf Jagd gehen’ (vgl. Dalby, Mediaeval Hunt, 69b s.v. 1beiʒen ; ); hier übertr. auf die Auswahl der Krieger für einen Feldzug: man wolt nicht lokchen sprintzen [Sperberweibchen] / durch paizzen mit dem smalen griff: / vil stoltzer helt lokcht man tze schiff! Suchenw 18,139; in Anspielung darauf auch: Maria, hab ich iht gesait [...] so weltliches getihtes / daz suͤnde muͤge raitzen, / dar umm mich niht erbaitzen / nu la des hellen grien [ hellengrîfen?, Anm.z.St.] grif! WhvÖst 10477    5 ‘Einflussbereich, Reichweite, Umfang’ (vgl. begrif 1 und 2): der künic, der si sande, / der [l. des ] hêrschaft hete wîten grif KvWTroj 19409; ir [der Könige] hiez einer Matusalan, / daz lant was sin zu Krite; / sins gewaltes grif gienc wite Rennew 18654; in sînem vanen stuont ein roch [der Turm des Schachspiels] : / daz bedûte sînen wîten grif, / daz im diu erde und diu schif / volleclîche gâben rîchen zins. / zwischen Gêôn und Poynzaclîns / diu lant wâren dem jungen / dienestlîch gar betwungen Wh 382,3; diu [Stadt] âne Babylône [mit Ausnahme von Babilon] ie truoc / ame grif die grœsten wîte Parz 399,19. – ‘alles was im Umfang inbegriffen ist, Zubehör’ (jüngere Belege DRW 4,1110; s.a. begrif , vgl. WMU 1,157): vnd han in den selben hof gen friliche, lidecliche vnd ler iemerme ze niessen vnd ze han mit allem griffe vnd reht, so ich vnd alle mine vordern den selben hof hen gehept UrkCorp (WMU) 586,20 u.ö.

MWB 2 920,4; Bearbeiterin: Baumgarte

grîfant stM. übers. lat. herodius ( ‘Reiher’), der in der Glossa Ordinaria mal als falco (Komm. zu Lv 11,19), mal als ein Greifvogel, der größer als ein Adler (Komm. zu Ps 103,18) ist, beschrieben wird (vgl. auch grîfvalke ): herodius, das ist ein greyffant, der ist dem hohen cederspawn wol bekant; er ist der spercken und der vogel ein herre und ein hawbtman PsMb 31(Glossar)

MWB 2 921,42; Bearbeiterin: Baumgarte

grîfe swstM. ein sagenhafter, riesiger Greifvogel ‘Greif’ (vgl. Batereau, Tiere, S. 63; Scheibelreiter, Tiernamen, S. 95f.): dez goldes mac nieman gewinnen vor den drachen vnde vor den grifen, die dez goldis huͦtent Lucid 21,5; BdN 190,17; Wh 375,29; die grife dar inne, / di bezeichenent di tivele HimmlJer 248; mit zuein grîfen / vuͦr her [Alexander] in liuften Anno 14,9; da von het diu juncvrawe wert / disen grifen fuͤr ain pfært WhvÖst 10888; vor des grîfen krefte der walt dâ nider brach Kudr 57,1; SAlex 165; Rol 7099; KLD:BvH 9: 3,10; SM:UvS 28: 2,6; Wig 5067. – als Wappentier: daz vorder teil des grîfen hie / der künec von Gascône truoc / ûfme schilt Parz 72,24; Wh 441,15; er sluͦg in daz der grife nider / von dem helm sturtzt WhvÖst 8562

MWB 2 921,50; Bearbeiterin: Baumgarte

grîfelîn stN. Dimin. zu grîfe . ‘Greifenjunges, kleiner Greif’ in ir [der Greifen] geniste und in ir zuht / steic er ûf daz gebirge hôch. / dâ brach er von in unde zôch / diu wilden cleinen grîfelîn KvWTroj 6153

MWB 2 922,1; Bearbeiterin: Baumgarte

grîfen stV. (Ia) zum Gebrauch in Rechtstexten vgl. auch WMU 1,760. 1 ‘jmdn./etw. (er)greifen, anfassen, berühren’ ; der Übergang zu 2 ist fließend
1.1 mit Akk.
1.2 mit präp. Obj. (mit an , în , nâch , zuo ; vereinzelt ûf , umbe , under ) oder Pron.-Adv.
1.3 mit Richtungsadv. oder anderen Richtungsangaben
2 ‘(forschend) tasten, (er-, be-)fühlen’
3 ‘sich jmdm./etw. zuwenden’ ; der Übergang zu 4 ist fließend
3.1 mit Akk.
3.2 mit Richtungsadv. (hier im vorausweisenden auktorialen Kommentar)
3.3 mit präp. Obj. (mit an , zuo ; vereinzelt in , nâch ; wider 3.3.1 ) oder Pron.-Adv.
3.3.1 mit wider
4 ‘etw. beginnen’
   1 ‘jmdn./etw. (er)greifen, anfassen, berühren’; der Übergang zu 2 ist fließend    1.1 mit Akk.: sâ bî dem worte gegreif er [Abraham] in [Isaak] vile harte. / [...] / ûf den altâre er in warf Gen 930; dô greif er einen stecken KvWHvK 144; da greiff er syns meysters pfert und reyt heinwert Lanc 40,18; KvWTurn 825; er greif in bî dem barte lanc KvWHvK 264; Roth 2173; Lanc 478,10; wen der engel ist ungriflich, / der mensche tut wol grifen sich [läßt sich anfassen] , / und sint doch beide gliche / mechtic in gotes riche HeslApk 22618. – ‘jmdn. gefangen nehmen’ [sie zogen dorthin] da sy den greven wisten, / den sy wainden [l. wanden ] gryffen myt listen HagenChr 4555. – ‘ein Saiteninstrument spielen’ der sluͦc die drumen, dirre peif, / der ander suͤze wise greif Elis 172; PrHess 4,355    1.2 mit präp. Obj. (mit an, în, nâch, zuo; vereinzelt ûf, umbe, under) oder Pron.-Adv.: die herren griffen an die swert Herb 4983; frou Cunnewâre de Lâlant / greif an die gîserten hant Parz 218,14. ich sach / in ir swert zwên dorper grîffen junge SM:Had 15: 1,2; diu maget in ir teschen greif UvZLanz 6050. si griffen nach den swerten Rol 4717; dô greif nâch einem gürtel diu hêrlîche meit NibB 636,2. dô griffen si zô den swerten SAlex 1732; vil dicker greif zem gabilôt Parz 153,18. – erweitert um einen Dat.d.P.: [Gott] greif im [Adam] an sinen lip / unde hiez im werden ein wip / uzzir einem sinem rippe VRechte 383; swenn er im [dem Pferd] ûf den rücke / durch versuochen vaste greif, / sô seig ez nider KvWSchwanr 993; er greif ir undern mantel dar: / ich wæne, er ruort irz hüffelîn Parz 407,2. 154,24; UvZLanz 3387. – auch mit dem Finger, dem Fuß ~ : vater Abraham, erbarm dich uͤber mich und sent Lazarum zuͦ mir, daz er mit sinem vinger in ein wazzer greif und mir mein zunge erchuͤl PrOberalt 117,26; sîn [Parzivals] fuoz dernâch nie gegreif, / er spranc drûf [auf sein Pferd] âne stegreif Parz 215,21. – bildl.: ouch grîfet sîn [des Geistlichen] gewîhtiu hant / an daz hœheste pfant / daz ie für schult gesetzet wart Parz 502,17; alrerst wirt offenlich bekant / swer hie heizer ist gewesen [in der Minne zu Gott entbrannt] , / wan er mac luterlicher lesen / unde tiefer grifen an den grunt, / daz im got billich machet kunt Vät 15305. – phras.: jmdm. in die hant ~ ‘jmdm. in die Hand versichern’ vnd hat dar vmb mein bruder der Marquard meinem herren dem apt in sein hant gegrifen UrkCorp (WMU) 2194,27. 923,15. – jmdm. næher ~ als einem anderen: die all mitsamtt vns auf dem guet gewesen sind vnd iz peschaut vnd pesehen habent, haben wiͤr den arm læuten nechner gegriffen denn den erbern vorgenanten herren vnd haben peschaiden den arm læuten, von dem guet [...] alle jar ze dienen vierczich mecczzen charnes [l. kornes ] UrkStVeit 62 (a. 1345). um den hals ~ ‘jmdn. umarmen’ (mit Akk. oder Dat.d.P.): da greiff yn Hestor mit beiden synen armen umb synen hals und hieß yn wilkuͦm syn Lanc 436,4. 89,3. 130,35    1.3 mit Richtungsadv. oder anderen Richtungsangaben: do er dez schuzzes [der ihn getroffen hatte] war [l. wart ] gewar, / do greif er mit der hant dar: / den phil er vz zvchte Herb 7090; Tr 15880; mit der hant sô greif er nider, / den helm den nam er aber wider ebd. 7031. 16057; er greif dâ sîn harnasch lac Parz 733,21; – mit Richtungsadv. und präp. Erg.: dô greif si hin z’ir sîten NibB 677,1; nider greif er ûf daz gras Wig 5850    2 ‘(forschend) tasten, (er-, be-)fühlen’ wie scharpfe sinne der mensche hat, er kan unsinnelicher dingen nit begriffen denne mit dem geloͮben und greiffit als ein blinde in der vinsternisse Mechth 6: 31,8; swer birget sô diu ougen sîn, / daz er sich von im [dem Licht der Sonne] kêret / [...], / der muoz grîfende gân RvEBarl 5419; dô greif ich [Thomas] , dâ im [Christus] mit dem sper / diu sîte was durchstochen, / mit nageln durchbrochen / hende und füeze KvHeimHinv 1112; PrOberalt 89,33; Seuse 468,16. – im Rahmen med. Untersuchungen: swenne si [ di geswer ] oben an sin, so grifit man eine geswulst uffe der leber SalArz 54,57 u.ö.; wen de arczede wel gryfen den pulz OvBaierl 55,4 u.ö.; owê, owê, frouwe Minne, / mir ist wê. / nû grîf her wie sêre ich brinne KLD:UvL 7: 4,3; Eracl 3208; ReinFu K,2018. – beim Kauf von Schlachtvieh die Qualität/  den Fettgehalt erfühlen; hier als Part.-Adj., das eine gute Qualität ausdrückt (vgl. grif 3): pulpa: wolgriffendes fleisch VocOpt 1.224. – auf der Jagd (vgl. Dalby, Mediaeval Hunt, 70a): wie dicke ich ûf die herte / greif mit mîner hande, / wie ez [das Wild] die erden berte / und wie siu sich von sîner schal entrande Hadam 77,2. 66,2. – subst.: sensibilis haist di kraft, da die sel mit erchent mitsambt dem leib, was die aussern sinn begreiffent, als sehen, hoͤren, kosten, smekchen vnd mit anruͤrung, das greiffen haist, vnd auch die jnner erkantnüsse derselben sach KvMSel 506    3 ‘sich jmdm./etw. zuwenden’; der Übergang zu 4 ist fließend    3.1 mit Akk.: [die ältere Schwester] kam ze hove vor ir sô vruo / daz ir mîn her Gâwein wart. / diu junger greif die nâchvart [wandte sich dem Hinterreisen zu, kam hinterher; falls phras. zu 1: hatte das Nachsehen (?)] Iw 5670    3.2 mit Richtungsadv. (hier im vorausweisenden auktorialen Kommentar): mich dunkchet czeit und gut / das ich furbas greiffen sulle; / ich sol richten mein mule, / ein ander untugent umb treiben HvBurg 277    3.3 mit präp. Obj. (mit an, zuo; vereinzelt in, nâch; wider 3.3.1) oder Pron.-Adv.: daz er ze diner antwerte / mit gevaztem swerte / greif an sine were Rol 2139; er [Gott] worhte in uzzir nihte, / [...] / do greif er an die ubirmuot, / daz was ze niht guot VRechte 203; Tr 15020; do Antonius vernumen / hete ein sulch mere, / swie er alte were / an dem libe und cranc, / doch greif er vroliche an den ganc [brach er auf] / durch vrumen suchen disen man Vät 1910. da graif er do von [nachdem er die Schriftgelehrten übertrumpft hatte] erst in d%>i bvͦch vnde in die heilige schrift Konr 2 W1,101; nu grîfit in iwer herze unde sehit, ob ir got minnit Spec 74,12. sîns herzen gir nâch prîse greif Parz 15,25. zv strite sie griffen Herb 9548; nvͦ sult ir widir grifen / zvͦ uwirme schepfere TrSilv 430; swen die rîfen / twungen und darzuo der snê, / der sol nû ze fröiden grîfen, / sît man siht den klê SM:KvL 10: 2,3; Parz 488,23; si suln ouch schaden erzeigen nuo. / dâ greif mit sîner stangen zuo / mit grôzen slegen Rennewart Wh 398,4. – in wieder aufgreifenden auktorialen Kommentaren: nû lâze wir die rede hie / und grîfen wider an die / dâ wir si liezen ê KvHeimHinv 1010; die rede lassint! griffen zuͦ / der rehten aventure hie RvEWh 2332; UvZLanz 4609; Wh 7,13; Tr 3752. 7231; Wig 8095; Herb 16916; Tauler 189,10. – phras.: ze (der) ê ~ ‘heiraten’ die kur [Wahl] an zweine er [der Vater] mir do bot: / eintweder lesterlichen tot / oder grifen zu der e Vät 15989; den ensol man deheinen vormunt geben âne die ze ê gegrifen habent SpdtL 139,1; StRAugsb 6,11    3.3.1 mit wider: daz der sun ie wider dem vater gegraif [sich gegen den Vater wandte] , / daz was gaistlîchen hêrren lait Kchr 16936    4 ‘etw. beginnen’ zwei geruowetiu râvît / diu lîhe ich dir an dîne var / und einen ritter der dich dar / zuo dem kampfe bringet alsô fruo, / ê man grîfe dar zuo UvZLanz 5108; wan er greif in ein ander leben; / ein niuwe leben wart ime gegeben: / er verwandelte dâ mite / al sîne sinne und sîne site / und wart mitalle ein ander man Tr 937

MWB 2 922,6; Bearbeiterin: Baumgarte

grîfengevidere stN. unklar, ob Syntagma oder Gen.-Kompositum. ‘Federn oder Fittiche von Greifen’ dô hiez si im bereiten einen kiel [Schiff] wunnesam / mit guotem grifengevidere, der was wol getan WolfdB 348,4 (vgl. WolfdB (K) 350,4; WolfdD (H) 569,4 )

MWB 2 924,30; Bearbeiterin: Baumgarte

grîfenklâ stF. unklar, ob Syntagma oder Gen.-Kompositum. ‘Greifenklaue’ [das Gold] ab einem velse zarten / grîfen klâ, diez dâ bewarten Parz 71,20; ich sach den unsuessen / an henden und an fuessen / haben starcke greyffen cla. / als di porsten sind sein pra. / teuvelisch ist sein gestalt HvNstAp 4471; die erste [Hand der Habgier (personif.)] , die gewappent ist, / griffen clae sij genant ist, / raub, der sich edel machet / und sprichet in sinen sachen / er muße sine weyde suͤchen / und nemen wo er is findet, aen ruͤchen, / es sij yme alles wiltfang Pilgerf 9509. 9135; Rennew 30863

MWB 2 924,36; Bearbeiterin: Baumgarte

griffel stM. Schreibwerkzeug zum Ritzen in Wachstafeln ‘Griffel’ ain tevelein, / da schreybt man mit dem griffel ein HvNstAp 16652; ir tavelen sie nam / und einen griffel von golde, / dar an si scrîben wolde En 10619; Renner 17392; scharpf als ein grifel Seuse 43,6; – übers. lat. graffium, pugillaris, stilus vgl. VocClos Gr12. Pu24. St51. daz ander [zweite] teil hie ende hât: / mîn griffel an daz dritte gât WälGa 2528. – missbraucht als Waffe: er wolte hân erstochen sich; / wan diu künigîn den stich / underfuor daz er niht vollekam, / und im den griffel genam Flore (S) 2394; als die kinder diz ersan / ir leit si an im [dem hl. Felix, der als Lehrer sehr hart zu seinen Schülern gewesen war] rachen, / wand si in in stachen / mit griffeln also lange, / unz er von dem getwange / under ir handen tot gelac Pass III 97,24; ReinFu K,2152; Seuse 16,9; WolfdD 2193,1

MWB 2 924,49; Bearbeiterin: Baumgarte