g – gâchlîchen gâchmuot – gagen gagen – galander galanderisch – 1galle 2galle – galter galtnüsse – gamerot gamîe – gancheil ganclîche – ganteren ganz – gärmic garn – gartenhuon gartenhûs – 3garwe garwwurz – gastmeisterin gastnusse – gaʒʒenspringer ge- – gebæric gëbærin – gëbendic gebenedîunge – gebietære gebietærin – gebiurischlich gebiurlich – geböume gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten gebrëstelîn – gebrûchic gebrûchlich – gebunt gebunt – geburst geburt – gedâht gedâht – gedense gederbe – gedinge gedinge – gedrange gedrâte – gedünste gedurchtriben – gegate gegatrom – gegenkouf gegenlëder – gegensetzunge gegensidele – gegenwertes gegenwertic – gegihte gegiric – gehaʒʒic gêhe – gehëlfe gehëlfelîche – gehilfe gehilfic – gehœric gehœrlich – gehügenisse gehugesam – geifer geifervrâʒ – geiselrieme geiselruote – geisticlich geistîn – geiʒhorn geiʒhût – gejeitschuoch gejeitvogele – gekünne gël – gelegede gelegelich – gelende 1gelende – gêlîche gelîcheit – gelîchmëʒʒunge gelîchnisgëbende – gelide gelidemâʒe – gêlingen gelîp – gëlm gëlmen – geloup geloup – gëlte gëltel – gelückede gelückederat – gelüstelîn gelustic – gemahel gemahelbettelîn – gemæʒicheit gemæʒiclich – 2gemeine 1gemeinen – gemeinsin gemeinunge – gemerrede gemêrsal – 2gemüete, gemuote gemüetic – gemutzet gemʒe – genâdenschüʒʒel genâdensol – genæmicheit genamʒôn – genemede genende – genëserinne genetzen – genieʒen genieʒlich (?) – genôʒen genôʒgeselle – gensîn gensischen – genuhtlîchen genuhtrîch – genuʒ genuʒt – gephrange gephünde – 1gerat 2gerat – gerëhen gerëht – gereisic gereitære – gerieme geriemen – gerihticlîche gerihtinsigel – geriune 1geriusche – gerouche geröufe – gerte gerte – gerûmiclich gerummel, gerumpel – gêrvalke gerwære – gesaten gesatznissede – gescheftbrief geschefte – geschepfnisse geschepfunge – geschiuwede geschoc – geschrihte geschrîp – gesëhen gesëhenheit – geselliclîcheit gesëhenheit stF. geseil stN. geseinst Part.-Adj. geselbe stN. geselbede stFN. gesêlen swV. gesêlgeræte stN. gesêliget Part.-Adj. 1geselle swF. geselle swM. 2geselle swF. gesellelôs Adj. gesellen swV. gesellenen (?) swV. gesellenhûs stN. gesellenschaft stF. gesellenwîse (?) Adv. geselleschaft stF. geselleschaftswern stN. geselleslich Adj. gesellic Adj. gesellich Adj., Adv. gesellicheit stF. geselliclich Adj., Adv. geselliclîcheit stF. geselligen – gesihtic gesihticlich – gesite gesiten – geslihte geslinge – gesnæren gesnarren – gespenstnisse gesper (?) – gespræchelich gespræchetac – gespunst gespür – gestelle gestellet – gestifte gestille – gestrenglîche gestrenze – ge|stunge gestungede – gesuoch gesuochære – geswerme geswërte – gesworn gesworne – getelle getelôs – getougen getougen – getreigeret getrenke – getrüese (?) getrügede – getwædicheit getwædigen – gëtzen getzsal – gevalte gevanclich – gevëderen, gevëdern gevêhe – geverte|lehe gevertinne (?) – gevlester gevlitter – gevrier gevrist – gevülle gevuoc – gewahsenheit gewahst – gewaltroubunge gewaltsame – gewar gewar – gewe gewëbe – gewellen geweltigen – gewërben gewërbic – gewern gewërn – gewiere gewieret – gewinnen gewinnic – gewist gewiste – gewonunge geworden – gewzen (?) gezagel – gezëmelich gezemen – gezît gezîte – gezoc gezogen – gezwîen gezwîge – giefen giege – gifticheit gifticlich – giht gihtboum – gimbîʒen gimme – gippengappen gippentuoch – giric giricheit – gischen gîse – gîtigære gîtige – 1glan 2glan – glas(e)väʒʒelîn glas(e)vënster – gleimel gleimelîn – gleten glêtphenninc – glipfen glise – glocke glockehûs – glôriôs glôriôslich – gluothaven gluothert – goder goedertieren – golf gollen – goltgesmîde goltgesteine – goltreit goltrîch – golttropfe goltvar – gos (?) got – gotesarm gotesbeckære – gotesmordærinne gotesphenninc – gotgeformet gotgelâʒen – gotmeinunge gotmensche – gouch gouch – goukelære goukelbilde – goukelspil goukelsprütze – göumütte, -mutte göu|phâwe – grabe grabe – grâf- graft – gramerʒîe gramerʒîen – gransprunge gransprunge – gras(e)phenninc gras(e)spier – grâvenrëht grâveschaft – grebinc grebnisse – gremiclich grempære – griekech grien – griffel griffelære – grimmetât grimmic – grisegrammen grîseleht – griuslich griuwe – groppe gros – grôʒmüetic grôʒmuoticheit – grüenheit grüenlich – grunderëbe gründic – gruntübele gruntvestære – gruon- gruon- – grütschîn grutte – 1gücken 2gücken – güfticheit güfticlich – gûlen gülle – gumpenîe gunderam – guotdunken guotdunkende – guotswender guottât – gürtelgewant gürtellîn – gymnosophiste
|
gesëhenheit
stF.
‘Sichtbarkeit,Wahrnehmbarkeit’
natûrlîch vorstentnisse volgit natûrlîchen kunsten
[...] und offent sich gerne in gesehenheit der lûte;
[...]. aber ubernatûrlîche vorstentnisse heldit sich zu
ubernatûrlîchen dingen und birget sich vor den lûten HvFritzlHl
228,6
MWB 2 552,35; Bearbeiter: Diehl
geseil
stN.
‘Seil, Richtschnur’
aver vrag und urtail / daz duncht dich ein recht gesayl
Teichn
428,92
MWB 2 552,41; Bearbeiter: Diehl
geseinst
Part.-Adj.
→
gesëgenst
MWB 2 552,43;
geselbe
stN.
‘Salbe’
ziuch mich nâch dir. sô loͮfin wir in den stanch dînes
geselbes. dû Crist pist der dâ uolleclîche gesalbet ist uon deme heiligin geiste
TrudHL
17,13;
nach deme stanche diner geselbe. so loufen wir
JPhys
2,45;
dvo chamin die heiligin vrovwe mit ir bimiton [d.i.
pigmënte, Spezereien] vnde mit ir giselbe vnde
wolton unsirs herrin lichamin salbon PrZürich
12,56;
in hiez nah der warheit sage / Josep aromatieren / und
condimentieren / mit edelm geselbe wol, / das was edels smackes vol
RvEWchr
8330.
–
wir wellen iv biwæren, daz daz heilige unt daz reine gibet ein gisælbe ist der
sele PrHoff
98,19
MWB 2 552,44; Bearbeiter: Diehl
geselbede
stFN.
‘Salbe’
nach dem stanche diner gesalbede louffen wir dir nach allenthalben
MillPhys
24,2;
nach dem geselbede siner gebote ebd.
25,3
MWB 2 552,57; Bearbeiter: Diehl
gesêlen
swV.
‘eine Seele verleihen’
zwô geburt sint an den lûten: / in der mûter ein sich birt, /
daz wûcher [Kind] dâ gesêlet wirt, / ein ander dar ûz in
di welt JvFrst
2660.
– Part.-Adj. ‘beseelt’
alliu fäuhten wehst wenn der môn wehst, si sei an gesêlten
dingen oder an ungesêlten dingen BdN
65,31;
er [der Blitz] tœd ander gesellteu
dinch wenn er si trift, ez sei paum oder tier ebd.
94,4;
nu sprich ich megenbergær, daz die wundermenschen
[
die ze latein monstruosi haizent
(486,4)] zwaierlai sint: etleich sint gesêlet und etleich niht
ebd.
486,19
u.ö.
MWB 2 552,61; Bearbeiter: Diehl
gesêlgeræte
stN.
s.a.
sêlgeræte
.
‘Güterübertragung an eine Kirche gegen das Versprechen ständiger Fürbitte
im Gebet’ (vgl. LexMA 7,1680):
an dem guete, daz her Burchart von Gingen der ritter den herrun von Kaishain
zem geselraete hat gegeben UrkWürtt
9,26
(a. 1289)
MWB 2 553,9; Bearbeiter: Diehl
gesêliget
Part.-Adj.
‘beseelt’
in einer andern wis so werdent die geselichten
[
animata
] ding fürbraht, unde in einer
andern wis die ungeselichten [
inanimata
]
ThvASu
258,8
MWB 2 553,15; Bearbeiter: Diehl
1geselle
swF.
‘Gefährtin, Begleiterin’
er [Adam] wolt die sculde wellen ûf
sîne gesellen [Eva] , / er wânt sô inbrâste der sculde
râche Gen
394
MWB 2 553,19; Bearbeiter: Diehl
geselle
swM.
auch gesille (
Brun
A 4,25
).
1 meist unter Gleichberechtigten (oft in der Anrede), ‘Gefährte,
Begleiter’ (auch als Teil des ritterlich/ adeligen
Gefolges) 1.1 allg. 1.2 näher bestimmt durch den Kontext 1.2.1 bezogen auf Mitglieder der Tafelrunde 1.2.2 in Freundschaftsverhältnissen 1.2.3
‘Begleiter’ auf Reisen (vgl. z.B.
reisegeselle
,
wëcgeselle
) 1.2.4 im Kampf ‘Kampfgenosse’ (vgl. z.B.
kampfgeselle
,
schiltgeselle
,
wîcgeselle
) 1.2.5 bezogen auf Liebespartner ‘Geliebter’ (vgl. z.B.
minnegeselle
,
slâfgeselle
,
trûtgeselle
swF., swM. ) 1.2.6 in Rechtszusammenhängen 1.2.6.1 in einem Gremium, z.B. Fürstenkollegium, städt. Rat (vgl.
râtgeselle
) 1.2.6.2
‘Teilhaber’
1.2.6.3
‘Komplize, Mittäter’
1.2.7 Tiere als Begleiter des Menschen 1.3 verhüllend für ‘Penis’
1.4 pejorativ, ironisch 1.5 bezogen auf das Miteinander von Tieren, Pflanzen etc. 1.6 bildl. 2 selten in deutlich hierarchischem Bezug ( geselle als Begriff des
Handwerks setzt sich erst später durch, vgl. 2 HRG 2,282-286) 3 sprichw. (vgl. TPMA 4,413-426)
1
meist unter Gleichberechtigten (oft in der Anrede), ‘Gefährte,
Begleiter’ (auch als Teil des ritterlich/ adeligen
Gefolges)
1.1
allg.:
dîe síh ána zúcchent. daz sîe dîna geséllen sîn. unte sínt
ábo dîna uîende Will
13,11;
die triwe hat vil groze kraft / under ungesippen gesellen
Rennew
13695;
mvest dv dich niht avch derbarmen dines gesellen
[
conservi tui
] als ich avch dins
derbarmick bin EvAug
44,10;
die ime gerne wâren undertân, / die wolde er doch ze gesellen hân
StrDan
65;
her Remus da, / der kvnic von Sytenenia. / sine gesellen
waren wol gezogen, / siben grafen, vier herzogen, / manic ritter milde
Herb
4007;
jung und alt sin nút verdros / und hettent bi im
froͤde gros. / dar umb hett es gesellen vil / nach loͮffende mit
kindes spil WernhMl
4669;
sus si Tristan geleitet / ze hove
[...], / mit allem sînem dinge / sînen gesellen
ebengelîch, / ebenziere und ebenrîch Tr
4989.
–
únser herre wil alle únser arbait mit úns tragen und wil des rainnen
mentschen geselle sin in allen sinen arbaiten PrGeorg
26,11.
61,5.
211,32;
‘wol dan, gotes
gesellen [Kreuzritter] !’ / sprach von
Tolus der byshof Rennew
13946;
ich truwe des taufes gesellen [bezogen
auf christl. Kämpfer] , / sie helfen mir daz paradys /
ervehten ebd.
13746.
–
[Gott sagt] var hin, Luzifer, in dei helle / mit
allen dînen geselle PassSpW
33;
[Luzifer ruft] wol her gesellen / alle aus der
helle ebd.
36.
–
darumb wil ich mit uch geselle sin an der suchung
Lanc
576,32.
589,26.
– in Absetzung von anderen Bindungsverhältnissen:
wanu liebe gesellen, / wanu frunt unt mage?
Rol
3184;
Parz
680,19;
UvZLanz
6313;
geselle und geswistergit, dis roten fruht hat dir din
frúnt und din himelscher herr gesendet Seuse
31,33;
sie waren alle verzaget, / sine gesellen vnde sine
geuerten Herb
12491;
sîn geselle Riwalîn / âne ander ingesinde sîn
Tr
657;
gespilen unde gesellen ebd.
16431;
im was manic ritter komen, /
muotwillære [Freiwillige] und gesellen
UvZLanz
2829;
ich pin für ungevelle / iwer geleite und iwer
geselle, / für ungelückes schûr ein dach / bin ich iu senfteclîch gemach
Parz
371,6;
ir wart myn gut geselle und myn
meister [Lehrer]
Lanc
175,15.
481,20
1.2
näher bestimmt durch den Kontext
1.2.1
bezogen auf Mitglieder der Tafelrunde:
dar kâmen vünf vürsten rîch, / gesellen der
tavelrunder Wig
11412;
ir herren, die gesellen heißent von der tafelrunde
Lanc
496,25.
543,18
u.ö.
1.2.2
in Freundschaftsverhältnissen:
wir werden noch guͦte gesellen. / mit
umbeslozzenen armen / si chusten ein ander Rol
2218;
do klaugete Achilles / Patrocun
[Hs.] sinen gesellen Herb
6075;
in welher wîse der mensche mac nemen, als im gebürt,
zarte spîse und hôhiu kleit und vrœlîche gesellen, als im die anehangent
nâch gewonheit der natûre Eckh
5: 255,5
1.2.3
‘Begleiter’ auf Reisen (vgl. z.B.
reisegeselle
,
wëcgeselle
):
sîme wekvertigen gesellen unde sîme wirte, dâ he gerherberget ist,
unde sîme gaste [...], deme sal der man helfen
SSp(W)
3:78,7;
gwinet mir gesellen, / die mit mir faren wollen
Herb
2221;
Parz
721,9;
welch man durch aventür in fremde lande stafft, / der
prüfe den gesellen und geselleschaft / uf spil, uf langen wegen, in engem
huse Mügeln
64,2.
–
bistû sô tump, geselle, / daz du wænest, daz ich
welle / mit dir gân in den tôt? RvEBarl
4877
1.2.4
im Kampf ‘Kampfgenosse’ (vgl. z.B.
kampfgeselle
,
schiltgeselle
,
wîcgeselle
):
do erhalte sich der biscof: / uf spranger inoch /
zehelue sime gesellen Rol
6671;
Hagen unde Gelpfrât ein ander liefen an. / des hulfen
ir gesellen, daz in wart strîten kunt getân NibB
1611,4;
in selben und sîne gesellen / die sîne
schilde [Schilde mit seinem Wappen] truogen, /
diene kunde niht genuogen, / swaz si der heiden valten Wh
406,2;
Rîâl, der künic von Jeraphîn, / er und die gesellen
sîn / punierten under der vînde schar Wig
11086
1.2.5
bezogen auf Liebespartner ‘Geliebter’ (vgl. z.B.
minnegeselle
,
slâfgeselle
,
trûtgeselle
swF., swM. ):
vrowe, [...] diu zwei wort
[...] / friunt und geselle, diu sint dîn, / sô
sî vriundinne unde vrowe mîn [des Minners]
Walth
63,30;
got willekomen, herre, / mîn friunt, geselle, lieber
man KLD:UvL
36: 1,2;
KvWLd
15,39;
Tr
14621;
sus vuorte si mit minnen / ir gesellen an guot
gemach, / dâ im allez guot geschach Wig
5244;
si wurden gesellen, / als in diu minne geriet
UvZLanz
4672.
– auch bezogen auf den Ehepartner ‘Gatte,
Ehefrau’ (vgl.
êgeselle
):
swâ man unde wîp, / habent guot unde lîp, /
schœne sinne unde jugent, / [...] / werdent diu
gesellen / diu kunnen unde wellen / ein ander behalten Iw
8143;
ze hern Îwein sprach sî dô / ‘geselle unde
herre, / ich gnâde dir vil verre / unsers werden gastes ebd.
2665.
2339;
einen mantel truoc
si [Japhite] zobelîn, / bedaht mit einem
pfelle, / den hêt ir ir geselle [Roaz] /
verre brâht über sê Wig
7433.
– auf Frauen bezogen (vgl.
geselle1
swF.):
er wolte di sculde wellen / an Even sinen gesellen
VMos
8,25;
der sande dô zetal / nâch des kuniges gesellen:
/ sîner swester gellen [Nebenbuhlerin] , / die
hiez er füern von dan Ottok
74485;
er hiez einen hafen pringen / und darin pley
gewinnenn / und das darin wellenn, / und hiez den gottes
gesellenn [die Hl. Juliana] / in dye walle
des pleyes seczenn Märt
3148;
kum, fraw zart, kum, fraw, kum,
[...] oder schatz von mynem hertzen /
[...] lose mich von der marter! / ey truter
geselle zarter, / [...] bis gein mir
barmhertzig! Minneb
2618;
Parz
44,16;
Wig
7706
1.2.6
in Rechtszusammenhängen
1.2.6.1
in einem Gremium, z.B. Fürstenkollegium, städt. Rat (vgl.
râtgeselle
):
siben vürsten berieten sich mit den andern herren; si sprachen
alle, si wolten in’s gewern, also daz si daz riche mit einander
heten unde gesellen dar ane wæren BuchdKg(M)
190,32;
mich habent flîziclich / die fursten her geladen
[...] / zeinem tac, den die gesellen /
durch des rîches nôt haben wellen Ottok
70908;
SchwSp
63b;
vnde wir [...] gin des, dat wir ratlude
warin vnde eyndreichtich wordin bit vnseme obirmanne
[...] duͦsir beschribenin
muͦtsuͦnin [...] vnde hain vnse
jngesigille [...] an dusen brief gehangin
[...] jch Ernest vnde Thomas, wan wir
jngesigille nit enhain, so lazin wir vns genuͦgin bit vnsir
gesellin jngesigille UrkCorp (WMU)
N282,13
1.2.6.2
‘Teilhaber’
das wir haben erloͮbit Burchart dem Tvrner, Heinrich
Wolleben, [...] vnd allen iren gesellen ze den
silberbergen ze Sukendal [...], das si einen
graben mit wasser ze den selben bergen vuͤren UrkCorp (WMU)
658,24;
sucht euch einen andern gesellen / der mit euch kunne bestellen /
und mit euch in die grube varn ErzIII
56,485;
PrBerth
1:216,23;
ein iglich vischer der marcht reht hat. gibt zu sent Merteins
messe ein schilling pfenning. hat er ein gesellen der gemein mit im hat,
der gibt als vil RbHohenlohe
30;
StRAugsb
222,26;
UrkCorp (WMU)
1169,3
1.2.6.3
‘Komplize, Mittäter’
sprichet aber er, er si sin geselle dran [beim
Diebstahl] , vnd er hieze in ez stelen SchwSp
105a;
gesellen drey / chomen gegangen an ein stat / da
sew phlagen missetat Teichn
321,56.
686,64;
wenn daz unkrût übergât / daz guote, wenn der bœse hât / gesellen:
des muoz schaden hân / beide vrouwen unde man Boner
10,37;
PrNvStr
273,34
1.2.7
Tiere als Begleiter des Menschen:
lewe, mîn geselle, stant an den rucken mîn: / ich wil unz an mîn ende
dîn nôtgeselle sîn WolfdB
723,3;
gar michel unde kreftic was / der selbe wunneclîche hunt. /
[...] / sus wart er mîn geselle / und ich
zehant der sîne dâ KvWPart
17878.
–
Trieg [der allegorische Hund] ist ein
valsch geselle / und kan sich doch erzeigen / als ob er helfen welle /
geselliclîche und dienen gar für eigen Hadam
450,1;
MinneR505
352
1.3
verhüllend für ‘Penis’
dô sich nu diu minne niht lenger mohte verheln, / do begund sich sîn
geselle vil bald her für steln WolfdB
87,4;
ich greif an ir hendelîn, / ouf riht sich der eilfte vinger mîn: / ich
fuͤrte sie in mîn zelle, / ich sprach, iz wêre mîn geselle PassSpW
228
1.4
pejorativ, ironisch:
swer vaste nu getrinken mac / die langen naht biz an den tac / und dem der
lîp wirt nimmer wan, / der ist ze der werlde ein frumer man / und heizet ein
guot geselle Renner
10307;
daz man arm lauͤt da speiz, / schuller, phaffen,
ander gesellen, / alle dw ez nemen wellen Teichn
171,5
1.5
bezogen auf das Miteinander von Tieren, Pflanzen etc.:
diͤ viol muͦz sin der liljen geselle, / dat
si der stolzheit wint niͤt’n velle MarlbRh
127,39;
die zugochsen habent ain grôz sänftikait zuo irn gesellen
BdN
159,26;
nieman kan des sumers wunne volzellen. / schœn sint sîn
gisellen, / vîol, rôsen, bluomen, klê, / boume bluot, loup, gras
SM:Had
29: 1,8
1.6
bildl.:
des rôten rîters ellen / næm den prîs zeime gesellen
Parz
278,26;
sîn manheit hete grôzen zorn / ze gesellen vür hôhen muot
erkorn Wh
317,20;
zucht, tugent, trew und wârhait sint auz der welt gevarn
und habent vier swær gesellen hinter in gelâzen: unzucht, untugent, untrew und
valschait BdN
319,24;
die wile ein man in des gelückes spiegel sehe, / ich rate, er spehe, / wie
sich darin gestelle / siner sicht geselle [sein
Spiegelbild]
Frl
5:89,4.
– in Genitivkonstruktion:
si heten sich selben uertailet, / alle di der
untriwen geselle waren Rol
8997;
durch dine vröude bidden ich dich: / gesel diner
vröuden mache mich! MarlbRh
40,18.
–
swer nu des hasen geselle sî [sich wie
der Hase aufführt] / und ûf der wortheide / hôchsprünge
und wîtweide / mit bickelworten welle sîn Tr
4638
2
selten in deutlich hierarchischem Bezug (geselle als Begriff des
Handwerks setzt sich erst später durch, vgl. 2HRG 2,282-286):
Remus [...] waz ain armer
dienstman. / Remulus in ze gesellen nan. / er ward im under tenig genüg
GTroj
24952.
– meist ‘Hilfsgeistlicher, Gefährte eines
Geistlichen’
vnd sint des gezv́ge [...] her Herman, her
Chvͦnrat von Brugge, des tegans gesellen UrkCorp (WMU)
1180,27;
vnd swer dizen briefe leze, der pharrer ald sin geselle, das der bitte min
ebd.
N678,22;
her Henrich eyn prior zu dem male zu Keppil unde her Reynhart sin geselle
UrkSiegen
92
(a. 1319);
alle die pfaffen und ir gesellen, di zu demselben gotshaus gehörent, si
sein wertleich [l. werltl
] oder gaistlich
UrkEnns
6,240
(a. 1337)
3
sprichw. (vgl. TPMA 4,413-426):
wir haben gehœret lange wol, daz man den man bî sînem gesellen dicke erkennen
sol RvZw
183,2;
des gesellen ger ich nicht, / der vâret, ober mich strûchen siht, / daz er
mich nider drucke / und niemer ûf gezucke Freid
64,8;
nû wizzet, daz gesellen drî / vor hazze niemer werdent frî ebd.
63,22;
wizzet daz gesellen drî / von hazze nimmer werden frî Renner
14543;
swer den man erkennen welle, / der werde sîn geselle Freid
64,4;
du hâst doch vil gehoeret, / daz man von boesen gsellen dicke sieche
Hadam
279,6
MWB 2 553,22; Bearbeiter: Diehl
2geselle
swF.
‘Gesellschaft’
got selve namen sy [die Fliehenden] in ir geselle /
ind leissen sich up die capelle, / van der capellen zo der linden neder
HagenChr(G)
1863
MWB 2 556,46; Bearbeiter: Diehl
gesellelôs
Adj.
‘allein, ohne Gefährten’
nû diuhte mich diu genendekeit / lobelîch unde grôz, / daz er âne wâfen blôz /
und gesellelôs ze velde kam Er
2506
MWB 2 556,50; Bearbeiter: Diehl
gesellen
swV.
‘jmdn. zum gesellen machen; jmdn. mit jmdm./etw. verbinden,
zusammentun’
1 tr. 1.1 ohne Erg. 1.2 mit Erg. 1.2.1 mit Dat. ‘jmdm. beigeben, verbinden. hinzufügen’
1.2.2 mit präp. Erg. zuo 2 refl. ‘sich zusammentun, verbinden (mit jmdm./etw.)’
2.1 ohne Erg. 2.2 mit Erg. 2.2.1 mit Dat. 2.2.2 mit präp. Erg. zuo 3 mit Dat. 4 Part.-Adj. ‘zusammen, in Gesellschaft’
1
tr.
1.1
ohne Erg.:
wiltu in zorne biegen / dich und niht sin gesellet, / so
wiße fur war: daz vellet / min freuden gewelb gar der nider
Minneb
2483;
minne ez [das Wild] minnneclîcher vil gesellet
Hadam
33,4;
offt ein man ein weib
gesellet [heiratet] / die da nieman wol gevellet
Teichn
112,97;
nu geselle wir deu
zwai [Gradwerte] , so machent si vil nach aht und
virzig grad; und benem wir die zal neunzig graden, so beleibent zwen und virzig
grad KvMSph
32,3.
– mit Ersparung des Obj.:
gelük ist manigem rich, / manigem ist ez arm /
[...] / ez gesellet vnd vellet, / ez endet vnd
saumet Krone
6061
1.2
mit Erg.
1.2.1
mit Dat. ‘jmdm. beigeben, verbinden. hinzufügen’
swen dû dir gesellest, / dem biutez sô mit guote, /
mit geselleclîchem muote, / daz er dîn dienest
[Vasall] gerne sî Tr
5136;
wir suln in iuwer gebot / beidiu lîp unde leben /
eigenlîchen immer geben, / alsô sî wir iu geselt. / schaffet mit uns swaz ir
welt KvHeimUrst
1373;
etleich maister sprechent, daz sechs
mäuslein [Muskeln] in dem menschen sein, zwai
in den henden, zwai in den armen und zwai in den painen. den sechsen
gesellent etleich noch vier stuck BdN
20,5;
BrZw
43;
daz sie den wolf gesellent / dem lamme glich unders
joch HeslApk
21930.
–
‘jmdn. jmdm. zur Frau geben’
[König Rudolf] darnach gesellete di tochtir
sin durch sûne kunig Ottackeris sune nâch êlîchim rechte NvJer
18083;
nâch Krists geburt zwelf hundert jâr / und niun
und vierzic zelt, / dô wart si geselt / dem marcgrâven ze konen
Ottok
1206
1.2.2
mit präp. Erg. zuo:
maht du disen strît gestellen / und zeinander uns
gesellen KLD:BvH
17: 5,9;
daz uns diu minne gisellet / zuo dien die arbeit
kellet [quält]
SM:Had
17: 1,9;
ich bin zuͦ úch geselt, / ich tuͦn alles das ir
woͤlt FrSchw
6563;
di han ich gesellet in min riche / zu minen engelen
Brun
8903.
– bildl.:
got herre, la mich niht begraben / noch gesellen
zu der erden Vät
28677.
– hierher oder anzusetzen als gesellenen (vgl.
Glr.z.St.):
die der burde / ab in legen wellent. / si heten
gern mich gesellent / zuo ir untriwen Ottok
40173
2
refl. ‘sich zusammentun, verbinden (mit jmdm./etw.)’
2.1
ohne Erg.:
dô sach man sich gesellen die helde küene unde guot
NibB
1803,4;
dô geselleten sich die diebe / und nâmen unde stâlen
Eracl
4006;
wolden ouch die vil unstæten / sich gesellen, daz lobt ich
KLD:UvL
23: 7,2;
ungeluck und unhail / hatt sich hie gesellet
HvNstAp
6639;
sun, dû solt bî den werden sîn / [...] / der man
ist nâch den sinnen mîn / dar nâch als er gesellet sich Winsb
23,4;
ez ist ein alte lere / daz sich der man gesellet / als
sin leben ist gestellet Rennew
9837
2.2
mit Erg.
2.2.1
mit Dat.:
wie sich die minnende sele gesellet gotte und sinen
userwelten lieben Mechth
2: 24,1;
wanne er sich geselt dem satjar KvMSph
8,5.
29,17
2.2.2
mit präp. Erg. zuo:
sich gesellete man wider man / zo sime gelichen
Roth
1578;
der kvnic von morlande / gesellete sich zv siner
schare Herb
4729;
die schar hânt sich gesellet / mit hazze zein ander
Wh
380,6;
hey sîn lîp iu wol gevellet. / ir habt iuch zim
gesellet Parz
133,22;
zer freude er sich gesellet ebd.
649,22;
sælde hât sich zir gesellet, / sî hât kiusche, zuht
und reinen muot SM:KvL
16: 3,7.
–
sy weltte sich gesellen / zü im willenklichen an
GTroj
11620
3
mit Dat.:
[durch bescheidenes Wesen] chumpt er zu dem ding / daz
der preis auf in gevellet, / daz im yeder man gesellet / und in gern hat fuͤr
guͤt Teichn
333,44
4
Part.-Adj. ‘zusammen, in Gesellschaft’
sus giengin sie gesellit Athis
C* 76;
sus wâren diu zwei conterfeit, / stætiu linge und wernde
leit, / gesellet an dem einen man Tr
5083;
manlich man und wîplich wîp gesellet KLD:Kzl
12: 3,9;
amomum ist ain paum, [...] und ist
vol trauben sam ain weinreb und pringt sâmen gar
dick [eng] zuo einander gesellt BdN
356,18
MWB 2 556,54; Bearbeiter: Diehl
gesellenen (?)
swV.
→
gesellen
1.2.2
MWB 2 558,5;
gesellenhûs
stN.
‘Häuser für den Hofstaat’
[die Bienen] habent auch die art, daz si des êrsten dem
volk hausent, und dar nâch den künigen, und ist, daz si grœzers gelükes wartent,
alsô daz si swärmen wellent, sô machent si auch gesellenhäuser
[contubernacula]
BdN
290,22
MWB 2 558,6; Bearbeiter: Diehl
gesellenschaft
stF.
→
geselleschaft
MWB 2 558,12;
gesellenwîse (?)
Adv.
Ansatz fraglich (vgl. Anm.z.St.) ‘als Gesellen,
Gefährten’
dû solt der ritter pflegen / unde lîhen unde geben. / dû solt haben gesellen
wîs [Hs. solt sy haben gesellen weyß
] / dâ von
gewinnestû hôhen prîs Wigam(B)
4319
MWB 2 558,13; Bearbeiter: Diehl
geselleschaft
stF.
selten gesellenschaft ( SHort ).
Zusammensein von Personen (meist unter Gleichberechtigten)
1
‘Gemeinschaft, Gesellschaft’
1.1 allg. 1.2 als Freundschaft 1.3 bezogen auf Minne und Ehe 1.4
‘Komplizenschaft’
1.5
‘Zusammenkunft’
2
‘Gruppe, Gemeinschaft, Vereinigung’
2.1 allg. 2.2 näher bestimmt durch den Kontext 2.2.1 auf Reisen ‘Begleitung’
2.2.2 in Krieg und Kampf ‘Gefolge, Kriegerschar’
2.2.3 unter Tieren 2.2.4 durch rechtl. Zusammenhänge definierte Gemeinschaften (weitere
Differenzierungen und Belege vgl. DRW 4,503-511) 2.2.4.1 wirtschaftliche Teilhaberschaft 2.2.4.2 gewerbliche Zusammenschlüsse wie Zünfte, Gilden u.ä. 2.2.4.3 geistliche Gemeinschaften, Kongregationen 2.2.4.4 als Bündnis, Eidgenossenschaft, Schwurgemeinschaft 2.2.4.5 städtische Kollegien 3 übertr./ bildl. 4 sprichw.
1
‘Gemeinschaft, Gesellschaft’
1.1
allg.:
diu swert si in die scheide / mit ganzem vride stiezen; /
mit triuwen si gehiezen / ein ander rehte geselleschaft Wig
7203;
der junge süeze Lîfrenîs / mit aller tât, in alle wîs / er
im geselleschaft erbôt HvFreibTr
95;
di zwen ritter tugenthafft / schwuren da gesellschaft
HvNstAp
17757;
wie salic div sele ist, div daz garnet, daz si dort der
heiligen engele gesellescaft besizzet Spec
140,6;
kan ich [meinem werden
swestersuon
] manlîch dienst tuon, / durch sippe und
durch geselleschaft [als Genosse der Tafelrunde]
Parz
649,15;
künec unde gesinde hæten
in [Tristan] / in guoter geselleschaft
Tr
3489;
sins wirtes zwen sún die machten im gesellschafft die
nacht Lanc
632,26.
595,28;
so ist er schuldig, [...] mit allen den, die in
mit herberge oder mit wielicher geselleschaft inpfahint UrkCorp (WMU)
1653,13;
Plinius spricht, des adelarn federn gemischt mit anderr
vogel federn unwirdischent von nâtûr dar ab und frezzent si und leident ir
gesellschaft niht BdN
167,12.
–
‘Anteil, Beteiligung’ (vgl.
2.2.4.1
):
er ervolget sie ußen der stat und schwur
gesellschafft an der suchung Lanc
589,24;
[die Ratsleute] gebieten, setzen und machen, daz
kein kieser keinen boͤsen heller wehseln sol oder kauffen noch daran
geselleschaft oder gemeinschaft haben sol WüP
63,4.
32,4;
wan der etwaz sieht, der hat geselleschaft
[
consortium
] mit dem, daz er
sicht ThvASu
320,31
1.2
als Freundschaft:
ez was ie under in zwein / ein
geselleschaft [Freundschaft] âne haz
Iw
2621;
daz er daz durch geselleschaft / unsers niwen herren /
und dem lande zêren / geruoche wider geben Ottok
43360
1.3
bezogen auf Minne und Ehe:
dô het der helt unverzaget / enpfangen durch liebe kraft /
unt durch wîplîch geselleschaft / kleinœtes tûsent marke wert
Parz
12,6;
er leistir geselleschaft, / er kürzet ir die stunde /
etswenne mit dem munde / und underwîlen mit der hant Tr
19192.
–
mannes ~
u.ä., ‘Beischlaf’
das si von mannes geselleschaft / niht moͤhtin
werden berhaft RvEWchr
4922;
do twang er si mit sinir kraft / der súntlichin
geselleschaft, / wan er notzogte si / und lag ir an ir willin bi ebd.
29156;
min swester sin gesellenschaft / nit inder e
versmahen sol SHort
6904;
StatDtOrd
80,15;
dâ von wirst dû swanger ân mänleich gesellschaft
BdN
61,5;
swanger [...] ân des mannes
gesellschaft ebd.
150,25
1.4
‘Komplizenschaft’
ob ein brûder engegen den meister oder sînen obersten
geselleschaft oder bôsen rât gehabet hat [
contra
[...] superiorem
conspirasse
] unde darane er wirt funden
StatDtOrd
83,24
1.5
‘Zusammenkunft’
zu brûtloften unde zu rittersamnungen unde zu anderen
gesellescheften unde zu cafspilen [Schauspielen]
StatDtOrd
50,33;
gienge der selbe uf eine geselleschaff, di der gemeine und dem rathe wolde
widersetzig si, dar umme gibt he und ein ieclich sin kumpan sechs phunt
DRW
4,510
(NMittThürSächs.; a. 1300)
2
‘Gruppe, Gemeinschaft, Vereinigung’
2.1
allg.:
da ist div heilige gesellischaft der himelischin burgâre
Spec
77,16;
von frouwen grôz geselleschaft Parz
581,6;
ein groß geselschafft von mönchen Lanc
618,1;
des wazzers natûre / vergaz der vliezenden kraft, / unde
wart der geselleschaft [die Juden beim Zug durch das Rote
Meer] / ein mûre an beiden sîten RvEBarl
2218;
Jacob von Vlme vnd Juͤtlin sin elich wirtin, gesezzene juden ze
Wirtzburk, [...] bekanten da vor vns mit gesampter hant
[...] fuͤr sich vnd alle ir geselleschaft
[Anhang]
UrkWürzb
45,154
(a. 1346);
daz iht angenomen werde die geselleschafte
[
consortium
] der drier
personen [in der Trinität]
ThvASu
316,3
2.2
näher bestimmt durch den Kontext
2.2.1
auf Reisen ‘Begleitung’
do daz schif bereit wart, / do hette sich Iason zv der
fart / vnde Ercules der helt gemeit / mit guter geselleschaft bereit, / so
sie sie beste funden / vnde erkisen kvnden Herb
308.
18310;
der wirt sprach das vierczig ritter mit im riten
musten die mit im aldar komen waren, und musten im geselschafft thun
Lanc
627,24.
280,31;
man solde yn gebin di kost alle den wek us mit ir geselschaft
MarcoPolo
2,21
2.2.2
in Krieg und Kampf ‘Gefolge, Kriegerschar’
nu was Artûs der künic hêr /
[...] / mit aller der geselleschaft / und mit
der grôzen heres kraft / ze Dôdône UvZLanz
9253;
waz er [der Anführer] der
vînde rûrte / und erreit, die mûsten nider, / niht was, daz ouch wider /
mohte wesen sîner geselleschaft Kreuzf
7509;
daz sie [die vom Kampf
Ermüdeten] möhten ruowe hân / unz
[während] ein geselleschaft gestrite, / diu
ander aber ûz gerite RvEAlex
6979;
her Mathis myt synre geselschaff, / die eme got zo helpen gaff, /
saich men vromelichen stryden HagenChr(G)
4760;
UrkEnns
6,57
(a. 1332)
2.2.3
unter Tieren:
ez [das Wild] mac sich küelen in
geselleschefte Hadam
223,5;
tauben habent auch die art, wenn si ain irrvliegend
tauben vindent, die nement si in ir gesellschaft BdN
181,6
2.2.4
durch rechtl. Zusammenhänge definierte Gemeinschaften (weitere
Differenzierungen und Belege vgl. DRW 4,503-511)
2.2.4.1
wirtschaftliche Teilhaberschaft:
ez sol auch nieman kein geselleschaft uzwart han
WüP
25,8;
van Wilhelme van Huͦntzgassen inde Hermanne deme Vieschere
inde iere geselleschaf sal vͦnse here duͦen, alse de
suͦne brief spricht UrkCorp (WMU)
83,17;
ez schol ouͤch dhein flaschawer [Fleischhauer,
Schlachter] mit dheinem rindertryber geschelleschaft
haben, und schullen zu dheinez mannez chauffe gen noch reden
StRRegensb
9;
dat eynich unser borgere von Andernache geselschop hette mit eyme
vremden koufmann DRW
4,508
(CDRhMos; a. 1346);
PrBerth
1:216,26;
wa fuͤr ist denn geselschaft swern? / ez
ist nun ain wider tailn. / wo sich zwen ze ain ander sailn, / daß muß
dick der drit bewain Teichn
579,26
2.2.4.2
gewerbliche Zusammenschlüsse wie Zünfte, Gilden u.ä.:
swer an offenrre bewertir bozheît schuldic ist und îme dar umbe
sin zunft genomen wirt, daz gebieten wir inen uffen ir eît, daz si in
nîemer zir gîselleschefte lazen komen UrkBasel
1:316,11
(a. 1264);
wir geben in [den Münzern] auch dheinen
gewalt, daz sie iemant zu ir gesellschaft zu dem muͤnssampt welen
und nemen, dann di es durch recht an erbet StRRegensb
122;
wer ouch, daz ein man [im Bergbau]
buwete mit eynre gesellschaft, is were eyn herre, eyn ritter, eyn knecht
UrkSchles
20,30
(a. 1342)
2.2.4.3
geistliche Gemeinschaften, Kongregationen:
Annun mine tohter, die śu zuͦ ir geselleschaft ir ordens
enphangen habent UrkCorp (WMU)
2316,20;
der zu dirre êrsamen brûderschefte geselleschaft
wirt entphangen, dem sol man die billichen cît der probacione verlîhen
StatDtOrd
51,7;
BrHoh
61;
man sol auch wizzen, daz sich ain
bruͦderschaft und ain gesellschaft gesaemnot het zuͦ sant
Jacobs capell StRAugsb
249,8
2.2.4.4
als Bündnis, Eidgenossenschaft, Schwurgemeinschaft:
das wir [...] lütte und gȗt des benempten
gotzhuses in unsren schirm und geselschafft unsers burgrechts hand
enphangen UrkBern
2,628
(a. 1265);
auch der warhæit geleich ist, daz ir geselleschaft den landen ze
Bairen vnd ze Swaben an dem fride schedelich sei UrkCorp (WMU)
2829,10;
die burger gemeinlich bekennen offinlich an disem
brieve, daz wir mit rate, willin und guͦnste aller
geselleschefte, die bi uns geseszin sint, armer und richir, den satz und
daz gebot gesetzit habin WüP
9,5;
allen andern stetten, irrnn aytgnossen und diͤ mit in
geselleschaft haben MGHConst
8:418,12
(a. 1347)
2.2.4.5
städtische Kollegien:
der dheine gabe nymet von gerichts wegen
[...] der sol ußgeworfen werden von irer
geselschaft [der Ratsherren] und ewiclich in
derselben stett rete nyemermer kummen StRSchlettst
42
3
übertr./ bildl.:
zvͦ wem dv dich mit minne twingest, in des gelichniste
wirst dv zehant von der minnen geselleschaft verwandelt DvAStaff
159;
jeht Rennewart al balde / als guoter schœne, als guoter
kraft, / und der tumpheit geselleschaft Wh
271,24;
si [die wahre Minne] git staͤtekait der
tugend, ewiges leben, ewig saͤlikait, ewig vroͤde, rihtuͦm âne
gebresten, minneklich geselleschaft PrGeorg
143,4;
so sprichit sant Augustinus: ‘vride ist ain lutirkait der sinnen, ain
senftkait des muͦtis, ain ainualtkait der minne, ain bant der minne, ain
geselleschaft der liebi.’ PrGeorg(Sch)
8,32
4
sprichw.:
guotiu geselleschaft bringet frumen, / von bœser siht man schaden kumen
Renner
15747;
ein spruch was bi den alten: / geselleschaft, die bosheit kan, / von der wirt
houbetsiech ein man Frl
7:33,17
MWB 2 558,18; Bearbeiter: Diehl
geselleschaftswern
stN.
→
geselleschaft
2.2.4.1
MWB 2 561,1;
geselleslich
Adj.
‘freundschaftlich, verbunden wie ‘Gesellen’
tuͦ wol, ruͤme dich des niht! / habe
gesellesliche pfliht / mit den die getrúwe sin! RvEWh
3422
MWB 2 561,2; Bearbeiter: Diehl
gesellic
Adj.
‘verbunden, zugetan’
si wâren aller sache / gesellic und gemeine Greg
287;
den armen milde unde gutig, rittern unde rittirmezigin lutin gesellig unde
hogelich Köditz
19,18;
Elis
3260;
sîn wîb, dî im was wordin / an der ê gesellic NvJer
8550;
KvWEngelh
797;
her nach so wirt der mensche [...]
von minsamer [liebevoller] wandelunge mit allen menschen
gemein und gesellig Tauler
176,14;
hierher (Ausfall von ge- häufiger im Text, vgl.
Glossar):
das löblich volk ze inndia gehorsames unnd selliges
[
unanimen ‘einmütig’]
HvHürnh
11,7.
–
‘gesellig, lebenslustig’ (?):
des man in [den verlorenen Sohn]
hin und her zoch / zuͦ dirr und derr geselleschaft. / wie gesellig und wie
tugenhaft / er wær, so daz da wirt gesait, / so wart von im ez gar berait / swaz da
was ze gebende SHort
4016
MWB 2 561,6; Bearbeiter: Diehl
gesellich
Adj., Adv.
adv. -lîchen.
‘gemeinsam, gemeinschaftlich, freundschaftlich’
1 Adj. 2 Adv.
1
Adj.:
ie lieber dir, ie leider mir! / din geselliche gunst / ist mir ein ungemaches
brunst, / und din vientlicher zorn / ist mir zu eime troste erkorn PassIII
123,17;
ane geselliche pflicht / gienc er alleine hinden na MarLegPass
22,56.
–
‘gesellig, lebenslustig’
nach mime rate gevellich / sal er [der Sohn]
uch sin vil gesellich Macc
9572
2
Adv.:
Ortwîn der küene bî vrou Uoten reit / vil geselleclîchen
[La. gesellichen
]
NibB
583,2;
wenne [...] der valken zwên
sint [bei der Jagd] , sô vliegent si geselleich, ainer
auf, der ander nider pei der erd BdN
188,13
MWB 2 561,23; Bearbeiter: Diehl
gesellicheit
stF.
1 Verbundenheit, Gemeinschaft (als Bestandteil adelig-höfischen Lebens das Teilen
einer Lebensweise, Handlung oder Haltung; aber auch freundschaftlich) 1.1 allg. 1.2 direkt bezogen auf das Beizusammensein mit anderen,
‘Gesellschaft’
1.3 rechtl. ‘Teilhaberschaft’
2
‘gesellschaftsfähiges Benehmen, Höflichkeit’ (vor dem
Hintergrund von 1 )
1
Verbundenheit, Gemeinschaft (als Bestandteil adelig-höfischen Lebens das Teilen
einer Lebensweise, Handlung oder Haltung; aber auch freundschaftlich)
1.1
allg.:
daz er gelobte sunder / den von der tavelrunder / sîn
rîterlîch gesellekeit Parz
308,29;
dô weinden durch gesellekeit / mit ir manc juncfrouwe
clâr ebd.
431,20;
mit ganczer gar ainhellikait / und guͦter
gesellekait WernhMl
6062;
da rittent do die ritter nach, / der was zwai hundert
nach der zal. / die hatent sich oͮch úber al / gezwaiget mit gesellechait
[paarweise verbunden]
RvEWh
6025
1.2
direkt bezogen auf das Beizusammensein mit anderen,
‘Gesellschaft’
daz sim êre bæren / mit rede und mit gesellekeit
Tr
3391;
Gyburc diu künegîn / bat al diu juncvrouwelîn, / daz si
in næmen in ir gesellekeit, / und daz si im semften gar sîn leit
Wh
296,17;
diu künegîn in dem venster lac, / diu der gesellekeite
phlac ebd.
243,18;
magez mit iweren hulden sîn, / ich priche iu nu
gesellekeit [lasse euch allein]
Parz
402,11;
er bat den wirt gesellekeit, / "lât mit mir ezzen dise
magt." ebd.
550,14.
784,25;
hern Adam [...] / und ain weib
aus ertreich / aͮn natürleich gesellchait Teichn
464,813.
–
die unervorhten / [...],
dies marcrâven leit / sô truogen mit gesellekeit, / daz si nâmen gelîche
phliht / der vlüstebæren geschiht Wh
235,10;
der vürste et selbe vierde reit: / niht mêre was ir
gesellekeit ebd.
246,4;
der gesellikeit / und der grôzen triwe / danct im
der soldan niwe Ottok
47654;
friuntschaft und gesellikeit / erbôt in der soldan
ebd.
47990.
–
~ leisten, tuon
‘Gesellschaft leisten’
Artûs bat sîner swester suon / gesellekeit dem künege
tuon Parz
221,8;
der von Salzpurc selbe wart / zuo der reis bereit. /
dem teten gesellikeit / von Gurke bischolf Johan
[...]
Ottok
17398;
er leiste ir wol gesellekeit; / wan er nam sich ir
senede leit / vil inneclîche mit ir an Tr
1433;
ich gevolg iu wol ze vuoz, / gesellekeit ich leisten
muoz Wh
131,30
1.3
rechtl. ‘Teilhaberschaft’
sal der R., sine erben [...] in der stat alle
burgerliche rechte haben, beyde an koufen vnd verkoufen vnd an ander gesellikeit
DRW
4,503
(CDWarm; a. 1348)
2
‘gesellschaftsfähiges Benehmen, Höflichkeit’ (vor dem
Hintergrund von 1):
Heimrîch durh gesellekeit / bat Rennewarten sitzen dort / ûf
den teppich an der tavelen ort Wh
274,2;
mir wære gesellekeit unkunt, / soldet ir mîn garzûn sîn
ebd.
131,26;
ir enwedriu dâ niht vergaz, / ir gesellekeite / wârns ein
ander vil bereite Parz
763,3;
manger in der schuzzel wandelt / und smucket daz beste in sinen munt: / dem
ist gesellikeit unkunt, / der sinen genozen uberizzet Jüngl
572
MWB 2 561,36; Bearbeiter: Diehl
geselliclich
Adj., Adv.
adv. auch -lichen; auch gesellencliche.
‘wie unter Gefährten üblich, freundschaftlich verbunden’
nû wil ich in niht eine lân / und wil im geselleschaft / mit
geselleclîcher kraft / leisten RvEBarl
14948;
daz ich iu gerne leiste / gesellenclîche stæte
UvZLanz
2717;
do die getrúwen baide / mit geselleclichem sitten / als bi an
ander rittent RvEWh
7035;
SM:UvS
34:1,4;
do bat in der geselle durch geselleklich trúwe
Seuse
143,21;
er nam geselliclîche / den herren Gâwein bî der hant
Wig
685;
Tr
6959;
sie [Maria und Joseph] wonten sament, daz ist wâr,
/ geselleclîchen manec jâr, / daz dar under disiu meit / nie verlôs ir kiuschecheit
WvRh
7549;
wann ein ainvaltiger man / guͤt gesellen wil pey im
han, / so nem nur ein schon weib / dw da hab ein tumen leib / und geselchleich
[umgänglich] ist und chlug: / so gewint er gesellen
genueg Teichn
432,75.
– in der Minne,
~ ligen u.ä. für den Beischlaf:
sôn sulet ir der künigîn / ze bette noch ze tische sîn /
geselleclîch Tr
15391;
sus kunden sî dô vlehten / ir munde, ir bruste, ir arme, ir
blankiu bein. / [...], / geselleclîche als si lâgen
MF:Wolfr
1: 3,8;
geselliclicher umbevanc / mit blanken armen sunder wân tuot
senede herze hôhgemuot SM:UvS
7: 2,1.
–
‘gemeinsam, zusammen’
zwêne ûz erwelte man, / die sach man geselleclîchen bî den
künegen gân NibB
1807,2;
Parzivâl niht eine [allein] lac: /
geselleclîche unz an den tac / was bî im strengiu arbeit Parz
245,2;
ain iegleich visch, der des raubs lebt, der swimt
gesellicleich, sam der hecht BdN
243,8
MWB 2 562,25; Bearbeiter: Diehl
geselliclîcheit
stF.
‘Gemeinschaft’
bœse wort und freidikeit / ist [gilt als]
schimpflich gesellikeit [La. geselliclicheit
]
Renner
17090
MWB 2 562,57; Bearbeiter: Diehl |