g – gâchlîchen gâchmuot – gagen gagen – galander galanderisch – 1galle 2galle – galter galtnüsse – gamerot gamîe – gancheil ganclîche – ganteren ganz – gärmic garn – gartenhuon gartenhûs – 3garwe garwwurz – gastmeisterin gastnusse – gaʒʒenspringer ge- – gebæric gëbærin – gëbendic gebenedîunge – gebietære gebietærin – gebiurischlich gebiurlich – geböume gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten gebrëstelîn – gebrûchic gebrûchlich – gebunt gebunt – geburst geburt – gedâht gedâht – gedense gederbe – gedinge gedinge – gedrange gedrâte – gedünste gedurchtriben – gegate gegatrom – gegenkouf gegenlëder – gegensetzunge gegensidele – gegenwertes gegenwertic – gegihte gegiric – gehaʒʒic gêhe – gehëlfe gehëlfelîche – gehilfe gehilfic – gehœric gehœrlich – gehügenisse gehugesam – geifer geifervrâʒ – geiselrieme geiselruote – geisticlich geistîn – geiʒhorn geiʒhût – gejeitschuoch gejeitvogele – gekünne gël – gelegede gelegelich – gelende 1gelende – gêlîche gelîcheit – gelîchmëʒʒunge gelîchnisgëbende – gelide gelidemâʒe – gêlingen gelîp – gëlm gëlmen – geloup geloup – gëlte gëltel – gelückede gelückederat – gelüstelîn gelustic – gemahel gemahelbettelîn – gemæʒicheit gemæʒiclich – 2gemeine 1gemeinen – gemeinsin gemeinunge – gemerrede gemêrsal – 2gemüete, gemuote gemüetic – gemutzet gemʒe – genâdenschüʒʒel genâdensol – genæmicheit genamʒôn – genemede genende – genëserinne genetzen – genieʒen genieʒlich (?) – genôʒen genôʒgeselle – gensîn gensischen – genuhtlîchen genuhtrîch – genuʒ genuʒt – gephrange gephünde – 1gerat 2gerat – gerëhen gerëht – gereisic gereitære – gerieme geriemen – gerihticlîche gerihtinsigel – geriune 1geriusche – gerouche geröufe – gerte gerte – gerûmiclich gerummel, gerumpel – gêrvalke gerwære – gesaten gesatznissede – gescheftbrief geschefte – geschepfnisse geschepfunge – geschiuwede geschoc – geschrihte geschrîp – gesëhen gesëhenheit – geselliclîcheit geselligen – gesihtic gesihticlich – gesite gesiten – geslihte geslinge – gesnæren gesnarren – gespenstnisse gesper (?) – gespræchelich gespræchetac – gespunst gespür – gestelle gestellet – gestifte gestille – gestrenglîche gestrenze – ge|stunge gestungede – gesuoch gesuochære – geswerme geswërte – gesworn gesworne – getelle getelôs – getougen getougen – getreigeret getrenke – getrüese (?) getrenke stN. getrete swM. getrete stN. getribele stN. getrifte stN. getrîp stN. getriute stN. getriuwære stM. getriuwe Adj. getriuwe stF. getriuwede Subst. getriuwehender stM. getriuwelich Adj., Adv. getriuwen swV. getriuwenisse stN. getriuwewirdic Adj. getriuwicheit stF. getriuwiclîche Adv. getriuwunge stF. getroc stN. getropfezære stM. getrœsten swV. getrüebede stF. getrüebelich Adj. getrüese (?) Subst. getrügede – getwædicheit getwædigen – gëtzen getzsal – gevalte gevanclich – gevëderen, gevëdern gevêhe – geverte|lehe gevertinne (?) – gevlester gevlitter – gevrier gevrist – gevülle gevuoc – gewahsenheit gewahst – gewaltroubunge gewaltsame – gewar gewar – gewe gewëbe – gewellen geweltigen – gewërben gewërbic – gewern gewërn – gewiere gewieret – gewinnen gewinnic – gewist gewiste – gewonunge geworden – gewzen (?) gezagel – gezëmelich gezemen – gezît gezîte – gezoc gezogen – gezwîen gezwîge – giefen giege – gifticheit gifticlich – giht gihtboum – gimbîʒen gimme – gippengappen gippentuoch – giric giricheit – gischen gîse – gîtigære gîtige – 1glan 2glan – glas(e)väʒʒelîn glas(e)vënster – gleimel gleimelîn – gleten glêtphenninc – glipfen glise – glocke glockehûs – glôriôs glôriôslich – gluothaven gluothert – goder goedertieren – golf gollen – goltgesmîde goltgesteine – goltreit goltrîch – golttropfe goltvar – gos (?) got – gotesarm gotesbeckære – gotesmordærinne gotesphenninc – gotgeformet gotgelâʒen – gotmeinunge gotmensche – gouch gouch – goukelære goukelbilde – goukelspil goukelsprütze – göumütte, -mutte göu|phâwe – grabe grabe – grâf- graft – gramerʒîe gramerʒîen – gransprunge gransprunge – gras(e)phenninc gras(e)spier – grâvenrëht grâveschaft – grebinc grebnisse – gremiclich grempære – griekech grien – griffel griffelære – grimmetât grimmic – grisegrammen grîseleht – griuslich griuwe – groppe gros – grôʒmüetic grôʒmuoticheit – grüenheit grüenlich – grunderëbe gründic – gruntübele gruntvestære – gruon- gruon- – grütschîn grutte – 1gücken 2gücken – güfticheit güfticlich – gûlen gülle – gumpenîe gunderam – guotdunken guotdunkende – guotswender guottât – gürtelgewant gürtellîn – gymnosophiste
|
getrenke
stN.
1
‘Trinkgelage, Besäufnis’
2
‘Getränk’ (vgl.
getranc
)
1
‘Trinkgelage, Besäufnis’
in dem getrenke / wûchs ein [...] gezenke
NvJer
17447;
die kunige von Sameiten / die liezen in bereiten / ein getrenke, daz waz grôz.
/ [...] / si trunken und wâren vrô LivlChr
4655.
4673
2
‘Getränk’ (vgl.
getranc
):
vnde sal itwanne geringe gedrenke geuen [l.
geben
]
OvBaierl
67,9;
dem ich diz lob schenke, / der nimt ez [...] vür ein
gut getrenke Frl
5:10,5
MWB 2 636,56; Bearbeiterin: Czajkowski
getrete
swM.
‘Nutzungsberechtigter an Weideland’ (vgl.
trat
stF.,
getratschaft
stF.):
dass die von der Riedtstatt [...] iro vich weiden
sollendt unnd mogendt, wa sy woͤllend inn dem holtze deren von
Schwartzenburg, als getretten [...] unnd dass auch die von
Schwartzenburg [...] iro vych weyden sollendt noch
moͤgendt uffen dien von der Riedtstatt, auch als getretten und in dem lannde
gewonheit ist UrkBern
6,272
(a. 1336 kopial)
MWB 2 637,1; Bearbeiterin: Czajkowski
getrete
stN.
‘Auftreten, Treten, Getrampel’
auf yeder pruk man wenig slief / von getret und von gedranch Suchenw
4,185;
daz [Räucherwerk des Engels, vgl. Apc
8,3] sint al edele gumme [Harz aus
Weihrauch] , / die vor gote wol riechen: / der ruͤf
helfeloser siechen, / [...] und der notigen getret
HeslApk
12801;
wolt sie mein [als Vogel] denn pflegen vor getrette
[Zertretenwerden] , / vor lieb trúg sie mich nachtes
an ir bette Neidh(S)
2,179 c95:12,8;
Loheng
1812
MWB 2 637,10; Bearbeiterin: Czajkowski
getribele
stN.
‘eifriges Tun, Treiben’
wie si [die Bienen] her uz gewinnen / wol múgen den
lutern honicsaim / und den mit ir bringen haim, / dar an lit ir getribile
PassI/II(HSW)
42197
MWB 2 637,20; Bearbeiterin: Czajkowski
getrifte
stN.
‘Unternehmung, Machenschaft, Lebensweise’
diz [das Erlösungswerk] tet got
nicht vorgebene, / daz her diz michel getrift / mit dem menschen hat gestift
HeslApk
19583;
der ketzer getrift ebd.
13886;
also kam er wider uf daz vorder getrifte, da er zuͦ
vermant waz, einer warer gelassenheit Seuse
327,23
MWB 2 637,24; Bearbeiterin: Czajkowski
getrîp
stN.
‘Treiben’
diz geschach von dem getribe / des tuvels der die juden reit
HeslApk
10660;
Macc
8588;
do wart dem keisere also zorn / durch des pabestes getrib PassIII
479,95;
ir suntlich getrib ebd.
324,64;
PfzdHech
361,32;
EbvErf
617.
– unklar:
gotes suns natûre was / der liute natûre nit gelîch, / wan daz si ûzzeichende
sich / mit allem getrîbe / an Jêsu Kristes lîbe, / wan swaz an dien flüzzen vier
[an den vier Säften (nach der Humoralpathologie)] /
beste was, daz was ouch hier / an gotes sunes lîp geleit WvRh
6452
MWB 2 637,31; Bearbeiterin: Czajkowski
getriute
stN.
‘Liebkosung’
guoter wîbe getriute / und ir gruoz und ir minne
Wh
400,2
MWB 2 637,42; Bearbeiterin: Czajkowski
getriuwære
stM.
‘Gläubiger’
der da hat ein [auf ihn] gefallens recht von den
getraueren StatTrient
186
MWB 2 637,44; Bearbeiterin: Czajkowski
getriuwe, getrûwe
Adj.
auch getriu/getriw, getru, getreu/getrew, getruge (
Roth ), getrou ( VMos ), getrouwe
( En );
im Mhd. überwiegend statt der präfixlosen Form triuwe (vgl. DWB
11,1,2,245f.); Adv. mit -lich (vgl. DWB 11,1,2,247).
Zentraler Begriff der von Personenbeziehungen geprägten mittelalterlichen
Gesellschaft, bezogen auf Beistandspflichten und Erwartungen im Lehnswesen und
andere persönl. Beziehungen der Verantwortlichkeit; s.a.
triuwe
stF., die Übergänge zwischen den Positionen
2-6 sind fließend (vgl. u.a. Ehrismann, Ehre und Mut, 211-216),
‘treu, zuverlässig, beständig,
hilfreich’
1 allg. 2 allg. auf Dienst, Gefolgschaft u.ä. bezogen 3 in rechtlich bestimmten Verhältnissen, bei Verträgen 4 häufig im Vollkommenheitskontext ritterlich-höfischer Beschreibungen 5 bezogen auf Verwandtschafts-, Liebes- oder Ehebeziehungen 6 in religiöser Sprache 6.1 bezogen auf den Gläubigen 6.2 bezogen auf Gott oder Gottes Sohn; häufig in formelhaftem Gebrauch zusammen
mit guot, minnend, gerëht
1
allg.:
als getrew nâchgepaurn, der sich ainr des andern êr und nutz
fräuet BdN
220,26;
sîn getriuwer [treue Ergebenheit
zeigender] gruoz was ir bereit, / wan si hêt grôze nôt erliten
Wig
3965;
Mechth
5:24,69.
6:3,11.
– mit Dat.d.P. und sîn:
die mein junger sint, die mir getreu sint und den hiligen
gelauben und die waren minne habent PrOberalt
51,34;
En
8458;
Rol
1827.
– subst.:
boͤse lvgenere / die dringen leider allez fvr, /
die getreͮwen blibent vor der tvr ReinFu
K,2186;
wir [...] kúndin allen gottes getrúwen
[...] únsern gruͦz UrkCorp (WMU)
2597,9.
– als Bestandteil von Personennamen bzw. als Apposition got
oder einem Personennamen vor- oder nachgestellt (subst. oder attr.):
warre got der getruwe, / nu mich mine sunde riuwen
SüklV
333;
sein getriwe, die ersamen ritter Heinrich vnd Albreht UrkCorp (WMU)
2423,26;
Hainrich der getriͮwe ebd.
1670,43;
Parz
526,9;
Tr
5143.
– Sprichwort (?):
der getriwe ist friundes êren vrô: / der ungetriwe
wâfenô / rüefet, swenne ein liep geschiht / sînem friunde und er daz siht
Parz
675,17
2
allg. auf Dienst, Gefolgschaft u.ä. bezogen:
wie hân ich an den Hiunen hie verdienet den tôt? / ich was
dir ie getriuwe, nie getet ich dir leit NibB
2102,1;
Volka, der getruwe smit Herb
2987;
welch man getruwe ist der sol synem herren alles das wol
lastern das wiedder sin ere ist Lanc
532,10;
PrLpz
31,38.
– in Bezug auf das Verhältnis von Tieren zu einem Menschen:
der getriuwe hergeselle [Iweins
Löwe] / der kratzet unde beiz dan / holz und erde unz er gewan
/ ein gerûme ûzvart Iw
6746;
des nemet ein glîchnisse an dem hunde, der ein unvernünftic tier ist. der
ist sînem herren alsô getriuwe [ergeben] , allez daz
sînem herren wider ist, daz hazzet er Eckh
1:271,9.
– sehr häufig formelhaft in der Verbindung ~
man (vgl. DWB 4,1,3,4506):
er nam sîn aller getriwisten man, / die ime ze sîner nôte
/ ie wâren einmûthe VAlex
566;
her Gâwein der getriuwe man Iw
2767;
Roth
55;
NibB
2141,1;
HagenChr(G)
3418
3
in rechtlich bestimmten Verhältnissen, bei Verträgen:
[eine Frau] sal dan einin kisi
[auswählen] , swemi su iz gitruwit, daz uri
[ihre] getruwe vormunde si wolli Mühlh
167,21;
Ruͦdolff von gottes genaden römischer kunig
[...] embieten allen des römischen reychs getruwen die
disen gagenwurtigen briefe ansehent unser genad und allez guͦt
StRAugsb
233,3;
wann ich enweiß yn so getruw nicht, gebe ich myn burgk off und
myn lant, das er mirs ymer wiedder gegebe Lanc
4,34.
– zur Einführung von Personen(gruppen), als Titel:
wir [...] gebietten allen leuten, unsern getrüwen
fürsten, graven, frien, rittern, knechten, burgern und gebuwern StRWerth
8;
unser lieb getruwen die burger ze Augspurg
StRAugsb
233,10;
UrkCorp (WMU)
1653,15.
– mit unbelebten Bezugsgrößen:
besigelet ze ainem vrkunden getruem vnd ze ainer ganzer vestenuge
UrkCorp
993,16 (WMU);
daz wir [...]vnser jnsigel haben gegeben ze ainer
getriwer vestenunge an dise brieue UrkCorp (WMU)
2450,36.
3578,22.
– in Verbindung mit hant
‘treuhänderisch’ (vgl.
getriuwehender
):
vil gesteines, silber, golt / sante er vor im in daz lant
/ bî getriuwer liute hant: / die brâhten ez zer inseln hin, / dâ man in wolte
senden in RvEBarl
5118.
5141;
vnd vnserr erben daran pfleger vnd treger sin in getriwer hant
UrkWürzb
40,159
(a. 1337)
4
häufig im Vollkommenheitskontext ritterlich-höfischer Beschreibungen:
darnach solt ir einen getruwen ritter súchen der beide, zu
den wapen gut sy und auch getruwes herczen sy Lanc
246,1.
9,11;
Parz
99,7;
ein kleinez vogellîn, / tandaradei, / daz mac wol getriuwe
[verschwiegen] sîn Walth
40,18.
– in Verbindung mit metonymischen Bezeichnungen für eine Person:
dô ranc mit solhem jâmer ir getriuwer lîp
NibB
1066,2;
Artûs vil getriwer munt / verkôs die schulde sâ zestunt
Parz
220,23;
getruͥen herzen, nu entwachet!
MarlbRh
22,32.
– mit abstrakten Bezugsgrößen:
durch die getriwe minne / dier gein sînem wirte truoc
Parz
486,14;
nieman konde sî von lüge gesprochen hân, / ern hete als
ich getriuwen muot MF:Reinm
25: 4,7;
NibB
1402,1;
er hatt auch wenig getruwer hilff in dem lande
Lanc
70,16.
628,13.
– in Verbindung mit anderen positiven Eigenschaften, insbesondere des
höfischen Wertekanons (z.T. synonymisch verstärkend):
ander tugent sie hete, / sie was getruwe vnde stete
Herb
2946;
er muose sîn getriuwe, / hübsch unde wol gemuot
UvZLanz
244;
Rol
9038;
diu kint der schœnen Uoten die heten einen
man [Rumolt] , / küene und getriuwe
NibB
1517,2;
der gûte bischof Albrecht. / der was getrûwe
[rechtschaffen] und recht LivlChr
810.
– in der Verbindung ~
unde wârhaft sowie im Gegensatz zu valsch:
swenn uns der tifel [...]
verlaiten welle, so suͤln wir im widersten, wesen getrew und warhaft, so
fliuhet der tifel PrOberalt
42,15;
SAlex
3806;
si was geborn von hôher art. / getriuwer wîp niene wart /
geborn noch sô valschlôs Wig
8272.
1145;
si sprechent, si sint getrúwe, und si sint doch vor minen
oͮgen valsch Mechth
5: 34,17;
der solt ûz sîner milte des geruochen, / daz er die gar getriuwen ûz den
valschen hieze suochen Walth
30,21
5
bezogen auf Verwandtschafts-, Liebes- oder Ehebeziehungen:
ime [Jakob] waren michele sorge / daheime uirborgen
/ er unde ^$*ęsau / ne waren ein ander niht getrͦiv VMos
27,28;
so nist niht getriwe diu frouwe der diuwe / noch der man dem
wibe, si leident al mit nide AvaA
6,1;
diu getriuwe cumpanîe [Tristan und
Isolde] / bihanden si sich viengen, / ûf den hof si giengen
Tr
16628;
des wundert sich Phariens allermeist das sin wip sinem nefen
so getruw was in großer not, das sie sich bot in den dot vor yn Lanc
83,27;
Iw
2707;
iedoch geschiht daz oft, daz diu üppigen hüendl vliehent auz
den getrewen flügeln der muoter BdN
193,8.
– bezogen auf eine Person in einer solchen Beziehung:
diu wîpheit muoz sîn getriu: / dâ von êret frouwen lîp /
daz [Nom.] swâ [wenn] man si
nennet wîplîch wîp KLD:UvL
54: 5,5;
für wâr mir iwer arbeit / füeget sölich herzeleit, / diu
enpfâhen sol getriwez wîp / umb ir lieben friundes lîp Parz
611,29;
weinende sprach er aber zir: / ‘getriuwe, sæligez
wîp!’ / hie mite twanc ers an sînen lîp Tr
14477
6
in religiöser Sprache
6.1
bezogen auf den Gläubigen:
er irwelte einin âhtare der cristenheit unde machoti in
zeinim getriwem christen Spec
85,30;
der getriͤwe sant Sebastian Konr
6,46;
sît getriwe ân allez wenken, / sît got selbe ein triuwe
ist Parz
462,18;
der ist ein getriuwer dienære, der an allen sînen werken niht engesuochet
wan gotes êre aleine Eckh
2:613,2;
Parad
112,11
6.2
bezogen auf Gott oder Gottes Sohn; häufig in formelhaftem Gebrauch zusammen
mit guot, minnend, gerëht:
got der is getruwe, / er ist gnedic vnde gvt Glaub
2581;
minsame Jhesu, getruͥe leidere / aller warheit
geware lerere MarlbRh
133,13;
daz der getriuwe minnende got den menschen hât brâht ûz
einem sündigen lebene Eckh
5: 232,6;
Mechth
2:18,5;
Seuse
506,18
MWB 2 637,47; Bearbeiterin: Czajkowski
getriuwe
stF.
‘Vertrauen’
alle des gedingen getriuwe [interl. zu totam spei
confidentiam
]
PsWindb
145,Oratio
MWB 2 640,8; Bearbeiterin: Czajkowski
getriuwede
Subst.
‘Treue’ (vgl. MlatWB 4,205ff.):
fidelia: gitruuida Gl
1:746,7
(BStK949);
Gl
1:746,6
(BStK637)
MWB 2 640,11; Bearbeiterin: Czajkowski
getriuwehender
stM.
auch getruwenhender, getruenhender.
‘Treuhänder, Bevollmächtigter in Rechtsangelegenheiten’
wollen wir den genanten erben umb behaldunge willen irer guter und erbeteil
und auch umb einen guten getruenhender flislichen versehen StRWerth
9;
UrkFrankf
2,440
(a. 1336);
des haben wir in vnd irn erben oder getruͤwenhenden
[...] zu kauf geben UrkWürzb
41,187
(a. 1345).
41,421
(a. 1350);
wir [...] han gesatz [testamentlich
festgehalten] vns selgerede [...] in
geinwortekeid vnser getruwehender UrkArnsb
459
(a. 1346);
UrkWetzl
1,681
(a. 1350)
MWB 2 640,14; Bearbeiterin: Czajkowski
getriuwelich, getrûwelich
Adj., Adv.
auch getrû-, getriu-, getreu-, getroͮlich; adv. auch
-lîchen.
‘treu, zuverlässig, vertrauensvoll,
beständig’
1 attr. 2 präd. 3 adv. 4 in Paarformeln 4.1
~ unde wol 4.2
~ (unde) âne spot 4.3 mit Synonymen
1
attr.:
ir engehôrtent nie mê / so getriuwelîchez scheiden / als dâ
von in beiden [Lanzelet und Walwein]
UvZLanz
3513;
dô sach man jâmer unde leit: / diu getriuwelîche
sicherheit [die Freundschaft zwischer der Mutter Isolde, der Tochter
Isolde und Brangäne] / schiet sich mit manegem leide
Tr
11514.
5111;
swer nach deme leite sterne stet / mit getruwelicher andacht,
/ dem wirt daz ewige liecht bracht HeslApk
4263;
vm seinen getrevlichen dienst UrkCorp (WMU)
1676,1;
Wig
11189.
– in Verbindung mit minne(n), liebe, ger:
der kunich [...] / und diu kuniginne, / die
getrouwelîche minne / zû zir sune trûgen En
8128;
Athis
A 36;
aldâ wart undr in beiden / ein vil getriulîchiu ger: / sie
sach dar, und er sach her Parz
29,7;
RvEBarl
16068;
RvEWh
9658;
Artûs und Gramoflanz / mit getriulîcher liebe ganz /
enpfiengen disen heiden Parz
765,22.
–
‘unverfälscht, rein’
abir Marîa nam ein pfunt salbin tuͦres getrûwelîchen nardi
[Pflanzenbalsam; lat. nardi pistici
]
und salbite di fuͦze Jhêsû EvBeh
Io 12,3
2
präd.:
durch getruwen dinst vnser getruwen burgere der stat zvm Elbinge, in dem si
sich vns vnd vnsem huse getrulich han bewiset UrkCorp (WMU)
975,13
3
adv.:
wie mac daz komen, / nû dient er gar getriulîch?
EnikWchr
14157;
sô lânt iuch kint wîb unde guot / getriuwelîche erbarmen, /
und lœsent mich vil armen / ûz marterlicher nœte KvWSchwanr
1513;
so sol ich minem vrúnde getrúwelich [in aller
Freundschaft] schult geben Mechth
5: 22,13.
2:26,52;
geschant muß sie sin die du so getruwlich minnest, sie ist
es werlich nit wert! Lanc
573,33.
184,8.
462,24;
Spec
130,29;
Eckh
5:273,8.
–
‘ernst, mit Nachdruck’
sælich sit ir geborn, ob ir
in [Gott] nv so getriwelichen zvͦ iv
geladet, daz er des gervͦchet, daz er sih iv genahet Spec
18,14;
hier umbe bat der diener got getrúwlich
[inständig] úber dich, moͤhti es sin wille
sin, daz er dir denne gesuntheit gebi Seuse
109,8
4
in Paarformeln
4.1
~ unde wol:
genâde hêrre, sprach Îsôt, / ir redet getriulîche unde
wol Tr
14067;
du hast gar vergeßen der die dir ye getrúlichen und wol
dienden, das sie vertriben sint und hant verlorn ir lant und ir ere und ir leben
in dim dinst Lanc
47,29;
MF:Reinm
57:4,4;
RvEWchr
17083
4.2
~ (unde) âne spot:
Gedeon bat aber got / getruwelich ane spot / das er im
aber sante / bischaft RvEWchr
18401;
nu do si volgten im also / das si leisten sin gebot /
getrúliche und ane spot, / als úns dú schrift bewisit hat ebd.
19429.
5622
u.ö.
4.3
mit Synonymen:
dat alle dise dink getruweliche inde stedenkelihe werden volbraht inde
gehalden UrkCorp (WMU)
9,19
MWB 2 640,26; Bearbeiterin: Czajkowski
getriuwen, getrûwen
swV.
auch getrouwen, getrauen, getrewen,
häufig verstärkt durch (vil) wol, baʒ.
1
‘glauben, vertrauen’
1.1 mit Gen.d.S. 1.2 mit Dat.d.P. 1.2.1 in gradueller Abstufung oder vergleichender Angabe 1.2.2 mit Dat.d.P. und Akk.d.S. (oder Obj.-Satz) 1.2.3 mit Dat.d.P. und Gen.d.S. (z.T. mit explizierendem Nebensatz)
‘jmdm. im Hinblick auf etw. vertrauen’
1.3 mit Dat.d.S. ‘auf etw. vertrauen, sich auf etw.
verlassen’
1.4 mit Akk.d.S. oder Obj.-Satz 1.5 mit Präp. ‘auf etw./jmdn. vertrauen, sich auf etw./ jmdn.
verlassen’
1.6 mit Inf. 2
‘jmdm. etw. anvertrauen’ , mit Dat.d.P. und Gen.d.S.
1
‘glauben, vertrauen’
ir brûdere, wolt ir mir gemach / tûn, als ich getrûwen, / und lôsen mich von
rûwen LivlChr
4365;
vnser heil nv naher si, denne wir selbe mohten getruwen
Spec
18,25;
swer ie getrûte, der genas Pyramus
139.
– subst.:
die pegird gepirt gerechtigkait. gerechtigkait gepirt
getrauen; getrauen gepirt milltigkait HvHürnh
6,13;
lasse si geniessen ire guͦten globen, ire herzklichen
getrúwens Seuse
100,26;
Tauler
82,27
1.1
mit Gen.d.S.:
wer möhte des getrouwen? Kudr
51,3.
1285,4;
des wil ich wol getrouwen, / wirt ez rehte erbouwen, / ez sal ein gût lant
sîn En
8487.
– und mit explizierendem Nebensatz:
ich wil des baz getrûwen, daz si alle ligen tôt
NibB
2126,4
1.2
mit Dat.d.P.:
mîn herr getrouwet mir sô wol, / daz ich an im niht
brechen sol EnikWchr
5243;
ir habt mir mangel vor gezilt /
[...] / daz ich iu niht getrûwen mac
Parz
292,11.
taͤtent ir dez nicht, so wizzent sicherlichen, daz ir wider uns
taͤtent und uns ûberfuͤrent, dez
[deshalb] wir iuch nicht getrewen UrkFriedb
118
(a. 1332);
Ägidius
83;
En
6968;
PrMd (J)
348,18;
SpdtL
130,21.
–
der getoufte wol getrûwet gote Parz
741,26.
461,29;
ich [...] wil dir, suoze vater,
wol getruwen TannhBu
24.
– in Verbindung mit gelouben u.ä.:
des getrûwet unde geloubet mir! Tr
14475;
aller sæligen mennesscen, die ane got geloͮbent
unde ime getruwent Spec
109,25;
Konr
14,51.
– mit übele
‘misstrauen’
ich [Jakob] vorhte dû
[Laban] nâmes si [meine
Frauen] mir, ubele getrûwe ich dir / von diu daz dû mich dikche
ê des ungetriulîchen beswiche Gen
1454;
ir ensolt mir nicht ubel getruwen, ir wißent selb wol das
ich nye verretern holt wart Lanc
92,17
1.2.1
in gradueller Abstufung oder vergleichender Angabe:
ich getrouwe dir wol vil verre. / nu hilf mir, got der
guote, / uz der starchen note Hochz
1031;
vil lieber herre mîn, / weist dû, daz dîn vater mir /
getriuwet vürbaz gegen dir / dan allen den, die bî dir sint?
RvEBarl
7082;
si bûweten gern in ire lante, / wolten in sam in
selben getrûwen Gen
1633;
Rol
3713;
SM:St
5:2,5.
–
nu dâhter des, wie Parzivâl / wîben baz getrûwt dan
gote Parz
370,19;
daz er dem richtum baz getrauet denn dem almæchtigen
got PrOberalt
159,26
1.2.2
mit Dat.d.P. und Akk.d.S. (oder Obj.-Satz):
si hât mich sô getrœstet ie, / ich getrûwe ir wol
daz si mir tuot / dâ von sich hœhert baz mîn muot Parz
722,27;
enzwîvel an uns niht, / getrou uns daz dir wol geschiht
LvRegSyon
1166;
Wahrh
161;
SM:St
13:3,9
1.2.3
mit Dat.d.P. und Gen.d.S. (z.T. mit explizierendem Nebensatz)
‘jmdm. im Hinblick auf etw. vertrauen’
der des gote niht getrûwete, daz ist alzemâle
billich, daz er lîden und leit habe Eckh
5: 48,2;
des scule wir gote getruen, / der unsich erloste
dannen HimmlJer
469;
Rol
198;
Parz
430,9.
–
‘jmdm. etw. zutrauen’
wirdit der kaiser ubeles muͦtis, / ich ne
getruwe ime ne haines guͦtes Rol
3786;
got weiz, hêre Drances, / ich getrouwete û wol des, / daz ir
ungerne sterbet En
8636.
12874;
Konr
2 W1,176;
SüklV
209;
StatDtOrd
90,9
1.3
mit Dat.d.S. ‘auf etw. vertrauen, sich auf etw.
verlassen’
du soltt nimner getrauen den wercken noch den diensten der
weiber HvHürnh
24,1;
iedoch bedarf man der red niht vil getrawen
BdN
466,16;
Walth
74,9;
MF:Reinm
21:2,6
1.4
mit Akk.d.S. oder Obj.-Satz:
des tubelis lugene / begunder baz getruwen Glaub
835.
1286;
swer disiu vier stücke an im hât, der mac in der wârheit getrûwen, daz er
daz wort gotes gehœret [...] habe Eckh
2:431,10;
vnde liez den kuninc schowen, / ob her mochte getruwen, /
ob sie den herren gelích weren TrSilv
232;
PassI/II
157,67.
–
‘sich (etw.) vorstellen’
di ir spieze sint gar zeprochen, / di schilte sint ab in
gestochen, / ir helme sint gar zehoͮwen. / ich nemac nicht getruwen / daz
si andem wal gebaiten Rol
5664.
–
‘in eine Sache vertrauen, sich auf etw. verlassen’
ir schult wole getruwen / daz û der himilische wirt, /
[...], / lone nach uwereme dinge / mit einem
phenninge: / daz ist daz himilriche Rol
982
1.5
mit Präp. ‘auf etw./jmdn. vertrauen, sich auf etw./ jmdn.
verlassen’
–
ane:
bereit ist herce sin ze getruwen an got PsM
111,7;
darumbe gedenket ein bœs wiht: / gib süezze rede, sô
getriuwet man an dir niht, / daz dû ein valschez herze habist
SM:JvR
1: 17,5;
Überschall(Pf)
117,7.
–
in:
in dem herren ih getruwe PsM
10,2;
subst.:
stant vast in gotte und heint reht ein gantzes
getruwen in got Seuse
426,24.
–
von:
[der Mönch gehorche] von der minne gitriwende von
der hilfe gotis [
ex caritate, confidens de adiutorio
Dei
]
BrZw
68.
–
zuo:
das han ich wol verstanden und getruw zu got das
ichs wol werben sol Lanc
400,19;
unde woldit ir mir dar zu getruwen, / ich geriete iu
eine list, / daz iz in uil churzer urist / naeme boese ende
Rol
1883.
3122;
subst.:
dan ich noch groß hoffen zu uch han / und zu uch
einen gantzen getruwen han Pilgerf
4765;
Eckh
5:203,10
1.6
mit Inf.:
daz dû mir guot wellest sîn, / sô getrûwe ich wol genesen
Eracl
3345;
mit irre helfe getrûweten si zu gesigene Überschall(Pf)
137,33;
UrkCorp (WMU)
296,24;
RvEBarl
14225
2
‘jmdm. etw. anvertrauen’, mit Dat.d.P. und Gen.d.S.:
mich dunkt, du sist ze tump dar zuo. / ich getriuw dir nicht der biren wol, /
eim andern ichs bevelhen sol Boner
98,29;
wes die stat uch dart getruwen, / dat solde ich node an uch schuwen
HagenChr(G)
2957.
–
sô hât mîn armuot ende. / ich getrûw des iwerr hende, /
si hœhe mich mit rîcheit Parz
560,8;
ich getrûw des sîner hende, / si nemez unvergolten ebd.
361,12
(s.a.
getriuwehender
)
MWB 2 641,18; Bearbeiterin: Czajkowski
getriuwenisse
stN.
‘Vertrauen’
durch besunder trewe und getrawnuͤsse, die wir zuͦ der stat und
auch den purgern ze Frankenfurt [...] haben
UrkFrankf
2,260
(a. 1329);
UrkAugsbBt
1,534
(a. 1329)
MWB 2 643,4; Bearbeiterin: Czajkowski
getriuwewirdic
Adj.
‘vertrauenswürdig’ (vgl.
getriuwe
):
Nickel von Ronow, Nickel von der Ribnicz, [...] vnde
anderr getruwirdeger lute vil UrkSchles(B)
28,45
(a. 1347)
MWB 2 643,9; Bearbeiterin: Czajkowski
getriuwicheit
stF.
‘Vertrauenswürdigkeit, Verlässlichkeit’
di getruwe mildekeit unde di milde getruwekeit des ediln furstin, lantgravin
Lodewigis Köditz
49,28;
es enist keins [kein Handwerk] das
bose sij / wann getruwekeit da bij sij Pilgerf
6553
MWB 2 643,13; Bearbeiterin: Czajkowski
getriuwiclîche
Adv.
auch getrueclichen.
‘zuverlässig, vertrauenswürdig’
zer lieben stunde, / dô munt engegen munde / getriuweclîche strebete
KvWEngelh
3143;
dô lebte in Burgundrîche / vil getriuweclîche / ein herre von gebürte frî
ebd.
222;
so hant sie [...] disen brief ain anderen gegeben
getrueclichen besigeleten mit ir jnsigelen UrkCorp (WMU)
1656A,36.
2752,33
MWB 2 643,18; Bearbeiterin: Czajkowski
getriuwunge, getrûwunge
stF.
auch getruunge, getrauunge, getrouwunge.
1
‘Vertrauen, Glaube, Zuversicht’ (vgl.
getriuwen
) 2
‘Fürsorge’
1
‘Vertrauen, Glaube, Zuversicht’ (vgl.
getriuwen
):
dâ hât er wol bewîset an allen menschen, daz disiu
getriuwunge kumet von minne, wan minne enhât niht aleine getriuwen, sunder si hât
ein wâr wizzen und ein unzwîvellîche sicherheit Eckh
5: 239,7;
si enzwîfelten fürbaz niht mêr, [...] sunder siu
rettôn von einer ganzer getrouwunge unde vrâgtôn âne allen zwîfel, wâ er wêre der dâ
geborn wêre künig der juden PrHermet
344;
ach, koͤnde der mensche disen
enker [Anker, bildl. für Gottvertrauen] getreffen in
einer rechten wise an sime lesten ende, das er in einer goͤtlichen hoffenunge
und getrúwunge stúrbe Tauler
325,13.
415,27;
vnd zvhant ist Ihesus geret zv in sprechend. habet getrawvnge
EvAug
34,8;
EvBeh
Mt 14,27.
– mit Präp.:
dô haten si grôze getrûwunge zu sancte Elsebêten HvFritzlHl
245,32;
si sach weinende in den himel, wen ir herze hatte
getruunge zu deme herren Cranc
Dan 13,35;
we ir abtrunegen sone, spricht der herre,
[...] dir ir habet getruunge an deme schaten Egypti
ebd.
Jes 30,2
2
‘Fürsorge’
etwenne ret der geist mit gotte in an rvͤffende vnd bittende als ein
vatter vnd siner vetterlichen getrúwunge fúr legende dv́ begirde kintlicher notdúrft
sprechende RvBib
39,13
MWB 2 643,26; Bearbeiterin: Czajkowski
getroc
stN.
‘Täuschung, Trugbild’, z.T. gegenständlich als
‘Götzenbild’
si [
diu vrouwe mîne
] ist mir in dem
slâfe nâhen. / solde ich sî mit armen umbevâhen / und daz minneclîch geschehe, / daz
ist allez ein getroc, / daz mich in dem slâfe triuget / und mir in dem lieben wâne
liuget Neidh
WL 36:2,7;
diu vil unrainen getroch, / diu unser vater hânt gemachot. /
swer diu in daz fiur wirfet / unt in dar ûz niene hilfet, / si muozen ze pulvere
brinnen Kchr
8160.
10772;
sô diu sêle ûz vert, / sô lît er [der Körper] sîner
kraft behert / rehte alsam ein fûler stoc / und schiuht man in als ein getroc
[Glr.z.St.: Gespenst]
LvRegFr
188.
–
‘Blendwerk, Teufelswerk’
nu sehet ir wie di haiden / petent an des tiueles
getruͦc Rol
4693;
Apollo hiez der selbe stoc / und was des tiuvels getroc StrKarl
5696;
„war umbe slehest du mich ze dem dritten mâle?”
Balaam antwurte dô: „hâst du mîn gespötte? wolte got, het ich ein swert, daz
ich dich erslüege!” daz het Balaam für ein getroc, unde het ez dâ für daz der
tievel ûz dem esel spræche BuchdKg
36,7;
si sâhin en [Jesus] ûf dem mere wandernde und sint
betrûbit und sprâchin: ‘wan iz ist ein
getrok [
fantasma
] ’ und scrîeten vor
vorchten EvBeh
Mt 14,26;
wol ir Rômære, / rechennet iweren scepfære, / lât disiu bôsiu
getroc, / petet an ainen wâren got Kchr
1878.
2404;
dar uber [Rettung der Juden aus
Ägypten] guzzet ir bôsiu getroc [das goldene
Kalb] / und bettet an diu abgot ebd.
8634;
got [...] gab iv al des iv durft was,
/ daz iv nichtes ne gebrast. / dar ubir guzzit ir die getroc / vnde bettet an die
abgot TrSilv
793.
–
âne ~
: ‘wahrhaft’
der [
wâpenroc
] was
tiure ân al getroc: / rubbîne, calcidône, / wârn dâ ze swachem lône
Parz
735,20;
tiwer ân aller slaht getroc ebd.
333,5
MWB 2 643,52; Bearbeiterin: Czajkowski
getropfezære
stM.
‘(Dach-)traufe’ (?):
conpluuium: gidropigzari Gl
3:684,56
(BStK52)
MWB 2 644,23; Bearbeiterin: Czajkowski
getrœsten, getrôsten
swV.
1 ohne Obj. ‘trösten, Zuversicht geben’
2 tr. ‘jmdn. trösten, jmdm. Zuversicht geben’
3 mit Gen.-Obj. ‘Hoffnung in etw. setzen, auf etw.
vertrauen’
4 refl. ‘Vertrauen, Hoffnung, Sicherheit gewinnen’
5 refl. mit Gen. 5.1
‘Hoffnung in etw. setzen, auf etw. vertrauen’
5.2
‘sich mit etw. abfinden, über etw. hinwegkommen’
5.3
‘verzichten’
1
ohne Obj. ‘trösten, Zuversicht geben’
daz kan kûme immer vervælen [nichts kann je
fehlschlagen] , ezn getrôste nâch diemuot DvASchr
338,23.
– subst.:
so muͦs man ouch billich ein gantz
getroͤsten tuͦn umbe daz luter guͦt das got heisset
Tauler
85,16;
sjnis richis getroste [l.
getrosten
] , / den hater gegeben sinen segen, / dar mite
den ewigen leben Glaub
782
2
tr. ‘jmdn. trösten, jmdm. Zuversicht geben’
he getrostet mig, / he gesterket mich, / din lof der is
eweclih MarldA
321;
etlîche wârheit, dar ûz und dâ von genomen wirt, daz den
menschen billîche und wol genzlîche getrœsten mac und sol in allem sînem leide
Eckh
5: 8,13;
Lanc
12,19.
– und mit präp. Erg.:
so getroste er si mit einim michilime trôste
Spec
70,18
3
mit Gen.-Obj. ‘Hoffnung in etw. setzen, auf etw.
vertrauen’
wir zwen wellen zo deser zyt / mit unssem juncheren dis landes hie /
gedroesten, wat uns dar aff gesche KarlGalie
1697
4
refl. ‘Vertrauen, Hoffnung, Sicherheit gewinnen’
wie kumet, daz ich sô menigen man / von sîner nôt geholfen hân / sît ich mich
selben niht enkan / getrœsten, mich entriege ein wân? Walth
120,37;
nu getroste dich, Marsilie Rol
7425
5
refl. mit Gen.
5.1
‘Hoffnung in etw. setzen, auf etw. vertrauen’
Porus was stark unde hêr. / des getrôster sih / unde
gelobete daz einwîch SAlex
4644;
daz schinet wol an den minnern diser welte, wie sú sich
getroͤstent alles gemaches und guͦtes und eren umbe daz sú minnent
Tauler
73,4
5.2
‘sich mit etw. abfinden, über etw. hinwegkommen’
doh môser getrôsten sih / des scaden ummâzlîch, / wander
was ein listich man SAlex
1077
5.3
‘verzichten’
waz sol ein wip mere, / swenne si wirt ane ere? / so sol
man sich ir getroͤsten StrKD
51,125;
ist der schade also groz, daz he [der Besitzer]
sich des pferdes getrosten wil [anstatt für den Schaden
aufzukommen] , so gestellit he iz vor daz dinc
[Gericht]
StRFreiberg
257,27;
si wizze wol, swenn ich mich ir getrœsten muoz, / sô hât si mich von der
werlte brâht KLD:Rub
5:2,9;
wolde wir uns getrosten / gotes und grifen zu dem bosten,
/ uns gesche das boste HeslApk
7559;
Wig
1208;
MF:Hartm
11:2,10
MWB 2 644,25; Bearbeiterin: Czajkowski
getrüebede
stF.
‘Verwirrung’
uone der getruobede der liute [interl. zu a conturbatione
hominum
]
PsWindb
30,21
MWB 2 645,5; Bearbeiterin: Czajkowski
getrüebelich
Adj.
‘traurig’ (vgl.
betrüebelich
):
des herzen schric, der ougen regen / hulfen im mit sêrde wegen / getrüebelîch
geberde AlexiusE
723
MWB 2 645,8; Bearbeiterin: Czajkowski
getrüese (?)
Subst.
übers. afrz. trousseau
‘kleines Bündel’, mnl. tros
‘Gepäck’ (s.a.
gemüese
Subst.):
an des paradises konnigrich [...]
[dem Pförtner] gehoret zu zu besehen waz ieclicher drage
da, / ee er kome bij die porte nahe. / allerhande getruesse, / groß und cleine
burden und gemuesse / vor uch muß man nider legen, / uff dun und uß den
felden [Falten] legen Pilgerf
1122
MWB 2 645,11; Bearbeiterin: Czajkowski |