gestille
stN. (?)
Bed. unklar; i.d.R. als Subst. aufgefasst, bei Roediger als Inf. (vgl. Anm.z.St.);
wohl ‘Abwesenheit von Menschen, menschenleerer Bereich’
mit deme grozen schalle [wegen des festlichen
Treibens] / virmissin sie din alle [nehmen sie Dich
alle nicht wahr] / ich gescheffe ein gestille / vor
[Hs. von
] der kuninginne
Roth
2125
(ich sorge dafür, dass sich niemand in der Nähe der Königstochter aufhalten
wird)
MWB 2 601,60; Bearbeiterin: Baumgarte
gestillunge
F.
‘Beruhigung oder Verstummen’ (FWB 6,1647: das Schweigen der
Propheten, da sie in einem größeren Nachfolger aufgehen):
Johannes ist [...] eine erfúllunge der geseczede,
eine schaczunge dez ewangelij, eine stimme der zwelfbotten, eine gestillunge der
propheten, eine lucerne der welte ElsLA
558,5
MWB 2 602,5; Bearbeiterin: Baumgarte
gestinne
stF.
auch gestîn.
‘Fremde’ (vgl.
gast
):
mir ist freude gestîn, hôhmuot gast Parz
219,22;
do dehein wart vunden / vnder gestinnen vnd chunden
[Einheimischen] , / div wol dar zuo tohte Krone
1632;
mîn herze nie vernam / [...] sô volkomene wîsheit /
[...] / die ich alhie funden hân / an einer frouwen,
diust ein gestin UvEtzWh
4277.
–
‘weiblicher Gast’
er was gast, unt si gestin Parz
525,19;
mit cleinôte manger hande / [...] / die gestinne
dannen riten UvEtzAlex
17610;
Reiher
173.
– ironisch für weibliches Ungeziefer:
mich peiz die naht vil manic gast [
die ungenanten
würme, vgl. 340,9] / und ouch für wâr manic gestîn
UvLFrd
340,13
MWB 2 602,12; Bearbeiterin: Baumgarte
gestirn
stN.
‘Stirn’
[Kaiser Julius] der was chal, vnd das peswärt in vasst,
vnd schamt sich des vnd tzoch die lökch des hares, die auf den hals gen solten, her
über des häwpt pis an das gestyrn Schachzb
68,266;
wann der mensch zornig wiͤrt / daz im nyndert ein
ader swiͤrt / also chuntleich sam im hiͤren, / im hertzen und im
gestiͤrn / erzaigt dw sel sich aller pest Teichn
323,52
MWB 2 602,26; Bearbeiterin: Baumgarte
gestirne
stN.
auch gesterne und gestirre.
1 Koll. zu stërn(e) ,
stërre
1.1
‘Menge aller Sterne’
1.2
‘Sternenkonstellation’
2 als Bezeichnung für einen einzelnen Himmelskörper ‘Stern,
Himmelskörper’
1
Koll. zu stërn(e),
stërre
1.1
‘Menge aller Sterne’
were die sunne also hoch also die sternen, si duhte vnz
alse smal alse daz gestirne Lucid
49,8;
die sunne nicht me enschinet, / daz gesterne noch der
mane, / der himel steit ir dan ane HeslApk
22301;
schone ist die tochter sin / siv luchit vz deme gedigene /
so daz gesterne tvͦt vun deme himele Roth
72;
bevilch der Witze daz sie / die roz [die
Sinne mit Ausnahme des Hörens] nit laufen laze / in der
planeten straze / [...], / daz sie iht werden irre / in
dem himel da daz gestirre / inne get zu aller zit HvNstGZ
1102;
Lilie
26,7;
als daz gestirne an dem himel unzallich ist, also sint dú
minnezeichen miner grundlosen minne ungezellet Seuse
290,17
1.2
‘Sternenkonstellation’
Aristotiles [...] lartin alle di
cundicheit, / wî der himel umbe geit, / [...] /
zerkennene daz gestirne und sînen ganc, / dâ sih di wîsen
veren [Seeleute] mite bewarint, / dâ si in dem
tiefen mere varint SAlex
224;
VAlex
194;
Flegetânîs der heiden sach, /
[...], / im gestirn mit sînen ougen / verholenbæriu
tougen Parz
454,19;
des namen las er sunder twâl / inme gestirne ebd.
454,23.
–
an dem ~ sehen:
hie vor diu heidenschaft / kunden an dem gestirne
sehen / swaz in solte geschehen Volmar
777;
Herb
831;
Tr
14243;
PrOberalt
30,18.
– auch ‘Sternzeichen’
deu zaichen gend reht und vallent
schelch [schräg] von dem gestirn des krebs als
lange, piz daz der schuͤtzze gent wirt KvMSph
43,1
2
als Bezeichnung für einen einzelnen Himmelskörper ‘Stern,
Himmelskörper’
siu was ûzen und innen / von golde als ein gestirne
UvZLanz
225;
des lebens geiste ouch ußzüt / dem menschen das gestirne
[
cometa
] heiß Mügeln
265,4;
BdN
75,6
MWB 2 602,34; Bearbeiterin: Baumgarte
gestirnede
Subst.
‘Konstellation der Sterne’
constillationis: gestirnti Gl
2:282,35
(BStK637)
MWB 2 603,5; Bearbeiter: Helmich
1gestirnet
Part.-Adj.
auch gesternet.
‘mit Sternen versehen, übersät’
die gesternete crone / mit den zwelf houbet tugenden / die
stuent uf des wol mugenden / Jhesu Cristes houbete HeslApk
16634.
– terminologisch der gestirnte himel:
der gesternt himel, den man haizt daz firmament
KvMSph
7,22;
der dritt himel haizt ze latein firmamentum,
[...]. er haizet auch der gestirnt himel
BdN
55,25
u.ö.;
hie von sol man prüeven, daz got in dem gestirntem himel und in dem
umbeloufendem himel niht anders ist denne als ein bewegr und
[...] ein brunne sîner kraft, von der der himel
enpfêhet sîne kraft unde sînen umbelouf Eckh(Pf)
214,32;
HistAE
1554.
– in Vergleichen:
anderthalp [an dem Gewand des Bischoffs] louhte ein
lekke [Saum, Borte] , / sam si wære gestirnet
Serv
555;
reht sam der tempel ist zem gral gestirnet JTit
4884,2.
– übertr.:
und hân [...] / mîner ougen vil
verslizzen / an der gezierde dar obe, / diu sô gestirnet ist mit lobe
Tr
17132
MWB 2 603,7; Bearbeiterin: Baumgarte
2gestirnet
Adj.
‘mit einer Stirn versehen’
daz volc ist wunderlich getân; / niht mêr wan ein ouge sie hân / hôch ûf gegen
dem hirne / oben an der stirne. / Cycropides sint sie genamet, / glîch gestirnet
allensamet ErnstD
3674
MWB 2 603,27; Bearbeiterin: Baumgarte
gestirnsëhære
stM.
‘Sterndeuter’
dy gesternseer dy wordin vor gevrogit, e man streyt, von Cyngius von dem ende
des strytis MarcoPolo
16,7
MWB 2 603,32; Bearbeiterin: Baumgarte
gestirre
stN.
→
gestirne
MWB 2 603,35;
gestiude
stN.
‘Busch, Strauch’
frutex, quod fronde terram tegat ‘busc’, ‘gestude’,
cuius plurale frutecta ‘spreidahi’, ‘spredehage’
SummHeinr
1:172,37
MWB 2 603,36; Bearbeiterin: Baumgarte
gestiure
stF.
‘Hilfe, Unterstützung’
de van enbynnen stoenden zo gesture / vaste vur des palas dure / weder de van
enbussen KarlGalie
1436
MWB 2 603,39; Bearbeiterin: Baumgarte
gestiurekeit
stF.
‘Beherrschtheit’ (Ggs. zu →
ungestiurekeit
lat. incontinentia
‘Zügellosigkeit’):
continencia: gestuwirkeit VocAbstr(H)
C50
MWB 2 603,42; Bearbeiterin: Baumgarte
gestöbere, gestübere
stN.
‘Aufstöbern, Aufjagen, Verfolgen’
ein gestobere sich erhub / under den gotes cristen. / swa sie
[Akk.] die ubelen [Nom.]
wisten / da tet man leides in genuc, / wan man sie vienc und sluc
[tötete]
PassIII
169,10;
sî ûf dî vîende quâmin / [...] / und machtin ein
gestubere / sî aldâ anrîtinde / und menlîch bestrîtinde NvJer
13962;
MainzFriedgII
27
MWB 2 603,45; Bearbeiterin: Baumgarte
gestopfel
Adj.
‘stoppelig’
daz wunderkint / treit grâer varwen stopfel [La. gra gevar
gestopfil
] hâr ûf kindes kinne Rumelant(R)
4:7,9
MWB 2 603,53; Bearbeiterin: Baumgarte
gestœʒe
stN.
1 Koll. zu
stôʒ
‘mehrere Stöße, mehrfaches, auch kontinuierliches
(Zusammen-)stoßen’
2
‘Zusammenstoß gegnerischer Gruppen, Kampf, Schlägerei’
3
‘Schwanzansatz’ (allg. ‘Bereich, in dem etwas an etw.
anderes angrenzt/anstößt’ (?); vgl. frnhd.: Übergangsbereich zweier Äcker, DRW 4,587, a. 1601) 4 als Bez. von etwas Nichtigem
1
Koll. zu
stôʒ
‘mehrere Stöße, mehrfaches, auch kontinuierliches
(Zusammen-)stoßen’
Wuntelgoß der kome mit einem gestoß / der sties nider siben kindt
Neidh(S)
2,228 c125:10,1;
dînr [des Metalltopfs] geselschaft ich
[der Tontopf] vil wol enbir [beide
treiben im Wasser] . / daz gestœze sî mîn oder dîn, / der schade
müest alweg wesen mîn Boner
77,29;
daz wendelmer [das die Welt umschließende
Meer] vellet an vier enden in daz abgrunde. da daz
singewege [l. sintgewæge, ‘die gewaltigen
Fluten’] danne stozet zesamine, do wirt ie uon deme gestóze
der winth [vgl. Anm. zu 41,14]
Lucid
42,1.
55,14.16.
–
‘Erbeben’ (durch Wind- oder Wellen- und Erdstöße):
do hat daz mer den sitten, so es nuͦ senfte ist vnd stille vnd die
schif darvffe mit gemache farent - über eine wile komet ein vngewitter vnd ein
gestoͤsse vnd bringet die lüte in forhte vnd in angest PrEls
74,214;
an dem zehenden dage, so fliehent die lüte uz den hülen, dar in sü sich
vor dem gestosse [Erdbeben] fürborgen hetten ebd.
3,71
2
‘Zusammenstoß gegnerischer Gruppen, Kampf, Schlägerei’
ist, daz sich ein gestoze hebit in der stat, [...],
daz sich lute slahen unde stechen mit einander StRFreiberg
217,11.
171,25;
an deme gestosze wurdent unter den von Mulnheim zwene erschlagen
ClosChr
122,8;
Bauernh
575;
hie [an dieser Stelle des Turniers]
wart ein grôz malîe [hitziges Gefecht] erkant / und ein
gestœze griuwelich KvWTurn
1063
3
‘Schwanzansatz’ (allg. ‘Bereich, in dem etwas an etw.
anderes angrenzt/anstößt’ (?); vgl. frnhd.: Übergangsbereich zweier
Äcker, DRW 4,587, a. 1601):
der drytte [Wurm, der Pferde
befällt] hebit sich by dem czagil an an dem gestoze
Albrant
3,6
4
als Bez. von etwas Nichtigem:
[Galaffers] erwarff [erwarb]
vil kurtzeliche / eyn here michelich ind grois. / doch was yd alles eyn gestois /
weder dat volck dat Bremunt / uss hadde bracht KarlGalie
2906
MWB 2 603,56; Bearbeiterin: Baumgarte
gestrac
Adv.
‘stracks, geradewegs’
nieman in daz gewelbe mag / gevarn, in ziehe denne gestrag /
uf [ihn ziehe geradewegs herauf] der sezzel guldin
WhvÖst
5128
MWB 2 604,32; Bearbeiterin: Baumgarte
gestracke
Adj.
‘gerade’ (vgl. FWB, 6,1655 s.v. gestraks, gestrak,
Besserung zu →
ûfstracke
[F. Bech in Pf. Germ. 5,240] nicht
nötig):
trait ainer den lib gestrake / man spricht ez stek ain schitt / in sinem ruken
wa er rit MinneR52(L)
86
MWB 2 604,36; Bearbeiterin: Baumgarte
gestrackes
Adv.
‘(nieder-, aus-)gestreckt’
der kriche müst ouch valles pflegen, / dem starken helden
usserwegen / kam daz hoptt ze tall. / vor sinem gesinde über all / lag der held
gestracks do GTroj
19391
MWB 2 604,41; Bearbeiterin: Baumgarte
gestrange
Adv.
‘heftig’
dir wer beßer vil der tot, / wann daz du also lange / und
also gar gestrange / dich mit leit so twingest Minneb
5024
MWB 2 604,46; Bearbeiterin: Baumgarte
gestrapel
stN.
‘Gerangel, Rauferei’ (wohl zu
strabeln
‘sich heftig bewegen, zappeln’, vgl. DWB 4,1,2,4244; anders FWB
4,1657 ‘Getümmel’ s.u. UrkBabenb ):
vnd doch hiet der hunt die natern erpizzen vnd von ir paider
gestroͤppel wart die wieg vmb gestozzen GestRom
109;
ob si auch an diser beserung den veinten chainen
[irgendeinen] schaden [...]
taeten, als in einem solhen gestropel [übers. in tali
strepitu
] von zornigen oft geschiecht UrkBabenb
2:291,26
(Übers. 14. Jh., lat. Urk. a. 1244)
MWB 2 604,49; Bearbeiterin: Baumgarte
gestreichet
Part.-Adj.
1
‘glatt gestrichen, fein gemacht’
streichen
2
‘gestreift’ (vgl.
streichëht
)
1
‘glatt gestrichen, fein gemacht’
→
streichen
2
‘gestreift’ (vgl.
streichëht
):
iuch genüeget niht, daz iu der almehtige got die wal hât verlân an den
kleidern, wellet ir brûn, wellet ir sie rôt, blâ [...]. man
muoz ez iu ze flecken zersnîden, hie daz rôte in daz wîze, dâ daz gelwe in daz
grüene; sô daz gewunden, sô daz gestreichet, sô daz gickelvêch
[buntscheckig] , sô daz witschenbrûn
[kirschrot]
PrBerth
1:396,29
(für eine Zuordnung zu 1 spricht das Antonym gewunden
nur, wenn es als Herstellungsweise und nicht als Art der Farbmischung
‘geringelt’ o.ä. aufgefasst wird)
MWB 2 604,60; Bearbeiterin: Baumgarte
gestrenge
Adj.
Adv. →
gestrange
, →
gestrenglîche
.
‘unnachgiebig, mächtig’
an ritterlichen ubungen was her gestrenge unde freidig Köditz
18,28;
her was vorsichtig unde wise, gerecht unde gestrenge an dem gerichte ebd.
9,1.
– titelähnliches, ehrendes Beiwort hochgestellter Personen:
do gedachtin di erbern gestrengin vornemin rittere
[...]an daz globde daz si getan hattin Köditz
67,10.
68,10;
hir bie synt gewest dyͤ gestrengen vnd die ersamen luͦte her
Dytmar von Buͦseleiben, her Ditmar von Wechmar, Herman von Mila
UrkCorp (WMU)
N407,30;
UrkFrauensee
100
(a. 1338)
MWB 2 605,9; Bearbeiterin: Baumgarte
gestrengicheit
stF.
‘Strenge’
und alsô ist ez ouch von dem nâchvolgenne der gestrengicheit
solcher heiligen. die wîse solt dû wol minnen und mac dir wol gevallen, der dû doch
niht endarft nâchvolgen Eckh
5: 253,1.
5:250,6;
in seyner gestrengikeit fuͤrchten in dy kunic aller mayst
[übers. frei: terribili [Dat.Sg.] apud reges
terrae
Ps 75,[13]
]
PsMb
30(Glossar)
MWB 2 605,21; Bearbeiterin: Baumgarte
gestrenglîche
Adv.
‘streng’
aber got der herre sach euch gestrenglich [laut Glr.z.St. kommt
das Adv. über den Kommentar des Nicolaus de Lyra in die mhd. Übers., Ps
117,10
]
PsMb
30(Glossar)
MWB 2 605,29; Bearbeiterin: Baumgarte |