g – gâchlîchen gâchmuot – gagen gagen – galander galanderisch – 1galle 2galle – galter galtnüsse – gamerot gamîe – gancheil ganclîche – ganteren ganz – gärmic garn – gartenhuon gartenhûs – 3garwe garwwurz – gastmeisterin gastnusse – gaʒʒenspringer ge- – gebæric gëbærin – gëbendic gebenedîunge – gebietære gebietærin – gebiurischlich gebiurlich – geböume gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten gebrëstelîn – gebrûchic gebrûchlich – gebunt gebunt – geburst geburt – gedâht gedâht – gedense gederbe – gedinge gedinge – gedrange gedrâte – gedünste gedurchtriben – gegate gegatrom – gegenkouf gegenlëder – gegensetzunge gegensidele – gegenwertes gegenwertic – gegihte gegiric – gehaʒʒic gêhe – gehëlfe gehëlfelîche – gehilfe gehilfic – gehœric gehœrlich – gehügenisse gehugesam – geifer geifervrâʒ – geiselrieme geiselruote – geisticlich geistîn – geiʒhorn geiʒhût – gejeitschuoch gejeitvogele – gekünne gël – gelegede gelegelich – gelende 1gelende – gêlîche gelîcheit – gelîchmëʒʒunge gelîchnisgëbende – gelide gelidemâʒe – gêlingen gelîp – gëlm gëlmen – geloup geloup – gëlte gëltel – gelückede gelückederat – gelüstelîn gelustic – gemahel gemahelbettelîn – gemæʒicheit gemæʒiclich – 2gemeine 1gemeinen – gemeinsin gemeinunge – gemerrede gemêrsal – 2gemüete, gemuote gemüetic – gemutzet gemʒe – genâdenschüʒʒel genâdensol – genæmicheit genamʒôn – genemede genende – genëserinne genetzen – genieʒen genieʒlich (?) – genôʒen genôʒgeselle – gensîn gensischen – genuhtlîchen genuhtrîch – genuʒ genuʒt – gephrange gephünde – 1gerat 2gerat – gerëhen gerëht – gereisic gereitære – gerieme geriemen – gerihticlîche gerihtinsigel – geriune 1geriusche – gerouche geröufe – gerte gerte – gerûmiclich gerummel, gerumpel – gêrvalke gerwære – gesaten gesatznissede – gescheftbrief geschefte – geschepfnisse geschepfunge – geschiuwede geschoc – geschrihte geschrîp – gesëhen gesëhenheit – geselliclîcheit geselligen – gesihtic gesihticlich – gesite gesiten – geslihte geslinge – gesnæren gesnarren – gespenstnisse gesper (?) – gespræchelich gespræchetac – gespunst gespür – gestelle gestellet – gestifte gestille – gestrenglîche gestrenze – ge|stunge gestungede – gesuoch gesuochære – geswerme geswërte – gesworn gesworne – getelle getelôs – getougen getougen – getreigeret getrenke – getrüese (?) getrügede – getwædicheit getwædigen – gëtzen getzsal – gevalte gevanclich – gevëderen, gevëdern gevêhe – geverte|lehe gevertinne (?) – gevlester gevlitter – gevrier gevrist – gevülle gevuoc – gewahsenheit gewahst – gewaltroubunge gewaltsame – gewar gewar – gewe gewëbe – gewellen geweltigen – gewërben gewërbic – gewern gewërn – gewiere gewieret – gewinnen gewinnic – gewist gewiste – gewonunge geworden – gewzen (?) gezagel – gezëmelich gezemen – gezît gezîte – gezoc gezogen – gezwîen gezwîge – giefen giege – gifticheit gifticlich – giht gihtboum – gimbîʒen gimme – gippengappen gippentuoch – giric giricheit – gischen gîse – gîtigære gîtige – 1glan 2glan – glas(e)väʒʒelîn glas(e)vënster – gleimel gleimelîn – gleten glêtphenninc – glipfen glise – glocke glockehûs – glôriôs glôriôslich – gluothaven gluothert – goder goedertieren – golf gollen – goltgesmîde goltgesteine – goltreit goltrîch – golttropfe goltvar – gos (?) got – gotesarm gotesbeckære – gotesmordærinne gotesphenninc – gotgeformet gotgelâʒen – gotmeinunge gotmensche – gouch gouch – goukelære goukelbilde – goukelspil goukelsprütze – göumütte, -mutte göu|phâwe – grabe grabe – grâf- graft – gramerʒîe gramerʒîen – gransprunge gransprunge – gras(e)phenninc gras(e)spier – grâvenrëht grâveschaft – grebinc grebnisse – gremiclich grempære – griekech grien – griffel griffelære – grimmetât grimmic – grisegrammen grîseleht – griuslich griuwe – groppe gros – grôʒmüetic grôʒmuoticheit – grüenheit grüenlich – grunderëbe gründic – gruntübele gruntvestære – gruon- gruon- – grütschîn grutte – 1gücken 2gücken – güfticheit güfticlich – gûlen gülle – gumpenîe gunderam – guotdunken guotdunkende – guotswender guottât – gürtelgewant gürtellîn – gymnosophiste
|
gelübede
stFN.
auch gelobede, -lov-.
1
‘Gelöbnis, Versprechen’
1.1 allg. 1.2 in Verbindung mit best. Verben 1.2.1
ein (sîn) ~ tuon
‘ein (sein) Versprechen geben’
1.2.2
sîn (ein) ~ leisten, bewæren, behalten u.ä. 1.2.3
(zer)brechen, abe gân u.ä. 1.3 auf das Eheversprechen bezogen 1.4 relig. 1.5 Gottes Verheißung (entspr. lat. promissum ,
promissio ) 2
‘Vereinbarung, Vertrag’
2.1
‘bindende Verabredung, Abmachung’
2.2
‘Abkommen, Bündnis’
1
‘Gelöbnis, Versprechen’
1.1
allg.:
swer der ist, der sich in ein ainvnge zuͦ dem andern gesatzt hat
mit eiden oder mit gelubden oder mit brieuen oder mit widerwette
UrkCorp (WMU)
467,15
u.ö.;
swaz er [Freier] die iuncvrowen bat / und mit
gelubde ir zutrat / [...] die gotes getruwe Agnete /
bot im ie toubez ore PassIII
111,66;
nâch ir gelübde se tâten UvZLanz
8823;
nû man ich iuch [...], / daz
iuwer gelübede habe kraft Iw
6838;
daz er der jârzal vergaz / und sîn gelübede versaz ebd.
3056;
schoͤnú gelúbde sunder trúwe tat das ist valscheit
von des túvels rat Mechth
3: 14,18;
Parz
280,24;
Krone
22572;
SSp(W)
2:30.
3:54,2
u.ö.
1.2
in Verbindung mit best. Verben
1.2.1
ein (sîn) ~ tuon
‘ein (sein) Versprechen geben’
ain gelubede wart dâ getân Kchr
8580;
gelobet im doch daz beide, / daz er des lîbes sicher
sî. [...] / nu diz gelübede was getân
Tr
10498;
Kreuzf
4846;
Parz
717,7.
– mit Dat.d.P.:
ich bin der êrste, der û nu / des mîn ganz
gelubde tû: / ich leiste allez, daz ir / hie wellet und bevelhet
Kreuzf
4776;
Ottok
75976;
UrkCorp (WMU)
1603B,8.
– mit ~ erläuterndem abh. Satz:
sie taten ein geloͮbede
[...], / daz sie an deme nehisten tage /
ritten beide samint iagen Ägidius
453;
Tr
6364;
ein gelubde sie tâten under in, / wer die stat
gewunne, des solde sîn / den gênden [dem
Fußvolk] die bereite habe Kreuzf
2857.
– mit Gen. oder Präp. von:
di [...] hatten
[...] / veste globede ouch gedan / steder
kuschekeide Elis
5430;
ob unser frowe gelübde tet von irem magtuom
ThvASu
120,33.
– anders:
Mâbûz sîne gelübde tete [tat, was er
versprochen hatte] / und sluoc des jâres nieman
UvZLanz
3824
1.2.2
sîn (ein) ~ leisten, bewæren, behalten u.ä.:
er [
Crist
] leistit sin gelvbede
/ den gloubigen albereite / nah siner warheite Glaub
1162;
Herb
15899;
Albert
48;
EnikFb
1837;
Seuse
144,16;
nu gilt mir min diͤnst, guͦt geldere, /
din gelovd an mir bewere! MarlbRh
50,8;
swelher vnder vns beiden ditz gelvbde niht behalte, als hie geschriben
ist, den slahe got UrkCorp (WMU)
486,42;
daz er si [Rüdiger die sînen
]
behalten bat / sîn gelübde und sînen eit [die er als
Unterhändler den Gegnern geleistet hatte]
Bit
8611;
Mai
230,12;
MarLegPass
3,138;
Wernh
D 3603.
–
wâr lân/halten:
und quam in an dem phingestage /
[...] der heilige geist ze trôste, / der
[...] daz gelübde wâr liez, / daz in Christ
selbe gehiez KvHeimUrst
1183;
ich wil min gelubde war lan Rennew
8538
u.ö.;
ane allen var / halt ich min geluͤbde war
ebd.
24626
1.2.3
(zer)brechen, abe gân u.ä.:
swie niuwelîch diu guote / warnen verlobet hæte, / daz gelübede beleip
unstæte, / wan si zebrach ez dâ zehant Er
4143;
Rennew
29354;
Wh
177,23;
HeslApk
7869;
im solte Gilân / sînes gelübedes abe gân
Tr
16088;
Krone
11388(La.);
dat ich min gelovd wold nider legen
MarlbRh
105,16
1.3
auf das Eheversprechen bezogen:
nû bist dû [
êbrecher
] meineidic
dîner gelübede PrBerth
1:279,27;
ob ir [...] dekeinem wîbe von
gelubede gebunden sît StatDtOrd
127,16.
102,4;
ob ein man chlæglich ein maget oder ein wip ansprichet, daz si mit im
haimlich ze geluͦbde sei chomen vnd ze chonmanne in habe gelobet ze nemen
UrkCorp (WMU)
2345,1.
– bildl.:
ich hate einen trom gemehelt, ich hate den wan
besessen! eya, wa nu des wanes bilde, des tromes gelúbde?
Seuse
361,8.
410,20
1.4
relig.:
mich läitet mînes gelouben gelubde [mein
Taufversprechen] / daz ich von des tôdes gehugde / eine rede
fur bringe Erinn
1.
– als Ordensgelübde, Profess:
von deme gelovde mache er [Postulant] eine
bete [
petitionem
‘Urkunde’] zv der heiligin name BrHoh
58;
BrZw
58;
der bruder [...] uz sime
gelubde gienc, / die itelkeit in under vienc / daz er niht nach tugenden
warb Vät
15089.
14214;
Pl.:
der [Stellvertreter des
Hochmeisters] entphâhe dieselben gelubede mit den
vorgenanten worten StatDtOrd
128,16;
daz wir vns dar zvͦ gibuͦnden mit vnsirre trwͦe
han vnd mit allen den giluͦbiden, die ieman gitvͦne magc, da
mitte wirs gibuͦnden sin vͦnsirm herringot vnd dem selbin
ordin UrkCorp (WMU)
164,27
1.5
Gottes Verheißung (entspr. lat. promissum,
promissio):
ich wil senden daz gelubde mynes vater in uch [
Lc 24,49
]
EvBerl
98,27;
EvAug
208,20;
bîtet des gelübedes, daz iu der vater gelobet hât: daz ir getoufet werdet
in dem heiligen geiste [Act 1,4]
Eckh
2:73,4;
swie gwis von irm schepfere / daz gelobede were, / doch
was iz zwivels nicht ane HeslApk
20768;
KvHeimUrst
1183
(s.
1.2.2
);
PassI/II
346,90;
TvKulm
5495.
–
unde wânten sie vür wâr, / sie wêren
[...] / in daz lant des
gelübdes [das gelobte Land] kumen
HvFreibKr
466
2
‘Vereinbarung, Vertrag’
2.1
‘bindende Verabredung, Abmachung’
swaz ein hausfrawͤ geluͤbd tuͦt ân
irs wirtes willen, daz sol chain chraft haben StRMünch
380,9.
– jmds.
~ stât alsô u.ä.:
swer sô phenninge oder silber gelden sal, bûtet her dâ wette vor, her
en ist dar mite nicht ledic, ir gelobede en stûnde alsô SSp(W)
3:40,2;
ir gelobede en stûnde anders ebd.
3:5,5.
3:9,4;
Mühlh
170,19.23
2.2
‘Abkommen, Bündnis’
der vride wart bestêtiget wol, / als man mit gelubde sol LivlChr
200.
3503;
[sie] zerprachen die gelübde
[
frangentes federa
]
HvHürnh
22,12.
–
der gelübede arke [
foederis arca, die
Bundeslade]
Reinfr
13102;
Cristes menschheit [...] ist
[...] / befiguriret starke / bi der gelubdis
arke TvKulm
1630.
5463;
Mügeln
124,6.
– in Übers. lat. Wendungen (foedus icere/ferire, foedus
inire):
er slet durch di keine geschicht / mit dir kein
gelubde nicht Hiob
14944;
Jacob [...] / mit Laban ein gelubde slug
HistAE
756;
ein gelubde [...] / Isaak
[...] an / ging [...]
/ mit Abimelech ebd.
713
MWB 2 384,42; Bearbeiter: Bohnert
gelûch
Adj.
Herkunft unklar (vgl. Etymol.Wb.d.Ahd. 4, 502 glûh, 2.).
‘aufgedunsen, geschwollen’
bra vnd wintbra waren ruh. / sin nase grosz vnd geluh Krone
19659.
19715.
6037;
do irkante sy sin [Hiob] nicht / durch
der gluchen sweren gicht / mit dem er leitlich waz geslayn Hiob
1052;
als jenen der da yzt zuvil, / so daz im bin der hut sin buch /
sere donet und wirt gluch ebd.
8170.
1130;
der lîb von swulsten glûch NvJerAdalb
274
MWB 2 386,28; Bearbeiterin: Herbers
gelûchte
stN.
→
geliuhte
MWB 2 386,37;
gelücke
stN.
auch -luch- (
StrKD
70,78.
107,228;
PrGeorg (Sch)
). – selten Pl. (
KLD:Namenlos
h 8,6;
PrGeorg(Sch)
1,33.35.37
). – Erst mhd. belegt (
SAlex
6292
).
1
‘Schicksal, Geschick, Zufall’
1.1 allg. 1.2
von ~
‘durch Zufall, zufällig’
1.3 etw. an (ein) ~ lân
‘etw. dem Schicksal anheimstellen’
1.4 jmds.
~ ist guot u.ä. 1.5 übertr., ‘vom Geschick zugewiesene Lebensstellung’
2
‘günstiges Geschick, glückliche Fügung, Glück’
2.1 allg. 2.2
ûf/nâch ~
‘auf gut Glück, aufs Geratewohl, in der Hoffnung auf
Gelingen’
2.3
gelückes vunt
‘Fund durch glücklichen Zufall’
2.4 häufig guot ~
(vgl.
1.4
) 2.5 zusammen mit bedeutungsverwandtem heil , (ge)linge ,
sælde u.ä., teilw. formelhaft 2.6 im Ggs. zu arebeit , ungelücke , unsælde u.ä. 2.7 in Verbindung mit best. Verben; 2.8 im Anschluss an die mittelalterliche Vorstellung des personif. Glücks, der
vrou Sælde (vgl. de Boor, Fortuna S. 311 Anm. 1 [Lit.] und S.
314-320), teilw. sprichw. 2.8.1
gelückes rat (vgl.
gelückrat
), das sich drehende Rad des Glücks
( rota Fortunae ) 2.8.2
gelückes bal, schîbe u.ä. 2.8.3
~ ist sinewel, walzet 2.9 personif.
1
‘Schicksal, Geschick, Zufall’
1.1
allg.:
der hêre unde sîn here / fûren dô uber mere / dar si gelucke sande
En
3743;
gelücke iuch müeze sælden wern Parz
431,15;
gelücke iu heil / gebe ebd.
450,25;
KvWSchwanr
1534;
des helfe mir gelücke, daz si uns genædic müeze sîn
NibB
1154,4;
mit gelükke, daz dâ heizet sors, / gewan her Heinrich drîzik ors
DietrGlesse
701;
Parz
322,19;
Wig
1382.
–
wan hete ich zu der stete pflicht, / so hieze ich ouch gelücke nicht
Frl
5:51,14;
gelücke ist underscheiden. [...] / daz ein
ist gut [...]. / ouch wizzet, daz gelücke ist böse
ebd.
5:52,1.7.
– vom Ausgang, Erfolg einer Sache:
der abbet [...] warte der vischære, / welh ir
gelücke wære. / [...] er sprach: ‘wie ist ez
ergangen? / habet ir iht gevangen?’ Greg
982
1.2
von ~
‘durch Zufall, zufällig’
von gelücke daz geschach LBarl
6201;
bî Rôme ein hûs verborgen [...] stêt
[...]. / wer ez suochet und wil ez vinden, / vor
dem kan ez verswinden. / von gelücke man dar komet UvEtzAlex
12519;
er [Christus] trug
[...] / sin cruce; von gelucke / Simon quam und
half im train [vgl. Mc 15,21
]
TvKulm
4504;
Wh
8,19;
RvEBarl
2108;
DvASchr
356,26
1.3
etw. an (ein) ~ lân
‘etw. dem Schicksal anheimstellen’
daz ir iu kieset einen man
[...], / der ze kampfe sî getân / und an gelücke welle
lân, / weder er genese oder entuo Tr
6118;
Eracl
4872;
ähnl.:
daz gluͦck sich / vnderwijlent verkeret, / vnde danne den man
vneret, / der sich so an es verlat [sich ihm
ausliefert]
Krone
21513.
– vgl. andererseits:
nu muͤste [...] /
Gedeon [...] an got sin gelúcke
lan [seinen Erfolg oder Misserfolg Gott
anheimstellen]
RvEWchr
18578
1.4
jmds.
~ ist guot u.ä.:
[Turnus:] ich wolde ê selbe sterben [im
Zweikampf gegen Aeneas] . / iedoch trouwe ich wol genesen, /
sal mîn gelucke gût wesen En
8734;
swaz man dem unsæligen [zum Unheil Bestimmten]
tuot, / sîn gelücke wirt doch nimmer guot Er
6007;
UvZLanz
8504;
Iw
5517;
sie wolde baz ir gelucke sehen Herb
15809
1.5
übertr., ‘vom Geschick zugewiesene Lebensstellung’
her [...] vregete si wi si hizen und wannen si
wêren und waz ir glucke wêre. dô sageten si iz ime: ‘wir sint erzte und
sint kristen.’ HvFritzlHl
206,2
2
‘günstiges Geschick, glückliche Fügung, Glück’
2.1
allg.:
ich hân gehœret jehen, / daz schade nâch gelücke kumet Bit
2925;
wir haben Gaschiere / gevangen einen grâven abe
[...]. / sölch gelücke kumt uns selten
Parz
31,26;
UrkCorp
N746,9;
mir was gelückes dâ verzigen Iw
748;
owê, dâhte der künec dô, / wie wenket mir gelücke sô? /
waz ist der gote râche ûf mich? RvEAlex
342;
JTit
5081,1.
– als Prädikativum:
sie [die Menschen]
[...] vielen in mangen irretuom. / daz gloupten
sumelîche / daz al daz ertrîche / ein gelücke wære LBarl
2400;
dâ stuont ein wol gewahsen eich, / diu was im ein
gelücke. / an si kêrt er den rücke / und hete von ir schirmes gnuoc, / sô
daz in nieman hinden sluoc KvWTroj
34753;
LivlChr
11054;
von einer Person:
dô der süeze Anfortas / dîn wirt unt dîn gelücke
was [d.h. derjenige, der dich glücklich machen
konnte]
Parz
441,24
2.2
ûf/nâch ~
‘auf gut Glück, aufs Geratewohl, in der Hoffnung auf
Gelingen’
[Kaiser Eraclius will mit der Kreuzreliquie nach Jerusalem
einziehen:] barvuz mit grozer armekeit / nam er do uf den
rucke / daz kruze uf gelucke / und quam alsus zu der stat. / seht, wa die mure
[die sich ihm zuvor verschlossen hatte] entzwei
trat / und lie wesen als da vor / an ir ein gerumez tor! PassIII
282,68;
ubir dî brucke / sach man ûf gelucke / dî brûdre loufin NvJer
12322.
–
den ein tuot waffen vrei [macht seine Bewaffnung
unbekümmert] , / so vert der [andere,
Unbewaffnete] nah gelüke Krone
2933;
Jeisbût intsebete, / daz er hatte des tôdis stich
[...]. / îdoch slûg er zurucke / nach wânis
gelucke NvJer
19667
2.3
gelückes vunt
‘Fund durch glücklichen Zufall’
quecsilber wart nie wilder dan gelückes vunt RvZw
264,3;
dich mag wol betowen / gelúkes funt vnd selden [=
sælden
] regen MinneR471(Pf)
2,47.
– von einer Person:
mîn trût, [...] du bist
gelükes vunt SM:KvL
2: 4,4.
10:2,11
2.4
häufig guot ~
(vgl.
1.4
):
und wirt er danne des gewert, / daz sîn ein guot gelücke
pfliget / und er den lewen an gesiget UvZLanz
1741;
der man hât guot gelücke, / swer den
stein [einen achât
] bî im hât: / swâ er
rîtet oder gât, / er wirt nimer gevangen Volmar
206;
Herb
1653;
KLD:RvR
2,47;
LivlChr
11970;
Tauler
189,3
2.5
zusammen mit bedeutungsverwandtem heil, (ge)linge,
sælde u.ä., teilw. formelhaft:
durch vnser sele giluͤke vnd haîle UrkCorp (WMU)
473,19;
PrGeorg(Sch)
15,283;
Tristan [...] seite im, alse ez
was geschehen, / sîn gelücke und sîne linge Tr
16193.
10593.
18455;
KvWTroj
27546;
gesuntheit, sælde und allez guot, / gelücke, vreude
rîchen muot / enbiutet dir [...] der vater dîn
RvEBarl
13818;
Herb
6770;
Athis
C 152;
Eckh
5:55,19
2.6
im Ggs. zu arebeit, ungelücke, unsælde
u.ä.:
nu er im hæte geseit / sîn gelücke und sîn arbeit
Tr
10746;
daz unglück und glück peidiu ungewis sint und unstæt
BdN
203,26.
203,21;
JTit
2211,1;
Eckh
1:276,2
u.ö.;
leider tac, [...] / du wære ie
mînes heiles diep, / der mîn gelücke stôrte / mit unsælden kumberlich
KvWLd
15,35;
dis betrahten [...] truket mich
in gelúcke und haltet mich in widerwertikeit [
me erigit in
adversis, in prosperis deprimit Seuse, Horologium
493,15f.]
Seuse
255,4;
MarlbRh
3,27
2.7
in Verbindung mit best. Verben;
~
waltet:
daz her den lip ie behielt, / groz gelucke des gewielt
GrRud
H 56;
gelücke müezes walden! Parz
678,17.
351,22.
701,27;
SAlex
6292;
UvZLanz
4464.
– jmdm. geschiht ~
:
da ime daz gelucke geschach / daz her den heiligen man
sac Ägidius
902;
Troylus des genoz, / daz er im [dem
Diomedes] daz ros erstach. / svlich gelucke im geschach
Herb
6378.
vns enkan gluckes niht geschen ebd.
11926;
Tr
7464;
LivlChr
9318.
11217.
– jmdm. volget ~
:
daz dem wirte nie / an deheinem dinge missegie, / wan
daz gelücke volget im ie Wig
1052;
MNat
17,20;
so bit ich got, das [...]
dir alles gelúck und heil volg Seuse
483,5.
394,7;
ähnlich:
hôch gelücke mit im vert, / manlich heil ist im
beschert RvEAlex
4757.
–
~ wächst, geht auf, schwindet:
sô möhte ime gelücke, heil und sælde und êre ûf rîsen Walth
29,31;
von sældenrîchem manne / gelücke wahset mit genuht
KvWTroj
5691.
12449;
des vater guot gelücke swein RvEBarl
13725;
sie slûgen manchen rischen man, / die sich wol mochten hân gewert, /
wêr ir gelucke nicht verzert LivlChr
1468.
– jmd. hât ~
:
den Crichen gebristet niht. / ez ist ein harte riche
dit. / sie han gelucke vnde heil Herb
2154;
waz haben wir wider got getan, / daz wir gluckes niht
enhan? ebd.
11684;
swer wænet hân gelücke ân
in [
got
] , / daz ist ein
tœrlîcher sin RvEAlex
4801;
NibB
249,3;
Wig
1883;
NvJer
19915;
subst.:
der on al buß / wirt von diser welt begraben / mit
dem boͤsen gluͤck haben, / das ist ain versichtlich sach, / er
kom doͤrt ze ungemach Teichn
577,48.
– jmd. versuochet sîn ~
:
dô versuochte unser herre sîn gelücke dannoch baz PrBerth
2:209,11;
Ammenh
17943;
mit folgendem indir. Fragesatz:
ich wil vürebaz / mîn gelücke noch versuochen, / ob dâ vrouwe Sælde
mînes heiles welle ruochen Neidh
WL 35:3,12;
Walberan(L)
2782;
Seuse
12,12;
ähnl.
RvEWchr
18370.
– etw. stât an ~
:
ieglich ellenthafter degn / muoz al sîne manheit lân
/ an sælde und an gelücke stân RvEAlex
7138;
vil dinges an gelu̇cke stat UvZLanz(K)
7518b;
RvEBarl
11864
2.8
im Anschluss an die mittelalterliche Vorstellung des personif. Glücks, der
vrou Sælde (vgl. de Boor, Fortuna S. 311 Anm. 1 [Lit.] und S.
314-320), teilw. sprichw.
2.8.1
gelückes rat (vgl.
gelückrat
), das sich drehende Rad des Glücks
(rota Fortunae):
daz stât an des glückes rade Freid
110,17;
daz glüches rat / jst vertig vnd sinewel Krone
4144;
wolde geluckes rat / uf minen gewin sich schiben MinneR210
222;
jô walzet ir [der
sælde
] gelückes rat / vil stæteclîche ûf unde
nider KvWTroj
2350;
im diente des gelückes rat, / daz im nach êren umbe
lief ebd.
7244;
KvFuss
1620;
RvEAlex
2407;
SM:Wi
9:12,3.
– bezogen auf das Bild / die Vorstellung menschl. Figuren, die mit
dem Glücksrad auf- und absteigen:
gelückes rat daz treit vier man: / der eine stîget abe, der ander
stîget an, / der dritte ist obe, der vierde der ist under Sigeher
7,1;
Wig
1047;
SM:JvR
1:13,1.
– jmd. sitzet / vert / stîget ûf gelückes rade
u.ä.:
wer hât ir [der Frauen]
gunst, der sitzet ûf dem glükes rade SM:JvR
1: 10,13;
sie vuoren ûf gelückes rade Flore(S)
845;
sie wâren hôhe gestigen / ûf des gelückes rat, / nû müezen sie von
der stat / aber nider rucken ebd.
6149;
er [Georg] ist komen ûf gelückes rat, /
daz muoz im immer stille stên [d.h. sein Glück nimmt kein
Ende]
Georg
194;
RvZw
91,4;
JTit
5277,2;
Neidh
WL 25:6,13.
–
got werfe in von gelückes rat Freudenl
698;
ich muoz iemer ligin under glükes rade, / mirn
helfe ûf mîn frowe sældebære SM: Had
30: 1,9;
KvWLd
1,128.
– seltener stellt das Rad selbst das Glück dar:
sô vürhte ich, daz gelückes rat noch vor dem rîche
[dem Kaiser] stille stê
[d.h. nicht bis an ihn herankommt]
WernhSpr
10,9;
zuo slîchet dir gelückes rat / und setzet dich ûf sich enbor
Georg
2360;
gelückes rat ist sinewel, / im loufet maneger nâch, doch ist ez
vor im gar ze snel / unt lât sich doch erloufen williclîch, den ez
beswîchen wil RvZw
91,1.
– Bez. einer wie ein Rad gebauten Brücke, die nur tugendhafte
Leute über sich lässt, andere herabwirft:
dar nach rayt der Printzel /
[...] uber deß geluckes rad /
[...] durch das tor in di stat
HvNstAp
11335.
11206(La.).
13433
2.8.2
gelückes bal, schîbe u.ä.:
geluckes balle [...] het inz geweltzet bazzer
JTit
2418,2;
die [Krieger] hetten sich
gelazzen / zv tode vnde zv libe, / dar nach daz die schibe / des gluckes
leuffet vnde get Herb
13167;
ûf gelückes schîbe / stên ich nû ze stunden
SM:Ro
3: 3,5;
Martina
218,28;
Erlös
2820.
–
gelücke ist rehte als ein bal: / swer stîget, der sol fürhten val
Freid
114,27
2.8.3
~ ist sinewel, walzet:
gelücke daz ist sinewel dicke alsam ein bal Kudr
649,2;
gelücke ist oft sinewel, / hiute nider, morgen hôch Gauriel
4982;
Wh
246,28;
Krone
5965;
Renner
17270;
auch Pl.:
gelücke diu sint sinewel KLD:Namenlos
h 8,6.
–
gelücke ist gar ein wildez lôz, / daz dicke
walzet an und abe KvWTroj
18400
2.9
personif.:
gelücke daz enhœret niht / und selten ieman gerne siht, / swer triuwe hât
Walth
90,19;
mir hât gelücke dich / gesendet, herzen freude mîn
Parz
801,6;
dô kêrte von in unde vlôch / gelücke, daz in wonte bî
KvWTroj
5755.
12608.
18960.
22844;
Krone
11192.
11344;
RvZw
248,4
MWB 2 386,38; Bearbeiter: Bohnert
gelückede
stN.
stF.
Seuse
364,26
(s.u.).
‘Glück’
gelúkt hat mir mit dir [Gott]
gevolget und alles guͦt han ich in dir und mit dir besessen
Seuse
15,23.
15,22;
daz er sin glúkt an ir versuͦchte, ob er si von der
schedlichen wise zuͦ got moͤhti bringen ebd.
136,5;
das man verbotten hât durch der stat gelùkt und hail willen, das nieman ainen
pfenning umb den andern ze wuͦcher lihen sol StRStGall
15,16.
– übertr., als Anrede eines Kindes:
do er sah daz kindli also weinen, do trukt er es lieplich an
sin herz und sprach: swige, gelúkd mins! Seuse
122,11.
– personif., ‘Glücksgöttin’, stF.:
es waz liep und leid, leid und liep, dar na als es gab der
Glúkd rad Seuse
364,26
MWB 2 389,61; Bearbeiter: Bohnert
gelückederat
stN.
‘Glücksrad’
da sitzet fro selde mit irem glúktrad Seuse
435,7
MWB 2 390,11; Bearbeiter: Bohnert
gelückelich
Adj. , -lîch(en)
Adv.
1 Adj. ‘günstig’
2 Adv. ‘gut, glücklich’
3 Adv. ‘glückbringend’
1
Adj. ‘günstig’
[die erste Stufe der Tugend ist] nv̍t forchten
nv̍want vnnerberu̍ ding vnd liden notfestlich widerwertigu̍ old
gluklichv̍ ding RvBib
174,10
2
Adv. ‘gut, glücklich’
swaz ir dorch in [Eneas] getût / daz enmach niht
sîn verloren: / ir habet geluckelîche erkoren [eine glückliche Wahl
getroffen]
En
1550;
da von froͤd myn hertze hat / das es dir gluͤcklichen gat
KonstBrf
69,26
3
Adv. ‘glückbringend’
[
die heiden
] iren goten tâten / opfir grôz mit
lobe, / dî in gewesin obe / wâren mit geleite / geluklîch an der reite NvJer
23377
MWB 2 390,13; Bearbeiterin: Herbers
gelücken
swV.
1 unpersönl. mit Dat.d.Pers. ‘glücken, gelingen, Erfolg
haben’
2 persönl., in der Verbindung gelücket sîn
‘vom Glück begünstigt, erfolgreich sein’
3 refl. ‘sich erfolgreich erweisen’
1
unpersönl. mit Dat.d.Pers. ‘glücken, gelingen, Erfolg
haben’
mocht mir gelucken / in myn leben eyns alsoe, / soe wold ich sicher sterben
vroe MinneR496
218.
MinneR 497
549;
ir [Engelhard und Engeltrud] wunne wart enzücket. /
daz in doch niht gelücket / ist an ir freuden einen tac KvWEngelh
3198.
–
an
‘mit jmdm.’:
gelingen und gelucchen / mach noch dem chünge an in [
den
edelen von Zweinbrukken
] wol Hirzelin
206
2
persönl., in der Verbindung gelücket sîn
‘vom Glück begünstigt, erfolgreich sein’
wir müezen uns friuntschaft flîzen. / unser keiner mac verwîzen / dem andern
niht umb ein hâr: / wir sîn gelîch gelücket gar UvEtzAlex
15596
3
refl. ‘sich erfolgreich erweisen’
also gelukt sich / alle sein [Alexanders] sach
sicherlich, / daz im daz lant Persia / ward undertenig sa GrAlex
2753
MWB 2 390,25; Bearbeiterin: Herbers
gelückhaft
Adj.
1
‘glücklich, unbeschwert’
2
‘glückbringend, glückversprechend’
1
‘glücklich, unbeschwert’
uͤnsers herren leichnamen / macht den menschen
klukhaft Teichn
473,35;
es ist manger glukchaft / hie in diser welt gewesen ebd.
687,36.
687,63;
subst.:
geluͤkhafften nydet sie
[
gerechtikeit
] nit MinneR444
393
2
‘glückbringend, glückversprechend’
Jupiter unde Venus sint geluckehaft, Saturnus unde Mars ubil
MNat
3,26
MWB 2 390,43; Bearbeiterin: Herbers
gelückhaftic
Adj.
1
‘glücklich, unbeschwert’
2
‘heilbringend’
1
‘glücklich, unbeschwert’
der vogel [
alz
] bedäut
uns die läut, die in glückhaftiger zeit træg sint BdN
172,14
2
‘heilbringend’
daz der gelúckhaftig nam
[Jesus] so tief in úwer herz ist gesenket, daz allen
menschen neiswi reht ein núwú kraft dannen enpfintlich moͤht dringen
Seuse
394,25.
394,33
MWB 2 390,51; Bearbeiterin: Herbers
gelückic
Adj.
‘glücklich, vom Glück begünstigt’
man muoz die hôhen hêrren [der rheinischen
Ritterschaft] umbe ein ezzen sêre vlêhen; er muoz gar gelückec sîn,
swem dâ sol guot geschehen WernhSpr
67,5;
ach gelückiger ritter userkorn, / die zit do ir wurdent geborn / muesse iemer
gesegent sin ParzRapp
683,12;
so were ich gelückig [...] / unde wolte nüt me trurig sin
ebd.
707,36.
489,34;
[Rudolf] were alse glücgig, wer es mügelich daz ein lebende
mensche moht gottes stat besitzen, kunig Ruͦdolf würde sü besitzende
ClosChr
42,11.
– subst.:
do von beschlusset ein ende [d.h. der Tod] glucke
vnd widerwertikeit dirre welt, daz die betruͤbten iht fúrzagent vnd die
gluckigen iht zuͦ hochfertig werdent ElsLA
752,26
MWB 2 390,58; Bearbeiter: Bohnert
gelückrat
stN.
auch gelücke-.
‘Glücksrad’ (als Symbol für stetig wechselndes Glück), s.a.
gelücke
2.8.1 :
ich gen auff dem geluckerat, / ich gen auff der sorgen pfat, /
und das gelucke will mein nicht HvNstAp
16427.
2021;
es [das Leben] was liep und leit, leit
und liep, dar nach als es gap fro Venus glúckrat Seuse
424,18.
– auf dem ~ sitzen ‘vorübergehend Glück haben, vom Glück
begünstigt sein’
die wil er dennoch uf dem glúkrad sass Seuse
123,20
MWB 2 391,9; Bearbeiterin: Herbers
gelücksælic
Adj.
‘glückselig, (über)glücklich’
[
der ametiste
] machet glücksælic den man
Volmar
221;
er [
Pompeius
] ni geluckeselig wart
HistAE
5378
MWB 2 391,19; Bearbeiterin: Herbers
gelücksamicheit
stF.
‘günstige Verhältnisse, Wohlstand’
Scilla und Bitallassum / sint auch zwene bose nam. / Scilla ist
genant widerwertikeit, / Bitallasus glucsammekeit
[
prosperité
]
Pilgerf
12197;
personif.:
von nuwem verstanden wir han / das die stieffmutter der
dugent solle han, / Glucksammekeit, geslagen ire hant / in unser weltlich lant
Pilgerf
12384.
12410.
12418
MWB 2 391,23; Bearbeiterin: Herbers
geludeme
stN.
Cranc auch gelodeme.
1
‘Lärm, laute Geräusche’
1.1 von Stimmen; in Verbindung mit Ausdrücken für Schreien und Rufen 1.2 Naturgeräusche 1.3 von Musikinstrumenten 2
‘Aufruhr, Tumult’
2.1 von Personen 2.2 übertr.
1
‘Lärm, laute Geräusche’
1.1
von Stimmen; in Verbindung mit Ausdrücken für Schreien und Rufen:
sich hub under in ein ruf / vnd ein geludme sa zehant PassI/II
188,32;
ein geludme und einen ruf PassIII
40,31;
der tuvel hulte unde schrei / [...] mit geludme
er dannen vloch PassI/II
288,35;
mit eym geludme und mit scre / get des bosen
[Gottlosen] gedechnis hin Hiob
7372;
dô sie hâten vernomen / daz geludem und den braht ErnstD
3059.
–
tu wec von mir daz geludeme dinis gesenges
Cranc
Am 5,23.
–
daz wolveliche hulen / was in dem geludme
[von furchterregenden Tierstimmen] starc
Vät
1093
1.2
Naturgeräusche:
do hub sich ein gesuse / von dem geiste harte groz / als eines windes
sneller doz / sin geludme starke erschal / in deme huse vber al
[vom Pfingstereignis, Act 2,2]
PassI/II
113,63;
als alle wazzer duzzen / und snelle sich irguzzen / sust von dem himel
snelle / der heilge geist gar helle / quam mit eim geludme dar TvKulm
5543;
[der heilige Geist,] der wol snelle sich irguzet / und
sam alle wazzer duzet / in eynem geludme her zutal Hiob
45;
nach dem liechte mit ungevug / volget eyn geludme groz. /
daz ist der doner ebd.
13819;
ez bruͤdelt und dundert / in dem gebirge vaste. /
[...] ja, herre! wær diu helle / hie
[...] mit æller ir gebruͤdem, / ez
moͤht daz geluͤdem / kume tiuvellicher sin WhvÖst
4408
1.3
von Musikinstrumenten:
man hort uz ietwedern scharn / der busunen crach und doz:
/ daz geluͤdem wart so groz / daz der kuͤnc von Zyzya / erschrak
WhvÖst
6430;
geluͤdems was do wunder / busunen und von tamburn
ebd.
6480
2
‘Aufruhr, Tumult’
2.1
von Personen:
ja wert ir uzgen nicht in gelodeme [
non
in tumultu exibitis
] noch in vlucht wert ir uch
wecvordern [wegeilen]
Cranc
Jes 52,12;
PassIII
263,9;
HvNstGZ
3583.
–
~
in/under dem volke:
daz lîchte nicht ein geluͦdeme worde in dem volke EvBeh
Mc 14,2.
Mt 26,5;
EvBerl
54,25;
ein
geludeme [
tumultus
] wirt sich
irheben undir dinem volke Cranc
Os 10,14.
Ez 7,11
2.2
übertr.:
do in ir kusch herze erschal / daz geludme [Einflüsterungen
des Teufels] al entwerch / und wolde sie verwunden verch, /
deme gienc si wol engegen [widerstand sie]
PassIII
493,65;
des vleisches geludme ebd.
426,31.
–
daz geludme ist so groz, / [...] in uns
kranken / an iteln gedanken, / die in die andacht vliegen / und sie leider
biegen / uz guter andacht mit gewalt PassIII
168,47.
–
[die himmlischen Ehren,] die daz ore des totlichen
libes nich nehoret, / die wile iz des werltlichen geludemes doz betoret
Himmelr
10,22
MWB 2 391,31; Bearbeiterin: Herbers
gelükt
stN.
→
gelückede
MWB 2 392,19;
gelummere
stN.
‘Lärm, Getöse, Tumult’
dô wart in der selbin nacht / wol in dem êrstin slummere / ein sô grûwelîch
gedummere [La. gelummere
] / vornumin obin in der
luft NvJer
24781;
auf Kriegslärm bezogen:
ebd.
24814
MWB 2 392,20; Bearbeiterin: Herbers
gelüpnusse, -nussede,
gelüptnusse
stF.
‘Gelöbnis, Versprechen’
so henkent die bv́rger von Clingenowe ir ingesigel an disen brief ze einer
gelvͦbnvste dirre dinge UrkCorp (WMU)
3467,41;
als die gelúptnuß geschach, / bald gen himel sach / Fridrich unnd sprach
‘rainer got, / dein gnad unnd dein gebot / hat vaͤtterlich an mir getan
[...]’ FrSchw
4623;
mein geschaͤft und gelubnuß [
testamentum meum,
Ps 88,29
] wirt ym getrewleich berayt PsMb
29(Glossar)
MWB 2 392,25; Bearbeiterin: Herbers
gelüppe
stN.
‘Gift’
daz gelüppe was alsô getân, / daz siz mit nihte kunden /
gescheiden von der wunden Tr
7268.
7771;
daz gelüppe vrumete im smerzen / an lîbe und an dem herzen / und
bitterlîche quâle HvFreibTr
6323;
Parz
790,11;
merkch das chraut und sewds in wein / und gib es [als
Gegengift] den die wunt sein! / die werdent an der selben stundt / von
dem gelupp wol gesundt Seifrit
6210.
6200;
ein phîl gelüppes vol KvWPart
9461;
ez wont ein wurm [bildl. für die Zunge] in eime hol /
[...] / sîn swanz der ist gelüppes vol, / vergiftig ist sîn
ort Kolm(B)
93,6.
–
mit/von ~ wunt
‘vergiftet’
sîn oder werden:
dû [Tristan] bist mit gelüppe wunt
Tr
7773;
HvFreibTr
6723;
die von gelupp wuerden wundt, / die wuerden auf der selben stat gesundt
Seifrit
6219.
–
‘Zaubersalbe’
aspindê dâ von verbran. / waz wunders diz gelüppe kan
Parz
490,30;
sît man daz gelüppe heiz / an dem spers îsen weiz, /
[...] den frost ez ûzem lîbe treit ebd.
490,13.
– übertr.:
diner [Jesu] marter geluppe Martina
108,87.
91,57;
nuͦ hat mir leides geluͤppe / durch stochen myne wuͦnne,
/ getoͤtet alle myn kuͤnne MinneR444
112;
och soltu nit gestatten / irem [der
Sünde] vergiften pfil / belibendes kain wil, / ald ir gelúppe
tuͦt dir schaden SHort
4589;
Renner
17021;
NvJer
5934
MWB 2 392,35; Bearbeiterin: Herbers
gelüppic
Adj.
‘vergiftet’
[der Mensch] tet och werc vil vppige / von svnden gar
geluppige Martina
117,26
MWB 2 392,61; Bearbeiterin: Herbers
gelüpschafte
stF.
‘Gelöbnis, Versprechen’
sin [Gottes] gelúbschafte ist, daz er allen
[...] hat gelobet, die im dienent unz an daz ende
PrGeorg(Sch)
14,62
MWB 2 392,63; Bearbeiterin: Herbers
gelüptic
Adj.
‘verpflichtet, an ein Versprechen (einen Eid) gebunden’, präd. mit
werden:
– mit Dat.d.P.:
dar vmb enbieten wir üch vnd wellen, daz ir dem selben Volmar gelüptig werdent
mit üwerem briefe UrkEidgenG
4,2:462
(a. 1316).
– mit Dat.d.P. und Gen.d.S.:
daz [wir]
[...] den ersamen lûten [...] dez
volgig vnd gelûbdig sigen worden, daz wir den êgraben [...]
niemer sv̂lint naher gewisen alde gerihten UrkCorp (WMU)
2209,18.
– mit Akk.d.S.:
her Gregorie von Valkenstein vnd Ruͦm vnd Albereht von Valkenstein, die
gegenwertich waren, da ich diz gelúbdich wart UrkCorp (WMU)
2734,5.
– mit ze:
die wisan in Tegermose [...], dar vmbe si
geluͦbdich wrdent ze widerlegunge vivnf vnd trizech schillinge geltes
UrkCorp (WMU)
1795,41;
swaz iman tvͦth als [l. ald
]
zetv́nne gilvbdich wirth ebd.
N503,29
MWB 2 393,3; Bearbeiterin: Herbers
gelüptnusse
stF.
→ gelüpnusse
MWB 2 393,20;
gelürme
stN.
‘Ungeziefer’(?)
kever unde würme / und ander mang gelürme / was ir [der
Krähe] spîs Boner
49,12
MWB 2 393,21; Bearbeiterin: Herbers
gelust
stMF.
auch glust, gelost.
1
‘Verlangen, Begierde (nach etw.)’
1.1 ohne negative Wertung; allgemein 1.2 in negativer Wertung: ‘böse, sündhafte Begierde, Lust,
Wollust’
2
‘Freude (an etw./ jmdm.), Vergnügen, Wonne’
1
‘Verlangen, Begierde (nach etw.)’
1.1
ohne negative Wertung; allgemein:
des twang in [Parzival] art und
sîn gelust Parz
118,28.
9,26;
ez [mein Herz] wil ûz durh ganze
brust / von mir zuo der sældenrîchen: / also stark ist sîn gelust
SM:St
4: 4,7;
sô sêre er her gerüeret kam, / daz er nâch sîner gelust /
hurtende mit des orses brust / den vînt sô sêre erschalte, / daz ern zer erden
valte Tr
7011;
sper druhten si dô nider, / als si truoc ir gelust
Wig
3526;
nu tuont ein wênic des ich ger, / büezt mir mînen gelust
/ und erloubent mir die êrsten just UvZLanz
2895;
sîn manlîch gelust Wh
11,6;
Frl
7:14,11;
der bitter tôt was ir gelust Wig
9996;
daz herze mîn mir mangen stôz / mit sprüngen stiez an mîne brust: / ze
reden was gar sîn gelust UvLFrd
36,22;
in lange sehen was ir gelust: / dô was im von in vil gâch
RvEBarl
14900;
die rehten maister der geschrift, die tag und naht mit
überigem grôzem gelust lesent die geschrift und tihtent new lêr
BdN
221,20.
– mit Gen.-Attr.:
daz kint [...], / daz souc
nâch sîns lîbs gelust [wie sein Körper dessen
bedurfte]
EnikWchr
13662.
13654;
den fursten sol für unmuot
wegen [helfen] , / daz si kurzewîle phlegen, /
und doch mit den mâzen, / sô daz si des niht lâzen / durch dheiner kurzewîl
gelust, / si hüeten stæt vor der verlust / ir lant und ir liute
Ottok
287;
der ritterschaft gelust UvLFrd
469,14;
strites gelust WhvÖst
17639.
– in verbalen Wendungen:
ich bin in einem gelvste, / daz ich gerne kvste
ReinFu
K,179;
mich ist anchomen ein glvst Fabelcorp
23,6;
und das solltu wechennenn an der pegirde und an dem
gelust den du gewinnest zu essenn HvHürnh
35,2;
an sime libe langer leben / hete er gelost nicht vmbe ein har
PassI/II
33,76;
vnde [der Wein] gibit gelust
zu ezzene vnde irlosit den bladem SalArz
20,54;
ain syrop dâ von [aus Quitten
gemacht] , der den gelust ze ezzen wider pringt
BdN
320,22.
– spez. von sinnlicher, sexueller Begierde, Trieb:
minne gerende gelust / kunde ir lîp vil wol gereizen
Parz
409,30;
swelche lute heizir vnde vuchter nature sin, an den
merit sich di gelust vnde di same. swelche aber heiz vnde trucken sin, di
haben groze gelust vnde weninc samen SalArz
61,21;
und sein [des Kamels] weip
hât sô grôzen gelust zuo im, daz si vor gelust greint BdN
124,22
1.2
in negativer Wertung: ‘böse, sündhafte Begierde, Lust,
Wollust’
daz wir alle die gelust unrehtir dinge erleschin
muͦzzin an unsirme lîbe, die uns ze sundin unde ze unrehte lâitint
Spec
88,12;
swer sich an niht wil kêren / wan an des lîbes gelust, /
daz ist der êren verlust Tr
12511;
sünden glust ist sünde niht, / swenne er wirt sigelôs unt daz mit widerwer
geschiht; / sünden glust mit widerwer tuot crônebæren kemphen kunt RvZw
89,1.3;
der furste bezeichent die gelûste unsers fleisches,
chelgîte unde allir slahte gierscheit Spec
40,10;
der meister alzu dicke sach / den tuuel [in der Gestalt einer
schönen Frau] an durch gelust PassI/II
294,30;
du sollt nit naigen zu dem gelust der
weibe [
ad coitum mulieris
]
HvHürnh
14,1;
ich weiz sô michel geluste ime chômen unter sîne bruste,
/ daz er fore minnen aller begunde brinnen Gen
1598.
309;
nû hüete, daz dir iht under brust / in dîn herze kom der glust, / dâ mit
dû dînen werden man / an êren mügest geswachen KgTirol
32,4.
– mit Adj.-Attr. (bœse, übel, vleischlich, werltlich
usw.):
so die unreinen girde und die boͤsen
gluͤst gestillet werdent von der heiligen riw
PrOberalt
163,9;
duo si [Adam und Eva]
nedwanch nehein ubel gedanch, / noch unter ire brust chom nehein ubel gelust
/ unze si wâren wolgezogen [wohlerzogen, gehorsam]
Gen
309;
ouch enhât mich werltlich gelust / unz her noch niht berüeret, / der
hin zer helle vüeret AHeinr
690;
wert iv vngezæmer gelust, / div ist der sele gewissiv verlust
Warnung
1613;
wan der vleischlîch gelust / mit brœdeclîcher âkust /
uns armen brâhte den tôt RvEBarl
2467;
Renner
9823;
Elis
1488.
1660;
si [
die kiuscheit
] ist die zv hus
sal tragen / den sic ob valscher gelust, / swa si buet in der brust
PassI/II
248,64
2
‘Freude (an etw./ jmdm.), Vergnügen, Wonne’
von giluste der tuginde [(delectatione
virtutum) aus Freude an der Tugend ]
BrZw
7;
si üebeten [...] den bracken unde
daz armbrust / mê durch ir herzen gelust / und durch ir banekîe / danne durch
mangerîe Tr
17268;
besaz si nach ir gluste / mit ir geniezen kindes spil, / wart ir gewinnes icht
zi vil, / daz sich di lude erheben duͦt, / sa wolt di juncfrouwe guͦt
/ [...] der winnunge abe gen Elis
874;
nu saltu wizzen alvurwar, / daz dich gelust me weichet, /
als [wenn] dine gewonheit streichet / dine katzen mit
der hant, / dan dem bischove si bekant / an alle dirre
zierheit [Herrlichkeit der liturgischen Kleidung] /
die nu ist an in geleit PassIII
128,11.
205,2;
dâ [in der liebevollen Pflege der guten Pflanzen]
lît gelust des herzen an, / und gît ouch hôhen muot Walth
103,19;
ach, waz si enpfiengen / sit swær nach geluͤsten!
WhvÖst
9673.
– in Verbindung mit haben, machen:
daz ich gelust an got han PrGeorg(Sch)
6,132;
dat höu machd in [dem Ochsen und
Esel] gelust ind macht, / darup uns Jhesus was gelacht
MarlbRh
41,37.
97,26.
102,24
MWB 2 393,24; Bearbeiter: Tao |