gerte
stswF.
s.a.
gart
stM.
1
‘Gerte, Stock, Stab’
1.1
‘Rute’ zum Schlagen oder Antreiben 1.2 als Längenmaß 2
‘Zepter’
3 verhüllend ‘Penis’
1
‘Gerte, Stock, Stab’
unser herre do gab / deme hirte einen stap / daz was ein gerte
VMos
35,9.
48,13;
ein geleite an den wec des ewigen heiles / si din biscoflich
gerte / zu unsir jungistin hineuerte Litan
796;
ich was ein kint / und tump, als noch die jungen sint, / sô tump, daz ich die
gerten reit UvLFrd
3,23;
BdN
363,14.
–
er wissagte, daz ein gêrte ensprunge uon der wrze Iesse
unde ein bluͦme uon dem selbim samen Spec
13,18.
97,16;
dich [Maria] bezeichenot diu
Aarones gerte, / diu in dem dinchuse alle verte / brahte bluode und wucher [
Nm 17,8
]
MarseqS
16;
meit, des gelübdes gert, / in straßen zwelfe wart
geschert / das mer von dir; du hast ernert / die diet von Pharaonis joch
Mügeln
126,1.
215,6
1.1
‘Rute’ zum Schlagen oder Antreiben:
unfuoger [l. unfuoge er
(Gurnemanz)] im [Parzival] sus werte
/ baz denne ein swankel gerte / diu argen kinden brichet vel Parz
174,8;
Eraclîus der knabe / mit einem weichen kleinen stabe, /
wol anderthalben ellen lanc, / tet dem volen einen swanc
[...] und als ern dâ mit geruorte, / daz er der
gerten entsuop [dass es die Rute spürte] , / von den
andern er sich huop Eracl
1657;
StrKD
86,175;
SSp(W)
2:16,4.
– phras. (vgl. TPMA 9, 393-396):
wer der gerten schônt, der hazt daz kint [
Prv 13,24
]
BdN
432,12
1.2
als Längenmaß:
holzes vier gerten breyt vnd vierzik gerten lank UrkWürzb
40,192
(a. 1338)
2
‘Zepter’
sie gebar [...] / einen son, als ir
got beschiet, / der richtende wirt alle diet / mit yseriner gerten
[vgl. Ps 2,9
reges in virga ferrea
]
HeslApk
17287
u.ö.;
PsM
2,9;
Himmelr
4,22;
ain man, der ain gerten in der hant hât, ist guot zuo
hêrschen BdN
471,23.
– als Mariensigle (Salzer, Sinnbilder S. 473f.), vgl. Est 5,2:
dich bezeichent hât diu gerte / küng Aswêres, die er kêrte
/ dem, den er sîn hulde lêrte SM:EvS
1: 6,1
3
verhüllend ‘Penis’
auf dem leib ain manlich gert / het im die natür beschert GrAlex
5945
MWB 2 518,10; Bearbeiter: Richter
1gertel
stM.
‘Haumesser, Hippe’, Schneidwerkzeug im Gartenbau, s.a.
gerter2
und
gartîsen
:
falcastrum: gertel VocOpt
13.073;
virgarium: gertel ebd.
13.075
MWB 2 518,49; Bearbeiter: Richter
2gertel
stM. oder stN.
s.a.
gertwurz
.
‘Eberraute, Eberreis’ (vgl. Marzell 1,412):
abrotanum: abruten oder gertel Gl
3:547,6
(BStK285)
MWB 2 518,52; Bearbeiter: Richter
1gertelîn
stN.
‘kleiner Garten, Gärtchen’
sie âzen niht wan gartenkrût, / daz Barlââm
[...] / in sînem gärtelîne zôch RvEBarl
15392;
got wil dir dankende sin / in des himels gertelin
Daniel
3010;
WvRh
7959;
BdN
387,13;
ein gerteli, dc bi dem mv́lihvse ze Stadelhoven ist UrkCorp (WMU)
273,34;
den kof [...] an dem stein hvse vnd dem schopfe vnd
dem gartelin ebd.
N268,21.
–
das gärttel hett ain gulden tor HvNstAp
11748
MWB 2 518,55; Bearbeiter: Richter
2gertelîn
stN.
‘kleiner Zweig’
wenn man in [einen Drachen]
verjagen wil [...], sô nimt man ain aufgeplâsen plâtern und
sleht dar auf mit coralleinn gärtleinn BdN
270,16;
wan daz [
Cinamomum
]
grôz ist und grœzer gärtel hât daz versmæht man, aber daz klain preiset man und daz
ist edel ebd.
361,30
u.ö.;
ach gott, der mich nun schlug / mit eynem gertlin lind!
MinneR36
93;
Wernh
A 1543
MWB 2 519,1; Bearbeiter: Richter
gerten
swV.
‘mit einer Rute schlagen, züchtigen’
swer sich von súnden rihten / niht wil und gar verhertet, /
sus straufet er [Raphael] und gertet SHort
3518
MWB 2 519,9; Bearbeiter: Richter
gertenslac
stM.
Schlag mit einer Rute:
verhtestu so sere eins wibes gerten slag, / ioch din lip von wunden niemer
genesen mag Ortn
145,1
MWB 2 519,13; Bearbeiter: Richter
1gerter
stM.
‘Waldanteil’
zwo juchert reben [...] mit huse, mit hofstat, mit
wisen, [...] mit einem vierdenteil eins gerters
UrkZürich
8,336
(a. 1310)
MWB 2 519,16; Bearbeiter: Richter
2gerter
stM.
‘Haumesser, Hippe’, Schneidwerkzeug im Gartenbau, s.a.
gertel1
und
gartîsen
:
falcastrum: gerter VocOpt
13.073;
virgarium: gerter ebd.
13.075;
sarculum: getisen vel gertare vel houa SummHeinr
2:469,219;
den andern tagwan [Frondienst] sol man tun ze
herbste [...]mit dien [l.
den
] gertern WeistBa
244
(a. 1344 kopial)
MWB 2 519,19; Bearbeiter: Richter
gerthe
stN.
→
gertach
MWB 2 519,26;
gertîsen
stN.
→
gartîsen
MWB 2 519,27;
gertwurz
stF.
s.a.
gertel2
.
‘Eberraute, Eberreis’ (vgl. Marzell 1,412):
abrothanum: gertwurtz VocOpt
50.029;
abrotanum: schoswurze oder stabe wurcze oder gertewurcze VocClos
Ab36
MWB 2 519,28; Bearbeiter: Richter
geruch
stM.
auch gerog (
Pilgerf
13505
).
‘Geruch’
[das Wasser] hât kain varb noch kainen smack noch kainen
geruch, wann hiet ez der ainz, sô wær ez niht lauter wazzer, ez wær gemischt mit
andern elementen BdN
105,1;
Parad
56,21;
Elis
1076.
9426.
–
‘Geruchssinn’
mit der smeckenden kraft, diu in anderr sprâch haizt der
geruch, derkennet man ez [Wasser] auch BdN
105,9;
die eine ist die porte des gerochs, / die ander des horens
und horichens, / die ander dez smackens Pilgerf
2088
MWB 2 519,32; Bearbeiter: Richter
gerucht
stN.
auch gericht
ElsLA
246,10.
S.a.
geruofede
1
‘Rufen, Lärm’
2
‘Ruf, Ansehen’
1
‘Rufen, Lärm’
nu quamen mit gebrechte / dese heren vur den sal, / so man’t vernam over
al, / inde wurpen sich zuͦ dale. / ouch horden si up deme sale / groz
geruchte inde gedoz MorantGalie
2165;
dat wissen de vursten alle samen, / so waer wyr [...]
Preciosa [den Namen des Schwertes] roeffen, / dat dat
unse geruchte sy Karlmeinet
474,53.
369,31;
KarlGalie
1502;
so horte er zuͦ stuͦnt ein gros gerichte maniger hande wilder
tier. von dem ungestuͤmen geschrei erschrag er ElsLA
246,10.
– rechtsspr. ‘Hilferuf, Gerüfte’
dar sach ich selbe in selben vnde beschriete in mit deme gerouchte
UrkBresl
24
(a. 1261);
schrîet her aber daz gerûchte, daz mût her vulvorderen mit rechte, wen daz
gerûchte is der clage begin SSp
52,9.
149,11
2
‘Ruf, Ansehen’
si hat einen pfawenhuͦt, das ist das guͦte
gerúhte in dem ertrich und hohe ere in dem himelrich Mechth
1: 46,43.
1:44,22.
–
‘üble Nachrede’
uff daz her nicht enbrochte / syn liep in scande noch in
geruchte MinneR336
424.
140
MWB 2 519,43; Bearbeiter: Richter
gerüefte
stN.
→
geruofede
MWB 2 520,1;
gerüeme
Adj.
‘prahlerisch, sich rühmend’
der ee wont [wähnte] , es lebet nicht sein genos /
und des was gerúme, / der muß hewer mit seiner drischel
[Dreschflegel] gan Neidh(S)
2,120c44:3,12
MWB 2 520,2; Bearbeiter: Richter
gerüemic
Adj.
‘prahlerisch, sich rühmend’
mir schadent getelinge [...] durch den alten haz. /
die wâren des gerüemic disen sumer an der strâze Neidh
WL 11:3,1
MWB 2 520,6; Bearbeiter: Richter
gerüere
stN.
‘Gedränge, Aufruhr’
dâ was ein grôz gerüere / von manger leige unmuoze, / dâ man nâ wîbes gruoze /
wolt werben ritterlîche Reinfr
7294
MWB 2 520,10; Bearbeiter: Richter
gerüerede
stFN.
‘Tastsinn’
etleich sprechent, daz uns mangeu tier übertreffen an den
fünf sinnen: der per oder der eber an dem gehœrd, [...],
diu spinne mit der gerüerde BdN
118,18;
diu versuochende kraft der sêl und daz gerüerd habent irn
grunt in dem herzen ebd.
13,5
u.ö.;
entslâfen ist unser geruorde WälGa
9517.
9452
u.ö.
MWB 2 520,13; Bearbeiter: Richter
gerüeric
Adj.
‘beweglich’
ich [Medea] lêre in [Jasons Vater
Aison] wol gerüeric sîn / und erniuwe in als ein gras
KvWTroj
10482;
vnd darumb das sy [die Seele] gar geruͤrig
muͤg gesein [
propter facilitatem
motus
] , sei ir leichnam aller durchsichtig als der luft
KvMSel
301
MWB 2 520,20; Bearbeiter: Richter
gerulle
stN.
‘Geröll’
daz sint di engel di got warf / nyder in dis gerulle scharf /
durch hochvart von dem himel hoch Hiob
10186
MWB 2 520,26; Bearbeiter: Richter
gerûme
Adj.
‘geräumig, groß’
[die Tafelrunde] ist sô breit, daz volle stat / wît und
gerûme dar an / wol vünfhundert ritter hân HvFreibTr
1335;
seht, wa die mure entzwei trat / und lie wesen als da vor / an ir ein gerumez
tor! PassIII
282,72;
in curzen stunden / quâmen si an eine flûme / grôz und
gerûme, / di was Eufrates genant SAlex
6730;
Iw
6749;
Ottok
85845.
– übertr.:
boum ol daz heilet gerne / und ist gesunt zu der brust /
brengende gerume lust / an aze und an tranken Daniel
2112
MWB 2 520,29; Bearbeiter: Richter
gerûme
stN.
‘Raum, freier Platz’
nû hiez der von Brâbant / brucken sâ zehant / über den
selben phlûm, / daz si wol mit gerûm / zuo einander riten Ottok
58488;
da von hab wiͤr all gerawm / daz wir nicht an ein
ander dringen Teichn
385,22;
sol got eigenlichen und adellichen wúrken, so ist des not das
ime ein stat und gerum gegeben werde Tauler
182,3
u.ö.
MWB 2 520,39; Bearbeiter: Richter
gerûmelîchen
Adv.
‘geräumig, weit’
uf dinem eygenen wirt an dem tage weyden das lam gerumelichen
[
spatiose
]
Cranc
Jes 30,23
MWB 2 520,47; Bearbeiter: Richter
gerûmiclich
Adj.
‘geräumig’
daz [
mære
] hât dâ
[bei dem ablehnenden Zuhörer] ninder stat, / und vil
gerûmeclîchen pfat, / zeinem ôren în, zem andern für Parz
241,24
MWB 2 520,50; Bearbeiter: Richter |