Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
  Ansicht: Standard Gliederung    |     Zusatzinformationen   Links      |     Portion: Artikel pro Seite

g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
      genetzen swV.
      ge|nëven swM. (Pl.)
      geneʒ stN. (?)
      geneʒtunc stMF.
      geneʒwîp stN.
      genge Adj., Adv.
      genge stF.
      genge stN.
      gengelære stM.
      gengelich Adj.
      gengelîn stN.
      gengen swV.
      gengic Adj.
      genibele stN.
      genibelet Part.-Adj.
      genîc (genîge ?) Subst.
      genicke stN.
      genicsam Adj.
      geniete stN.
      genieʒ stM.
      genieʒære stM.
      genieʒe F.
      genieʒe stN. (?)
      genieʒelîn stN.
      genieʒen stV.
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   genetzen - genieʒen    


genetzen swV. netzen, → genecketzen

MWB 2 458,54;

ge|nëven swM. (Pl.) ‘Neffen, Verwandte’ si wâren beide geneven / Helenôr unde Lîke [Lycus] / zwêne ritter hêrlîke En 6974; si [Bysan und Arbazan, die Mörder des Darius] wâren zwêne geneben SAlex 3925

MWB 2 458,55; Bearbeiter: Runow

geneʒ stN. (?) ‘Arbeits- und Wohnraum der Frauen’ (vgl. gr. gynaeceum): geneceum, genicium: genez, geneztunc SummHeinr 2:320,149.7

MWB 2 458,60; Bearbeiter: Runow

geneʒtunc stMF. ‘Arbeits- und Wohnraum der Frauen’ (vgl. gr. gynaeceum; vgl. tunc ): geneceum, genicium: geneztunc SummHeinr 2:320,149.7

MWB 2 458,63; Bearbeiter: Runow

geneʒwîp stN. ‘Frau im Frauengemach’ si [die Königin] enbôt Êtîô, / si newurde niemer frô, / er nekôme in ir phiesel [beheizbares Frauengemach] , / daz er die wolle ziese [zupfe] / under andern jenezwîben [La. ghenizwiben ] Kchr 13953

MWB 2 459,1; Bearbeiter: Runow

genge Adj., Adv. 1 ‘gangbar, gut im Gange’
1.1 bezogen auf Pferde ‘zugeritten, gut zu reiten’
1.2 ‘schnell (bei der Hand)’
1.3 geschickt (?)
2 ‘gängig, üblich’ (vgl. gengic )
2.1 ‘bekannt, (weithin) verbreitet’
2.2 von Münzen ‘im Umlauf, gültig’ (vgl. WMU 1,545 mit zahlreichen Belegen)
   1 ‘gangbar, gut im Gange’ gar genge waz ir worte pflug, / si menten [führten] in her und dar MinneR480 292; die gesoten ruoben waichent den leip und machent in geng [lösen die Verstopfung] BdN 419,11    1.1 bezogen auf Pferde ‘zugeritten, gut zu reiten’ ezn wart nie ros so genge, / wil manz ze allen ziten / ungezoumet riten, / ane gerten und ane sporn, / elliu sin tugent si verlorn StrKD 86,172; ‘wâ nû ros? ich wil rîten!’ / [...] ein zelter schœne und genge / hiez der künic ziehen dar Flore(S) 2736    1.2 ‘schnell (bei der Hand)’ Nectarius von Karnand / sprang uss dem getrenge, / zü füss waz er genge / da er die minenklichen vand GTroj 6008; mit präp. Erg.: den bosen was er herte, / er strafte ir geverte / an gerichte strenge, / zu ir straphe genge Elis 3994. sô er wînglocken hœre liuten, / daz er kome ginge [Hs. genge ] / und sîn silber bringe Niemand 169. Monagris waz strenge, / Paris unmassen genge [streitlustig] . / [...] mitt grossen schlegen manig valtt GTroj 8414; owê spotlîchez schimpfen, / wie bist du dâ sô genge Hadam 459,2    1.3 geschickt (?): dô wundert’ vrouwen unde man, / daz der jung’ vürste wære / ein genger videlære Bussard 464    2 ‘gängig, üblich’ (vgl. gengic ): swer kunst in sînem herzen hât, / den kan si [ valsche milte ] wol versmâhen, / swer aber âne fuoge stât, / dem wil si balde nâhen. / si [Kunst âne fuoge (?)] kan dur valsche missetât / die gengen gâbe emphâhen KvWKlage 17,6    2.1 ‘bekannt, (weithin) verbreitet’ din [Marias] lenge reichet von des hohen trones vunt / mit voller kraft biz in der tiefen helle grunt: / ach Got, wa wart ein maget ie so genge AveMaria9 8; sein nam der wær noch genger / in manigen landen worden Suchenw 16,176; sine [Platos] kvnst vnde sine list, / die zv Paris genge ist / me denne anderswa: / daz ist dialetica Herb 10672. – in der Verbindung ~ mære: ez waz ein gengez mære, / waz im âventiure was geschehen UvZLanz(K) 7812; daz was ein gengez mære / in allem dem lande Iw 3374; Dietr 2873; präd.: ouch wart des heilegen mære genge / an die breite und an die lenge LvRegFr 1372    2.2 von Münzen ‘im Umlauf, gültig’ (vgl. WMU 1,545 mit zahlreichen Belegen): zwai phunt phenninge, die ze Nvrenberch genge sint UrkCorp (WMU) 949,7; die münze sint nu sêre genge worden Renner 13815. – meist in paarigen Ausdrücken, v.a. mit gæbe: swer einem phenninge gelobet, der sol enem phenninge geben die dâ genge unde gæbe sint SchwSp(W) 251,3; hundirt marc gengis vnd gæbis silbers UrkCorp (WMU) 150B,13; sessuntryzig marg pening, gengir und gebir, [...] an gereydeme gelde UrkFrankf 2,186 (a. 1323). – mit gibe bzw. guot: mit guten Regenspurger phenningen, die denn gib vnd geng sind ze Regenspurch UrkCorp (WMU) 2823,33; mit gvͦtem vnd gengem silber ebd. 1341,16

MWB 2 459,6; Bearbeiter: Runow

genge stF. unklar; vielleicht ‘vertraute Erscheinung’ (?): doch so erstant si da [beim Jüngsten Gericht] gar / die guoten vnd der svnder schar / mit ir ganzen liben / die man zvo den wiben / in vollekomener genge / vnd in der selbin lenge / als in div nature verlech Martina 199,57

MWB 2 460,1; Bearbeiter: Runow

genge stN. ‘Ausgang, Ursprung’ (vgl. anegenge ): wiltu wizzen uon welcher vuchte iglich sichtum ein genge habe SalArz 110,32

MWB 2 460,7; Bearbeiter: Runow

gengelære stM. ‘Umherziehender’ daz bin ich, der arme gangelære Schlegel 545; erbarme dich noch uver den armen gengelere, / so wirt noch vrolich sin herberg Lilie 18,29. 33,18

MWB 2 460,10; Bearbeiter: Runow

gengelich Adj. ‘im Umlauf, gültig’ da bi haͮn wir in oͮch gegeben funf schillinge haller gengeliches geltes UrkHohenz 1,152 (a. 1340)

MWB 2 460,14; Bearbeiter: Runow

gengelîn stN. ‘Äderchen’ (übers. lat. venula): ander maister sprechent, daz sich daz kint [im Mutterleib] fürb und sauber von wäzzriger überflüzzichait in ainem gänglein, daz hât diu nâtûr gemacht zwischen dem pälglein, dâ mit si daz kint umbhüllet in der muoter leib BdN 34,7

MWB 2 460,17; Bearbeiter: Runow

gengen swV. ‘jmdn. zum Gehen bringen, antreiben’ herzog Wildhelm ersprangt / daz ros mit kraft er gangt WhvÖst 14796; den dieb er dannen gengete PrHess 42,134

MWB 2 460,23; Bearbeiter: Runow

gengic Adj. 1 ‘im Umlauf, gültig’ (vgl. genge 2.2 )
2 ‘(weit) verbreitet, bekannt’ (vgl. genge 2.1 )
   1 ‘im Umlauf, gültig’ (vgl. genge 2.2): daz si vns dienen [...] zehen schillinge phenninge, di danne gengich sint UrkEnns 4,124 (a. 1290). – in der Wendung ~ unde gæbic: einen shillinch phennige, di daz [ da ze ] Nvͦrnberch gengich vnd gebich sint UrkCorp (WMU) 2887,20    2 ‘(weit) verbreitet, bekannt’ (vgl. genge 2.1): als ez des morgens wolde tagen, / do hort man in der stat sagen / (vil gengich was daz mære), / man sagt, daz entrunnen wære / ouz der stadt chunich Ermrich Dietr 6930

MWB 2 460,27; Bearbeiter: Runow

genibele stN. Koll. zu nëbel , ‘Nebel, Dunst’ naht vnd vinster vnd genibele [interl. zu nox et tenebre et nubila ] PsM H 19,1; div naht vnd ir genibele / was so groz hie nidene / daz man si mohte greiffen Wernh A 3617; so vallit vil dicke / mit regne joch mit blicke / ein viurin genibile / mit stinkindim swebile LAntichr 816; dô was daz genibel sô dicke, / daz si kûme bî dem blicke / die burc kuren nâch wâne UvZLanz 7589; Kchr 4296; Kudr 1134,1. – bildl.: si [Adam und Eva nach der Vertreibung aus dem Paradies] gingen in ellende / in dizze genibele / daz haizet Babylonię / daz ist uinster unde blint VMos 10,20

MWB 2 460,38; Bearbeiter: Runow

genibelet Part.-Adj. ‘neblig’ an aim genibelten morgen SHort 3276

MWB 2 460,51; Bearbeiter: Runow

genîc (genîge ?) Subst. ‘Verneigung’ (?): ich achte nicht auf ir genig, / ich will mit ine streiten Neidh(S) 2,33c12:5,7

MWB 2 460,53; Bearbeiter: Runow

genicke stN. 1 ‘Genick’
2 ‘Niederbeugung, Besiegung’
   1 ‘Genick’ hartt uff sin genyke / wurde menger straich gegeben GTroj 8006; der kneht, der sînes [des römischen Triumphators] genickes pflac [der ihn durch einen sanften Schlag in den Nacken auf die nachfolgende Sentenz aufmerksam machte (vgl. V. 22665f. ] Renner 22684    2 ‘Niederbeugung, Besiegung’ so sy dir, ritter, wider saitt / uff vil stark genike, / dem tödlichen strike / keme du nie so nache GTroj 979

MWB 2 460,56; Bearbeiter: Runow

genicsam Adj. ‘wie gebeugt’ (vgl. Felder, Krone, S. 532): es [das Pferd] was von allem dem tadel wunt, / das ie roszen missezam: / krump vnd gnigksam, / kellig [halskrank] vnd vnersam Krone 19859

MWB 2 461,1; Bearbeiter: Runow

geniete stN. gibt an einer Jesaja-Stelle, die von der Anfertigung ehener Götterbilder handelt, lat. glutinum ‘Leim’ wieder; möglicherweise Koll. zu niet stM. ‘Niete’, dann etwa ‘Zusammenheftendes’ der ysensmit, der zu stocke [Amboß] hemirt, wirt manen den, der denne wirt tengiln, und wirt sprechen deme lutere adir deme genyte [ glutino ] : is ist gut. und wirt is [das geschmiedete Eisen] heften mit naylen [mit Nägeln an den Holzkern des Götzenbildes] , daz is sich icht rege Cranc Jes 41,7

MWB 2 461,6; Bearbeiter: Runow

genieʒ stM. 1 ‘(aus einem Gut, Geschäft o.ä. erwirtschafteter) Gewinn, Ertrag’
1.1 übertr. ‘Lohn’
1.2 phras. himelisch ~ , bezogen auf das Jenseits
2 allg. ‘Nutzen, Vorteil’ (materiell wie ideell; nicht immer streng gegen 1 abzugrenzen)
   1 ‘(aus einem Gut, Geschäft o.ä. erwirtschafteter) Gewinn, Ertrag’ ir lêhen sie enphiengen, / ir lant, ir landes geniez RvEBarl 14769; kornnis geniez RvEWchr 7452; ein ieclich burgere [...] sal abir dichein silbir wechsiln, daz he vort virkofin wolle durch geniez UrkCorp (WMU) 1161A,45; die ir geniez unde ir gut / den erzeten hete gar vergeben PassIII 499,32; Parz 52,6; PassI/II 6,21. – hierher oder zu 2: Ysaac von godis gnade / gar dvgentliche sade / den samen sin vmme sinen geniz PrHess 19,75    1.1 übertr. ‘Lohn’ der rehten werdekeit geniez, / des diu werlt was gereinet, / het got an im [Ither] erscheinet Parz 475,28; Iohannes ein diaken hiez, / der durch tugentlich geniez / sante Gregorius leben schreib PassIII 214,30; durch hoher tugende geniez ebd. 333,15; GTroj 23404; WernhMl 8859. solichen geniezz emphahen die hochferttigen mit sambt jrm maister, dem tievel SchlierbAT(LS) 1,44    1.2 phras. himelisch ~ , bezogen auf das Jenseits: daz gotes fiwer [...] enzundet manigen man / der die werlt varen liez / durch den himelischen geniez Vät 3406; in den himelischen geniez / fuͦrten in mit vrouden groz / die engel in der selden schoz ebd. 4944. 17532; vgl. do wisete got wie reine / zu himele were sin geniez PassIII 18,53. werltlich ~ : den vnuczen knecht [...] der sich nicht fleizzt, sel zu dem himl gewynnen, nur wie er im vppigen lob vnd welttlichen genies gesammen muͤg SchlierbAT(LS) 1,122; vmb welttlichen lob vnd genies ebd. 1,116. 1,162    2 allg. ‘Nutzen, Vorteil’ (materiell wie ideell; nicht immer streng gegen 1 abzugrenzen): daz vervie niht zir genieze UvZLanz 7494; wir cherten ze ir geniezze / alle unser chraft und unser maht StrKD 66,30; ieder mensch suͦchet sinen geniess Seuse 380,14; Teichn 280,45; wohl hierher: dit brengit schaden, keynen genis [:proverbiis ] PrHess 10,835; wer daz dut, daz ist ein genis ebd. 10,829. 10,901. 19,75. sie [...] gehielten daz wazzer [in dem das Christuskind gebadet wurde und das heilende Wirkung hat] dô / ûfen künftigen geniez WvRh 4386. – ‘Genuss’ als er durch spîse genîz / krebze wolde vâhin NvJer 14566; nicht enget der wegeman / durch genis willin [zum Vergnügen] uf der ban / sundir daz he an di stat / kome da hin he willin hat PfzdHech 173,28. – ‘Zweck’ und swes muot begunde gern / jagen swîn oder bern, / der vant ze dem genieze / vil starke breite spieze Er 7176

MWB 2 461,17; Bearbeiter: Runow

genieʒære stM. ‘Selbstsüchtiger, nur dem Eigennutz Verpflichteter’ pei dem geir verstên ich die geitigen zucker [Räuber] und geniezer [...], die sich anderr läut schaden fräuwent, dar umb, daz si [auf zucker zu beziehen] vol werden BdN 230,22

MWB 2 462,3; Bearbeiter: Runow

genieʒe F. ‘Gefährtin’ die kinder [...], / di ir genieze waren / an aldere unde an jaren Elis 711; wi daz si [ungeachtet des Standesunterschiedes] ir geniezen / ein ander solten nennen ebd. 7188. 875

MWB 2 462,8; Bearbeiter: Runow

genieʒe stN. (?) Ansatz unsicher, Bed. unklar, vielleicht ‘Gemeinschaft’ (vgl. genieʒe F.); oder zu ganeist ‘Funke’? (oder ist von enein genôzen ‘vereinen, versammeln’ auszugehen? Vgl. Glr.z.St.): wer wazzer is sne zusamene stize / allentsamen in ein genize / und trebe daz zu vure, / di dru worden al eine nature Brun 4440

MWB 2 462,12; Bearbeiter: Runow

genieʒelîn stN. Dimin. zu genieʒ ‘kleiner Gewinn/ Vorteil’ ir [der gîtikeit ] ist vil lieber ein geniezelîn / denne got Renner 4679

MWB 2 462,19; Bearbeiter: Runow

genieʒen stV. 1 mit Gen. ‘einen Nutzen oder Vorteil von etw./jmdm. haben, mit etw. erfolgreich sein’
1.1 allg.
1.2 ‘etw. innehaben; Einkünfte/Gewinn aus etw. haben’
1.3 ‘in einer Streitfrage recht bekommen’
1.4 ‘für etw. unbestraft bleiben, straffrei ausgehen’
2 mit Gen.d.S. und Gen.d.P. ‘jmdm. etw. verdanken’
3 mit Gen.d.S. und präp. Erg. d.P. ‘Anerkennung, Dankbarkeit finden bei jmdm.’
4 ‘unbestraft bleiben, davonkommen’ , meist als als Part.-Adj. ‘(von etw.) verschont, ungeschoren’
4.1 ohne Zusatz
4.2 mit Gen.
4.3 mit präp. Erg.
5 mit Akk.-Obj.
5.1 ‘etw. genießen’
5.2 ‘etw. zu sich nehmen, essen’
5.3 rechtsspr. (vgl. 1.3 ) ‘etw. innehaben’
6 mit Obj.-Satz
7 jagdspr. in der Verbindung genoʒʒen hân (ohne Zusatz), von Jagdhunden ‘durch den Genuss von Wildfleisch scharf gemacht die Witterung aufnehmen’ (vgl. Dalby, Mediaeval Hunt, S. 60f.)
   1 mit Gen. ‘einen Nutzen oder Vorteil von etw./jmdm. haben, mit etw. erfolgreich sein’    1.1 allg.: umbe Sampsônen merke, / waz gnôz er sîner sterke? Eracl 2606; nu volg aber ich, swie ich es niht genieze MF:Reinm 4: 3,6; sîner sælikheit er [Lanzelet] gnôz, / diu benam im müeje UvZLanz 418; der walt was sô grôz / daz si ir suochens niht genôz Wig 5923; NibB 2061,4; KLD:GvN 9:5,10. – häufig mit lâʒen: bittet in [Christus] , das er vns lazze geniezzen sines vil heren crûces Konr 11,50; habe si wol ze iu getân, / des sult ir si geniezen lân Tr 1622; lâ mih der lobe geniezzen, diu ich hân von dir geseit SM:We 1: 3,13; MF:Reinm 2:3,6; RvEBarl 4825. – Ggs. zu engëlten : ir soldet mîn geniezen, nu engeltet ir mîn NibB 2175,3; des engildet, der ez [in Hs. zu es korrigiert] nie genoz Herb 9505; OberBairLdr 246; so sol ein ieglich man oder frauwe einen guͦten lumundes geniezzen und eins boͤsen engelten WüP 46,3; Iw 940; Teichn 439,50. – ‘jmds. Unterstützung/Wohlwollen genießen’ jâ geniuzet man vil selten / der bœsen gesellen Wig 2337; cumit abir die tac vuri unde inis he nicht ein bisezzin man, so sal he dis richteris gnizi Mühlh 164,3; daz er vnser geniezze [ propter amorem nostrum ] UrkCorp (WMU) 1197B,18; dur got vnd vmb ir sele heil vnd oͮuch fúr alle die selen, der si ie genussen ebd. 1337A,22. – nachteilige Folgen von etw. bezeichnend, auch ironisch: dô Alexander Pâris / Menelâô sîn wîb nam, / dâ michel ubel abe quam, / des maneger ubele genôz En 923. 3352; schiuzet er, sô stiche ich in, / sô sehe, waz ers genieze [was er davon hat] MF:Reinm 67: 5,6; swer mir nimpt mîn êre, / der geniuzet es borvil [dem nützt es gar nicht, d.h. es schadet ihm sehr] UvZLanz 1147    1.2 ‘etw. innehaben; Einkünfte/Gewinn aus etw. haben’ er [der Fisch] was lanc unde grôz, / des er [der Fischer] vil gerne genôz / an den phenningen Greg 3286; koufit abir ein phaffe odir ein ritter vffe winnvnge ettewaz, des he wolle vort geniezin UrkCorp (WMU) 1161A,15; UrkSalem 2,481 (a. 1295)    1.3 ‘in einer Streitfrage recht bekommen’ moͤhte si daz bringen mit zwæin gezivgen zvͦ ir [...], si genvͦzze sin UrkCorp (WMU) 39,13; sagent aber mich di selben fvmf herren vnschvldich, des sol ich geniezzen ebd. 2125,35 u.ö.; StRWien 75    1.4 ‘für etw. unbestraft bleiben, straffrei ausgehen’ dô sprach aber Sîfrit: «geniuzet es mîn wîp, / daz si hât ertrüebet den Prünhilde lîp, / daz ist mir sicherlîchen âne mâze leit NibB 861,1; der ez [das Zücken von Waffen] aber von im selber lezzet, der sol des geniezzen und sol ledig sin WüP 41,10; vnde swer das versessen hat, het er sich mit vnseren vrowen verslihtet, dez sol er geniezen UrkCorp (WMU) 240,33. nu ist wol recht das sie [die zum Tode Verurteilte] mines herren des koniges daran genieß [Gnade findet] , des gesellschafft sie lang hat gehabt. darumb sol man sie leben laßen [aber schwer bestrafen] Lanc 525,8    2 mit Gen.d.S. und Gen.d.P. ‘jmdm. etw. verdanken’ daz ich daz lant niht verlos, / des genoz ich do sin Herb 3941    3 mit Gen.d.S. und präp. Erg. d.P. ‘Anerkennung, Dankbarkeit finden bei jmdm.’ gegen: ich hân tal unde berc / mit maneger tjost überzilt [...], / daz es die vînde an mir verdrôz, / swie wênc ich des gein iu genôz Parz 787,30; nu ist billich, daz er des gein rehten liuten wol genieze SM:UvS 30: 3,3; rechtsspr.: mag er daz bereden mit sinen zwain vingern, des sol er geniezzen [recht bekommen, vgl. 1.3 ] gen dem vogte unde gen dem clager StRAugsb 114,10. wider: ouch sulnt si geniezen / wider iu ein teil der reise mîn UvZLanz 2424; daz in heidenschaft doch eteslîch wîp / des clâren Vîvîanzes lîp / mit mir sol beriezen [beweinen] , / des muost dû geniezen, / bruoder, immer wider mich [das werde ich dir nie vergessen] Wh 208,12; Eracl 5385; Iw 3139. – vereinzelt umbe: sît daz mich dîn tumber sin / ze vriunde ersach, des ich niht bin, / sô wil ich doch des wortes dich / lân geniezen umbe mich RvEBarl 4842. 11862    4 ‘unbestraft bleiben, davonkommen’, meist als als Part.-Adj. ‘(von etw.) verschont, ungeschoren’    4.1 ohne Zusatz: lat stan, lat stan, lat disen man / geniessen! tuͦt im laides niht! RvEWh 1439; so suldir in geniezen lan / ob ich u ie dienest getete GrRud F 17. des nemac sin: / dune scolt so genozin nicht hinnen uaren Rol 4295. 8581 u.ö.; StrKarl 7091; ir [Frau Minne] hât mich geschozzen, / und gât sî [die Geliebte] genozzen, / ir ist sanfte, ich bin aber ungesunt Walth 40,33; swer mit lobe in [Gott] êrt der vert genozzen Sigeher 11,13; Serv 1022; Lanc 230,5    4.2 mit Gen.: hêr, mir tuot immer wê, / sol ers genozzen scheiden hin Parz 290,9; si megens uns jehen z’ unêre, / komen sis hin genozzen Wh 43,23; Jüngl 1187. do wart gesmelzet bli bracht / [...] / und nach des keisers gebote / in den munt gegozzen. / des bleib er noch genozzen [am Leben] , / wand im half der gute got PassIII 278,82    4.3 mit präp. Erg.: nû haiz dû smide sizzen, / daz hûs wol besluzzen / mit vil vesten slôzen. / sô birn wir genôzen / vor unsern vîanden Kchr 11555    5 mit Akk.-Obj.    5.1 ‘etw. genießen’ der [Sünder] ist in dem riche [der irdischen Welt] / vil harte werltlichen, / unz [solange] er daz guot geniuzzet Hochz 628; wie hastu [Sünder] alles dein leben / unrecht genossen und verzert HvBurg 4397. die selben heiligen froun [die Reliquien der Hl. Hedwig] / wolt der kunic ouch geniezen [sich zu Nutze machen] . / er lie sich niht verdriezen, / er fuor dar mit andâht Ottok 9612    5.2 ‘etw. zu sich nehmen, essen’ ein galle unsuͦzze, nieman chan si geniezzen GenM 6,13; steinfar [Steinfarn] genozzen mit prote ist den goͮt, den lanche [die Hüfte] we toͮint PrüllK 11; und sterbent die hüenr von des menschen mist, der die nieswurz hât genozzen BdN 400,26; VMos 51,15; Konr 24,20    5.3 rechtsspr. (vgl. 1.3) ‘etw. innehaben’ also, daz wir noh enkein vnser erbe daz reht niemer svn geniessen me noh getvͤn UrkCorp (WMU) 1730,17. – ‘etw. (wirtschaftlich, gewinnbringend) nutzen’ was sy geniesen mvͤgen meines wælds cze czimmer, cze prennen vnd cze caufen UrkCorp (WMU) N123A,6; swaz si mohten geniezen / des guots [in der erstürmten Burg] , daz man darinne sach, / daz fuorte man gen Friesach Ottok 61280; also ez [das Lehen] der egenante Heinzelin [...] het gehebet besessen vnd genossen UrkBergh 33 (a. 1342). – wohl hierher: mit allem genieze, als er vnde sine kint [...] nv oder immermer geniezen mvgen UrkCorp (WMU) 777,10    6 mit Obj.-Satz: si [Maria] gnoz, / du vil heiliger Crist, / daz du so guot bist SüklV 664; Diomedes genoz, / hern Tydeus son, / vnde daz Agomennon / ime wol bi stunt Herb 9048; lât mich geniezen, daz ich / durch iuwer êre und iuwern vromen / her bin in iuwer rîche komen Tr 10470. 14887; wê, daz ich niht geniezzen sol, / daz ichs ûz hân gesundert / mir ze vrœden gar SM:UvS 33: 1,4; Spec 6,6; Wh 92,20; MarseqM 50    7 jagdspr. in der Verbindung genoʒʒen hân (ohne Zusatz), von Jagdhunden ‘durch den Genuss von Wildfleisch scharf gemacht die Witterung aufnehmen’ (vgl. Dalby, Mediaeval Hunt, S. 60f.): einen bracken, der sô genozzen hât, / daz er die verte erkenne der tiere durch den tan NibB 932,2; Fürst [d.i. ein Hund] was unverdrozzen, / er het wol genozzen, / im was von der vert niht gâch Helbl 4,412; der hunt hât ûf der hiute vil genozzen Hadam 415,7; Winsbeckin 25,6

MWB 2 462,22; Bearbeiter: Runow