geselligen
swV.
tr. ‘zum Gesellen machen, vereinigen’ (mit Dat.):
[er] sol niht geselliget werden
[
sociari
] den die in dem chore singent
BrAlt
43.
53.
– mit präp. Erg.:
jst daz auch ieman pfaffen [
si quis
clericorum
] mit sämlicher begird gesellegt wil werden zü
dem kloster BrAlt
60;
daz si [die Gerechtigkeit] fureint vnd geselligot
ist mit dem obrosten goͤtlichen gemvͤte vnd mit im ewig frvntschaft
het RvBib
175,24.
176,7.
– refl.:
also süllen si [die Gäste] sich
geselligen in dem fride [
socientur in pace (im
Friedenskuss)]
BrAlt
53;
wie die minnende sele sich geselleget gotte und sinen
userwelten lieben Mechth
2: Reg. 37
MWB 2 562,60; Bearbeiter: Diehl
geselligunge
stF.
‘Gesamtheit, Vereinigung’
so sol er [der fremde Mönch] niht
allein enpfangen werden zü der geselligung der sämenung
[
congregationi sociandus
]
BrAlt
61
MWB 2 563,9; Bearbeiter: Diehl
gesellinne
stF.
‘Gefährtin, Begleiterin’
er vorte ouch mit minnen / ir gesellinnen, / die wichaften
amazones Herb
14592;
sîn gesellîn diu hæt ime benomen / beidiu zwîvel unde wân
Tr
14012;
SM:Wi
1:4,7;
Vät
29321;
ich gruͤsse dich vroͮwe, liebú Maria, / das du
bist ein gesellin der heligen engelen hie und in gottes riche Mechth
7: 19,7;
des landes frowe mit ir gesellin oder dv́ kvnigin oder ir tohter och mit ir
gesellin UrkCorp (WMU)
287,5.
– Inhaberin eines bestimmten Klosteramtes (vgl. SchweizId 7,730, nur
Stagel ):
sy was fil jar gesellin ze dem fenster und so sy denn erst in den crútzgang
kam, so hat sy vergessen was sy gesechen ald gehoͤrt hat Stagel
61,21.
40,32.
62,8
MWB 2 563,13; Bearbeiter: Diehl
gesemede
stN.
‘Versammlung, Menge, Gruppe’ (vgl.
gesamene
):
in mitten dirre menige / so was groz gesemede / di hizen
leuite VMos
78,17;
alle dî dî imme rîche wâren / unde ander manige helde / dî quâmen ze dem
gesemde JJud
192.
– von Geistlichen:
clerum: gisemidi Gl
1:784,47
(BStK632);
ebd.
1:784,47
(BStK558)
MWB 2 563,27; Bearbeiter: Diehl
gesemene
stN.
→
gesamene
MWB 2 563,34;
gesende
stN.
‘Besendung, Einladung’
ein teidinch sie gelobeten; / sie gebutten ein gesende
Wernh
D 1607
MWB 2 563,35; Bearbeiter: Diehl
gesengelîn
stN.
Dimin. zu gesanc
‘kleines Lied’
der jungling vie an ein froͤlichez gesengeli von dem
kindlin Jesus, daz sprichet also: in dulci jubilo Seuse
21,18
MWB 2 563,38; Bearbeiter: Diehl
gesêr
Adj.
‘betrübt, von Schmerz erfüllt’
amaricati: giseri Gl
2:283,17
(BStK637)
MWB 2 563,42; Bearbeiter: Helmich
gesêrde
stF.
zu
sêrde
.
‘Verletzung, Schmerz’
des liezen sie en [Timotheus] ledic do / ane geserde
unde vro, / uf daz ir brudre dort irlost / wurden mit heile wol getrost Macc
10332
MWB 2 563,44; Bearbeiter: Helmich
geserwe
stN.
zu
sarwe
.
‘Rüstung’
arma: gisarewe SummHeinr
1:351,59;
er brâhte im fiunfzich tûsent helede / mit guotem geserwe
Kchr
7309.
6539;
ia lucht ir geserwe / uon schilten unt uon helmen
Rol
4492;
Amelung [...] sluog ime durch den helm
[...] daz ime daz bluot mit kreften durch daz geserwe
ran RosengC
1631;
Roth
4933;
WhvÖst
8027.
– hierher oder geswërbe (zu
swërben
) ‘Chaos, Wildnis’ (?):
do zôch er [Wolfdietrich] ab die brünne und warfs
ûf einen ron. / mit trûriclîchem muote sô schiet er dar von. /
[...] harte barmiclîche er von dem geserwe
[Hs. geswerbe
] flôch / über ronen und über
steine WolfdA
459,1
MWB 2 563,48; Bearbeiter: Helmich
gesetze
stN.
‘Gesetz, Regelung’ (vgl. 2HRG 2,294f., LexMA
4,1388ff., LThK 4,579ff., s.a.
gesetzede
)
1 auf der Autorität einer übergeordneten Instanz beruhende Verhaltensnorm;
Vereinbarung 1.1 als eine göttlich gesetzte Regel 1.1.1 allg. 1.1.2
‘Schicksal, Bestimmung’
1.2 als eine vom Menschen gesetzte Regel, i. d. R. schriftlich niedergelegtes
Recht, ‘Rechtsordnung, Statut, vertragliche Vereinbarung, Artikel einer
Rechtsordnung’
1.2.1 für eine geistliche Gemeinschaft 1.2.2 für ein Land, eine Stadt 2
‘Textabschnitt, Absatz’
1
auf der Autorität einer übergeordneten Instanz beruhende Verhaltensnorm;
Vereinbarung
1.1
als eine göttlich gesetzte Regel
1.1.1
allg.:
daz wort genzlîchen / ouch nicht dar zû gehôrt durch
nôt, / dan von gesetze und von gebot / der kristenheit JvFrst
2112;
der ê gesetze und ir recht ebd.
6306.
–
das alte ~
‘Bund im Alten Testament’
[
Moyses
] wolde fleisch han genuge
/ zu syme essen und auch blut, / da mit zu underdun das alde gesetze
Pilgerf
1352.
–
warumme ubirgên dîne jungeren di gesetze
[
traditio
] der alden
EvBeh
Mt 15,2;
EvAug
35,2.
1.1.2
‘Schicksal, Bestimmung’
dô nâhte ir werdekeit gewin: / wand ez was ir
gesetze. / dô riten se in ir letze Parz
378,27
1.2
als eine vom Menschen gesetzte Regel, i. d. R. schriftlich niedergelegtes
Recht, ‘Rechtsordnung, Statut, vertragliche Vereinbarung, Artikel einer
Rechtsordnung’
1.2.1
für eine geistliche Gemeinschaft:
wî iz ergîng, des sagen si nicht. / sô was des ordens
nâch gesetze JvFrst
1867;
sol ime fuͤrlegen div gesetz der brvder vnd die
gewonaiht des spitals SpitEich
5,14
1.2.2
für ein Land, eine Stadt:
von dir burgere gisezzi, da ein man burgeri werdi sal
Mühlh
162,15;
SpitEich
14,35.
24,6;
StRAugsb
74,9;
wiͤr Otte von gotes gnaden bischof
[...] haben gesetzt die gesetze, die hernach
geschriben sint WüP
11,7;
dise vorgenanten gesetze suͦln halten arm unde
riche in der stat zu Wirzebuͦrg ebd.
7k,2.
7a,4.
11,8;
StRAugsb
131,11.
2
‘Textabschnitt, Absatz’
dis ist das andir gesecze der vorrede Pelzb
118,20
MWB 2 563,61; Bearbeiter: Helmich
gesetzede
stFN.
‘Gesetz, Regelung’ (vgl. 2HRG 2,294f., LexMA
4,1388ff., LThK 4,579ff., s.a.
gesetze
)
1 auf der Autorität einer übergeordneten Instanz beruhende Verhaltensnorm;
Vereinbarung 1.1 als eine göttlich gesetzte Regel 1.1.1 allg. 1.1.2
‘Schicksal, Bestimmung’
1.2 als eine vom Menschen gesetzte Regel, i. d. R. schriftlich niedergelegtes
Recht, ‘Rechtsordnung, Statut, vertragliche Vereinbarung, Artikel einer
Rechtsordnung’
1.2.1 für eine geistliche Gemeinschaft 1.2.2 für ein Land, eine Stadt
1
auf der Autorität einer übergeordneten Instanz beruhende Verhaltensnorm;
Vereinbarung
1.1
als eine göttlich gesetzte Regel
1.1.1
allg.:
vnde gedenche an elliu werch diniu vnde an den geseceden
dinen [interl. zu in adinventionibus
tuis
] ich flize mich PsM
76,13;
gesecede [
propositiones
]
ebd.
77,2;
des moͤchtist du
[Maria] zelaide komen / und wider gottes
hulden / der geseczden fluͦch verschulden, / als es geschriben ist
von gotte / inher Moyses gebotte WernhMl
1484;
Seuse
243,21;
Teichn
568,106.
–
‘das Alte Testament’, ‘das Neue
Testament’
die eine das waz die alte e, das alte gesetzede;
das ander die nuwe e, das nuwe gesetzede. das alte gesetzede die
muͤstent alle menschen halten [...]
bitze daz Cristus geborn wart Tauler
395,7.
– Ordnung der Schöpfung:
in alle wis die stæte behabent des gesuntes / nach
dinere gesezzede in die tieffe allere dinge gruntes
Himmelr
5,20
1.1.2
‘Schicksal, Bestimmung’
der meister sprach: ein iegelich dinc het sine
gesezede Lucid
106,11;
ich nihabo réhte biháltin daz ambat nóh den líb
[...] noh réht êra, nóh rein herza
[...], mîn reht gisézzide, noch mîn guot
bimeinida BambGlB
147,38
1.2
als eine vom Menschen gesetzte Regel, i. d. R. schriftlich niedergelegtes
Recht, ‘Rechtsordnung, Statut, vertragliche Vereinbarung, Artikel einer
Rechtsordnung’
1.2.1
für eine geistliche Gemeinschaft:
ez ist ein heilsam gesetzede
[
consilium
] disses ordenes
StatDtOrd
42,18;
in allen disen vorgenanten
gesetzeden [
institutio
]
[...]
habe der meister des gewalt ebd.
55,32;
brûdere [...], dî dâ wider
ires ordenes gesezzede [
statutum
] sich
anderswâr berûfent ebd.
61,10;
sal man die regele unde die gesetzede
[
regula
] geschriben hân ebd.
71,14;
sô sal man die regelen lesen unde die gesetzede
[
constitutum
]
ebd.
92,12
1.2.2
für ein Land, eine Stadt:
dis sint uͥnser gesezte und unser alte gewonhait
UrkZürich
7,1
(a. 1297);
disiu gesetzed satzet der guot sanctus Silvester der pâbest unde der
künic Constantinus von Rôme SchwSp(W)
320,4;
nu wizzent ir wol die gesetzet und och gebot, die wir iuch darûber
gesetzet, gebotten und gemachet haben UrkFriedb
117
(a. 1332);
setzen in bedenthalben von unserm cheiserlichen gewalt die gesetzt,
stuck und artikel StRLauda
131.
– mit Präp.:
daz sint diu gesetzede von dem korn StRMeran
414;
daz ist daz gesetzede über das fleisch ebd.
417;
daz ist daz gesetzede umbe den wec ebd.
425
MWB 2 564,30; Bearbeiter: Helmich
gesetzedemeister
stM.
‘Verfasser von schriftlich niedergelegtem Recht,
Schriftgelehrter’
legisperitus: gesezde meister EvAlem
51(L 11,45);
scriba: gesezde meister ebd.
65(Mt 16,21)
MWB 2 565,18; Bearbeiter: Helmich
gesetzunge
stF.
vgl.
gesatzunge
.
‘Satzung, Gesetz, Festsetzung’
wol habet ir [
di pharisei vnd alle
ivden
] irrgemachet di gepot gotes. daz ir ivr
gesetzvnge [
traditionem hominum
Mc 7,8
] haltet EvAug
93,15;
ir zereizzet daz wort gotes dvrch ivr
gesetzvnge. [
traditionem vestram
Mc 7,13
] di ir gegeben habt ebd.
93,21.
[
traditiones seniorum
Mc 7,3
]
ebd.
93,2;
vnt binden vns [...], stete zv́ hebenne dv gvdinge
vnt diͤ gesezvnga, diͤ hiͤ vor geschriben sint
UrkCorp (WMU)
890,8
MWB 2 565,22; Bearbeiter: Helmich
gesëʒ
stN.
→
gesæʒe
stN.
MWB 2 565,32;
gesidele
stN.
auch gesedele.
1
‘Sitze, Sitzgelegenheiten’
2 Räumlichkeit, in der man sitzt, ‘Festsaal’
3 Ort, an dem jmd. angesiedelt ist, ‘Wohnsitz’
4
der sunne
‘Sitz der Abendsonne’
1
‘Sitze, Sitzgelegenheiten’
(s.a.
sëdel
):
her quam in einin vili kuniglîchen sal / ci wuntirlîchimi gesidele, / sô iz
mit rehti solde sîn ci himele Anno
42,3;
gerihtet wart gesidele: der künic wolde gân / ze tische mit
den gesten NibB
604,1;
si truogen an gesidele bréit únde lanc, / stüele unde tische Kudr
181,1;
ûf ein gras / wart gesidel und wîter rinc genomn, / dâ si
zem brôte solden komn Parz
803,25;
Kchr
4020.
3983;
Will
52,44.
–
‘Thron, Herrschersitz’
des sule wir alle sin gwis, / daz er uf uor zo den himelen, / zo den
heiligen gesedelen Glaub
1450;
du kerten die not uesten / widir zu des keiseres gesidele
Rol
1242;
wis gegrüezet, donerstrâle! / dû bist in dem himelsâle / Salmônes trôn,
gotes gesidel MarGr
255
2
Räumlichkeit, in der man sitzt, ‘Festsaal’
zo hove indaz gesidile / die kamerere quamin
Roth
1137
3
Ort, an dem jmd. angesiedelt ist, ‘Wohnsitz’
wilde merekatzin / und freislîch gefugele, / daz hete dâ sîn
gesidele SAlex
5832;
ze der klâren klârheit dîner immer wernden êwikeit,
[...] zuo dem immer geruowigen gesidele, zuo dem al
umbe gevridem lande DvASchr
384,4;
Kchr
8851
4
~ der sunne
‘Sitz der Abendsonne’
ich kam zu Gilest inn die heubt stat, / da die sunne ir gesidel hat
SalMor
256,2;
nechten da die sunne under iren gesiedel solte gan ebd.
679,3;
div perhtel [glänzende,
leuchtende] sunne / uertribe daz genibele / uz dem ir gesidele
Wernh
D 3848
MWB 2 565,33; Bearbeiter: Helmich
gesidele
stM.
‘Tischnachbar’
accubitor: gisedalo Gl
2:19,1
(BStK686)
MWB 2 565,62; Bearbeiter: Helmich
gesigære
stM.
‘Sieger’
Diterich Russouecz, / ein gutir jungir, wol geczogin stets, / der vndir den
gesigern / als ein horn dem einhorn / irwirbet ruom vnd gutin leunt Dalimil
60,38.
45,39.
45,53;
an vaterlicher ere gesiger [interl. zu in paterne glorie
victor
]
PsM
H 62,6.
H 65,3
MWB 2 566,1; Bearbeiter: Helmich
gesige
stM.
‘Sieg’
daz der han kræe nâch dem streit und nâch dem gesig und niht
diu henn BdN
192,26;
so behielt ie der hertzog Obreht den gesig und gewan daz romesche riche mit
gewalt des tages mit strite ClosChr
62,27.
42,16;
es ist nit swer noch engestlich so der mensche sinen strit
und sinen gesig uf got lot Tauler
405,23;
Daniel
5889
MWB 2 566,7; Bearbeiter: Helmich
gesigel
stN.
meist →
ingesigel
.
‘Siegel’
die burger gemeinlich sint ueberein komen, daz der burger gesigel nieman han
sol StRReinf
249;
dar vmbe henkent die vor genanten [...] ir gesigel an
disen brief UrkCorp (WMU)
412,20.
146,20
MWB 2 566,14; Bearbeiter: Helmich
gesigen
swV.
‘siegen, die Oberhand behalten’
1 ohne Erg. 2 mit Präp. meist ‘etw./ jmdn. besiegen, überwinden’
2.1
über (mit Akk.) 2.2
ane (mit Dat.), (s.a.
ane sigen
) 3 subst. Part.Präs. ‘Sieger’
1
ohne Erg.:
er wânte, daz er gesigin solti Spec
59,20;
untruwe nemac nicht gesigen, / diu hochmuͦt muz ie
unter geligen Rol
4885;
ob er mit swigen da gesiget Frl
13:4,3;
wie disen dingen wære, wer gesigend wer oder ungesigende JTit
4790,2.
3232,4;
Parz
335,11;
Tr
6099.
–
[er] vacht selb mit weisem sinn, / und gsigt daz
vechten als ein helt Suchenw
17,151
2
mit Präp. meist ‘etw./ jmdn. besiegen, überwinden’
2.1
über (mit Akk.):
wenne der mensche úber sich selber gesiget, also das er
pine und trost glich wiget Mechth
7: 56,7;
diemuͤtigú minne von heliger einvaltekeit gesiget
alleine úber die hoffart ebd.
3: 13,6
2.2
ane (mit Dat.), (s.a.
ane sigen
):
do gesigt er an dem helle hunde AvaLJ
161,1;
helfit uns daz wir gesigen / an den slangen urmerin
Litan
408;
mit siner charcheit gesigt der tiufel an dem menschen
PrOberalt
112,10;
vil wîbes freude an dir gesigt Parz
146,11
u.ö.;
NibB
114,2;
PrMd (J)
343,14.
– selten ‘aufgrund von etw. (jmdm.) siegen’
an disem czeichen [
das heilige cruce
an dem himele
] gesigestu Konr
10,13;
Vênus der hœhsten minne phligt, / ir wort an minnen
kraft gesigt RvEBarl
9798
3
subst. Part.Präs. ‘Sieger’
dô sprach der unde ligende / "bistu nu der gesigende?"
Parz
539,10.
– subst. Inf. ‘Sieg, Siegen’
manc ritter zuo dem strîte gâht / ân sin und ân fürsetzen, / wie der strît
müge geletzen. / dem volgt gesigen selten mit HvBer
10438;
doch blibin sî dâ ligin / ûf kumftic gesigin / dî nacht unde hattin rû
NvJer
16688;
WhvÖst
3742
MWB 2 566,19; Bearbeiter: Helmich
gesigenen
swV.
refl.
‘sich einer Sache bemächtigen, etw. in Verwahrung nehmen’ (mit
Gen.d.S.) (vgl. SchweizId, 7,507):
uf dis richtunge hant mir die burger von Berne lidig und lêr verlassen allez
min guͦt [...] des si sich gesigent hatten und nu in
ir gewalt hatten UrkBern
5,155
(a. 1320).
5,95
(a. 1318);
swer aber in der stat an êlich liberben sturbe, da sol sich der schultheiz und
der rat dez guͦtes, so der lat, gesigennenn und ez behalten iar und
tag [
omnia bona debent in sua custodia diem et annum
indempne conservare
]
StRBern
1:22,2
MWB 2 566,51; Bearbeiter: Helmich
gesihene
stN.
1
‘Sehen, Sehkraft’
2
‘Blick’ oder ‘Anblick’
1
‘Sehen, Sehkraft’
sanct Maurîcîus die tievel vertrîbet, / den plinden er
verlîhet / ir gesihen wol widere Kchr
6490.
2651;
swenne deme menschen dehein siehtuom wirret in dem houbet,
daz merch bî disen ceichen. im sint die oberen brâ swær und tunchelt imz gesihen
Barth
156,18;
blinden gesihene widergeben wirt [interl. zu cecis visus
redditur
]
PsM
H 89,6;
Rol
6427;
PrRoth
40
2
‘Blick’ oder ‘Anblick’
diu bein wâren im [Hagen] lanc /
und eislîch sîn gesihene NibB
1734,4
MWB 2 566,62; Bearbeiter: Helmich
gesiht
stFN.
1
‘Sehen’ (s.a.
gesiune
) 1.1
‘Sehvermögen’
1.2
‘Blick, Blicken’
1.3 in Verbindung mit Präp. zuo : ‘vor Augen’
2
‘Erscheinung’
3
‘Aussehen, Gesicht’
1
‘Sehen’ (s.a.
gesiune
)
1.1
‘Sehvermögen’
hastu aber bosez gesichte von der vuchte
[Feuchtigkeit] di sich gesamenet hat in den ougen
SalArz
39,13;
der tille [Dill] stetecliche
getrunken crenket daz gesichte Macer
59,9;
daz gesicht, daz in den augen sitzet, gibt uns ze erkennen
mêr ding denn kain ander auzwendich sin BdN
9,12.
9,31;
wie wislich sich gebern / die glest in des gesichtes
kern [in den Augen]
Mügeln
290,2.
139,7;
Lucid
150,2.
151,12
1.2
‘Blick, Blicken’
an den grâl was er ze sehen blint, / ê der touf het in
bedecket: / sît wart im vor enblecket / der grâl mit gesihte Parz
818,23;
des strußes ouge heckt / des lebens geist sin blick
erweckt [...] wie scharf was sin gesicht /
[...] da got sin kint in solcher
schicht [durch einen Blick wie der Vogelstrauß] /
ließ decken ires [Marias] herzen blat
Mügeln
190,5.
–
wan daz uns der regenpog schein, daz zuo gehœrnt diu
dreu: diu sunn ain seit, daz geschickt riseln ander seit und daz gesiht
[Blickwinkel] ze mitlist BdN
100,13
1.3
in Verbindung mit Präp. zuo: ‘vor Augen’
do gieng er siner rihte zer aller gesihte
AvaLJ
23,5;
si chômen al gerihte / zû des chuniges gesihte
VAlex
658.
486;
kvmest dv aber fvr gerichte / zv Ysengrines gesichte
ReinFu
K,1808.
–
si dienent niwan ze gesichte Erinn
208;
des habe wir zvͦ einem ewigem vrchvnde vnde ander, di ze
gegenwuͦrt vnde ze gesihte waren, dise hantveste
[...] gegeben UrkCorp (WMU)
597,30;
swer vor gericht bechlagt wirt und ist er da nicht ze gesichte
[anwesend]
DRW
4,538
(SchwspVar.; a. 1300).
–
ez wer Symon der verloren. / der wider da ze gesicht
lag [zur Schau liegen] : / sich selb er pergens
pflag Märt
10971.
–
‘unter Aufsicht, in Obhut’
da vunden si den gotesun. / ze des wibes gesihte
befulhen AvaLJ
112,2;
swer aus den padstuben icht stilt gwant [...]
und hât jener daz gewant der gwanthuetterinne enpholhen zu irer gesicht
RbRupr
102.
– phras. ‘von Angesicht zu Angesicht’
hei, welhe fróde di hant, die den vater vnde den sun
vnde den heiligen geist sehent uon gesihte zuͦ gesihte!
Lucid
158,26
2
‘Erscheinung’
–
‘Trugbild’
ein gruwelich gesiht der tiuele vnde der drachen
Lucid
128,13;
vertreibt diu schedleichen gesiht in dem slâf
BdN
449,7;
HvHürnh
52,10.
–
‘Offenbarung, Vision’ (vgl.
gotesgesiht
):
der gebreste menslicher vnvollebrahtekeit der erkennet
sich niender bas denne in deme liehte gottes erkantnvste vnde in deme spiegil
siner gesihte DvAStaff
590;
da bi sol man merken, wie wunneclich ist gottis volle
gesiht ebd.
425;
das machet das gesicht bekant / Ezechielis jüdischer
schar Mügeln
95,3
3
‘Aussehen, Gesicht’
díu uuât den lîchamen zîeret in ménnisken gesíhte
Will
66,13;
die stimme gelster vnde lut [...] ir
gesichte licht vnde clar, / roter mvnt, wizze zane Herb
3256;
ir gesihte: / daz was sô rehte minneclîch, / sô süeze und
alsô senerîch Tr
16506.
12348;
wiser man, gelart, / das du in erkennest von gesichte
Mügeln
329,4
MWB 2 567,8; Bearbeiter: Helmich
gesihtic
Adj.
1 mit den Augen wahrnehmbar, ‘sichtbar, erkennbar’
2 zur inneren Schau befähigt, ‘innerlich schauend,
offenbar’
1
mit den Augen wahrnehmbar, ‘sichtbar, erkennbar’
der gesihtig hýmel, den wir erkennent an siner herschefte: an der sunnen, bi
dem mâne und an den sternen PrGeorg
131,1;
ich [Partonopier] si
[Meliur] gemache / den ougen mîn gesihtic
KvWPart
7751;
swenne uns daz alter die gesiht / betimbert al ze sere, / daz wir die edelen
schrift niht / wol gesehen mügen mere, / so sint unser kere / zuo z’einem
liehten spiegel [Brille] klar, / der uns die schrift
erliuhten kan / unt wol gesihtik machen AMeissn(H)
2;
322,32;
HeslApk
3137.
– subst.:
da von sprichet st. Gregori
[...], daz »in diser welt dem gesihtigen nihtes
niht bereit mag werden denne übermitz [vermittels] die
unsihtegen creature« [
in hoc mundo visibili nihil nisi per
creaturam invisibilem disponi potest
]
ThvASu
220,24.
2
zur inneren Schau befähigt, ‘innerlich schauend,
offenbar’
dicz contempliren [...] swendet sunde und vertreibet
untugent, es mahet uns gesichtich MvHeilFr
48;
wie man diz gesihtic gemüete besitzen sol? daz ist an einer stêten înbildunge
des menschen in im selber Eckh(Pf)
251,27;
daz dritte ist ein gesihtic gemüete. hier inne hât diu sêle got. waz
beschouwet diu sêle, sô si got beschouwet? ebd.
252,12
MWB 2 568,5; Bearbeiter: Helmich |